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Full text of "Jahrbuch des Kaiserlich Deutschen Archäologischen Instituts"

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XTYQp- 




r 



Jahrbuch 

DES -* 

KAISERLICH DEUTSCHEN 

Archäologischen Instituts 



Band vi 

i89i 



MIT DEM BEIBLATT ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 



BERLIN 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 
1892 



3k 



Inhalt 



Seite 

O. Bie Zur Geschichte des Haus-Peristyls I 

A. Brückner Zur Lckythos Tafel 4 197 

K. Duemmler Zu den Vasen aus Kameiros. Mit drei Abbildungen im 

Text 263 

R. Engelmann Das Homerische Pempobolon. Mit drei Abbildungen im 

Text (Vgl. Anzeiger S. 192) 173 

R. Förster Laokoon-Dcnkmäler und -Inschriften. Mit Tafel 3 und 4 und 

fünfzehn Abbildungen im Text 177 

M. Fränkel Gemälde-Sammlungen und Gemälde-Forschung in Pergamon 

JVgl. Anzeiger S. 93) 49 

A. Furtwänglcr Zum Ostgiebel von Olympia. Mit einer Abbildung im 

Text jQ 

„ Zu den Köpfen der griechischen Kolilenbeckcn no 

B. Graef Bruchstücke einer Schale von der Akropolis. Mit Tafel i und 

einer Abbildung im Text 43 

P. Hartwig Zwei Schalenbilder des Epiktet. Mit Tafel 5 und zwei Ab- 
bildungen im Text 250 

A. Michaelis Römische Skizzenbücher Märten van Heemskercks und 

anderer nordischer Künstler des XVI. Jahrhunderts. I. 
Mit neun Abbildungen im Text. II. Mit einer Ab- 
bildung im Text 125. 218 

B. Sauer Der Ostgiebel des Olympischen Zeustempels. Mit vierundzwanzig 

Abbildungen im Text 9. 75 

„ Nachträgliches zum Olympischen Wcstgiebel. Mit fünf Abbil- 
dungen im Text 88 

F. Studniczka Ein Denkmal des Sieges bei Marathon. Mit drei Ab- 

bildungen im Text 239 

„ Ein Opferbetrug des Hermes. Mit einer Abbildung im 

Text 258 

G. Treu Dieneucsten Versuche zur Anordnung des Olympischen Ostgiebels. 

Mit dreizehn Abbildungen im Text 63 

„ Nochmals die Olympischen Giebel (Vgl. Anzeiger S. 93 f. S. 142) 98 
H. Winnefeld Tusci und Laurentinum des jüngeren Plinius. Mit zwei 

Abbildungen im Text 201 

F. Winter Polyphem. Mit Tafel 6 und einer Abbildung im Text .... 271 
P. Wolters Tyro. Mit Tafel 2 61 

Tafel I. Bruchstücke einer Schale von der Akropolis. 

2. Terrakotta aus Tanagra. 

3. Marmorkopf des Museo civico in Bologna. 

4. Attische Lekythos. ^ 

5. Zwei Schalenbilder des Epiktet. 

6. Polyphem. Vase in Richmond. 



Inhalt 



ARCHÄOLOGISCHER ANZEIGER 

Seite 



Jahresbericht tlher die Tfaütigkeit des 
Kaiserlich Deutschen Archäologi- 
schen Instituts 63 

Hauptmann Denekcf 161 



PbilologenvcTsammlung 
Gyinnasialun terricht und Archäologie 
SitEungsberichtc der Archäologischen 
Gesellschart zu Berlin. 1890 Dezem- 
ber. 1891 Januar — Deiember. Mit fUnf 

Abbildungen 30. 68. 138. 

Die Sammlung der AbgUsse im Alber- 
tinum zu Dresden (G, Treu). Mit 

zwei Abbildungen 

Erwerbungen der Antikcnsammlungen 
in Deutschland 1890' 

I. Berlin (O. Puchstein. A. Furt- 
wängler). Mit vierundiwanzig Ab- 
bildungen 

11. München (W. v. Christ) 

III, Dresden (P. Herrmann). Mit zwei 
undzwanzig Abbildungen , . . 

IV. Karlsruhe (K. Schumacher) 
Erwerb ungsberichte der deutschen 

Universitätssammlungen. Bonn (G 
Loeschcke). Mit einundzwanzig Ab 

bildungen 

Neuere Erwerbungen der Antiken 
Sammlungen des Österreichischen 



6S 
161 



182 



"5 
163 

164 
169 



14 



Seite 

Kaiserhauses in Wien. 1880— 1891 
(R. von Schneider). I. Mit elf Abbil- 
dungen 170 

Die Archäologische Sammlung der 

Wiener UniTcrsität (K. Partsch) . 178 
Antiken im Privatbesitz zu Dresden 
(G. Treu). Mit zweiundzwanzig Abbil- 
dungen 20 

Sammlung Herfurth in Leipzig (Th. 

Schreiber). Mit vier Abbildungen 27 

Das Wagnersche Kunstinstitut bei der 

Universität WUrzburg 127 

Erwerbungen des British Museum im 

Jahre 1890 131 

Sammlung Rogers 29. 137 

Verzeichnis der in der Formerei der 
Königlichen Skulpturensammlung 
KU Dresden verkäu fliehen Gipsab- 
güsse 128 

Gipsmuseum in New-York .... 137. i8a 

Gipsabgüsse aus Rom 182 

Sammlung der verkäuflichen Photo* 

grnphien des Instituts in Athen . . 74 
Institutsnachrichten . . . 43. 91. 141. 191 
Zu den Institutsschriften . 44. 9a. 142. 192 

Bibliographie 44. 94. 143. 192 

Register 21z 



ZUR GESCHICHTE DES HAUS-PERTSTYLS 

Das Pcristyl tjicbt dem Iictlenischcn und dem hcUenisicrcndcn Wohnhause 
seinen Charakter: ein freier Hof mit oder auch ohne Gartcnanlagen, umgeben von 
Säulenhallen, bildet es das Centrum des Hauses, von dem die herumliegenden 
Zimmer Licht und Luft empfangen. So tritt es uns fertig in den erhaltenen hcllc- 
nisierenden Häusern Pompejis entgegen, so beschreibt es Vitruv bei der Schilderung 
ties griechischen Wohnhauses (VI I0,i). 

In die Geschichte des Pcristyls, wie des ganzen griechischen Hauses ist 
(hirch die Entdeckung der Palaslbauten niykenisclicr Zeit, wie sie in Tiryns, Mykcne, 
Troja und Athen vorläufig vorhegen, ein ungeahntes laicht gefallen; Nisscns — da- 
mals noch divinatorischer — Ausspruch' ,>aus den Anaktensitzen hat sich der Palast 
der historischen Jahrhunderte entwickelt solUc in wunderbarer Weise bestätigt 
werden. 

Das tirj'nthische Bausystem eröffnet den Blick sowohl auf die vorangehende 
als auf die nachfolgende l^itwickeluiig. Puchstein ■ hat zur Erklärung der merk- 
.wiirdigen Thatsache, dafs bei sonstiger Culturversehiedenheit die Gnuitlrisse der 
jieloponnesischen und trojanischen Paläste eine so auffallende Übereinstimmung 
zeigen, drei Möglichkeiten hingestellt: gleiche P!ntwickelung aus gleichen Bedingungen 
oder gemeinsame pjitlehnung eines fremden Bauprinzij)s oder Übertragung von 
einem Ort auf den andern. Von der ersten Möglichkeit kann aber bei genaucrem 
Zusehn keine Rcfle sein. Denn gerade das tirynthisch-trojanische System unter- 
scheidet sich in wesentlichen Punkten von den nationalen Wohnhaussystemen anderer 
Völker, so z. B. von dem altpergamenischen ', von dem altgermanischen*, von dem 
altitalischen (Atrium). Diese drei Systeme sind zunächst nicht parataktisch, sondern 
liypotaktisch — d. h. sie erweitern den Hauptsaal nicht durch zugefügten Gruppen- 
bau, sondern durch Unterschiebung mehrerer Räume imler dasselbe Dach. Und sie 
zeigen zweitens im liinteren Teil des Baues das erste durch die beiden seitlich 
der Ivxedra gelegenen Schlafräume, das zweite durch den breiten Fleet, das dritte 
durcli die alae -- eine Breitausdehnung, die dem basilikalen I'rinzij) des Megaron ge- 
nau entgegengesetzt ist. Als einziger Vergleichungspunkt bleibt der aiubitns, 
welcher tias alte Atrium ebenso umgab, wie er das Megaron umgiebt — in späterer 
Zeit weniger wohl aus Rücksichtnahme auf die Wasserableitung als infolge pietät- 
voller Isolirung tler parieUs. welche nicht communcs werden sollten. Jene Diffe- 
renzen aber sind so unterscheidend, dafs sie niclit nur eine Heranziehung der fremden 
Bausysteme als Analoga verbieten, sondern dafs diese sogar als geschlossene (jruppe 

') I'i>n)pL'jaiiisi;hL' Suniicii S. 620. '■) Nissen a. a. O. S, 611. 

'} Ari-hiiuloyiscIiiT Aii/ciKtT 1S90 S. Ofi. ') Nissan ;!. a. l >. S.f>i2. 

.lalirlmrli il-i arhSoliiirin-lion tii<-liliii« VI, I 



Bio. '/mt GtnKhichle de« lUiK'l'cTii'iyU. 



der Gruppe Ttryns-Troja gcgcnilbcrtrcten. Somit fallt jctie Wahrscheinliclikcit fiir die 
Annahme, aus Klcichcii Hcdin^ungeii sei hier Überall eine (gleiche Enhviekcluiij^ 
hen'orßeganfjai. 

Hingegen ist die Ähnlichkeit des Megaronsystems mit dem altägyptischen 
WohnhauFibaii so *chlai;end. dafs an einer AbhänyiKkcit jenes von diesem nicht (^c- 
zweifell werden kann um! dafs es dann ziemlich lileichsiltij; bleibt, db Troja auf 
dem LImwcij;c über Tirj-ns, M'ic Puchstcin j^em mochte , oilcr direkter sich seine 
Vorbilder zum Palastbau au* Ägypten j^cholt hat. I*'s ist nicht nur der Fagaden- 
bau — soweit gicbt l'uchstein den ägyptischen Kinflufs zu — , der mit peiner Saulcn- 
architcktur auf die Abhängigkeit hinweist, sondern der ganze Gnmdrifs'. Das 
ägyptische Maus unterMiheidel sich haupti^ächlich in 7.wei Punkten vom nicsopo* 
lamischcn: es betont den umfriedeten, durch ein Thor zugänglichen Vorhof und 
es bringt in der Vorhalle und dem Hauptsaal die Säulenarehitektur zu reicherer 
Ausbildung. Der chaldäisch .assyrische Palastbau — im Prinzip* säulenlos, wie es 
ilas hmdesübliche [.ehnmiaterial mit sich brachte — gruppirt schon in den ältesten 
un« erhaltenen Beispielen' die Käumc um einen quatiratischcn Binncnhof; ver- 
schiedene .solcher Complcxc vereinigen sich dann parataktisch zum grofcen Kßnigs- 
silz, ein System, das in dem spateren, aber gut erhallL-nen Sargonpalast von Korsn- 
bad" sich auf setner höch'<ten Knlwickelungsstiire dai-slellt. Höchstens in diei^er 
Nebenordnung von Herren-, l-'raucn- und \S' irisch aftsräumen läfst sich der tirynthcr 
Gnmdrifs mit asiatischen Bauten vergleichen; im Kinjtclnen folgt er dem ägyptischen 
Hausschema, wie es im Holzstil und dann im Steinstil, im Hause selbst wie im 
hausnachahmendeii Grabe sich allmälig herausgebildet hatte'. Man blicke z.B. auf 
da* Grabgemälde Perrot-Chipiez-Pictschmann, Ag>ptcn l'ig. 256, das uns deutlich 
dieselbe Hausctntcilung vorführt, <lic in Tiryns vorliegt: durch eine Pforte gelangt 
man in den Vorhof, von diesem in die sich mit Säulen öfTncndc Vorhalle, die in 
eine vordere unil eine hintere Hälfte zerfallt, <iann durch die I lauptthur, die — 
wie in Tiryns vorauszusetzen — mit einem Teppich ausgefüllt zu sein scheint, in 
den cigentHchcn Saal. Das ist der alle, ehrwürdige Hcrd.saal, der schon in Ägypten 
basilikal ausgebildcl wurde, — beleuchtet durch das obere Seitenlicht des über- 
iKditcn MitteUchiffs, welches, noch ehe Tiryns gefunden war, schon dem homerischen 
Mcgaron ebenfalls zucrleüt wurde. 

Wir haben also ein volles Recht den tirynthischen Grundrifs auf äg>'ptische 
Kinflüsse zurltckzuführcn. wie wir es bei so manchem Produtct der mykenischen 
Cultur bereits Ihun. Umfriedeter Vorhof, seitlich geschlossene, mit Säulen sich 
öffnende Vorhalle und basilikalcr Herdsaal sind die hauptsächhchen, wesensgleichen 
Bestandteile. In Tiryns ist der Hof rings von Säulen umgeben. Ist er etwa schon 



>) In den saolenloscn lrnjnn»chcn Pahr^tcn liabrn 
wir aUo nicht etwa eine (rUlietc Slnfc, sonOcrn 
■IUI eine chiriKlierc Cc»talt de« tjrynilier Plans 
tu erkennen. 

*) t^dlenrnfodcn wie l'en-Dt-ChipicK II S. 14z, t4j, 
33 Ssiail Ausnahmen und wcifvn vtGDeichlaufchvn 



jenen agypnscbcn Einflufs hin: nuch I'iicK>tein 
Unit f-ie für uldil nltassymch. 
■) Vg}. Pcitol.CUtpiejt II S.448ff. 

*) pcTToi-ciiipt« II a. 432 ff. 

*) ^s'' hotindco Sylicl, Welt^-«chtclite der Kua»! 
S. 10 r.; IJ und Eman. Ägypten S. 358. 



Bie, 7mi G««chichle de« Itatu-l'natjU. 



ein Peristyl? Auf den ersten, fiücluij^cn Blick will es so scheinen; aber sehen wir 
genauer zu, so bemerken wir. ilafs die ihn umgehenden Hallen kein ditrchlaufender 
Säidcn^ang sind , sondern sich aus einzelnen , verschieden motivirten Teilen zu* 
sammensetzen. Ks sind deren — denn die wesiÜche hat Dörpfcld zweifellos richtij^ 
ergänzt — fünf. Erstens und zweitens die beiden Vorhallen — die eine des Thores 
A'"'-, welches den grofsen Kestungshof /■" mit unäcrm Hof L verbindet, die andere 
des Männersaals selbst. Ferner ofTnct sich das neben jenem Thore liegende läng- 
liche Zimmer, sowie die beiden jileichen an den Schmalpcilen des 1 lofes, jenes mit 
zwei, diese mit drei Säulen gegen denselben. Der Eindruck des l*erislyls wird also 
hervorgerufen durch die aneinander stofsendcn Hallen der am Hofe liegenden 
Zimmer sowie Thore". Aber noch ist das durchgehende Peristyl nicht vorhan- 
den; Anten oder volle Mauern trennen die einzelnen Hallen. Sie brauchen nur 
noch einheitlich verbuniJcn zu werden, um aus dem Hofe das Peristyl sich cnt- 
wickchi zu lassen. 

Gegenüber dem älteren Haushof, der einfach umfriedigt nicht mehr als eine 
Abgrenzung des zum Hause gehnrigen Terrains bedeutete, steht der tirynthischc 
Hof auf einer weit entwickelteren Stufe — und in dieser Verlegung des Schwer- 
punktes vom Saal nach dem Hof hin werden wir auch weiterhin das treibende 
Motiv in der Ausbildung des griechischen Wohnhauses erkennen. Aus der aJtcn 
rauchgeschwärzten Halle ging das natürliche Streben nach dem hellen und luftigen 
Hofe; im Hause des Odysscus benutzen bereits die Kreier den Hof zum Spielen, 
zum Speisen, xum Hcratcn; für Fremde wird dort eine Schlafstätte eingerichtet. 
So hebt sich allmältg die Bedeutiuig der 9Ü>.^, und tlicsc Steigerung ihrer Bedeutung 
sucht auch in ihrer architektonischen Gestaltung einen Ausdruck zu finden: die 
Zimmer, welche sich um den Hof gruppiren, offnen sich gegen ihn mit Säulen. 

Das bauliche Motiv der Vorhalle, wenn es auch nicht griechischen Ur- 
sprungs ist, darf doch seiner vorzüglichen Ausbildung auf hellenischem Boden 
wegen als spezifisch griechisch bezeichnet werden. Eine grüfsere Rolle spielt die 
Vorhalle zuerst in der ägyptischen Baukunst, wo ja überhaupt alle Säiilcnarchitcktiir 
ihre Heimat hat, während das alte Mesopotamien hauptsächlich aus HoUmanget 
einen Saulcnbau, der auf den Oiamktcr der Baukunst bestimmend einwirkte, nicht 
gekannt hat'^ Von den Agyptcni lernen die .•ichmiegsamcn Phönizier den Säulen- 
bau; die Cedcm des Libanon iicfcrn ihnen das nötige Holzmaicrial. Auch das 
Motiv der Vorhalle übernehmen sie und wenden es x. B. am Salomonischen Palast und 



''"} AuriMrpleldsvielfoch (i. B. BanmcittcnDaikui. 
TaC 75) wicdotscc ebenem I'lan. 

I') Der aUeti ab rct^I&rcs l'cii»tyl vrrsUndcnc Hol 
niu Z 343 (cf. NistCD, rppiiej. Sriidl«» S. 6iq} 
kann cb«»o nach der Anatogic von Tiryntt aU" 
vcnchic^lcnen «?M«j3v «icb luiammr nutzend 
Kcdacbl wcfdcn; eine jiTüciEcrc Inlcrpretalion 
iruiiic der dichlerischcu riiantiMC nur tTorechl 
lliun. 



Eine der bcitlhmlcn Albanei A*cbenumcti [Atioaü 
1871 t. V) wtirdc mit ilirn Vcrhalli; auf ein 
nwcitcs Altcttcs Local ihicr An^hildnng hinwei- 
sen, wenn »kbi dji* angebbcbe bolir Allrr 
di«er L'men dadurch problematisch würde, ilaO^ 
»ic, iffie mir Adlci »ach Miltciluntjirn von Gco- 
Ui^rn »-»};') niL-bi unter dvt uralten l,ava»chkht 
begraben liegen, sondern xcithch in dieitclbr 
<|>llleT cingewUt «ind. 



Bit, Zur tScschiebti; des [Iaus-1'cTistyls. 



Tempel an. Unter ähnlichen Einflüssen steht der tirynther Bau. Durch Anwendung 
des Vorliallenmotivs finden wir hier sowohl Thore als Hofe in eine Gestalt gebracht, 
welche derjenij^'en der historischen griechischen Kunst direkt voraufgeht. Wenn vor 
die Thürwände wie hier beiderseitig die Säulenvorhalle gelegt wird, so ist das 
Prototy'p für die griechische Propyläen form geschaffen — und ebenso wenn sich 
um den Hof herum Hallen grupjiiren, so ist der wichtigste Schritt zur Bildung des 
Peristyls gethan. Wir bemerken auf dem tirynther Plan, wie sich sowohl gegen den 
grofsen Hof /'" als gegen den Frauen- und den Wirtscliaftshof ein- oder zweisauligc 
Hallen öffnen, welche die natürlichen gedeckten Seitenräume des Hofes bilden; am 
Männerhofe stofsen die meisten solcher Hallen zusammen, die hier bis zur Säulen- 
dreizahl sich ausdehnen, — aber sie bewahren noch streng ihren ursprünglichen 
Charakter, wie z. B. deutlich der viereckige Pfeiler in der Nordostecke beweist, den 
man mit dem gleiclien Nordwest])fciler des Frauenhofes vergleiche: der Pfeiler er- 
innert hier an die abgekürzte Mauerwand, eine Säule hätte diese Erinnerung schon 
verwischt. Auf tirynthischem Boden selbst ist uns der Beweis erhalten, welch 
grofse Rolle schon damals das Vorhallcnmotiv zu spielen berufen war. Die Galerie 
auf der Nordostmauer, errichtet zur gedeckten Bewachung des Eingangs, cmaneipirt 
(iies Motiv insofern, als sie nach seinem Schema angelegt zu sein scheint ohne An- 
lehnung an ein ursprüngliches Hauptgebäude: es ist eine Vorhalle ohne Halle. Wie 
im tirynther Thor die Propyläen, im Hofe das Pcristyl im Keime enthalten ist, so 
in dieser Galerie die Stoaform, die einst in der griechischen Architektur zu solcher 
Bedeutung gelangen sollte. Nicht lange nach der tirynthischcn Periode niufs auch 
ilie Form des Tempclpcripteros ausgebildet worden sein, welcher ja schon in der 
ältesten Tcmpelarchitcktur in vollständig entwickelter Gestalt auftritt. An ihm 
sehen wir am klarsten, zu welcher Blüte der Vorhallenbau es schon in den 
Anfangen griechischer Baukunst brachte; er umgiebt gleichsam als allseitige Vor- 
halle das Gotteshaus, obwohl dieses selbst schon an den Schmalseiten meist mit 
Vorhallen versehen ist. Daher erscheint der l'eripteros als eine ebenso systematische 
Durchführung der Vorhallenidec wie das Peristyl, dem er ganz entspricht, wenn 
man die Innenrichtung mit der Aufsenrichtung vertauscht. Somit haben wir ein 
Recht die Ausbildung des Vorhallenmotivs als eine si)ezifisch griechische Leistung 
anzusehen, wenn schon in den Anfangen der Tem|iclbaukunst uns eine solche syste- 
matische Durchführung desselben wie im Pcripteros entgegentritt, welcher ja 
Griechenland ganz eigentümlich ist. 

Vom tirynther Palast bis zum hellenistischen Wohnhaus geht die Entwicklung 
in gerader Linie; wie sich der tiryntlier Hof zum altagyptischcn Hausvorhof ver- 
hält, so verhält sich zu jenem das hellenistische Pcristyl. Das bewegende Moment 
bleibt weiter die Ausbildung der iiiKr^. Zunächst freilieh traten im Privatbau be- 
scheidnere Bedürfnisse an die Stelle der bisherigen; i]cn tirynther Bau kann man 
füglich einen Palast nennen, Paläste aber gicbt es erst wieder in hellenistischer 
Zeit — tliii Zwischenperiode, in welcher sich demokratische Prinzipien vielfach Gel- 
tung verschaffen, behandelt das Wohnhaus gerade so stiefmütterlich, wie sie dem 



Bit. Zui Geschichte de* llatis-l'crislyU. 



Tempel 'ihre ganze Sorgfalt zuwendet. Man bedauert öfters, dafs uns so wcni^ 
von dem i^iecliischen Wohnhaus dieses minieren Zeitabschnittes erhalten oder 
übcrUcfvrt sei; ich i>L-iube, es ist uns nicht viel verloren jiejjangen, und gerade dic!*i.- 
rclntive j^rmlichkett der Privat\vohnung ist auch der Grund, daTs sie fast [•ar keine 
Spitf hinterlassen hat". Das tirynthjschc Mcyaron, das wir ja noch bei Homer den 
Mittelpunkt des Herrscherhauses bilden sehen, verliert in dieser Zeit ganz seine Kc- 
deutuuy für den Privatbau; es erhalt sich nur im Wohnhaus des Gottes, welche» 
m natürlicher Weise an dem aUehrwÜrdigcn» feierlichen Grundrifs conservativ fest- 
liält — im griechischen Tempel lebt ilas Megaron mit dem Altarvorhof, mit der 
seitlich ijcschlosscncn Vorhalle, mit dem basiliUalcn Hauptraum für alle Zeit fort. 

Das Huste, was wir vom griechischen Wolinhaus der vorliellenistischcn Zeil 
wisseiii lesen wir aus Piatons I^'ota^oras heraus, der uns als Betspiel eines ärmeren 
Hauses dasjenige des Sokrates vorRihrt, als Beisjjiel eines reicheren dasjenige de? 
KaUias. Hippokrate» klopft noch vor Sonnaiaufgang an die 'i"hiir des Sokrates, 
es wird ihm geöffnet, er eilt zu Sakrales, er eraählt ihm von der Ankunft des Pro- 
tagoras, Sokrates fordert ihn auf, bis es hell würde, in den Jlof hinauszugehen und 
dort mit ihm heniniv-uspazicren, was sie auch ihun (311). Wir gewinnen also den 
Kindruck eines einfachen, kleinen Hauses, das einige Zimmer um den Hof gruppirt 
zeigt, den einzigen Raum wohl, in welchem man sich bequemer bewegen konnte. 
Nicht anders haben wir uns das gcwohnUchc Büi^erhaus des 5. bis 4. Jahrhundert^ 
tu denken, es genügte auch vollauf den unendlich bescheidenen Bedürfnissen eines 
Mannes, der gewohnt war sich <icn ganzen Tag über auf den öflentÜclicn Verkehrs- 
plät2en aufzuhalten und seine Wohnung nur zum Zwecke des Ks^ens und Schlafens 
zu besuchen. Bestätigt wird diesk Annalimc durch den Kund einiger Wohniiäusur 
im Piraeu». welche ilerselben Zeit angehuren und einen dem Sokrateshause analogen 
Grundrifs aufweisen. Sie stehen an der Spitze der geringen bisher entdeckten 
Überrest*; griechischer Wohnliäuscr, sind aber in dem Texte zu den Karten von 
Atlika 1 S. 56 nur öüchtig skizzirt. Ks li<^ ein StUck der von dem benlhmten Städte- 
bauer Hippodamos von Milet am Piraeus s>'5tematisch angelegten Niederlassung 
mit aneinander stofecnden Wänden vor uns, die Aristoteles Polit. VII li p. 1530 b 
ausdrücklich als die neue Wohmvcise bezeichnet. Wir bemerken die schmuckloseste 
Einfachheit des Grundrisses, <icr nur die nötigsten l'ordcrungen des praktischen 
Bedürfnisses erfüllt. iJie Hau|»tfläche nimmt der Hof ein, in welchem sich einmal 
sogar der alte Altar erhalten zu haben scheint; in dem einen Hause gelangt man 
in ihn direkt von der StraCse durch einen engen Gang; daran lehnen sich die 
wenigen notwendigen Zimmer; eine hintere Terrasse wurde vielleiclil zu Garteri- 
rwcckcn verwendet. 

Einen bedeutend luxuriöseren Anblick gewährt das Haus des KaUias, das wohl 
auch in Wirklichkeit seiner Zeit eins der reichsten Häuser AÜiens war. Sokrates 
und Hipjwkrates treten, ehe sie hineinzugehen versuchen, eine Zeit lang ins r.^AI'jp'iv, 
um ihre Unterhaltung erst bis zu einem gewissen Absclilufs bringen zu können (314 C); 

") V|>]. lIcTmano, frivaiaJlcilüiiKr-' S. I44. 



Bic, Zur Ccschicklc des Mnus-PciislyU. 



iiacluicni sie dann die Schwierigkeiten mit dem Thörhütcr, <Icr ihnen durchaus nicht 
Öffnen u'ill, überstanden haben, treten -^ic ein und finden zuiiächht Protagoras, mit 
einer gröfscren Anzahl Hurer rechts und links und hinter ihm, in der Vorhalle, 
iv tiS rposiiwü), auf und ab gchn (314 f^) "nd von Zeit xu Zeit umdrehen, wobei die 
Rciilcitcr die vorige Reihenfolge wieder einzuhalten suchen (JI5 B). In der Vor- 
lialle geradellber, iw nji -iat' ivzixpu -&oaT(L»u sitzt Htppias; ihn umgeben sitzend ver- 
schiedene Schüler (515 C). Endlich sehen sie Prodikos mit seinen Hüreni krank in 
einem sonst als Wirtschaftsraum benutzten, jetzt für die vteJen Fremden hergerichteten 
Gemache liegend (315 D). seine Unterhaltung können sie nicht mehr verstehen (315 K). 
Ücr Eindruck, den wir hier von der Gestalt des Wohnhauses erhalten, ist also fol- 
gender. Die HausthUr, neben welcher der Pförtner seinen Aufenthalt hat, liegt 
nicht in der Strafscnflucht, sondern springt etwas zurück, sodafs davor ein -fi&Oup'-v 
genannter Raum entsteht. In welchem die Heiden ihre l'ntcrhallun*i zu ICnde ftlhren'*. 
Durch die IlausthUr gclant;t man, wie in dem Pträcushaus, direkt in den Uof, 
welcher auch hier den Mittelpunkt des Hauses bildet, in dem man sich frei bewegen 
kann und um den herum sich die Zimmer gruppiren. Ahnt dem grofseren Reich- 
tum des Hauses entsprechend ist der Hof hier rings mit Säidcnhallen umgeben, 
unter welchen die Sophisten gehend "iler sitzend ihre l-ehrtliätigkeil ausüben. 

Zwei Punkte intcrcssircn hierbei besonders: die Gestalt des TipöOupuv und 
die des Säulenliofs. Krsterc ist der deutlichste Ausdriick der allmäÜg veränderten 
Hcdcutung der a6Xi^. Wird tier Haupteingang, wie es hier geschieht, vor den Hof 
verlegt, so ist damit klar ausgesprochen, dafs der Hof nunmehr ein notwendiger 
Bestandteil des Hauses selbst ist, eine Stellung, zu der er sich, wenn unsere Com- 
bination da.s Ricl\tige trifft, erst langsam emporgearbeitet hat. Schon in Tiryns 
war der Vorhof mit seinem Altar von verschiedenen Zimmern allseitig so umgeben, 
dafs er neben seiner einleitenden Funktion auch schon diejenige des benutzbaren 
Hausbestandteiles Übernommen hatte; aber bei der parataktischen Anordnung der 
Haupträumc befand sich, wie es das Megaron besondere deutlich zeigt, der Haujit- 
eingang immer erst hinter ihm; so konnte die Hofthür für gewöhnlich nffen bleiben'*. 
Dieser Zwittercharaktcr des Hofes, zusammengesetzt aus seiner halb nur einleitenden, 
halb wirklich priiktischcn Funktion, ist im Hause des Kalltas überwunden; die Hof* 
thür wird als Hatiptcingang gekennzeichnet und bleibt geschlossen — was einst 
Einleitung war, ist nun Cenlnim geworden, und was einst Centrum war, der Männer- 
saal, ist nun ganz geschwunden. So erkennen wir, wie in gerader und natürlicher 
Entwicklung Hand in Hand mit dem steigenden Bedürfnis nach Licht und Luft der 
Schweqjunkt des Hauses sich von der Halle nach dem Hof verschoben hat. 

Auch die zjwoifoa des Kalliashauses wenden un.serii liUck wieder nach 
Tir>'ns zurück. Ein allzu scharfsinniger Ausleger könnte aus dem Te.yt Piatons den 
Eindruck einer aüÄij gcA^innen, welche in ihrem Grundrisse mit dem tir>'nther Plan 
durchaus übereinstimme. Wenn Protagoras mit seinen Hörern heim Auf- und 
Abgehn öfters umdreht, so müsse ein Grund vorhanden sein, welcher ein in der- 



**) TL 11. in der caaa Ucl Knunv lit viue ähnliche Anlafc «rtialcra. 



»') Vgl. IHM U ajSff. 



selben RiclitiinK sich foribcwcgcndcs Lustwandeln verbiete, folglich I<önnc der Hof 
kein duiclijjclicnde!! Fcristyl haben, sondern nur einzelne Vorhallen, wie sie der 
lir>Tiiher Hof zeigt, und daher würde auch der Ausdruck ^'die geradeüberliegcnde 
Vorhalle« so zu vcrstuhn sein, dafs eben einzelne Vorhallen unterschieden würden, 
unter denen die dem EinRanj; gegenüber! legende — wie in Ttrj'ns — die be- 
deutendste sei. Ich möchte nicht so weit gehen. Vielleicht ist t^ zf^3Ti<>'iv 
eben <lie jjanze Säulenhalle des Perist)*lhofs; vielleicht dreht Prnla^oras immer 
um, damit er dem Hlppias mit seinen 1-^uten nicht zu nahe kommt — viel- 
leicht auch, weil er nur so will — vielleicht endlich, weil l'laton es dazu braucht, 
um den weltmännischen Anstand seiner Begleiter hervorheben zu Uönnen, 
welche es vermeiden trotz des Umdrchens in anderer Reihenfolge ihn zu 
umgeben, ah? es der Takt verlangt I>as eine ist jedenfalls klar, dafs derOrundrifs 
des Kalliashauses, der ja unmöglich nur ein Phantasie gebilde Piatons ist, in einer 
KniwickUinj(Rlinic mit dem homerischen, mit dum tirj-nthischen Haus liegt, imiem 
durch die ^rufsere Ketonung de.s Hofes die Halle in ihrer Bedeutung verseil wimi et 
und, wozu in Tiryns bereits voi^carbeitct ist, um den llof als Centrum sich Säulen- 
hallen legen, als ry'tsv\itt der weiter im Kreise herumliegenikn Zimmer. Rs ist vorn 
lirynther Hofe bis zum Kalliashofc ein Schritt weiter geschehn zur Bildung de» 
Pcristyis — ob wir uns aber hier schon ein volles Peristj'l vorzustellen haben, wird 
eine offne Frage bleiben müssen. 

Das Hauptergebnis dieser Betrachtung ist die Thatsachc, dafs der Grundrifs 
des alten ägyptisirenden Hcrrscherpalastes der tirj'nlher Periode, welcher sich ja 
nach Mefsgabe der homerischen Dichtungen noch mehrere Jalirhundcrtc unverändert 
erhielt, von der Entwicklung des historischen griechischen Wohnhauses nicht zu 
trennen ist, sondern vielmehr in gerader Linie durch steigende Betonung der ai>.7j 
und sinkende Hetleulung des .Mcgaron schliefsÜch sich zu dem Grundrifs des 
griechischen Hause« umgewandelt hat, das uns Vitruv beschreibt und das dir die 
hellenistische Periode charakteristisch ist. Setzen wir für die lirynther Höfe reguläre 
Peristyle und au die Stelle der Hallen die oca, so erhalten wir das Vitruvsche Haus. 
Kntsprcchcnd der palastartigen Ausbreitung des Grundrisses, wie sie erst wieder in 
dieser Zeit auftritt, \^ird die Trennung der Männer- und I-'rauenwohnung, welche 
stets in Griechenland Sitte war, mit derselben weiträumigen Parataxe durchgeführt, 
die uns schon in Tir)-ns begegnete. Vitruv beschreibt uns zwei gesonderte Perislyl- 
häuser mit separaten ICingangcn, von denen das eine die ävSpuiviTi;, das andere die 
Y-jvoDMovinc darstellt; ihre Verbindung wird nur ganz allgemein angegeben und der 
spcciellen Willkür überlassen, was manche Reconstruenten nicht genügend beachtet 
haben. In einfacheren Häusern wird natürlich nach wie vor das obere Stock-^verk 
zum Prauenraum gemacht worden sein: so war es schon im Odysscushause und so 
bezeugt es auch L>"sias" filr die spätere Zeit. 

Die hellenistische Mannenvohnung in «Jer Beschreibung des Vilniv vergegen- 
wärtigt die letzte und höchste Porm des Gnmdrifsschemas, in welchem wir da?* 
^*)'Vitni* VI, lt>,t: ifH/uitgtifi/urauiem AüiJiiitiufaiti/^iitra äai(M/tj/iitiara/ierüfy/ia. *') Lyslu 1. 9, p. 92. 



Tcmpci an. Unter ähnlichen Einflüssen stdil der Ur>ntlicr liau. Durch .-Viiwcndung 
des Vorhaltenmoiivs fimlen wir hier sowohl Thorc als Hrtfe tn eine Gestalt gebracht, 
welche derjenigen der historischen griechischen Kunst dirclvt voraufj^clit. Wenn vor 
die Thiinvändc wie hier bcidcrscitij; die Sänlciivorhallc K*^Iegt wird, so ist da-* 
i'rotoiyp fiir die i;riechischc Propyläenform geschaffen — uml ebenso wenn sieh 
um den Hof herum Hallen gruppircn, so ist der wichtigste Schritt stur BildutiK des 
Periaiyls j^cthan. Wir bemerken auf ilem iir>-nthcr Plan, wie sich sowohl i;et»en den 
j^rofscn Hof /•" als K*^gen dcti Frauen- und den WirLschaftsliof ein- oder zwei&äulige 
Hallen öffnen, welche die natürlichen gedeckten Scitcnräumc des Hofes bilden; am 
Männerhofe stofsen die meisten solcher Hallen Kusamme», die hier bis zur Säulen- 
dreizalil sich auflehnen, — aber sie bewahren noch streng ihren ursprünglichen 
Charakter, wie z. B. deutlich der viereckige Pfeiler in der Nordostecke beweist, tien 
man mit dem gleichen Nordwestpfeilcr des Frauenhofes vergleiche: der Pfeiler er- 
innert hier an die abgekürzte Mauerwand. eine Säule hatte diese Krinnerung schnn 
verwischt. Auf liiynthischcm Hoden selbst ist uns der IJeweis erhallen, welch 
grofte Rolle schon damals das Vorhailenmotiv zu spielen berufen war. Die Giderie 
auf der Nordostmauer, errichtet zur gedeckten Bewachung des Hingang», emancipirt 
dies Motiv insofern, als sie nach seinem Schema angelegt zu sein scheint ohne An- 
lehnung an ein ursprüngliches Hauptgebäude: es ist eine Vorhalle olme Halle. Wie 
im tirynthcr Thor die Propyläen, im Jlofc das Pcristyl im Keime enthalten ist, sf> 
in dieser Galerie die Stoaform, die einst in tier griechischen Arcliitektur zu solcher 
Bedeutung gelangen t;ollte. Nicht lange nach der tirynthischen Periode mufs auch 
die Form des Tem]ic1pcriptcros ausgebildet worden sein, welcher ja schon in dur 
ältesten Tempelarchilektur in vollständig entwickelter Cieslall auftritt. Au ihm 
sehen wir am klarsten, zu xveleher Hliitc der Vorhallcnbau es schon in den 
Anlangen griechischer Baukunst brachte; er umgiebt gleichsam als allseitige Vor- 
halle das Gotteshaus, obwohl dieses st-lbst schon an den Schmalseiten meist mit 
Vorhallen verschen ist. Daher ersclieint der Pcripteros als eine ebenso systematische 
Durchführung der Vorhallcnidcc wie das Pcristyl, dem er gaiu entspricht, wciui 
man die Innenrichtung mit der Aufsenrichtung vertauscht. Somit haben wir ein 
Recht ilie Ausbildung des Vorhallcnmotivs als eine spezilisch griechische Leistung 
anzusehen, wenn schon in ilen Anfangen iler TemjiclbauUunst uns eine solche syste- 
matische Durchfiihrung desselben wie im Pcripteros entgegentritt, welcher ja 
Griechenland ganz eigentümlich ist. 

Vom tirynther Palast bis zum hellenistischen Wohnhaus geh: liie Kntwicklung 
in gerader IJnie; wie sich der tir>*nther Hof zum altägyptischen Hausvorliof ver- 
hält, so verhält sich zu jenem tlas hellenistische I'eristyl. Das bewegende Moment 
bleibt weiter die Ausbildung der «üJ.^. Zunächst freilich traten im Privatbau be- 
scheidnere Hctlürfnisse ;m die Stelle der bisherigen; den tirynthcr Hau kann man 
rut{lich einen Palast nennen, Paläste aber giebt es erst wieder in hellenistischer 
Zeit ~ di« Zwischenperiode, in welcher sich demokratische Prinzipien vielfach Gel- 
tung verschaffen, bchandcli das Wohnhaus gerade so slicfmütterÜch, wie sie dem 



gegen, den sich änilerndcn Bcdiirrnissen ^emafs sie^l einmal jene, das andere Mal 
dieser. Noch können wir rlic allmriligc Assimilirimti des Atriums an das Hofsysicm 
verfuli^cn; au» dum alten IJauernsaai, dem tesUtdinatum wird durch die DachüfTnung 
das tuscitnicHm — es treten griechische Einflüsse neben diese italische Torrn — 
durch pcristyiahnliche Stützung des nach Innen geneigten Daches durch vier oder 
mehr Säulen entsteht das letriistylum und corinthiuiu , von dem xum Peristyl "selbst 
nur noch ein Schritt i?t. Da^ Peristyl fafst also nicht nur alle Faiien der vorher- 
gehenden Eniu'ickhing einheitlich zusammen, c» assimihrt sich auch parallele 
nationale Formen und wird schÜefsHch bestimmend für den reicheren Wohnhaus- 
^rundhfs der ganzen antiken Welt. 

Charlotlcnburg. Oktober 1890. Oscar Bie. 



DER OSTGIEBEL 
DES OLYMPISCHEN ZEUSTEMPELS 

Die neusten Erscheinungen der Olymp iaUtcratur haben die Krage nach der 
ur?prüngliclieii Anordnung der östlichen Giebelgruppe ihrer Lösung dadurch naher 
gebracht, dafs sie geu'ichtigc, früher gering angeschlagene Bedenken energisch 
geltend machten un<l durch deren Hebung die Entscheidung herbctzuführeii suchten. 
Eine Schwierigkeit ist seitdem mit aller wünschenswerten Sicherheit aus der Welt 
geschafft worden; durch den Nachweis der Wagen ist die Darstellung um vieles 
reicher und lebemUger geworden. Dagegen schienen die Einwände, welche Brunn' 
g^en die bisherige Annrtlntmg'^der Mittclgnippe undSix' gegen die der Gespanne 
erhoben, sich nicht behaugHcn zu können. Wiederholte Untersuchungen der Ori- 
ginale, bei welchen ich alle diese neueren Arbeiten einschliefsÜch der neusten Dar- 
legungen Trcu's' berücksichtigen konnte, haben mich zu der Überzeugung gcfiihrt, 
dafs jene Einwände bisher durchaus nicht entkräftet sind; andererseits glaube ich 
eine andere Lösung der rweifellus vurhandenen Schwierlgk eilen geben xu müssen. 
Kür die wichtigste Frage, die nach der Anordnung der Gespanne, tue ich dies mit 
Berufung auf Wolters, der im Frühjahr 1890, leider nur kurxe Zeit» sich vor den 
Originalen mit der Frage beschäftigen konnte; ihm danke ich auch andere Beob- 
achtungen, die ich an ihrer Stelle mitteile. Die Beweisführung, die ich versuche, 
stützt sich ausseid iefslich aul die an den Figuren und Figurenteilen wahrgenommenen 



*) Cber Cicbrlgnippcn. MUncli«ncr Sileung^be- '*) Journal ol Ikik-nic Stttdics 1S89 S.98(f. 
rklili: t88S II S. iSjrr. 197IT. >) Jahrbuch •Ir« Inthlnl« iV (1889; S.2&6ir. 

cUlol. AiudevT ä. 6of. 107 C 



Ai. 



Tcmi>cl att. Unter iilinlichcn EinflüssL-n steht der lir>rither ttaii. Durch Aiiwenduag 
lies Vorliaücnmotivs finden wir hier miwoIiI Tliorc als Höfe in eine Gestalt gebracht, 
welche derjenigen der historifechcn Kriccliischen Kun«t direkt voiaufgeht. Wenn vor 
die TlUInvündc wie hier beitlcrscititi flie Säulcnvorhalle fielest wird, so ist das 
]*rotot)-p für die griechische l'ropyläcnform geschalTcn — imd ebenso wenn sich 
um den Hof herum Hallen gnippiren, so ist der wichtigste Schritt üiir Bildung des 
I'cTiBt>-ls gcthan. Wir bemerken auf dem lirynthcrJMan, wie sich sowohl gegen den 
grofscn Hof /' als gegen den 1-rauen- und den Wirtschaft-»hof ein- oder rwcisaiiligc 
Hallen üfTnen, welche die natürlichen gedeckten Seitenraume di» Hofes bihlen; am 
Männerhofe stofsen die meisten solcher Hallen zusammen, die hier bis zur Säulen- 
dreizahl sich ausdehnen, — aber sie bewahren noch streng ihren ursprünglichen 
Charakter, wie z. ü. deutlich ticr viereckige l'fciler in der Mor<lostccke beweist, tleii 
man mit dem gleichen N'nrflwestpfeiler des l'rauenhofcs vergleiche: der Pfeiler er- 
innert hier an die abgekürzte Mauer^vand, eine Säule hätte diese lirinnerung schon 
verwischt. Auf tirynthischcm Hoden selbst ist uns der Hewcis erhalten, uclch 
grofse Rolle scilon damals d;is Vorhallen niotiv zu spielen berufen war. Die Galerie 
auf der Nordo«tmaucr, errichtet zur gcdeck-tcn Hcwachung des Kingan^s, cmancipirt 
dies Motiv insofern, als sie nach winem Schema angelegt zu sein scheint ohne An* 
lelmung an ein ur»iprtiiiglichc!* Hauptgebäude: es ist eine Vorhalle ohne I lalle. Wie 
im tirjTither Thor die Prop>-läen, im Jlofe ilns I'eristyl im Keime enthalten ist, so 
in dieser Galerie die Sloaform, die einst in der griechischen Architektur zu solclier 
Ik-dcutimg gelangen sollte. Nicht lange nach der tir>'nthischen Perindc mufs auch 
die Korm des Tempel per ipteros a.Lisgcbildet worden sein, welcher ja sclicni iu der 
ältesten Tcmpelarchitck-tur in vollständig entwiclcehcr Gestalt auftritt. An ihm 
sehen wir am klarsten, zu welcher Blllte der Vorhallenbau es schon in den 
Anfängen griechischer Baukunst brachte; er iimgiebt gleichsam sh allseitige Vor- 
halle das Gotteshaus, obwohl dieses selbst schon an den Schmalseiten meist mit 
Vorhallen versehen ist. Dalier erscheint der Pertpleros als eine ebenso systematische 
iJurchführung der Vorhallcnidec wie das Pcristyl, dem er gat\z entspricht, wenn 
man die Innenrichtung mit der Aufacnrichtung vertauscht. Somit haben wir ein 
Recht ilie Ausbiltlung des Vnrhallenmotivs als eine spcüifisch griechische Leistung 
aiuu.schen, wenn schon in den Anfangen der Tempelbaukunsi uns eine solche syste- 
matische Durchführung desselben wie ira Peripteros entgegentritt, welcher ja 
Griechenkuid ganz eigentümlich ist. 

Vom tirynthcr Palast bis zum hellenistischen Wohnliaus geht die Kntwicklung 
in gerailer Linie", wie sich der tiryinlicr Hof zum allÖgjptischen Hausvorhof ver- 
hält, so vcrliält sich zu jenem das hellenistische Perislyl. Das bewegende Moment 
bleibt weiter die Ausbildung der «i^. Zunächst freilich traten im Privatbau be- 
scheidnere Bedürfnisse an die Stelle der bisherigen; den tir)'nthcr Bau kann m-m 
füglich einen Palast nennen, Paläste aber giebt es erst wieder in hellenistischer 
Zeit — die Zwischenperiode, in welcher sich demokratische Prinzipien vieiracli Gel- 
tung verschaffen, behandelt das Wohnhaus gerade so stiefmütterlich, wie sie dem 



t;r3clc hier den wunden Punkt Her Six'scben Aufstdiimi; zu trefftin um) seine 
(.'■[•cric Anordnung am orfolj»rtichst»--n vcrtcidij^cn /u können. Von den Beweisen, 
die Treu (Jalirbucli IV S. 306 und Anzeij^cr r890. S. 60) ftir die bisherige 
Aufstellung der vier Pferde dicht neben einander aufzahlt, ist der nichtigste der 
dritte; die andern richten sich jjcnen Six' Hi>fzicllc Anordnung, beweisen aber nicht 
unmittelbar tÜcjcnij;'.- Treu's. Dieser erlicischt also zunächst unsere Aufnicrksani- 
keii. Die Rcliefpfcrde (um so die beiden aus je cinL-m Stiick j^carbcilctcn Gnippen 
von dreien kurz zu bezeichnen) weisen auf dem Hintcrtei] oben eckige Aussclinitle 
auf (\^l. J.ilirbuch TV Taf. 8. 9 S. 284, 4). die, von Six nicht genügend erklärt, nach 
Trcu's einleiichtcniler Vermutung mit der Befestigung iler Kinzelpfcrdc zuwiimmen- 
hängen. Wie alle höheren Giebclfiguren sind auch die l'fcrde durch starke Dübel 
in die Rückwand des Giebels befestigt gewesen; davon rühren die starken qua- 
dratischen DübcIlÖchcr her, die sich sowohl bei den Relicfpfcrden als den EinzcU 
pferdcn zu je zweien in der Rückseite zeigen (Jahrbuch IV S. 284). Stellt man 
nun die Vorderpferde so vor die Reliefgespannc, dafs sich die Brustumrisse in 
gleichen Abständen folgen, so kommt das quadratische Loch des hinteren Wand- 
dübcls in der RUckscite der Vollpferdc genau in die l'lucht von den genannten 
eckigen Ausschnitten auf dem Rücken der Reliefpferde zu stehen. Treu denkt sich 
nun die Dübel der Vollpferdc zuerst wagercchl, dann eine kurze Strecke senkrecht, 
dann wieder wagcrecht geführt, damit sie an den erwähnten Ausschnitten über den 
Rücken der Reliefpferde hinweg in *he Wand geführt werden können. Die Stellung 
der Kinzelpferde zu den Relicfpfcrden bestimmt sich also, wie es die Oberansicht 
seiner Wiederherstellung (Jahrbuch IV Taf. S. 9) zeigt, dadurch, dafs das Dübclloch 
in dem Hinterteil der Kinzelpferde und der AusscUnilt auf dein Hinterteil der Rclief- 
pfcrdc sich in gleicher Linie befinden sollen. Dann läfst sich der Dübel aus dem 
Einzelpfcrde über die Keliefpferde an der entscheidenden Stelle hinüberführen, und 
die Einarbeitung ist erklärt. 

Damit ist scheinbar ein entscheidender Grund gegen jede Verschiebung der 
rferiic gewonnen, und Six endgühig wideilegt. Es ist nur eines dabei nicht in 
Rechnung gezogen. Dafs die genannten Ausschnitte für die iJübel der Kinzelpferde 
bestimmt sind, ist sicher. Aber jedes Pferd war durch zwei Dübel in der Wand 
befestigt, tmd wir sind ebenso berechtigt, dL>n Dübel aus ilem Vorderteil des Kinzel- 
pferdcs über die Einarbeitung auf dem Hinterteil der Rcliefpfcrdc zu führen, als 
den aus dem Mtnierieil lierki)nim enden. Die ICinarbeitungen und Dübellöclier allein 
können also die Frage nicht entscheiden; wir haben uns nach anderen Gründen 
umzusehen und werden der Aufstellung Trcu's, bei der im Widerspruch mit ver- 
wandten Monumenten jetle Handlung fehlt und die .soi^föltige Ausführung der 
Rcliefpfcrdc nicht erklärt wird, eine Verschiebimg der Einzel- gegen die Rclicfpferdc 
vorziehen müssen. Um die Dübellöcher im Vorderteil der Etnzelpfcnlc mit den 
Einarbeitungen auf dem Hinterteil der Rcliefpfcrdc in eine Linie zu bringen bedarf 
es rechts vom Bescimuer einer Verschiebung von etxva 75, links einer solchen von 
etwa 80 cm.« 



12 SaiiuT, Der Ostginbd des i)lynipi sehen Zfusltmiicls. 



Ich kann jetzt, nach längerer Rcschäftigung mit den Gicbclfij^urcn, ein 
weiteres Argument hinzufugen. Kntsprcchenti der starken Vernachlässigung der 
dem Beschauer abgesandten Figurenteile hat man sich bei besonders angesetzten 
Stücken so viel Arbeit erspart wie möglich. Es fehlten z. li. an den Relicfpferden 
die Stücke der Zügel zwischen Hals und Joch, es fehlte wahrscheinlich der zwischen 
Relicfpferden und Gicbclwand zu denkende Zügel vollständig; das Attribut, welches 
die Rechte der Mittclfigur des Westgiebcis hielt, lauft in die Hand nur hinein, statt 
hindurch, und das Attribut der Linken hat man absichtlich so gestaltet und gelegt. 
dafs es möglichst wenig Arbeit verursachte \ Man darf also behaupten, tiafs man 
sich die Joche erspart hätte, wenn sie unsichtbar blieben. Ihre Existenz un<I Lage 
ist aber ebenso unzweifelhaft wie die Tatsache, dafs sie in Treu's Aufstellung dem 
Beschauer völlig verborgen bleiben. Ein Blick auf Treu's Tafel (Jahrb. IV Taf. 8. 9, 1) 
zeigt, dafs nur der Grundrifs die Joche an der richtigen Stelle giebt, wahrend sie 
im Aufrifs, in der an sich berechtigten Tendenz die damals noch neuen Wagen 
recht anschaulich zu machen, stark nach aufsen verschoben sind. In Wahrheit 
müfsten sie hier hinter dem Hals der Einzelpferdc verschwinden, während sie völlig 
sichtbar werden, wenn man die von Wolters geforderte Verschiebung ausführt. 

Das sichere Resultat dieser Darlegungen ist, ganz vorsichtig und allgemein 
formulirt, dafs in der Tat die nafiaixs'jT, dargestellt war, indem noch nicht alles an 
seinem gebührenden Platze steht. Schwerer ist es zu bestimmen, wclclien Augen- 
blick der Vorbereitung der Künstler darstellte. Hier treten die Vasenbilder fördernd 
ein, die uns den Hergang der Anschirrung in verschiedenen Stadien mit höchst 
consequenter Typik vorführen. 

Mir sind folgende bekannt: 

I. Die Jochpferde sind angeschirrt. 

a. Das linke Beipferd wird am Leitseil herangeführt, während ein 
Wagenlcnker und ein halb hinter den Jochpferden verschwinden- 
der Knecht beschäftigt sind, das Geschirr für das herankommende 
Tier vom Joch zu lösen. Sämmtlich, wo nichts anderes bemerkt, 
s. f. Hydricn. 

I. Berlin 1897. Gerhard A. V. 249/50, wiederholt bei Six S. 102. 
— 2. Berlin 1890. — 3. München 64. — 4. München 130. — 

5. Würzburg III 126. Gerhard, A. V. i02 (Amazonen). — 

6. London 470. — 7. London 485. — 8. Petersburg 337. — 
9. Neapel 2777. — 10. Eragment einer s. f. Vase (Amphora 
nach Zannoni, was ich bezweifeln möchte) Certosa 7, 3. — 

II. Amphora Coli. Uutuit Taf 15, i {Herakles, Athena). — 
12. Lekythos Syrakus Benndorf, Gr. u. sie. Vb. 52, 2. — Die 
Häufigkeit der Darstellung, die Bevorzugung einer bestimmten 
Gefäfsform und die Vorzüglichkeit des ebenfalls mit dieser ver- 



') ^ä'- ti'"-' Bemerkungen zum Weslgicbci im nächsten Heft lliese^ Jahrbuch'. 



Bic, Zur Civ«chicht€ de» Haus-PcritlyU. 



Tempel 'ihre ganze Sorgfalt zuwendeL Man bedauert öfters, dafs uns so weiiijj 
von dem fjriechischcn Wohnhaus dieses niictlcrcn Zeitabschnittes erhalten oder 
überliefert sei; ich glaube, es ist uns nicht viel verloren jiCßanjjcn, un<l gerade diese 
relative Armtichkcit der Privat\s'ohniiny Ist :iuch der Grund, dafs sie fast ^ar keine 
Spur hinterlassen hat'*. Das tir>'ntlnschc Mejijaron, das wir ja noch bei Homer den 
Mittelpunkt <lcs Herrscherhauses bilden sehen, verliert in <lieser Zeit gans seine Be- 
deutiin^j für den Frivatbau; es crliält siel) nur im Wohnliaus des Gottes, welches 
in natiiriicher Weise an dem altehr^vürdigen, feierlichen Gnindrifs conservaiiv fest- 
hält — im griechischen Tempel lebt das Mej^aron mit ileni Allarvorhof. mit der 
setllich geschlossenen Vorhalle, mit dem basilikalen Hauptraum für alle Zeit fort. 

Das Heste, ivas wir vom jiriechischen Wulinhaus der vurhellenistischen Zelt 
wissen, lesen wir aus Piatons Prolagoras heraus, der uns als Beispiel eine» äniiereu 
Hauses dasjenige lies Sukrales vorRjhrt, als Beispiel eines reicheren dasjenige des 
Kallias. Hip])okrates klojjft noch vor Sonncnauftjany an die Tltür des Sokrates, 
es wird ihm geöffnet, er eilt zu Sokrates, er erzählt ihm von der Ankunft des Pro- 
tagoras, Sokrates fordert ihn auf, bis es hcU würde, In den Hof hinauszugehen und 
dort mit ihm herunizuspazieren, was sie auch ihun (311). Wir ^mvinnen also den 
Eindruck eines einfachen, kleinen Hauses, das einige Zimmer um den Hof gruppirt 
zeigt, den einzigen Raum wohl, in welchem man sich bequemer bewegen konnte. 
Nicht anders haben wir uns das gewähnliche Bürgerhaus des 5. bis 4. Jahrhunderts 
zu denken, es genügte auch vollauf den unendlich bescheidenen Redürfnisscn eines 
Mannes, der gewohnt war sich den ganzen Tag über auf den öffentlichen Verkehrs- 
plätzen aufzuhallen und seine Wohnung nur xum Zwecke des Kssens und Schlafens 
zu besuchen. Bestätigt wird dicsl' Annahme durch den Fund einiger Wohnhäuser 
im Piräeus, welche dersulben Zeit angehören und einen dem Sokrateshausc analogi:n 
Gnindrifs aufwei:*en. Sie stehen an der SpiUc der geringen bisher entdeckten 
Überreste griechischer Wohnhäuser, sind aber in dem Texte zu den Karten von 
Attika I S. 56 nur flüchtig skizzirt. lis liegt ein Stück der von dem berühmten Städte- 
bauer Hippoilamos von Milet am Piracus systematisch angelegten Niederlassung 
mit aneinander stofsenden Wänden vor uns, die Aristoteles Polit. VII ii p. 1330 b 
ausdrücklich al<t die neue Wohnwelsc bezeichnet. Wir bemerken <lie schmuckloseste 
EiiifachJieit des Grundrisses, tk-r nur die nötigsten Forderungen des praktischen 
Bedürfnisses erfüllt. Die Hauptfläche nimmt der Hof ein, in welchem sich einmal 
sogar der alte Altar erhalten zu haben scheint; in dem einen Hause gelangt man 
in ihn direkt von der Strafsc durch einen engen Gang; daran lehnen sich die 
wenigen notwendigen Zimmer; eine hintere Terrasse wurde vielleicht zu Garten- 
zwcckcn verwendet. 

Kincn l}edeutend luxuriöseren Anblick gewahrt das Haus des Kallias, das wolü 
auch in Wirklichkeit seiner Zeit eins der reichsten Häuser Athen» war. Sokrates 
und Hippokrates treten, ehe sie hineinzugehen versuchen, eine Zeit lang ins Tryilb^.y, 
um ihre Unterhaltung erst bis zu einem gewissen Ab^chlufs bringen zu können (3t4 C); 

") '•'b'- llennann, rrivatslicrttluict» S. 144. 



'4 



Sauer, Der Ostgiebel des olympischen Zenstempcls. 




Ausgeschlossen ist erstens jede unthätigc Fiyur wie der, sitzende Knabe. 
Aber zweitens auch jede zwar aktionsfahige, aber dabei auf dem Boden sitzende 
Figur wie der Mann Treu L. Endlich auch jede Figur, die mit Pferden nichts zu 
thun haben kann wie das Mädchen. So bleiben nur der kniende Mann und der 
kniende Ephebe übrig. 

Über die Aufstellung dieser beiden Figuren kann darnach kein Zweifel 
mehr obwalten. Der Kphebc kann nach der Art seiner Bearbeitung nur in der 
schrägen Stellung, die ihm Six gegeben hat, im Giebel untergebracht werden, der 
kniende Mann ist mit seinen Händen dort beschäftigt, wohin er blickt; beides zu- 
sammen genügt, um dem Knaben links, dem Manne rechts — ebenfalls schräg 
gegen den Giebelrand — ihre Stelle anzuweisen. 

Erst jetzt dürfen wir fragen, was beide thun. Die Antwort erteilen mit 
ziemlicher Sicherheit einige hier abgebil- 
dete Handfragmente. Sie rühren von zwei 
linken und zwei rechten Händen her und 
sind nur bei den kleineren Figuren unter- 
zubringen. Da der sitzende Knabe seine 
Hände hat, die des Knaben im West- 
gicbc! gesichert sind* und auch dem Mäd- 
chen sich beide Hände mit völliger Sicher- 
heit zuweisen lassen (s, u.), so haben wir 
nur diese vier Hände auf die beiden 
Knienden zu verteilen. Indessen kommt 
auf genaue Zuteilung nicht viel an, denn 
alle haben leicht eingebogene Finger, und 
die drei vollständiger erhaltenen sind — 
ziemlich roh — durchbohrt; was von 
der vierten erhalten ist, hindert nicht, das 
^ Gleiche für sie vorauszusetzen. Jede dieser 

Hände umschlofs also loae einen besonders eingesetzten Gegenstand, der jedenfalls 
beträchtlich dicker war als die ziemlich dünnen Zügel. 

Noch deutlicher läfst sieh die Handlung machen durch Zuweisung zweier 
Armfragmente. Das eine, ringsum gut gearbeitet, umfafst einen rechten im l'-ll- 

bogen und Handgelenk mäfsig gebogenen rechten Unter- 
arm, der wegen kräftiger Angabe der Adern einer männ- 
lichen, erwachsenen Figur angehören mufs. Im West- 
giebcl ist für ein solches Fragment kein Platz, im Ostgiebel 
bleibt, da es sich um einen mittelgrofscn Arm handelt, 
nur der kniende Mann übrig. Das von Grüttner dum rechten Arm des Mannes 
zugewiesene Ellbogcnfragmcnt', das aufscr derselben Haltung nichts Charaktcristi- 






*■) VrI. die Bcincrkun|;;en ülicr den West^jicljL-I. 



") Jniirbuch IV S. 290, Kig. 13. 



^ 



schcrs, zudem etwas grofecrc Mafsc hat, hat also diesem Unterarm zu weichen urnl 
ist dem Pclops oder dem sitzenden Manne zuzuweisen. 

Dem Kphcbcn gehört ein scharf gebogener Ann, 
<lcsscn Fomigcbiinß so nachlässig ist, dafs man zunächst 
nicht entscheiden kann, ob er rechter oder linker ist. Die 
Wahl bleibt schlicfslich nur zwischen linkem Arm des 
knienden Mannes und rechtem dü^ Kphebcn. Die rohe Ar- 
beit in der lüegung des Kllboiiens und *lcr Stützenrest an 
der Innenseite des Unterarms entscheiden für den rechten 
Arm des Kpheben; die Stütze verband den Unterarm mit 
der jetzt ausgebrochenen Ünkcn Seite des Ilalse». 

Damit ist die Haltung beider l'inurcn im wesenilicheii i;csiclierl. Der Mann 
hielt seine 1 lande in der Tal so wie in Trcu'.i Abbikhinjj; der Kphcbc hob die 
Kcchte bis über seine linke Schulter. !'"iir Zü^u! sind, wie schon bemerkt wurde, 
die Durchbohrungen der Hände zu weit. Nun zeij^cn tlie anj;cfiihrtcn Ansclitrrunüs- 
scencn und ähnliche Monumente, von denen die Dokimasic - Vase Arcli. Zeit. 
t88o, Taf. 15, »owie Gerhard, A. V. IV 272, 2 und Stackclberg- Kcstncr, Gräber 
von Comcto 17,18 hcr\'oi^e1iobcn seien, dafs Waßcnpfcrdc, die man erst anspannen 
will und Reitpferde, solange sie nicht (geritten werden, an einem I.citscil (ä^tuYsy,-) 
tjeführt werden, da« bedeutend dicker ist als die Züjjel, imd die schone Nolatier 
Vase Arch. Zeit. 1878, Taf. 23 zeigt, worauf Körte aufmerksam gemacht hat*, sogar 
I.eitseil und Zü^d neben einander. Dieser Strick also ist durch die Hände der 
Knechte zu leiten, und es wird danu'l der ausdrücklichen Vnr^chrifi Xenoplions' 
Ijcntitit, dafs der Knecht das l'ferd nie am Züj^el, stets am Leitseil führen solle. 
Führt man nun. vorauifschreiten<I, ein Pferd an einem solchen langen, an Kinn- oder 
Naseiiriemen '" befestigten Seil . so gewinnt man einige Schritte Vorsprung und 
kommt eher als das Tier am Bestimmungsorte an, wo man dann. Halt machend, 
jenem die Grenze seiner Hewcyung bezeiclmeL In diesem Moment sind die beiden 
Knienden dargestellt; genau bis zu dem von ihnen eingenommenen Platz haben 
die Jetzt noch zurückgebliebenen Kosse zu schreiten, um in gleiche Linie mit 
den drei andern zu rücken. Bewegung und Handhahung des Kpheben war kurz 
vorher wie die des Knechtes, der in dem Vascnbüd Jahrbuch IV. Taf. 10 das 
rechte Beipferd, allerdings nur mit einer Hand, heranführt: nur hat der Itphebe 
im Niederknien die rechte Hand über den Kopf liinweggchobcn, sodais der Strick 
Über die linke Schulter zu liegen kam. Hei dem anderen Knecht Ist nicht einmal 
diese Veränderung eingetreten, da er sich im Augenblick des Anhaltens dem Pferde 
entgegendrelite: er hält seine Hände noch wie vorher, genau wie der Herakles der 
Kerberosmetopc, nur ilafs bei diesem die linke Hand tiefer liegt, weil das Tier sich 
unterluilb der Hände befindet. 

Damit ist auch die Handlung der Knienden, noch nicht aber deren Ver- 
hlUtnis zum Ganzen erklärt, vor allem noch nicht motivirt, dafs beide sich aufs 



*) Aidiiol. Zeitung 1880 S. 179, Anm. 14. 



') lUpl IwnÄV" 6, y. 



'") Xcno|ihoi» r. L 7. 1. 



i6 



Sauer, Der (Jstgicbcl dos olympi^ichcn Zfusttnipcls. 




Knie niedergelassen haben. Denn sind die letzten Pferde noch 
nicht angeschirrt, so müssen die einzigen verfügbaren Personen, 
eben jene Knienden, alsbald wieder aufstehen, und man müfste, 
was immer mifslich ist, die Stellung fast nur aus dem Raum- 
zwange erklären. Nun haben in den Vasenbildern die erst 
herankommenden Pferde nie den Schulterriemen; gerade diesen 
aber an sämmtlichcn Giebelpferden nachzuweisen Ist Treu 
gelungen, dessen Beobachtungen ich, nach anfänglichen Zwei- 
feln, jetzt lediglich bestätigen mufs. Auch die schon von 
Treu" erwogene Möglichkeit, dafs die von ihm am Aufsenpferd 
des linken Gespanns wahrgenommene Spur vom Schmuckrie- 
men, nicht vom Zugriemen herrühre, ist ausxuschliefsen. Denn 
während der Schmuckriemen bei Reitpferden allerdings genau die Stelle des Zug- 
riemens der Wagenpferde einnimmt, hangt er bei diesen, um sich von dem unent- 
behrlichen Zugriemen deutlich zu sondern, locker und tief herab'*; jene Spuren 
aber weisen auf einen hoch und straff sitzenden Gurt, der sich nur in der P'orm, 
wie das erhaltene Beipferd des rechten Gespannes beweist, ein wenig von dem 
Zugriemen der Jochpferde unterschied. Angeschirrt sind also sämmtlichc Pferde. 
Damit scheint im Widerspruch zu stehen, dafs das I-citseil vom Kopfzeug herab- 
hängt; aber auch das Reitpferd auf jener Noianer Vase ist völlig angeschirrt, und 
doch entfernt der Jüngling nicht zunächst jenes Seil, sondern will erst aufsteigen'^ 
und dann den Strick, der doch während des Rittes nicht hängen bleiben kann, 
lösen oder lösen lassen. Und ferner weist mir Wolters auch ein Gespann nach, 
das dieselbe Eigentümlichkeit zeigt. Auf dem Relief Tcrracottcn von Sicilien 54, i 
fuhren die Knechte beide Beipferde noch am Leitseil, während sie ihnen durch 
Vorhalten der einen Hand Stillstand gebieten. Den unmittelbar vorhergehenden 
Moment haben wir in der GiebeldarstcUung anzunehmen und nur nocli die Frage zu 
beantworten, warum das letzte, jetzt schreitende Pferd bisher weiter zurückstand als 
die übrigen. Das Geschirr für dieses Pferd hing, wie die Vasenbildcr zeigen, am 
Joch, die Zügel waren schon nach hinten genommen, ebenso die mit dem Schulter- 
riemen des Beipferdes verbundene, zwischen Joch- und Beipferd durchlaufende Zug- 
leine schon am Wagen befestigt. Der Wagenlenker pflegt, neben dem Joch stehend, 
das ankommende Pferd zu cr^vartcn; schon dadurch wird es wahrscheinlich, dafs er 
es hier halten läfst, ihm hier Zug- und Bauchriemen sowie das schon am Zügel hän- 
gende Gebifs anlegt, und dafs erst das fertig angeschirrte I'ferd ganz vorrückt. Vollends 
für den einen Knecht, der im Giebel die ganze, in den Vascnbildern auf zwei, meist 
sogar drei Leute verteilte Arbeit allein zu besorgen hat, niufs dieses Verfahren eine 
Erleichterung sein'\ Er läfst also das fertig angeschirrte, auch schon mit dem Joch- 



") Jahrbuch IV S. 307. 

'=J (Ji-rharil A. V. II 95, lol, Iir, 136, 13S; IM 

24O; 1,V 312, 314, 315. Klr, u. i;iiiip.iii. 

Vasenb. 18. Griccii. u. L'lr. Trinküch. .1, 5, 



Kl. ctT. III 15. Viisi di'l L'onli; ili Siracu-a 3, i. 

Ciill. Duiiiii 'laf. 15. 
') Ufiinii ivIl' XciKiiihiin viirsL'hrt;ilil -. i. 7. I. 
'J .\uf (Ül'Sl's \'L'rfalircii glaubio icli auüli aus 



Saiwf, Der OttsJebcl in- olymphclRn ZcnHeaipeU. 



»7 



pfcrtic verkoppelte ITcrtl jetzt vorrücken ' ^ Zu tun h:it er mm nichts mehr ;i!s das 
Leitseil zu Irisen; das kann er auch im Knien unti ohne hinKuschcn. Natürlich 
bleibt er an Ort und Stelle für den Fall, d.ifs «ler Herr ihm noch utwas zu befehlen 
hat. Der l-^phebc denkt -to^^ar mehr an den Herrn, vor den er hinkniet [«. u.) als 
an das Pferd, das er, nur wenij; umblickend, nach pich zieht; der Mann, nicht so 
cifnji, aber ganx bei seiner Arbeit, achtet seines Herrn aii^jenblicklich gar nicht. 
Ob diese VerschicdenhL-it einen tieferen Sinn hat. bleibe vorläufig dahin[;cstellt. 
JedcnfaJU werden beide Knechte nicht lanj;e mehr beschäftigt sein; von dem dar- 
HCHicliten, der völütjen Bereitschaft unmittelbar vorausgehenden Moment bi^ zur 
Abfahrt wird so wenig Zeit vergehen, dafs das flüchtige Ruhen im Knien völlig 
begreiflich wirtl. Da endlich beider Hände, ihrer Haltung nach, nicht jetzt schon 
die Seile ablosen können, so ist auf's neue bewiesen, diifs die Pferde ihnen noch 
nicht genügend nahe gerückt sind. 

Was hier in Worten mit unvermeidlicher Umständüclikeit geschildert ist, 
war in der Dar^itclUinci auf t\cn ersten Blick deutlich", denn Zugleine und Ziigcl des 
schreitenden Pferdes hingen noch schlaff herunter. Der Künstler hat es also ver- 
standen, den nahezu äiifscrstcn Moment der an sich uninteressanten Vorbereitung 
darzustellen und damit die Sgiannung auf das Kevorstehende zu richten, und es ist 
ihm gelungen, dies mit dem Minimum von Personal, ilcm Lenker und einem Knecht, 
fleutlich vorauführen. 

Die Wagen wurden durch die schreitenden Rosse xuni Teil verdeckt, ge- 
wife nicht zum Schaden der künstlerischen Wirkung des Ganzen. Doch brauche 



Jon VMenbiW Gtrhiid A. V. III 154 (unten) 
•chlicttvn ta ilUifcn, in<ii.-m icli annahm, d»{* 
der Knappu eben da* leuie Kcnl hnl/e toi- 
ilUkcn tuscn und nun dtt» I.cil»(.-il — irr- 
Mlmtich vnin Joch • «talt vmn Bcipfcfd — 
Imc. Nach freundlicher Milteiliing Avf Herrn 
l'rof. Still, dem ich auch cini- Bau^r dt« Ililrtc^ 
verdanke, tsi dic^v Aiifliis*iinu unhalitiar. Alhena 
hält erst einen Teil der /.llgcl. und da« vras 
d« Knappe lillt. elcllt die Übrigen du. Diintt 
Mehl «Im «tllliiisch tcluame Gefiarii Rueh sachlich 
»Cicinielt. Will man nicht mit iin*clt-tii Hilde 
rin iii)t;lniiblicti ungochickte« und verkehrtes 
.\n<ehirTting^v erfahren eonstraircn. »<i mufs man 
Miftvcr^lllndnit eines beMeren OriginnU at|. 
nehmen, wonit aber die Dar«telluni; kritisch 
wenlo« wird. 
'*) Wie iiD flbrijien die ZUj-el nnj-eiudnet waren, 
Mt für dl« Frag« nach der Anordnung der Fi- 
guren bclanglo«, «e) atirr vcnig>icii& nehen)>ei 
l>c«procben. Zwi&cbcn den bii tu KunUgcnder 
Hohe erhaltenen Halsen der an der GiebelwatuI 
■tvhcnden Reipferdc und der ihnrii licnach- 
borico Jocbpferde sind keine ZUecllttchcr vor- 



handen. K« fehirtn altn die /Ilgel «^wnhl an 
der Aufi>enM.-ile der Joch-, al» «n der Innen- 
seite der Keipfcrde und es waren im ganzen 
hVtchflen« vier, wahr«cbeinhch, da der an der 
Oiebelieand liegende doch nur eine kuric Strecke 
«ichtbnr ecwcfen wäre, nur drei Züge! vnrhaiHlen. 
Wie noch heute bei den l)n.-i(;c»pannen der 
rDraiscbeii Canipni;na waren die Kopfe der Bei- 
pferde nur mit langen, vrcl bpicIrauiD j^ewihren- 
den Kiemen (ftT^'.n fall, t 14S) an die der 
Jncbpferrfc gekoppelt; ich verweise niirdiccbalki- 
diicbc fjeryoncfcvnsc E.oync« Taf. 8. auf Gcrhnid 
A.V. 111331,3 und ilic mir au« einer Skiif.e lle- 
berdey's bekannte MUnclientr Vase 69* (sehr deut- 
lich). Auch diese Koppelung; mtif' im riiebel «clion 
vnllen|>en M;in: denn etwa diesen Riemen durch 
die Hand des Kuedite« tu leiten. Kubl nicbl 
an, weil er nur/tlijcli-lflrke haben kann. <Mj die 
/tlgel iinmittt'l>iar in die Mand dc< Lenker, 
oder diiTch eine etwtt am Zugricmen angvbrtchle 
Ose liefen, Isfsl jich nicht entscheiden: ijc- 
rtllligCT i»t Jcdcnfall» das Icitlere. Garui nutge- 
fOhn uar iiiitQrlich nur der /ngcl de» Voll- 
pferdcs; hei de» .mdern aparte inaa »icti das 



StUck jwitchat Hai* und Joch. 



JthiMicli im arebliilDflMhmi Infrlnt» >1. 



t8 



Snuvr, l)«t OtlgivLii;! ilc« olyinpii'Chcn /euttciitpel*. 



^: 



■rf 



icil sie nicht so dtclit .in iHe Ffcrcic heraiizurUckcn, wie Treu aus Kaumnot es tun muCs, 
und gewinne durch mäfsige Verlängerung der Deichseln, die noch weit hinter der 
von Six antjcnommcncn zurückbleibt, den Vorteil, dafs zwischen flem Hinterteil und 
dem auffallend weit ab.^tchcndcn Schweif des zurückstehenden Pferdes der VVaßcn 
in seinen wichtigsten Teilen deutlich durchblickt Sachliche Bedenken stehen dieser 
Verlängerung durchaus nicht entgegen. Aus einer HomeRtellc (H* 519) hat Scfalie- 
bcn'" mit Recht j^c^chtniisen. dafs der Zug sehr lang war, und dasselbe lehren die 
Wagen der älteren ?. f. Vasen, unter denen sich sogar die langsam fahrenticn der 
Frangoisvasc befinden"; erst später ])flej;t man bei nihig stehen<len Cespannai, um 
eine häfsliclie Lücke zwischen Wagen und Pferden zu vermeiden, alf;o aus künstleri- 
schen Gründen, die Dcichse! «stark zu verkürzen. Hier, wo das Hcipfcrd gerade vor 
diese Lücke tritt, war zu solclier Verkürzung kein Gruntl. iJie Wagen waren, wie 
auch Treu'* vermutete, von Marmor. Ks sind nämlich drei merkwürdige Fragnicnlc 
vorhanilcn, die mir anfangs Stilizcnreste schienen, sich aber von solchen durch sort;- 

faltige Glättimg und rcgclmäfsigc 

Form unterscheiden. Sie geben 

vielmehr deutlich oberflächlich 

gerundete Holzbalken von 10.5 cm 

kleinster und 12 — 13 cm griifatcr 

Dicke wieder, und dürfen somit 

als Reste der Deichseln oder 

Axen gelten. An zweien dcrscl* 

bcn ist das zum Kinzapfen be- 
^^l^ stimmte Fnde erhalten. Eins 

dieser beiden zeigt aufserdem ein 

Loch für einen Nagel, dessen 

Ko]>f in eine falüähnliche, an der 

Oberfläche des Fragments ge- 
legene Krwcitenmg eingriff; ich 
mochte dieses Fragment für ein Stück' Axc halten und annehmen, <lafs die Zugleine 
des Meipferdes, statt am Wagcnka-ilen, an der Axe befestigt war wie an dem Uronze- 
wagen Mus. Greg. A I 74. 1 r. Völlig ausgearbeitet waren die Wagen schwerlich, be- 
Bonders nicht mit zwei Rädern versehen; die von Treu berechnete Tiefe von 45 cm 
kann noch beträchtlich zu hoch bemessen sein, da die factische .Mittellinie mit der 
ideellen, «lurcli die Deichseln gegebenen durchaus nicht zusammenzufallen braucht. 
Dafs die Wagenlcnkcr die beiden auf dem Hoden Sitzenden sind, folgt 
ohne weiteres aus dem früher Dargelegten; ihnen hat man also die Zügel in die 
zu geben. Die rechte Hand des Greises A' hat eine geräumige durch- 
idc Öffnung; durch diese sind die Zügel von oben durciizu führen, sodafs die 



'V 



^ 



<'' 



1 



9» 



**) ITcrde fies Alh^nums S. 160. 
'■) Vgl. Mon. <lell' Init. XI 41. Gvrhnnl A. \. 
1 5t i ir lai 23; IV 36;. Ktr. II. «mp, VümhIj, 



4, 5. Triiikscli. u. Cef. }6. 
Arth. «Cvil. lS8j TaC r. 
■") jBlirbucli ]V S. 386. 



El. cinm. 1 1. 



SauLT, Dlt Ostfjicbcl de? olympisclu-n /.(.■u^^ienipuls. IC) 



Enden sichtbar vor dem Arme hcrabliängcn. Dafs die Ifand noch in einer 7Avcitcn 
}-Iandlung begriffen ist, konnte, solanjje die Zü^cl vorhanden waren, keine Unklar- 
heit verschulden. 

Aber die Figur bietet andere, unerwartete Schwierigkeiten. Vor allem 
scheint man bisher noch nicht bemerkt zu haben, dafs an dem der Giebelmitte ab- 
gewandtcn Teil des linken Armstumpfes dicht am liruchrand ein höchstens 4 mm 
hoher Ansatz vorhanden ist. Der Contur desselben ist ein nach unten geöffneter 
Kreisbogen von 5,3 cm Sehne, läfst also auf einen unterlialb der liruchstelle gegen 
den Oberarm stofscnden Körper vor kreisförmigem'^ Durchschnitt (dm. etwa 16 cm) 
schliefscn. Was dieser verschwundene Körper war, ist zunächst unklar; doch 
läfst sich ohne weiteres feststellen, was er nicht war. Nämlicli erstens nicht eine 
Stütze; dazu ist der Ansatz zu umfangreich und zu rcgclmäfsig. Zweitens auch 
nicht der gehobene und an den Oberarm angeprefste Unterarm; dagegen sprechen 
dieselben Gründe und aufserdem, dafs der Ansatz so Iiocli liegt, j^ndüch drittens 
auch nicht ein von der erhobenen linken Hand gehaltener Körper; denn die er- 
hobene Hand könnte nur eine auf dem Boden ruhende Stütze halten, was sich mit 
der Form jenes Ansatzes nicht verträgt. Im Gegenteil widerlegt die Existenz des- 
selben die von Treu*'" neuerdings ausgesprochene Ansicht, dafs der linke Unterarm 
dieser Figur gelioben gewesen sei, und rechtfertigt im allgemeinen die Griittner sehe 
Ergänzung. Dennoch bedarf auch <liese der Correctur, da ein kleines l'ragment 
der linken Hand erhalten ist. Es umfafst den Hallen und läfst 
noch erkennen, dafs der kleine I'inger etwas eingebogen war, 
während die Stellung zum Unterarm unsicher ist. In der I-'läche 
ist ein kleiner Rest erhalten , der nicht von einem der Finger 
herrühren kann, da dem die Stellung des kleinen h'ingers wider- 
spricht; der hier ansetzende Körper war also von der Hand '^ 
nicht umschlossen, sondern ruhte in ihr oder sie auf ihm. Zur Wahl kommen für 
diese ziemlich grofse Hand Kladeos, Oinomaos, sitzender Mann, Sterope, sitzender 
Greis: der Westgiebel ist ganz ausgeschlossen. Die linke Hand des Kladeos läfst sich 
nachweisen: eine sehr grofse, offene, in der Richtung des Armes ausgestreckte Hand mit 
leicht eingebogenen Fingern; die desOinomaos und des sitzenden Mannes werden später 
nachgewiesen werden. Sterope könnte man die Hand nur zuweisen, wenn man den 
Ansatz in der Handfläche für einen Gewandrest halten wollte; das ist undenkbar, 
da das mit den Fingerspitzen gefafste Gewand nicht bis an die Handfläche reichen 
konnte. So bleibt nur der sitzende Greis übrig. Dessen linker Arm aber reicht 
bequem bis auf den Boden, und da eine Hebung des Unterarms unmöglich, anderer- 
seits die stützende Funktion des Armes unentbehrlich ist, so lag seine linke Hand, 
die natürlich ihre besondere Plintlie halte, auf dem (üebelboden. Damit fällt auch 
die Möglichkeit weg, zwischen Gicbelboden und Hand einen weiteren Körper ein- 

'*) Mrtglich wäri; immerhin auch ein Körper von etwas fjrofsercn wie kleineren Umfang; ijehnlil 

elliplischeni QuerscUniU, der dann ebensogut lialien krinnle nU jener kreisförmige. 

■") Archäol. Anzeiger 1890, S. lojf. 




30 Sauer, Der Üstj-iebel des olympisülicn /custcnipels. 



zuschalten, und es ist unabweisbar, diese Hand mit dem Rücken aufliefen zu lassen 
und in dem erwähnten Ansatz den Rest eines in ihrer Fläche ruhenden Gegen- 
standes zu erkennen. Ein sicheres Urteil über diese eisentümlichcn Einzelheiten 
wird erst dann möglich sein, wenn ihre Umgcbuntj; völli;; ermittelt ist; wir werden 
dann auf das eben Dargelegte zurückzukommen haben. Nur das sei schon hier 
ausgesprochen, dafs diese Hand dicht am Giebelrande liegen mufs, eine Forderung, 
die ich auch ohne Kenntnis des Fragmentes stellen würde, da man nicht denjenigen 
Teil der Figur, der ihre Haltung erst verständlich macht, dem IJeschaucr ver- 
bergen darf. 

Ziemlich sicher läfst sich der sitzende Mann ergänzen. Vor den Origi- 
nalen bestritt Kekul6 die Zugehörigkeit der linken 1 !and des Oinomaos, da sie für 
diesen zu klein sei. Später konnte ich diese von unten nicht genügend sichtbare 
Hnnd In der Nähe prüfen und fantl nicht nur Kekulc's Meinung bestätigt, sondern 
die Hand überhaupt so charakteristisch, dafs sie die Frage nach der Composition 
der Flügel ganz allein entscheiden würde, wenn nicht ihre technische Beschaffen- 
heit verschiedene Auslegung erfahren hätte. Diese Hand nämlich, die auch Treu 
ihrer Masse wegen dem Oinomaos früher nicht zuzuschreiben wagte und seinem Myr- 
tilos L zu geben geneigt war"', zeigt aufser dem durchgehenden Loch (dm. 2,5~-3 cm), 
dessen Richtung zu dem vorausgesetzten Speer des Oinomaos durchaus nicht stimmt, 
ein anderes, welches in dem vom Zeigefinger gebildeten Winkel 7 cm tief in den 
Marmor eindringt: es besteht aus zwei convergirenden, erst am unteren Finde ganz 
ineinander übergehenden Löchern von V* — ' cm Durchmesser. Dieses Loch fand 
Treu mit einem Marmorpfropfen verschlossen und schrieb es deshalb einer Fehl- 
bohrung zu*'. Aber eine Bohrung von solcher Tiefe auf ein blofses Versehen zu- 
rückzuführen, ist immer mifslich, und wir dürfen uns die Frage nicht ersparen, ob 
diese Bohrung nicht einen bestimmten, später in Wegfall gekommenen Zweck hatte. 
Alles weist darauf hin, dafs die Hand die eines Wagenlenkcrs sein sollte; durcli das 
gröfsereLoch sollte das Kentron hindurch, in das kleinere die Zügel, deren Dicke dazu 
genau pafst, hineinlaufen. Die Enden dieser Zügel mufsten dann in ein entsprechen- 
des Loch im Ballen eingesetzt werden; doch hat man, ehe diese zweite Bohrung 
ausgeführt war, die Anlage zu ändern beschlossen, Zügel und Kentron zusammen 
durch das umfangreichere Loch geführt und das nun überflüssige Zügelloch ausgefüllt. 

Die Hand war und blieb also die eines Wagcnlenkers. Nur diesem, nicht 
dem Knecht, kommt das Kentron zu und nur in seiner Hand, nicht in der des 
Knechtes, der das Pferd am Leitscil führte, können Zügel zusammenlaufen. Die 
Hand ist somit die des hinter dem linken Wagen sitzenden Lenkers. Gesetzt nun. 
es wäre durch alles vorhin über jene Knechte Gesagte nichts bewiesen, so blieben 
dennoch für diese Hand und diese Stelle im Giebel nur zwei Figuren, der sitzende 



'-■') Arthäol. Zoiluiifj 1882 S, 239, Anni. 7. — Nach- ^''-''''J iül'sij IIiilhI L'iiiL'in WaHcnk-nkcr {(') /ii\vic> 

traulich schi; ich, dafs Treu anfaii(;s (Archaol, uml dafs Kütit-it lllitr die liin/.clIicitL'ii di-r Be- 

Zcilung 1876 S. \^(^, wozu Taf. 13 unter a eine iirbeiiung yeiiau -^u urteilte wie hier ge^chelien isl. 

vorzUgüehc Abbildung der erwähnten Hand ''■) Archäol. Zeitung a. a. O. 



und der kniende Mann, zur Wahl. Nim ist aber <lic sorgfältige Arbeit der Ilanil, 
an der nur die näcliste L'm|^cbun|^ der J.i'icber. also ein kleiner Teil ihrer jctKij;eii 
Uberscile" vernachlässigt iät, mit vollem Recht für die Platze maßgebend gewesen, 
die Treu und Grüttncr" versuchsweise ilir gegeben haben: sie gehört in jedem 
Kalle vom in den Giebel und war fast rundum sichtbar. Sie isl also nicht die 
Hand des Knienden, der, hinter den Wa^cn gesctzl. seine Unke ganr, dem He- 
ächaucr entziehen wurde, und nur der Silüciide kann zu ihr t;cliurcn umi jenen 
Platz einnehmen'*. Ich halte diese Folgerungen Rlr so zwingend, dafs sie Rir mich 
einen zweiten, selbständigen Beweis der bisher vorgeschlagenen Aufstellung bilden". 

Schwere Unzuträglichkeiten werden dadurch aufgehoben. Die Gestalt kann 
in ihrer künstlichen Stellung ohne Stütze nicht einen Augenblick verharren. Diese 
Stütze konnte fiir deu unter den I'fcrdcköpfen sitzenden Mann nur ein Kcnlron »ein, 
das aber dem hinter dem Wagen zu envartemlen Lenker zukommt, oder der Mann 
hielt irgendwie <Ias eine Pferd und wurde nur durch den Widerstand des Pferde- 
kopfe-s in seiner Stclluni; festgL-lialten: dafs das eine künätlertsche Unmöglichkeit 
ist, wird man der Zeichnung Jahrbuch IV, Taf. 8. 9, I gegenüber wohl zugeben. 
Aber auch die steile Stellung des rechten Unterschenkels, die diese Figur in der 
hj'gänzung nur bekommen hat, um nicht mit der neben ihr stehenden Frau zu colU- 
dircn, kann man jetzt wieder aufgeben und die Tigiir ungezwungener gestalten*', zu- 
mal d» diu ganz' roh gearbeiteten drei ersten Zehen des rech- 
ten Fufses vorhanden sind und den Beweis liefern, dafs der \\y% 
Korper rundum, wenn auch mit starker Vernachlässigung der 
unsichtbaren Teile, au^carbcitct war. 

Auch von der rechten iran<l des Mannes ist ein Frag- 
ment erhallen. E-s ist der Körper einer aufgebogenen, mittel- 
groföcn I lami. also in der licwcgung der dem Kiadeos schon '-^ 



./ 



"} ATi;hänl. ZtUunK l»;6 Taf. l^u. 

") Aichno). Zffitunc 1S82, Tnr. 13. l.alou\-M.iii- 
iXBux, Kc«lauraliPn d'l>iym[iti', tu S. 74. 

*') Die linkv Handwur«!, <lie l'osocnti (Arclii^nl. 
Aasvi^tir 1890, S, 60) dieser Kijjut cuwcifil, 
wird mil der iücnliicb >ein, wcktlc kfa dem 
(.ViitDtnso« i^btf; '»(.■nti:>ivu> i»t mit eine andere 
nkltl tu üenicht i^rkonmitin. DIcic llAiidwuriel 
hatlv Viwn 1—2 ctn i;rbfiicrcn Umfang nla die 
ähnlich bewegte jctzij^c des Uinoiimo» , uroratii 
»kli di« ZuleilunK ohiw wcilcrn ct^ictil. AlL-r- 
dint;« ui .iui:h iittr*L-( Fia^unt, niual&liKltl nacii- 
Kcwiocn vacfdcn «oll, vOH cintr auf};c»tüuii-n 
Manil. AWr ^■^'''^■■' "'«»i dat l'OMcnti'idie 
.Stack die L'ninAgliühLcii eine* MUt'undcn SUlt» 
beweist, kann n dem iitticndcn nicltt gebAren, 
weil dieser dct SttlUc nicht entbehren kann. 

»•) Emihni 4ci noch, dafs die Abarbeitung d« 



beurteilt wunlen iil. Mil Kecht bemerkt Treu 
(Jnliibuuh IV.S. 310). rfafs es nnmctglich sei, die 
Abmeir^duny de« Scheitel» rus der Abdachung 
de« OiebcUirn^ »1 erkUren, da sie »Ich ron 
vorn nach hinten scnltc. Aber cbensovranlg i«t 
»ie KtUckfUlcliv. Der in der RüekanRichl Jabi- 
bnuh IV S. 394, PIjj. 15 »tchtljATc );Ulte Rand 
hewUr.Inkl sich auf ilie«e Svilc) vntn ^chl die 
Spiiiung bi* tT"^' ^'^ ''^* Knde der Abaebvituni;, 
i3ic übrigens nkht einnml eine Kbene ist. Halle 
man ein StUck anj^ekiltot, ^o hütte sich genauer 
Sciiluf» iwar an der Rückseite, aber nicht da, 
wo er tu verlangen würc, an der Vorderteile, 
crRebcn. Die EigcnlUnilichkeit irt jjcnau 10 nt 
erklären, wie die Spiirung auf dem .Scheitel de* 
(rrci)Ct; TiUT dof» hier die rolle plastische Fnnn 
Ecwahrt blieb, dort, vcrmuOiefa «eil der Marmor 
«usgins, vcrkaromcrlc. 



Oticfkopfes divMr Piyur bithet nicht licliijj; -') Die KeMc der vom Knie ausgehenden Hinge- 
fallen gCAtallcn da^ 



SaiRT, IKt (Ktj^iL'licl dos o!yiii|ii>ctn;n /.tii>Uiii|n,l-. 



langst zugewiesenen rechten Hand älinlich, die aber beträchtlich j^röfser ist. Aufser 
dem Mann konnte nur Stcrope auf tlieses VVaynient Ansprucli erheben; da aber, 
wie sich später ergeben wird, ihre rechte Hand niclit leer },'ewesen sein kann, so ist 
das Kraj,'ment dem Mann j^esichcrt. Über den Arm hat Six*" das Richtit,'e yesayt: 
er it;t in der Krj^änzun}^ zu weni^ erhoben und zu dicht am Küqier. Alle diese 
Krwät;unyen in Verbindung; mit der Hcrichtiyun^ der Kopfhaltung, die Treu gelungen 
ist-"', ergeben das Motiv der Figur mit genügender Sicherheit: sie blickte, mit 
geringer Wendung nach der Mitte zu, aus dem Giebel heraus und in derselben 
Richtung erhob sie die Rechte, die etwa über den Giebelrand zu liegen kam, zum 
Gebet, und zwar, da die Aufsenflache etwas sorgfaltigere Arbeit zeigt, mit der 
Kläche nach oben, nicht nach vorn'". 

Für das Mädchen und den untätig dasitzenden Knaben bleiben nur die 
beiden vorletzten Plätze im Giebel übrig; fraglich bleibt nur, welche der beiden 
Figuren links oder rechts unterzubringen ist, diese Frage aber ist untrennbar von 
der nach der Handlung des Mädchens. Auch die neue Ergänzung dieser Figur ist 
unhaltbar. Uer linke Oberarm kann, ohne mit den unterhalb der Achselhöhle er- 
haltenen Falten zusammen zu stofsen, nicht 
so steil abwärts gehen, er ging vielmelir, 
wie das leise Auseinanderklaffen des Ge- 
wandes zeigt, ein wenig nach aufsen; in 
diesem Punkt ist also die Grüttncr'sche 
Ergänzung richtiger als die Hartniann'sche. 
Ferner pafst die F'orm des Ansatzes auf 
dem linken Schenkel nicht auf eine Hand- 
wurzel, höchstens auf eine mit der Fläche 
nach innen hochkantig aufruhende Mittel- 
hand, doch will auch dazu die Form nicht 
recht stimmen. Die Haltung des rechten 
Armes ist auch in der neuen Ergänzung 
eine unmögliche: die Richtung seines An- 
satzes beweist, dafs die Hand, ohne die 
linke zu treffen, frei hcrausragte. Die er- 
hobene unil vorgestreckte Unke berührte 
also aller Wahrscheinlichkeit nach einen 
auf dem linken Oberschenkel aufruhenden Gegenstand, während die halb verborgene 
Rechte in irgend einer Handlung begriffen war; untätig, wie man bisher annalmi, 
war die Figur keinesfalls. 

Die Durchsicht der Fragmente hat auch diese Beobachtung bestätigt. Zu- 
nächst befindet sich unter den Handfragmenten kleinen I'\>rmats eine ringsum be- 
stofsene rechte Mittelhand, die sich keiner anderen l-'igur a!s tiem Mädchen zuweisen 




"4 



■-■) [oiiinnl i>r TIfll. Stiiil. jSSh, S. 105. 
'■') J;[lii;jiuli i\ S. 2y,i, l'i-^. 15. 



■■") \'t,'K iiliiT dicsf 
l-ilirhiiL-h I S. 12, 



ifiilL'u (;i;lifl-L'i.'>li.'ii Ciinüc; 



.Sniicr, DiT Osl^'iflicl (k-s (i!yni[>i>i:lifn Zk.'U'^liimjiels. 



23 



läfst. Die Hand war geöffnet, höchstens können ilic I''iny;er leicht einj^ebogen ge- 
wesen sein. An der Grenze <ics Daumens befini!et sich in der Tiächc ein senk- 
recht zu dieser 3,2 cm tief eindringendes Locli von 1 cm Durchmesser; auf dem 
Rücken dagegen, weiter vom Daumen abgeriicUt als jenes Loch, der Rest einer 
Stütze, deren Ausdehnung in der Riclitung der }iand sich nicht bestimmen läfst, 
während sie in die Quere 4 cm mifst und noch bis zu einer Höhe von 0,9 cm er- 
halten ist. Wo diese Stütze endete, läfst sich niclit ermitteln; fast scheint es, als 
ob die l'linthe des Mädctiens in der Nähe des rechten Kufses dafür keinen 
Raum geboten habe. Die Hand liing also durch diese Stütze vielleicht mit einer 
besonderen kleinen Plinthe zusammen, und war an den jetzt fehlenden Unterarm 
angestückt. Sicher ist jedenfalls, dafs die Fläche der Hand nach oben gekehrt 
war und dafs in ihr mittelst eines Stiftes ein Körper befestigt war, der als lose in 
ihr ruhend charakterisirt werden sollte. 

Noch bestimmter läfst sich über die linke Hand reden, von der nur ein 
Teil der Mittelhand mit den Ansätzen des vierten und des kleinen Fingers erhalten 
ist. Der Umstand, dafs letzterer besonders angesetzt war, und 
die sonstige Formgebung beweist, dafs auch diese Hand offen 
war; jedoch war der gröfste Teil der Fläche von einem Körper 
bedeckt, dessen scharf ausgeprägter Umrifs am ehesten auf 
einen gedrechselten oder geschnitzten Gegenstand hinweist. Da 
die Hand offen ist, liegt entweder der Körper auf der Hand- 
fläche oder diese auf ihm. Hin einfacher Versuch lehrt, dafs 
in erstercm Falle der Arm, wenn er nicht weit vom Kör- 
per abstehen soll, in ähnlicher Weise wie bei der neuen, bereits angefochtenen 
Ergänzung sich in's Gewand eindrücken müfste. Nimmt man dagegen an, dafs die 
Hand auf dem Körper ruht, so erklärt sich uner^vartet der auf dem linken Schenkel 
erhaltene Ansatz, der das untere F^nde jenes Körpers darstellt*'. 

Von einer Erklärung der Aktion dieser F'igur sei, wie immer, zunächst ab- 




"J Dtn Kopf fllr nicht ^ugthörig, sngar flir iH.inii- 
lich zu halten, wie neuerdings wittk-r Jüiri- 
wängkT (50. Berlini^r Winckclmannsprcyranim 
S. 129), ist tmzulässig. Gracf's Beweisführung 
(Athen. Milt. XIII S. 402 f.), die mir (kireh Treu 
(ebenda XIV S. 297 ff.) nieht schlagend witk-r- 
legt seheint, weil die von ihm angeführten 
technischen Indicicn leider nicht (k'Ullieh genug 
sind, steht und fällt mit der Behau|ilung, dafs 
der Kopf des knienden Kphehcn nicht diesem, 
sondern dem knienden Manne ((,'j gehi)re. Aber 
dieser Kopf war, wie die Flaehheit des Über- 
gangs von der I. Wange /um Hals Ijtweisi, 
stark nach der r. Schuller gedieiit, was mit (' 
unvereinbar ist. Furtwänglers überraschender 
Vorschlag, den Kopf des Mädchens atif C' /« 
eingreifende l>übe! dem 



setzen, scheitert an ahnlichen Krwägungen. Sein 
Hals zeigt links hinten stärkere Rundung als 
rechts, war somit etwas nach der r. Schulter 
gedreht: für 6" beweist das Krhaltene die ent- 
gegengesetzte iJrehung, Die Corrosion jenes 
Kopfes beweist nichts, da sie sich nur auf das 
Gewand, nicht auf das Nackte erstreckt. Rich- 
tig ist aljer die Beobachtung, von der Graef 
ausging: der Kopf ist falsch aufgesetzt. Kine 
mäfsigc Drehung nach der r. Schulter giebt dem 
Kinn und der 1. Wange genügenden Raum: 
vermutlich war dafür der Kilrper, um die r. 
Hand besser sichtbar werden zu lassen, ein 
wenig schräg gegen den Giebelrand gestellt, 
sodafs das Knie diesem näher lag als der Fiifs 
und der in den I. L'iiier^chenket hakenförmig 
Beschauer er.t/.cgen war. 



24 Sauer, Der Ustgiclicl dts olymiiisLhcn Zc:ii.sioni|ids. 



gesehen, bis ihr eine feste Stelle im Giebel zugewiesen ist. Dazu aber reicht die 
Tatsache aus, dafs die Figur nicht untätig, sondern in einer Handlung begriffen 
war, die durch tiie Figur selbst dem Auge des Beschauers, auch des gerade vor 
ihr stehenden, fast entzogen war. Denn damit wird die Möglichkeit ausgeschlossen, 
die Figur auf der linken Seite aufzustellen, wo selbst bei starker, an sich durch 
nichts gerechtfertigter Drehung <lie Handlung der Rechten dem vor der Giebclmitte 
stehenden Beschauer völlig verborgen bleiben würde. Zur Geltung kommt sie erst, 
wenn man die Figur rechts, sehr nahe dem Giebclrand, aufstellt; denn hier kenn- 
zeichnet sich diese Handlung, ohne dem Beschauer zu entgehen, deutlich als 
versteckt. 

Der sitzende Knabe ist somit links, das Mädchen rechts an die vorletzte 
Stelle zu setzen. So wird auch das völlige Auseinanderfailen der Composition ver- 
mieden, das nach meiner Ansicht die unbestreitbare, nur aus der Überschätzung 
der F"undumstände erklärliche Schwäche der Curtius'schen Aufstellung ist. Und 
endlich kommt, wenn man den Knaben links aufstellt, die sorgfältig ausgearbeitete 
linke Seite desselben ganz so wie es Treu verlangt*" zur Geltung. 

Der sitzende Greis und das Mädchen sind also Nachbarn, und wir 
haben die Möglichkeit zu erwägen, dafs die rätselhaften Ansätze an beiden F'iguren 
sich aus dieser Nachbarschaft erklären lassen. Der Ansatz am linken Oberarm des 
Greises stammt entweder von dem in seiner linken Hand ansetzenden Korper: dann 
hätte dieser, ohne von der Hand festgehalten zu werden, an dem Arm gelehnt, 
eine Möglichkeit, die ohne weiteres abzuweisen ist. Oder er rührt her von einem 
Körper, der mit der Nachbarfigur, dem Mädchen, zusammenhing: dann könnte 
dieser, da für die Hnke Hand eine an die F'igur selbst gebundene Handlung ge- 
sichert ist, nur in ihrer rechten Hand angesetzt haben; aber auch diese Hand fafste 
nichts, und wieder würde jener rätselhafte Körjier beiderseits des Haltes entbeliren. 
Da endlich der Ansatz auch mit dem Wagen nichts zu thun haben kann und selbst 
die Vertauschung des Mädchens mit dem Knaben nichts ändern würde, so bleibt 
keine andere Wahl, als den Körper, von dem er herrührt, durch die rechte Hand 
der Figur selbst zu leiten. Diese hielt also aufser den Zügeln einen zweiten Gegen- 
stand, dessen bronzener Teil durch die rechte Hand lief, während der marmorne, 
ohne den Leib zu berühren, um diesen herumlief und erst an der Aufsenseite des 
linken Oberarms und zwar mit einem kreisrunden Schlufsstücke von 16 cm Durch- 
messer endete. 

Die rechte Hand des Mädchens so über die linke des Greises zu legen, 
dafs der Ansatz hier von der Stütze dort herrührte, ist vielleicht nicht unmöglich, 
walirschein lieber aber, dafs die erstere etwas weiter vom Giebelrand entfernt war 
als letztere; nur Versuche mit riclitig ergänzten Modellen können darüber endgiltig 
entscheiden. Ich vermute, dafs diese beiden Hände, wenn auch einander ganz 
nahe gerückt, aufserlich unverbunden waren, dafs also jede, wie die Ansatzspuren 
beweisen, einen Köqier von geringem Umfang in ilirer Fläche hielt. Ganz sicher ist, 

■i^j Jalirl.uth iV S. 287. 



Siiucf. Ucr CHi^icbel Avtt olyin|ii*clii:n Kcu»U'fU|»i;l». 



^5 



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■ X n 



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ilaSs zwischen dur I.inkxn dcä Greifes und dvr Rcclitcn des Mädchens eine halb 
verstockte Mandlun^ vorj^cht. 

Für die Anordnung der Miltelj^rupiie Ist entscheidend eine bisher nicht 
;icnüi;end hervorgehobene technische Kij4eiitUnilichkeit der I'ijjur Treu A' An der 
rechten Manke war der Mumiorbluck aus irgend einem Grunde zu knapp luis^e- 
f;dlcn; infoljie <lossen sind zwei Stücke aniicselxl: ein 
^^rokizs A/iC'(/)/i), welches das Gewand unter der Achsel- 
höhle, aufserdem mit seinem oberen, winkelförmig aus- 
sprlngendcn Kndc (AED) ein Stück des Oberarms um- 
faßte und mit 4 starken Stillen o.^yt und einem liande s 
an}j;cheftet war, und ein kleinem, mit nur einem Stift (t) 
befestigtem Stück F, welche;« an das erste anschhcfäendi 
eine nach hinten sich erstreckende Lücke des Mauptblocks 
füllte. Aufserdem hat man da, wo der die Achselhölile 
ausfüllende Gewandbug sich knickt, 1 lauji!- und Sliickblock, 
um alt^uspitzwinklige AnsclilufsstÜcke zu vermeiden, schräg 
abgeschnitten und die kleine Lücke (> n«t einem keilför- 
migen Stück gefüllt: tue nnt sehr sauberem Kandbeschlag 
und je einem Stiftloch versehenen Anschlufsflächen sind 
in jeder gröfseren Photographie sichtbar. So conipiicirC 
das Verfaliren ist, so bcgreillicll wird es also. Wenn man 
sich die technischen Bedingungen desselben klar macht. 
Anders ist es mit einem In der Mitte des Ilnuptansalz- 
Stuckes von oben nach unten taufenden, noch jetzt etwa 
33 cm langen, 6—7 cm breiten, sargfaltig gespitzten 
Streifen If. Waren hier weitere Falten angekittet zu den- 
ken, so würden sie, nach der Gestaltung der Unij^ebung, sich 
hoclistens zu 2 cm Dicke erheben können; es wäre also eine ' 

Marmorfamelle da besonders — und zwar ohne Hilfe von Stiften — angekittet, wo 
man das Hauptstück nur um 2 cm im verstärken brauchte und damit zugleich 
sohder gemacht hätte. In der That ist dieser Streifen ebenso wenig Stückfiächc 
wie die Abarbeitung am Kopfe des sitzenden Mannes (vgl. S. 21, Anm. 26], und auch 
hier ist der scheinbare Randbeschlag nicht prinzipiell verschieden von der durchge- 
rührten plastischen l-orm, an die sich die zwar vernachlässigte, aber immer noch 
bearbeitete, dem Beschauer abgewcndetc Fläche anschljcfst 

Der Unterschied ist aber der, dafs der Oberkopf jenes Mannes wie der ähn- 
lich behandelte des Greises in jedem Falle unsichtbar blieben, während die hier be- 
sprochene V'emachlässigimg von gewissen Stan<l]iunkien ans sichtbar war. Darum 
mufste an diese Stelle ein anderer Körper so herangerückt sein, dafs sie vertleckl 
wurde, und nur wenn jener Körper ganz dicht neben A' stand, wird es bcgreiflicli. dafs 
man das ohnehin dünne Ansatzstück um einige Centimcter dünner machte. Fndlich 
handelt es sich nicht um eine -■jVcrsatzcorrcclur'-:, sondern, wie die Güte der Arbeit 



26 



Sauer, Der Oslyit'bcl des nlyiiipischL'n Zeusleiii|jcls. 



beweist, um eine schon rii der Werkstatt ausgeführte Vorbereitung auf die Ver- 
setzung. 

Nur zwei I'"iguren sind vorhanden, die danacli auf die Nachbarscliaft von 
K Anspruch erheben können: G und //; denn zwischen / und K und X>** und K 
würde eine unausfiillbare Lücke klafl'cn. Es bieten sich also die Mogh'chkeiten 

P fMC K 1 

r tTMKT \ (-^*^'^'^'' von G längs der Abarbeitung von A) 

GFHKI (1. Arm von H längs der Abarbeitung von K). 
An zweiter Stelle von // könnte K — und somit auch /' — nur im ersten dieser 
drei Fälle stehen; dann würde aber der Speerarm von G gegen // stofsen. Die 
Frauen standen also an erster Stelle von //, und es ergiebt sich aus dem eleganten 
Zusammcnschlufs der Conturen" ohne weiteres als einzig mögliche Anordnung: GFHKI. 
Der linke Arm des Zeus läuft jetzt dicht an jener vernachlässigten Stelle 
von Ä' entlang und bestimmt damit zugleich aufs genauste den Abstand der Frauen 
vom Tympanon, der allein aus der Tatsache, dafs die Rückseiten eben abgearbeitet 
sind, sich noch nicht ergiebt. 

Für jeden, der die von Studniczka eingeführte Benennung der Frauen auch 
gegenüber den Zweifeln von Flasch" und Six" festhält, ist damit auch den Männern 
ihr Platz angewiesen; tloch sei auch dies auf Grund technischer Indicicn dargethan. 
Vorauszuschicken ist, dafs die Drehung, die Six beide Figuren machen läfst, an- 
nähernd richtig ist. Wolters giebt mir darüber Folgendes an: »Bei der jetzigen 
Aufsteilung des üinomaos fällt störend auf, dafs das Gewand unterhalb des er- 
hobenen linken Armes nicht sorgfältig ausgearbeitet, sondern nur gespitzt ist. Diese 
Stelle mufste also bei der ehemaligen Aufstellung unsichtbar sein, d. h. die Figur 

des Oinomaos mufs mehr nach ihrer linken Seite, 
von der Giebelmitte weg gewendet werden. Zu der- 
selben Folgerung drängen zwei andere Tatsachen. 
Die Plinthc der Statue zeigt sich jetzt so wie sie 
hierneben abgebildet ist. Offenbar hatte dieselbe 
ursprünglich rechteckige, fast quadrate Gestalt; von 
dieser ehemaligen Begrenzung sind die Linien AB, 
CD, EF, GA übrig. Die jetzige Aufstellung ist der- 
artig, dafs AB parallel der Rückwand läuft. Wäre 
dies aber die beabsichtigte Stellung, so liefse sich 
'^ kein verständiger Grund fiir die Abschrägung der 

Ecken durch die Linien BC, DE^', FG denken. Es ist dabei zu bemerken. 




^^) Ich bemerke, ibfs nicht iler dicht an der "") ßauiiK-istcr, Dcnkmiilcr S. 1104 V Z. 

Gicbeiwancl liegende, ^onilcrii der niichste ■"■) Journal <if Hell, Stud, 18S9, S. 200. 

l'ferdekopf von D denselben Abstand vom •'•) Kei der K.inle DK, die dureli Absplittening 

Tympanon hat wie cJic Ab.irbeitiinjj von A' gelitten hat, i>t wenigstens unten deutlich i\\ 

^') Dies hat schon Six hervurgehoben: Journnl iif erkennen, dafs e* sich um Bearbeitung, nicht 

Hfll. Stud. 1889, ,'^. 100. um Uruch handelt; auch der kleine einspringende 

Winkel bei /' i>t künsllich. 



clafs dies besrbcitctc Bci^rciizungcii sind, wie fiir HC uml JJIi ohne weiteres durch 
die Beschaffenheit der riachen, fiir 67'" wo allerdinji« zweifellos Bnichfläche i^l, 
durch die setikrechL dazu laufende Miuarbeitun}; für einen liakuii bewie.sen wird. 
Das weist dann ebenfall« auf eine Drchunjj der Fi^fur hin, bei der BC und GF un- 
gefähr in derselben Kichlung \'criaufen, wie diu Rücliwand*', oder besser j;esaiil, bei 
der Afi iinti EI' niciu parallel zu derselben iciehcii. Auf iHesclbe Drehung weist 
schliefslich ein dritter Umstand hin. Die yrofsen Üiibel, welche die Statuen mit der 
Rückwand verbantkn, stehen, wie dies in der Natur der Sache licj^, senkrecht zur 
Rückwand. In rliesem I*alle aber weicht die Richtung; de^ iJtibellocheii (s. Arch. Zeit. 
1S76, Taf. 13^} mcrUUch von der Senkrechten ab, um beide in Übereinstimmuiiii zu 
bringen müfste die Gestalt {nach meiner Messunj;) 18" um ilirc Axt: in der auch durch 
die anderen Beobachtungen nolie gelegten Richtung i^edreht werden, no dafs sich Oino- 
m. 10s also starker von der Gicbelmitte wcfi^ewcndet hat, als dies jetzt der l'al! ist. 
Was für den Oiiiomaos gilt, werden wir auch für sein Gegenstück, I'elops. annelimen 
müssen, also auch ihn starker von der Giebelmittc weg, dai Gespannen zu, drehen. 
Das wenige, was an der Figur selbst walirnclimbar isl, bestätigt da.s. Die Vorder- 
flache des Haupttlflbcllochcs weicht jetzt 25", die erhaltene Seitenfläche statt 90" 
etwa 95*, die Symmetriea.'cc des weniger regelniäfsigen I-oches im rechten Ober- 
schenkel um etwa 97" von der Richtung der Tympanonxvaiid ab. Nur der kleinste, 
unterste Dübel scheint senkrecht xum Tynipanon zu stehen. Also mufs auch der 
i'elvps mehr von der Giebelmittc wcggeweiulct aufgestellt werden. 

Ich lasse dabei die Frage uneröricri, ob die beiden Männer auf der ilinen 
yebührenden Seite des i^euä stehen; um Unklarheiten zu vcmicidcu bin ich im 
obigen stets von der jetzigen Aufstellung der Originale, Oinomaos in der rechten, 
l'elops in der linken Gicbelhälfte, ausgegangen.« 

Für die Aufstellung der Manner ist von entscheidender Bedeutung, dafs 
beide Speere hielten, l'clopsi (n der Kechten, Oinomaos in der Linken. Sie be- 
ruhten, soviel Ich weil», bisher auf Annahme, und ich habe vor Kenntnis der Frag- 
mente aus anderen Gründen, die ebenfalls durch die l-'ragmente widerlegt worden 
sind, die Kxisienz dieser Speere angezweifelt. Jetzt kann ich 
sie beweisen. Zunächst ist von einer ziemlich grofscn linlcen 
Hand die Wurzel mit einem Teil der Mittelliand erhalten. Die 
iland war weder auf- noch eingebogen, wohl aber in der Kbene 
des Unteramifi gegen die File gebeugt. Tn der fast ganz 
abgesplitterten Ballengegend findet sich der Rest eines wohl 
geglätteten kreisförmigen Loches, dessen Uurchmesser sich aus 
dem erhaltenen Bogen auf rund 3 cm berechnen lüfst. Stellt 
man die Axe dieses Loches senkrecht so bildet der Arm, 
nicht die Hand, mit der Horizontalen einen Winkel von etwas 




"1 »Nlbme man (lk>ic l.inini pardU'l der Kuck* 
WAiii) BD, 1U iitUfHir die Ki^ur um Ktvia 35" ^• 



ilfrht werden, was im llinitlicit auf i^ic nik'littc 
BvoiMchtung fu viel »cltcini.« 



28 



Sauer, Di-r ()>tgicl)tl des ntyini)isi;ln:ii Zt'usk'iiipcls. 





wcnij^cr <ils 60". Alles dies wie ein Ansatz in der Handfläche, der 
auf den vierten l''inj;er zu beziehen ist, während der kleine nicht bis 
zur Fläche reichte, stimmt auf's j^enauesto zu einem aufgestützten 
Speer. Das ringsum gleich sori^fäitit^ [gearbeitete 
Fragment stammt also von der linken Hand des 
Üiiiomaos und beweist aufs neue, dafa die klei- 
nere, ähnlich bewerte Hand, die er jetzt hat, nicht 
ihm [gehört. 

Von Pelüps' Speerhand ist nur die Wurzel 
erhalten. Sie zeiti;t dieselbe starke Heuj^un^; ije^en die 
Elle und stimmt in den Mafsen fast ycnau mit der nur ein weni^' t^rofscren des Oinomaos. 
Giebt man nun den Männern ihre Speere, setzt sie an zweite Stelle von 
Zeus und dreht sie in dem von Wolters geforderten Sinne, so müssen bei Six' 
Aufstellunt; die Speere unbedini^t mit den l'rauen zusammenstofsen. Vermeiden 
kann man das nur, indem man die Männer stärker dreht als die tecitnischen In- 
dicien verlangen; dann verschwinden die Speerarme und Speere hinter den Krauen. 
So unjjerecht fertigt dieses Verfaliren, so unerfreulich das Resultat; man darf die 
so entstehende Gruppirung geradezu unmöglich nennen. Mbenso unmöglich ist es 
natürlich, die Arme der Männer über die Schultern der Frauen hinweg sich auf die 
Speere stützen zu lassen. Das einzig Natürliche ist, die Männer von den Frauen 
ab nach aufsen zu wenden, wo ja wirklich etwas vorgeht, was ihre Aurmerksamkeit 
verdient und wo ihren Siieerarmen nichts im Wege steht. Oinomaos bleibt also 
rechts, Pelops links wie in der jetzigen Aufstellung. 

So zwingend sich diese Resultate aus dem technischen licfund ergeben, so 
unüberwindlich sclieint der von Treu gegen die vorgeschlagene Umstellung erhobene 
Einwand, dafs die Männer für die ihnen nunmehr anf^cwiesene Stelle zu 
hoch seien. Und das umsomehr, da auch die Möglichkeit ausgeschlossen ist, ihre 
Plinthen in den Giebclboden einzulassen. Dafs an einer Stelle (I>C) der Oinomaos- 
IMinthe, deren Seitenfläche im allgemeinen vertical steht, der obere Rand gegen 
den unteren ein wenig zurückweicht, konnte man noch für Zufall halten. Nun sind 
aber zwei Eufsfragmente mit Plinthenstücken vorhanden, die ihren Mafsen nach — 
sie sind ein wenig kleiner als die des Oinomaos — nur von l'elops stammen können, 
und von diesen l'linthenslückcn zeigt das eine, aufser sorgfaltiger I-2bnung der 
Unterfläche, so starkes Zurückweichen der Oberkante gegen die untere, dafs an 
Einlassung dieser und also auch der Oinoniaosplinthe nicht mehr zu denken ist. 

Aber dieselben l'ragmente geben uns auch die Möglichkeit scharfer als bis- 
her die Höhe der beiden Figuren zu bestimmen und die Genauigkeit der Ergänzung 
zu prüfen. Treu hat dieselbe gegen lirunn durch den Hinweis auf den Wcstgiebel- 
ApoUon, die knienden Lapithen und den Kladeos, deren Proportionen das Muster 
für jene abgegeben haben, zu verteidigen gesucht. Dagegen ist zunächst im allge- 
meinen zu bemerken, dafs für alle diese Figuren überschlanke Proportionen sich 
fast mit Notwendigkeit aus den zu füllenden Räumen ergaben, und dafs es nicht 



SaiiCT, Der Ust£ict>cl üt% alympiichcu /custcnprlK. 



29 



21 



Äutässij; ist, diese Schlanlclicil auf Kifjurcn zu iibcnra<{cn, die einerseits dank ihrer 

Kopfbedeckung, tlie sieh genügctid hoch bemessen hefe, einer solchen Streckung; 

nicht bedürfen, andererseits mit lUicksicht auf die unbedeckten Hauptes neben ihnen 

stehenden Krauen allen AnlaCs luiben, sie 7,u venneiden. In der "lat sind beide 

Männer in der Ergänzung zu hoch ausgefallen. Die Plinthe 

des l'elops ist (am Kandc) >i, die Sandale [,5 cni hoch, wälirend 

bei Oinomaos die entsprechenden Mafse 9 und 2,5 cm sind; 

femer liegt der weitest ausladende ]*unkt des rechten inneren 

Knöchels bei rdops etwa 19,5, bei Oinomaos etwa 23 cm über 

dem Giebelboden. Der Grund dieser Verschiedenheit ist sofort 

klar: der Künstler wollte Pclops schlank, Oinomaos gedrunjicn 

gei^talten und muCste, da die für beide ^iegebene Hohe im 

wesentlichen die gleiche ist, den Oinomaos unten verkünden. 

d. h. et\vas hoher stellen. Diesen schlankeren Proportionen 

des Pelops entspricht nun auch die Aufstellung seiner Fraj^mente im Olympiamuseum '", 

soweit es sich um die Zusammenstellung des Kör|icrs mit dem isnlirtcn linken l'nter- 

schenke! handelt. Dieser selbst aber müfste bedeutend tiefer stehen, um dem Vufs- 

und Plinthcnfragmcnt zu entsprechen: in Wahrheit Hegt der innere Knöchel dieses 

linken Heins nicht [9,5, sondern 2ö cm über dem Giebetboden. Wir dürfen also, 

mäfsig gerechnet, von der Hohe des Pclo|)s, wie er jcistt vor uns steht, 5 cm abziehen. 

In anderer Weise ist die Aufstellung des Oinomaos fehlerhaft'". Ici» iiotine 
folgende Mafse; 

Oin. Pcl. 
lialsgrube— Helmkuppe (ohne Hügel) .... 55,5 47 

Knde des Brustbeins — Hetmkuppe 73 67,8 

Nabel— Helmifuppe iio loi. 

Diese Messungen bestätigen lediglich, was man aus der Abbihhmg bei 
I^loux-Monceau.^ ohne weiteres ersieht, dafs nämlich der Kopf des Oinomaos be- 
trächtlich zu hoch aufgestellt ist. Beide Männer waren also kleiner als jctn, Pclops 
etwa 5, Oinomiirf^ mäfsig gerechnet 6 cm. 

Dazu konunt, dafs tVlups keinen Busch-, sondern einen Bilgelhclm hat; 
während bei Oinomaos das Kmle <Ies Husches auf dem Kücken erhalten ist, findet 
»ich bei Pclops davon keine Sjjur. überhaupt ist »ein Helm von ungewöhnlicher 
Form. Der Biigelansat?. ist auffallend schmal und verjüngt sich schnell nacli oben; 
zu beiden Seiten des Bügels über fnideti sich zwei kleine l.iicher (Uurehmesser 
etwa 7, cm) symmetrisch angebracht. Für besonders eingesetzte Büsche sind Ict«terc 
zu klein, desgleichen ftir Metallspitzen zur Abwehr der Vögel, eine Vorkelirung, 
die überhaupt an den Gicbelfigurcn fehlt". So bleibt nichts übrig als hier einzelne 
Kcdem einzusetzen, und damit gleicht der Helm völlig dem eines Griechen auf der 
Amazonenvase Gerhard A. V. IV 329/30. Pclops war also imr wenig grofscr als 

**) «. LiUuu-Munceaux, Kvtiauratioii d'Ülympic, **'j Lafuiiit-.Muiice.iUK, a.a.O. 

n ä, 74. *■) Vgl. l'ctctfcn, .\tUen. Mitt. iStf, S. 239. 



30 



.S«utrr, Der Oslifivbel de» olyinpiitiilicn jtcuhti-iiivet». 



jetzt in fragmcntirtcm Zustamk; tlcr Hü hcii unterschied wird diircti die nachge- 
wiesenen Kehler der Aiifstclliin'j mindestens aiifgewoj^cn. 

Ein Pelops von der jclziyen H(ihe von 2,82 m iiat aber, links von 
V^ aufi^cstcllt, selbst ohne Überschneidung dieser Kij^ur. bequem I'lata. 

Folgende einfache Bercchnunn wird dies zeigen. Dori>reId hat neuerdtn;^ 
die bei Treu, Arcliaol. Zeit. 1882, Sp. 216 angcijcbcncn Mafsc einer Revision 
unterzo^^en und berechnet jetzt die Giebchveitc auf 25.80, die Giebelhöhe auf 3,25, 
die Kymahöhe auf 0.08 m. Darnach bilden Abscissc und Ordinale im Giebel die 
Gleichung 



_^^3.l(||^^,,. 



Für Pelnps sctxt sich nun x aus folgenden Gröfsen zusammen: 

Halbe Breite des Zeus 0,57 m 

Breite der Hippodameia . . 0,81 
Halbe Breite des l'elops ...... 0,60 >■ 

Spielraum zwischen Zeus und Hippodameia . 0,02 

X = 2.00 m. 
Dabei ist die Hreitc des Pelnps ohne HerÜckstchtiKunn der Drchunji und vom Speer 
bifi zum Schild, also bedeutend zu \;rais angenommen; zur Au-sgleichuni^ dieser 
starken Übcrtrcibiinfj ist zwischen ihm und Hippodameia kein Spielraum gerechnet. 
iJafs Zeus und Hippodameia sich fast berühren müssen, folj^l aus dem bisher Dar- 
ticleyten. 

Die Pelops- Ordinate ist demnach, ohne Übcr?chneiduni(, schon 2,826 m und 
vergröfsert sich auf jeden Ccntimcter, um den die Figur sich der Mitte nähert, um 
rund 74 ^^■ 

Diese Verschiebung aber, deren Consequenz eine teilweise Überschneidung 
der Hippodameia durch Pelops ist, ist nicht nur moglieh, sondern notwendig. Wir 
wissen, merkwürdigcrweüie erst seit allerjilngster Zeit*', dafs Pelops ein Scliild- 
«cichen hatte, in dem Treu, wahrscheinlich mit vollem Recht**, einen Wagcnstuhl 
vermutet. Der kleine Kcst dewclbcn zeigt sehr sorgrällige Arbeit, und es versieht 
sich ohnehin von selbst, dafs ein solches redendes Symbol deutlich und unverkürzt 
sichtbar sein mu&. Das aber ist es in keiner der bisherigen Aufstellungen, nicht 
einmal in der von Six, der zwar die Figur dreht, aber weil er Pelops rechts statt 



*") DiiTcli Ircii, *. AtcliSol. Am. 1890, .S. 60. 
An denk-lbe» Sicll? h-il Truii <largc1cKl, ^ic der 
I'Anxcr Ad' l'clops m dcnkvn i<^t. liin/.iiiufUgcn 
i*i nur, (laft wegen der ii»ymnii.'niscUcii Annrtt- 
nung <lcr iJlcbcr um die Schultern die linke 
Achselklappe; lu flffncn ist. Du« litt «unKcIist 
wtiiler vinc Amleutunu <lvr cap^jituV^, *oll alicr 
wohl aiu-h nn die Sage von der Klfoubt-in* 
«chuhcr erinncni. Da" vnn olicn in die I. 
ScliulKf ciiidnni^cndc I.ucH ist umfiinRrvicItcr 
und *llmmt valÜK abcrem mit dem tin der 



Auf^enutlc ilc« Unlcrnrrtii t-rh allen in>> Ueidc 
dienten lut Bcfr>-li^n)> tic% Scbilde«, welcher, 
wenn mnn die Hrcilc des K.inde<^ noch dei 
Gciyoiiesmctopv bemif^l, einen Kndius von viwn 
45. 2j ein bckomtni, wUltNnd die Mittelpunkte 
jenci beiden l^Ackcr 47 cm von einander ent* 
K-nil ^inil. 
**) Ich rcrwci» nkif die [KinftlhcnAi**:hcn l'tcis- 
ainpbairn (JrrbarrI , Tnnk<ich. u. Hot. It q und 
besonders It 17, titwit Alus. <jrc|;. II A ji, 
jli; D 41. 3b. 



links aufstellt, dein vor der Gicbcimittu stehenden Ucschauer das Schi UU eichen 
wie<lerutn nur in ganz entstellender Verkürzung darbieten kann. Völlig zur Geltung 
kommt e-s, wenn I'clops nach aufscn gedreht links aufgestellt wird und mit seinein 
Schild, der nun den liÜck rlcs J*eschaucrs sofort auf sich xielu, Ilipprulameia zum 
Teil deckt. 

Hai Pelops an zweiter Stelle von Zeus Platz, so gilt fiir Oinomaos da?«<iclbc, 
imil dafs sein Ht'lm einen Hundi halte, kann daran nichts ändern. Vor allem wäre 
es faisch, denselben nacli der Augeias-Metope zu reconstruiren, wo eine Krhohung 
der Gesttalt der Athcna wünschen swcrl sein mufstc. Ob der Busch ungewöhnlich 
niedrig war oder ob man einen ftclieinbar hohen, oben abgearbeiteten vorzog, läfst 
»ich nicht entscheiden; für das crstcre scheint zu sprechen, (\aC^ auch der Kulm 
des PelojK von ungewöhnlicher Form ist, 

Wie der Schild des Pelops sich ein Stück vor Hippodamcia schiebt, so 
deckt der trotzig in die Seite gestemmte rechte Ami des Oinomaos den linken, in 
einer nichtssagenden Geberde begriffenen Arm der Stcrope. So treten die Frauen 
stark zurück, tmd sichtbar bleibt von ilinen nur das wirklich Charakleristische: die 
Gebärde der linken Hand der Hippodamcia und die noch zu ermittelnde Funktion 
der rechten Hantf der Stcrope. Die Männer blicken aufmerksam auf die Gespanne; 
ilire H;Utung war schlichter, als man bisher annahm, das zeigt <ias |-'ragmcnt der 
linken Hand des Oinomaos, das in Verbindung mit dem Oberarm zur genauen 
Wiederherstellung dieser l'igur und also auch des I'clops autreichC. 

Die Zusammen nick ung der Mitielfiguren nnrkt auch auf die Flügel zu- 
rilck. Wolters' Erwägungen hattcu zunächst nur gesichert, dafs Vollpfcrdc und 
Rcltefpferdc beträchtlich gegeneinander zu verschieben seien. Jetzt wird es klar, 
dals nicht sowohl die V^otlpferde den Ecken als die Reliefpferde der Giebelmitte 
zu nahern sind. I-'s hc<larf darnach keiner umslan<llichen Herechnungcn, um die 
Möglichkeit der von Wolters gefonlerten Verschiebung darzuihun; wtjhl aber sind 
nun erst die Wagen ohne die geringste Verschiebung der Eckfigxircn bequem unter- 
zubringen. 

Endlich ist die hier geforderte Aufstellung der Männer auch filr die Ge- 
staltung der Mitte selbst entscheidend. Wenden sich beide ihren l'fcrdcn zu, so 
ist jedenfalls keine von allen vier Personen gemeinsam vollzogene Opferhandlung 
in der Mitte dargestellt; höchstens konnten die Krauen oder eine von ihnen in einer 
solchen begriffen sein. Diese Erwägung in Verbindung mit den von Treu ange- 
führten äufscrcn Gründen scheint der Annahme eines genau in der Mitte vor Zeus 
stehenden Altars wenig günstig. Da sie indefs auch jetzt noch viele Freunde hat, 
mufs ich Trcu's HewcisfOtirung aus<lrücklich unterstützen. Die Verteidiger dieses 
Altars folgern aus der horizontalen Einarbeitung im Zeusgewand, dafs hier, an die 
Figur angeschoben und faktisch sie stützend, ein umfangreicher Block stand, der 
alleriltngs in dieser Szene kaum etwas :mdc*res sein könnte als ein Altar. Die 
nächste Conseijucnz wäre, auch vor oder unter die Mittelfigur des Westgiebcls etwas 
Ahnliches zu stellen, denn auch diese schliefst mit einer sogar et\vas hoher ge- 



33 



SniHT. Der Dtl^telicl tlec (vljrmpitarhtrn Zvavunnttif, 



i 



legendi horizontalen Abarbeitung. Kemcr sind in jener schmalen Horizontnlflächc 
zwei klchic l.iieher erhallen, in denen ualiirlich Stifte safrcn. Solken letztere in 
einen auf dem Boden ruhenden, an die Figur angeschobenen Block eingreifen, so 
mufstcn sie bci<le senkrecht stehen. In Walirlictt läuft ^iber nur da» eine, am Stand- 
bein befindliche [xch vcrtical, das andere scliräg nach hinten, d. h. beide folgen 
der Richtung des Gewamles. Genau so aber liegt ein drittes Loch von gleicher Weite, 
das sich an dem von Treu mit Recht dem Zeus zugewiesenen GcwandnUck findet". 
Das ganze compllcirtc Verfaliren diente also in der Tat nur der Anbtcndung von 
Gewandteilen. Allerdings sclilicfct die sorgfältige Arbeit der erhaltenen Stücke 
dieses Geu'andfournicrs'* durchaus nicht die Möglichkeit aus, <lafs man nachträglich 
einen die Statue nicht berührenden Rurper vor derselben aufgestellt hätte. Die 
FrJ^Je würde also unentschieden bleiben, wenn nicht ein anderes Gewand fnigmcnt sie 
in unerwarteter Weise löste. Es ist ein oben gebrochenes, vom 
/^^n^^^^ sorgfaltig ausgearbeitetes, im übrigen nur gespitztes Stück. 

»Vw ^ I welches einige schwere, auf dem Boden schleppende Fallen 

\l Wk 1 darstellt; die Rückseite scigt roh angedeutet eine rundliche 

Hängefalte. Das Stuck ist zu schmal und in der Form nicht 
passend für das von der linken Hand des Apollon niederhän- 
gende Gcn'ondstück und kann deshalb nur das untere Finde 
des von der linken Hand des Zeus aufserhalb herabfaltenden 
Gewandes sein. Im Widerspruch mit der soi^jfaltigcn Aus- 
führung des Fragments steht nun aber eine am unteren 
Ende befindliche, vcrticalc, der Giebclwand parallel laufende, 
von einem flachen Bogen begrenzte Abarbeitung von 7 cm höchster Höhe und ' 
9,5 cm Breite. Diese Abarbeitung ist nur als Versatz correclur verständlich; ein 
Körper, der vor dem Fragment Platz fand, sich aber weiter als ursprünglich be- 
absichtigt war nach hinten ausdehnte, nötigte den am meisten vorragenden TeA 
der Gewandmasse zu beseitigen. Der fragliche Korper hatte also eine vcrticalc, 
der Gicbelwand parallele Rückfläche; im übrigen bleibt seine Fomi unbestimmt, 
weil die Gestalt der nachträglichen Abarbeitimg durch den Vcrticalschnitt in den 
Gewandkörper sich von sdbst ergab, also an sich bedeutungslos ist. Kntueder 
reichte nun jener Gc\randzipfel bis auf den Gicbclboden, oder er endete über dem- 
selben auf einem horizontal abschliefscnden Knqjcr. Beides pafst auf <len in 
sonstigen Darstellungen der Szene nie fehlenden Altar: im ersteren Falle ist die 
Abarbeitung durch die Rückseite des Altann selbst vcnirsacht, im letzteren durch 
eine immerhin denkbare Erhöhung des Vorderrandes, etwa eine Volute. Aber ein 
Blick auf den gegebenen Raum lehrt sofort, dafe nur der erste Fall in Betracht 
kommen kaim. Nach der Mitte zu bildet die Grenze diese» Altars die l'lintlic der 
Zeusfigur, die weiter vom im Giebel liegt als jenes gesondert den Boden erreichende 

") Jahtbttcb iV S. S97, Fig. 18. icb noch cil> bk-iiier««, <la» völlig Ub«re>u- 

^ AnbvT ilcm von Ti«ti Abgrbildetrn Stflck kmne ilimmmdc Hrhamllang tufwei*!. Einige uidet« 

geboren nicbl sicher «lern Zvti» ao. 




GcwondstUck. Denn den Allar in diese PlinthL* (;in{>rcirtin zu lassen, wäre deshalb 
höchst bedenklich, weil die gewaltige Figur ohnehin eine sehr geringe Standfläche 
hat; dafs es aber unmöglich ist, den Altar zur Unterstützung der Figur zu verwenden, 
ist bereits dargelegt worden. Der Allar stand also nicht genau vor Zeus, sondern 
mehr rechts und mufs ein Stück des Unterkörpers der Sterope verdeckt haben; die 
sorgfältige Arbeit des erhaltenen rechten Fufses dieser Figur kann dagegen ebenso 
wenig beweisen, wie die sorgfältige Ausführung jenes Gewandzipfels. Geplant war 
der Altar wohl von Anfang an; nur hat man es. vorgezogen, seine Gröfsc, Form 
und Aufstellung erst nach Versctxung der ihm benachbarten Figuren zu bestimmen 
und darum diese Figuren in allen Teilen gleichniäfsig gut ausgearbeitet. 

Der Altar füllt die Lücke zwischen Zeus und Sterope und erstreckt sich, 
auch wenn man ihm mifsigc GrÜfse gicbt, bis unter ihre rechte Hand. So kann 
kaum ein Zweifel mehr bestehen, dafs sie in dieser Mand ein Opfergeräl hielt: 
das ist zugleich die Probe auf die verlangte Aufstellung der Sterope. Natürlich 
mufste auch die Lücke zwischen Zeus und Ilippodameia ausgefüllt sein, und was 
hier stand, mufste sich ebenfalls auf das Opfer beziehen. (Ucr also wird die am 
Boden stehende Kanne, in Steropc's Hand die Schale anzunehmen sein. 

Die hiermit gewonnene Anordnung der Gicbclfigurcn darf den Anspruch 
erheben, ganz auf technischen llcobachtungcn zu beruhen, will also nur aus techni- 
schen Gesichtspunkten beurteilt werden. War die F.xcgc«e nicht ganz zu entbehren, 
so durfte sie doch nie mehr als eine elementare sein, und in demselben Sinne, 
ohne Rücksicht auf Bedeutung um) künsUcrischen Wert des zu ermittelnden Ganzen, 
ist ihre Richtigkeit zu prüfen. 

Wohl aber ist jetzt die gewonnene Darstellung zu deuten und besonders 
der Versuch zu machen, einige wichtige, bisher aber rätselhaft gebliebene Einzel- 
heiten aus dem Ganzen zu erklären. 

Es trifft sich günstig, dafs ich die Reihe der Fclops-Oinomaosdarstel* 
lungcn durch einige wichtige Monumente, deren zwei den Gicbclskulpturen sogar 
zeitlich näher stehen als alle bisher bekannten, vermehren kann. 

Das älteste ist eine in der Sammlung der griechischen archäologischen Ge- 
sellschaft befindliche Lekythos, deren Zeichnimg ich Wolters' Liebenswürdigkeit 
verdanke". ICs ist ein Gcfäfs jener künstlerisch recht unerfreulichen, aber durch 
eigenartige Darstellungen ausgezeichneten Art, der die Wiener Tyranncnmörder- 
lek>*thos und die neuerdings im marathonischen Soros gefundenen angehören. Eine 
genaue Beschreibung macht die hier gegebene Abbildung unnötig. Herx'crzu heben 
ist, dafs Oinomaos noch nicht bewaffnet", vielmehr mit dem llimation bekleidet und 



**} 'A)7e(3 J028. 'EbituiU Bc3tlK vnti Fhiliinon, 
Herkanfl unbekaoni. H. o,il!ls m. Bauch gelb- 
tichwrils Ubcfxngen, darauf «cliwatif Kigunn 
cnit Eintit/Ung. Dtr Kianx ik» (Hnnmaoh war 
WL-ir» Mifueinalt, ebento ««in :j<:liil<lxeichri], vom 



dem nur gctiu];c hpuicn «halten *in(l. über 
dviii Bild schmale, gani «chctnatiichc Bpbru- 
ranfce, nnch auf wcifscm Cruud; auf «ler Schwllcr 
dm bbttchc Lotosknosjjciiornanunt, l nier dem 
Fuf»c eingeritiiB (Wolter»). 



*^} tili." Schildtvichcn w«r wohl ein Prcifuf». 
JabThaeb dm ■T«IAil»«i«'hni Imiiiou VI. 



34 



Snueri Der <>«lglcbel 6et oljmpbcbcn ZcutictnpcU. 



23 

mit einem Kranze geschmückt ist. Was seine Linke tut, ist nur deshalb nicht sofort 
klar. HCl! die Figur arg verzeichnet, ihr OberUöqicr nämlich dem Beschauer abge- 
wendet und damit die linke Hand zur rechten geworden ist: die Hand gicfsl die 
Spende in'» Feuer, in welchem das von ähnlichen Darstcllunjicn ticnujjsam bekannte 
Schwanzstück des Opfertiers liegt. Felops, der eben abfaltren will, hat Klügelrüssc 
wie am Kypdcloakastcn; neben ihm ruht am Wagenkasten sein Speer — fiir ein 
Kenlron ist der Gegenstand zu lang — , sodafs er wenigstens nicht ganz waffenlus 
i^t. Vierteilt ist die Darstellung so, dafs die Nebenperson, der Opferdiener, unter 
dem Henkel des Gcfafscs steht. 

jUngct sind die von Cecil Smith im Journal of Hellenic Studics IX Tafel t 
zutuunmenges teilten »chünen Fragmente eines r. f. attischen Kraters, welche den 
Übergang bilden zu dem oft publieirtcn, auch von Treu gebükrcn<l hervorgehobenen 
Krater von S. Agaia de' Guti*'. Auch dt>rt handelt es sich nicht um ein beliebiges 



••) hiblwln ». B. ArcliHol. Xcilung 1853 Taf. 55; 
tcrfl. im UlirigL-n Hcyik-ninnn, Ncapk-r V'arcn 
jsoo. — Ich wvnlc üutxciilcni auT ein Vn»cn- 
MId audnctkuwii ccmacbt, dexcn llnuptfpiip|ic 
In (l«t> Mclani;cK d'archüoIcKic cl d'liit^loirc iSSi 
Tat. 13 /ii S. 34<>(r. pulilicirt i*t. Sic üchlicfit 
•ich rng IUI dir DaivlcUun;- rlc« Kmlcr* von 
K AgaU de' Goti an. kann alter mein» Knich- 
tr«» nicht rcht >ctn. /u OniitiU- Itei;! im we* 
HtlÜtctien l>uHnt«-MBiiinnneuve Taf. 30; nnr 
•Ind EiiuclUcilcn oitcti In^liininii, Monuinenll 
i.tiu*chi V Taf. IJ corrigirl, Mil jt-mr J'tildi- 
catinn hat »ic rfic iingcnnii 'wicdergcgclxriHj Ht- 
kr'lnuiif* dvf Kalatlio* M)wie den Bogen de» 
Uättcihildcs und die feliUThAftc \Vieder([«l>c il« 
Al|[i* Kcmvinsiim. aucli fehlen wie In jener die 
AimbAndcr der Alben«, die .Schuppi'n An (llno- 
innp** FniMor nnd die Zwvigv am f)pfcrkr>rh; 
Ktieli die SUule crinneri an die allefdini^ cjrlin- 
ilmch i^rdaeliie l]<>i Duboln-Maitonn^iivc. Nacli 
Injjliiiami «iiiit dtv KtIoic, der llclinliuftth der 
Alltel» u»d eiuitfe VerlK.'**efun|feii niii Uevancl 
tid GOltciblldet aiifgi-nnniiiien. FUr die l^n* 



vchtheit de« l'aritvr Cefurtc« fllhn ich, ohne 
anf Volhtkndigkcit Anspruch tu «heben, fo]- 
^ende Gründe en; I. Mir» verstanden sind die 
Helme (die Mnnloten Kreide »ind nus dem Uni- 
rir» der Mclmknppel cnlManden) und llelro- 
liUichc, die .\igit der Atheiia, der Mantel, dci 
vinii rillTicl gKliililcic BauMch, das Zackenoraa- 
tneni beim GniierbiM. a. l>ic MUnncr «ind 
ohne ScIinurrliKrlr. 3. Die Form TT '" Ilo7n4£w 
i«t um /ahrhiindcrtc tu jung. Die Va«c «dH 
lelt fut einem Jahrhandcn der Familie de« 
jelcigvn Bc*ll/etkgcli6Tca (Mclung» S.34Q). Dan 
wäre an «ich nichi unroAfilich . da der Krater 
von S. Agatn de' Goti vor 1796 gefunden (Do- 
tunicnii IV S. 151) und die Poniaiowskivasi-, 
dervN eine DaKtellunf auf dem Kevcr« der 
Parlüer wiedetkebn (S. 358), l»ereit» 1794 von 
ViKconti VL'rdffcnllicbi worden i>t. Da jedoch 
die Beniiiiiintf Inchirami's sicher »cheiul , «o 
»tieini jene Attgabc irri)» und die Vanc cm» nach 
18Z4 L-ntdaiidcn. 

Aul bin« der Rffdaklion hal Herr Satomon 
Kcinacb feitge^iclli , dnfi die V«*e Mch noch 



Sauer. Üvt (Hlgivbcl des olympbchcn ZeuilcinpcU. 



35 



Opfer an Atlicna. Das Fragment, das Smith dem Opfernden geben möchte, enthalt 
aufscr dem wehenden Gewandzipfel einen rechten Kllenbogen; versuclit man diesen 
dem ^[annc zuzuweisen, so wird sofort klar, dafs Figur und Gewand nicht zusam- 
menstimmen. Das Stück gehört also dem Revers und zwar, wie der Ornamentrest 
beweist, dem linken F.ndc demselben an und stammt von einer eilij; nach rechts 
bewegten Figur. Diese Figur ist der wie auf der Lckythos schon im Abfahren 
begriffene Pelops, und der bekränzte, aber finster blickende, mit dem Himation 
bekleidete Mann, der neben einem Ölbaum opfert, Ist Oinomaos. 

Dafe auch die vielbesprochene Darstellung der Jattaschen si>gvnannte]i 
Kyfcnosvasc (Vasi Jatta [088) auf Pc1ü|»5 und Oinomaos zu beziehen ist werde 
ich an anderer Stelle ausführlicher als es hier angebracht wäre, darlegen. 

Aus der Reihe dieser Sarkophage hat man ganz mit Unrecht ein späte- 
stens aus trajanischer 7.c\i stammendes Monument auszuschliefscn gesucht, das 
sich durch eigenartige Auffassung, Klarheit des Vortrags und tecluiische Sorgfalt 
von den übrigen unterscheidet und durch das Streben nach S>Tnmetric. die der 
gegebene Raum durchaus nicht unbedingt forderte, sich unmittelbar dem Olympia- 
giebci an die Seite stellt: die Mattci'schc Sarkophagplatte Annali d. tnst. 1858, 
Tav. K." Pelops, der die Chtaniys, da ihr Knde hinter dem Reste *les linken 
Arms hervorkommt, shawlartig, ctw'a wie Oinamaos im olympischen Giebel, um- 
geworfen hat, und Hippodameia, von deren Himation zwischen ihr und den 
Rossen ein Zipfel herabhängt, haben den Wagen links bestiegen und fahren ab, 
was dadurch angedeutet ist, dafs dt-r Schweif des ganz sichtbaren Pferdes weit 
xuriickweht ", wahrend der Knecht, der die Pferde hielt, vor den bäumenden zu- 
rückzuweichen scheint. Auch Oinomaos' Pferde bäumen sich, aber ein Knecht (allt 
ihnen in die Ziigc:l, und auch der hangende Schweif beweist, dafs sie noch am 
Ort bleiben. Unter den Pferden liegen je zwei erschlagene Freier. Auf Oinomaos' 
Wagen steht sein Lenker, gepanzert wie. nach meiner Deutung^ der des Pelops auf 
der Jatta sehen Vase; auch Oinomaos selbst ist gepanzert, im Gegensatz zu dem der 
Vase, der erst nach dem Opfer sich waffnet. Kr scheint eben zu spenden, während 
ein Opferschlächter ein Rind herbeiführt. P^ndlich kommt liintcr Pelops und seinem 
Wagen hervor ein Jüngling mit einer den linken Arm bedeckenden, dann tief herab- 
liängenden Chlamys und dem in der Scheide steckenden Schwert in der Linken; 
seine Fufsbeklcidung ist wie die des Oinomaos nicht römisch, sondern gric- 



bci Heim floidy liermdi;! und daf* dii- Publi- 
kation in den MrUnge* vAlIig genau itL Aber, 
getnib «ein«in Ginndtahtc Ulicr Kunitworktr im 
Privailfoiu nur auf Wunsch der Be«iltei L't- 
thette ahfUgL-lien, h.it llcrr K. tibcr diu Her- 
kunfl drr Va^c und dm Stil der Malerei »ich 
nklit äufierri wpllcn. 
") Vel. Rilulil ebd. S. nSjfT. TuiU der KetJer 
4cinci HrklUning, die «tcli auf Hnr vchkchte 

mil »oUef 



/cichnun({ ftlUtxle, ül er dem Kichüecn naiier 
gckomrocn ali Maiir tittd v, Dulin, deren Be- 
schreibung (II 3374) durchaus niciti xulrefTcnd 
ist. 
'") Bill Ittn^'CTer Ansalx am 1. Unterschenkel d«. 
I'elop«, ein I'iinti-Ilo an der tcchlen Wade dm 
OprcTfctilAclUerv und ein anderer an der linken 
de« vor diMcn nach ruchttt 3chteitei>dcn JUng- 
ling« bettimtnen die Kiclilnng die«c> SchvciTes 
Sicbcrbeit. 

3* 



chjüci)*'. Zu dem Opfermlen bildet er nur scheinbar das Gegenstück; dctm sein Ober- 
Icörpcr ist völlig von jenem ab und dem linlvcn Knde <\c^ Reliefs zuficwendüt, und es 
fehlt je*lc directe Beziehung zwischen ihm und der Handlung der Mitte. Eine vornehme 
Gestalt ist er wegen seiner FufsbekleidunK nicht"; fiir einen Stallknecht ist eine 
Ausrüstung*' zu kriegerisch; eine Hauptfigur ist er nicht, well wir keine einzige 
vermissen, eine blftfse FüHfi^r deshalb nicht, weil sämmtüchc übrige Figuren sinn- 
voll ausgewählt und compnnirt sind. In der Tat ist er ein Untergebener in an- 
nähernd kriegerischer Funktion, nicht unentbehrlich und doch ganz an seinem Platze: 
CS ist der Trompeter, wie der des erwähnten Jattaschen Vasenbild.'^ und der Vase 
Mon. deir Inst. IV 30 bestimmt dem I'elops das Signal zur Abfahrt zu geben. Em- 
pfohlen wird diese Auffassung der Figur eben durch die genannten V'asenbtidcr; ihr 
Typus, der nicht der gewöhnliche römische, z. B. durch den Ncapicr Oinomaos- 
Sarkophag vertretene ist, läfst sich gleichwohl auf römischen Sarkophagen aacli- 
wcisen" und hat seine entfernteren, aber sicheren Verwandten in griechischen Re- 
liefen der besten Zeit: die Trompeter von Gjölbaschi " und den iles östlichen 
Theseion -Frieses. Damit gewinnen wir in diesem anspruchslosen Werk eine der 
gewissenhaftesten und cinhcillichslen Darstellungen unseres Mytlios, 

Die Vermehrung des monumentalen Materirils erlaubt jetzt ein schärferes 
L'rteilüber die früher allein bekannten späteren Darstellungen des Mythos. Die an 
heiliger Stätte erfolgende Verabredung über die Bedingungen des Weltkampfes** 
ist sicher nicht originale Fassung, sondern entstand durch Verschmelzung zweier 
öcliarf getrennter Vorgänge: der Ankunft des I'elops in l'isa un<l des Opfers, das 
Oinomaos erst beginnt, sobald sein Gegner abfalirt. Sa Bind alle entscheiden- 
den Monumente darin einig, dafs I'clops vor Oinomaos das Rennen be- 
ginnt, sei es. dafs seine Verfolgung durch diesen, wie am Kypselosk asten und in 
dem von Apollonios geschilderten kunstvollen Gewebe [Argonautica I 752ff.), sei 



*') Vgl. Ce^lnllcn <Ic* V'*^r|*aruciii5c1icn Tclcpli'n>- 
fric«. Jabrtincb II .S. 251; 111 S. 4X. 88. 

"> DiMclbc Verse liicrfcnheit der Kuftbchleidiing 
wie tr und Oinoutao* m ui»i-ri:in Relief leiten 
Haupt- und Nebenpersonen im Telephotfiics 
Jahrbuch III S. 4S. Die glctchv fufsbekletdiinc 
Kcigt «. B. iltr l'Bdagof; de» Pliaeion tu dem 
Siuckrcller, das in der Gaxeitc archeoloi^que 
1885 Tufcl 10 nnch unvollstJirnlic und, iln dir 
Itetautjjeber den NimUu» ilc« Hcljoi Ubertnli, 
mii falscher L>euiung, Tolhlüiidi^vr, mit dci 
ICnnicn Decke, in dcni eben au«gc|;cbcnen Su[]- 
plenicnilieri der Monumenii dcll' ln»titiiio (Tafel 
33) vcrflffcnilicbt i*l. 

**) Die KnL'ublc an den Kckra haben keine Panzer, 
«ondetn kui^e, wohl lederne Koller ohne l'leryci.-». 

**} Am nHchilen ilchrn Kol>cil, .\nlikc Sarknphiig- 
relief* II Taf. 31, 76 und 3J, 79, auch noch 
3Z, 77 li; im ubTi];cn bleibt manchmal dxv 
Schnilscbema (ilt. 17). manchmal die lland- 



halluHg (1*. *8- »9 '• 30. »9i J4; 40. 39- 43) <>" 
grieehiscticn Typw- erhsllen. 

") Benndorf. Ht-roon v. Cjolbajchi-Trysa T»f. IX 
A I. Weniger cliarakleritliscb ist XXIV A 4. 
IJic yisixt des Theseinnfriew» int die iweiie 
von rechts. Ein Rc^t des atifwitM» gcricbicten 
icclilcu Unternrint , der darllWr am Kynta 
silicndc etarlic Punidlp und der leere RaiuD, 
Welcher rechts d.ivon dorch die starke Bcitfune 
der Eckfigur entsteht, weiicn auf einen dortbin 
Mch ertirccLcndvn , in Mundh<.^he gehalteiKii 
KOrpci. Die Detilunj; fanden Hebcidey und 
ich unabhXngii; von einander auf Grund dei 
Figsrcn von Gjfilbnichl. 

>^ VkI. Rit«etil, Ann. d. In.t. 1840 S. I75; 1858 
S. t08. — Die angeblich au» der CampixnB 
»l.tmmendcn l-'r.-igmcnic eines \Van<IgciBfl]dct 
Gai. arch. I Taf. J. 6 bin ich geneigt fQr eine 
F&Jticliung uach dci Kuvcscr Vafu Ann. d. InaL 
1840, Tnf. N. O lu halten. 



es flafs der Anlafs der Verspätung des Oinomaos, das Opfer, dargestellt wird. So 
wächst die auch von Treu, allcrdinga zu einseitig auf Grund literarischer Überliefe- 
rung, betonte WahrscIicinÜchkcit. dafs auch in der Gicbel^rupi)c, die das Wagcn- 
rt-'nnen selbst nicht wohi schücicni konnte und der SjTnmctric zu liebe beide Par- 
teien in annähernd gieicUer Function darstellen mufste, wenigstens Spuren derselben 
Auffassung zu finden seien. In der Tat stellte der Künstler schon die beiden Haupt- 
personen wesentlich gleich dar; aber auch die Gespanne mufstcn im ganzen über- 
einstimmen, und nur durch kleine Züge konnte er andeuten, dafs das eine der Ab- 
fahrt näher sei als das andere. Unverkennbar vollzieht sich tlie Vorbereitung rechts 
mit grdfsercr Gemächlichkeit als links: wie der Knecht des Pclops das Pferd wirklich 
heranzieht, der des Oinomaos es ruhig herankommen läfst, wie jener sclion vor 
seinen Herrn hinkniet, während sich sein Gegenstück noch ganz mit dem Pferde 
besehäftigt, so ist auch der Wagenlenker des Pelops aus der völligen Ruhe, in 
welcher der dt^s Oinomaos noch verharrt, hcrausgötreten und wird sich im nächsten 
Augenblick erheben. 

Rine Bestätigung dieser Auffassung sehe ich darin, dafs der Wagenlenkcr 
des Oinomaos sich zu einer weiteren Funktion bereit halt, aus der man auf die 
Zeitfolge der bevorstehenden Ereignisse schliefsen kann. Ich trete damit an eine 
bisher Überhaupt noch nicht aufgeworfene l'rage heran und werde zu einer I3eant- 
wortung derselben gedrängt, die lebhaften Widerspruche«, wenn nicht Spottes, sicher 
sein kann. Doch wird es der Sache mehr nützen, durch eine vielleicht verfehlte 
Deutung andere zum Widerspruch und zu besseren Vorschlägen zu reizen als durch 
vorsichtiges Schweigen die Aufmerksamkeit, die der eigentümliche Tatbestand for- 
dern darf, abzuschwächen. 

Ich habe vorhin dargelegt, dafs dieser Wagenlenker >aufser den Zügeln 
einen zweiten Gegenstand hielt, dessen bronzener Teil durch die rechte Hand lief, 
während der marmorne, ohne den Leib zu berühren, um diesen herumlief und erst 
an der Aufsenseite des linken Oberarms und zwar mit einem kreisrunden Schlufs- 
stück von i6 cm Durchmesser endete*. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als aus 
diesen Beobachtungen den Schlufs zu ziehen, dafs dieser Gegenstand ein Sigiial- 
instrument war. 

Mit dem Sinne des Ganzen läfst sich ein solches, so wenig dies auf den 
ersten HÜck scheinen mag, sehr gut vereinen. Die Vergleichung anderer Oinomaos- 
monumentc hat ergeben, dafs der früher allein bekannte Trompeter des Ncapler 
Sarkophags durchaus nicht nur eine dem römischen Circuslebcn entnommene Füll- 
figur ist", sondern auf griechische Vorbilder zurückgeht. Da ferner eine Sophokles- 
steile" beweist, dafs man sich der iHth-^z bediente, um beim Wagenrennen das 
Signal «ur Abfahrt zu geben, so ist zunächst die Möglichkeit zuzugeben, dafs sich 
in einem Werke des fünften Jidirhimderts Kntspreclientles dargestellt finde. Unerklär- 
lich scheint nur ein Signalinstrumcnt in der Hand eines Wagcnlenkcrs. Das Signal 



■•'') Friedciicljs, Aicfaiiol, ^iHtuni; 1855, Sp. 85. 
**) Elclclra V. 711. Dct Woitlaui »cblicrsi dfc 



MoKlichkeii ao*, nn tlcn .\tirnif ilcr KämpU-t 
cn denken. 



ftir die beiden zur Abrührt bereiten Parteien kann nicht eine derselben, sondern nur 
ein uiibeteiligttir Dritter geben — vorausgesetzt, dafs es sich nicht um einen »in* 
gleichen Kampf handelt. Eben dies ist liier der Kall. Der das Signal ü,'\<:hi, kann 
nicht ^lcichzcitii< die Zilgcl regieren, er kann also erst nach dem Signal abfahren, 
und der, dem einzig das Signal gelten kann, sein Gegner, hat vor ihm einen Vor- 
sprung. So erklärt sich, was auf den ersten Hlick sinnlos schien. Gicbt 
üinomaos wie in allen erhallenen Darstellnnj^^en seinem Gegner einen Vorspnmg, 
der so motivirl wird, dafs er. bevor er selbst nachfolgt, eine bestimmte Handlung 
zu vollziehen hat, so darf nur er die GrÖfse des Vorsprungs bestimmen, nur von 
ihm also oder einem seines Gefolges kann dem Gegner das Signal zu dessen Ab- 
fahrt gegeben werden. Die Vascnmaler haben, falls sie nicht aus hiofser Gedanken- 
losigkeit das Verhältnis umkehrten, mindestens die ursprüngliche Bedeutung des 
Signals verkannt: hei ihnen mtifste Pelop? im Augenblick seiner Abfahrt durch einen 
seiner Leute Oinomaos das Signal zum Beginn des Opfers geben lassen. Ucr 
Maltci'sche Sarkophag hat diese nicht gerade sinnlose, aber doch von mangelndem 
Verständnis zeugende Variante nicht. Links wohin der Trompeter blickt, ist der 
zu suchen, dem das Signal gilt, und das ist Pclops; will man dem Steinmetzen, der 
sich sonst in Tillen Stücken als gewissenhafter Arbeiter zeigt, nicht eine grofee Un- 
geschicklichkeit zutrauen, so kann man das Signal nicht von dem ausgehen lassen, 
dem es gilt, und mufs den Trompeter zum Gefolge des Oinomaos rechnen. 

Dort finden wir das Instrument auch im Giebel, und alle bisher d£4>egen 
angeführten Schwierigkeiten sind nur scheinbar. Wirklich gewichtig ist eine andere, 
die ich nicht zu heben vennag. Die Salpinx des fünften Jahrhunderts ist stets gerade; 
weim wir einmal ein gekrümmtes Signal Instrument, also ein xipa; finden, ist es in den 
Händen eines Barbaren ". Auch die von So]jhokle5 gemeinte Salpinx müssen wir 
uns demnach gerade denken, und eine solche hätten wir in einem Kunstwerk des 
ftinden Jahrhunderts zu cnvarten. Der Ansatz am Arm des Sitzenden aber liegt so, 
dafs eine auf der Abschlufstlächc errichtete Verticalc die Nachbarfigur trelfen würde, 
die doch keinesfalls die Salpinx hlasen kann; folglich ist hier nur ein Hom möglich, 
und das literarische Zeugnis verliert beträchtlicli an Gewicht. Aufscrdeni konnte die 
rechte Hanil nicht das Schallrohr selbst, an welchem Punkte immer, iimfassenv denn 
dann müfstc das Ilom vorn um die Figur herum bis zum Ami laufen; aufserdem 
wäre die Stückung schwer verständlich, mindestens aber kreisförmige Durchbohrung 
der rechten Hand zu erwarten. So bleibt nur die Möglichkeit, diesem Moni die Form 
des etruskischen, auch von den Römern Übernommenen zu geben und das mar- 
morne Schalh^lur um den Köqjcr herum bis zum linken Überarm, die bronzene 
Verbindungsstange aber durch die reclite Hand zu leiten. Diese Stange müfstc, 
nach der Form des Loches zu urteilen, eine Hache schmucklose Schiene sein, wozu 
die etruskischen Hörner im Gegensatz zu den römischen stimmen würden. Tech- 
nische Schwierigkeiten sehe ich nicht; das SchaUrohr war aus einer Anzahl von 



*^ G«litf<), ApalUch« Vuenbilder l. 



/ 



ifl> 



fl 



V. 



24 



Stücken zusammengesetzt , und durch zwei derselben lief die bronzene Verbindungs- 
staugc, neben der die Zügel in der Hand bequem Platz fanden. 

Es ist mir nicht möglich gewesen, diesen Vorschlag, zu dem ich erat bei 
der letzten Durcharbeitung des Materials gedrängt werde, am Original oder Abgufs 
zu prüfen. Ich habe deshalb einen der Hornisten Mon. d. Inst. VIII 36, den ersten 
der untersten Reihe, mit der Gicbelfigur, wie sie in der Oberansicht Jahrbuch IV 
S. 285 erscheint, verglichen 

und auf Grund der Kopf« / 

mafse beider das dort ge- y'-''' 7*, N 

gebcne Instrument den 
Massen der Gicbelfigur me- 
chanisch angepafst. Es er- (^/l'^'^'^i^^^*^^^^ 
giebt sich dabei, wenn man ----^^//J//!^!^^^^' ^^ ^-/L ^*a » ^ '"^^ 
die von der wirklichen Stel- 
lung nicht viel abweichende 

Horizontale annimmt, im 'm / V _ 'j^' 

übrigen aber auf jede Cor- 
rectur verzichtet, das in bei- 
stehender Zeichnung wie- 
dergegebene Verhältnis 
zwischen Instrument und Träger*'. Das ganz dem Zufall unterworfene Experi- 
ment erweist sich der vorgetragenen Vermutung durchaus nicht ungunstig; es würile 
iwr geringer Veränderungen bedürfen, um das Instrument in die durch die Spuren 
geforderte Lage zu bringen. 

Das einzige schwere Uedenken bleibt, dafs ein Instrument dieser Form in 
Griechenland son^t nicht nachzuweisen ist Aber auch flcr Helm ücb Tclups weicht 
von dem gewohnlichen griechischen, selbst dem in der Anlage noch ahnlichsten 
attischen Helm bedeutend ab, und auch die Befestigung der Zugbtränge am Wagen 
ist, wie schon bemerkt wurde, nicht die übliche. 

Mit gröfserer Sicherheit kumien wir auf Grund dessen, was sonst durch 
Bild und Schrift von unserer Sage bekannt ist, über eine andere wichtige Ehizolheit 
unserer Darstellung urteilen. Wir dürfen nicht ohne weiteres annetunen, dafs in 
Olympia der Verrat des Myrtilos zugestatulen und am Tempel iles Zeus darge- 
stellt oder auch nur angedeutet war. Sehen wir aber jetzt den Wagcnlenkcr, 
während er scheu nach der Mitte blickt, seine linke, offene Hand <Iem Mädchen 
nähern, das geduckt liinter ihm kniet und die rechte Hand verstohlen zu seiner 
linken hinstreckt, so können wir nicht mehr zweifeln, dafs hier Böses geplant wird 
und dafs auch in Olympia kein Versuch gemacht wurde, den Verrat des Myr- 
tilos zu leugnen. Freilich ist es nicht der Jüngling, der in Hippodameia ver- 
liebt ist und in der Erwartung süfsen Lohnes seinen Herrn verrät; das sind 

*") Zur Verdeutlichung dcsidbcn nOgcn auch dk- Ilotnifioi <Ii:t TrajutMttulir dienen, t>esond«r» 

Frfthnct II $3 der »sie link». 



40 



SjiucT, Der Ostgicbel des glynipiscbcn Zeusiempcls. 



Züge, die auf den ^bcjalirtcn Schlemmer^ (Flasch) nicht passen, und eine an- 
dere Version mufs hier versteckt liegen. Ks hat allen Auwchein, dafs dieser 
MjTtilos sich einfacli — durch Geld oder Geldeswert — bestechen läfst*'. Darum 
die hohle Hand, die er dem Madchen nähert, darum in ihrer Rechten, die, schon 
um eine Lücke in der Coniposition zu vermeiden, über oder hinter die Linke des 
Myrtilos zu liegen kommen nuifs, die Spur eines nur lose auOicüeiulen Körpers, der 
also eben in die Hand des Verräters gleiten soll. Und nun erklärt sich auch der 
Gegenstand, den »las Mädchen mit der Linken aufstützt. Kr sehliefst oben, wie 
der Ansatz beweist, mit einer Art Knauf ab, während der untere Ansatz auf 
einen fi.icheii Knrpcr annähernd clUpTischen Durchschnitts hinweist. Nach der älte- 
sten ÜbcrUeferunt;'"' vollzog sich nun der Verrat so, daCs Myrtilos '*&x iv£Ör,xtv xv 
TMJ a^'.vt T^iv i\i^f,\rit: diesen e[i.[io).o? erkenne ich in dem Gegenstand, den das Mäd- 
chen hält; da die Wagen von Marmor und recht stark gebaut waren, ist seine 
Grofse nicht auffallend. 

Endlich ist auch der Sinn der Miltelynippc nicht ohne weiteres klar. Geht 
das Opfer eben vor sich oder steht es nocli bevor? Wenn ersteres, so vollzieht es 
Stcropc, nicht Oinomaos, und Hippodamcia war bei der Vorbereitung beteiligt ist 
aber jetzt schnn wieder untätig. Im anderen Falle ist Steropc, noch nicht aber 
Hippodamcia mit der Vorbereitung des Opfers beschäftigt, das entweder Stcrope 
oder Oinomaos selbst vollziehen wird. Ernstlich können von diesen drei Möglich- 
keiten nur die erste und dritte in Betracht kommen, und gewifs wird sich jeder für 
die letztere entscheiden: erst wenn die Wagen völlig zur Fahrt bereit stehen, wird 
Oinomaos sich der Mitte wieder zuwenden und das Opfer beginnen. 

Überblicken wir jetzt, nach Erledigung dieser Finzclhciten, das Ganze. 

Zeus, allen unsichtbar, den gnädigen Ülick auf I'ulops wendend, nimmt die 
Mitte ein. Zu dem Opfer, das Oinomaos ihm alsbald bringen wird, hält die Gattin 
die Schale bereit, und auch Hippodamcia wird dabei behilflich sein. Was jetzt vor- 
geht, hat für die Frauen kein Interesse; umsomehr zieht es die Aufmerksamkeit 
der Männer auf sich: die Anscliiming der Wagen ist ihrer Vollendung nahe. Schon 
ist der Wagenlcnkcr des PcIo]>s bereit, sich zu erheben und den Wagen zu be- 
steigen; Myrtilos aber, der noch in Ruhe verharrt, wartet auf den Wink seines 
Herrn, um mit dem Hom, das er zugleich mit den /Cügcln hält, Pclops das Zeichen 
2ur Abfahrt zu geben. Diese Vorkehrungen zum Wcttkampfe überwachen die 
Herren. Beide sind behelmt und stützen sich auf Speere; Pclops, der in Feindesland 
ist, trägt aufscr dem Panzer noch den Schild, dessen Schmuck den Kuhm des 
Wagcnlcnkcrs verkündet. Der Altersunterschied der bci»lcn Helden ist mit etwas 
aufdringlicher Pedanterie in ihrem Gesinde wiederholt; Oinomaos. der Mann, hat 
einen alten Mann zum Wagcnlenker, einen jungen zum Knecht; dem Jüngling Pclops 



•') In Shnlichcni Sinne wollte Overbcck. IM»*(ik* **) Pher^yAt* bei «cJiol. ApoUon. 1,751; vgl. im 

1425 den «tiner Mciniini; iiaL'li zur etfwöhnliclicn Ilbri^-cn Riuchl, Ann. d. In«, 1840, !j. 173. 

Venion ni<ht paH^ndcn Ticu'schcn Mj-rtilws Ann. a. 
aalTAMen. 



dient ak Lenker ein reiferer Mann, als Knecht ein Kphcbc. Sein Sklave ist nach 
Trcu's übcrzcut; ender Deutung der müfsig dasitzende Knabe. Von den drei Frauen 
sind zwei allerdings staiTÜcli von Wuchs und stehen an bevorzugter Stelle; neben 
den Männern jedoch, die sich nicht um sie, sondern um die Pferde liümmcrn, treten 
sie etwas zurück. Die Handlung, welche Sterope vollzieht, bringt wenig Bewegung 
in ihre Gestalt, es scheint sich in ihrer starren Ruhe und in der nichtssagenden 
Aktion ihrer Linken sogar Tcilnahmlosigkeit zu aufeeni. Ganz anders Hippoda- 
meia. Aufserlich untätig, verrät sie deutlich tiefe innere Erregung, nicht sowohl 
Bekümmernis als ängstlich gespannte Erwartung. Was aber hat das Mädchen bei 
den Männern, neben Mj-rtilos, zu suchen r Als Dienerin hat sie Kekul<^ erkannt, 
und zum Königshausc von Pisa gehört sie so sicher, wie ihr Gegenstück, der Sklave, 
zu Pclops. Aber an der Stelle, wo sie sich befindet, wcill »ic nur vorübergehend; 
auch sie ist niedergekniet wie die Knechte und wird sich alsbald wie diese wieder 
erheben, natürlich, um die Umgebung zu verlassen, in die sie nicht gehurt. Die 
Dienerin ist hier also Botir». Ihre Herrin aber kann ebensn gut wie Sterope Hippo- 
dameia »ein, und sicher hat diese, wie sich jetzt die Szene gestaltet, mehr Anspruch 
auf sie als die nicht die geringste Krregiing verratetule Sterope. Hippodameia. in 
Liebe zu dem schönen Fremdling entbrannt, hat ihre Dienerin ausgesandt, damit 
sie den Wageiilenker des Vaters besteche, unti harrt nun klupfentlen Herzens ihrer 
Wiederkunft. Schon hat Myrtilos den Verrat beschlossen; als Pfand der Unwider- 
ruHichkcit dieses seines Beschlusses hat die Botin den T'flock empfangen und hän- 
digt dcjn Verräter den versprochenen Lohn ein. Unmöglich kann dieser hcimiichen 
Szene ein Beobachter nahe sein; die Figur neben <lem Mädchen ist also nur ein 
idealer Zuschauer, und wir werden, allen Zweifeln zum Trotz, die beiden Eckfiguren 
für die Hufsgötter halten müssen, von denen die Überlieferung Ijcriehtct. Denn in 
t!)!ynipia spielt sich der Wettkampf ab; irdische Ros^e streiten um den Sieg, und 
keine Spur erinnert an jene .Sagenversion, die als Ziel der Fahrt den Isthmos 
bestimmt. 

Ks ist nicht müfsiges Spiel, sich die so geschilderten Vorgänge um einen 
Moment vorgeschritten, die Vorbereitung durch die llamllung selbst abgelost zu 
denken. Auf die Meldung der Knechte, dafs alles zur Abfahrt bereit sei, haben 
I'clops und «ein Wagcnlenkcr <ien Wagen bestiegen, und auf den Wink des Oino- 
maos giebt Myrtilos mit dem Hörn das Zeichen zur Abfahrt des Gegners. Gleich- 
zeitig wendet sich Oinomaos dem Altar zu, empfangt von seiner Gemahlin die 
Schale, die ihm seine Tochter füllt, und spendet dem Gotte, der ihm stets zum 
Siege verhalf. Inzwischen ist die Dienerin der Hijipodamcia zu ihrer Herrin zvirück- 
gckehn und hat ihr vom Erfolge ihrer Sendung berichtet, MjTtilos aber hat das 
Hom mit dem Kentron vertauscht un<l erwartet nur die Vollendung des Opfers, um 
mit seinem Herrn den weit vorausgeeilten Pclops zu verfolgen. Noch ein Moment, 
und hier die sterblichen Zuschauer, Gattin und Tochter des Verratenen und das 
Gesinde beider Gegner, dort die unsichtbar gegenwärtigen Gotter werden Oinomaos 
stOrzen und Pclops ak Sieger zurückkehren sehen. 



Solange die Figuren dieses Gicbek bekannt sind, hat man zugestehen 
müssen, dafs eine streng symmetrische AuTstellung derselben nicht möglich 
SL-r. Aber darüber war man uneinig, nach welchen Gesichtspunkten Strenge und 
Freiheit gegen einander abzuwägen seien. Die Symmetrie der Massen und der 
Funktionen haben Curtius und Flasch der der Stellungen und Bewegungen vorge- 
zogen; Kekulc opferte dieser die Symmetrie der Massen und der Funktionen; Treu 
hat keinen der drei Gesichtäpunklc streng eitigehallcn. Jetzt sehen wir auf's neue, 
dafs beides, Symmetrie und Asymmcirie, eine kaum ?,u vermeidende Consequenz 
der gestclhen Aufgabe war, aber wir sehen mit wirklicher Strenge nur die Sym- 
metrie der Massen, annäht-rnd auch die <Icr Funktionen gewahrt, während die 
schon hier in Kinzelheiten lierrscliende Asymmetrie nur den Übergang bildet zu der 
rücksichtslos der Cliaraktcristik dienenden Asymmetrie der Stellungen. 

Und Pausaniasr Bei der neugewonnenen Anordnung der Mittclfiguren ist 
CS nicht im geringsten vcnvundcrlich, dafs er die Männer vor den l'raucn nennt; 
wir gewinnen ilijniil ein neues Heispiel für die Tatsache, dafs seinen Aufzählungen 
nicht immer dasselbe Schema zu Grunde Hegt, sondern dafs er es je nach der 
Eigenart des Gegenstandes abwandelt**. Sonst macht nichts Schwierigkeiten: Tau- 
sanias konnte sich Myrtilos nicht a!s alternden Mann denken und benannte deshalb 
die Figuren falsch; er nalim es mit den Funktionen der um die Pferde beschäfligten 
l-cute nicht genau und machte so die Knechte zu Lenkern; endlieh hielt er das 
ganz von Männern umgi^bene Mädchen für einen Mann. Das ist alles, was ihm 
vorzuwerfen ist. 

Die ermittelte Aufstellung, in letzter Linie hervorgegangen aus den neuen 
Anforderungen , welche Drunn und ihm folgend Six an die Komposition stelltcu, 
kehrt, w:w die Flügel betrifft, iinnähernd zu Curtius' Vorschlag, allerdings mit der 
durch Studniczka eingeführten Verlauschung der l'raucn, zurück; dafs dieser in 
einem anderen wichtigen Funkte corrigirt werden konnte, ist das Verdienst Treu's, 
welcher der Überschätzung der Fundlatsachen gesteuert hat. Was die Deutung 
anbelangt, so scheint die von Kekulö vertretene Tendenz einer einfach menschlichen 
Auffassung der beteiligten Gestalten, nicht alk-rdings die von Walz gezogene äufscr- 
stc Consequenz derselben gerechtfertigt; im einzelnen hat besonders Flaseh's Myr- 
tilos und der von Treu erkannte Sklave des IV-lops die äufsere Hestätigung gefunden. 
So steckt in diesen neuen Vorschlägen ein gutes Teil jedes früheren; hoffentlich 
wird das nicht Anlaf» geben, sie mit Mifslraucn zu betrachten. 

Rom. Bruno Sauer. 



M) Vgl. Jahrbuch III S. 163 ff. 



äaucr, Ll«f Odgicb«! il« dympitclKii 4l^cit»tcmpcli. 



33 



Gcwand-stUck. Denn den Altar in diese PHnlhc L-ingrcifcn zu lassen, wäre deshalb 
hächüt bedenklich, weil die gewaltige I'igur oluidiin eine sehr geringe Standfläche 
hat; dafs t^ aber unmnf;[ich ist, den Altar zur Unterstiitzunj^ der Piv;ur zu verwenden, 
ist bereits dargelegt worden. Der Altar stand also nicht genau vor Zeus, sondern 
mehr rechts und mufs ein Stück des UntcrkÜrpcrs der Stcropc verdeckt haben*, die 
sorgfältige Arbeit des erhaltenen rechten Fufses dieser Figur kann dagegen ebenso 
wenig beweisen, wie die sorgföltige Ausführung jenes Gewandzijifels. Geplant war 
der Altar wohl von Anfang an; nur hat man es vorgezogen, seine Gröfsc, Form 
und Aufstellung erst nach Versetzung der ihm benachbarten Figuren zu bestimmen 
und darum diese Figuren in allen Teilen gleichmäfsig gut ausgearbeitet. 

Der Altar füllt die Ltickc zwischen Zeus und Sterope und erstreckt sich, 
auch wenn man ihm mäfsigc Grofse giebt, bis unter ihre rechte Hand. So kann 
kaum ein Zweifel mehr bestehen, dafs sie in dieser Hand ein Opfergerät hielt: 
da* ist zugleich die Probe auf die verlangte Aufstellung der Steropc. Natürlich 
mufstc auch die Lücke zwischen Zeus und Mippodamcia ausgefüllt sein, und was 
hier .stand, mufste sich ebenfalls auf das Opfer bezichen. Hier also wird di« am 
Boden stehende Kanne, in Sterope's Hand die Schale anzunehmen sein. 



Die hiermit gewonnene Anordnung der Giebclfigiircn darf den Anspnich 
erheben, ganz auf technischen Heobachtuiigen zu beruhen, will also nur aus techni- 
schen Gesichtspunkten beurteilt werden. War die Exegese nicht ganz zu entbehren, 
so durfte sie doch nie mehr als eine clemcnlare sein, und in demselben Sinne, 
ohne Rücksicht auf Bedeutung und künstlerischen Wert des zu ermittelnden Ganzen, 
ist ilire Richtigkeit zu prüfen. 

Wohl aber ist jetzt die gewonnene Darstellung zu deuten und besonders 
der Versuch zu machen, einige wichtige, bisher aber rätselhaft gebliebene Kinzel- 
hcitcn aus dem Ganzen zu erklären. 

Es trifft sich günstig, dafs ich die Reihe der Felops-Oinomaosdarstel- 
lungcn durch einige wichtige Monumente, deren zwei den Gicbelskulpturen sogar 
zeitlich näher stehen als alle bisher bekannten, vermehren kann. 

Das älteste ist eine in der Sanunlung der griechischen archäologischen Ge- 
sellschaft befindliche Lekythns, deren Zeichnung ich Wolters" Liebenswürdigkeit 
verdanke'*. Ks ist ein Geföfs jener künstlerisch recht uiierfreulichen, aber durch 
eigenartige Darstellungen ausgezeichneten Art, der die Wiener Tyrannen morder- 
lekythos und die neuerdings im maratiionischen Soros gefundenen angehören. Eine 
genaue Beschreibung macht die hier gegebene Abbildung unnötig. Hcr\-orzuhehen 
ist, dafs Oinomaos noch nicht bewaffnet", vielmehr mit dem Hiniation bekleidet und 



**) ^A;f7tia 3028. »Khioul« Bcsile vnn Philtmun, 
llerknnfl nnWIunnt. IL 0,185 in. Ü*v*:h kcIU- 
lidivrcifs fibcnogtin, darauf <idiwan!e FiguTcn 
mit EiDriuun][. Utr Kram des Oinnmaos wmi 
Weib aurgenialt, ebenso »ein ächilil/.«icli«i, von 

•") Du* Seh Ullrichen wnr wohl fin I>rt!iru&. 
Jahttiurk dr* anfaSntnglKbtii InMiiait VI. 



iIcTii nur gelinge ^ipuTcn erhaUcn sind, l'bui 
drui Bild »chmalc, g'm »chctnabschc li^phcu- 
ranl«;, noch auf wcifsciii GfunJ; auf dei Scbultec 
dn« (iblichc Lol05kno«|)enoniatii(:nt. L'ntrT dem 
Fuf« einiivrilita (Wolter»). 



44 



C,t»cf, lirticIiKtlIckc cintT Schale von rtcr AkToi>olis. 



Die Technik bekundet also tlurchweg Sorgfalt und Geschicklichkeit , in 
rJcr That ^jchörcn die Scherben zu dem VortrcflfÜclisten, was es in dieser Art 
gicbt. So stimmen sie denn auch gerade mit den besten Vasen des Hieron bis 
auf Einzelheiten des Stils so genau übcrcin , dafs man kein TJedcnkcn trafen 
wird, sie diesem Töpfer zuzuschreiben. Ich meine die vier Vasen Klein it, 
12, 14, ift, von denen tlic beiden 11 und iS tjanz genau bis in die unbedeu- 
tendsten Einzelheiten übereinstimmen: Cie^vamlimg und Tracht der Manner, Chiton 
mit Apoptygma. herabfallende Haarlocken, Kränze, Stabe, Armel und Busen der 
Frauen, Halsschmuck aus Punkten, ührschmuck, Zeichnung des Fisches. iJa ich nr. 18, 
den Triptolcmosnapf des Hriti«ichcn Museums im Original nicht kenne, beschränke 
ich mich für die eingehende Vergleichun;;. welche übcriÜes fai^t iibcrlliissig ist, auf 
die Berliner Schale mit dem Dionysischen Opfer (nr. 11). Bei ihr ist der Ton von 
warmem, stellenweise recht rötlichem Gelb', der Überzug ist glänzenti schwarz, 
die Technik ist genau die eben beschriebene, wenige stumpfe Vorrcifsungcn be- 
kunden <iic sichere Hand, welche sich überall in der Zeichnung erkennen läfst. Das 
verdünnte Schwarz ist auch hier besonders blafs und sehr reichlich angewendet. 
Die Figuren sinil durchweg etwas grcifser als auf den Athenischen Scherben, daher 
i>t auch die Zeichnung bei aller Übereinstimmung etwas gröber. Von Einzelheiten 
stimmt der Kopflypus des Dionysos hn Innenbilde der Berliner Schale mit dem 
Zeus und Poseidon der Athenischen. Ebenso ist die Strichelung der Barthaare, die 
Ausfühnmg der Weintrauben dieselbe. Das Aufsenbild zeigt in den Typen der 
Fraucnk<ipfe eine eben.-*« grofse Ähnlichkeit, namentlich gleicht die Mänadc mit 
dem Thyrsos rechts vom Henkel und auf derselben Seite die fünfte Mänadc, 
welche den Thyrsos horizontal gehoben hält, der Kannenhaltcrln der Athenischen 
Vase. Eine charakterisli.sche Kleinigkeit ist, dafs der senkrechte Strich, welcher 
den Mundwinkel bezeichnet, von der Trcnnungslinie der Lippen nur nach oben 
geht, sich also nur neben der Oberlippe befindet. In der Zeichnung der üaiidu 
auf der Schale aus Athen mufs es auffallen, dafs neben überzierllchcn geziert 
gehaltenen Händen sich gana besonders plumpe finden, offenbar waren dem Maler 
nur gewisse Stellungen gelaufig", dasselbe läfst sich auf allen Vasen des Hierun 
beobachten: die rechten Hände der Mänade an dem Altar und der ersten auf 
derselben Seile der Herliner Schale sind ganz besonders ungeschickt gezeichnet, 
die rechte der letzten auf «Icrscibcn Seite stimnil mit der rechten Hand des Zeus 
auf unserer Tafel überein, von ähnliclicm Ungeschick zeugt auch die rechte Hand 
des EuniolpoB auf dem Triptolemosnapf des Britischen Museums, während daselbst 
die rechte IT.ind der Eleusis der gezierten Hand des Hermes entspricht. Man 
kann Überhaupt kaum eine Vase des Micron ansehen, ohne diese beiden extremen 
Bildungen der Hände zu finden. 

Jüne Rcconstruction der gesamten Darstellung und damit eine vollständige 



*) Anden: Vasen de« Hieroti, t. B. die in Rom im .Studnicrk.i, Jn^hrhuch II S. 164 nbgchitcfclc äcbale, 

Uueo l'aptt Giulio bc&ntttichen, und die von ceiclmen «ich durch einen benonders ^^Ihen 

Ton M9. 



Opfer an Athcna. Das Fraßmcnt, das Smith dem Opfernficn geben möchte, enthält 
aufser <icm wehenden Gcwandzipfel einen rechten Küenboiien; vcrsuclit man diesen 
dem Maimc zuzuweisen, so wird sofort klar, dafs Figur und Gewand nicht zusam- 
menstimmen. Das Stück gehört also dem Revers und zwar, wie der Omamcntrest 
beweist, dem linken Ende desselben an und stammt von einer eilig nach rechts 
bewegten Figur. Diese Figur ist der wie auf der Lclcythos schon im Abfahren 
begriffene Pelops, und der bekränzte, aber finster blickende, mit dem Himation 
bekleidete Mann, der neben einem Ölbaum opfert, ist Oinomaos. 

Dafs auch die vielbesprochene Dar»tellun)j der Jattaschen sogenannten 
Kyknosvase (Vasi Jatta 1088) auf I'elops un<i Oinonians zu bezichen ist werde 
ich an anderer Stelle ausfiihdichcr als es hier angebracht wäre, darlegen. 

Aus der Reihe dieser Sarkophage hat man ganz mit Unreclit ein späte- 
stens aus trajanischer Zeit stammemlcn Monument auszuschlicfscn gesucht, das 
sich durch eigenartige Auffassung. Klarheit des Vortrags und technische Sorgfalt 
von den übrigen unterscheidet und durch das Streben nach Symmetrie, die der 
gegebene Raum durchaus nicht unbedingt forderte, sich unmittelbar dem Olympia* 
giebe! an die Seite stellt: die Mattei'schc Sarkophagptatte Annalt d. Inst. iSt;8. 
Tav. K." Telops, der die Chbmys, da ihr Ende hinter dem Reste des linken 
Arms hervorkomnit, shawlartig, etwa wie Oinamaos im olympischen Giebel, um- 
geworfen hat, und Hippodamcia, von deren Himation zwischen ihr und den 
Rossen ein Zipfel herabhängt, haben den Wagen links bestiegen und fahren ab, 
was dadurch angedeutet ist. dafs der Schweif des ganz sichtbaren Pferdes weit 
zurückweht", während der Knecht, der die Pferde hielt, vor den bäumenden zu- 
rückzuweichen scheint. Auch Oinomaos' Pferde bäumen sich, aber ein Knecht fällt 
ihnen in die Zügel, und auch der hängende Schweif beweist, dafs sie noch am 
Ort bleiben. Unter den Pferden liegen je zwei erschlagene Freier. Auf Oinomaos' 
Wagen steht sein Lenker, gepanzert wie, nach meiner Deutung, der des Pelops auf 
der Jattaschen Vase; auch Oinomaos selbst ist gepanzert, im Gegensatz zu dem der 
Vase, der cr^t nach dem Opfer sich waffnct. Er scheint eben zu spenden, während 
ein Opferschlächter ein Rind herbeiführt, l-lndlich kommt hinter Pelops und seinem 
Wagen hervor ein Jüngling mit einer den linken Arm bedeckenden, dann tief herab- 
hangenden Clilamys uml dem in der Scheide steckenden Schwert in der Linken; 
seine Fufsbckleidung ist wie die des Oinomaos nicht römisch, sondern gric- 



lici llcrin ilnrtly befindet und dab <iie l'ubli- 
kalioa in den Melanies v<vlli|; ecnau bt. Aber, 
genifi «cinctn Grundsntie über Kunstwerke im 
i'rivattietiix nur nuf Wuhm;)) <lei B«siTi«r Ur- 
Xhiiüe abtutiKben, hat Herr K. Über die Hct- 
kunfl der V'ai« und den Slil der Malcici sich 
nif^lil üuf^ern wolleit. 
*^ Vel. Riitchl clid. S. 1630'. Trotz di-r KcU«r 
teincf CrklArUtiif, die ^icfa auf riiw.- aubtcchtc 

mit volle f 



«Ccicbnunc »tllUlc, itl er (l>eni kichligcn nllli<.-r 
i;ckomincn ala Mals uod v, DuUn. deren Be- 
«chrcibung (II 3374) durchaus nicht zutrdTcad 

'") Kin iKagenT Aniaix am 1. Umcrtcbcnkcl des 
l'elops, ein Punlctlo an der rechten Wade de* 
Opfert dilti cbltrrs und ein anderi:r an der linken 
de* vor diccem nach ivcbts scbrciienden JUnc* 
ll^g» bestimmen die Kkbtunf; dic>ct Schweife« 
Sicberlieil. 

3* 



32 



Sauer, D« Uki^icbel dt» olympiscbcn ZniKtcnipvU. 



Icgencn borixontalcn Ab;irbeitung. IVrncr sind in jener schmalen Hurizontalilächc 
2wet kleine T.öchcr erhalten, in denen natürlich Stifte safscn. Sollten letztere in 
einen aiif dt-m Hoik-n mhciuicn, an iliu Vv^ur anwiese hob cncn lüock einij;rciren, so 
mufstcn sie beide senkrecht stehen. In Wrihrhcii läuft aber mir das eine, am Stand- 
bein bcfimlltchc Loch vcrticd, das andere schräg nach hinten, d. h. beide fol)^cn 
der Richtung des Gewancic^. Genau so aber liegt ein drittes Loch von K'c'cher Weite, 
das sich an dem von Treu mit Kccht dem Zeus zui;;eiviesenen (icwandstück findet". 
Das ganze compUcirte Verfahren diente also in der Tat nur der Anbiendung von 
Gcwandleilen. AUcrdinj^s schliefst die sorgfältige Arbeit der erhaltenen Stücke 
dieses Gewantlfoiirniers'^ (Uirchaiis nicht die Möglichkeit aus. dafs man nachträglich 
einen die Statue nicht berührenden Rorpcr vor derselben aufgestellt hatte. Die 
Fra^ic würde also unentschieden bleiben, wenn nicht ein anderes Gewand fragment sie 
in unerwarteter Weise löste. Ks ist ein oben j^cbrochencs, vom 
sorgfältig ausgearbeitetes, im übrigen nur gespitztes Stück, 
welches einige --ichwere. auf dem Hoden schleppende Falten 
darstellt; die Rückseite zeigt roh angedeutet eine rundliche 
Hängefalte. Das Stück ist zu schmal und in der Form nicht 
passend für das von der linken Hand tles Apolton niederhän- 



ii 



He- 



gende Gcwand.*itiick und kann deshalb nur das untere Ende 



32 



des von der linken Hand des Zeus aufserhalb herabfallenden 
Gewandes sein. Im Widert[>riich mit der sorgfaltigen Aus- 
ruhrung des Fragments steht nun aber eine am unteren 
Knde bcftndliclie, verticale, der Giebeiwand i>arallcl laufende, 
von einem flachen Itegcn begrenzte Abarbeitung von 7 cm höchster Höhe und 
9,5 cm Breite. Diese Abarbeitung ist nur ai.s Versätze orrcclur verständlich; ein 
Körper, der vor dem Fragment I'latz fand, sich aber weiter als ursprünglich be- 
absichtigt war nach hinten ausdehnte, nötigte den am meisten vorragenden Teil 
der Gewandmasse zu bcacttigcn. Der fragliche Körper hatte also eine verticale, 
der Giebehvand parallele Rückfläche; im übrigen bleibt seine Form unbestimmt, 
weil die Gestalt der nachträglichen Abarbeitung <iurch den Vcrticalschnitt in den 
Gewandkörper sich von selbst ergab, also an sich bedeutungslos ist. Kntweder 
reichte nun jener Gcwandzipfel bis auf den Giebelbodcn, oder er endete über dem- 
selben auf einem horizontal abschliefsenden Körper. Heide.-* pafst auf den in 
sonstigen Darstellungen der Szene nie fehlenden Altar: im ersteren Falle ist die 
Abarbeitung (Uirch die Rückseite des Altars .selbst verursacht, im letzteren durch 
eine immerhin denkbare Erhöhung des Vorderrandes. etwa eine Volute. Aber ein 
Blick auf <ien gegebenen Raum lehrt sofort, dafs nur der erste Fall in Betracht 
konmien kann. Nach der Mitte zu bildet die Grenze dieses Allars die Plinthe der 
Zeusfigur, die weiter vom im Giebel liegt als jenes gesondert den Boden erreichende 

*') Jabibucb IV ^ 397i Piß- 18. kti nocli ein kIcini'rcK. ilu rOUig abvftin- 

**) Aur»r dem von Treu aht;cbiHcien Stuck kt-nnr ütimmcnrfv Rchnnillung aurw^ti. Einige ändert 

gehdien nicht lieber dci» /cu« an. 




Gcwandstiick. Denn den Altar in diese Plinthc eingreifen zu lassen, wäre deshalb 
höchst bedenklich, weil die gewaltige Figur ohnehin eine sclir geringe Standfläche 
hat; dafs es aber unmöglich ist, den Altar zur Unlerstützunj; der Fi^iir zu verwenden, 
ist bereits dargelent worden. Der Altar stand also nicht genau vor Zeus, sondern 
mehr rechts und mufs ein Stück des Unterkörpers der Sicrope verdeet<t haben; die 
sorgCältige Arbeit des erhaltenen rechten Kufscs dieser Figur kann dagegen ebenso 
wenig beweisen, wie die sorgfältige Ausführung jenes Gewandzipfels. Geplant war 
der Altar wohl von ;\nfang an; nur hat man es vorgezogen, seine GrÖfse, Form 
und Aufstellung erst nach Versetzung der ihm benachbarten Figuren zu bestimmen 
und darum diese Figuren in allen Teilen gleichmäistg gut ausgearbeitet. 

Der Altar füllt die Lücke zwischen Zeus und Sterope und erstreckt sich, 
auch wenn man ihm mäfsigc Gröfse giebt, bis unter ihre rechte Hand. So kann 
kaum ein Zweifel mehr bestehen, dafs sie in dieser Hand ein Opfergeräl hielt: 
da*i ist zugleich die Probe auf die verlangte Aufstellung der Sleropc. Natürlich 
mufste auch die Lücke zwischen Zeus uml Hippodameia ausgefüllt sein, und was 
hier stand, mufste sieb ebenfalls auf das Opfer bezichcu. Hier also wird die am 
liodcn stehende Kanne, in Slerope's Hand die Schale anzunehmen sein. 



Die hiermit gewonnene Anordnung der Gicbclfigurcn darf den Anspruch 
erheben, ganz auf techni>;chen Keobachtungen zu beruhen, will also nur aus techni- 
schen Gesichtspunkten beurteilt werden. War die F.xegc?ic nicht ganz zu entbehren, 
so durfte sie doch nie mehr als eine elementare sein, und in demselben Sinne, 
ohne Rücksicht auf Bedeutung und künstlerischen Wert des zu ermittelnden Ganzen, 
ist ihre Richtigkeit zu prüfen. 

Wohl aber ist jetzt die gewonnene Darstellung zu deuten und besonders 
der Versuch zu machen, einige wichtige, bisher aber rätselhaft gebliebene Einzel- 
heiten aus dem Ganzen zu erklären. 

Es trifft sieh günstig, dafs ich die Reihe der Pelops-Oinomaosdarstel- 
lungcn durcii einige wichtige Monumente, deren zwei den Giebclskulpturcn sogar 
zeitlich näher stehen als alle bisher bekannten, vermehren kann, 

Das älteste ist eine in der Sammlung der griechischen archäologischen Ge- 
sellschaft befindliche Lekythos, deren Zeichnung ich Wolters" Liebenswürdigkeit 
verdanke". Ks i.-it ein Gcföfs jener künstlerisch recht unerfreulichen, aber durch 
eigenartige Darstellungen ausgezeichneten Art, der die Wiener TyrannenmOrder- 
Iek>*thos und die neuerdings im maraüionischcn Soros gefundenen angehören. Kinc 
genaue Beschreibung macht die hier gegebene Abbildung unnötig. Hervorzuheben 
ist, <lafs üinomaos noch nicht bewaffnet", vielmehr mit dem Himation bekleidet und 



') '\fltix JO»S. »Ebmal» flcsiu von Fhiliinoii, 
ICcrkanfi unbekannt, H. 0,185 in. Baut:)) uelb- 
lichwcifs Uberiogcn, ■Jaraiif icliwarxc FieuKn 
mit EinriUung. Vvt Kranz »Im OiiKimaas «ar 
wcifi Mifgcmatt, cücmo »ein Schildnetclien, >'on 

*^) Um Schilduiichi'ti WM wohl dn Drcifuls. 
ikhriiuch iln arcblnlnt^Urlitu luxlinr* Vt. 



«linn nnr geringe tipufcn cthaltcn sind. Cbtr 
(Icui Bild schmale, gnni ■chcraBti>«tic Kplicu- 
t.inkc, nncb auf wcifsvin Giund ; auf der Schuliri 
das übliche Lotosknospenomuncnt. L'ntcr dem 
Für»« einj-ciitil« (WuIleK>. 



34 



äau«r. Der Ontglcbcl dct olyupU^hcn Zvu&tetniwU. 



» ä h* 



■V^t 



c! 



33 

mit einem Kranze geschmückt ist. Was seine Linke tut, ist nur deshalb nicht sofort 
klar, weil die Figur ar[; verzeichnet, ihr Oberkörjier nämlich dem Beschauer abge- 
wendet und damit die linke Hand zur rechten geworden ist: die Hand gicfst die 
Spende in's Feuer, in welchem das von ähnlichen Darstellungen genugsam bekannte 
Schwanzstück des Opferticrs liegt. Pelops, der eben abfahren will, hat Flügelrosse 
wie am Kypseloskasten; neben thm ruht am Wagenkasten sein Speer — flir ein 
Kentron ist der Gegenstand zu lang — , sodafs er wenigstens nicht ganz waffenlos 
i*t. Verteilt ist die Darstellung so. dafs die Nebenperson, der Opferdiener, unter 
dem Henkel des Gefäfses steht. 

Jüngei sind die von Cccil Smith im Journal of Hcllenic Studics IX Tafel i 
zusammen gCBtcUtcn schuncn Fragmente eines r. f. attischen Kraters, welche den 
Übergang bilden zu dem oft publicirtcn, auch von Treu gebührend hervorgehobenen 
Kraler von S. Agata de' Goti*\ Auch dort handelt es sich nicht um ein beliebiges 



*■) l>ublicirt I. H. ArcbHol. Zeitung i»S3 Taf. 55; 
vergl. im Ührigcn lli.>>-<lcmatin, Ntapltr Vnsen 
2200. — Ich vietAe aufterdvm mir ein Vnicn- 
Uild aufmciknani gemacht, <1»scn i)itui>rgtup)iv 
in drn M^lnii^o O'atchC-oIngie rl rl'hi^toire 1S81 
Tar. IJ tu S. 34()lT. publlcitt ist. .Sic schlierst 
•Ich i'iit; an die Dnolcllung de» Krater* vni) 
S. Ag.iln alt' Coli an, kann iil>cr meinem Krach- 
ten» nicht echt sein. iCu Crundc liegt im ire- 
Miitlicbcn UuhnJs - Mniioiineuvc Taf. 30; nur 
■ind Kinicllieitvn nach Inchiraini, Mon^llncuti 
etriKchl V Taf. 15 eorrij^ri. Mit jtner l'ulili- 
cfitinn hat sie die ungenau wic<)cfgC|;cUci>e Bi-> 
krOnung de« Kalniho« tawic den Bogen de« 
ÜtMtcrl)üdeti und die fehlerhafte WiedcrKi1>e der 
Aigis gemeinsam, nucli fehlen wie in }ener die 
Armbänder der Albcna, die Schuppen an Oino- 
map«' Panier und die '/.vrcigv am Opfctkorb; 
auch die Slule rriiinert an die allcidinK« cyltn- 
driüch (gedachte hei Duboiii-Mniiotineuvc. Nach 
lD|[hirami sind die KrHnxc, Act Flelmhuich der 
Aibenn uii<J eii)ii;e VeTtfe>>M.iun){en am Gewand 
dci CmteTbiide« aufgenommen. Vür die Un* 



cchtbeil den Pariüer GeRtftes RlhTe ich, ohne 
auf VolUiündigkcit .\n«]}TUch tu erheben, fol- 
gende Gründe an; 1. Mifs verstanden sind die 
ilclmc (die »initlotcn Ktciac sind nus dem Um* 
nfn der I lelmVuppel entstnnden ) und I Iclm- 
UUtiche, die Aigis der Athenn, der Mnntel. der 
von) (jlirlcl gebildete Bausch, <Ia^ Zackcnaina> 
nienl beim Utitterbild. 2. Die Mliiuier sind 
ohne SchnurrhArlc. 3. Die Farn) ff in lloiiiiü« 
ist um Jahrhunderte xu iiinji- Die Vn»c «oll 
«cit fast einem Jabrhutideit der t'aiitilic dc^i 
jetzigen BcBilzcr^gL'bntcn (Mctangei S. 349). l>u 
würc an sich nicht immägüch , da der Krater 
von S. AgAtii de' CiDtl vur 1796 gefunden (Do- 
cumcnti IV S. 151^ und die l'onialowjltivase, 
deren eine DarKtellung nnf dem Rcvcn der 
ParUer wiederkehrt (S. 358}, bereits 1794 von 
Viiconti vcidflfi-nllichl worden ist. Da jedocb 
die Beuutiiing inghirami's iickcr scbcini, so 
«chelnt jene Angabe irrig und die Vase ct*1 nach 
1824 entstanden. 

Auf biKe der Redaktion bat Herr Salomon 
Keiiwcb fesigeslellt, dafs die V«m: »ieb noch 



GEMÄLDE-SAMMLUNGEN 
UND GEMÄLDE-FORSCHUNG IN PERGAMON. 

NENATO 
NNOMOlZEr 
IÄH£inrPA4>0 
AENTEZVrOTOY 
5 TEAFOrPATAZOAtT/ 

ANTEANAZTPO*ANK/ 

ANEFOIHZANTOAZIQZME 
ErAANTOZAYTOYZBAZIAE 
KAITASAMETEPAZFOAIOZ 
lo EFEBAAAEANAPOtEKAAOlZ 

EFI.ETOYTOISAEAOXOAITA 
AINEZAIKAAANKAirAYAOTONKA 
AHNFEPrAMHNOYZKAlYrAPXEl 
FAPATAZFOAIOSFPOZENIANFPO 
15 lANFPOAlKlANAZYAlANATEAE 

EAPIANEMFAZITOIZArßNOIZOl 
ZTIOHTIKAITAAAAATIMIAOZAK 
AAOlZFPOEENOIZKAlEYEPrETA 
OAIOZYFAPXEIAPXONTOZIENOKP 
20 OYAEYONTHNKAAAIKPATEOZK/ 
ZMETAI TA 

teXsi'tot o'jfi '^a'fot; toi; IJvviiioi;* iit[sioT, 
KaXa; xcit FaySoTo; xal . .JÄtj?, C">7päco[t 
nEpYa[iif]voi, amOTajXEVTS; uri toS [ßaotXso; 
5 'AiraXou ÄaJTs oirofpct'l'ajOai T[ä iv tat 
>.s3/_0(t?, xjaw TS dvaaTf-O'fäv xfai idv Iv 
a[ilv Iv5ajj.[jav STr'jtTjdavT^ ä;(ui; jx[iv 
xa'i Toü aTT'iCTTjstXavTo; a&ioü; ßaffiXs[n» 
'AtxaXou] xai t5; a;iSTspa; TtöXio;, [xaO- 
10 i; o^J lnsßa>J,s avopoi; xoJ.ot; [ts xai ä- 
■jaOo";]' Ini S[k] toutw; Ss5ö;(;i)at Tä[i m- 
Xei ^Ttjatvsoai KaXav xai PaüS'jTOV xa[t 

Jahrliiirh iIp-i ir<'hli>lii^i-c'lirii Institut'- VI. A 



tote] TTapÖ T7r rfiXlO; Spr1c£V!«V, irpv 

•z i»Xt]; Ti&TjTi xocl TÄ öUla ti]ti7, ^sa x[ai 
Tiif aJXÄ'A? rpi£sv,ir x«! suEpTf^Tufi; 
ICK jtJoXtoc itz-iy/ju. 'Xo'/fjvn; Zjvoxpp- 

. . . ?, ME7Blp]Ta. 

Im Bulletin He corrcsporitlancc hcll^tnquc Band V S. 157 ff. und 372 ff. hat 
Haussoullier vier Inschriften aus Dclplii bekannt ycmachl, die sich sämtlich auf das 
königliche Pcrgamon beziehen. Durch die erste dieser Inschriften erfahren wir, 
dnfs Attalog II. der Gemeinde Ddplii auf ihre durch zwei GesaiidLschaflcn über- 
mittelte Bitten Geschenke von 18,000 und 3000 .Mexandcrdrachmcn gemacht hat; 
die beiden foIi;enden Urkunden handeln von Attalos' Vorgänger Mumenes IL und 
sind Cut die Geschichte die.scs Königs von f;rofscr Wichtigkeit, wofiir auf die Aus- 
führungen des Verfassers in den "Inschriften von Perganion» zu Nr. 167 S, 104 ff. 
verwiesen sei. Es wird sich aber herausstellen, dafs Haussoullicr auch in der an 
letzter Stelle (S. 388 (T.) veröffenüiclitcn Inschrift der hi.-^loriscjien Wissenschaft ein 
Überaus wertvolles Denkmal /.uj^efiihrt hat; nur mufs vorher ihre richtige Lesung 
gefunden werden. 

An der Spitze dieses Aufsatzes ist der epiyraphischc Text Haussoullicr's 
wiederholt und eine verbesserte Umschrift beigefügt worden. Die wichtigste Ab- 
weichung besteht darin, dafs der erste Herausgeber zu ünde von Zeile 3 '/.m-;pdf.['i, 
also einen Vaternamen erkennen wollte. Bei der bekannten Geringschätzung, welche 
die volkstümliche hellenische Anschauung dem Stande der Handarbeiter, auch 
der künstlerischen f entgegenbrachte, ist es wenig glaublich, dafs man in besserer 
Zeit ZiuTfia-fj: als Namen verwendet habe; irgend ein Zeugnis dafür habe ich nicht 
zu finden vermocht'. Ware ferner in Zeile 3 ein Vatcmame genannt, der in Zeile 13 
gefehlt hat, so wUnle eine in Hlircndekreten ganz unregclmafsigc Verschiedenheit 
zwischen dem motivircndcn und dem mcritorischen Abschnitt vorliegen. Wenn wir 
nach der ersten Erwähnung rier durch unser Dekret zu ehrenden Männer den Wort- 
resl Cwfpfl^o- finden und der Zweck ihrer Sendung nach Z. 5 ein iTzfi-ifä-'^oiaViu war, so 
kann es nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, dafs die von dem pergamcnischcn 
Ktinig nach Delphi gesandten Männer Maler waren, welche ihm Werke üirer Hand 
heimbringen sollten. Die Vorstellung, dafs sie filr ihn irgend etwas abschreiben 
oder aufschreiben lassen sollten und dafs dabei noch der Vater des einen oder aller 
dreier einen sonst nicht nachweisbaren und bedenklichen, gerade mit ipä'fäiv nh 



') Di« «patiOmwvih« Grnhiclirifl C. I. Or. 6317 
urllriJc lllr iinsre Inichrirt nichi» bcwci«i-n kön- 
iwn ; al>i:t liier isl C*if{f4<ft Dar nu» DßcDt'Kictn. 
von Kaibul (l£pi][Tamiiiiila 67J, Inicr. Cif. Sic. 



vt Itnliac 214)$) Yfrt>c!*«Tten Irrtani nl< Kigeu* 
iinmc gcnfliiiiiKrn wtitiJcri. AriUcKlrni fiti^lr Ivh 
nur dolIi Uns hei f3|K'-BcnMlcr angcfUhtle 
Znf^ifv^, am bytftntiniscbcr /eil. 



samnicnliäntjtiidcn Namen geführt Itabc, enthält so viel Unwahrschcinliclikcil, liafs 
man nicht dabei vcnvcik-n xvircl. 

Versuchen wir xunächsl zu ermitteln, wer der in der Inschrift genannte 
König war. .Unter dem Dekret- , bemerkt MaussouUicr, -»steht eine Wcihuiig au> 'I*^ni 
Jahre 170, wahrend dessen I^iudas Kabylos' S. Archont war. Aber es kam oft vor, 
dafs ein Dekret später auf eine Basis geschrieben wurde, die schon eine Weihimg trug.« 
Der Au^enEcuge hat also darauf geachtet, üb aus dem aufserlichen Tatbestande sich 
das Altersverhähniü der beiden Inschriften crschltcfscn läfst, und wir nitis&cn ihm 
vertrauen, dafe es zulassig ist die Weihung fUr alter zu halten als das Dekret. 
Betrachten wir den in Z. ig f. vom Namen det- delphischen Archontcn übrigen 
Rest, so ist, '^^t\y. abgesehen davon, welche von den beiden in Betracht kommenden 
Ergänzungen Zr/^izplif^uJ und Ziv',ii^[iii'ii\ zutrifl't, für die Inschrift die Zeit zwischen Ol. 
M5i 3 "id 153. 2 oder 198/7 und 167/6 vor Chr. ausgeschlossen, da für diese Periode 
durch den Scharfsinn August Mommsen's die fortlaufende Liste der eponyinen 
dclphisclien Archonten festgestellt ist, ohne dafs einer dieser Namen aufträtet Die 
abstracte Möglichkeit beschränkt sich demnach auf die Zeiträume von dem nicht 
genau bestimmbaren Beginn des pcrgamcnischcn Königtums bis zum Jahre 197 und 
vom Jahre 166 bis mm Tode des letzten Kfinigs im Jahre 133. Ks scheint aber, 
dafs wir weiter kommen kömicn. Wäre als Name des Archontcn Z£voitp[aTi'-c ein- 
zusetzen , 50 müfsten bei der in hellenistischen Inschriften fast immer sorgfältigen 
Sitbcnabteihing, da Zeile tg gegen die vorhergehenden xu lang würde, falls die Silbe 
TE noch an ihrem Ende gestanden hätte, zu Anfang von Zeile 20 die fünf Ihich- 
staben TEOIB fehlen, während schon bei dem Verluste von nur vier Zeichen die 
Schrift hier enger gewesen zu sein scheint als sonst in den Zeilcnnnfängcn. Aller- 
dings leidet dies Argument an einer kleinen Unsicherheit, da die Zeilen der Inschrift, 
wenn man mit den unzweifelhaften Ergänzungen die Probe macht, nicht überall die 
gleiche Länge aufzuweisen scheinen; es werden also in der Veröffentlichung <lie Buch- 
staben nicht überall richtig unter einander gestellt, ihre Abstände ungleichmäfsiger 
sein als der Typendruck es wiedergeben konnte. Aber erheblich ist dieser Mangel 
nicht und namentlich tritt er In der zweiten Hälfte der Inschrift kaum noch hervor ', 
und so dürfen wir die Lesung Z£v''jt<f.[cVi'j für die viel wahrscheinlichere halten. Die 
Amtszeit des Archontcn Xcnokritos, nach welcher die Freilassungsurkunden Nr. 423 
und 425 bei Wcschcr-T'oucart datirt sind, läfst sich soweit bestimmen, dafs sie frühestens 
in das Jahr 141/140 fällt (s, Dittenbcrger, Syllogc Inscr. zu Nr. 467). Der in Zeüe 5 



») PhilologB« XXIV, s. r ff, 

•) Zeile I i«l gegen dir amlcrefi »« fcuM; ricilcichl 
war sie etwas cingcrilckl. Z. 4 crbslt uojfcfitht 
die Umgc d«r «oTbergchfndca, wenn am Endi- 
itiii«gc1inä&i£«f \Vd»<; uur ß«siÄ itesc bliebe i) 
mr: Z. 11, wenn man mc *tt wie wir getan 
haben, nbictit und in Z. 12 vnr tr^tvfm , aluo 
bcini Bvf^inn <les cit;<.'nflivhcn tirschlutH.'^, cinu 
ktctnc l.Uckc anniiuinl. Auch sonst haben wir 
durch abweicliendc /'.■.■ilenAhictlune und klrinc 



lliniiirut,imgcn tu helfeti i;esacht: '/..6i. f^hlt 
hei II. tv 4}il«, /~ lo S^> dn« wegen ile« utv in 
Z. 7 notwendig ist; am Gndc von '£. to und An- 
fang von Z. II schreibt H. xaAais | [xä^stlot^ 
Z.15F. 4Hi.t[ilvv, npo]iSp(a-> (ohue jisl). Auber 
ilcm im Test Berührten hüben wir 'lann noch 
den Anfang *■"" '/.. 8 j^t^l niicrt, wo Toi i;fl~'*3T]<(- 
Abvto; gefehriebeii war. — L'bTigens bat un»er 
Texlakdnick <fie /cileti«tcltung des frflbcrcn nicht 
gan» scnau wiedergeben ktinncn. 



3- 



Frankel, CniimlHc-Snmmluninrii und GemaWcFoncbuiii; in fetgainnn. 



und 9 zu cr^iänzcncle Köriiijrinamc wäre denmacli 'At:5Ü.ou, uml es bliebe nur ^rweifcUiafl, 
ob Hie Inschrift dem zweiten Attalos zu geben ist, der bis zum Jahre 13S am Leben 
war, oder dem dritten. Wir finden nun zwar überliefert, dafs der traurige letzte 
SproCi des glonx'ichcn Hauses der Atlalidcn neben seinen naturwissenschaftlichen 
und landwirtschaftlichen Liebhabereien auch künstlerisch dilettirtc, indem er in 
Wachs zu bossircn und in Metall zu arbeiten versuchte', aber wir haben kein 
Zeugnis weder ein üttcrartschc:^ noch ein tnschrifüicheti, dafs er Kunst^vcrke vcr- 
anlafst habe, aufser dafs er kun vor seinem Tode ein Grabmal seiner Mutter plante, 
aus wcichetn Akte der Pietät man bei dem •^t'Kvj.r^'.top auf besondere künstlerische 
Untcmchmunijslust nicht schlicfsen wollen wird. Dajjcgcn sind die küni^ticrischcn 
Ncigim^en seines Vorgänj;ers durch eine besonders grofse Anzahl erhaltener In- 
schriften bezeugt', die zum Teil von »clu* umfangreichen Denkmälern herrühren, 
iiml was hier namentlich ins Gewicht Hillt, seine leidenschaftliche GemÖldclieb- 
habcrci ist dadurch bekundet, dafs er ftir ein bei der Zerstörung Konnths erbeutetes 
Gemälde des Aristeides, einen Dionyisos <3arstcllend, die ungeheure Summe von 
hundert Talenten bieten licfa, wodurch Miunmius so stutzig wurde, dafs er das Bild 
lieber in ilen Ccrestempcl nach Rom zu weihen bcsehlof?. was der Koni^; lebhaft 
beklagte'. Danach werden wir mit aller Wahrscheinlichkeit die Inschrift auf Attalos 
den Zweiten beziehen können, und es wird die aufeerliche Betrachtung, durch welche 
wir den Archontcnnamcn zu bestimmen versuchten, auch durch einen wesentlichen 
inneren Grund i;estützt erscheinen. 

Das Object zu ivv^^v'^is^a: in Z. 5 f. ist leider verloren gegangen '. Die 
Vcrivcndiing des Vcrbums innerhalb des hier in Betracht kommenden Begriffes 



•) jMiin 36, 4, 4. 

*) Intchriden von PcrGamon Nr. 65. 66. 67. t68. 
169. 114—218. aat. 335. 

*) Pliniu» 35, »4: »1(1- 7. •><>■ 35.99- M. H. E. 
Meivr (Ilallüclir Encyclop. III 16 S. 411], wie 
•nch tinmn. CiiochiKltc Künitlcr II S. 173 ot^i, 
rla{x Anjito> hei <tcr Vcolci^ctunt; der Beul« 
auf das Bild gvboirn habe. Alfcr Aitaln« »ItHl 
war bei (tcc Vcrngung Hb« die korinlhi«cbr 
Beiiw nfglii ccRcnwUrtfjr; er h«ne den Rnmem 
nur eine llilfsmathl unter rhilo|ioirnri> ^c»iiti>ll 
E'iiuMnia> 7, 16, I Irf/I|r,v Kt mI f-E-^^i K^!j-:(t 

ntiiT« i-(vti rsf^ ^^ztüvi. I'nusnnin» berichlet 
wciicr, dafs Mumnluf die am meiMen in* Auge 
lolIeDdcii Weih- uiiJ Scbinnckg<,-gunotän(tc («««Ut^- 

dv^xovTS ii üt'ifja) nacli Rom mit genommen, da^ 
Minderwcilijic dem l'hi!u[iittiii(.-n itigeiolt U»xte 
und dsf« nocli lu Meinet 'Mt korintUistbe beuie- 
•tOckc in rtrgamnn lu seb«n waren. Also beruht 
PliniHi' Auidnick iHfiranfn pfnJfmia auT Flllch- 
tigkcil uml ilic «mdcihnrc VruMcUung cini-i Ver- 



steigerung 1x1 niclil berechtigt : fhilopoimen haue 
dem Mnrnmiu* htinderi I'alvnlc tirt>Olco, bll* «r 
dm ncmUlde, auf detn iinch dein Augentcilgen 
Polybios 39, 13 (40,7) ionische Snldaten ich'tn 
geWllrWl hatten, dem Bculelcil Je« AUalni. no- 
lcK«'n wolhe. Di-r Wen der Geschichte bleibt 
derselbe, auch wenn riulojjnimen, der die rechte 
Hand de« Altalo* wnr (l'tuinrch, an «eni etc. 16), 
sich berccbligl «ab, im Namen de* Künigt eine 
«niehe Stimme fltr ein Biltl lu bieten. 
') In Zeile s habe Ich üs]n vnm ersten lleraui- 
geber llbcrnommcn, weil der gtringc iu GetK>te 
«Ichende Kanin eine aiidcie l'irgüriiung nicht mi> 
luluscn scheint. Ein xureite» Beispiel ftlr die 
Verwendung div«er Cnnjunctiun nach einen 
Verbtim de» Sci)de«i< kann ith nicht nachweisen: 
iiinn wird sie darau« erkUren dürfen, daf^ die 
Vorstellung lu Grunde lag; cdtr K>tnig «andle 
diel Manner nach I>dphi unter der Bedin- 
gung, dnf« sie dort copitena. Da der bln&e 
Intinitir klatlhaft wirv. oo ■Icbl iv3n gcwitset- 
maf!,cn nbimdirend. «oftlr man Beispiele in Bo- 
nitx' Artxfotelev- Index findet. 



ist nicht auf ilie graphische Wiederholung gezeichneter Vorlagen zu beschranken, 
'Wie auch wir von einem »Abmalen'^ lcöq)crltchcr Gegenstände sprechen können. 
Aber ist es irgendwie walirschcinUch, daCs <Ier pcr^imicnische Könij; drei Maler 
nach Delphi gesandt habe, um ihm Abbildunf^en dorliKer Hauüehkciten zu liefern? 
Dafiir hätte doch wol ein einziger ausgereicht, und auch den Gedanken wird 
man gleich abweisen, dafs die drei Maler etwa ein kiuiKtgeschichtliche?; Album, 
eine Aufualimc plastischer Kunstwerke herstellen sollten, denn diessc war ein 
König von Pcrgamon in der Lage sich in jedem ihm beliebigen Umfange in 
Marmor und Vjz copiren xu lassen. Wir werden vielmehr mit aller Zuversicht 
annehmen können, dafs König Attalos II. Wiederholungen in Delphi befind- 
licher Gemiildc /.u besitzen vvünschle. und xiierst wird nnui an die berühniteslen 
derselben, an die Malereien Polygnois in der I.csclic denken. Die Erlaubnis für 
diese Copicn erteilen zu können, mufstc der Gemeinde Delphi in jedem Falle \vill- 
kommcn sein, sei es dafs sie sich den mächtigen König erst ru verpflichten wünschte, 
sei es dafs sie ihm schon thrc Dankbarkeit zu beweisen hatte: nach der ersten der 
von HaussouUier veröffentlichten Inschriften hatte sie dem Köniye ein Standbild 
errichtet und aus der kleineren der von ihm geschenkten Geldsummen zu seinen 
Ehren unter dem Namen 'ATt«X:i« ein Jahresfest begründet. 

Es ist sehr wol möglich, dafs der Auftrag des Königs Attalos sich auf die 
Gemälde der Lesche beschrankt hat, ubschon sich dann drei Mater in nur zwei liil- 
der XU teilen hatten. Denn wenn man diese grofsen Wandgemälde auf weit zu trans- 
portirenden Tafeln wiederholen wollte, wird nur die W^ahl gewesen sein, sie stark 
zu verkleinern oder ein jedes in mehrere Stücke zu zerfallen, die man in der Heimat 
zusammensetzen mochte; die Compositionsweise Piilygnots hat die Loslösung der 
einzelnen Scencn gcwis ohne Zwang gestattet. In der Umschrift ist diese mögliche 
Beschränkung frageweise ausgedrückt worden, ohne dafs dafür irgend welche 
Sicherheit beansprucht werden soll; als feststehend ist anzusehen, dafs auf den 
Infinitiv ti, riv oder ti; gefolgt ist, der Krei? der zu copirenden HiUler also in 
irgendwie praciserer Umgrenzung angegeben war. Es sind ja gewis aufser den 
polygnotischcn noch andere namhafte Gemälde in Delphi gewesen, nur darf man 
sich daliir nicht auf Atlienäus XIII 6oC A berufen: iv ^ilL-^'Ä; sv T<{t rivcixtuy l>y 
a'vj^jif; denn hier ist mit Meinekc unzweifelhaft l'-;>aTÜ>y zu lesen, da ein Schatz- 
haus der adriatischcn Spinaten in Delphi durch Strabon 214 und 421 C. bezeugt ist'. 
Jedenfji'l'; erscheint die aus inisrcr Inschrift erschlossene Tatsache, dafs ein perga- 
mcnischer König zur Anfertigung von Gcmäldc-Copien in weite Kerne eine eigne 
Expedition entsendet, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. 

Dafs die pcrgamcni sehen Konige plastische Kunstwerke der Vergangenlieit 
nach ihrer Hauptstadt verpflanzt halten, war aus gelegentlichen Angaben der litte- 
rariächcn Quellen von jeher bekannt. Ein historisches Interesse offenbart sich in 



*) Mrtnpke, ArchHnIog. Zcitnng 1857 S. loi. Kaibcl hm (Iic criHcnlc Kmcndation in ilen Text 

gcrcui. 



^ 



Kr l-lrwcrbiini^ dur Chariten des olu-ii llupalus^, Altalüä I. liattc den Apullo-Kulors 

p> (HiotA» all Trni)hiie au» Anina heimgebracht'"; wir hören, daft sich in Pcrga- 

Mii i'iit m-rnliiiilc-» Sym|>Ii:i;ma <Its Ki;|>hisiKlf»t, Praxiteles' Sohn, bt-faiul". Die 

ii''niithtiiit;rri hiibfii uns Atif^clirtftt-n von Thcron und Stlanion ijcbracht, deren 

livnNUtill Im diu vierte JahrJutmkrt fallt, und von Myron und l'raxiteleü, widir 

Imlnllch don jOn^ercn KUnullcm dicäcs Namens aus dem dritten Jahrhundert, da 

II' Wortu- mit einer Arbeit des Xcnokratcs auf derselben Hasis standen". ICs er- 

ilb nleh iiuH ilic Vumtellunii eines fürmlichen Museums plastischer Kunstwerke, die 

hl di'n IIhIK'M dvi AlhenaheiÜ^lums, also in räLimlichcm Anschtufs an die Bibliulhek 

lMl^^l>ll(l'lll wtuen, und zwar \v;ir Grund zu der Annalime vorhanden, dafs der Vr- 

UvUvt itlcHiT Aur<ilcllun;; KöiiIk I'^umcnes II. gewesen Jst'l Wenn Vilniv in der 

y<*iltidM MU HCiriuni 7. lUiclie von den pergamenischen Königen rühmt, dafs sie 

•"K**""!*"" vi»n den ^ni(M:t\ Süfsij;keiten der philologischen Wissenschaft eine aus- 

i'»t'li hin>Ie lllbliolliek zur ölTetilliclien ?>i;«lzung begründet haben", so ist dieses 

."li didiln tMI^Äudehnen. dafs sie nicht minder auch die künstlerischen Schätze der 

l^rKAri^nnheit, rite »ie anzogen, dem liffenlliehen Genu^i^e dargeboten haben. I>ats 

Olit'l nlilil verwlinnl wurde, hervorragende Sculpturcn, deren Eni'crbung ausge* 

i'hliiHHi n WUT, in einer (.'npic herbeixiischaffen, zeigt <lie erhaltene Marmomach- 

hllini; der I'^rllienu» des I'hidia»^ samt ihren Soeketrclicfs". 

über den pergamenischen Hehitz an älteren Hildern sind die Zeugnisse spar- 

lli'hi'r, lUiMIrlichcr Weine, weil hier aowol die erhaltenen Werke als auch die Künstler- 

lllüiihrtnun fühlen mU»sen. Doch ist von vornherein selbstverständh'ch, dafs eine 

M»ii«in(t||(j(dun»chaft, gegen die man die ItiblJothekcn des Aristoteles und Tlieophrasl 

iMir dineli Vergraben sichern xu können meinte'*, vor Gemälden nicht Halt gemacht 

hui. J)|u Hildcr und Statuen, ilercn Raub durch Acratus, Nero'» Freigelassenen, die 

Hliidt l'crKaniun nnler Anwendung von Gewalt verhindern mufete". waren gewis die 

hl d»r Konignxeit xuttammen gebrachten Sammlungen. Die dem Könige Attalos n. 

vi'riiilelli; ICrwerbung eines tlenialdeii des Arisleides ist schon berührt worden; dafs 

illu J.labimburel der ]k■r^'^ellcr fUr Gemälde nicht weniger wie die für Sculpturen 

ipli hliil>niHchi.in lntcre*i«e getragen war, kann man daraus schlicfsen, dafe «ich jn 

'itiuuntun die Chariten iles I'arlcrs l'ylhagoras befanden, die I'ausanias 9, 35, 7 als 

n llvlaplel Ihr die bekleidete Darstellung dieser Göttinnen durch die alteren Maler 

nflllirl, rornur ein bliliKutrulVener Aia» iIcs in der 93. Olympiade blühenden attj- 

liwii Meldler« Apullndor". Auch durch unsre Inschrift werden wir dieses lüsto- 

•>• Im liitercMU JK/k iii'i •t.K-hiun dürfen. 



I 



ff 1 ..imu<.,ii p, j9, ti. L^i. hi-.-uiiuii vm t*«iga< 

mm ht. 46. 

l'utMnUt N, 4«, 7i »t|l. tiMliiinvH ran \'if$f 

tittiH b, 44< 
'*) l-liritNi ,)A, •«. 
Jh lilictiiiliiiti VIDI l*>t||tiHiiH Nr. 4tl 10. ijjIT. 

iNil «Um N«ilinii«r Hi MIX* 




") Inickriftcn von rtncanoB iti Xr. 164. 

>*] IHiclntcia in jKhrboch d. IttfL 1890 ti. 95! 
lUf. 

>*) SmlK>n 60S C 

>*) l'acilut AuiuJn 16, IJ: (Abv) iiiwji (ä-HatU 
/V jw w M itr. ßrvkitftttu Acralmm CmmHi fütrfmm 
(MInU ft fiJur^ «vAflv, iaaMim emürraU 



") l'llKtH* \%, Aa 



Hatte die bcwiindcninüswürdigc Fjiwichl und hohe Gesinnung der perga- 
mcnischcn Könij:;e fiir tlic Geschichte der älteren Malerei und l'laptik ein reiches 
Material an Originalen und Copien vereinigt und der ÖfTendtchen Helrachtung zu- 
gänglich gemacht, so war es fast eine Naturnotwendigkeit, dafs in einer Stadt, die 
Jahrhunderte lang ein Sammelpunkt der Gelehrten war, die Kunsianschauung nicht 
bei dem lait-nhaften Genicfscn stehen blieb, sondern zu historischer \ii«l ästhetischer 
Erkenntnis vorschritL Wie die Bibliothek der AttaÜdcn eine blühende grammatische 
Forschung hervorrief, so hat sich an die Kunstsammlungen eine kunsthistorische 
WissenschaR angeschlossen; ftir uns ist es hier von besonderem Interesse, dafs us 
unziveifclhaft eine pergamenische Forschung übi-r Malerei gegeben hat. 

Den llelcgen hierfür glaubte Hrzoska'' einen besonders wichtigen hinzu* 
ftigcn zu können, indem er die Vermutung, dafs der Canon der zehn Redner um 
dos Jahr 125 v. Chr. in Pcrgamon entstanden sei, durch den Nachweis zu stutzen 
suchte, daf*. die bei Qiiintilian 12, lo, 5 ff. vorliegende IJste von Klassikern der 
Malerei und Sculptur, die in der ursprünglichen Quelle gleichfalls je in die Zehnzahl 
eingeschlossen gewesen sei — bei Quintilian sind elf Maler aufgeführt — , aus 
Pergamon stamme. Die Hypothese von iler pergamenischen Herkunft iles Redner- 
Canon* kann als völlig gescheitert angesehen werden: wülircnd Uscncr" ihn der 
Hlütczeit der Gelehrsamkeit von Alexandrien zueignen wolllc, zeigte K. Weise*", 
dafs der Canon noch Dionysios und Cicero unbekannt war, woraus I'. Hartmann*' 
den, wie mir scheint, notwendigen Schlufs zog, dafs Caecilius, dessen Buch npl toj 
j(«p«xtf,jV'.; TiÜv U*fi ff/irlpfiiv das älteste Zeugnis für den Canon bildet, ihn auch auf- 
gestellt habe: er hat tiamit die vor Ruhnkcn herrschende und dann von M. H. E. 
Meier vertretene Ansicht wieder in ihr verdientes Recht eingesetzt. Man wird es 
nicht gerade für wahrscheinlich halten, dafs der Rednercanon eine Nachahmung 
lange vorher in Pergamon entstandener Künstle rüsten sei; aber da Hrzoska den 
Hcwcis fiir die von ihm angenommene Zeit und Heimat der beiden Künstler- 
Verzeichnisse nicht auf die Analogie des Rednercanons gestützt, sondern unab- 
hängig davon zu ftihren versucht hat, ist man der Mühe nicht enthoben sich seine 
GiUadc anzusehen. 

Die beiden bei Quintilian erhaltenen Zusanmienstellungen, welche eine jün- 
gere Epoche als die des Apcllcs nicht berücksichtigen, halten nach Hrzoska den 
offenbaren Zweck, die Kunst der Malerei und Bildhauerei vorwärts zu bringen; 
daher frage es sich, wann sich die Kunst auf die Nachahmung der Alten ver- 
legt habe. Nun habe es zwar in dem auf Lysipp und Apelles unmittelbar 
folgenden Zeitalter viele Künstler und Kunstseh riftslcller gegeben, vur Allem 
in Sikyon, aber auf die Alten seien sie nicht zurückgegangen; man habe 
ihnen Lj-sipp und Apellcs weit vorgezogen und diese vor Allen naehgealimt uml 



") Uf cannnc deccni oratoriini. li)uUKUtal-Pit.*«T' ''^ Qdn»(ione« Ooccilianac. InnuKUinl-DiMcrlation, 

lation, Breslau 1883, S. 68fr. Ktrlin cSSM. 

") Dionysii llalttani. ÜbTOTiim lic inüuiiouc icU- ") De c»nonc deeam oratoriun. [nuugunil • UisMr- 

qaiae (Bonu 1889) ä. iiofT. lativu, Gotiin^en 1891. 



56 



FtSnktt, GemüäeSuaatlungta und GcmftUf-FonctiBne i« Pcrcamon. 



zur Nacliahmun^ cmpfolilcn. Nachher sei die Kunst gesunken, bis sie um 
Ol. 156 wieder auflebte, damals hatten die Maler und Bildltaucr die ahm Metsicr 
nachzuahmen bcgunnen und die Kritiker ihre Eigen tümlichk ei tcn zu erforschen ver- 
ituchti daniuU »cien vennutÜch auch die Dekaden entstanden. Ut so ihre Zeit ge- 
wonnen, so handelt es sich noch um den OrL »Da die Canoncs zum Zwecke der 
Nacbahnmng auf^c-itellL sind, so sind sie ohne Zweifel einzig und allein da ans 
Licht getreten, wo damals die Kunst der Malerei und Bitdnerei im höchsten Flor 
stand.« Also könne man weder an Alcxandricn noch an läik>'on denken, eher an 
Rhodo«, aber hier habe man auch nur die Kreise des Apellcs und l^ysipp für nach- 
alimenäwcrl gehalten und einen rhotJischen Kunsthistoriker aufser Kallixenos, der 
im driltai Jahrhundert '.Siv "^w^yrfmv n xai iviy.tv.'iZ'Aön äva-jfia^ai verfafst hat, 
kennen wir nicht. Ks bliebe nur Pcrgamon, wo tn der an|renonunencn Zeit sowol 
die Kunst als die KuastH-issen<tchafi i^cbliiht habe, das I'rincip der Kunstiibuni; aber 
der Kktckticiitmiui «ei. 

Kn Mzhciiit nur niHig xu iein diese Bewcisnilirung wiederzugeben, um ihre 
Schwache klar zu stellen. Die Ar){umenta1ion beruht auf einer ganz unhaltbaren 
Vonlellung von dem Verhaltnii«, in welchem die kritisch-historische Betrachtung 
vergangener Kun«l zur praktii^chcn Kunstilbung steht Sie setzt den Einflufs der 
Theorie auf die l'raxin aU ein ko »iclieres A^ium, dalk man durch Kücksclilufs von 
dlcMir fllr jene eine Zeil- und Ortsbestimmung gewinnen könne. Nun ist unleugbar, dafs 
in tler Kun»t eine Congruenz von Theorie und l'rixis hervortreteii kann, wie etwa die 
kritiochc Vorliebe Kuitkin« in KngUind ein noch heute neue Sprossen treibende» 
(ie»ehlcch( von »ogcnannlen I'rÜr^ffaeliten hervortierufen bat. Aber gerade dieses 
Beispiel k'iiiit xeigcfl, unter welcher Bedingung die Erfahrung eine Einwirkung der in 
der Anffatelhing von V<»tbildern »ich aufsemdcn Theorie auf die Ausübung der 
Kun»l zugeben kann; wenn der Kreis der Vorbilder, welche die Kritik d<:x Nach- 
ftltmung empfiehlt, ein einheitlicher, tiulividuetl begrenzter ist, mit andern Worten, 
wenn diu xuni Munter vorgcitelltc Norm eine in sich abgesclilo&sene Richtung ist, 
die «ich von nudcrn Hichiuin^in leicht fafsbar scheidet. Auch wenn nacli Lessing 
Uml WliickclniiUM> die Kunst die Nachahmung der Antike zu ihrem Principe machte, 
crwcim »ich diese Regel oU zutreffend, <lenn in dem Geiste dieser Männer lebte ein 
(ie«amtidcal der Antike, .lua dem c» leicht war, allgemeine zu einander stimmende 
Kegeln /u ab»lrahfren. Aber wie «oll eine vcTnIeicbeiide Würdigung von zehn 
oder elf Matern und zehn Itildhauent, wie hoII diese Zusammenstellung von Meistern, die 
durch Jahrhunderte einer tlbcrau« rcidien Kntwickhmg von einander geschieden 
Minü, von Kallori uml Ilege*.iat. bii. aufLynipp und Dcmctrios, den lebenden Kunstler 
xu becinfluiiRen im Stande gewesen »ein? In der Rede ist das Zusammenflicken des 
Stils aus gan« vcrHchiedenartigcn MuHlem, wie llerodot und Lysias, allerdings 
m weit mrtglicli, (lafH auf dienern Wege eine innerlich hohle und äufserlich gc- 
»elimaeklose Kheturik hervorzubringen i«t; (n der bildenden Kunst ist selbst der 
t'enlu nur bei einer gewiohvn lüultcllliehkeil der Originale denkbar: es gilt auch 
hier diiH Motto dia I jiokoon •!).(, tai rpfiTf»; |ii|W,9tiv.- vififwaK. Ob ut\va uml in wel- 



ehern Umfange der Urheber der quiiittli;inischen Zusaiiimen Stellungen eine praktische 
Wirkung derselben beabsichtigt und erhofft hat, ist dabei ganz glcichgiltig. Dafe die 
Malerei in Pergnmon irgend eine Ücdcutung gehabt habe, dafür iiabcn wir nicht das 
mindeste Anzeichen, was schon allein ftir das Princip dt-r Brzoska sehen Argumentation 
sehr bedenklieh machen mufs. Wäre aber auch das Princip zutreffend, so würde seine 
richtige Anwendung der Hypothese im höchsten Grade ungünstig sein: die perga- 
menische Plastik sieht nicht danach aus, als wenn sie sich die Vorzüge der alten 
Meister aus einer Musterkartc zusammengelesen hätte. Wenn irgend eine Kunst, 
so beruht diese auf dem frischesten, unmittelbarsten Erfassen der Natur, der sie 
das hingehendste SUidiuni zugewendet haben mufs. Dafs sie mit der meisterhaften 
Darstellung von Barbarenbildungen gtUiz neue Wege einschlug, hat Brunn schon in 
seiner Künstlcrgcschichte (I S. 450fr.) schön ausgeführt. Sie weifs auch Kuwcilcn, 
am meisten in dem sterbenden und dem sein Weib tötenden Gallier durch das zu tiefer 
Innerlichkeit gesteigerte Pathos der Darstellung in ganz neuer Weise zu ergreifen, 
und wenn wir vor dem grofsen Altar bei aller aufserliclicn Erregtheit der Schilde- 
rung im Ganzen innerlich kalt bleiben, so liegt dies wahrlich nicht daran, dals wir 
ein Recept zu schmecken glauben: indem wir die ungemeine Virtuosität der ge- 
samten Darstellung in den gut gearbeiteten Teilen des grufsen Werkes bewundern, 
verstimmt es uns vielmehr, bcwufst oder unbewufst, dafs alles das uns doch nur 
eine eintönige Schlächterei vor Augen stellt, deren Ausgang von vornherein selbst- 
verständlich ist, verstimmt uns .der vielfache Mangel an Mrnst und Innerlichkeit, 
durch welchen "trotz der Ausführung in überlebcnsgrofsem Mafsstabe die Reliefs der 
Gigantomachie unter den Gesichtspunkt der tcktonisch-dekorativen Kunst fallen'*«. 
Die pergamenische Kunst zeigt alle Eigenschaften eines Koch begabten Epigonen- 
tums; sie ist selbstverständlich von der Vergangenheit abhängig, sowol m ihrem 
Enipfindungsgehalt von dem vorher schon durchlaufenen Kreise als aueli in der 
Technik, imlcm sie nach Ihrem Rechte sich alle überkommenen Dar» teil ungsmittcl 
zu eigen macht und steigert, aber ihre kecke Kraft hat sich von der Doktrin nicht 
einschränken lassen- 

Ebenso wenig haltbar wie sich die Anschauungen Brzoska's von dem künst- 
lerischen Charakter der Zeit erwiesen haben, in welche er die Dekaden setzen will, 
sind *iie von den Plpochen, ftir die er ihre Entstehung Husschliefeen möchte. So 
hat Robert'* unzweifelhaft Recht, wenn er die Zeitbestimmung durch die altgemeinen 
kunsthisiorisclien Erwägungen nicht (tir er\vieHcn hält, ini^hcsimdere bemangelt er 
dafs >dem Märchen von der attischen Renaissance um OL [56 btindei« Vertrauen 
geschenkt wird--. Desto mehr glaubt er Brzoska's Herteitung der Künstlerlistcn 
durch den Nachweis gestützt, dafs der Canon der zehn Redner in der Y.cil zwischen 
PanaitioB und Aiiollodoros entstanden sei. Aber Brzoska wollte ja Xcit imd Ort des 
Redner-Canons erst durch die Analogie der Künstlerdekaden erliärten. man kann 
doch unmöglich umgekehrt durch die Haupt-H>'pothcsc. die selbst erst zu beweisen 
war, die Neben - Hypotliese als erwiesen betrachten. 'Dafs der Erzbildner-Kanun 
") Bniiin, Jalitbucli i!n k»Di|fL prcuf». Kumtsannuluni-ca V S. 394. '^} ArctiOoloeucbc MArchra S. 53. 

JtJitkvrti 0<« ■Rhädk-vi«cti*n twlknl* VI. C 



5« 



Frinkd. GcmAldc-ftaininlangen und GcmaMe-Foiscbiiag in Pcrgaroon. 



entweder nach dem Muster des Rednercanons oder gleichzeitig mit demselben auf- 
gestellt worden !st , darf unbedenklich vorausgesetzt werden- , sagt Robert. Ganz 
gewis: wenn Zusammenstellungen von zehn Künstlern zu einem Canon statt- 
gefunden haben, so ist die Dekade der Künstler jünger als die der Redner, also 
frühestens aus augusteischer Zeit. Denn die Zehnzahl der Redner ist keineswegs 
der Ausfilifs irgend einer SymboliV, sondern ergab %\c\\ lediglich aus der Auflassung 
des vorhandenen Stoffes''; bei den Künstlern könnte das Auftreten derselben Zahl, 
namentlich das zweimalige, folglich nur aus Nachahmung hervorgegangen sein. 
Aber es fehlt für die Existenz eines Ktinstlercanons überhaupt an jedem Zeugnis, 
und bei Quintilian sind elf Maler aufgeführt; folglich kotinen die von ihm auf- 
bewahrten Zusammenstellungen auch älter sein wie Caccilius. Wenn aber auch 
der Rednercanon so sicher aus Pergamon wäre wie er es nicht ist, so würde nie< 
mand blos daraus den gleichen I**ntstehungsort eines etwaigen Künsticrcanons folgern 
dürfen; es müfstcn dafür selbständige Beweise beigebracht werden, wie Brzoska, 
freilich auch nach dem Urteile Robert's ohne Erfolg, versucht hat. 

Robert selbst bringt aufser der Analogie des Redner- Canons zum Beweise der 
Hypothese nur folgendes bei (S. 51): «Eine erfreuliche Bestätigung für den pei^a- 
menischen Ursprung dieser [quintilianischen] Kunsturteile ist es, dafs zwei derselben 
bei solchen Autoren wiederkehren, die notorisch von pergamenischen Quellen ab- 
hängig sind, rheidias und Alkamenes als die höchsten Gipfel plastischer Meister- 
schaft kennt auch Tansanias V, 10, 8: 'AXxai^fvK*? ivÄpö; T,hy'«v ts xot« (^^^5^av xal 
ÄB'jTipBt« ive*;j!7jt;wj yv^iti ii riiiTj^tv ä^'aiuaTwiv . . . Genau dem pergamenischen 
Canon entsprechend wird ferner das Verhältnis des Polykleitos und Phcidias von 
Strabo VIII, 373 so bestimmt, dafs die Werke des ersteren t^ jüv xiyYQ vikhara 
TÄv wivTiwv. niXyTi/.ii'ci Zi nfi\ (ii-iOtt twv *I>«4^'/v Xsumjawi seien, eine Stelle, die wris 
auch ilas von Quintilian mit potuius Übersetzte griechische Wort ji^tsUo; giebt.« 
Die Paui^anias-Stclle. deren endliche richtige Erklärung wir Robert danken, bildet 
nur ein äufserst schwaches -Argument; denn daCs sie aus einer pergamenischen 
Quelle stammt, ist auch keine Tatsache, und würde man behaupten können, dafs 
ausschliefslich von der pergamenischen Kritik Phcidias und Alkamencs an die 
Spitze gestellt worden seien? Üb!«- steht es mit der Strabostelle, die folgenden 
Worten Quintilians entsprechen soll: diligentia ac decor in f\}l)cHt0 supra ceUros, 
fut <fHamqua$a *j plcrisqUf- tribuittir palma, tarnen, tu nihil d/trahalur, diesse poudus 
fntmtt .... at quar f\ffycUlv df/ummt, Ffiidiae atqut AUamem dantur. Phidias .... 
M fboTf ivrö hitge (itra a/mufum etc. Das t^^v^ Strabon's setn also Robert, 
wie er S. 56 auch ausdrücklich sagt, gleich diligrtttia, woftlr öxpißi/« mindestens 
das eigentliche und in solchen Urteilen gewöhnliche Wort wäre. Ist ^'fsOo« pondiu, 
so muls auch der Begriff von raXuTsXsi'«^ in der Sphäre der künstlerischen Eindrücke 
liegen; eine cinigermafscn entsprechende .^^alogie solcher übertragenen Verwendung 
des Wortes beizubringen wird aber schwer sein. Die Stelle ist misverstandcn 
worden: die Rede i*.t vom Meraton bei Argos, iw n*« -i ll^X'jxXtt'mu ?ötw«, t^ p» 



Tt;(WTi x-AXiffTo u. s. w.; das ist doch einfach zu Übersetzen: »die Cultbildcr de« 
Polyklct, an Kunstvollendung die schönsten von allen, an Kostbarkeit und Gröfse 
aber Iiintcr denen des Plieidias zurtickstchend-. Völlig zutreffend belegt Brunn 
(Künstler I S. 212) mit der Strabo-Stelle die Worte: »das Bild der ilera im Tempel 
bei Argos, aus GoM und Elfenbein, von kolossaler GrÖfse. aber kleiner als die ver- 
wandten Werke de» Phidias». Wäre CS also notorisch, dafs Strabon's Ausspruch über 
Polyklet aus Pei^amon stammt, «o wäre er mit Erfolg gegen die gleiche Herkunft 
der quintilianisclicn Kunsturtcile gellend zu machen: dort ist als Bildner in Golri- 
clfcnbcin l'olyklct gröfscr wie Pheidias, hier Pheidias grö&er wie Polyklet. 

Wir entbehren indessen nicht wirklicher Spuren einer pergameni sehen Gc- 
tnäldeforschung. Man kann kaum zweifeln, dafs Wtlamowitz den auf diesem Gebiete 
offenbar sehr namhaften Antigonos richtig mit dem Bildhauer des Namens tdenb 
ficJrt bat, der nach Plinius 34, 84 in Pcrgamon tätig war: plurts artißces /teere 
Altali et EtimcHis udivrsus GaUos proelia- /sr^onus, Pyromficfms. SirafonieNX, Anli- 
gorms, gm Volumina condidit de saa arfe'*. Seine Heimat Karystos nennt Zcnobius 
5, 82. Nach dem Quellen Verzeichnis des Plinius zu seinem 33. und 34. Buche hat 
Antigonos über Erzkunst, nach Plinius 35, 68 de pictura geschrieben, und zwar wird 
er hier als Autorität Über die Kunstart des Parrasios angeführt. Polemon hat an 
oder gegen ihn ein Buch gerichtet, das als tä Tipic 'A5«iov x«l 'AvnYnvnv und als -ä 
«pÄc 'AvTty*»ov Kipl CflWYpa»tov angefilhrt wird. Das grofsc Ansehen, in welchem seine 
Forschungen über Malerei standen, beweist Laertios Diogenes 7, 187, wo es heilst, 
dafs die Gegner des Chrysipp, der sich fiir eine hafsliehe Geschichte über Zeus und 
Hera auf ein Gemälde berufen haben mufs, ihm vonvarfen. dafs er sie erdichtet 
habe, da sie sich weder bei Polemon noch bei Xenokratcs fände, ja nicht einmal 
bei Antigonos**. 

Die Zeit des Antigonos ist leider nicht genauer bestimmbar. Wilamowitz 
drückt sich a. a. O. S. 14 so aus: »es ist einfach überliefert, dafs Antigonos von 
Karystos ein Bildhauer war, der unter Attalosl. in Pcrgamon gearbeitet hat«. Wo 
steht diese einfache Überlieferung? Man kann es für wahrscheinliclicr halten, dafs 



'^ t)bcr die PcisöitücbkeU und die KuuiiUi:litiri- 
atoUerci des Mann» vergl. WilAmowitt, Anlignnm 
von Kuijrntoi S. 7 GL 

p(«<> . . . oW Ra]tä \*kH npl Rtvtfua» ^p^^an 

1:9^3 StVM|H(Tc( (*o «uctsi Köjiitc fU« ' r-lnÄpäTii), 
iXtr> p»,y r^p" 'AwTi^iivui tivat, vr.' tfircü 4i rt- 
Ü9sS)flt. — Dtn Fraenicnicn d« Antigonnc wird 
ein von dem bcholiasten de« AriktophatKi^ (Vijgcl 
574) xu( dem Per|>uii»ii;[ Karyvlio« ImjcvIcUe- 
tes Cilsl hincuiufUccn sein: Ni«Dt4(i(Kov n riiv 
NficTjV x«l TÄ» ""Y^at-zt tcTtpiüollit, 'Ap/fvvftv 7dp 

f«v rn)-^ tp^äiaiUat riji XfitfjV. du; 'A «pl 
K«|>u3TtQnf \v* llt{)79|ir,wi^ 99«, AI« den Urbebn 



einer Tell»iindi);cn und durch »eine Aniariiiit 
auf cinrii Kieit von AnhAngcm illic();cj;»iigi-ii(;it 
Ansiclii in vinrr Kra),'« dieser A't, itai:k dtna 
crsicn KvinstIcT der die Nike bcrtUedi darstellte, 
wcrd<-a wir nur einen FxchiMnn aanelimei) dOc 
Ten; in des »onsiigen Fraenienten der isT<äjnxi 
u::o;i'v^fiaTa de* Per|^nicnci> Karyitio* fMUllcr IV 
S. 3S6ff.) i*t nlj« keine Spar kunt.lgi;tcliich(- 
tichcr fortchunt;. Keine Verwechslung kann 
leichlet M:iii üK dir eine» in l'crgnmnn ■ni'Uui- 
gcn SchriftfrlGlItrs, der K.ir^ticr war. uid eines 
Schrifhtcllers, der rergamcncr war nnd den 
Namen KAiyslios Rikrie. I«t diene VcTwecli»litn|t 
eingcirctcn, »< bcvejst ste, dar^ man in der 
Tal l'erifRiBOa alü die gcisli|;c Iteiinat des 
Scbrifittclkrt Anlit;onO!t von Karr«lOf an»k. 



6o Kraiiki;!, OL-mUldv-SiiitiiiiluDi^en und Gemälde- Korse liung in l'ergaiiion. 



die in dur oben ausgcscliri ebenen IMinius-Stelle Jijcnanntcn Künstler sämtlich schon unter 
Att;il<»s I. oder I^umenes II. gearbeitet haben; iinmi'iylich ist es durchaus nicht, dafs 
auch Attalos 11. die Galaterkämpfc seiner Vorj^änj^er kiinstleriscli verherrlichen liefs, war 
er ducli selber unzweifelhaft auch an dem Gallicrkrieye seines Bruders hervorragend 
beleilij;! gewesen. Die Annahme, dafs die von l'linius genannten Künstler alle oder 
/.um Teil sowdIiI für Attalos I. als für Kumenes II, gearbeitet haben, wäre nicht zu- 
lässig, (kim die Känii)fe des früheren Königs gegen die Galater nahmen mit dem 
Tode des Antiochos I lierax im Jahre 228 ihr Kiule, die des späteren fanden 
l6S/irt7 statt. Für die Künstlerinschrift auf dem grofsen Weihgeschenk Attalos' I. 
\vegen seiner Kampfe gegen die Galater und Antiochos, erschien, wie auch Wi- 
lamowit/. bemerkt, nacli der Plinius-Stclle neben der Ergänzung 'AvtiJ'iÖwj £[pva 
cbensn wol * hi l^övou möglich; in Wahrheit war das Weihgeschenk von keinem 
dieser beiden Künstler gearbeitet, sondern von Epigonos'\ Der angesehenste per- 
gamenische l'orscher über Malerei kann also sehr wol erst unter König Kumenes 
nach l'erganmn gekommen sein und noch aus den Bemühungen Attaios' des Zweiten 
um die Beschaffung historischen Materials Nutzen gezogen und sie beraten haben, 
zumal Attalos schon als Prinz in dieser Richtung tätig gewesen sein kann, wie er 
damals auch schon eine Anzahl plastischer Kunstwerke veranlafst hatte"'. Vielleicht 
ist aber auch schon von den früheren Königen das Interesse für Malerei, <ias uns 
von Altalüs 11. bezeugt ist, betätigt worden. 

Dafs i'olcmon bei seiner grofsartigcn den Denkmälern der Vergangenheit 
zugewen<ieten l-'orschung die Kunstscliälze des seiner Heimat so nahen Pcrgamon 
niclit unbeachtet gelassen hat, \'ersteht sich von selbst. Vielleicht hat er sogar 
gerade zu Attalos II. [lersönliche Beziehungen gehabt; wenigstens hat es Prcller 
für sehr wahrscheinlich gehalten, dafs dieser König der Adressat des Briefes war, 
der als -y',; ' \--i}.o'i i-'.jT'jy./i angeführt wird (Fragment 70 fr.). Attalos II. ist im 
Jahre 220 gi-boren; Polemon wurde 176 delphischer Proxenos, seine Geburt wird 
man aU» nicht später wie etwa 206 ansetzen liürfen, nach Suidas lebte er unter 
l'toL'niaios Fpi|)haiies (204- -iHi). I-"rcilich kann er auch beträchtlich früher geboren 
und sein (,'onespondent ..Attalos I. gewesen sein, der 197 starb. W'ic dem auch 
sei, >tt liat unsre Inschrift die Möglichkeit eröffnet, dafs die Forscher Beschrei- 
bungen auswärtiger Gemälde auch in Pergamon verfassen oder revidircn konnten, 
und zwar nn'icliten gerade Polemon's Darlegungen zuweilen auch auf Copien be- 
ruhen, da er die Kunsl weniger vom Slanilpunktc des Ästhetikers als des Antiquars 
betrachiete, /,u einer mehr auf das Sachliche uiui den Inhalt als auf «las Malerische 
und die Kunst im eigentlichen Sinne gerichteten Behandlung von Bildern neigte-'"* . 

l'nsre Kenntnis der pcrgamenisehen Gemäldeforschung ist ganz unvoll- 
ständig, aber dafs die geistigen Schöpfungen ticr Attaliden viel dauernder und 
iLbenskrättiger waren als ihr Staat, hat sich unzweifelhaft auch an ihren Kunstsamm- 
lungen be\\;ilul. 

M. Fränkel. 



-■) ]ii»L-lirilIi.'ti tdii l'er};:iiiuiii i^h. ■"} InyelintUn vtni rLT^niiiuii 6511*. ibS. 169, -^; Kulkmani), l'ausanias S. II 5. 



TYRO 

Hiffnu Tafel ±. 

.•uiffallig, wie gcrinfjc Spuren die Sage von T>to und ihren Söhnen 
Pelias und Neleus in der bildenden Klingt zurUckgclas<;cn hat', unti foist nuch merk- 
würdiger, dafs die erhaltenen Denkmäler sämtlich der etrusltischcn Kunst angehören. 
Denn Jahn's Deutung eines rotfigiu'igen Vasenbildes auf die von Pcli.Ts verfolgte 
Sidcro (Wclckcr, A.D. III S, 138) ist nichts weniger als sicher, und so bleibt zu- 
nächst das kyzikenische Epigramm (Antliologte 111, 9) die einzige unmittelbare, 
allerdings in I'olgc der starken Verderhnifs sehr schwache Spur einer griechischen 
aus diesem Sagenkreise entlehnten Darstellung. Mittelbar besitzen wir allerdings 
durch die ctruskinehcn Nachahmungen von solchen Werken Kunde, deren nahe 
Beziehung zur attischen Tragödie Kngelmann in dieser Zeitschrift V S. 171 auf- 
gedeckt hat, indem er zugleich durch glückliche Krklnrung die spärlichen Denkmäler 
dieses Mythos um ein neues vermehrte. Es ist unter diesen Umstanden von Inter- 
esse, die T'j^o sitT.'xzißttft einmal von einem griechischen Handwerker dargestellt zu 
finden. 

Die auf Tafel 2 in zwei Ansichten abgebildete Terrakotte befindet sich in 
der Sammlung der gricehisehen archäologischen Gesellschaft (Mf.j>^i iir,Xtv«( iO^i): 
eine Beschreibung derselben hat Kocpp in den Athen. Mittheilungen X S. 173 
gegeben. Es ist eine etwa 18cm hohe Gruppe, eine auf Felsen sitzende Frau, zu 
deren l'iifscn xwct Kinder in ihrem Hcttchen liegen, ans nicht sehr feinem, rötlich* 
gelbem Thon, der an manchen Stellen abgerieben ist und hier stumpf, wie sandig, 
erscheint. Die Arbeit ist nicht fein; manche Teile, wie z. B. die freien Falten um 
die Füfse der Sitzenden, scheinen nur mit der Hand geformt. Die Figur der Frau 
ist ganz geschlossen, der Fels, auf dem sie sitzt, hinten offen. Als I'untlort wird 
Tanagra angegeben, und das Aussehn der Terrakotte stimmt zu dieser Angabe 
durchaus. 

Farben sind, aufser dem die ganze Terrakotte Überziehenden Weifs, folgende 
erhalten: reichliche Reste eines ziemlich hellen Rlau .im Btidcn, Spuren derselben 
oder einer etwas ilunklercn Farbe am Felsen, unterhalb des rechten Fufses der 
«itzenden Frau am Boden ein paar kleine braunrote I'leckcn, die zufällig sein wer- 
den. Das Btttchen der Kinder ist dunkelgclb gefärbt, die Gewänder des Kindes 
links rosa, ebenso die spitze Mütze desjenigen rechts. Am Gewand und Körper 
der Frau ist aufser Weife keine Farbe zu sehen, nur die herabfallenden Locken 
sind rotbraun gefärbt. 



*) V|[L O. Jahn, Aioh. AhfiAbe S. (47. Arch. Z«itunK 1S53 S. 116. 

SpicKvI V S. III (Kälte). 
JUrMth *r* *r«hiab>«'itcR«a ImiIIuu vi. 



E. Gerhard, Elruskuche 



Die Frau träyt auffallender Weise kein Untergewand sondern nur einen 
Mantel, welcher Rilckcn, rÄlitcn Arm und Beine verhüllt, die Brust frei läfsl; der 
Kopf ist mit einer einfachen Haube bedeckt. Eine besondere Bcüeuluni; vermag 
ich in dieser Tracht nicht zu finden. üaKcgcn scheint mir für die ICrklärung des 
Ganzen das Zusammentreten mehrerer Umstände entscheidend zu sein. OIfcnbar 
ist das Interesse der Frau völlig von den zu ihren Kilfscn dargestellten Säuglingen 
in Anspruch genommen, auf welche sie nicht nur siimend, wie Kocpp niehit, sun- 
dem iranrig hinblickt. Für die Trauer scheint mir nicht nur die Neigung des 
Kopfes und das Aufstützen des Kinnes .auf diu Hand bcKCtchnend , i^ondcm auch 
die geringe Erhebung der in das Gewand gehüllten rechten Hand. Dieselbe ruht 
nicht unthätig im Schofse, sie hebt vielmehr den einen Mantelzipfet mit einer auch 
auf Grabrelicfs manchmal anklingenden Gebärde, um ihn zum Trocknen der Thräncn 
an die Augen zu flUiren. An sich ist sicherlich das Zw i Hing spar chen Nichts, was 
so starken Kummer bei der jungen Mutter hervorrufen müfstc. Dicht in ihre Win- 
dein gewickelt, die Köpfchen mit der bekannten spitzen Kindermützc bedeckt, liegen 
sie friedlich in ihrer miildeiifönnigen Wiege, welche völlig der Athen. Mittheilungen 
X Taf 4, I abgebildeten gleicht. Es ist offenbar die axa'f i; genannte Art der Wiege, 
über welche Blilmner in Hermann's Antiquitäten IV S. 288, Daremberg und Saglio, 
Dietionnaire des antiquit^s I, 2 S. 15SS zu vergleichen sind'. Es fällt aber auf. dafs 
die Wiege in unserem Fall so ungemein flach erscheint; ihr Rand rag: kaum über 
den Roden, auf dem sie stehen müfstc, hervor, ja das Irmcre mufs tiefer liegen als 
die umgebende Oberfläche. Die Wanne steht eben nicht auf festem Boden, sondern 
sie schwimmt im Wasser. Und nur unter dieser Voraussetzung lafst sich auch die 
eigentümliche Stellung verstehen, welche <lie Frau eingenommen hat. Wer würde 
sich sonst zum Sitz einen so unbequem hohen h'elsblock eru-ählen, wie sie? Wir 
verstehen Alles, wenn wir sie uns am steilen Ufer des Flusses sitzend denken, 
dessen Wellen sie ihre Kinder anvertraut. Um) diese Aussetzung der Kinder im 
FKifs, die unter anderen Umständen eine Sinnlosigkeit oder eine unverständliche 
Grausamkeit wäre, winl begreiflich, wenn bei dem Gott des Flusses selbst ein Inter- 
esse für die Kinder vorausgesetzt werden darf. Ich wttfste nicht, aus welchem 
MyÜJos wir diese ganze Lage besser verstellen könnten, als aus dem der Tyro. 

Nicht allerdings aus der Sagenfonn, die bei Homer (Od. 11, 23$) vorliegt. 
Denn n'enn hier Poseidon der Tyro unter der Gestalt des von ihr geliebten Rufs- 
gütlcs EnipeuB naht und sich ihr daniach offenbart, so ist nicht nur durch den 
ausdrücklichen Befehl Poseidons, die Kinder zu erziehen, sondern auch durch den 
Weiteren GaJig der F'rzählung jciie Möglichkeit einer Aussetzung abgeschnitten. 
Diese kommt in der späteren, auch von Sophokles bearbeiteten. Sage vor und bietet 
die Grundlage der tragischen Verwickelung, die durch den äva-^^vmjüisiiyi; vermittelst 
der atwfti gelöst wird, in welcher einst die Kinder ausgesetzt worden waren; vgl. 



■) In Neai«! hcfiwle« »ich «owohl in der Samm- 
Ihok SMituifcIo nlt in UcTTcmkollcnsuDmlung 



nicht wenige Extmjduc^tn«« ErM, der in einer 
»olclicn Wanne scMüfl. 



Woll««, Tyro. 



Ö3 



Engclmann in dieser Zeitscltrill V S. 175, Trieber im Rheinischen Museum XIJII 
S. 5Ö9. 

Ein Punkt nur verlanj^t noch wenige Worte. Ich nahm an, dafs in der 
Terrakotte die Aussetzung der Kinder im Flusse Knipeus dargestellt sei. In unserer 
Überlieferung wird, so viel ich sehe, davon nichts gemeldet, wenn man nicht etwa 
das Scholion zur lUos lO, 334 {r.apii voÄi Tmixoh t'jO nriiaiioü p5t1>f.<'yt;) so verstehe» 
will. Dafs aber die Sage die Aussetzung im Wasser kennt, schlicfse ich aus der 
sonst unmotivtrtcn Anwendung der Watinc. Die 9x097, diente, wie schon bemerkt, 
auch im gcwühnüehcn Leben im Altertum so gut wie zuweilen noch jetzt a]a 
Wiege, aber eine Aussetzung erfolgt doch olinc besonderen Grund nicht in der 
Wiege. Eine gute Analogie ist es, dafs Romiilus und Rcmus ebenfalls in einer 
anifn au^esclzl .sein sollten (I'lutarch 3). Wenn aber die Mutter ihre Kinder dem 
Flui» Knipcu« anvertraute, »o mufs sie der Sage nach diesen auch filr den Vater 
dcrsell}en gehalten hahcn; l'oseidon hat sich also in dieser Sagenfonn erst 
später offenbart, vermutlich erst nach dem a»5c;v(uow]jiö,-. Oder sollte man schlics- 
sen (lürfen, dafs Knipeus bisweilen aucli in jüngerer Zeit noch als Vater des 
Nelcus und Pclias gegolten habe, wie er urspriJngÜch es doch sicherlich war'? 
Das vereinzelte Monument kann uns darauf keine Antwort geben, und ob es sich 
aus dieser Vereinzelung befreien und mit den von Marx, Athen. Mitlheilungcn X 
S. 81 besprochenen Denkmälern i[] engere Verbimlung bringen läfst, nmfs vor- 
läti5g dahingestellt bleiben. 

Athen, Dezember 1890. Paul Woltcra. 



DIE NEUESTEN VERSUCHE ZUR 
ANORDNUNG DES OLYMPISCHEN OSTGIEBELS' 

Die älteren Anordnnngsversuche Tür die ftstliche Giebeignippe des olympi- 
schen Zeustcmpcls hatten bei aller ihrer Verschiedenheit im Einzelnen doch wenigstens 
den einen gemeinsamen Vorzug, räumlich auslllhrbar zu sein. Neuerdings seheint 
dies anders werden zu sollen. 



*) An» AgalbnrchiJex (C. MQlIct's Geograph) nii- 

notmlS. 114) wa|{v icli d»« »ichl lu schlrafst-n. 

"^ bie kciloktton hu in diesem Hefte Ausciuandcr- 

Mtiungcn Über Rckonslruklian der ol)'ni)>i>chen 

Tem|)clKiet»«1 einen |irort«n Raum K^wülirt 

Nichdem einmal die Behandlung auch anichcr 
darauf hetilglichrr t'tagcti, die tiicUl wulil an- 
den ab «i|>eriiuenlell mil dm Orininalen und 

betten an 



Abgüsbcn einer Lüsun(; lUKefülirl wcidcii kön- 
nen, in j^dfuekter l>arle£Ui||£ Plan Kriinfren 
hat, erschien ch gercchtrenlKi , den letitbin 
MioJIcIut tbDtiK bcllieiliglen l-'orücbcrn nMli ein 
ftlal vor ET»ch«iiicii des SktiliitiircDb.inde« des 
Olyntpiawcikes auch im Jahrbuclu' die Gclefcen- 
hcil tu biete» sieh lu veiilindi^en (»lei einst- 
weilen be«tehen tileibend« Melnsnittvencbiedea- 
ptScisiren. 

6* 



Die Hauptücliulil damn trägt leider Brunns vcrhan^lfsvollcr Vorschlag 
einer Umordnung der Mittelgruppc in dem Sinne, dafs Oinomaos und Pelops ihre 
Plätze unmittelbar neben Zeus zu Gun.stcn der beiden I'Vaucn aufzugeben hätten 
und selbst an die dritten Stellen im Giebel rücken sollten — ein Vorschlag, der 
um so mehr Beachtung; fand, als er aus der Feder desjenigen Mannes stammt, von 
dem wir alle von jung auf zu lernen gewohnt sind '. 

Der Erste, der in diesem Versuch äfTciittich den rettenden Gedanken be- 
grüfstc, war Six'. Was j^crcttct werden soUtc, war die Möglichkeit, die freigear- 
beiteten Vorderpfenle von ihrem Platz neben den Kelicfgespanncn zu entfernen und 
sie allein hinter diesen hcrtrabcn zu lassen. Es sollte auf diese Weise aus den 
Flügelgruppen des Giebels eine Ansehirrscene gestaltet werden — als solche wurde 
die TTOpoöxewTj des Pausanias gedeutet — eine Anscliirntccnc freilich, der es, insbeson- 
dere auf der rechten Seite, nur an den Anscliirrenden fehlte. 

In dieser Form nun scheint Sixcns Vorschlag den Einwendungen gegenüber, 
weiche ich in dieser Zeitschrift IV, S. 304^". versucht habe, nicht mehr aufrecht 
crhahcn zu werden. Aber die damals ausgesprochene Warnung, dafe ein von sol- 
chen Voraussetzungen ausgehender Anurdnungsversuch an seiner räumUchen Unaus- 
führbarkcit scheitern müsse, scheint fruchtlos gewesen zu sein. Dies beweist die 
im vorigen Hefte dieses Jahrbuchs S. gff. veröffentlichte neue Reconstruction des 
Ostgiebcls von Sauer, welche im wesentlichen auf der Grundlage der Vorschläge 
Brunns und Stxens beruht. Da diese also Ihre Geltung in der Meinung einiger 
Fachgenossen noch behauptet zu haben scheinen, so glaubte ich mich nunmehr :£u 
einer möglichst augenfälligen Darlegung des Thatbcstandes verpflichtet, welcher 
sich aus jenen Voraussetzungen als notwendige Folge ergiebt. 

Zu diesem Zwecke ist einfach die von Sauer geforderte Aufslellung der 
Mittelgruppe mit den Abgüssen in einem Gicbcirahmcn ausgeführt worden, der, 
wie ich gleich bemerke, genau die von Dörpfcld crmillclte unil von Sauer (S. 30) 
seiner Anordnung zu Grunde gelegte Gröfsc liat*. Das Ergcbnifs habe ich mit 
Dr. Hcrrmann's freundlicher Hülfe photographisch aufnehmen und. Dank Cunzes 
Entgegenkommen, niif der nebenstehenden Autot>*pic Über einer Wiederholung der 
Saucrschen Rcconstructionszcichnuiig wiedergeben lassen können. Den Fachgenossen 
ist auf diese Weise die Nachprüfung auch der Einzelheiten ermöglicht. 

Dieses Bild ist beredter als alle Worte. Will man die Männer so aufstellen 

1 

wie Brunn und .Sauer verlangen, so decken sie die Krauen fast vollständig zu, 
bohren ihnen ihre RUckendUbel in den Leib und wUrden überdies in Wirklichkeit 
aus dem Giebel hcrausstiirzcn , der unniöglich genügende Tiefe dargeboten haben 
kann, um beide Gestalten vor einander aufzunehmen. Man sieht, dafs sich die 



') Sitiunc^berichie d« baycT. Akad. der Wissen- 

RChaflen von 188S, philo». • philoloc. Cl. II, 2 
S. (83 ff. 

^ JnuniKl of Hellniic sludies X, S. 98 IT., veigL 



Tar. 6. 
'i Die vnAttt Linie, vclchu ol>cTball> <lcr WosBtr- 
nai« aii> ncbrSfcn Git-liclKci^nn cnll.iDj; liuft, 
b«(cichnei die Innere liclit« llohv dn- C>trb«l*. 



66 



Treu, Die nennlen Versuche cur Anoidnung de» oljrmpi^chrn <Migiet>c1<. 



/ 



IL-V" 



hy 



ilmen Hie in Snucrs Kcconstructiunszeiclinung ^efordmle stärkere Protildrchung 

gegeben worden ist*. 

Man frä^ sich nun erstaunt, 
wie sich denn Sauer so stärk über die 
räumlichen Hrfordernisse seines Auf- 
stelkingsvorschiags täuschen konnte. 
Dies ist zum Teil in Fo!t;c der beiden 
Annahmen geschehen, die er S. 280". 
verteidigt, dafs nämlich Pelops keinen 
Helmbusch gehabt habe, und dafs die 
Verhältnisse der Beine beider Gestalten 
bisher zu lang ergänzt worden seien. 
Es lälst sich nun leicht zeigen , dafs 
beide Annahmen irrig sind, und dafs, 
auch wenn sie es nicht wären, sie 
Sauers Aufstellung dennoch nicht ret- 
ten wUrdcn*. 

Dafjf Pelops in der Thal einen 
Helmbusch gehabt, zeigen <lie beiden 
Abbildungen aufS.67 ohne Weiteres. 
Seine Ansatzspuren sind bowoI auf dem 






w 



3. Obcransicbl de« Pclnp% mit Andmiung der 



-< 



/% 



4. ObrranMcill de* Oinomaoc mit Andeutung 
<Ic[ Rklituiij! des Rückcndübcls. 



4«. Ecke der Oinomacnpliiilhe mil dc> L>erK 

Air eine hfthcnffiTniigc Klairmcr uir Befeiiigiing 

IUI <jichclb<iilcn. 



Die uniptUnKlicbc WerMlun^ eicicbi «leb allei- 
dingN wie auch ich (.'Inubi-, ttUk der Richtung 
der RUcItcntIQbcl, welche anoHbctntl ici:btwinWlig 
in die Gicbelwand geführt sein wcidun. Kar 
l«l (lle«c Richtung eben keine tn «cbritgc wie 
Sauer in seiner (tiebt-Ukiiie annahm. En erliclll 
dies au« ilen hiciUbcffiebenden Obcransichtcn der 
(raglicben Slaiiicri (AMi. 3 und 4), in weicht: die 
Linien der UUbtIlOchet gviuiu vingciragcn sind. 
Die WinkclmcMungcn von Wolter« geben hier 
nnnilhernd lU* richngc. Dann abci d^rf man 
die Drcivierieldrchong des Üinomaos auch nkbt 
0)cht durch die Abscbrlfnini; der l'linthcnechen 
erweitvn wolle». Denn wober witsen wir, dafft 
die äiandpUltc jener ätatnc ursprllagticb recbl- 
edügc Gciilali gehabt bAbc — ctnc l'Unthca- 



(onii, die »ontl in bcidcu Giebeln nirgends ver- 
hammt .' 
*) Auch durch eine VL-r»enkung der l'ünlhen In 
den Giebclbodcn lübi lick nicht etva Platz 
gewinnen. Denn eine wiche )«t autgeschlDMcn: 
cnilcii» dadurch, doft cicb auf den erbatiencn 
Teilen de« Gicbelbodcns keinerlei riinihenicetcn 
vorgefunden haben; iwcitcn« durch Atn l'miUnil, 
dafs die flinthcnrftnder mehrfach aU Gewand- 
(alten gebildet »Ind, also offenbar bciUmnit 
waren gc* eben lu werden: endheb «pricht Keifen 
eine Versenkung die Hateaform der Ktammcm, 
mit welchen die Plißihcn im Cicbclbndcn «er. 
ankert waren. Vvrgl. die An«ichi einer Klani' 
mcrlecre •▼on der oinomaospünlhe in der ol»n- 
»tehrndcn Abbilduttg 4a. 



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6. CHicr.inilcbt vom tlclmkopr <lei Pclopi. 






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\%- 



r-rK 



$. Kllckscile dn I'clop<< mil dnn An««u tic» 
Helmbusches. 



Hclmkamm (Abb.£}, wie ani rechten 
Schulterbialt (Abb. g} deutlich erhal- 
ten. Wie Sauer S. 29 diesem klaren 
Thatbestande i^egeiiüber das Gegen- 
teil behaupten konnte ist mir unver* 
siändlich'. Auch die Maafse der ab- 
gebrochenen Uüschc lassen sich aus 
der crhaUenen Helmzier der Athena 
in der Augeiasmetope ermitteln. Von 
der Gesammthöhe der Atlicna, welche 
nind [,50m beträft, kommen auf den 
Helmbusch 7,5 cm. Dcmgemäfs sind 
die ^'^'jt an den (einschliefsitch der MelmbUsche) rund 3 m lan-^en Gestalten des 
Pelops und Oinomaos in einer Höhe von 15 cm ergänzt worden. 

Ebensowenig kann ich zugeben, dafs in der Ergänzung der Heine beider 
Männer irgend erhebliche Tchler begangen worden seien. Für den Oinomaos ist 
dies schon dadurch nahezu ausgeschlnssen, dafe wir sowol die Plinthe wie zahlreiche 
Bruchstücke der Beine besitzen, so dafs hier überhaupt nicht mehr allzuviel zu 
ergänzen war, und dafe für dieses wenige sichere Anhaltspunkte vorlagen (vergL 
unsere Autotypie, in welcher die ct^anzten Teile an ilucr dunkleren Färbung kennt- 
lich sind). Auch vom Pelops besitzen wir deti rechten Obersehenkel und das linke 
Unterbein. Und was diese Bruchstücke an den Maafsvcrhältnisscn der Beine unbe- 
stimmt Itcfsen, konnte durch vei^leichende Messungen an den übrigen Giebelfiguren 
mit annähernder Sicherheit ermittelt werden. Ich habe mich früher vorzugsweise 
auf den ApoÜon des Westgiebels und daneben auf den Kladeos und die knicenden 
Lapithen berufen. Sauer hat hicgcgcn S. 28 eingewandt, dafs diese Geslaltcii niclit 
in Betracht kämen, weil »für alle diese Figuren überschlanke Proportionen sieh fast 
mit Notwendigkeit aus den zu füllenden Räumen ergaben«. Nun wol, so möge man 

*) Di« beiden Bohrlnchcr über dci llclmsiirn {a gcticcki dnchic, fchtintn mit nach Sicllung und 

lUtd i auf Abb. 6}, in wckbc sieb Satici Kcdcro Giafse cbvt mit älilckiingen aiii Hclmbukch lu- 

tBinincii sa hnoscn. 



die Maafsc an den Metopcngcslaltcn prüfen, bei denen jene Rücksicht doch gcwifs 
furtfici. I Her bieten sich wc^en ihres ruhigen Standes besonders der Atlas und der 
S(ymphnlidcn-Hcraklc3 dar, an denen sich die Gesammthöhe trotz der teilweis fehlen- 
den Unterbclne aus der GrÖfse des Metcipciifeldes nach Abzu]^ der ebenfalls 
bekannten Dicke der Fufslciste crgicbt. Auch hier ist das Gesanimicrgcbnifs wieder- 
hollcr Mcs5uni^en, um cü kurz auszuspreclicn. dies, dafs ilie Mitte der Gesainintlange 
bei den oIjTiipischcn Zcustempclskulpturen nicht am oberen Rande des Gcschlcchls- 
gliedcs lieift, sondern noch ein wenig unter seinem unteren Ansalzrondc'. Hienach 
ist die Beinlänge und somit die Gesammthöhe de» l'clops bemessen worden. Dafs 
der Helm und ilie Hauptiieimmg der Statue, welche wir in unseren Maaffibereclt- 
nungen gegen einander ausgeglichen haben, die Messung nicht bis auf den Cent!« 
mctcr durchführen lassen, ist vollkommen zuzugeben. Aber auf ein paar Centimetcr 
kommt es ja für die Au fatcUungs frage auch nicht an, Und selbst Sauer hat doch mit alt 
seinem Bemühen für den Felops nur 5, für ilcn Oinomaos 6em herunterzuhandeln 
versucht. Ich meinerseits halte eine so starke Verkürzung filr ausgeschlossen. Aber 
gesetzt auch, sie wäre ausführbar, wa.s wäre damit ge^voimen? Nach Saiiers eigener 
Berechnung (S. 30) doch nur soviel, dafs l'clops 20, Oinomaos 24 cm weiter von der 
Mitte weg geritckt wcnien könnten. Auch dann wUrdcn sich die Krauen noch immer 
mehr als zur Hälfte hinter ihnen verstecken. Ja, um ganz sicher zu gehen, habe ich 
meine Versuche an den Abgüssen noch weiter au.«gedehiit. Ich habe beitlen Helden 
die Mclmbüsche abschneiden lassen, also beide nicht um c. 5 wie Sauer will, sondern 
sogar um ganze fünfzehn cm kürzen lassen — auch dann noch decken Oinomaos 
und Felops die hinter ihnen stehenden Frauen zu einem Drittel bez. zur HäKte mit 
Arm und SchihI zu. Das Krgebnifs dieser letzteren weiteren Schiebung ist ebenfalls 
photo graphisch festgehalten worden. Abzüge btehen meinen Herren Mitarbeitern 
am 0.stgiefacl auf Verlangen gerne zu Diensten. 

Ich brauche kaum darauf Iiinzuwciscn, dafs an diesem negativen Haupt- 
ergebnifs des Aufstellungsversuches auch dadurch nichts geändert würde, wenn man 
sich entschlösse, wie dies Wolters bei Sauer S. 27 offen läfst, die Männer ihre 
Plätze wechseln zu lassen, so dals sich Zeus von dem Sieger Pelops ab und dem 
unterliegenden Oinomaos zuwendete. Denn abgesehen davon, dafs dies dem Sinne 
der Handlung zuwiderliefe, würden auch nach der Vcrtausehung rlie Frauen von 
den vor ihnen stehenden Männern genau in dem gleichen Mafse gedeckt, wie dies 
in Sauers Aufstellung der Kall tsL bs ist dies übrigens In der Dresdener Al^ufs- 
sammluug ebenfalls thatsächlich versucht worden und kann auf Wunsch durch Vor- 
weisung der Fhotograpliie erhärtet werden. 



') InlcrniMUit l.«i, rinff die uinfa*<iirn<Icn Mc»Funci'n 
l.ihariib* den Schadow'ichcn I'roportiontB^-UTcn 
Bnccnnbcc auf ähnliche EiEcbni»»«, «1. h^ auf 
eine rvlaiiv brdcutenderc Lange der nntcrcn 
Gltcdiuol'iien gcfUhfl babcn (Libariik, Dtu Gc- 



Mli dc< Wactifiihumit unti der Bau d« Men- 
schen, rraporliont lebte aller tnencch liehen Krir- 
periheilc (Or jede» Altci und Tui beide Ge> 
■chlcchtcr. Wien l86a). Auch froricp in «einer 
Anatomie für Künillct (Lcipiig 1890] bat Li* 



bariik in dieser BeilcbuitK lugettinunt. 



Ist also eine UnistuIIung der Mittcignippc. wie sie Brunn, Six und Sauer 
wollen, räumlich unausAlhrbar — wa« följ;! daraus? Zweierlei: erstens, dafs also 
auch diese Versuche, aus der Millelj^ruppc ein Opfer zu t;cstalten, Ecscheitcrt sind 
und dafs Brunns Altar auch von Seilen der dargestellten Handlung her seine Stütze 
verliert; und zweitens, dafs auch die von Wolters voi^cschlagenc und von Sauer 
angenommene Vorschiebunf^ der Reliefpfcrde räumlich unausführbar wird. Damit 
aber fallt die letzte MO^licIiLeit, aus den I'^lü^^elj^ruppen des Giebels die i;ef«jrderlc 
vVnschirrscenc zu machen. 

'/Zunächst der Altar. Schon «um drillen Male hat er jetzt seinen Platz ye- 
xvcchsctl. Brunn halte ihn dem Zeus yeratle vor die l-üfse gestellt; Six schob ihn 
nach links vom Gölte, um hier eine I.Ückc in seiner Aufstellung auszufüllen; Sauer 
stellt ihn wiederum rechls vor seiner Sleropc auf, und füllt die klaffende Lücke 
zwischen Zeus und Hij^podanicia durch ein Henkcltöpfcheti seiner Krfindunn. 

Dafs der Altar in der Mitle, wo er doch wenigstens künjillerifch niöj-lich 
wäre, nicht gestanden haben köime, glaube ich durch den Nachweis der gerade in 
dieser Gegend anjjeslückten Fallen vom unteren Teile des Zeusmantels dargelhan 
zu haben. Sauer, der diesen Nachweis S. 3if ausdrücklich unterstützt, meint truiz- 
dem "dafs die sorgfältige Arbeit der erhaltenen Stücke des Gewandfourniers durch- 
aus nicht die Möglichkeit ausschlicfsc, dafs man nachträglich nicht einen die Statue 
nicht berührenden Körper vor derselben aufgestellt halte <>. Ich glaube die Meisten 
werden hierin anderer Meinung sein. Denn es wäre doch noch ein gutes Stück 
selLsamcr, wenn m^in, ütalt einfach den Kern der Statue stehen zu lassen, an der 
betreffenden Stelle umfangreiche und mühsame Faltenstückungen und Verblendungen 
an demselben vorgenommen haben sollte, um diese ganze Arbeil dann wieder mit 
jenem Altar zuzudecken, als dafs man wie z.B. bei den RcUefgcspanncn die leilwcis 
unsichtbaren Kumpftcile der Rosse ausarbeitete, was mit verhältnirsmär&ig geringerer 
Muhe geschehen konnte. 

Noch weniger als in der Mitte vor Zeus kann der Allar aber, wie Six und 
Sauer dies wollen, sich rechts oder links neben dem Gott befunden haben. Denn 
hier stehen jetzt nicht mehr Hippodameia und Sterope, sondern J'elops und Oino- 
maos imd zwar vom Zeus abgewandt. Welchen erdenklichen Sinn konnte es da 
haben, den Helden einen Altar neben die Beine zu stellen, dem sie den Kücken 
drehen '? 



*) Ans dem am Boilcn «ich nurKlnuchcmlcn Ktillim- 
lipfcl mit einer Abaibcilan^; nn riet V{>rr!erfl.1cbc, 
welcbcn Sauer .S. jz at<t{ebildet hat, Tnigi des- 
wegen nichta (Üt ciacn hier eiebcndca Allar, 
Weil jcnci Zipkl UtM;tliaU|il gar nicht tum /cu», 
UMiriern vcnmitlich tum Apollon des \Ve«lgicbelf 
gtbttrt. Den crscfaäprcndcn Beweis Air diese 
Behauptung konnte ich be|;Tcif)icbcrm-ise nur 
Mgestcbls unteres 0<rpvub|[u»H'S fUliren, an 
wdcbcm CT durch die Verwendung da Bruch- 
StBCk» cur ErgÜiuuDg de« hinten in bivilcn 



MatKcn auf den Hoden herabfallenden Apollo- 
tnantcis gclicrcrt vrird. Aber auch der Locr, 
welcher keine Abgtltsc lur Hnnd hxl, wird «ich 
sagen, dafs der von der linken Hand dn Zeus 
heiabbängenilv Gcwandiipfcl mit seinem Kndc 
doch nicht auf der t^rilc ge»cMcifl haben kbnne. 
Cbrigens beaiizcn wir vcmintlicli auch ilns betref- 
fende Zipfclende des Hcusaiantcl*, welches jedoch, 
wie inan erwarten konnte, frciblngend gcbildrl i*l. 
Gehört aber jenes andere Fallencndc, welches 
SiiucT dem Ücu« luschrieb, vielcnchf dein Apol- 



70 



Ttco. Die iKtmien Vertnctie wr Anoidnung d» olympischen tlH£icbch. 



Aber was soll der Altar hier überhaupt noch, wenn sich doch nun zur Gc- 
iiüfjc hcratisijcsiclll hal, dafs aus der Mittdgruppc auch mit den stärksten Gewalt- 
mitlclti eine Opfcrhandhinj; nun einmal nicht herzuslu-llen ist? Denn wie kann eine 
solche möglich bleiben, wenn sich drei der angeblich ani Opfer beteiligten von dem 
in der Mitte stehenden Gotlc abwenden und die vierte durch ihre bekümmert 
sinnende Geberde deutlich 2U erkennen giebt, dafs ihre Gedanken ganz wo anders 
weilen als beim Opferl 

Ich wende mich nunmehr zu dem Nachweis, dafs auch die von Wolters 
S. lo vorgeschlagene Vorschiebung der Rcliefpferde räumlich undurchführbar 
wirfl. wenn es <loch nun einmal unmöglich ist, die Mittelgruppe des Ostgiebels im 
Sinne llrunns umzuordnen. 

Auch diesen Nachweis kann ieb einfach durch eine photographische Auf- 
nahme unserer Aufstellung im Alhertinum erbringen. Auf dieser ist deutlich 



7. Miltcl){mppc 11*« ' ■•ij^ctici' nacp i ttti. Aul« teil onj;. 

ersichtlich, wie die vier Pferde nebeneinander nunmehr fest in dem allein noch ver- 
fugbaren Räume eingekeilt sind. Rechts, wo ich Hrust und Hals des vorderen Frei- 
pfenles habe ergänzen lassen, reicht dieses mit seinem Scheitel bis dicht unter die 
Gicbclscfaräge. Ea kann mithin nicht weiter in die Ecke zurückgeschoben werden. 
Kbensowenig lassen sich die in Relief gebildeten Hinlerpferde weiter vorxichcn. 



lau, fo »uunan Um AbarMtmis aa täaa Vof- 
itciuHli- OAtaHich von dti httt A«fofM»4cfi 
ritnlhc Je» Tben«9 «ikI okAi »am Z««Mltjr. 

Om I>raunc dct AbtjnuoBc aai racktcs Ar- 
nrl tkt SlcKtipr, «d^kc Smtt & 15 flir die 



duTvh dm obm gcflihrtcD Nacbvcis der rtam* 
ticben UDmöglicbkcit «inci «alchcB Aabttlhuic- 
l>ic tauli«ic ZoncbtuDi; dvi !;^iUi)itC»flkcItc (// 
bei Suicr) mit ihrem BachUfraad staomt cbm- 
M)|[nl wie dl« ahfapiUlKti Ftt«bcn w Jet L'm- 
Krbvat; ciofich voa eiset KklumtOcInrac bct. 



geschweige denn beiderseits um ganze Socn» gegen die Mitte zu verrücken, wie die 
auf dem Rücken der Rcliefpfcrde erhaltenen DUbelspurcn es erfordern würden. 
Denn schon gcgcnwartii; rühren ihre Nase beiderseits fast an den Ellenbogen der 
Frauen. 

Man ist jetzt also in der That schon durch räumliche Rücksichten gezwungen, 
die Rosse in einer Reihe neben einander stehen zu lassen und auch in der Deu- 
tung der dargestellten Handlung fiir ein in allem wesentlichen fertig angeschirrtes 
Gespann 8u behandeln. Diese Annolimc wird durch das Vorhandensein von 
Brustriemen auch bei den vorderen Handpferden gesichert, deren Nachweis Sauer 
in dankenswerter Weise bestätigt und vervollständigt hat. Ich kann daher seine 
weiteren Ausführungen über die Anschirrung der Gespanne auf sich beruJien lassen. 

Nicht schweigen aber kann ich zu Sauers Deutungen der beitcnfiguren 
unseres Giebels, weil dabei Thatsachcn in Frage kommen, welche filr die Her- 
stellung der olympischen Gruppen von entscheidender Wichtigkeit sind. 

Das vcrwickeltste Stück seiner Auslcgcrkunst ist wol der sinnende Greis als 
Signalhornist und der kleine Kriminalroman, den Sauer zwischen dem Greis und 
dem knieenden Mädchen spielen läfst. Ich will ihn hier nicht wiedererzählen; denn 
leider wird er durch die brutale Thalsache erbarmungslos zerstört, dafs der linke 
erhobene Arm des Greises Bruch auf Bruch anpafst {vcrgl. Abb. 8)'. 



M 



■VvV 



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l-M 



%. Der i^iUcndc Unis nil drm ncuangcfilgtm linken Arm. 



*) Ich bottc hierüber bcfvils io rioem Voittag« 
für die voii^hriee JuluiiiunE: der ArchUoIogi- 
Mhcn ClnrllKhall bcrichlcl, dc&H-n InhalliaiijtAtic 
im Archdotogntbcn An/iigcr Air 1S90 S. 107 
Sauer ä. 9 iclbfit tmUr den von ihm bcnuUUn 



V«r0lfcntlichungrn nufTDbrl. Der hnlbmondfM- 
migc Ansau am linken Obcnni] des Grc»«, 
wclcbcn Sauet für den Rcsl vom tiichalllrichler 
einen Signalhoias hielc, rührt cinäich vom «nf- 
«4ru jfcboccnun Uatciatm bei. 



ty RKhiK Hand 



Durch die Atifuj-un^; des Armes 
ist nunmehr auch die linke Hand dem 
Greis ijcsichcrl, welche für einen hiiidurch- 
/tistcclceiidcu Stab durchbohrt ist. Xwar 
fehlt uns lücr noch ein kleines Zwischen- 
stück des Unterarms; aber Bewegung, 
Wendung und Gröfse sind durch das 
^ vorhandene diKh so klar yejjebcn, dafs ein 
Intum in der Zuleitung nunmehr glUckH- 
cherwcise ausgeschlossen ist. Zum augen- 
nillil4cn Beweise hieRir mache ich durch 
die nebenstehenden Abbihhintfcn (9 und 10) 
auf eine übereinstimmende Kii;cntÜmlichkeit 



to. I.inkr llinil 



_/ 



At* »tNM..irt. Grri^e*. ^ j^.^ Bildunu beider Hände des Greises ''" »"«•"'« Hrei*». 
aufmerksam, welche in dieser Weise bei keiner cin3tii;cn tler übri|>en Gicbelfignrcn 
wiederkehrt. Es ist tlics das fünfgÜcdrige Schema der Knöchclfaltcn, welches 
an beiden Händen für alle Finger streng durchgeführt wird und offenbar die 
welkere Maul de? Greise» andeuten soll, t^rigcns ist auf Abbildung 10 bei d ^ 
auch der Mamiorprupf sichtbar, durch weichen die ilurchgehende I'ehlbuhrung [c) 
von unten her nachträglich \t'tcdcr verschlossen wurde. 

l>rr Nachweis der Zugehörigkeit dieser Hand zum Greis, ni der übrigens 
selbst cntt eine d;mken5werle j\nregung Kckulc's und Sauers den Anslofs gegeben 
hat, stÜRt nun leider wicdenim eine der Säulen der Sauer'schen Anordnung um 

(vcrgl S. 34). Seine Aufstcllui^ 

des sitzenden Mannes (meines 

MjTtilos) hinter dem Wagen des 

Pclops ist an diesem Platz, wie 

ich meine, nur dann halbwegs 

verslänfUich. wenn er sich mit 

de« Linken auf einen Stab siutxcn 

kann. Nun ist die Stabhand da- 
hin, und das linke Handgelenk, 

wcicfacs Posscnti als das ycncs. 

«Ittenden Mannes m. H. mit 

guten Gründen nachgewiesen hat, 

macht ein solches .\ufiAiltsen 

unmöglich! (s. die .^bbitdong 1 1 

u. 12 und die Zeichnung des 

bctreifenden Handgelenks bei 

Sauer S. 2S rechts) ". Wts soll 

rdflf» 1— lii e». Akecjcd» ii s. ta cec«>tbn kicki 4i««« Bhc we H«» 



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44tH9raA 



dann aber die Rewcj^mg der Arme hinter dem Wa{:{cn des Pelops? Was thut 
hier die Linke? Und was die Rechter Denn dafe sie nicht zum Gebet erhoben 
war, wie Sauer will, beweist die Zusammendrückung des rechten Brust niuskels. 
Mir scheint auch hier meine Aufstellung der Statue unter den Köpfen des Oinomaos« 
gcspanncs die annehmbarste I^sung des Rätsels zu bieten, weil sie es gestaltet, beide 
Arme in gemeinsamer Handlung mit den Zügeln des Vorderpferdes zu beschäftigen. 
Sauer hat demgegenüber darauf hingewiesen, dafs man ungcstützt so nicht sitzen könne 
ohne umzufallen. Dies ist, Tür ein längeres Ausharren in dieser Stellung wenigstens, 
gewifs richtig. Aber einmal besitxt bei mir ja doch Myrtilas einigen Anhalt an dem 
Zügel des Rosscs und dann darf man doch wol auch darauf hinweisen, dafs volle 
Naturwalirheit und Folgerichtigkeit d«;r Bewegungen in den Giebeln that^^achlich nicht 
überall erreicht ist. Man vergleiche hiefiir z. B. die doppelt bekleidete Nachbarin 
{O") des Theseus im Westgicbcl, welche dem Kentauren in den Bart greift. Wer 
vermöchte deren Kurperverdrehung wol in Wirklichkeit auszuführen? Übrigens ist 
dies ein Punkt, der für die Begründung meiner Aufstellung ohne Belang ist. Myr- 
tilos mag sich immerhin mit der Linken auf das Kentron stützen und l'osscnti 
Unrecht haben: er würde dennoch fUr kefnen Platz besser passen als fiir diesen. 
Denn nur hier findet auch die Bewegung des rechten Armes, findet die gewaltsame 
Stellung und Drehung der Figur, finden Grundrifsbildung und der Grad der Aus- 
arbeitung ihre genügende Erklärung. 

Was zunächst die Art der Ausarbeitung anbetriflfl, so sind die stehen ge- 
bliebenen Rohspitzungen am Kojif und an dem vom linken Arm herabfallenden 
Ge^vandc aus Abbildung J I ersichtlich. Hieraus sowol wie aus der ungünstigen 
Gesammtansicht der Gestalt von dieser Seite her folgere ich, dafs sie Überhaupt 
nicht in der linken Iläiße des Giebels gestanden haben könne, sondern nach rechts 
vom Beschauer gehöre". Hier spricht sich ihre Bewegung nicht nur schiiner und 
deutlicher aus, sondern auch die Ausarbeitung des Kopfes und der übrigen Körper* 
teile, so weit sie erhalten sind, ist eine vollständige (vergl. Abb. iz). 

Au.« der letzteren Seitenansicht crgicbt sich auch, dafs der Vorwnirf .Sauers 
(5.31) ungerechtfertigt ist, ich hätte dem rechten gekrümmten Beine nur deswegen 
diese steile Stellung gegeben, damit es nicht mit der dnncbenstehcnden Stcropc 
zusammen stofse. Denn hier ist deutlich ersichüicli, wie tief sich die Falten zwi- 
schen den Schenkeln herabsenken. Dies k^inntc aber nicht der Fall sein, wenn das 
Bein mehr gestreckt gewesen wäre. Der l'ufs war also sicher eng angezogen. 



ilaf» man sich mil einer Bewegung, wie %ie i\v 
BTticIifiUck vifoTderi, nicht auf einen Speci 
BtOuen tinnn, vn-nn tnnn drn KII«>nl>ogcn nicht 
in Tiitlig ^emuni^inict und Unnatllilichcr Hcwi> 
gtinj; in Oiv Motic iler llutid bcIIisI «rlivben will. 
Die Fniten am Knöchel gclcnk weisen nümlich 
mf ciiK gcwa)l«i»nc Drehung <lcr Hand nnch 
soffen hin. wahrend sieh beim AuftiUtzcn auf 
einen S))ecr tlci Ellenbogen unwillLUrlicti sciikl. 



die Han<t a\»o nach innen gebogen «ein mllfkte, 
etwa <>D wi« die» beim titienden Greb dei Fnll 
in (vergl. Alib. S u. lO). 
") Auf dieielbc Weine, nHmlieh durch die Auf- 
Flcllung jur Rechten ilc» Bewltnuerv, cilcdi^en 
sieh nnch die Kohcpiuungen unicfhalh de« er* 
hobcnen OinomaoMrmet, welcbir Smei durch 
eine «inrkcrc Pcofildrchung veistecken wglltc 
(%. Anm. 4). 



Diese Stellung in ihrer Gezwungenheit ist aber ein Beweis von knapper 
Raumnot in «Icr ursptiinglichcn Umscbunn <]cr Figur. Auch hieraus schliefse ich 
auf eine Aufstellung an dem eng begrenzten Platz zwischen der Steropc und den 
Pferdebeinen, in welchen unsere Statue sich mit ihrem von den übrigen Giebcl- 
figuren vüllig abweichend gestalteten Grundrifs so gut htneinzußlgcn scheint. 

Doch ich breche hier ab. um nicht in Wiederholungen zu verfallen, tlic ich 
nicht vermeiden könnte, wenn ich Sauers Aufstellung weiter kritisircn wollte". Es 
ist dies wol auch kaum von Noten. Denn abgesehen davon, dafs es nun im Giebel 
Liberh.iupt nichts mehr anzuschirren giebt, ist es doch ohnehin klar genug, dafs es 
Sauer nicht gelungen ist, unter den Giebelfijjurcn das nötige Personal zum An- 
spannen der Rosse aufzutreiben. Mufs sich doch auch hier wieder eine so nach- 
denkliche Gestalt u'ic der trübe Greis dazu bequemen, die J^ügcL zu tultcn und 
den Myrtilos zu machen. 

Auch Sauers Zuteilung von Bruchstücken will ich hier nicht im Kinzelnen 
folgen. Zwei von ihnen (die Zuteilung einer Hand an Kladcoa S. 21 und einer 
Ferse an Pclops S. 29] vermag ich augenblicklich noch nicht zu prüfen. Seine 
Übrigen Bcstimntungcn von Bruchstücken aber scheinen mir sämmtHch falsch oder 
doch unerweislich. So werden z, li. S. 18 Stücke von Kcntaurcnschweifcn, an denen 
sich zum Teil noch die Schwanzwirbel erhalten haben , ßlr — Wagenachsen und 
Deichseln erklärt, obgleich diese dann von ganz ungeheuerlicher Dicke {1 2 cm im Dm. !) 
gewesen sein nitlfsien; fast so dick wie der kolossale Radpflock des Oinomaos, 
von dem die Bruchstelle auf dem linken Knie des Mädchens herriihren soll (Sauer 
S. 22). S. 15 wird der linke Arm des geraubten Knaben aus dem Wcsigjebel zu 
einem rechten Arm gemacht und dem knienden Knaben vom Ostgiebel zuge- 
schrieben etc.". Anderes gehört ilbcrhaupt nicht zu den GieboUkuIpiuren. ICine 
dritte Gruppe endlich erledigt sich durch die oben besprochenen Neuergänzungen 
von Greis und sitzendem Mann. 

Aber ich gebe alle diese Einzelheiten gerne preis, Über welche auch ich in 
der ersten Freude des Finden« oft genug zu vorschnell geurteih habe. Nachdruck 
aber lege ich auf den erneuten Nachweis, dafs auf der Grundlage der Brunn - Six- 
schen Vorschlage zu keiner räumlich ausfuhrbaren Aufstellung des Ostgiebels zu 
gelangen ist, und dafs daher auch Sauers und Wolters' Versuch, in den Gestalten 
der Mitte eine Opfcrhandlung, in den Flügcl^uppen eine Anschirrscene nachzu- 
weisen scheitern mufstc. 

S«ucr S. I j mitgeteilten Zeichnung'. Denn luch 
auf dlewT vrölht siel) der Bkcp« dcuiltcb nach 
innen. Und vi« sollte die <lcrl>c Rulupiiiung 
on der Ruck»eiic de* Atros lu der allsciltifcn 
Diirclifuliruiijt jener Gtebel5|jut »tinitnenl Wie 
die AnsSHe ad Ellenbogen und l'nterann nich 
«tUSren? Der Ami gebort tweifello*, und cwai 
»h linlcer, detii Keraattien Knal^n de« Wnl- 
KiebcLi. Dia hat ein hier schon tot längerer 
nftvcnuch erwicH::i. 



") Meine Einwendungen gcgm die AufMcUung des 
lintecndcn Knkhcn und de« kniceaden Manne* 
ah Ge);cn(tUt:ke und ihre Einordnune vor den 
beider<eiti){cn Gc<(pnnncn liabc ich inijtdllb. IV 
S. sSgfT. vprifctiTHulit- 

") Dafs dat sulelit erwiÜiDle BruchctUck in der 
llifti von einem linken Arm heistamint und 
daher nicht mm knicenden Knaben des OMgie- 
bvb cchOrcn kOnnc, eiheltl scibti nus dci bei 

Zeit unlcinorruncnei Ergüniu 



TrcUi Üie ncucttcn Vcrtucbc cur Anordnung dt* olyaifii&cbcn IJsl{;icbcL>. 



75 



Zum Schlufs endlich noch ein Vorschlag an die Fachgenossen. Wäre es 
denn nun niclit endlich einmal an der Zeit, das Gtcbclbaucn auf Grund von blofsen 
Berechniinjicn, Zcirbnun^cn nnd Modellen aufzut^cbcn? Bietet sich doch ein so 
viel sicherer Weg zur IViifuiig beab*iclititiler neuer Vorschläge in den Vcrsuclicn 
mit Abj;iissen der tilympi-tchen Bildwerke, die snwul in Itcriin, wie hier im Giebel- 
rahmcn aufgestellt sind. Und (ür Dresden wenigstens darf ich das bereitwilligste 
Entgegenkommen fiir dergleichen Versuche ainidrücklich zusagen. 

Dresden. Georg Treu. 



Zu vorstehendem Aufsatz, ist mir gestaltet Folj4cndes zu bemerken: 

Treu halt auf Seite 71 seine F.rjianzung des sitzenden Greises auf Grund 
einer wie er sagt »brutalen Tatsache* aufrecht, oline auf eine ihr widersprechende, 
damals freilich niur mir bekannte, dafilr aber auch mit möglichster Schärfe betonte 
andere Tatsache Rücksicht zu nehmen. Ich sehe nur folgende Müyliclikcilen: 
Entweder ist das jctil am Original unterste Stück des I. Oberarmes dieser Figur 
mit Unrecht angesetzt worden — was ich natürlich nicht prüfen konnte — , oder 
der an seinem Hruchrand erhaltene Rest findet eine einleuchtende ICrklärung durch 
die von Treu am Abgufs vorgenommene Zusammensetzung, oder dieser Rest be- 
weist die Unrichtigkeit dieser Zusammensetzung*. 

Einem meiner wichtigsten Argumente glaubt Treu statt durch einen Gegen- 
beweis durch eine von mir im voraus mit Gründen abgewiesene Annahme ent- 
gegentreten zu können. Ich erwidere; Entweder ist auf Grund unserer sonstigen 
Erfahrungen über die otj-mpischcn Tempelskidpturen der Nachweis zu fuhren, dafs 
ich die von mir mit // bezeichnete Stelle an der rechten Seite der Sieropc vi>m 
technischen Standj>unkie falsch beurteilt habe, oder es ist für den auffallenden Tat- 
bestand eine meine Folgerungen iimstofsendc Erklärung vorzubringen. 

An der Ueanhvortung der crstcren Fragen hängt die Anordnung der Flügel- 
figuren, an der der letzteren die Gestaltung der Mitte. 

Augenblicklich auf Reisen bin ich übrigens nicht in der Lage, Trcu's 
Versuche und deren Voraussetzungen nachzuprüfen. Ich mufs deshalb vorläufig 
darauf vcrzicliten, die Diskussion, besonders auch die über die zahlreichen unter- 
geordneten Fragen, fortzusetzen. 

Palermo. B, Sauer. 



■) Di* Rrdflklimi (Kinpffel hi*»M, OnU Hvtt S.iucr 
bei Abfmsung M^ini'f CutgcgnuiiKkcioc Kcnntnifs 
voa den Icttlen Zcik-n der Anmcrkun]* 9 auf 



S. 71 <)c« TiriKrlieii AiiftatH-« Itstiv, da Hk'm; 
Zeilen vom Verfasser ct»t tn ilcr Kmrcktur bin- 
EugcfUgt wurden. 



ZUM OSTCJIHBEL VON OLYMPIA 

Indem ich mich anschicke, in iliescr vicibcsprochncn Frage auch noch ein 
Wort zu sut;cn, liin icl» mir wulil bcuufst, ilafs die geneiji^en Leser das Recht haben, 
vor allem die nu>^;Uchste KOiite und dünn nur solche Vorschläge zu en*-arten, deren 
Ausführbarkeit mit allem lie^ivnwaiti^ vv>rhandenen Matcriale geprüft ist, die also 
nicht durch den eiiifaehen Nachweis der Thatsachen widertest werden können. Ich 
darf ilahcr vormihschieken. ilrtli* ich den Vonu^ gehabt habe, meine Vermutung 
unter der Meihilfc der ersten Autoritvil in diese» Kraben tu prüten: Georg Treu in 
Dresden geütattete nur mit UebeniiWÜiAli^-^tcr lkTvitMirütiy.kcit. Cmsteüungsversuche an 
den dortigen liipsen äu niaehen, uaeh welche" phoRigraphische Aufoahmen ge- 
macht wiu'dcn und unleiKlütxte ntteh mit saehkuin-tigstcr Auskunft auf aUe meine 
Fragen. Ich habe uüeh nun in Oivsvlcn r\'Ulicb bvtnuhc etwas- äu nnden. das meine 
Vennulvuiü vnuuo^lieh machte; da ich nichts derart genuiden. darf ich sie nun dem 
Urteile Änderet i\i\ F.rwäi;«»^ vork-j;en. 

l>ic von Si\ und Sauer ^entachteii Versaciie. die Handiuitg, des Anschrrrens 
der Cies^mune \tarj;\'stellt sein ^u lassen, sind durcii Treu vollständig wüierlegt 
worden. Fs ist ictit ihnchaus Residiert. duJs- die Pferde in ^leichmiilsi^en Abstanden 
neben einander stehetKl an die Wo^en angeschirrt wjr^a'. -\ifer aucii die von 
SaiK't (^S. H'^ selbst bestätigte ITtatsactie, dais- alle Pterde Jett ^agTtemsini um die 
Brust h^ilK'n. s\»wie das von Sauer ^. izf. bc!g.ebraciice Ver^teicösOTiüiirtai. benscii- 
tigt nur m cmem ineÜtKKÜsclien Sciiiusse. TiäinÜcii dais die A:iscijirrunij ^iciit tiir- 
gestetlt sein kann, dais «eluK'hr die F*crde sciion fertig angescinrrt sind. LHes 
ittuls S^iuer auch eigentlich Äugebcn. er mocäte nur einen '.ecten K.esC der Ajs*Äir- 
rungshandlung rette« und construiert dazu eine SiCuatiu-n. die ohne aile Aiaio^ie 
und von auiscrstcr Vuwahrscheinlichkeit ia«". das^ .^lue Beiptcrd. oijwoi voili^ ans^e- 
schirrt, swll doch am Leitrienien hcraitgcioge« werden. .Vn terO;^ angesciiirrtj^n 
Wagcnpterden kommt aber niemals das Leitscil vor: es wurde ^ewus bjemi Anie^^ia 

1 L'k- S*:'"ti:i>«; ['neu s. muJ, ««iiv k1» :un:ft iibv<- ■»««, ia -yo -jutci ;-n '."i-i iin;'* Üaui^ÄS Titac- 

:«ttgt laL^, jb>t;iut .iwut^iM. ti:>i XitK'dU' '>>u ■hu. ^•^ <t iG,<iukti:*T, ii!i.'vi, Hai^ Sm^c 

MOti^cn>, ins i-- 'ai**;!» ■>(, wi;itM ^u>u) j^v^vliit- Vutt;r«.l ^<s Sauiciic--, S^aviÄo. H:iiicrfc"i ai 

licit >i:iuut)KT, iit: <i cmc^^lc» K(;itt.'li>Kiiiv ■«<«;■> -«iKt «ateo uki Ln^i^'ilatc vc^Lei -niiürO:'*^ 

'Jicuic, '':i;init:iir 'chit ;tcit; MvhiLV 'tiivtii 'v-is:»ö.i- MH«: ■a.Jvii*i;n 'i--qu«ii. iccii un m«;> mut-x 

^■1 'Ji:i-.ijIs, .ij£- i<r >^üii>tict ~Ui tvUEcic» iit^v- .tii>£Ui*lnit:>i '^■.-uiict. .• A ui^'i itoc^ -uniit ^aat 

'j(Ui:*it IM, IM «iK'i »oiliij; ittvl» -^ttii vik: Ktiui- .ii]>iu>^i.i'i?ri 'iis««*!. ■?s;'ii '■ ^n'aitre'?. tii: V:t:f^. 

ijiEriit: .10 lJ4uv-i.iiniS:!U'>ii^i:>i> •*/ miii.uuiiu-) 'Ijcii ^«'^/jitiii: «. n :-«c' .-{jI:r:ii u u-jc-tcn. vw 

ic'iiiiict »it ,■■«. -teil 'IUI .'liuAii vtciiii .C«;!?. tixr v-ifiiiiK -■;i< -■n^'-Tit; S.'-^u.Ufiiis ui S.->tefi 

■ or "aiK'i ^c-*llni«ii 'Mt, K» -4 'ViKi 'in-'K iiKi Vi-^i'! ^g,Eiiii •«.' .si- iii«.ve'i H'-'^t:v'Mü:*t, 



FurtwUn(;l«r, Zum Osr^itbel von Olymiiia. 



n 



von Gcbifs und ZükcI als weiter unnötig cnlftant Nur unan- 
geschirrtc Wagenpferde werden am Leitseil herangtfülirt. 

Eine weitere Th.itsachc, die auch Sauer bestätigt, ist 
die, dafs die Zügel nach hinten gehen und hier hinter den 
Pfcnlen irgendwie gehalten werden müssen. Ks ist dies die 
notwendige Folge des bereits constaliertcn Umstands, dafs die 
l'fcrde eben fertig angeschirrt sind. Aufscr diesem unumgäng- 
lichen GczügeUwcrdcn vun hinten wäre es an und für sich auch 
möglich, freilich unnütz und ungewöhnlich, dafs die Ffcrdu 
überdies von vorne festgehalten würden. Es könnte dies aber 
nur dadurch geschehen, dafs eine l'erson in die Zügel nahe 
am Gebisse fafste; eine solche I'erson müfste notwendig auf* 
recht stehen; ein unter den Köpfen der angeschirrten Rosse 
sitzender oder kniccndcr Mcn^h kann dieselben nicht wirklich 
festliatlcn. Die Zügel liefen ja nach hinten und die lAtitseile 
waren abgenommen; aber selbst wenn letzteres nicht der Fall 
wäre, liätte ein kniecnder oder sitzender Mann mit den Leit* 
seilen in der Hand keine Gewalt über die gczügcltcn Rosse. 
Stehende Personen, welche die Pferde wirklich an den Köpfen 
hallen konnten, gicbt es nun aber unter den Figuren des Ost- 
giebels nicht und die Pferde desselben waren also in derThat. 
nur von hinten gehalten, wohin die Zügel Hilfen. Auch die 
gleichmäfsigc ruhige, der Langcnaxc der Körper folgende Hal- 
tung der Pferdeköpfe zeigt ja schon deutlich an, dafs die Tiere 
nur von hinten geziigelt und nicht von vorne gehalten werden. 

Mir erscheinen diese Er^vayungen durchaus zwingend 
und ich komme nicht über dieselben hinaus; ich kann deshalb 
keine der bisherigen Aufstellungen fiir richtig halten. Im Jahr- 
buch rV, Tnf. 8/9 sind die drei Arten zusammengestellt, wie man 
die Figuren unter der von Treu nun als richtig erwiesenen An- 
nahme, dafs die vier Pfcnle je auf einer Linie standen, ange- 
ordnet hat. Die Aufsteüung No. IIl, welche ich selbst früher 
verteidigt habe*, bevor die Thatsache bekannt war, dafs die 
Pferde mit den Zugriemcn fertig an den Wagen angeschirrt 
waren und die Zügel nach hinten liefen, kann nicht die richtige 
sein, da sie eben dieser Thatsache widerspricht; sie nimmt an, 
dafs die Pferde noch gar nicht angeschirrt sind — was jet2t 
nachgewiesen ist — , und dafs sie deshalb von vorne an den 
Zügeln gehalten werden — die doch nach hinten liefen — 
und znar von Personen, die sich dazu seltsamer Weise auf die 
Kniee niedergelassen haben. Diese Personen bilden überdies 

>) Piffufs. Jahibflclirt i88a, S. 37a ff. 
i»%Thi^ 4M irr1iiA4a«1*i-hca inMitou VI. 7 



keine passenden Gegenstücke, indem sie nach der gleichen Seite hin hcwcKt und indem 
sie von ungleicher Mühe sind; diese ihre Höhendiffcrcni ist aber gerade eine solche 
wie sie durch ihre AufsteÜung hinter einander unter der Gict>clschräf>e ihre natür- 
h'chstc Erklärung fände, weshalb es von vorne herein das wahrsclicin liebste ist dafs 
jene Figuren in die linke Gicheleckc gcltörcn. 

Die Aufstellung No. I kann ich nicht billigen, weil hier zwar das Gespann 
der linken Seite nur von hinten gezügelt wird, das der rechten aber von vorne 
({clialten werden soll. Gci^cnübcr der Thatsache, dafs die Stellung und Haltung d^-r 
PrcT<lc sowie die Spuren der Anschirrung und der nach hinten laufenden Zügel an 
beiden Gespannen vollkommen gleich, dieselben also genau symmetrisch gearbeitet 
sind, hahc ich eine so starke Verletzung der S>'Tnmctrie, dafs das eine Gespann von 
hinten dos andere von vorne gehalten werden soll, für unmr>^!iclt. Wir sahen ferner 
bereits, dafs eine vor den angeschirrten Pferden an der Erde sitzende Person ilber- 
haiipl nichts mit deren Zügeln zu thun haben kann; lj:ilscile aber hatten die Pferde 
nicht mehr und das Halten derselben durch den sitzenden Mann wäre, selbst wenn 
man ihre Möglichkeit zugäbe, etwas völlig Zweckloses. Kndlich ist die Haltung des 
Mannes (tlr die vorausgesetzte Handlung so ungeeignet wie nur mö^^lich. Der Ver- 
such am lebenden Modell lehrt, dafs dieser Mann, wenn er mit beiden Händen 
wollte die Zügel oder Ijiitseile halten, um nicht zu fallen, an denselben so iKftig 
reifsen müfstc, dafs die Pferde, namentlich die hinteren, unmc^lich die ruhige gerade 
Haltung ihrer Köpfe bewahren könnten die sie jetzt zeigen. Will man den sitzenden 
Mann vnr den Pferden aufstelle!), so tiarf man ihn doch nicht mit diesen sich be- 
schäftigen lassen; man mufs ihm einen Stock in die linke Hand geben, auf den er 
sich stützt, da er sich sonst Überhaupt nicht aufrecht erhalten kann. Doch auch 
nach dieser Verbesserung besteht ein schweres Bedenken gegen den Platz der 
Figur L: sie ist kein passendes Gegenstück zu K. der sie entsprechen soll, indem 
sie nicht unwesentlich hoher ist als letztere Figur. Der Westgiebel aber lehrt — 
ebenso wie die Äginctcn — dafs wir fUr die sich entsprechenden Figuren beider 
Giebclhäiftcn auch möglichst gleiche Kopfhöhcn voraussetzen müssen*, jedenfalls 
nicht ohne Not eine beträchtliche Differenz in dieser Beziehung zulassen dürfen. 
Ferner sind jene beiden Gestalten in verschiedenen Proportionen gebildet, denn der 
sitzende Mann müfstc, wenn er dieselben Verhaltnisse hätte wie der halbwüchsige 
Junge, noch wesentlich gröfscr sein als er ist; nun lehren aber wieder die Analogieen 
anderer Giebel, dafs die »ich aitsprccltemlen Kinzelhguren immer in gleichen Pro- 
portioncu gebildet wurden; tto starke AltcrscIifTercnzcn wie die jener beiden Gestalten 



') Dtc an WMtitichel VAtknnifflrn«l«i IlAhcndiflc' 
ntiim KMiicn uani Ki'ring; am ttctttclitHob- 
«tvii in iltr L'nlvrMhiutl ilcr bciilcD Frium H' 
■«d 0', Att nb«t hciBff*we|[«t wtc TrvU uUubl, 
«iNiBuf wirUt tlnr« O' wcitci von der MiCIv imt» 
FtfriK WAi, toiiJoTn lUdnicIi Itc^Hndcl Ul dar» 
/f elwiM vum (kiiteii Kchnlicti, W <ln|{r]Ccn wvll 

WuBdr. 



ftumichicitcnd dire»«ulll dt. Übrlgniit rntsprr- 
chm lieh hier nicht EinivHigtir ond [■:itiiclfigtir, 
•Ditdcni Gruppe um! Gruppe: fvoe DiflVrmi 
wird diMlurch ausgcglickfn dab der Keniimt A" 
«twa« höbvi iii alu /*. I>rt Iciclc» ticlil den 
S^liwaDi ein nicUi weil er nJllKi an dk* Hilte 
SricTinlMn Wir, Mtfrdrr« vor Sckncir Ubtr Mf 



wird man also bei Gegenstücken sicher vermieden haben. Der sitzende Mann muh 
seiner kleineren Proportion nach mehr liegen die Giebelcckc bin gehören. Endlich 
kommt noch ein technisches Detail hinzu, das gegen den Platz vor den Rossc-n 
spricht: diu linke Kopfhälflc diesem sitzenden Mannes ist vernachlässigt, ja das ttnke 
Ohr ist vollständig roh gelassen. Nach der richtigen Haltung des Kopfes, die Treu 
jetzt nachgewiesen hat (Jahrb. VI, 294), war diese schlechte Stelle, wenn der Mann 
vor den Pferden safs, von unten sehr deutlich xu crWcnncn; es gicbt aber kein Bei- 
spiel an beiden Gicbcttt, wu sich eine so aufTallendc Vernachlässigung an so sicht- 
barer Stelle fände ', und dazu an einem Kopfe der sonst vortrefflich ausgearbeitet 
tut. Der sitzende Mann kann sich also nicht an der ihm von Treu gegebenen 
Stelle befunden haben. 

Dagegen halte ich es für eines der sichersten Resultate von Trcu's For- 
schungen, dafs der hockende Knabe E wirklich links von den Pferden gesessen hat, 
Die Rcstimmthcit, mit der mau früher auf die Fundumstände der Figur baute, ist 
durch Trcu's Nachweis, wie ich nach meiner Kenntnifs der Verhältnisse des olym- 
pischen Au>^rabungsfeUlcs zugestehen mufs, zerstört worden. Andererseits sprechen 
die eigentümliche Bearbeitung der Rückseite und der dreieckige Grundrifs der Figur 
entschieden (lir jenen Platz vor den Pferden, wo sie sich so vortrefflich cinRigt wie 
die Oberansicht in No. I zeigt. Jener Grundrifs ist nicht durch die Anlage der 
Figur selbst, sondern künstlich dadurch hervorgerufen dafs ein Stück des Kückens 
mit dem ganzen rechten Glutäus (vgl. Jahrb. IV, S. 287) abgemeifeell ist. Dies kann 
nur seinen Grunii in der Aufstellung der l'igur haben, und die einzig passende Er- 
klärung bietet der Platz vor der schrägen Linie der Pfcrdcbeinc des Unken Gespannes. 
— Da Treu auch für seine Aufstellung des sitzenden Mannes l, die Grundrifsfomi 
desselben geltend gemacht hat, sei bemerkt, dafs der Fall hier ein ganz anderer 
ist: die ungefälir dreieckige Form des Grundrisses von /. ist lediglich durch die 
Anlage der Figur seihst begründet und beruht keineswcges wie dort auf einer Ab- 
arbeitung zum Zwecke der Aufstellung, täfst also auf diese auch keinen Schlufs zu; 
übrigens ist die gestreckte Grundform des L überhaupt recht verschieden von der 
des £. 

Die Aufstellung No. 11 im Jalirb. IV Tf. 8. 9 entspricht unserer Hauptforderung, 
indem sie annimmt, dafe die beiden Gespanne nur von hinten gehalten werden. 
Doch setzt sie links vor die Pferde eine Figur, deren Anordnung wir nicht billigen, weil 
die Bewegung ihrer Arme, die hier mit den Pferden nichbi zu thuii haben kann 
(vgL Treu Jahrb. IV, S. 293) ganz unverstämllich wäre; auch ist dieser Platz, wie 
wir soeben bemerkt haben, schon von dem hockenden Knaben besetzt. Dagegen 
scheint es mir ein vortrefflicher Gedanke Kekulö's, da« knieendc Mädchen rechts 
vor den Pferden zu den Füfscn der Sterope anzuordnen und als deren Dienerin zu 

*) Wenn Tmi Eich tlanuif b«iif«n vollic, dah von so int die«, ntgcgcbcn dar» es ahcrbuipi der 

£ in »diiCf AnfKltllunf^ auch ctwu vom Kanrlu KjII war, «locli tr»n» clw» andern; hier «ine 

d« nhgc iilkcitclcn üc*afw* und KUckuns, wenn durch div Aurf-lclluiiK nulwendin; gcwwlcue Ab- 

nun ffua miT die Seite tnt, sicbibar »in konnte, arbcitane, dnit die vrillkfirlichc Vernnchlässiipine 

eines »ichtbaren Teilen 

7* 



80 



FuilvrancliT, Zum i)iit);ie[i(;l vun Olynipiu. 



erklären*. Dem steht nicht nur nichts im Wege, sondern es spricht alles dafilr: vor 
.iDcm gewinnet! wir jetzt ein wirkliches, überaus passemies Ge^cnslück zu dem bereits 
eingeordneten hockenden Jungen. Der beste Beweis dafür ist, dafs nur diese 
beiden Figuren die gleiche Gröfse haben. Scheinbar ist allerdings der kniecndc 
Jüngling li ein besserem GcgensUick zu dem Mädchen, weil die Kcwcgimti ihrer 
Beine sich genauer entspricht. Aber die Grolsc dieser Figuren ist eine nicht unbe- 
trächtlicli verschiedene; der Jüngling H — der keineswegs ein unerwachsncr Knabe 
ist! — hat eine wesentlich grüfsere Hohe als das Mädchen. Wenn aber der Giebel 
Figuren enthält, die sich mit jenen beiden «u gleich grofscn Paaren vereinigen 
lassen, so werden wir, wenn nicht triftige Gründe da|>egcn sprechen, sicherlich diese 
als die richtigen ansehen und nicht jene von ungleicher Gröfse. Wie vortrcfTlich 
nun aber der huckende Jun^c zu dem knieenden Mädchen pafst, ist unmittelbar 
einleuchtend. Hier haben wir zwei Gestalten von gleichen Proportionen und unge- 
fähr gleicher Altersstufe — das Mädchen wird etwas älter sein und scheint auch 
ein wenig gröfeer — ; vor allem aber zwei Personen gleicher Rcdentnng. Mit Recht 
hat Kekut^ den Jungen wie das Mädchen ßir Diener erklärt Jener Hockende gehört 
ja einem bestimmten festen Typus an, den die griechische Kunst seit der Zeit des 
strengen Stiles speziell für wartende Sklavcnjun;^cn gern und häufig anwandte; das 
Charaktcristi.schc desselben ist namentlich das Aufstellen des einen und Unterschlagen 
des anderen Beines sowie die völlige Unthätigkeit, die nicht selten zur Darstellung 
des Schlummems gesteigert wird. Der T>'pus des knieenden Mädchens ist nicht so 
speziell ciiarakteristisch fiir die Dienerin, doch für diese ja auch nachge\viesen. 
Die Tracht des Mädchens ist dieselbe, welche im Wustgiebcl die alten Dienerinnen 
von den Herrinnen unterscheidet*. Die gesenkte Haltung der Arme, die freilieh im 
Klnzclncn nicht mehr sicher zu ergänzen sind, pafst sehr gut zu <ler Annahme, dafs 
das Mädchen bereit war, das Schuhwerk der Herrin fertig in Ordnung zu bringen. 
Ks ist ein aufscrllch wie innerlich vortreffliches Gegenstück zu dem Sklavenjungen 
der anderen Seite. 

Von diesem festen Punkte aus crgicbt sich das Übrige leicht. Die Zfigel der 
Gespanne liefen nach hinten und mufstcn hier irgendwie gehalten werden. Das 
Vorhandensein der Wagen hat Treu mit Sicherheit aus Jochnägeln, Brustricmcn und 
Dcichsellöchcm der Pferde erschlossen. Dafs dieselben aber von Marmor waren, 
ist sehr unwahrscheinlich'. Ma^mor^vagcn mufstcn beim Herabstürzen in eine Menge 
Stücke zersplittern; dafs man gerade diese ohne Ausnahme alle sorgfaltigst aus der 
Altis und der Umgebung die wir ausgegraben haben herausgeichleppl haben sollte. 



') VeI.anchfi«ticr(lingftSnidninka, Zeitfcbr.f.önerr. 
Gytnn. l8i)0, 8. 749. — Wa« den Ko])f den ht^d- 
clicn« beiriltt, 10 tiallc icb hührr (50. Beil. 
Wlnckulmannsiiiogr. 1S90, S. 119) Bedeokcn nn 
•einet Woiblictikcil und Mimil an der Zti{;cb5Tig> 
keil; ich bal>c dicxc iiuwisclicn iiufgv];et>en un<l 
hnlic HeUplclc conttatlert «n auch nn «Jeher 
wci)>licbeii Küiifen ktinvfc LikVclicn vorne mit 



der HurtoUc kinWn xuummci) TerkomoKn. 

Der den männlichen Typm immethin »ehr Hhn* 

liebe Ko^if de« Mädchess trtlgt lur EDtschaldi- 

giing dcx Panttaniat bei. 
c) Vgl. Ktudnicjika, Zeitiicbr. f. OsleTT. Gjrnin. (890, 

S.749. 
*} Ober die nngcblichcn [>ctch(e]l'iiignenle Siaet'c 

TgL Treu S. 74. 



ist fast undenkbar. Wie der Panzer de« Pelops aus McUll angesetzt war, werden 
auch <lic Wagen aus Bronze bestanden haben. — Die Lenker der Gespanne mufslcn, 
da sie auf den Wagen keinen lUatz hatten, yegen den Gebrauch hinter denselben 
auf der Erde Ifaticrnd oder sitzend gebildet werden. Der sitzende Mann L, der von 
den Aufstellungen No. U und lU sowie der neuen Sauer'schen hinter dem linken 
Gespanne an erster oder ziveiter Stelle angeordnet wird, kann überhaupt unmöglich 
Ui der linken Giebelhalftc gestanden haben; denn hier wendete er dem Beschauer 
ja gerade seine ungünstigste und ganz vernachlässigte Seite zu und kehrte fh'c gut 
gearbeitete ab; nicht nur die linke Kopfliälfle, auch die nach rechts sehende Seite 
des über den Arm fallenden Mantels ist vernachlässigt und bietet eine überaus un- 
günstige Ansicht. Dieser Umstand i.st entscheiilend dafür, dafs L in die rechte 
Gicbclhälftc mu(s. Hinter &.is Gespann der linken Seite kann als Lenker nur der 
knieende Mann C und hinter diesem der knieende Jüngling ß angeordnet werden. 
Die Armhaltiing beider eignet sich vortrefflich dazu, um sie die Züge! fassen 
und anziehen zu lassen (vgl. Treu, Jahrb. IV, S. 290.299]; diese Handlung, das 
Ordnen und Halten der Zügel, war offenbar auf die beiden so gleichartig bewegten 
Gestalten verteilt. 

Das Resultat, <las sich nun für die rechte Giebelhälfkc ergiebt, ist zunächst 
ein überraschendes, bei genauerer Prüfung, wie ich glaube, aber sehr einleuchtendes: 
der sitzende Mann L safs hinter dem sog. Greis- Gleich die erste Hauptsache 
stimmt vortrefflich: L hat genau die gleiche Hohe wie ß, sein Gegenstück. Alle 
anderen Aufstellungen dagegen geben L ein Pendant von wesentlich verschiedener 
Höhe. — Es stimmen ferner die technischen Hinweise: erst an diesem Platze wird 
die VernachliLwigung der Hniccn Kopfseite und des Mantels erklärt, da diese Teile 
der Giebelecke zugewandt und kaum sichtbar waren. Und die von Treu beobach- 
tete cigcntümiichc Abarbeitung der Unterseite, die davon herrührt, dafs die Figur 
fUr ihren Standort im Giebe! ein wenig zu grofs geraten war und unten etwas ver- 
kürzt werden mufste, erklärt sich doch offenbar nur wenn sie unmittelbar unter der 
Giebelschräge safs', also, üa sie in der linken Giebelhälfie nicht gewesen sein kann, 
aus dem ihr von uns angewiesenen Platze. Endlich ist auch das starke Anziehen 
des rechten Beines, das Treu mit Recht aus den erhaltenen FaltcnzUgcn folgert, 
eben hier in dem beschränkten Räume besonders erklärlich. 

Bei der früheren falschen Ergänzung der Figur %var es freihch unmöglich, sie 
an diesen IMatz zu stellen. Jetzt wissen wir durch Treu, Jahrb. IV, S. 294, dafs ihr 
Kopf keineswegs so sehr nach <ler Seite und in die Hühe blickte und der linke 
Oberarm lange nicht so hoch erhoben war als man früher angenommen hatte'. 
Von den Vorderarmen ist leider nichts erhalten; die linke Hand, die ihm Sauer 
zuteilt, gehört vielmehr nach Trcu's überzeugendem Nachweis dem sitzenden Greis. 
Ein linkes Handgelenk aber, das Treu für den Mann in Anspruch nimmt"* und zu 

*) Die ITerdekttpre, an die Treu denkt, wUtdcn ja *) Auch Sauet bat in iclncr SUuc S. to noch diu 
lange aiclit bi* lu der Figur hinunlviToicIien. falfchc Ergüntua^. 

'") Aivb. AiiiciKO 1890, S. Co. 



83 



FurlwSnglcr, Zum Oit|{iifbrt van (Olympia. 



Gunsten seiner Vermutung verwendet dafs er die Pferde halte, ist von durchaus 
zwcirdliaflcr Zu^^cliÖri^kcil; ich vermute, dafs es dem knic<^ndcn Lenker 6' angehört, 
der die Zügel mit beiden Händen in verschiedener Weise anzog, wie das beim 
Lenken zu geschehen pHegL Das Motiv des linken Armes des sitzenden Mannes 
mufs, wie schon oben bemerkt, notwendig das Aufstützen eines Stockes gewesen 
sein, denn ohne eine sulclie StCitze kann er sidi g^u* nicht aufrecht erhalten, und 
2\var wird er, wie der Versuch am Model! lehrt, diesen Stock, um sich bequem 
und «icher »u stützen, nicht hoch sondern ziemlich niedrig, etwa in der Hohe seines 
Halses oder Kinnes fassen. Der rechte Oberarm war etwas angcprefat an die Bruai, 
doch der Unterarm konnte sich freier herausbewegen. Wenn man die Dresdener 
Restauration des Mannes, an der übrigens die Arme beträchtlich zu dick geraten 
bind, in dieser Weise noch etwas modificiert, ergiebt sich, dafs die Figur trefflich 
an die von uns angenommene Stelle pafst. Es ergeben sich dann jedoch noch 
einige weitere Änderungen der Dre^lencr Aufi^telhmg, tue aber lediglich Verbes- 
seningen sein dürften: die meisten übrigen Figuren müssen nämlich mehr nach der 
Mitte geschoben werden. Die Dresdener Aufstellung, welche den Greis mit dem 
Scheitel an die Gicbelschrägc stofscn lafst, schiebt den ganzen rechten Flügel wesent- 
lich mehr in die Ecke als den linken (vgl. Jahrb. IV, Tf. >S. 9, I); es ist das die 
Folge davon, dafs zwei so ungleich hohe Figuren wie J* und hier als Gegenstücke 
fungiren. Setzen wir das richtige Gegenstück von ß, die gleich hohe Figur L ein, 
so ist jener Fehler unmöglich gemacht; wir erhalten F.ckabschUissc, welche die erste 
Hauptforderung symmetrischer Anordnung erfüllen, nämlich gleiche Distanzen der 
sieb cutsprcchcndcn Figuren von der Mitte zeigen. 

Zunächst müssen die liegenden Eckfiguren näher Iierangeschoben werden, 
wodurch sie nur lebendiger wirken als wenn man sie ganz in die Ecke zwängt. 
Sie haben allerdings sehr reichlich Kaum und der Übergang von ituien zu der 
nächsten Figur ist etwas hart, eher härter zwischen A und B als zwischen L und /*, 
wo der linke Arm des Maiuies füllend in die Lücke zwischen den beiden Figuren 
eingreift. Am Westgiebe! sind diese Härten vermieden, indem erstens die liegende 
ICckfigur verdoppelt ist und so den Raum besser füllt, und dann indem die Haltung 
der nächsten Figur jederseits sich der Giebclschräge besser anschUcfst. 

Vor allem aber müssen die beiden Gespanne nebst den Wagen ein Stück 
nach der Mitte zugeschoben werden — in der Dresdener Aufstellung um gut 25 cm 
— ^ was wiederum sehr ^nstig wirkt, indem nun die Mittclgnippc " etwas zusammen- 



I) In d« Anhtellnnc dieter scblie&e ich mich 
ganB mn Ticu^Sludiiicicka an. Uc t'nnib};)ich- 
keii «cm Gruna'Six-S%i)«i's UatsicUuni; hat Trtu 
dargcltian. — In Bezug auf di« Frauen Ul Übri- 
gen« nklil die Tracht nl> sakkc dft* coUclicU 
dentle, dvnn die Trabbi von A' in Jahrb. IV, 
Tf. 8. 9, I ist gerade far Köre und xifti nach- 
mweiKi). Enttcbeidcnd üad die kUtuÜcrischcn 
Grtlndc: da* Ziuainaien»cofKii dvs r. Armes von 
Pelo|)i mit dem linkrn von A' witc ancnrttg- 



llcb. wäbnrnd skb jtttt alles an('H beste lu- 
samtncnschicbt (vgl. Löichckc, Dorpalet l'rogi. 
1SS5, S, 5); und feiner parn da» breite sioUc 
Aultiotcn von A' scbr RUt lut Gauin des Ona- 
nioos, nicht at>cT 111 HippoduiiHHa. — Auch im 
WrMgifbel scbeiot wir ein btthcr nielii liervot- 
l^boliencr kUns tierischer Grund die Fra|;c nach 
der BcdctitUB|r der beiden Frauen tu enbcheidco : 
«Hbrend die Übrigen Frauen fatt wie Münner 
mit den KcnlaurcD ringen, fafül /' die Frau an 



rückt und die Pfertlelcopfe nicht durch das unmittelbar über ihnen einschneidende 
Gesimst: getrennt erscheinen. Die Kniuen rilcken dicht an die Männer heran und 
der Kopf des hintentten Rellefpfcrdcs folgt, U'cnig4tens an der rechten Seite, wo die 
Kiuuren breiter und voller gebildet sind, unmittelbar auf die Frau; links ist mehr 
Luft und ist hier der spitze Winkel der Hasis des hockenden Knaben zwischen ttie 
Frau und die rferde cingeschubun, während rechts vor der Frau und den l'ferden 
eben nur Platz fllr das kauernde Mädchen ist; so erklärt sich nun auch die Ver- 
schiedenheit des Grundrisses dieser beiden Gej^cnstückc 

Der »Greis« hinter dem Wagen nnifs ein beträchtliches Stück vorrücken. 
Den Ausschnitt an seinem rechten Fufse hat Treu (Jahrb. IV, S. 285) ytuifs richtig 
erklärt, indem er hier die Wagenplinthe eingreifen läfst. Eine Plinthc von genau 
derselben Dicke wie die der Pferdegespanne mufütcn nämlich die Wagen in jedem 
Falle haben, ob sie nun von Marmor oder, wie ich annehme, von Bronze waren. 
Treu denkt sich diese Wagenplinthcn als Rechtecke, deren Langscitcn der Giebcl- 
rüclnvand parallel waren; da indcfs nur fiir diu Stelle der I'eripheric der Kader, mit 
welcher sie aufstanden, eine Unterlage nötig war, werden die Piintheo wahrschein- 
licher schmale Rechtecke gewesen sein, deren Langsciten rechtwinklig zur Giebel- 
wand tiefen; für das vordere Ende einer solchen Plinthe wird das Stiick am rechte» 
l'ufs des Greises ausgeschnitten sein; dasselbe bezeichnet dann ungeßüir die Mitte 
des Rades. Indem wir also nicht nur das Gespann nebst Wagen nach der Mitte 
zu rücken, sondern auch den Greis so weit vor den Wagen schieben, dafs die y\xc 
dcsaclbcD auf jenen Ausschnitt iri&i, erhalten wir völlig ausreichenden Platz, hinter 
ihm den sitzenden Mann anzuordnen. Es ist aber einleuchtend, wie viel angenehmer 
es in künstlerischer Beziehung wirkl, wenn die üeine des sitzenden »Greises« etwas 
vor den Wagen rücken, als wenn er ganz hinter denselben geschoben wird. 

Wer hielt aber die ZUgel des Gespannes recht«, die doch, wie wir sahen, 
nach hinten gingen? Der »Greis» stützte, was Treu nadiweist, in der Unken einen 
Stab auf, der sich als Kentron fassen läfst; die Rechte legt er an den Hart; sie ist 
durchhohlt gebildet, so da& es möglich wäre die Zügel hindurchzuführen; doch 
weist nichts in der Arbeit dai'auf hin, dafs wii^dich ein Gegenstand hindurchging. 
Vor allem aber scheint es mir sehr umvaltrscheinlich und unnatürlich, dafs cm Mann, 
der mit der Rechten die Zügel eine^^ Gespannes halt, gleichzeitig diese Hand an 
den Bart legen sollte. Ich nehme dalier an, dafe die Zügel einfach um den Wagen- 
rand geschlungen waren. Wenn ein Kutscher von seinem Wagen abgestiegen ist 
und das nihigstelicnde Gespann warten läfet, ist es allzeit das natürlichste dafs er 
die Zügel am Wagen befestigt. Das griechische Gewahrt war allerdings sehr leicht, 
bot aber doch einen gewissen Halt; auch sitzt liier der Kutscher ja unmittelbar 
neben seinem Wagen, den Bück auf die Pferde gerichtet; sowie er sie unruhig 
werden sieht, kann er sofort eingreifen. 

Het Bnut; affirnbat in divs der ii*ilt Kwfüon der vITeBC Pcplo« die Tocbicr (vgl. Tr<u, Arch. 

und die Frau die Urntit, nnch der *icU A|iollnn Am. 1S90, ^>. 6of.)i die Tnu'^chc Uni^icUuBg 

wenden niuf*. Ua» vidiere toniKhc CosiUm, der MilIel|[rUp])C wird durilh dirsc Crwii^iint;«) 

Cliitoii und Mantel, cbarakterifierl die Muucf, ilio nur bcvtlti^l. 



84 



h'uttvrängter, Ztna Osrcicbci von Oljmpia. 



Die Rctraclituns ties Aiifserlichen der Anordnung und Ergänzunti der Fii;urcn 
tu bcsclilicfsen, vergleichen wir nun die beiden Ecken. Wir haben links zwei Fi- 
guren in wesentlidi dem gleichen Motive und ebenso rechts; die Asymmetrie, die 
in der Entsprechung des kniccndcn C und des sitzenden .V liegt, wird hinter diesen 
ehtfach noch einmal wiederholt Die Wiederholung des Kniecns und Zügclns links 
verlangt in der Thal nuch die Wiederholung des Silz- und Stockaufslützmotivirs rechte. 
Die beiden Paare entsprechen sich durcliaus, nur dab sie eben verschiedene Motive 
wigcn. Diese müssen aber in der Bedeutung der Darstellung ihren Gnmd haben. 

Treu hat (Jalirb. IV, S. 298) darauf hingewiesen, dafs nach literarischer wie 
monumentaler Tradition Öuumaos spater abfuhr aU reJops, also diesem beim 
Wettrennen einen Vorsprung gewölirte. Mit Recht suchte er eine Andeutung davon 
im Giebel, wenn auch seine Aufstelluii)^ ihm dieselbe kaum gewährte. Ganz anders 
klar und deutlich finden wir nun durch unsre Anordnung jene Sage ausgesprochen. 
Die beiden Gespamie stehen angeschirrt zur Wettfahrt bereit. Doch während links 
eine rege, auf den unmittelbaren Ilcginn des Rennens gerichtete Thätigkcil herrscht 
und die jugendlichen Genossen des Pclops die Zü^cl erfassen und ordnen, so sehen 
wir rechts nichts als ein ruhiges Zuwarten; die Zügel sind noch um den Wagen 
geschlungen und die beiden Männer im Dienste des önomaos, die jenen kniccndcn 
drüben entsprechen, haben sich ruhig auf die Erde niedergelassen und stützen ihre 
Stäbe auf. Der vordere, der die l'ferdc im Auge behält, sitzt in bequem zuwartender 
Haltung und stiilzi den Kopf dabei auf die rechte Hand. Mit Recht hat Klasch 
bemerkt (Olympia S. 78, S. A.), dafs diese Kigur kein Greis ist, wie er gewöhnlich 
genannt wird. Der Typus des Greises ist ein ganz anderer in der den Giebeln 
zeitgenössischen Kunst; ihm sind Hakennase, eingefallene Wangen und vor allem 
schwaches Unlergesicht mit kümmerlichen liarLstoppeln charakteristisch, im vollen 
Gegensatz zu dem überaus sinnlichkräfligcn vollbärtigen Untei^esichtc unseres 
Mannes. Die Glatze desselben ist keine andere als welche die jugendkräftigsten 
Silene im 5. Jahrhundert immer haben. Auch gehört auf attischen Vasen des 
strengen Stiles der glatzkopfige Mann, der mit Jünglingen in Gelage und Komos 
schwärmt und aufgeregt den Flötenbläscrinncn nachstellt, zu den beliebteren Typen. 
Noch näher liegt in Olympia aber der Hinweis auf die Kentauren des Westgiebcis; 
jene kühnen Freier schöner Frauen haben im wesentlichen dieselben Köpfe, die nur 
weniger edel sind. Die Reschuhung pafst ebenfalls sehr gut zur Charakterisierung 
des sinnlichen Schlemmers. Kein Zweifel, dafe die Figur, wie Kekult^ zuerst gese- 
hen hat, Myrtitos zu benennen ist*', den es nach der schönen Hippodamcia gelüstet 
und der Verrat im Siimc führt. 

Sein hinter ihm sitzender Genosse, der augenblicklich nichts zu thua hat, 
indem ja jener andere die Pferde im Auge behält, wendet sich um und blickt 
heraus, etwas nach oben. Seine Miene scheint, soweit das Erhaltene des Gesichtes 
mit seinen Fallen urteilen läfst, Besorgnifs auszusprechen. Ich glaube, es ist eine 



>■) Der TaraxipjMS r«us. VI. >o, 17 l*t immeriitD 
sin Zcugnib Rlr die Urriilo>lq[eodc in Olym- 



pia, wen» auch Ungewisser Zeit (vgl LOscbckct 
Dorii. Ptogt. iS8s, S. 14). 



wirklich antik und im Sinne der alteren Zeit gedachte Erklärung, wenn ich annehme, 
dafs dieser Mann ein uneru'artctes Vogelzcichcn erblickt, das ihm zur Linken 
unheilverkündend erscheint. So erst scheint mir seine Bewegung natürlich und voll 
verständlich zu sein, während sie bei allen bisherigen lu-klarunjp versuchen gezwungen 
und unklar erschien. JX'n rechten Unterarm des Mannes denke ich mir mit einer 
das Staunen begleitenden Geberde erlioben. Ich sehe keinen Manlis von Profession 
in ihm, er ist nur ein Genc»sse des M>Tlili>s, Dienstmann des Ünomaos wie dieser, 
genau entsprechend dem zweiten der Pclops Wagen beigegebenen I^utc. Er be- 
findet sich ja auch nicht an einem Oionoskopeion; der Vogelflug war für einen 
Jeden vor einem Unternehmen bedeutsam. Die lebhafte und unbequeme Wendung, 
welche der Mann nach seiner Linken macht, der besorgte Ulick, mit dem er heraus 
an den Himmel schaut, und die zu ergänzende Geste der Rechten mochten dem 
antiken Beschauer keinen Zweifel an der Absicht des Künstlers lassen. Der Mann 
ist neben dem »sinnciulcn Grei*« ohne Zweifel seine beste Schöpfung im Giebel; 
beide sind in durchaus eigenartigem, ausd ruck vollem, nur Tür diesen Kall erfuiulenem 
aXT,]ia dargcslclll. Durch die Wendung des Oberkörpers an unserem Vogelschaucr 
hat der Künstler eine wirksame Abwechslung und einen viel lebendigeren Rhythmus 
in diese rechte Giebelecke gebracht als er es auf der anderen Seite vermochte. 
Doch hat er Rir die äufsere Symmetrie der Haupüinien nachdrücklich gesorgt. Man 
beacjitc nur, wie sämmtlichc nicht stehenden oder liegenden Figuren der rechten 
Giebclhalfte ihr rechtes Bein im Knie gebogen aufstellen und ebenso die entspre- 
chenden Gestalten der linken HaJfle je ihr linkes Ucin. 

Dennoch besteht allerdings eine deutlich fühlbare Ungleichheit zwischen den 
beiden Gicbclhäinen, indem rechts alles breiter und massiger ist als links. Dies 
findet aber seine vollständige Erklärung in dem Streben des Künstlers zu charak- 
terisieren. Wie vortrefflich ist ihm der Gegensatz des breitspurigen trotzigen Auf- 
tretens des önomaos gegenüber der Bescheidenheit des Pelops gelungen; und ganz 
gleichartig ist der Gegensatz in der breiten sich pomphaft entfaltenden Erscheinung 
der Sterope und der sclimalcn sich in sich zusammenschliefsenden Figur der Hip- 
podamcia. Es ist aber nur eine Weilcrführung des in der Mitte ongescliU^cnea 
Grundconcs, wenn nun auch hinter den Rossen hier gröfscrc Breite und Fülle, dort 
schmälere schlankere Erscheinung herrscht. Der Künstler charakterisiert weiter, 
indem er hier als Gefolge des Önomaos zwei ältere Leute darstellt, die wartend 
an der Erde sitzen, weil ihr Herr dem Gegner einen Vorspruug gönnen will; drüben 
knteen die jüngeren Genossen des jugendlichen Pelops in voller Thätigkeit. 

Das faktische Übergewicht der Seite des Önoniaus wird Übrigens für die 
Phantasie dadurch wieder ausgeglichen, dafs Zeus, die übcrragemle Hauptfigur, den 
Kopf nach Pelops' Seite wendet. 

Der Künstler hat, wie mir scheint, den wesentlichen Inhalt der Sage völlig 
deutlich wietlcrgegubcn. In polygnolischer Weise stellt er nicht den Höhepunkt 
der äufscrcn -Aktion dar, sondern läfst die Personen in bcdcutungs- und ausdrucks- 
vollen Stellungen noch ruhig versammelt sein. Das Opfer des Önomaos hat er als 



unwesentlich nicht dargestellt "; aber er haL Um und seine Partei, sein Zögern und 
numcnilich die I'crson <!cs Myrtilos charakterisiert. Und zwei besonders bcdcutungs- 
volle Motive sind es, dafs eben der eine unbeschäftigte Geleitsmann des Önumaos 
das unhcllvcrk'ihiden<le Vogclueichcn erblickt und in demselben Augenblicke Zeus, 
der CS gesendet, be&tätigcnd und entscheidend das Haupt dem Gegner zuwendet. 
Auch der Verrat des Myrtilos erscheint so nis durch den Kat-'^chlufs des Zeiis gewollt. 
Noch sei auf einen feinen Zug aufmerksam gemacht, den ich hier darin 
sehe, dafs die vor den Pferden hockenden Gestalten nur unbedeutende Nebenfiguren 
sind, welche die Aufmerksamkeit in keiner Weise von den in der Mitte versam- 
melten Hauptpersonen abziehen. Diesen Vorxug hat nur unsere Aufstellung; auch 
empfinden wir jetzt, wie gerade au dieser Stelle durch ungleiche Höhe unsymme- 
trisch wirkende Figuren unerträglich störend wären, während es kaum bemerkt wird, 
dafs hinter den Pferden der zurückgelehnt sitzende » Greis < etwas niedriger ist als 
der kniecndc Mann links. 

Anderer Ansicht war allerdings die antike Erklärung die uns bei Pausanias 
vorliegt; denn sie sieht Hauptfiguren in jenen Gcstallcn vor den Pfenlen. ÜfTenbar 
suchte der antike Erklärer unter den jcdcrscits aufscr den Haupthcldcn vorhandenen 
vier Figuren vor allem die aus der Sage bekannten beiden Wagenlenkcr zu finden; 
als solche sofort kenntlich waren aber keine der Statuen; denn hinter den Pferden 
sah man jederscits ein gleichartiges Paar, nicht aber was man suchte, je einen ein- 
zelnen di.«stinguirten Wagenlenkcr; daher naltm man denn die Einzclfigurcn vor den 
Pferden fitr diese; jene Paare aber wufste man nur als mit der Wartung der Pferde 
betraute dienende Männer anzusehen. So konnte man aber wenigstens die ganze 
Mittelgnippe bis zu den Pferden mit mythologischen Namen belegen; die vorneh- 
men Wagenlenkcr, so dachte man offenbar, müesen in nächster Nähe der Haupt- 
helden sein; sie warten, bevor das Rennen beginnt, ruhig vor den Pferden, mit 
deren Beaufsichtigung sie das Gefolge beauftragt haben. Das an die Wagenlenkcr* 
tracht erinnenwie lange Gewand des Mädchens und seine der männlichen gleiche 
Haartracht erleichterte diese falsche Deutung, welche in ihrer Oberflächlichkeit 
nicht nur die Weiblichkeil des einen «Lenkers«, sondern auch das filr den anderen 
doch sehr unpassende knabenhafte Alter völlig übersah'*. Den Gedankengang aber, 
der zu diesem falschen Resultate führte, haben wir noch vollständig nachweisen 
können. Dies ist alles was man von uns verlangen kann. Denn durchaus unme- 
thodisch wäre es zu verlangen, dafs wir statt der erhaltenen Skulpturen selbst die 
Erklärung bei Pausanias zur Grundlage ftir die Anordnung der strittigen Figuren 
um die Pfcnic machten; wer glaubt von vornherein wissen zu können, welche der 



") Nur Odoimus teltnt konnte a «laibrinscii und 
dMScr ihiit rs cridcni nickl. Tk*u b»t wicb 
vtitUg Recht, indcpi er ilcn AItu bolicilL-l. 

'*} Dictc bvidca VvrHrhea il» 3iiuk.t:n Hrkt3ier« 
bleiben bei jeder AnnidnuB); bcutcbcn; denn 
l'jiutaiitai nvnnl aubei den beiden Waifcnivnkcni 



jcdcTMÜ* hinter d«n Tfvrden twti jvtpi;, also 
Im der fCntbe ebensowenig erkannt worden vie 
du RKdcbco. — Üals da^ Vi-rwlicn mit dem 
Mädc)ivo «ich bei der AnordnuD^ detselln'n vor 
den Pferden am cbcstcn erkldn, iit Khon von 
KcktUc bciucikt woidcQ. 



betreffenden Figuren von dem antiken Erklärer für die Wagcnlenker angesehen 
wurden, folgt nur seiner will kürlich vorgcfarslen Meinung. 

Die namengcbcnde Erklärung der Alten die bei den Figuren hinter den 
Pferden innc hielt, setzt wieder ein bei den Eckfiguren. Wir dürfen diese nicht 
ganz übersehen; es sind zwei Jünglinge, die an der Erde liegen und mit lebhafter 
Teilnalimc nach der Mtite blicken, l'ausantas nennt sie Kladeos und Alphcic«; 
aBer wie oberflächlich seine Deutung des GiebeU war, haben wir bereits bemerkt, 
und im Wcstgicbcl benennt er den Apollon reirilhoos. Die Zweifel an Alpheioa 
und Kladeus, diu zuer^^t Kekiile gcäuf^ert hat, »ind mir xur Gewifsheit geworden. 
Jene Deutung auf die Flufsgöttcr entspringt ja lediglich hellenistisch- römischer An- 
schauung. Seltsam ist es, wie man sie neuerdings zu begründen gesucht hat, näm- 
lich au» dem Wcstgicbcl des Parthenon, während umgekehrt für die Erklärer des 
Parthenon die einzige feste Basis jene Pausanias'sche Deutung der olympischen i'igU' 
ren ist. Die Un Statthaftigkeit der Flufsgöttcr am Parthenon habe ich kürzlich hervor- 
gehoben und eine neue Deutung jener Figuren versucht '*. In den liegenden Jünglingen 
von Olympia konnte kein Zeitgenosse des Künstlers Flufsgöttcr erkennen; er sali in 
ihnen gewif^ nur das was sie sind, müfsige Zuschauer, die indel's durch ihre Neugierde 
das Gefühl der Bedeutung des Vorgangs im Betrachter verstärken. Der untliätigc 
Zuschauer gehört bekanntlich gerade in der älteren griechischen Kunst zum Vorrat der 
beliebten Typen, wenn er auch nicht die hohe künstlerische Bedeutung erlangt hat 
wie in der italienischen Kunst des Quattrocento. Für unsere Jünglinge wird der 
Künstler sich die Vorbilder von den Wällen des Stadions uud Hippodroms zu 
Olympia geholt haben, wo genug der Zuschauer so im Grase liegen mochten, um 
dem Schauspiele der Wettkämpfe mit neugieriger Teilnahme zu folgen. 

Aber die Eckfigiiren <Ics Westgicbels sind doch sichere Nymphen? — Auch 
sie sind ja nur io genannt, weil man die Flufsgütter des Ostgicbcls für sicher hielt 
und SU ihnen Gegenstücke wünschte. — Aber ihre »Idealtrachl*? — Da antworte 
ich mit der Frage: für welche göttlichen Frauen ist denn um die Mitte des 5. Jahr- 
hundcrts die Halbnacktheit die ihnen zukommende »Mealtrachl*:? Nicht einmal für 
Aphrodite und ihr Gefolge, und ebenso wenig für die Nymphen, welche das ganze 
5. Jahrhundert nur vollbekleidet kennt, — Und ferner mufs man I.Öschcke zugeben, 
dafs wer die Eckfiguren als Nymphen deutet auch die auf's engste mit ihnen ver- 
bundenen alten Frauen für gleichartige göttliche Wesen halten muüs. Die sind 
aber, wie die l'fiihlc <Ics I lochzeitssaalcs, auf denen sie liegen, umiridcrlcglich zeigen, 
sichere Dienerinnen. Dann sind auch die Mädchen der Ecken nichts anderes, und 
ihre Hauben passen jedenfalls sehr gut dazu. Mich dünkt, dafs wie jene alten 
Krauen den Typus der greisen SchaflTnerin im ioni-schen Epos, den Typus der Euiy- 
klcia wiedergeben, so die jungen Mädchen der Ecken den losen Mägden entsprechen, 
welche dem Fremdenbesuch im Hcrrenltause leicht gewogen sind; und fUr die 
scheint mir die nachlässige Kleidung eben charakteristisch zu sein. 

A. Furtwängler. 
■^ Mln-Situiog dct AicfaSologncliai GsMlbclMn; t. h. im Anzeiger. 



NACHTRÄGLICHES 
ZUM OLYMPISCHEN VVESTGIEBEL 

Da die offwicüc Publikation iJcr olympischen Funde sich ihrer Vollendung 
nähert, halte ich es für angezeigt einige Bedenken und Vorschlä^'e auszusprechen, 
deren Prüfung der Kckonstriiktiou des VVestgiebels tn einigen wichtigen Punkten 
vielleicht zu Gulc kommen wird. 

Grüttners Krganzung der Gnippc des würgenden Lapithcn und beifscn' 
den Kentauren scheint allgemein als richtig zu gellen. Aber älinlich wie beim 
sitzenden Mann des Ostgiebcis folgt auch (Ür den Lapithen aus der sorgfältigen 
Ausarbeitimf» der Flanke, dafs der linke Arm etwas hoher und ohne zu berühren 
an der Brnst vorbeiliur. Andererseits folgt die Unrichtigkeit der Ergänzung daraus, 
dafs an dem zur lläIfVc erhaltenen L Unterarm des Kentauren jede Spur der um- 
fassenden I. Hand des I^])ithmi fehlt. Griiitner mufs diese dicht an den Ellbogen 
heranrücken, damit aber ihre Kraft völlig lahmen; in Wahrheit kann C9 (ür eine 
solche Aktion nur einen Angrinrs|)unkt, die Handwurzel, geben. 

Die richtige Ergänzung crgicbt sich aus einem kleinen Fragtnent, das ein 
Stück eines sehr vemaclUassiglcn Daumens darstellt, der an einem Körper von flach 
ovalem Quer!>cluiitt Hegt. Das seltsame Stück kann nur in unserer 
Gruppe untergebracht werden und erklärt sich als Rest des linken, von 
der Linken des Lapitt^cn gefafstcn Pferdeohrs des Kentauren. Das Ohr 
wurde von dieser Hand niclu ganz umfafst, sondern nur von vier 
Fingern zusam menge pro fst, wahrend der Daumen untatig neben diesen 
lag. Demnach ist die Grti|)])c so aufzufassen. Der Kentaur hat in dem 
Augenblick, wo der Arm seines Gegners ihm die KclUe zudrücken will, 
schnell die rechte Hand desselben mit seiner linken crfaCst und sucht, indem er 
jene nach unten xicht, den Winkel des Arms 7.11 er\^'citem, d. h. die Umschnürung 
KU lockern. Aber er begnügt sich nicht mit der Defensive; er fafst mit seiner freien 
rechten Hand den Oberarm des Gegners, um den nun völlig gefesselten Arm in 
aller Mufse durch Risse verwunden zu können. Darum versucht mm der Lapith, 
der auch noch eine i'land frei hat, ihn durch einen plötzlichen Schmerz zum Los- 
lassen KU bewegen und rupft ihn unsanft am Olu-e. Die Wirkung des Ganzen raufs 
an's Burleske streifen; mit dem, was der Westgiebel sonst wagt, verträgt sie sieb 
recht gut. 

Auch die entsprechende Gruppe des Kentauren und Knaben läfst sich 
noch vervollständigen. Treu hat die linke Hand des Kentauren ermittelt' und aus 



SauiT, NactitrOglicIiP» iiuin QlftnpUcbcn Wcsijjlebvl. 



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ilicscr mit Recht geschlossen, dafs «ic den linken Oberschenkel des Kiiabcii um- 
fafstc; nur die Stellung des Unterschenlccls bleibt noch zu ermittein. Dazu hilft 
ein dem vorher beschriebenen ähnliches Fragment, welches eine linke k'"'?'«*-' Zehe 
darstellt, die yetjen einen sicher organischen, aber ebenso sicher nicht einem Men- 
schcnleib angehörenden Körper stöfst. Die Abbildung 
TCird es verdeutlichen, daf» hier cid Stück des linken. 
äufseren Vorderbeins des Kentauren mit einem Rest des 
linken Fufscs des Geraubten dargestellt iüL. Die Stellung 
des I. Unterschenkels dieser Figur gicbt die Ergänzung 
also im wesentlichen richtig. 

Aber auch der rcclitc Fufs des Knaben ist er- 
halten. Ohne Sandale, nindnin ausgearbeitet, aber auf 
der Sohle stark vernachlässigt, kann er den ItotJen höch- 
stens mit den jetzt felilenileu Zehen berührt, die Sohle 
nur der Hicbclwand zugekehrt haben. Daraufhin glaube 
ich jctxt einen frUlier von Wolters ausgesprochenen 
Gedanken acceptircn zu müssen: dafs nämlich auf dem 
erhaltenen Kissen, das durch nichts der liegenden Alten 
auge\vicscn wird, im Gegenteil für diese nicht einmal 
genügenden Platz bietet, das rechte Hein des Knaben 

lag". Wie diese Neuerungen wirken werden, hängt mit der Frage der Auf- 
stellung zusammen. Bekanntlich hat Wolters gegen die Umstellung der beiden 
der Mitte nächsten Gruppen deshalb Einspruch erhoben*, weil zwischen dem nur 
halbausgearbeiteten Kcntaurenleib und der benachbarten Lapithin eine Lücke klaf- 
fen würde. Dem abzuhelfen hat schon Treu neuerdings voi|reschlagcn * , die 
Gruppe des Kentauren und Knaben mehr in Vorderansicht (»in's Profil« ist 
offenbar nur Schreibfehler) xu drehen, wodurch sich die Möglichkeit ergebe, die 
linke Schulter des Kentauren ein StUck hinter die Lapithin zu sclitebcn. Diese 
Drehung, aus der sich eine Verringcning der I.ückc um mindestens locm crgiebt, 
scheint mir aus einem anderen Grunde geradezu unvermeidlich. Die linke Hand 
des Knaben, die sein eigener Kopf verdeckte, ist nur angelegt, die rechte sorgfältig 
ausgearbeitet; damit stand bei der früheren Aufstellung im Widerspruch, dafs diese 
Hand unsichtbar war. Hei der jetzigen scheint ilieser Widerspruch gehoben, aber 
in Wirklichkeit, d. h. filr den von unten Tieraufblickenden, wäre die im Aufrifs aller- 
dings sichtbare Hand doch wieder versteckt. Da die Einarbeitung an derselben 
ziemlich unbestimmter Form, die völlige Streckung des Armes durch nichts gefordert 
ist, möchte ich den Versuch anregen, die Grupi»c so weit zu drehen, dafs die Hand 
gaqz vorn in den Giebel und mit ihrem Einschnitt über <lie Knöchi:l der Linken 
des Kentauren D zu liegen kommt. Dtc Lage des Ki&scns im Giebel läfst sich 
mit völliger Sicherheit nicht ermitteln; es scheint mir nicht unbedingt nötig, die 



') Zu vcTgIdclien iil Her eine iIlt mit BTJhpicforn 
kampfmdcB t-tpiihcn der Wiittcr \'»*t. 



») AllkCT. Min. 1&87, S. 276. 

*> ArchSoL AiuHser 1S90, S. öl. 



90 



Stun, NaebtricUdM» vm tärntiKbto Wcsigleh«!. 




tluijptluntc der Gicbclwaiul parallel zu IcfjCtt. Auch das rechte Bein des Knaben ist 
nichl v6lli^ rottzule^cn; doch wird man (^cnau senkrechte Stelhing des Unterschen- 
kel" zur GiclK'lwanil für aiiH(»cschI('>!*Sfn hriUcn dürfen uml eine leise Drchun}> dcs- 
ecil>cn nncl» der linken (Nord-) Kckc als die gefallificre der enti^egcngescUten vnr- 
Kichon *. 

Auch eine Veränderung der Kckgruppen »chcint mir unvermeidlich. Die 

Pliiithen der knienden I.apiihcn sind vom so auffallend dUnn und mit so vor7.ü}»lich 

.'uiHgenrUeitctcin Gew:uid bedeckt, dafs man vermuten mufs, sie haben sich bis dicht 

an dun Gicbelrand crMtrcckt. Ferner ist die rechte Wade des linken Knieendun, 

die jetzt hinter der Alten vcruchwindct, und sein mit Sicherheit zu ermiwcindcr 

rechter Fufs so vorzünlich ausgearbeitet, dafs man, angesichts der 

Roheit sicher unsichtbarer Teile derselben Figur, kaum zweifeln 

kann, dafn die Alte jenseits dieses ausgestreckten Heins lag. Na- 

lürlich gilt dasselbe ftlr die rechte Kcke. Man kann jetzt je die 

letxle Figur etwas dem Kniecndcn nahem, da die Alten ganz im 

Hinter]>rundc liegen. Zugleich aber zeigt sich, dafe diese Alten 

. unenti^chrtichcr Hcstandtcil der Composition und nur ersetzt, nicht 

neu hinaugt'fiigt sind. Denn da man aus den angefilhrtcn Gründen 

du ausgestreckte IWin des Knicendcn nicht verdecken darf, wäre, wenn jene 

fehlten, nur eine lose Ancinanderrciliung der beiden Übrigbleibenden Figuren 

möglich und ein grofser leerer Raum über dem ausgestreckten Ik-in des Lapilhcn 

unvermeidlich. Gewifs .wlltc die ungewöhnliche Gruppirung d.izu dienen, die 

Idealfiguren in den Kckcn, die sich nicht so deutlich wie die des Ostgicbcls von 

den handelnden Personen abheben, aufserlich von diesen zu trennen. 

Zu der rechten der eben besprochenen Gruppen bemerke ich ferner, dafs 
die Waffe dca knienden Lapittien kein Schwert sein kann, da ihr Griff ohne Knauf 
ist und eine wenn auch noch so knapp gehaltene Farirslange nicht hatte weybrcchcn 
kttnncn ohne an Daumen und Zeigefmger Reste zurückzulassen. In der Tat lehrt 
die V'ergictchung mit einer Figur der Wiener Kentauren vasc, die auf meine Bitte 
Robert V. Schneider ausdrücklich daraufhin prüfte, dafs hier ein Messer zu erkennen 
ist. Damit ixrschwindet, wenn man von der Mittel6gur zunächst absieht, die letzte 
regelrechte Waffe fcua der Darstellung. Folglich darf man auch den «weilen auf- 
rechten Kämpfer, dcisen Annhaltung auf ein Beil allerdings nicht pa&t, nicht mit 
ilefn Scliwcri ergänzen, sondern mufs ihm einen anderen wuchtigen, jetloch mit 
einer Hand zu sch^vingcndcn Gegenstand in die Rechte geben. Da£s es an Aus* 
wähl nicht fehlte, zeigt, die Wiener Vase und ihre Verwandten; im übrigen Ufet 
sich wenigstens so viel sf^-n, dafs die Waffe dieses Kämpfers, da seinem Gegner 
von der Milielfigur eine zweite Gefahr droht, nicht so wirksam gewesen sein wird 
wie dds Opfcrbclli fias sein Genosse schwingt, oder das 0{rfennciscr» das der 
Kniccndc vom Atiar wc^craffl hat 



') IWf Knalw wnt n<vckt: am Lcili ile* KraCwnv« 
•Iml die S)>HrtB ilri linkcB t>hcncltc«kcl* Mid 



Ar* lUtck ilir n«t»Mf AMflbMi ttaA 



überblickt man jetzt die der Gruppe und den VasenbiMcrn gemeinsamen 
ZAge — den Mangel an regelrechten WaAen, das Rcil, das* Messer, das Kissen .luf 
dem ein I.apilli kniet, die Rolle wciclic die Frnucn spielen, endlich den Knaben, 
den schon Ciirlius als den Mundschenk des Festes erklärte' — , so mufs man an- 
erkennen, dafs diese Munumente nicht etwa blos in unbedeutenden Kinsclheiten 
übereinstimmen, sondern ersichtlich derselben und «war derjenigen Sagcnvcrsion 
folgen, welche von der Kunst der ersten Mälfte des 5. Jalirhundcrts und nur von 
dieser ganz auflallend bevorzugt worden ist: sie alle lassen wie die thcssAÜschc 
Sage den Kampf bei einem Hochacitsgelagc entbrennen'. Man mag die so plötz- 
lich und auf so weit^'ctrenntcn Kunstgebictcn sich gellend machende Dcliebtheit 
dieses künstlerischen StutTes, der bald nach Vollendung des Parthenon diese indi- 
viduelle Gcstaltunjj wieder einbüfst, erklären wie man will; jedenfalls ist die Tatsache 
nicht leicht zu nehmen, und es hcifst die Empfänglichkeit einer wenn auch noch 
so acrsplittcrtcn Nation für die Schöpfungen ihrer juycndiichen. eben zur Freiheit 
durchdringenden und nach ethischer Vertiefung rin^jenden Kunst unterschätzen, den 
Zwang des politischen und religiösen Dogmas über Gebühr verschärfen, wenn man 
wie V. Wilamowita' die Darstelhinij dieses StolTcs am Zcuslumpcl von Olympia 
(Ür eine Unmöglichkeit erklärt. »Als Archäolog, der nichts von Geschichte 
weifs«, mufs ich vorläufig — nicht auf Grund der bchriftlichcn Überliefi:rung, son- 
dern angesichts der Monumente — mich der »Tollheit« mitschuldig bekennen, 
auch in Olympia den bei der Hochzeit des Pcirithoos ausgebrochenen Kampf der 
Lapitlicn und Kentauren dargestellt zu bchen, und mufs abwarten, wie der Histo- 
riker, der den Ergebnissen der archäologischen Forschung mit Mifslrauen begegnet, 
die Wiederkehr aller wesentlichen Züge des tlicssalisclien Mythus auf olympischem 
HrHlen erklären wird, ohne auch die Hauptpersonen dieses Mythos dort wiederzu- 
finden. 

Endlich hat mich oft wiederholtes Studium der Mittclfigur zu Resultaten 
gcftihrt, die xu der herrschenden Auffassung derselben in Widerspruch stehen. 

Die rechte Hand dieser Figur war offen, und der Daumen «irücktc sich 
kräAig gegen den Handkörper, sodafe zwischen beiden Teilen der Hand ein erheb- 
licher Zwischenraum nidit entstehen konnte. Dennoch ist gerade hier in der 
Bruchffäche der Rest einer zwischen Daumen und Handkörper eindringenden Ver- 
tiefung erhalten, deren Weite wegen der starken Bestofsung des Restes unsicher 
bleibt, jedenfalls aber muhr als 1 cm, andererseits, nach den Gesammtproportiouen 



*) Aldi. Ztfimiv 1SS3, Sp. 359. 

Die UtcMe Kun«i l>icli;i «lafUr bclcannllicli krinc 
Beiupttlc; in ilcf attischen scheint «cIImi MIkon 
nncli ntchU Haron xu wiHcn. Die Ciic)>cl);nip|ic 
*on Olympis, dit Vucn in Wien, Beilin (Aicti. 
Zeil. iSSjTttF. 17. 18) nnrl Klorrns (tlcyilcniftnn, 
Mtlt. »w, Oder, tinit Mütclilalicn T.iT. j, 1} und 
(iic PBitheniinineiopcB bekunden die mctkwUnlii; 
kurze Hcrrtchnft der ncncn Vvnion. Ilic Priu^c 
von Phi]{nlria und Suninn Dnd dn* Vaitcnliild 



dcM AriklophancK tmd Ergjaa*, Klein NOu 3, enl* 
(teilen »ff fchon linttt dem Einfluf» der ültcrvfl 
VcTsion, die am The»eion tind in Gjrtl1ia*ehl 
und der MUncbracr Schale 368 wteilct duich- 
drinet. NacbiUelet »ind die Vn<en Mon. <kll' 
Inst. i8$4, Taf. 16, Bunndorr. Gr. u. »ic. Va«l>. 
35 , i!a« GenilÜdc Ue« Ilippcui ( Allicn. Xi 
p. 474 i>: Owcrltcck SQ ■•)6o) und das Mono- 
chmm von llerculaneum <Mu<. Borh. V 4). 
*) Enripid« IterakK-K i S. 305, Anm. 74. 



MM OlyWpitCltffl WMI^VI» 



(Ivr vufhanäenen MarmormiMiC, aoeh nklil viel mehr betrug. Da& dkse VcrtidHOg 
l<(m«llic|t, nicht ctw« (Jurch Ab«p)ittcn>nt£ cntozmicn üt, bcsüUigtcn mir BlinkcxdKfg 
lind tIt'lM'rtIty Vit di'm Ori^^lriiil; daf» «ic iwibal am Gipsabguß dcutlJdi cricconbar 
M, IimImtm wir nvuetilmn* im Tufli/nta'uhcn Matcum TcTilgcstellL Die Öffnung gii^ 
ntohl durch, sun«li'm «chJah mit xwci kleinen I^chcm', dtc man tiznncrbin auf 
ftihlbohniMK mtrr KU tiefe Bobrunij zurtlclf rühren mag, sehr bald ab. Die Hand 
wiir Mint 'ibwohl offen nicht leer, «ondern prefute zwischen Daumen und Handfläche 
i'liH'M K<<r|ter vnti ».ehr Kcrin^cm Umfang, der mj leicht war, dafs er die völlige 
SlrudiunK der llbriKen Kinger nirhl verhinderte. Dieser Gegenstand Icann kaum 
clwfl« nndore« gcweicn «in al« ein l*fcil, von dem jedoch nur der nach aufscn 
ni^undc Teil aiiH^efllhrt war. Medenklich Uünntc nur die cij^cntümliche Haltung 
mliflMiii; Ki;r.nle ilici«e «bcr Hnden wir in einigen wohlbekannten Vascnbildem 
wtcilur. Auf dal von Gerhard A. V. III 202—304 «usammengeslclltcn Hektorvascn 
tu?lKl A|Milli>M, der im We^Kclirciteii tlcn Vcrgelluni; drohenden Pfeil liegen Achill 
lUiMirerlit, eine «ehr fihiillche I lanilhuliuni; , auf 204, wo die Hand mehr in's IVofil 
Krklellt Ul, »»((iir fiMit ^ccnsw dievelbc wie die Gicbelfi^fur. Wir dürfen darnach 
illuMTi Allrlhiil aU gcülehcrl betrachten. 

Dum Altrlhiil d^-r Linken xii ermitteln, i»t bisher noch nicht gelungen. Kincn 
vnmtltchiMi Ver«ueh allen erhaltenen Spuren'" j^erecht zu wcnlen hat nur Brunn" 
McMiiicht. de««on Vtirnchlau Jedoch daran «chcitert, dafs das gröfste der erhaltenen 
AUilhiitl^ehur fllr eine Schwcrtscheidc weder genügend grofe noch angemessen an- 
H«.'lirnehl 1*1, In rirUlliiert KrgJinzurig dagcvicn, die jetzt ziemlich allgemein für 
rlcUll|{ *ti gelten neheint, mufn man einen ganz ungewöhnlich, um nicht zu sagen 
tiMnifigllih gehaltenen lUigen iu Kauf neluncn, ohne dafä das in der Biegung des 
Xulgonngom erhaltene Loch erklärt wllrdc. Auf die künsthche Anordnung des Ge- 
Wtindrii nL'hmtNt Iwiilc Vor»i:hläge keine Kückiiicht. Das Natürliche wäre, die ganze 
MrtRPie dl»'%c« licwandcs «her den Unterarm nach innen zu leiten um) hier »wischen 
Ann uiul Leib herabfallen lu loHscn. Statt dcsMui tcih sich dieses Gewand über 
der lltind \n »wct lange, unterhalb derselben wieder zusammenschlagende Zipfel, 
eine nelUanu' Anotdnuug. ilie mit der Ge5talt de» Attributes xusammcnhangcn mufe. 
Die Athelt dei gn.»l'»lin Loche», <las in einem kleinen, für einen Stift sehr wohl 
|inui.-t\ilun la>ch »ich nach innen fortsctit. deutet auf ein marmornes, nicht metalle- 
nem AnHAti4ttlck hin, und da zur Befestigung eines solchen Stückes das nicht alliu- 
Itcfv Loch kdno<\n-'g^ .-lunnrichcn wiinlc, so mu& oündcstcns eine« der oben und 
unU^n crhAltvnen kleinen LiK-her lur weiteren IWfiest^ung desselben MannorstOcfcs 
i;c\bent haben, luul iwar wahrscheinlicher das obere, mitten im Geu-and sitzende, 
ttt« \\a* w\WfM, de:t>L-n Stelle einem wirklichen Hohlraum, dem sviscbcn den bckkcn 
tintetvn Gli\,-\lem de> ZcigcAugcrs cnt»(tricht. Krklärt werden raufe iemcr. mmm <!>e 
büttlen kK.>^wiei\ L<Vhet n»chl in der Mittellinie iles grvi&tcn. siKideni v«ilcr auficn 



i| taft Mm*. 



.•che* te •> & «t pMw Otiifciit AwcMk. «M 

*» tavi. AkftL isa n S. •«> 



SanrTi Nacht rüg] iclics ratn <)Iyni)>Uchrn Wi-^i|;>i:licl. 



93 







) 



liegen. Und enülicb kaiin der Arm, wie Bmnn (a. a. O.) erkannt hat, nicht einfach 
etwas gehalten haben, wnulcm niufs in einer kräftii-en Aktion be^iriffcn i;cwt'sen 
sein; nur brauclitc diese nicht gerade die Hebung eines schweren Gegenstandes 
zu sein. 

So vielen und so eigenartigen Bedingungen gcgenülwr bleibt nur eine sehr 
enge Wahl, und man darf sa^cn: gelingt es ein Attribut auf/aifinden, das allen 
diesen Bedingungen ungezwungen genügt, so ist es das richtige. Das Attribut, das 

ich vorschlage, erfilllt diese Ansprüche: die Hand 
hielt einen auf ilen Boden aufgestützten Itogeti so, 
dafs dessen in Marmor ausgeführtes oberes Ende 
aus der Hand lieraus bis zur Höhe des oberen 
Stiftlochs reichte und mittelst eines in diesem 
sitzenden Melallstiftes Äum zweiten Male befestigt 
war, während die bronzene Sehne nur unten, 
nicht oben eingehängt, viehnehr in ilic Biegung 
des Zeigefingers geklemmt war. Die Fortsetzung 
dieses Bogens hat man sich hinter den Kusamnicn- 
schlagenden Gewantl;£ipreln xu denken, deren tief 
herabreichende Marmormassc genügende Breite 
hatte, um auch für den nicht genau vor ihrer Mit- 
tellinie siehenden Beschauer eine gute Folie filr 
die scharf sich abhebende Sehne abzugeben. Das 
Gewand schliefst jetzt mit einer Horizontalflächc ab; das fchlen<ic StUcU griff um 
das jetzt unterste hinten herum und endete dort erst wenig unterhalb der Hand, es 
hing also und erreichte nicht den Roden. Aus diesem jetzt fehlenden Gewaml- 
sipfel kam der untere, natürlich wieder angestückte Teil des Bogens heraus, von 
dessen Ende die Sehne, wie schon bemerkt, in die Biegung des Zeigefingers lief 
Da der durch die Hand laufende Teil des Bogens der Stellung der Finger gemafs 
ungefähr horizontal stehen müfste, so liatte der Bogen cttva die Form w*ic auf 
dem Orvietaner Krater'* oder der als besonders vcr^vandt schon erkannten Hektor- 
vase (Gerhard, A. V. III 204); dafs derartige Bogen auch längere Hitmcr lialKrn 
können als dort, beweisen andere Vasenbilder". 

Die Kraftanstrengung des linken Armes erklärt sich jetzt: er begnügt sich 
nicht den Bogen zu halten, sondern drückt ihn nieder, damit die Rechte die vom 
Zeigefinger der Linken schon bereit gehaltene Sehne bequem einhängen kann. Zur 
Vergleiehung diene die letzte I-'igur des Östlichen Theseionfrieses, die ihren Bogen 
mit der Linken auf den Boden und zwar, um das Abgleiten zu verhüten, gegen 
eine kleine Terrainerhöhung drückte, während die Rechte die Sehne einhängte". 



") Mon. doli' Iiut. XI 29, 

'*f ^ cir. II =6. S5. 90. Bcnnttorf, Gni-i-h. u. sict!. 
Vaienb. S$, I utnl S. I07. l>ulti>j<i-Muivoniicuvc 
15. Fri>bn<.T, Vase* iln i^rincv Napoleon I. 



Voilcccbl. VI 7. VIII 3. 
'*) filf: BogcnschÜlt. ist dii; Fikut nthun flur):h iln« 
am linken (Micncbt iik<;l cibalione ^i'^Ttv Zapfen- 
loch fUr den Kftcher guiiclieri. Zur ßintnpfiing 



94 



SMiet, NocfcOl^Elicbc* lum bljuii>i*chcn We9tt;icl>rL 



Wa.« wir ao Über die Attribute beider IIän<lc unter absichtlicher Vcrnnch- 
IfiMitfUDK ihrer Wechselbeziehung ermittelt haben, unterstützt sich jetzt get;enscitig: 
ein llo{(cn«chlItK »tcht, im licifrifl* seine Waffe schursferti}:^ zu machen, vor uns. Die 
Haltung, die binlier fllr eine li.-inilelnile Gestalt zu starr, fUr eine untatige zu unruhig 
schien, crkliiirt Hielt in unerwarteter Weise tiüs einer eigenarti|ren Aktion, die sich 
wie bei den mcifttcn Figuren dieser Giebel in einen einzigen hr>chst charaktcristi- 
«chcn Moment zusammcndränf^t. Hok<-*h "1*1 Sehne können in ilirc jetzij^c Lage 
nlinc Hilfe der rechten Hand nicht gekommen sein; <!cn einzitjen, kurzen Augen- 
blick, tu welchem die I-inke iillein handelt, nämlich den Hogcn zusammendrückt, 
benutzt flle Rechte, immer den ITeil haltend, zu einer blitzschnellen Gebärde ge^cn 
den l'eimi, ftlr den die Waffe bereitet wird. Nicht dafs sie ihm den Tfeil zeigt, 
iKt die llaupixachc, »omlern diese heftige Gebärde <lts Abscheus und der VerwUn- 
Hchunf;, ilie man sehr wohl mit ilem sivn'Tti \l<xx\<x der Neuijricchcn vergleichen 
kann. Jene» Zeilen allein würde eine gewisse Dauer verlangen, wie bei dem lang- 
•un wennchreitcndcn A[>ollon der I Icktorvasen , hier aber wird die iland im Nu 
wieder nach <lem Hogcn fahren, die Sehne aus iler Unken nehmen und sie ein- 
hängen. Damit i5t der Bogen schufsfcrtig, und den l'rauenräuber, der eben den 
letzten «chwachen Widerstand der Geraubten überwindet und im nächsten Augen- 
blick mit «einer Heute schon eine Strecke enlfemt sein kann, wird rechtzeitig der 
rächende Pfeil erreichen. 

l'Ur uns bedarf es. um uns das Verständnis dieser Aktion kii crschlicfscn, 
cbcniM) umständlicher Reflexion wie zur Wiederhci-stcllung der Anschirrungi^fzcne 
im ()Ht(iiebel; für den Keschauer des 5. Jahrhundert-s, dem wie die licspannung 
cincti Kciuiw.igeni* auch die beim llogenschicfscn üblichen llewci-ungen und Tempi 
bekannt waren, war Sehen und Verstehen eins, und die scheinbar starre Gestalt 
gewann vor seinen Au^jcn Leben und stürmische Bewegung. 

Ist dies richtig, so kann dieser Jüngling kein Gott sein. Denn ein 
»olchcr durfte nicht unfertig auf dem Kampfpl.iu erscheinen, sondern mUCste im 
Moment seiner Ankunft eingreifen wie A|K>tlon, der auf den Milfcruf seiner Mutter 
herbeieilt, um sie an Tity'os zu rächen, oder wie der Kpikurios des Phigaleiafrieses '*; 

■k« Ruccn* diente ri» *clir>tf nach unfcn i:t'hrn- 
tXr* l^ch von I cm Wdu unJ 1.75 im Ticl«, 
wdthr» an tUt rrchirn .*'ciic d« cfwRhnirn 
TciiftinrrMhtini; kn^climchi iu. Auch diese 
Fi|t«f wir Jic ihr licnnchliAite (*. o. S. j6) 
ttrutrlrn lleh«ftk-y unJ Ich unibhlaci(r ^*'*> 
rliMutilcT. 
*^J liinr Atlt;«-iitfiBe AhnlicbVvti >l«f I. lUml tÜMn 
A)'*^!!**«) mit iKt iccbim Att liitb«\&gat Meii 
in ntli <lvn ?«TtM BuIkKintrirn. ob jcncf wiii> 
Ikh «chkri«. Jctii kann kh, dank det l.ivbcti*- 
«fltilicVvit Ctdi Sintik'». dIrwQ 7.<rc4lrl ftlr 
lMll«)ltMf «fUtrm. Kl »ckictb» wir: • TV dkv 
■*«V M .Im. MtrMin mL/l' ü f^fy tKwntr. 




U ikam Mttt tif AmmA a<rf> /trtsu-J a^mt iJkt 
falm fri^aUlf kMimg t^mt ttjtfl, »f vAitk 4n^ 
«vr Iktri h m» b-mr^ ik* wrül n *mf ^k- 

ifitJi /X/ rtfAt AattJ kM tAt *mtl, jrd, 

imJ.4tk JfHgtTM f*rtly txttit^nl; iJit tit (mda) 
Jb^rr ii ^r*lfn «Mr< '•</ A« ifim tfHt rtmmJ 
» ms ^ ftim At Hfl ^ Ikf Ikmmt, mmti^ wM 
tkr d— > « twtir,- «f dt fnmt^Jmmäm ^ Ot 
imJfr *md Mw * tf muff kttl (Mml J ttUf- 
mttrti im iS— r*y> k MA< «W m »mUm- if* 
k SrUM m Oe MMlrr HJt if ^ kmd 

mmrf i^ri mi fy Am* Amw mt m diJ *• » »ml ti rn M/ 



Sauer, NttcktrSgUchc» iiini olymiiischcn WcKicwb«!. 



95 



am allcnveniysten aber ziemt einem Gott die leidenschaftliche Hast, das gprunghaTt 
unstete Haiulcln, das wir an diesem Jüngling beobachtet haben. Retten liefsc sich 
seine Göttlichkeit nur durch das bedenkliche Auskunflsmiltcl ihn jetzt nicht ein- 
greifen, sondern ihn wie den Apnllon der Hcklorvasen mit künftiger Vergcllnn^; 
ilruhcn zu lassen; dann aber niUftite sein Boycn so wie dort oder etwa wie anf der 
Hippolytiwvasc Arch. Ztg. 1S83, Taf. 6 in Ruhe, die Sehne also entweder cin- 
l>ehäni<t sein oder vom oberen Hnde ttclilaiT lierabhänyen, und in beiden Fällen 
bliebe sowohl das Loch in der Uicgung des Zeigefingers als die Kraflanspannung 
des Armes unerklärt. 

Gegen das imvcrmcidliche Ergebnis dieser Erwägungen, dafs nändich dieser 
Jüngtinj; ein JJeros sei. wirtl man vor allen) cinwcnileu, dafs der Beschauer, der im 
Üstgiebcl einen Gott inmitten einer heroischen Sxcnc dar^cstelli sah, auch die 
Miltelfigur des Wcstgicbels für gültlich halten mufstc, um) man wird diesen Einwand 
insbesondere durch Verweisung auf die aiginetrschen Giebel zu begründen suchen. 
Aber wir wissen viel zu wenig über das Wechsel Verhältnis der Giebclyrij])pcn eines 
und desselben Tempel», als dafs eine solche Analogie, xumal gegenüber den an 
kilbncn Neuerungen Überreichen olympischen Giebelgruppen in's Gewicht fallen 
könnte. Viel beachtenswerter scheint mir der Einwurf, dafs eine Gestalt die ihre 
Umgebung so beträchtlich überragt, ein Wesen höherer Gattung sein miisse. Aber 
auch dieser hält nicht Stich. Üafs im westlichen Parilienongiebcl die beiden Miltel- 
figurcn die Ihnen zunächst benachbarten, die doch auch Götter darstellen, an GrÖfae 
bedeutend übertreffen, mag noch hingehen; bedenklicher mufs schon das Beispiel 
des Ostgiebels machen, wo Hcphaistos, der unmittelbar neben Athena steht, merk- 
lich kleiner als diese gewesen sein mufs. Aber wir haben ein viel schlagenderes 
Heispiel in dem etwas ähcrcn Ostgiebel des delphischen Apolloiempels (Paus. X 
■9i 4)> ^o Apollon, Lcto, Artemis die Mitte einnahmen, Apollon also Mutter und 
Schwester überragen mufste, während im Westgiebel Dionysos nicht unter seines 
Gleichen erschien '\ sondern von untergeordneten Wesen umgehen war. 

Der Jüngling des olympischen WestgiebeLs ist also ein Heros wie die 
anderen und nur als Hauptperson höher von Wuchs und edler von Gestalt. 
Er ist erst herangi;konimcn, während alles schon in i^ildem Kanijif bcgrilicn ist, 
und ist der einzige, der sicher mit regelrechter Waffe kämpfen wird, 

Angesichts dieser Walimehmungen habe ich keinen Grund mit einer vor 
langer Zeit gemachten Beobachtung zurückzuhalten, die für sich allein keine genft* 



tpire . . . .' KnUGlici<!cn<l ist die Klciuheil drr 
bier crwlhnlcn Locher; aDftMogcn wuide die 
A«liH Tom D^unii-n. Die I. Maiiil i.-r«c)iMnt 
in Dantcllun^cn <3a% BogcnschiEferns in «ehr 
wech-w-'Inilti Slcllunt;: l)irn>erkcn»wcrl sind Fitllc 
viit Ccriiacd A. V. tl9,'2o, Mun. d. liiM. 1 zo^ 
wo der (ivi{:i-fingiT gestreckt t*t. 1>ct ITeil 
rafalc wold wie beim A(M>llna de« Oiv-ictaitrr 
NiobidcukraKt* Mvn. d. Intt. XI 40 auf dem 



Dil Hm CD. 
'") tU-lioi, im Vcmlnken ttargc^relll, echi'<rt natUi. 
lieh in die linke (nnid weil liehe} Kcke; m der 
rechten niiirv Ihm die nuriniiehi:ndc .'«clviic CDI- 
»ptochcn haben. Hah die« mit nichaiMihcr 
Typik im HiDklan); neht, der Mriticr de» Par- 
thenon (^iebcl nUo auch in dicf^cDi Punkt nicht 
etwas v«lligNeu» >chuf. hoffe ieh gcle^fentlich 
an Fini|[en Vasenliilderii ru rci|[c». 

8* 



gieadc Beweiskraft haben würde. Auf der Wiener Vase, die zum Verständnis der 
Gicfac^mppe des öfteren die vortrcfTlichsten Dienste {geleistet hat, ist der inschrift- 
licb bezeugte Peiriihoos nicht in den Kampf verwickelt, sondern kommt, das eilig 
aufgcrafitc Schwert" in der Hand, erst herbei. 

Die Monumente sprechen also nachdrücklich filr den bisher allgemein angc- 
fochlcnen, nur von Rnmn'* neuerdings vertcidtKtcn Kerieht des PaiiKantas: die Fijjur 
»teilt Peirithoos dar, der im liciiriff ist nicht sowolU seine Hraiit aus den Kämlen 
de* Kiiubcp« zu befreien n\s die ihr nnj^etanc Schmach auf der Stelle durch seinen 
l'od zu rächcti. 

Man wird dat^cgcn einwenden, dafs die Waffe in beiden ]''ällcii nicht die 
gleiche »cl. Aber <lie«c Verschiedenheit lial rein künstlerische Gründe. Am dcut- 
lichntcn seilet da» die kurze, aber luichst lehrreiche Keihe der Apnilon - Tilyosdar- 
ftetlun(fcn. die man jetzt in Ovcrbccks K.un>>(ni)'tliologie Atlas Taf. 19, 8 und 23, 
2 — 8 zuflammen^cMclll fmdel. In dem ältesten, noch rein parataktisch kompunirlen 
lÜlde (23,2 = Mon. dell' liwt. 1856. 11, r) wird Tilyos vim Apollon und Artemis 
nie<icrgeitcho«iM:n, und mit voller Naivetät behalten der M:üer des athenischen Hildes 
(19, 8 ^ '\-/f*,[UfrU 1883 Taf. 3) und der Künstler des kni<Iischcn Weihgesehcnkes in 
Delphi" diettes bei engerer Gru|>])irnng seltsam wirkende Verfahren bei, das auch in 
i-incm roifinurinen Va«enbild (23, 7 = Ml. c<;ram. 11 57) auftritt und liier in seiner ganzen 
VVidcrKJnnigkcii nich offenbart. Um den lästigen Zwang der Tradition zu brechen, 
wagt Kulhymides (33, 4 = fei. cfram. U 56) einen gana neuen und keineswegs 
pasacnden Typun, wührenil der Maler von 23, 3 (= Kl. ctfram. II 55) die Gunst 
des gegebenen Kaum» benuty.1, um den Schützen und sein Ziel durch einen für die 
Komposition freilich nicht vorteilhaften leeren Zwischenraum zu trennen und so dem 
alten Typus noch einmal zu einem künstlichen Leben xu verhelfen. Da gab ein 
beherzterer Künstler dem Apollon das Schwert in <lie Hand und fand damit so 
sehr den Heifall seiner Zunftgcnr>ssen, dafs von nun ab Tityos, anfangs noch durch 
die vom alten Tyjius übriggebliebenen l'feilc verwundet (23, 5 = Mon. dell" Inst. 
1S5C, 11,2; 23,6 w= ebd. 10), zuletzt nur durch das Schwert umkommt, walirend 
Bogen und Pfeile, aufser Gebraucli gesctstt, nur als leichtverständliche Attribute in 
Apollun's Hand verbleiben {2i, 8 =a Gcrhanl. Trinksch. u. Cef C, i). 

Auf dieselbe Weise ist es zu erklären, dafs Apollon im Gigantcnkanipf 
nicht mit dem Hogcn, sondern mit dem Schwert kämpft'", einmal sogar mit der 
brennenden t-ackel zuslofst*'; das Attribut seiner Lmkcn, bald die Schwertscheide, 
bald der unbenutzt bleibende ]togcn, verrät noch den Kampf des jüngeren Typus 
mit dem älteren, der uns in keinem Monimient erlialtcn ist. 



>^ R. 9. Schnetdtn L(ebetu«llnli|[t(c]t venlinke ich 
vtnc cmeutc Unirnucbunit auch ilkter Ki|{UT. 
Uftrnack l«t nur ein klein» Stuck der Schwerl- 
klinge rrgHost. 

■*> A. a. O. 8. IMi 



'*) Fans. X II, I. Was Icli frahcr Ober dieses Werk 
und (eine Verwandten bcuicrkl balie (Anf. d. 
BiM. Gruppe S. io) lionimt nklit Ul>cr Aatner* 
liühkcilcn hinauit. 

») Vgl. Maj-cf, Gigsmtcit und Tilaneit 8.333^351. 



'*) MooHmentx Gtecs 1S75. i; Mafcr S. 3S6- 



Kun»UvL-rkc einer Epoche, die solche Proben feinen Geßlhls für das künst- 
lerisch Zweckmäfsige geben kann, darf man nicht immer mit der Frage [winigen, 
ob üie in das pedantische Schema althergebrachter Typik hineinpassen, und -sie 
dürfen auf schonendere Heiirieilnng besonders e!;inn Anspruch erheben, wenn «ie 
unter ao ungünstigeit äufsereii Bedingungen ^^jeschafreii werücti wie eine Giebel^ruppe. 
Vergleichen wir die unsere mit dem Bilde der Wiener Vase. Für den zulcüst 
Ankommenden war in jeder der beiden gej-ebenen, mit l"iguren zu fiiüenden Räume 
nur ein einziger Platx: in dem 1 an j^^ie^t reckten lüldstreifen der Anfang, in dem 
GiebeUireieck die Mitte der Darstelluni;. Dort konnte l'eirithoos durch einen 
mäfsigcn Abstand deutlich von dem Kanipfjjcwühl getrennt werden, hier war es 
unvermi-idlich, ilm mitten in dicKCü hineinzustellen; konnte aJso die VerspäUuig 
seines Eingreifens nicht wie dort durch raundichc Verhältnisse einfach motivirl 
werden, so war ihm eine dieses Kingreifen erst vorbereitende Funktion zuzuweisen. 
Dasselbe folgte aus der ebenso unvermeidlichen Notwendigkeil, den Rächer, der in 
dem Vasenbild von der Bedrohten so weit als möglich entfernt ist, hier in ihre 
nächste Nahe xu stellen. Das Problem war schwieriger, die Lösung geriet begreif- 
licherweise künstlicher als in dem Vasenbild; Uniluuttichkeit aber zum mindestens 
kann man dem Künstler <lcr Gicbclgruppc nicht vorwerfen, denn dafs die rächende 
Tal erst bevorsteht, ist hier ebenso deutlich durch die noch unfertige, dafür aber 
fL-rnwirkende, wie dort durch die nahewirkende Waffe des noch weit entfernten 
Rächers ausgedrückt. 

Auf die Aufstellung ticr l-'iguren haben diese Ansichten keinen F-Influfs. 
Auch wer den I'feil bestreiten und die rechte Hand k'cr lassen wollte, müfetc ver- 
langen, dafs ihre bedeutsame Gebärde nicht verborgen bleibe, und dos ist erst 
möglich seit Treu's Umstellung, die nur die eine Correctur zu fordern scheint, die 
Miltelgruppen der Glebelmillc noch ein wenig zu nähern, um jene Hand voll sicht- 
bar werden zu lassen. 

Rom. Bruno Sauer. 



NOCHMALS DIE OLYMPISCHEN GIEBEL 

Den vorstehende II AusfüJirungcn l*'itrtwänglcrs über «ki» Ostgiebel (S. 76ff.) 
und Sauers über den Westj^icbcl iJes olympisclien Zcustempcts (S. 8Sff.), welche ich, 
Dank dem Entgegen kommen der Verfasser, in den Conrcclurbogcn einsehen konnte, 
lasse ich einige Werte der Knlj;ct;nuni4 folgen. 

Zunächst habe ich meiner l^reude über die ZusUmmungFurtwänglcrs zu den 
Wesentlichsten Grnndsälzen Ausdruck 7.u geben, nach denen der Ostgiebel von mir 
geordnet wurde. Diese Zustimmung ist mir namentlich in einem Punkte wichtig, in 
der Frage der Funclorte. Denn Kurtwangler kennt die Arbeit auf dem olympischen 
Trümmerfeld aus eigener Erfahrung, und wenn er nun seinerseits ebenfalls der An- 
sicht Ausdruck giebt, dafs auf Hie Fundumslände fllr die Anordnung des Giebels 
nicht zu b:tuen sei, so fallt das um so mehr ins Ge^vicht. Ich kann hinzufiigcn. 
dafs sich Düfiifcld schon früher milndlich in demselben Sinne aussprach. Kndlich 
halte ich auch neuerdings Gelegenheit Gustav Mirschfeld, den Entdecker der vor- 
zugsweise in Betracht kommenden drei Statuen [N E P vom Oslgiebel) um seine 
Ansicht zu befragen. Jlirschfeld nun hielt allerdings daran fest, dafs er bei Auf- 
findung Jener drei Giebelfigurcn nach seiner Erinnerung nicht den l-'indruck von 
Verbauung gehabt habe; aber er gab zugleicli zu, ilafs er damals beim Beginn der 
Ausgrabungen in dieser Beziehung selbstverständlich noch keine Erfahrungen zu 
sammeln vermocht hätte. Und was den Hauptpunkt anhetrif^, die Frage, ob man 
aus jenen Fundunistanden einen Schlufs auf die ursprüngliche Reihenfolge der Sta- 
tuen im Giebel machen könne, so glaubte er «lies, wie früher, so auch jetzt mindestens 
offen las-iicn zu müssen. lUttc er doch, wie bereits im Jahrbuch IV S. 276 hervor- 
gehoben, in einer unmittelbar nach der Auffindung der Statue niedergeschriebenen 
Tagebuchnotiz die mittlere jener drei Statuen, den ritzenden Knaben (/:") wegen der 
Art seiner Ausarbeitung in die linke, also von der Fundstätte abgcwandle Gicbelhälfte 
vor das Südgespann versetzt, genau an dieselbe Stelle, an welcher auch ich jene Statue 
eingeordnet habe. Ebenso steht in seiner filr die Deutsche Rundschau IV zu S. 324 
gelieferten Rcconstniction der olympischen Gruppen <)cr Greis gleichfalls nicht an 
der Giebclstelle, unter der er aufgefunden wurde, sondern viel weiter nach Süden 
vor dem Oinomaosgespann. Dafs der zweite Augenzeuge jenes Fundes. Adolf Boet- 
ticher, den Standpunkt einnimmt, dafs von den Fundorten auf die Aufstellung kein 
Schlufs statthaft sei, ist aus seinem Buche Über 01>'mpia' S. 2G6 und 27C bekannt. 

Doch ich komme auf Furtwänglers Aufsatz zurück. Er also stimmt der von 
mir vorgeschlagenen Anordnung im allgemeinen bei. Nur in Bezug auf einen I'unkl 
ist er abweichender Meinung. Er liait es für eine unzulässige Durchbrechung der 
Symmetrie, dafs nicht auch das Oinomaosgespann von lüntcn her gczügcll werde, 



Treu, Nodunal» <lic tilynipischcD Cieltcl. 



99 



wie das des Pdops, und zwar umsomchr, aU auch die Bohrlöcher fiir die Zügel 
zwischen den Hähcn der Rclicfpfcrdt: in dieser Richtung wiesen. Auch könnten die 
ITerde, weil »ie bereib ferlit; angeschirrt daständen, nicht mehr mit Lcltseiten ver- 
sehen sein und an diesen von vorne her gehallen werden. Uebcrdles sei der sitzende 
Mann L, mein Myrtilos, eben aLs eine sitzende Gestalt zu einer solchen Ilamtlung 
ungeeignet, und endlich auch nach Hcdcutimtj, Aller und den Höhenverhältnissen 
kein i)aät:endcä Gegenstück 2uni sitzenden Knaben. Furtwangicr schlägt daher mit 
Kekuld vor, das Icniccnde Mädchen (ö) als Dienerin der Sterope vor dem Oino- 
maiisgcspann aufzustellen und daftir den sitzenden Mann zwischen Greis Und Kladcos 
einzuordnen. 

Wenn man nun fragt, was er denn hier solle, so antwortet I*'urtwangler S. 85 
Hdafs dieser Mann ein unerwartetem Vogelzeichen erblickt, das ihm zur Unken un- 
hcilktindend erscheint<. Also ein Vogelschauer! Freilich »kein Manlis von I'ro- 
fession, sondern nur ein Genosse des Myrttlos (als so!chcr gilt Kurtwängler der Greis}, 
Dienstmann des Üinomaos, wie dieser, genau entsprechend (?) dem zweiten der Felops 
Wagen beigegebenen I-eutc«-. 

Also doch ein, wenn auch nicht profcssion eller. Vogelschaucrl 
Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich annehme, dafs dieser Vorschlag, 
wie er mich überraschte, auch von den übrigen Fachgcnosscn mit ungläubigem Kopf- 
schUtteln aufgenommen werden wird. In der That: woran sollte der üeschauer denn 
erkennen, dafs hier ein ',iu»voox'Ii:'j; gemeint sei? Einem dswxoTis'Ww würde man das 
allenfalls noch ansehen können. Aber dieser Gcstus ist durch die gegebene Rich- 
tung des linken Oberarms ausgeschlossen. Furtwängler giebt seinem Vogelschauer 
daher einen Stab in die Linke. Aber da cincrseit.s die Hebung des Oberarms ge- 
geben ist und an<lrcrseits die Senkung des Giebelgeisons an dieser Stelle dazu 
nötigt, den Stab ziemlich niedrig fassen zu lassen, so entsteht eine recht gezwun- 
gene Gebcrdc'. Man empfindet das sehr, wenn man die natlirlich freie Amihaliung 
des Greises daneben im Abgufs vergleicht .Aber gesetzt auch der Stab wäre fiir die 
Linke an dieser Stelle möglich und erwiesen — zur Charakteristik der V()gelschau 
würde er ebensowenig beitragen, wie die Jtcwegung der Rechten. Diese denkt sieh 
Fuftwängler »mit einer das Staunen beg!citen<len Geberde erhoben«. Jedoch selbst 
wenn eine solche Geberde des .Staunens im Geiste der Kunst des 5. Jahrhunderts 
gewesen wäre, was ich nicht glaube, so wurde dieses Staunen hier docli nur sehr 
lahm zum Ausdruck gekommen sein. Denn erhoben kann, wie das auch Furtwänglers 
Ansicht ist, lediglich der Unterarm gewesen sein. Wenn dies sich aber so verhält) 
wie sollte der Grieche jener Zeit, der gewohnt war, eine ähnliche Geberde als den 
Gestiis der Anbetung zu deuten, hier auf ein Staunen raten? lis bleibt »die leb- 
hafte unbequeme Wendung» und »der besorgte Blick«. Aber auch hier entsteht 
doch die Frage, wie denn erraten werden konnte, dafs die besondere Ursache dieser 
Unruhe und Hesorgnifs im Vogclflug bestehe? Schliefslich scheint mir doch auch 
der Platz zur Au-sschau nach den Vögeln von sÄmmtlichen Stellen im Giebel als der 

') t>ie kleine J^ichnunf; S> 77 itl in Oie^r Bciktititic niclil ^ni genau. 



100 



Tnm, Kocbnub die oljrnpftcbra Giebel. 



atlcruiiuQnBtiKBlc. Denn liier bcwumicrt der Bliclc des Vogelscliaiic-rs. wenn er sich 
Bucl) nur ein wrniii Iicbl, lcfli(;1ich die Wasscrnasc Hcs Gicbelgcisons'. War der 
Müim wirklich ein Vogclvcliauer. ko gehört er crsl recht an den llaU. wu ich ihn 
hingestellt: in <llc Mitte, wo der Ausblick nach allen Seiten frei ist, wo die Auf- 
rocrk«anikeit eher auf eine so bcdcut»anie Gestalt hingelenkt wur<le, wo auch schon 
eher eine Combinaiion jenes vorausgesetzten unheilverkündcnHcn Anzeichens mit 
ricni Willen HeK '/.cun und dem Schicksal der <licht daneben stehenden l'cri^onen 
dcnkb:ir wäre. Aber, wie gesagt, ich kann es weder wahrscheinlich noch überhaupt 
möglich 5nden, dafü hier ein Vogel»chauer gemeint sei. 

Ich behaupte ferner, dafs auch ganz abgesehen vnn der Deutung der Gcintalt 
dcB sitzemlen Manne», dieser schon aus rein furmaleii Gründen sich niemals zwischen 
Grei« und Kladco» befunden haben könne. 

Zunäch»L läCnt sich die Wiederholung zweier gleichmäfstg aufgestützter 
p.irallclcr Stiilie hei nahrxu gk-icheii Unirissen vom Greis und des&cn vermeintlichem 
Nchentn.uine nicht ilureh die Hcnifung auf die entgegengesetzte Kckgruppe des 
GiebcU rechtfertigen; und zwar deswegen nicht, weil die Umrisse dort der Giebel- 
linic folgen, ihr aber hier die Hcwcgung der Gestalten entgegenläuft und überdies 
der richtige Abfall derKopfUoben vcrniifst wird. Furtwängler macht dagegen 
gclleiul, daf» der sitzende Mann un<l sein Gegenstück im Giebel, der j^nieende Knabe, 
[ß] von gleicher Hölic seien, und will in genau gleicher Höhe der Gegenstücke und 
in genau gleichem Abstand alter Slatuen vun der Gicbelmitte ein Grundgesetz der 
Gicbclconipuitition sehen. Aber dafs dieses Gesetz in unseren Giebeln nicht mit 
pc'inhcher Genauigkeit <Uirchgefilhn war, die nur zu einem unkünsticrischcn Schcma- 
tinniUN geführt hätte, zeigt gleich der sitzende Greis, welcher ganze I2cm niedriger 
ist al« der kniccnde Mann [C), den doch auch Furtwänglcr als sein Gegenstück gelten 
Itif^t. Zweifellos nuifstc ttas Auge iluch allezeit viel empfindlicher gegen Ungleich- 
mflfitigkeitcn in den Hohenabstufungen unmittelbar benachbarter Gestalten, in un- 
Acreni BciHpiel uUo gegen den allzugcringen Höhenabfall zwischen Greis und sitzen* 
dem Mann sein, als fUr Grofscnnntcrschicde von Figuren, die fast durch die ganze 
Giebelbreile von einamlcr geschieden waren. Wie stark aber gerade in der l'urt- 
Witnglcrschcn AufstdUing das Gleichgewicht zwischen den beiden entgegengesetzten 
Kekgnippen <)es Ostgiebets gcstürl i.st. wird jedem ein Blick selbst auf die kleine 
Abbddung S. 77 zeigen. IJnks dtlnnglicdrige Gestallen in vcrhältnifsmäfsig weiten 
Abstanden mit rcgchiiäfsig ansteigenden Kopfhohen, in deren Bewegungen der Mitte 
lugcwaadt; rechts iwci massige Figuren von annähernd gleicher Höhe, die ftlr die 
pem|K'kiivische Ansicht von der Mitte aus noch mehr zu einem breiten Klumpen 
«u»ammcn gerückt sein wünlcn. 

Nach stärker ist der Gegensatz gegen die Eckabschtüssc des anderen 
Giebels. Man vergleiche nur deren Zusammenstellung im Jahrb. IV S. 303. 



*) Ihn K«iu dlcbi «I die VcnlcikMitr tlc» GicM« 
N rück«« hintWn «incNrit« der (Uvorpftchi»- 
beiH Attu dn Ürmct, «tHlrcneit* die eigenen 



Aintr 4n Manon utm) det Stab, det doch 
aoiih tancrkalb des Otrbch «■fpe^tllttt (rwoea 
tcin nt&tc 



Treu, Noehm«h die olrnpuchva Giebel 



101 



£s komml hinzu, dals die ZusaninncnrÜckungcn, die Fu^t^^än^lc^ mit den 
(ibrigcn Gicbcislatucn hat vomL-limcn müssen, um ilcn silzciidcii ^[.^nn an der zwei- 
ten Stelle von rechts eiiizuzuaiiycti, ri). E. nicht nur keine Verbcs^eru^ycTl sind, wie 
er meint, sondern an cfner Stelle auch mit einer tcchnisrhen Vurkchrung in Wider- 
sprudi yeraten. lis ist nämlich jeUt nicht mehr nioi^licli, wie ein Vergleich von 
Furtwanj^lcra Abbildung mit J;\hrb. IV Taf. 8/9, i bei .Verzicht, die Wngenplinihcn 
in den Ausschnitt vor dem rechten l-'ufs des Greises (jaiirb. IV S. 2H5) eingreifend 
zu denken*. Ferner nimmt es sich doch sehr übel aus, dafs fUr den Standpunkt 
vur der Mitle vun ileni rechten Gespann der letzte l'ferdckopf fast i^anz, der vum 
linken iiahcrti halb hinter den Armen der Frauen verschwindet*. 

Aus ^Itcn diesen Grünilen künnen wir nicht glauben, dafs FurCwängler mit 
»einer Gestaltung der rechten Ecke des Oslgicbcls das richtige gclrofTcn habe. 

Zu demselben Ergebnifs gelangen wir, wenn wü" den Folgerungen nachgehen, 
welche sich ans jener Umstclhm^ für die Deutung des Greises und fUr die Ziigehmg 
der Rosse ergeben. 

Zunächst soU der Greis, um zum MjTtilos werden zu können, kein Greis 
mehr sein. Seine Glatze ist gleich der der Kentauren und Silene nun eine »Cha- 
raktcrglatzc« ; die grofscrc I^-ibcsfidlc deute im Verein mit der wärmeren Bcschuhimg 
auf den BScIilcninieri Myrtilus. »Und darum Schlemmer und Verräter!" Der Belastung 
seines Wagens und der Gcwandhcit seiner Rössel cnkcrkunst wäre seine angeschlcmmtc 
Koqierfülle kaum zu gute gekommen. Und auch Sliaksperes Witrt von den wohl- 
beleibten Männern mit glatten Köpfen würde zu Schanden. Denn was der schwam- 
mige Schlemmer hier sinnen soll, ist Verrat. Wie sehr ist dieser Myrtilos doch seit 
jenen lagen herabgesunken, da Loschckc in ihm die Züge des Gottervaters Krunos 
wiederfand! 

Aber im Krnst: niufs denn nun wirklich jeder Greis dcs'5. Jahrhunderts eine 
»Hakennase, eingefallene Wangen und vor allem schwaches Untergesicht mit kümmer- 
lichen Bartstoppeln* haben? Edle Greise wenigstens werden in dieser Zeit und schon 
früher anders gebildet. Man sehe doch, um gleich das erste beste Beispiel aufzugreifen, 
l'riamos, der auf den Aniphuren bei Gerhard, Auserl. Vasenb. 111, iSS u. 189 inschrift- 
lieh gesichert ist, und auf dem zweiten dieser Vasenbilder dieselbe nachdenkliche 
Geberde zeigt wie unser Greis. Furtwangler setb.-^t hat früher die beiden Männer 
In der Gesantschaftsscenc des Nereidenmonuments (Mon. deirinst. X Taf. 16, n. 16S 
bis 169] zum Vergleich mit unserem Greise herbeigezogen. Gewifs hegt auch hier 
die Wahrheit zwischen dem Göttervatcr imd dem verräterischen Schlemmer in der 
Mitte. Unil Niemaml hat sie treffender au^esprochen wie eben Furtwangler, als er in 
den Prcufs. Jahrbüchern (Bd. $:, S. 373) an den weisen Sclicr erimierte, »der das 



') Dcßo welchen Zweck hntte es ge)iAt>t, die l'linihen 
ganie 18 cm (00 lit:f i«! der Aii»clinil[) vor die 
Kader gegen den vorderen Cicbelrnnd tu vor- 
«pnngen m lji$<^cni Wrnn man l'Iitt sparen 
wollte, warum schnilt nwB nicht liebci jcnvn 



zwecklosen VoKprung der Wagcnplioihcn ab, 
3ii*Mll den Fufs des Greis« lu kappenl 
*) Die Zciclinung S. 77 ist hierin nicht i;enau, die 
GcsUttca auf ibi Überhaupt etwa» eu klein (üt 
den Ctebelralimen. 



UnlKÜ licraufaichcn sieht, ohne es abwenden zu können« und den Halinicdes auf dem 
l<i)rinlhisclicn Viisenhild mil Aiiiphiaraos." Auszug verj^Ieiclil [Mtm. dcll' Insl. X, ^, 5; 
Baumeister, Deukm, S. 6" Nr. 69). DtC»c Parallele scheint mir auch jetzt iiocli so 
schlagend, dafs sie für mich die Krage nach der Oeutun^ des Greises entscheidet 

In der Tlial, wenn Jemand sich unabhängig von der Rücksicht auf die Auf- 
slelhinK im Giehel fragen wollte, welche von den hehlen Gestalten wol eher An- 
spruch auf den Namen des Myrtilos höbe, der sitzende Mann oder der sinnende 
Greis — wer würde wol einen Augenblick schwanken? 

Aber eben j^rade seine Stelle hinter (iein Gespann des Oinumaos soll im 
Verein mii den nach hinten geführten Züjjeln der Reliefpfcrdc und imtcr Vergleich 
der Gestalten auf der Gegenseite des Giebels den heweis liefern, ilafs unser Grets 
der gesuchte Myrtilos sei. Gewifs, er sitzt hinter den Pferden, wo in der anderen 
Hälfte des Giebels der Kwsselenker iles Pelops sitzt. Aber tlavon hat Kurlwnnglcr 
sein künstlerisches Fcitigcfiihl doch zurückgehalten, dem Greis die Zügel in die 
Hanil zu geben. Sie sollen um den Wagenstuhl geschlungen sein. »Das griechische 
Gcfahrt war allerdings sehr leicht, bot aber doch einen gewissen Halt; auch :%itz( 
,hier der Kutscher ja unmittelbar neben seinem Wagen, flen Hlick auf die I'ferde 
gcriclitcl (r) ; sowie er sie unruhig werden sieht, kann er sofort eingreifen.' Das hcif&l 
doch wirklich, es mit der Sorge um die Zügelung der Kasse etwas leicht nehmen, 
zumal wenn man sieht, wie scfshaft und nachdenklich sich dieser Myrtilos nieder- 
gelassen hat. Und währcn<l Kurtwängler sich hier mit tlcm geringsten Maf-^ von 
blüfecm Aufmerken auf das Gespann stilens des Rosselenkers begnügt, sleUt er für 
die Zttgclung der Pferde von vorne die strengsten Anforderungen. Hier soll dazu 
eine sitzende Gestalt überhaupt nicht im Stande sein; hier soll es dazu durchaus 
eines stehenden Mannes bedürfen, und es soll nur dadurch geschehen können »dafs 
eine Person in die Zügel nahe am Gebisse fafste«. Ich emp5nde das nun wieder 
als Ungcrechligkeit gegen meinen Myrtilos, der mir seiner Pflicht ganz genügend nach- 
zukommen scheint, wenn er vor dem, vorläufig tlocli ganz ruhig dastehenden Ge- 
spanne an der Krdc kauernd die Zilgcl des \'orderstcn Handpferdes gcfafst hält. 
Auf dieses eine Pferd und dessen Zügel habe ich seine Thatigkeit scliun im Jahrb. IV 
S. 292 beschränkt gedacht. Dafs es eben die Zügel und nicht der Halfter gewesen 
sein müfstc, den er fafste, fordert Furtwängler wol mit Kecht. Aber was sich gegen 
eine solche Zügelung des Vorderpferdes durch den sitzenden Mann mit Grund sollte 
einwenden lassen, vermag ich in der 'l'hat nicht ciiuuschcn. Dtc Züge! der Rcltef- 
pferdc dagegen mögen immerhin am Wagenrand oder am Joch befestigt ge- 
wesen sein. 

Furtwängler freilich hat hingegen grade eben die Stellung meines Myrtilos 
geltend gemacht. Sie sei »für die vorausgesetzte HamlUuig so ungeeignet wie mög- 
lich«. »Der Versuch am lebenden Modell lehrt, dafs dieser Mann, wenn er mit 
beiden Händen wollte die Zügel oder l^eitseile halten, imi nicht zu falten, an den- 
selben so heftig rejfsen müfstc, dafs die Pferde, namentlich die hinteren, unmöglich 
die ruhig gerade Hallung der Kopfe bewahren könnten dit: stc jetzt zeigen.« Ich 



Ttra, NmIiimH die nlyTnpiscIien Gitt»!. 



»03 



konnte hier mm ent}>c^nt;n, dafs Jic Kopfe der RelJcrpferdc bei mir ganz aus dem 
Spiele bleiben und <lals wir die Kopfstcllung des Vorder pferdes, um die es sich 
docli hier allein liandell, nicht genau kennen, tJa Hals und Urusl fehlen. Aber ich 
will hier lieber ehrlich zuii^ebcn, dafs Furtwänglcr und Sauer recht hatten, wenn sie 
fUr die Linke meines MyrtiLoK einen Stab als Stützpunkt forderten. 

Was mich bisher davon zurückhielt dieser Aiuialime zuzustimmen, obgleich 
sie meiner Aufstcllunjj ju nur zum Vurteil gereichen konnte, war der Umstand, dafs 
ich dos von Possenli dem sitzenden Manne xunewiescnu linke Handjjelenk (siehe die 
Zeichnungen S.28 rechts und S.72 Abb. 1 1 und 12) nicht anders unterzubringen wufstc*. 
Nun hat eine dieser Tafjc unternommene KrKanxu}» der Heifseri;rupj>e des Westgiebels 
(/" Q' Jahrb. III Taf. 5/6) ganz unerwarteter Weise für den linken Arm des kenlauren- 
würgcndcn Lapcthcn Q' eine gewaltsame Drehung als notwendig herausgestellt, welche 
plötzlich die crwihisclite Möglichkeit darbietet, das Handgelenk hier zu vcnvendcn. Ich 
werde darauf weiter unten noch ausführlicher zurückkommen. Wir hätten damit also 
die Freiheit wiedergewonnen , nnsern Myrtilos sich mit der Linken auf dxs Kentron 
stützen zu lassen und ihm in die Rechte die Ziigel des Vorderpferdes zu geben, dte 
er dann ganz frei und leicht hulteu würde. Das Kentron könnte und müfslc er an 
dieser Stelle, des gehobenen Unlerantis wegen, beträchtlich hoher fassen, als er dies 
auf Furtwängicrs Entwurf vermag. So wäre er durcli die Attribute beider Hände 
als der Wagcnlcnker der Oinnmaosseite charaktcrisirt, die Abwendung von der Mitte 
durch die Rücksicht auf die hinter ihm stehenden Russe erklärt. 

Ich komme nun zu dem letzten Iiin\mrf Furtwängicrs; der siuende Mann 
sei kein passendes Gegenstück zum sitzenden Knaben H, und zwar, weil er nicht 
unwesentlich (16.5 cm) höher sei als jener; er sei ferner in kleineren Verhältnissen 
gebildet uu<l endlich werde man so starke Allersdifferenzen bei Gegenstücken sicher 
vermieden haben. Aber bei dem Gegenstück, das Furtwängler dem sitzenden Manne 
giebt, dem knieenden Knaben [/S] ist doch die Altersdifferenz und die Verschieden* 
heil der Proportionen genau ebenso gro&l Und dafs ein solcher Höhenunterschied 
bei Gegenstücken allerdings als zulässig erachtet wurde, beweist die schon hervor- 
gehobene Diflcrenz zwischen der Höhe des knicertdcn Maimes {Q und der des 
Greises (;V) im Osli^iebcl, der Dcidameia (//') und ihrem Gegenstücke {<?') im Wcst- 
gicbel. In dem einen Falle beträgt der Unterschied etwa 12, in dem andern gegen 
20Cm*. Furtwängler weuilet ein. das liege in der Verschiedenheit der Motive tler 
beiderseitigen Gegcnsiiickc. Gewifs! Aber wenn die absolut gleiche Höhe für die 
Gegeastückc im Giebel ein unverbrüchliches Hildungsgesctz gewesen wäre, so hätte 
man doch eben nicht so vcr»chic<lcnc Motive, wie in den angerührten Beispielen, 
Pur die Gegenstücke in Anwendung bringen können. 

Dies gilt auch den Bemerkungen gegenüber, welche Furtwängler in Bezug 



*) Der Vonclilag Furlwin(;lcrs, diu Hjindgclcnk 
dem Vniccndi-n Wagcntcnlicr der linken Seite C 
lu gehen, hahc ich nncb der Ait dct hier ge- 
forderten Kcwrgimgcn (llr v^llig iiniiu<.rütiTb»r, 

") Viellcichi >cilllc diu nachträgliche Abarbeitung der 



Unlcrseire von L die Gccemrtickc in ihrer llt>he 
etw&s mehr ouseleiclien. — Vab die Spiuungen 
an der linken Seite nicht gegen eine AuhlelluDg 
livi / spri-<;lieii »•^hciiit mir cioi:h immer die At- 
mcilsclun^ des Rockens von £ lu beweisen. 



104 



Treu« Nochmi!* <1i« ol/mpisdien GwHcL 



auf die drcitrckii^c Gc!>tall des Grundrissus von /. ^umaclit hat. Wie bei li, dem 
sitzenden Knaben, so hatte ich auch bei seinem Gegenstück, dem sitzenden Manne, 
darauf hingewiesen, dafs diese von der Gc5(altun|; der übrigen Grundrisst: abwci- 
chcnde Dreiecksform ihren Grund in der eij;enlümlich knappen llegrenzung des 
Kdiims gehabt liabeii inüfste, welchen die Statuen zu lullen hatten. Kür £' gicbC 
dies FurtAvangler auch vollkommen zu und hält dies sot^ar für »eines der sichersten 
Kcsultate" der Giebel furschun^. I'iir L aber sei der V'all ein ganz anderer; dort sei 
der Grundrife nicht durch die Anlat;e der Figur selbst, sondern künstlicli dadurch 
hervorgerufen, dafs ein Stück dc^ Rückens mit dem ganzen Glutäus abgemcifscit 
sei; >hier aber i.-^t die unj^efälir dreieckige Fortn «les Grundrisses von L lediglich 
durch die Anlage der Figur selbst begründet und beruht keineswegs wie dort auf 
einer Abarbeitung Kum Zwecke der AufsteUung«'. Allerdings nicht; aber die An- 
passung an den engen Raum vor dem Oinomaosgespann verrät sich um so deut- 
licher eben in der Wahl des gequälten Motivs, in der unnatürlich starken An- 
ziehung des rechten untergeschlagenen Schenkels, der diese Slelluiig nur bekommen 
hat um die Gestalt nach Möglichkeit an den vorderen Rand des Giebels rücken zu 
können. Ich sehe darin also nicht ein schwächeres, sondern umgekehrt eher ein 
stärkeres, weil gleich bei Anlage der Composition wirksames Bestreben der An- 
passung an einen gegebenen Raum. Und grade die Übereinstimmung von E und 
L in den Hauptmotiven ist es, welche für mich diesen Uindruck noch verstärkt: 
beide Gestalten sitzen flach auf dem Hoden, beide haben von den sich symmetrisch 
entsprechend et 1 Beinen das eine in scharfer Krümmung steil erhoben und eng ange- 
zogen, das andre untcr^'e&chlagcn; beide Gestalten sind ganz für die Vorderansicht 
componirt', beide durch breite Gewatulmassen einander noch mehr angenähert. Statt 
dessen stellt Furt%vänglcr beide Male in den Paaren l!=^L und li-^0\c einer 
knieenden Gestall eine sitzende, je einer streng für die Seitenansicht gearbeiteten 
Statue eine volle Vorderaneicht gegenüber. Allerdings finden sich in der Drehung 
des überknri>ers von L Abweichungen von seinem Gegenstück E. Wenn aber eine, 
wenn ich so sagen darf, innere Asymmetrie der Handlung in beiden Giebelhälften 
hervorzuheben war, so mochte ein solches Mittel, weil es in der Nähe der Haupt- 
figuren stark in die Augen fiel, dazu besonders geeignet erscheinen. 

Übrigens will ich nicht verfehlen auch noch hervorzuheben, dafs mich und 
den Dresdner l-Irgänzer von L eine Mitschuld daftir trifft, dais L auf der Abbildung 
in diesem Hefte des Jahrbuches S. 70 E gegenüber soviel massiger wirkt. Nicht 
nur die Arme, wie auch schon Furtwängler hervorgehoben hat, sondern besonders 
auch das ganze rechte Bein sind beträchtlich zif grofs geraten, wie cm Vergleich 
mit dem Kopf /,eigt. Die Grütttiersehe Ergänzung verdient in dieser Beziehui^ 
bei weitem den Vorzug. In ihr wirken die Gestalten dalier viel besser als 
Gegenstücke. 

Furt^vängler ist am Schlüsse seines Aufsatzes auch auf die Eckgestahcn des 
Ostgiebets zu s]>rechen gekommen, itm seinerseits ebenfalls der Meinung Ausdruck 
zu geben, dafs die Deutung auf Flufsgöttcr lediglich hellenistisch-römischer .A.n- 



schauunj^ entspreche. »Tn den liegenden JUnj^Iingen konnte kein Zeitgenosse der 
Künstler Flufsi;Ötter erkcnncn.t Aber woher wcifs Fiirtwängler denn, dafs sie keine 
Abzeichen hielten, welche sie als Fliirsfjötter kenntlich machten, wie den Hypsas 
und Schnus iiuf sicJlischun Müruen flcrsclben Zelt? So lan;;c wir da^ niclit wissen, 
haben wir m. K. noch kein Recht, die antike Deutung ohne weiteres zu vcnverfcn, 
und zwar um so weniger, als sie durch den Ideal Charakter ihrer Gegenstücke im 
Wcst^iebcl gestützt wird. Turtwängler freilich will auch diesen beseitigen. Er sieht in 
den liegenden Frauengcstalten der Gicbclecken {A und /') die Gegetibilder der 
^losen Magde« in der Odyssee, »welche dem rreindeiibusuch im Herrcnhaiise leicht 
gewogen sind« und fragt, fiir welche göttliche Frauen denn um die Mitte des 5. Jahr- 
hunderts Halbnacktheit die IdeaUracht sei. Ich ant^vortc mit der Gegenfrage, in 
welchen Kunstwerken ilieser Zeit denn .lose Mägde« in blofscn Mänteln umherlau- 
fen? Wie passen xu dieser Deutung denn die im Vergleich mit den beiden Alten 
beträchtlich grüfseren Verhältnisse und der Idealcharakter des Antlitzes von /I; Wie 
stimmt zu ihr die Ruhe, mit welcher die »Mägde" dem wilden Kampf in der Giebel- 
mitte zuschauen, der ihnen doch die Strafe bringen mUfstc fllr ihr all zufreu udliches 
Entgegenkommen dem «l-Vemdenbesuch« der Kentauren gegenüber? Auch bin ich 
weit davon entfernt, Furtwängler darin beizustimmen, dafs man die Eckfiguren fiir 
gleichartig mit den 'aufs engste mit ihnen verbundenen allen l'rauenn hatten 
müsse. Im Gegenteil. Alles scheint mir hier auf einen scharfen Gegensatz zuge- 
spitzt: Die kleineren Verhältnisse, die Unterschiede der Tracht', die Charaktcrisjrung 
der runzligen Gesichter, tlie Verzweifelten liaarraufcndi.-n Gehcrdcn, die Angst im 
Antlitz, endlich die Pfühle, welche den Ort des Hochzeitsgelages in ähnlich realis- 
tischer Weise bezeichnen, wie auf der Wiener Kentau renvase (Arch. Zeitung 18S3. 
Taf. 18). 

Doch tlics erinnert mich daran, dafs diese Pfiihlc den greisen Sklavinnen 
neuerdings von Wallers unil Sauer (oben S. 89) abgesprochen wor«ien sind, und 
nötigt mich nunmehr auch den Einwürfen zu begegnen, welche Sauer gegen die 
bisherige h>gänziing des Weslgiebels erhoben hat. 



Auch zum ol}mipischcn Westgtcbel hat Sauer in dieser Zeitschrift einige 
Nachträge beigesteuert, die ich aber kaum fUr glücklicher halten kann, als seine 
Ostgiebelandri-Inurig. Nur eine einzige Bemerkung ist in seinem Aufsatz enthalten, 
die ich als willkommene Herichtigung begrüfse; der Hinweis darauf, dafs der knie- 
ende Lapith der rechten Gicbclecke (T) seinem Gegner nicht ein Schwert, sondern, 
wie auf der Wiener Kcntaurenvase (Arch. Zeitung 1S83. Taf. 18) ein langes 
Opfermesser in die llrust slüfse (S. 90, unten). Alles übrige scheint mir verfehlt, 
wie in den folgenden Zeilen <les näheren nachgewiesen werden soll*. 

^ Bcn*rrlicn«wcrt <cli«int mir aucli, dafK beide lo)>s, Hlier welche ich oben S. 74 mit meinem 

Orttnymphcn durirh Saii'lalvn aU votac'hmüiv Urteil noclr zuTtlckk^ehailvn linhv, weil mir kein 

WeKFi clinrakfcri«iit sind. Abgufs lur ll&nd wnr, habe icli iciMcin •Iure!) 

■) Cber ein von Saocr Ü. 29 aligrbildete« (Kl- l>Rr))fei<l« rTeun>)Uctifceit nStiere AiiikMnrt «r* 

gictMllinicbslUck, ilic an^bltchc Fcnc des Pe- halten. Die Fcnc erweist sich auch nach sei- 



loO 



Treu, Nuiilinmlit dir »l}-tu[)iM:h«n Girtll^l• 



Ich beginne gleich mit dem radikalsten: seiner Neuordnung der Giebel- 
ecken. 

Das Kittsen »das durch nichts der Alten augewiesen« sei, wird dieser und 
ihrem Gegenstück genommen, und beide tj)W<i sollen, statt vor den gestreckten 
Beinen der knieenden 1-apiÜicn C" und T, hinter daiselben, unmittelbar auf dem 
Giebclboden niedergelegt werden. 

Aber schon wenn der Heschaucr sich noch in einer Entfernung von 30 m 
vor der Tcmpclfront befan<l, erblickte er in diesem Falle die Ferse des Lapithen 
in der Schulterliöhe der Alten, und ihre Nase berührte sich mit der Wade des La- 
liitlien; iral er dum Tempel auch nur ein wenig näher, so niiifste die Greisin Rir ihn 
bald bis xiini Scheitel hinter <icnj tlavorgeslrecktcn IJcinc «ks Jtiiiglin^;s unterlHUclien. 

Ebensowenig ausführbar wie diese Änderung der Aufstellung ist der neue 
Vorschlag filr die Vcrwcntlung des Kissens, welche Sauer S. 89 macht, indem er 
dabei einem Gedanken vdu Wolters folgt- Es soll nun unter das rechte knieende 
Bein de« geraubten Knaben geschoben werden. Aber wenn Sauer lias Pfüld schon 
fitr die im }*rofil knieende Alle aus dem Grunde abweisen zu sollen glaubt, weil es 
fUr diese nicht den genügenden Platz biete, wie »oll auf demselben Kissen, welche» 
in derTiefeiiricIitung nur 30— 35 cm AufstellungsHäche hergiebt, eine in der Vorder- 
ansicht kniccnüc Gestalt l'lalz gefunden haben? Diese hat schon jetzt eine Tiefe von 
50cm; und mit dein Unlerbein, das ibr Sauer leiht, müfstc sie gar gegen i m gemessen 
haben! Gegen eine Drclmng des Kissens spricht die Si>itzung seiner Rückseite. 

Grade diese geringe Tiefe des Kissens bietet einen Beweis mehr dafür, dafs 
Sauers Anordnung der Eckgruppen falsch ist. Denn das Kissen wird, wie zuerst 
Kühnert gesehen hat, nur deswegen ein wenig schmäler als die auf demselben auf- 
liegenden Arme der greisen Sklavin gebildet worden sein, um Tür das linke Unter- 
bein des Lapithen /' Platz zu schaffen, welches nicht, wie wir weiter unten erweisen 
werden, die Greisinnen vorn verdeckte, sondern steh zwischen Giebclwand und 
Kissen hineinschob, l-'ür die Unterarme der Alten konnte deswegen doch noch durch 
eine breitere INinthe, welche hinten etwas über <las Kissen hinausgriff, ein festes 
Auflager guschaften werden. Die Kissen aber, oder richtiger gesagt die Pfuhle sind 
zur 1 leranshebung der Greisinnen unentbehrlich, weil sonst die Kckabschlüsse ge- 
radezu unerträgliche Umrisse erluilten. Man kann sich hievon leicht überzeugen, 
wenn man Sauers Vorschlage angesichts der Gicbelecken auf Taf. 5/6 im I]I. Bd. 
des Jahrbuchs überlegt. 

Ich habe noch den Beweis dafür nachzutragen, dafs die ausgestreckten Un- 
terbeinc der Lapitlicn C'und /' nicht diesseits, sondern jenseits der Pfühle sich 
hinreckten. Er läfst sich am besten durch ein Bnichsitick führen, das Sauer S. 90, 3 
hat abbilden lassen, aber faljtch bestimmt. Kr halt es nämlich für den rechten I*'uls 
des geraubten Knaben. Aber fttr diesen ist der Fufs viel zu grofs, wie wir mit um 

Dvn MrtKunt;rn nU jtu |*torc für rrlu)><>. uihI ^ A|i»Hon tic» \Vr«lgicticl<. Diinit Httll allr« um« 

gehOrr <)>.-ninacli, wie Ich berciln tici itci ersten Sauet »us cli»cni Bnicb^iUck übet <)ie gcrin- 

Invcntariunmi; daSiBckn rermulcl Italic, dem grit flinthcnlUStie det felopt KblicfMa lu kiln- 

Pen gUubio. 



■^^ 



Trtu, NocIuiiaH .lic olyiii|jUchi'n Gielicl. 



107 



SO grüfsercr Hcstimnitheit sagen k<^nncn, weil uns der linke Kufa dieser Gestalt er- 
halten gL-blicbcn ist. Einen rechten Kufa hat sie übrigens vcrmuütcli ebensowenig 
besessen, wie ihr Gejjcn.sIUek chrr würgende l-n]>ilh Q' , an dem der unsichTharc 
linke Fufs einfach weggelassen wiinlc. Der dem Knaben von Sauer zugewiesene 
Fnfs kann diesem also kcinenfalls angehört haben. Uagcgcn pafst er vorzüglich 
zum knieenden Lapithcn der Unken Ecke {C'\ der dieser Statue von Sauer S. 90, 3 
«ugcschri ebene l'ufs gehcirl nicht zu den Giebelskiiliituren). Ks folgt die« einerseits 
auti der Gröfse, die wir an den Mafsen des entsprechenden linken Fufses des Ge- 
gcnsiilckcs T genau nachprüfen können, und andrerseits aus der Richtung und 
Stellung, welche durch thc Vernachlässigung der linken Seite und die Rnlispitzung 
der Sohle unzweifelhaft gegeben ist. Kbcndicsclbe Rohspitzung, welche darthiit, 
dafs der Fuf«; nicht mit der Sohle uufgesetzt war, also einer knieenden Gestalt an- 
gehört, beweist aber auch, dafs der Fufs von vorne nie sichtbar gewesen sein kann, 
also hinter dem I'fUh! der linken Giebetecke versteckt gewesen sein mufs. — Auch 
der Aufbau der ganzen Gruppe führt liierauf. Die Tf^/f-i' müssen doch freien Aus- 
blick zur Mitte gehübt haben und können sich schwerlich mit dem Anschauen der 
I-ipithenhintcm begnügen. 

Sauer hat Pur <iie Ergänzung der Knabenräiibergnip[ie noch einen wei- 
teren Vorschlag gemaclit. Er glaubt in dem S. 89, 2 abgebildeten Üruchstiick den 
linken grofseii Zeh des knteenden Mnndschenks gefunden zu haben und sieht in dem 
anhaftenden Körperrest ein Stück vom Bein des Kentauren G', welches demnach 
auf den Zehen des Knaben gekniet haben müfste. Aber abgesehen davon, dafs der 
»Zeh« wiederum viel zu grofs für den erhaltenen linken l'ufs des Knaben wäre, so 
entstünde dann doch wol die weitere Frage, wie denn die übrigen Zehen so völlig 
unter dem Kentaurenbeinc verschwinden konnten. 

Das Hnichstück stammt Oberhaupt nicht von einem Zeh, sondern von einem 
Daumen; und der Körpcncst scheint mir einem Unterarm anzugehören, den die 
Hand packte. Unter dieser Voraussetzung habe ich es seit lange der Bcifsergruppc 
(y Q') zugewiesen, ohne es doch in die Grüttnersche Ergänzung, für welche ich 
mit verantwortlich bin, richtig einfügen zu können. Die Kösung des Rätsels scheint 
in diesen 'J'agen ilans Uartmann gelungen zu sein. Hartmann nimmt ebenfalls an, 
<lafs die Linke des würgenden Eapithen den Unterarm des Kentauren unmittelbar 
oberhalb des Ellenbogens packte, aber nicht so, dafs, wie bei Grüttner, die vier 
Finger nach vorne liegen, sondern umgekehrt der Daumen — eben unser Bruchstück. 
Die vier andern, xwischcn Unterarm und Brust des Kentauren eingeklemmten l'inger 
waren bemüht, den Unterarm des Kentauren von der andern Hand des Lapithcn 
losziireifscn und nach vonie nieder zu biegen. 

Bei dte<4eni lehrreichen Ergänuungsversuch nun ergab sich aus der BcTÄ'cgung 
der Hand die Niitigung einer starken Drehung des linken Unteramis vom Lapitheii 
und damit gai« unvermuteter Weise die erwünschte Möglichkeit, auf die ich schon 
üben hindeutele, das von Pi^ssenti dem MyrtÜos zugeschriebene Handgelenk (S. 28, 
rechts und S. 72 Abb. ii und 12) diesem Unterarm einzufügen. 



Rk liefert tlas nach zwei Seiten hin ein erwünschtes Krgcbnifs. Einerseits 
wurde llartmanns Hrn^nzün^ der Bcifscrgruppc bcstatii^t, und anOrerscits die Mög- 
lichkeit wieder erijfftict, dem Myrtilos des Osij^icbcls ein Kentron in die Hand zu 
geben und ihm <lat»)t einen passenden Stützpunkt zu gewähren. 

Die von Hartman« vorj'cschlntjenc ICrgänKting der lleifscrgruppc würde frei- 
lich unmu|;^ich, wenn Sauer mit einem weiteren Vorsclilage Recht halte, der gcrjAle 
unsere Gruppe betrifft. Auch dieser ist lediglich auf Grund eines kleinen Itruch- 
stOckca gemacht, das Sauer auf S. 88, i abbildet, tls tsL wiederum dos Stück eines 
DaummH, der diesmal an dem Rest eines annähernd blattfi>rmigcn Gegenstände!« 
Vfin unregchnäfcig ovalem Querschnitt haftet. Sauer nimmt ihn iiir das Pferdeohr 
de» Kentauren /", wa>» e* sicherlich- sclmn dc»iwcgcn nicht sein kann, weil die Ohr- 
htilitng fc-ldl. Wo sollten denn auch die übrigen Finger ;m der Ohr\vurzel l'Iat« 
haben, da schon der nach oben gerichtete Daumen an dieser sit2t> Übrigens ist 
en auch unni'lglieh, den linken Arm de» würgenden I-;ipilhen so lioch hinaufzufiih- 
rcn ohne nein Gewicht für den Anblick van <ler Mitte her zu decken und die ganze 
Muikidatur der HniKt zu verändern, [eh halte auch diesen Vurschkig Saucrs Rlr 
völlig unannehmbar. (Da» Hruchslück stanmtt vermutlich von der Lanze des Pclops). 

Kr ist nicht der letzte Vorschlag. Uns bleibt noch Sauers ICrgänzung der 
Mittelfigur zu erwähnen. Ich bespreche seine Ausführungen hierüber nicht etwa 
weil ich fllrchtc, dafs »eine Vermutung Anklang linden werde, sondern weil es auch 
hier ThulKächliches zu berichtigen gtebt. 

Man niuf» e» bei Sauer selbst nachlesen um es zu glauben, was er dieser 
in gcbicleriKcher Holieit und Kühe dasteheiulcn Gestalt für eine »leidenschaftliche 
lUftl«, wie er sclbitt sagt, filr eine »sprunghaft unstete Handlung«, für »blitzschnelle 
Gcberden zutraut«-. Auch hier ist der ganze thatsächliche Unterbau falsch. Die 
Hechle hat nie ein Attribut in der, wie Sauer selbst zugiebt, vüllig offenen Hand 
gehalten ^ Von dem Hogeii aber, auf den Ajmllon nach Sauer seine Linke stützen 
Mill, kannte unit-rhalb der linken Hand überhaupt jiur die Sehne sichtbar gewesen 
M-'in. Alle übrigen Teile des Kogens, mit alleiniger Ausnahme des obersten F.ndcs, 
welches angeblich die linke Hand umschlof». wären hinter den Mantctfalten des 
Apollon verschwunden. Denn dafs der Mantel dieser GcstaU bis auf den Itodeii 
beriibhing sahen wir schon früher (vcrgl. S. 69 Anm. 8). 

Wie aber Sauer voti Hagen und l*feil her auf eine Deutung der Miltclfigur 
als Pcirilhoos he rau» kommt, ist mir vi'illig rätselhaft. Hielt sie wirklich Bogen und 
Pfeil, HO mufste sie doch erst recht jeder Beschauer für Apollon nehmen 1 

Zum Glück hat mir Sauer in diesem Falle wenigstens den Gesammtaufbau 
des (iichclK »icheii gelassen. Ich d:irf daher zum Sclilufs nach andrer Seile hin 
noch einige Worte zur Verteidigung ilcf im Jahrbuch III Taf. 6/7, 2 voi^cschlagcncn 
Umstellung sagen. 



*) \Hh 'Ivt l>niinirii »>ch 1((4fti|; KCttcti <kn tUnd- 
liM(i<it iliUrklc« 1*1 riiUirh, Wit- wir juMl aMCh 
nutili ilurch den Kunil de* l>uuin«nii mIIirI urJ 
ilot Ipdilcn nlicli*irH Finufr ilnMhun titinncD, illr 



•V«rliefui>];' («riwhcn ihnrn nlno einfach llntit. 
(alle. Wn.1 soll denn auch cia halt>ct Pfeil in 
der iland des Apullun, wn ein gaiucr leicbl 
hanf ircicli;! »erden k4iin«'iif 



Die Veranlassung dazu blutet mir eine Ilemerkung. die Sluclniczlca gele- 
gentlich seiner Kcccn&ion von Hauincistci's Denkmälern in der Zeitschrift für östcrr. 
Gymnasien in Bezug auf den olympischen Westgicbcl gemacht hat. S. 74g näm- 
lich envälitU Studuiczka, dafs Wolters die Beobachtung Botho Grafs im Jahrb. IV 
S. 272 Anm. 7 bestreite. Graf nämlicli hatte gefunden, dafs die Schleppe der Dci- 
dameia (//' im Jahrb. lU Taf. 5/6, 2) an ihrem linlten Rande nachträglich abgc- 
spitjtt worden sei, um fiir den Huf des knabenraubenden Kentauren (C) Platz zu 
schalfeu: dafs mithin die Aufeinanderfolge der Gruppen F' G H' T A'' und damit 
die ganze von mir verteidigte Umstellung gesichert sei. Was von dieser ganzen Be- 
weisführung Wolters eigentlich bestreitet, ist aus der kurzen Andeutung Studniczkas 
nicht zu entnehmen. Zur Hcrbeifuhning einer Verständigung über diesen Punkt 
wird CS aber vielleicht beitragen, wenn ich hier bekannt gube, dafs ein in Dresden 
neu angcpafstes Bruchstück die Observation Grafs bestätigt und ergänzt hat. Es 
hat hier nämlich ein weiteres Fragment iler Deidamciaschleppe hinzugefügt werden 
können, welches die Fortsetzung jener Abarbeitung nach der Seite des Kentauren 
hin umfafst, so dafs die Nachspitzung jetzt in einer Ausdelinung von 15 cm sichtbar 
ist und in ihrem Charactcr unmöglich mehr verkannt werden I<aiin. Dafs sie aber, 
wenn nicht vom Muf, so docli von der Plinthe 4les Knabenräubcrs herrührt, seheint 
mir daraus zu erhellen, dafs es schlechterdings unmöglich iit, etwa unter l'esthaltung 
der früheren Anordnung (Jalirb. III 6/7, i bei LM) die Lapithin //' so dicht an die 
Mittclfigur hcranzuschieben, dafe die Plinthe oder der Mantel ApoUons hier cinge- 
griffcn haben könnten. 

Ein weiterer, wie mir scheint ebenso entscheidender Rechtfertigungsgrund für 
die Umstellung der Mittelgruppen des Weslgiebcls crgiebl sich schliefsiteh aus der 
Jalub. in S. 184 Anm. ii vorgeschlagenen, aber auf Taf. 6/7, 2 noch niciit zur An- 
schauung gebrachten Aiuist.-iHiing lies Pcirilhoos (A''] mit Schwert und Scheifle'". 
Denn nun wird AP als einzig übrigbleibender Beilschwlnger nach dem Bericht des 
l'ausanias unzweifelhaft als Theseus kenntlich. Folglich ist A" Pcirithoos, //' Deida- 
nieia. Dcidameia aber gehört, wie Alle augeben, unter den rechten ausgereckten 
Ann des Apollon ". 

Damit scheint mir die zweite Anordnung der Mittelgruppeii im Wcstgiebcl 
auch von dieser Seite her als die richtige erwiesen. 

Dresden. Georg Treu. 

VcTgL hienn FuilwSngler im Archaalocischcn Anuigcr Si.93t. 



**) Sie fnigl Uli« der ßcnregung der brirlm Armr 
mit i^rofKr Walincliviiiliclikeil. Sauer, der dvn 
Ausschlufs rcgttrrchicr Wnffen au« dcni Kcn- 
Uoicnkanipf rofiiett, viTj-Hf« dalici, ilHf« tr «flhsi 
riiK- solche TilT dit Miiiciri^ur po-iuliit. 0ab 
die WaITc lies- l'cirilhoofi micht so wirksam« 
gewvtrn «ci, wtilcricgt die lange lllebwunilc im 



Scliitd^l Fcinci Gegner«. Chrigrai eill jn tie* 
kaiinilicli dct inKchriftUc}! bcicugtc Pcirithoo« 
auf Ocr Wiener Kcntnurcnvasc (Afch. Ztg, 1SS3 
T.if- 18^ tlu-nCilIi niil dtm Si:hwi.'it herbei. 
") L'lirigcns «ägl auch auf <lcr Wit-ncr Vase Dci- 
ilamcia dco cinfachca Cliilon, ihre Gcuosun 
dagegen eiu Doppdicewaml, völlig enUprechend 



der Lapitbin 0', 



JabdiiMli 4h ■nktiilnibrhan InilatuU VI. 



ZV DEN KÖPFEN DER GRIECHISCHEN 
KOHLENBECKF.N 

Ich möchte einen Schritt weiter ^ehcn nufilein von Conze im Jrthrhuche 1890» 
S. ii8ff. betretenen Wege und die von ihm S. 15S unbenannt j^cl.isscncn hcphajsti- 
schen Dämonen mit ihrem antiken Namen nennen. Ich glaube, es sind die Ky- 
klopen, die Schmiede des Hcphaistos, Hie H'i^licndcs MetaU in seinen Essen 
hämmern, die Zeus die Bhtzc schmieden. 

Darauf weisen, wie mir scheint, .schon die IMitze, welche das einzige iNcbcn- 
zcichcn« sind, das neben jenen Köpfen vorkommt, und welche mit ihrer Redcuttin{> 
in Beziehung stehen müssen. Der oder die Rlitzc erscheinen, nach Conzc's Nach- 
weisen, häufig neben dem Kopfe mit der Mütze (S. I2t). zweimal neben einem 
Kopfe oline Mütze (S. 129) und wiederum häntif^cr auch als einzif^c Darstelhinji 
(S. 132]. Der Umstand, dafs anderwärts Blitze zinveilen unter verschiedenen Amu- 
letcn erscheinen, reicht zu ihrer Erklärung an dieser Stelle nicht aus, oder kann 
jedenfalls nicht gegen eine Erklärung sprechen, welche ihnen eine vollere Bedeu- 
tung giebt. 

Die Vorstellung von den Kyk[o)ien als den Gesellen des Hephatstos, die 
in vulkanischen Bergen ai"bcitcn, spccicil auf f-ipara in den ^«J.xii'a 'H^fli'aT'.u häm- 
mern, dafs es weithin dröhnt, Blitze und andere Götterattribute schmiedend, <liesc 
Vorstellung wiirtlc bekanntlich eben in der hellenistischen Zeit, welcher Conze ohne 
Zweifel mit Recht Krfmdung und Ausführung jener Kohlenbecken zuweist, ausge- 
bildet und ward hier beliebt und bekannt. Man erinnere sich der prachtvollen 
Schilderung des Kallimachos im Hymnus auf Artemis v. 46fr und des Nachklangs 
solcher hellenistischen Poesie bei Virgil Georg. 4, 170 ff. Acn. S,4i6flr. Was machte 
geeigneter erscheinen als die Feucrbcckcn mit dem Bilde jener Kykiopcn zu 
schmücken? Allerdings pflegt die Poesie dieselben als einäugig zu schildern, ein 
Motiv das ihr ebenso gelegen war wie es der Kunst unbequem sein mufstc. Dafs 
letztere sich davon emancipicrtc, wufsten wir aber schon durch die schmiedenden 
Kykiopcn auf römischen Sarkophagen, die, wie ein pompejanisches Wandbild [Ilclbig, 
Atlas Taf. 4, No. 259) lehrt, wol auf hcllenislisclic Vorbilder zunickgehen. 

Unsere Deutung hat vor Allem den Vorzug dafs sie die ganze Serie der 
bärtigen Köpfe, die doch alle, trotz der Verschiedenheiten des Typus im Einzelnen, 
einen starken gemeinschaftlichen Zug haben, auch einhetilich erklärt. Der durch 
die bei weitem zahlreichsten Exemplare vertretene Typus (Conze S. 126, 111, A) 
zeigt einen Mann von wildem Ausilruck mit hoch gesträubtem Ilaare. Zuweilen hat 
er gespitzte Ohren, was ihn mit einem anderen gleich zu bcsprechcndai Typus ver- 



bindet. Sonst hat er keine nähere Verwandtschaft mil läilcn- oder Satyr-Typen: er 
stellt wilde Männer dar, für welch«: der Name Kyklopen trefTlich pafst, die Kalli- 
machos afvä -£)«>f.« nennt, die er mil zottiger Unist iin<l a!s die l*opanze der gött- 
lichen Kinderstuben schildert. Auch auf die von Conze unter IV A, 809—815 zu- 
sammengestellten Köpfe von wiklcm Ausdruck in vcrscliiedcnen Varianten, von 
denen einige durch die Beigabc des Blitzes ausgezeichnet sind, wird man den Nomen 
Kyklopen ohne Weiteres passend finden. Am häufigsten kommen aber die Blitze 
neben den Köpfen mit dem spitzen VWos vor: es scheint, dafa diese öfter einen 
ruhigeren Charakter haben , doch dafs auch hier eine gewisse Aufgeregtheit nnd 
Wilillieit des Ausdrucks vorherrscht. Die Mütze pafst natürlich vortrefflich zu den 
Kyklopen als Gesellen des Hcphaistos; sie charakterisiert diese Dämonen ebenso 
wie den Gott selbst als Sclimiedc. 

Eine Bestätigung unserer Deutung sehe ich in dem merkwürdigen Bilde der 
neuerdings auf dem Helikon gefundenen Votivstele Bull, de corr. hell. 1S90, pt. 9, 10: 
dieser wilde stnippigc Unhold hat die unverkennbarste Verwandtschaft mit den bc* 
liebtesten Typen der Kohlen beckenlienkel. Er ist aber sicher ein Kyklopc — der 
aus einer KelsgraUc hervorschaut — und zwar wegen der Augen, die als vertrock- 
nete Hohlen gebildet sind, während ein drittes Auge auf der Stirne leicht ange- 
deutet ist. Atich Spitzohren, die wir an jenen Köpfen öfter finden, glaube ich, 
wenn die Phoiagraphie nicht tauscht, auf der Stele zu erkennen (das Unke scheint 
ganz deutlich, aber auch von dem rechten ist der Contur zu verfolgen). Das Denk- 
mal wir<i von dem Herausgeber in's 3. Jalirh. gesetzt; es wird also etwas älter sein 
als die MoÄSc der Bcckcnhcnkcl. — Wie die Thatsache des Erscheinens des Ky- 
klopen auf der den Musen geweihten Stele zu erklären sein mag, ist nicht leicht zu 
sagen. Doch wird der Weihende, da er Hcsiod nennt, sich mit dem Bilde wol im 
Kreise hcsiodischcr Vorslcllungcn zu bewegen geglaubt haben. Da mag denn die- 
ser Vertreter der in Hühlen unter der Erde gebändigten Kyklopen, welche dem 
Zeus die Blitze geschmiedet und durch welche allein Zeus die Weltherrschaft er* 
rungcn hat. eben auf die neue Weltordnung des Zeus und ihre Biw'/}ii« (vgl. den 
Schlufsvers der 2. Inschrift) hindeuien , welche die Muscti allzeit besingen (vgl. 
Hcsiod thcog., proocm., besonders v. 65^. 71 If.). 

Doch kehren wir zurtlck zu den Kohlenbecken, so bleibt uns noch der 
dritte Maupttypus zu erwähnen, der durch den Ephcukronz einen ausgesprochen 
bakchischen Charakter erhält. Kin Teil <lieser Köpfe (Conze II B) gleicht in allem 
Wesentlichen den an erster Stelle besprochenen; sie haben wie jene gesträubtes 
Haar, wilde rollende Augen und Sat>*rohrcn; doch ist hier so wenig wie dort ein 
geläufiger Satyr- oder Pan-T)'pus ' dargestellt, vielmehr scheint die Absicht deutlich, 
zwar verwandte doch wildere und rohere Wesen darzustellen. Die Mehrzahl der 
Ku|>fc des bckTänzten Typus (Conze II A. C] entbehrt indefs der gesträubten Maare 



VerciiucItrAuiinahHKht Coi»c No. 816 (S. tjo) 

niii ll^incm im Maare. Sind i1if»pll>cii infleh 
fiiot fticbei! l>cr AlibiMuiig aacli EcliciiU dies 



ni£ht dct Fall xu sein. ~- Vcreiniell «ttul ancli 
die S. 13a cTuralint«» (i lvxciii[flar« mit ulyr* 
oder *llcnhaflcn TUuaiKrmMkcn. 

9* 



und der Satyrohren und nähert sich mehr den Silcnt>iJcn ; doch scheint auch hier 
eine Wildheit des Ausdrucks vorzuhcrrsehen (vyl. Higiir 217. 263. 274 auf S. 123), 
welclie dem ächten Silcntypus jener Zeit völlig fremd ist. Kk ist demnach ganz 
unzulässig, diese Kopfe für einfache Silene, Satyrn oder Panc zu erklären. Indem 
dieselben vielmehr durch übereinstimmende Grundziiy;e aufs engste verknüpft sind 
mit den anderen von uns bereits als Kyklopen erkannten Tj'pcn, müssen auch sie 
in gleicher Weise gedeutet werden. 

Hätten die Künstler, welche die Kohlenbecken schmückten, wirklich die Ab- 
sicht gehabt, hier einen hephaistischcn Dämon, dort aber einen Silen, einen Satyr, 
einen Pan darzustellen, so hallen sie zu den bekannten zu ihrer Zeit festen und 
wohl individualisierten Typen gegriffen, welciie keine Zweideutigkeit zuüefscn. 
Stand dagegen für jene Künstler, wie wir annclinicn, als Hauptthema des Becken- 
schmuckes der Begriff Kyklopen fest, so ist es durchaus natürlich, dafs sie auf der 
geriebenen Basis allerlei Variationen ersannen. So erklärt sich die bei gemeinsamer 
Grundlage doch verschiedene Bildung der KÖ]jfe. 

Wie aber kamen die Künstler dazu, gerade bakchischc Elemente als Mittel 
zu benutzen, um die Kyklopenkcipfe zu variieren? 

Zur Begründung der Salyrohren wünle der Hinweis auf den Kyklopen 
Polyphem in den pompejanischen Wandbildern genügen, indem dieser hier mit 
spitzen Ohren zu erscheinen pflegt. Ja sie wären sogar schon hinreichend durch 
die Thatsache gerechtfertigt, dafs, besonders in der Kunst nach Alexander, mauch- 
fache dämonische Wesen wilden Charakters, wie namcntiich die 'Iritune, mit jenen 
tierisch geformten Ohren ausgestattet wurden. Den Kentauren kamen sie schon 
seit alter Zeit zu. 

Allein die Ephculcränze sind hiermit nicht erklärt; denn sie können doch 
kaum nur durch die Satyrohrcn mit venudafst, also ganz bedeutungslos sein. Der 
wirkliche Zusammenhang der Kyklopen mit dem bakchischcn Kreise, der durch sie 
angezeigt scheint, ist uns aber literarisch nicht bezeugt 

Doch in der Kunst scheinen Spuren vorhanden, welche zeigen, daf« unsere 
Kohl cnb ecken henkcl mit ihrer bakchischen Bildung der Kyklopen einer älteren 
Tradition folgten. Es lassen sich nämlich, wie ich glaube, in der Kunst vor 
Alexander kyklopcnhaftc Wesen in der Gestalt der Satyrn nachwet.sun, woraus lier* 
vorgeht, dafs Kyklopen und Satyrn als verwandte und ineinandergreifende Dämonen- 
gatlungen empfunden wurden. ICs ist klar, wie gut sicli die Typen der Kohlen- 
becken erklären, wenn uns dieser Nachweis gelingt. 

Derselbe ist nicht ganz leicht zu führen. Wir müssen uns vor allem der 
Erklärung einer merkwürdigen kleinen Gruppe von Vascnbildern zuwenden, welche 
durch den Reiz der dem Ungewöhnlichen und Rätselhaften innewohnt schon zu 
den verschiedensten Deutungen Anlafs gegeben haben. Ich meine die zuletzt von 
Robert, Archäol. Märchen S. igSff. behandelten Vasen*. 



•} IJic IMilutijf die icli im Koljj<t»«lcn vorlrogc tinlic 
icli in iUt Hju|jUaclic «cliuii rK7J uU Suiilent 



in MUnclicn grfuniU-n uittl (lan^U incin«ta r«r- 
vliiicn t^hrcf Bruun in ciiMt Abliamllung vor- 



Die geistvoll und mit poetischem Sinne durchiiefuhrle Dcutimg, welche 
Robert denselben ycj^ebcn hat, kiinn ich doch nicht als richtig anerkennen. Ich 
sehe keine einzige sichere Spur davon, d.afs man im Altcrtumc aiifscr F.rdjjotthcitcn 
— für <iie CS reichlich bez-eiij;! isl^ — auch Flufs- und Quellj^öltcr als aus der Krde 
emporkommenden Kopf oder Oberkörper dargestellt habe. Weder Robert noch 
Marx — der dieselbe Ansicht ausj^eführt hat' — konnten irgend einen Beweis hier- 
für erbringen. Der einzige Orontcs, auf den sich Robert 5. 184 beruft, kann keines- 
wegs als ein solcher i-eltcn; denn der ist ja offenbar in <len Wellen des Flusses 
selbst schwimmend ge<Iacht [vgl. Friederichs- Wollcrs, Gipsabg. 1396), nicht aber 
aus der Krde emporsteif;cn<i. Und der Achclooskopf griechischer Votivreliefs, den 
Robert an einer anderen Stelle (S. 20i) heranzieht, ist auch kein aus dem Felsen 
aufsteigender Kopf, somlern nur eine an der Felswan<l bcftiidltche M;iske, 4h"c Cult- 
gcstalt des, wie auch Dionysos in AtLica*. als Maske verelirten Gottes [vgl. Samml. 
Sabouroff, zu Taf. 27, S. 3). F-ben.-so wenig gehört die Maske des Okeanas oder 
Seegreises hierher, die auf späteren Denkmälern nicht selten ist (vgl. O. Jahn. Sachs. 
Rcr. 1851, S. 143 und namentlich Stephani, Schlangenflitterung S. 22 f.). .A,ber auch 
die Metapher uyiÄri für yuellc — die übrigens* mehr der prosaischen als der poD- 
tischen Redeweise anzugehören scheint — darf man nicht zu Gunsten von Robert's 
Deutung anfuhren; denn es wird dabei nicht etwa dos Fmporkonmien der (Juellc 
dem Auftauchen eines Kopfes verglichen, sondern es wird lediglich das eine Ende 
eines Flusses damit als Ko])fende beücichncl; so konnte denn auch die Mündung 
der Kopf des l'lusses genant werden. Finde ich also keine Spuren davon, dafs die 
Kunst Quellen als auftauchenile Kojjfe oder Oberkörper gebildet habe, so nuift. ich 
alle die von Robert a. a. O. S. 184 fi*. auf diese Annahme gegründeten Deutungen 
filr äufserst zweifelhaft ansehen. Was aber speciell die hierzu besprechende kleine 
Va-sciigru[ipc anlangt, so ist die colossale gigantische Itildung des auftauchenden 
Kopfes der Deutung auf eine Quellnymphc, mit der die Silene scherzen, gewifs 
besonders ungünstig; dagegen leuchtet ein, wie vortrefflich sie zur Krdgöttin pafst, 
der nr;Äii Üs*!;. Endlich aber, und vor allem, ist zwar behannt, welche hohe Ver- 
ehrung die alten Griechen den Quellen zollten, wie man sie hegte und pllegte, und 
wir erfahren viel davon, wie man sie schmückte, fafste, wie man Grottencultc ein- 
richtete, Itrunncnhäuscr erbaute, auch wie man Quellen entdeckte, aber ich erinnere 
mich nicht, dafs das 'iSchlagen« von Quellen, wie es Robert als Stoff der zu be- 
sprechenden Vascnbilder annimmt, in alter Literatur irgend eine Rolle spielte. Auch 
wird man zugeben müssen, dafs die grolsen schweren Schmiedehammer, welche 



gctect, wekbff die Gnindlaec f^r ^m Fallende 
bildel. 
*) S«IbM Uit wird ah Kitl|[6uiii neben der k'""*» 
figUT des «lebenden StinpU nur nlt grofocr 
JUIK dc( Eide koinmcridct Kiij>f dai|;c>tclU; »n 
auf einer Ccmnic bei äcinimcivillc, Gvm^, vijfn. 
p. 9 und pl. 68. 857 (Ubngcnt (fi<>i dem cin<igen 
InlercManten SiQcIe in dictcm wji»cn»ctufllicb 



wertlosen Werke). 

') tnlenpfcUtinnutn hrxu. Rutloek iBftS.K^, S.7fr. 

*) (Coiwe), Virr». d. am. Stülpt, in Bcilin No. 100, 
JW Mnr.-iihmi, vermutlich aus Ikniiii, wo neuer- 
ding« eine snalnge, nur elwa« gröfAcrc MaAc 
gefunden wurde (.Vmeitcan foum. of arcti. |8^, 
S. 463, ri£. 4i: vgl. Wolter», Mlllh. d. 1dm. in 
Athen 1*87, S. 390J. 



fji4 J'ninai.yl.r.J/i. y.-.\A' -U i ;;r.",ii.-',. ■,!■(; K'*.'j'«j'.t:--i ?,'.. 

;.-'».,"l' ..iij >i' III .»)i«.-iwj j' (ji ( V;i::< (ibfl'l'rr '-r'i'.Ji*;itn:n, nicht «las |>a!^scndste Wcrk- 
/i iji,- fii» ' it(. JKijjfIt I Mij'l, Km/., h'; ^' li''ii cnipfiitulL'n un^l warm voryt.'traj^cn auch 
(^i/ly.(l i*iiililJ*;; i>1, .--.<< l-.iltii i( lt r-,r<: «lud) flicht bilh'[;cn. 

/mii<i< li.-l Jtiii.-^i n wir ;il«'i KoIhtI'*! Aiif/:ihliiri^ «icr hiurhcr^chörifjen Vasen 
(■t ■* <t 'i i'ji'j v I VMllr:i.iiii|i(',i ri. Wir halurri tiicht nur eine, sondern zwei schwarz- 
|i||iiiii.'> I i.>i:-li lhiii|.N'ii. («liii'h'lM S(il<- und gleicher Zeit wie die T.ekythos A bei 
M'iloil ir,ilit((l •li> UM Itiill. N.ijHil. ti. h. V, 5,r Welcker, alle Denlan. V, Taf. 20 

.iIm;> liilt|> li itlii>ilir hl lnv.ii/.hntMin<- KariMf an, welche wir a nennen wollen. Auch 
li|i I :'iiid i\vi\ M;uii« I , MK hl Salyiti, um einen aurstei^^enden weiblichen Kopf bc- 
i>)h'llMi;l, h|< hUid lili'l Itiiilliih |.;(-liildel', es jiäinntern nicht beide, nur der eine ist 
lin llitiiHii I in> n ni.ti hlij;iii Srhlan mit ileni ^rofsen Ilaninier t;ej;en den Kopf zu 
liiliitii. \t,thttiid ttii .itidi'n- ihm ImuIkiU ^ebii-tet. IX-r aufsteij;en<ie Kopf blickt 
\\A\\\ oluii K'i;' *li'i< IKtMuni'rsrhwin^er, stinuiU also hierin mit den rotfi^uri^cn 
tUlilttit uhi'ii u) Auih tl.i-< In^tiunu'Ut des I liiinniernden scheint mehr das von ß 
.tl> »U-' \iiii i f-n •»»■u», d.tr» euie l-'ndi" tlvssclhen ist zwar verdeckt, wird aber dem 
Vn-^a » \\m\\ \\\ iww S|MU\' .lu-kiulVthl /u denken sein; es ist wichtig, dafs der 
M.»»ui .K n >t M.iv; \\\\'\\\ nui dtvsv'i !.pit/.en sondern der breiten, der Hamnicrseitc 
xU - rr-SumKnl-« --u tiihuu Uli lHi;ruU- isl. IXu's ijidefs niehl nur breite Doppel- 
li.\>»uM «1* «II M,' ,tul .( >v'hv'n, solidem eben auch liiese auf der einen Seile 
-^vi-., ■» t '-«i^ii'tsi'iv- Kvhl \'i;.ienr'tehe Sehnnede\veik£euj;e sind, setzen aniike Dar- 
'i'. , >.,\'> u;>,i , wi-!!^': ^\i;'. du- von Uluinnei, llewerbe und Kunsle 4.WMI" i;c5am- 

\' , iv Kv'Sv'ii '-1 \'ii» .»US Athen siammendcs l"i\i^mcnt in Jc:ia anzu- 
-.^ 't » ,-s • , ' w-i \»v\!!>':i^ !ti;i i!.en.t'"«. viS';' \!\ Muiu'he*', ei:'.^- .'*e:c-"".::'^ ^'"'-i^ 
.'^ ^ 1^ -. ■"• ->^■ \-.v*? ivN \o;i: l;iT!vi;l'i\! eiüei i\':f;t;;;!ii;v! >c''..'.'e ve-..:'. S:i'v.-#: i:i". 
M^.v.^ ■ M i • • '• ■- * k:\ -v N\,i,-ri Vi'ex!s-1>', >eh\\i:i^; !:'. \U-' K- v'*v:* j^''. ^J" s.:>« vTc:: 

^1, .i t ', \v';' ,\; ' ■ V ' K'. !'•,■■* Kiv'v-1. ee! l*^'.:-*', -'*^- ^" V- -. •v^."-^* ■.■-•x",,-- :-."."..: 
»i.*..u.' .. 'v ". ■• i\ 1^» t ■■■!■':':; ^'O'* K'v -^v-* '-u"' ■vv'' .' v .' ^. j.,>;^"".'.".*" 
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v'v'' \.... '■"'■ 'S- -■ y.'- '■ ' - ^- -- 



Fiirtwänglcr, Die Kö)>ru der griechischen Kohlenbecken. 



115 



Strube und FrÖhncr haben bekanntlich eine Menge nicht hierhergehöriger Bilder 
beigezogen. 

Kndlich ist (Hc Berliner Vase Monum. dcll' Inst. 12,4 ^ Robert Taf. 4, Berl. Va- 
sencat. 2646 hier anzuschlicfsen ((/), indem sie die aufsteigende Frau und die zurück- 
prallenden Silene zeigt, die hier freilich keine Werkzeuge tragen. Es gehört diese 
Vase ihrer Fabrik nach zu einer Serie attischer Glockenkratere des 4. Jahrh., weiche 
dadurch besonders interessant sind dafs sie Cultlegenden — und zwar zum Teil 
literarisch sehr mangelhaft oder gar nicht überlieferte — darzustellen pflegen (vgl. 
die Ausführungen in Samml. Sabouroff, F.inleitung zu d. Vasen, S. I4f. und in 
Roscher's Lexic. d. Myth. I, Sp. 2!8sf.). 

Jede Deutung mufs von dem ebenso merkwürdigen als unzweifelhaften 
Thatbestande der beiden ältesten Bilder, der schwarzfigurigen Vasen ausgehen. 

Auf A — jetzt photographisch in den Vases peints du Cab. des mcdailles 
pl. 112. 113 — bearbeiten zwei bekränzte bärtige Männer einen colossalen weiblichen 
Kopf mit mächtigen Hämmern; die Frau streckt die Hände aus der Erde empor, 
verhält sich jedoch im Übrigen völlig ruhig. Die Thatsache des Hämmerns auf 
den Kopf, die mit der vollen naiven Deutlichkeit archaischer Kunst gegeben ist, 
läfst sich durch kein Deuteln beseitigen*. Zwei Säulen umgeben das Bild; sie 
brauchen keinen gedeckten Innenraum zu bedeuten, nur einen von Säulen umge- 
benen, wohl ein Tcmenos oder Hieron. — Ebenso klar ist die Hauptsache auf a, 
nämlich dafs der eine der beiden Männer, die hier unbärtig sind, mit dem breiten 
Hammerendc seines Instrumentes eben einen Schlag auf den Kopf führen will, 
während der andere Einhalt gebietet und der Kopf selbst wie flehend emporblickt. 

Eine direkte Weiterbildung dieser Motive finden wir dann auf C, anschei- 
nend einer Vase des attischen schönen Stiles des 5. Jahrh. Die weibliche Gestalt 
hat sich weiter emporgehoben und wendet sich mit bittender Geberde gegen die 
Männer, welche ihr Instrument (das wieder mit der stumpfen Seite der Frau zuge- 
wandt scheint) noch zum Sclilagc geschwungen halten. Dieselben erscheinen hier 
als Silene gebildet. — Auf c ist wieder der Hammer deutlich; der Silen will stau- 
nend entweichen. — Auf B halten zwar die beiden Silene noch ihr Instrument (das 
auf der einen Seite Hammer ist), doch haben sie mit der Arbeit ganz aufgehört 
und staunen nur über den sich erhebenden Kopf, hinter welchem nach beiden Sei- 
ten je ein Eros hervor- und emporfliegt. 



'') UnbegTeiflich ist mir namentlich, wie Fröliner, 
Annali 1884, .S.ziöf-, lK-hiiu|>ten kann, die Män- 
ner hielten nicht Ilütnnier sondern Hacken und 
i'ie hätten die Arlicit bereits i'ingL'slcIlt. Ks ist 
ja gerade das laktmiifsige H.immfrn , wo in 
deniscDieti Moment der eine IlRnimer nioderfüUt, 
wahrend der .mJcri; /urlickgescliwungen wird, 
so charakteristisch aufgefafst und deutlich dar- 
gestellt. Dafs die linke Hand des .Mannes r. 
nicht den Stiel des Il.ammcrs fafst, ist entweder 



eine Nachlässigkeit der fluchtigen Zeichnung, 
oder es ist t\t denken, dafs durch die Schwere 
des fallenden Hammers der Stiel der Linken 
entglitten ist; jedenfalls kann der Mann nicht, 
wie Frithner will, den colossalen Hammer so 
frei mit der Rechten hinaushalten, sondern der- 
selbe mufs notwendig auf dem Kopfe aufliegen. 
Es ist auch durch nichts angedeutet, dafs der 
■Schlag hinter dem Kopfe herahgehcn soll, er 
bat zweifellos auf dem Kopfe sein Ziel erreicht. 



ri6 



Furtwinsicr, Die K6pfo der griechiuhen KolikRl>cckcn. 



Diese attisclicn Bilder auf die Anodos der Köre zu deuten (Frähner), gclit 
nicht an; denn den Typus, in dem diese Sage von der aitisclicn Vasenmalerei 
dargestellt ward, kennen wir; die Hauptsache der vorlicf;cnden Itilder, das Hänimcrn. 
und dann auch die Eroten, sowie endlich der völlige Mangel jeder fiir jenen Voi^anji 
eigentlich charakteristischen Figur, wie Demeter oder Hermes, widersprechen jener 
Deutung aufs bestimmteste. Auf richtigerem Wege befand sich Sinibc; aber seine 
Deutung aus den samothrakischen Mysterien (Geburt des Axieros aus der Gaia durch 
die Kabiren} ist schon deshalb unhaltbar, weil wir auf diesen vom Ende des 6. Jahrh. 
bis in den Anfang des 4. tjchcndcn attischen Vasen nur attische, nicht samothrakischc 
Vorstellungen erwarten dürfen. Dann ist aber auch das was Strube reconstnitrt tlurchaus 
nichts Samothrakisches", Axrcros war der Name der gi-ofscn weiblichen Güttin und 
hat mit Eros gar nichts zu thun (s. in Roschcr"» Lexikon I, Sp. 1341, Z. 40^.); und 
der Hammer parsie zwar zu tien lemnischt-n Kabircn, abL-r nicht zu den samothra- 
kischen. Endlich kann das Hervorkommen der Eroten nicht der Hauptgcgcnsland 
<ltcser Hilder sein, indem es auf allen älteren fehlt; es kann nur etwas Hinzu- 
tretendes Nebensächliches sein, 

Deimuch wollen wir zunächst bei diesem Fimktc verweilen. Indem wir in 
der aus der Erde auftauchenden Göttin niemand anderes als Gaia in ihrem land- 
läufigen Typus erkennen kennen, müssen die Kröten, welche von ihr ausiliegcn, dem 
kosmogonischcn Eros in der Bedeutung gleichkommen. Da wir mm nach spccicll 
attischen Vorstellungen suchen müssen, so habe ich schon früher (in Roscher's 
Lexikon I, Sp. 1342, Z. 33^.)' zur Erklärung jenes BiUics und der daraus abgckürz> 
len oben cru'ähnten Schalcninnenbililcr auf den Kros, hingewiesen der in dem Cuhe 
der Lykomiden zu i*hlya seine Stelle liatte und auf welchen die Lykomiden Hymnen 
bcsafsen, die sie dem Orjiheus und l'amphos KUschrieben; in ihnen w.ir also der 
orphische kosniogunische Kros gefeiert. Eine Haujitgottheit von Phlya aber war 
Ge, die als k*^«ä>i De« dort verehrt w:u-d, und zwar zusammen mit Dionysos 'AvÜi«« 
und Ismcnischcn Nymphen (Paus. t. 31, 4). Ich glaube dafs wir hier die feste Basis 
zur Erklärung unserer Vasen haben. Die emporsteigende Göttin ist die }i5-;äX); \h',i 
von I'hlya und Eros der hier in orphischcn Hymnen gefeierte, der wcltbüdemle. 
Die Vasen stellen Eros von Gaia weg- und emporfliegend, wie von ihr entsendet, 
nicht etwa von ihr geboren, dar. War dies die im Culte von Phlya herrschende 
Vorstellung, so erkennen wir in ihr zugleich jenen Kern achter populärer Cult- 
anschauung den wir in der orphischcn und hcsiodischcn Vensxndung des kosmo- 
gonischcn Eros immer voraussetzen mufsten. Der Eroscult von l*lüya wird aber 
mit dem von Thcspiä eng verbunden gewesen sein, wie ja auch die ismcnischcn 
Nymphen von I'hlya auf Böotien weisen. Auf diesen Cultcn nun basiert offenbar 
der Eros der hcsiodischcn und orphischcn Kosmogonie. Die hcsiodischc Fassung, 
in welcher Eros einfach neben Ge am Anfang ilcr Dinge steht, kommt wesentlich 
näher mit unseren Vasen übcrcin als die Fassung der rhapsodischen Theogonic der 



^) Von Krolinci bccinllufsl habe ich dort fnäcncn, 
Btati meine rigcDc alti: Ik-tuung vorcutragcn' 



mich, w«n» auch iweifclnd, ttt die Aitcxlot der 
Kora GiklUrt. 



Furiwlojticr, Die KtvpGe der griecbUchen Kohlenbcck««. 



11? 



Orphikcr {über welche vgl. Kern, De Orph. Epim. Pherec. Uieogoniis, p. 2ff.K sie ist 
(icwife die ältere, wen» auch sie offenbar selbst bereits aus früheren theogonischen 
(nrphisclien?) Dichtiinf'en schupft und mir ein halbvcrstaodeiies Exccrpt aus solchen 
zu sein ücheiut (vgl. in Kusclicr's Loiikuri I, Sp. I34^f.). 

Doch unsere Vasen gestalten uns noch einen tieferen Blick in die Wiege 
der hesiodisch-orphi sehen Kosnioyonie xu werfen. Von der yewunnenen Hasis aus 
suchen wir die Mniiptfimiren jener Vnsen, die hämmcmilen Männer zu vcrslehcn. 
Über den Sinn ihrer Handlung, ihr Mänmiein auf dein Haupte der üe, kann kaum 
ein Zweifel sein. Es ist natürlich symbolisch uml miifa ein Erweichen und Bczwin- 
[^en der sprtidcn Ge bedeuten, ähnlich wie Anakrenn (Krj^. 4K), die Ke/.wini;ung 
durch Kros zu bezeichnen, sich von dem Gölte wie einem Schmiede mächtig gc* 
schlagen werden läfül. Mit den Blitzen, welche Zeus auf die Erde sendet, schlägt 
oder gcifsclt er sie nach der Ausdrucksweise der alten Poesie [11. 2, 7R2. Hcs. 
theog. ^57). Ein uraltes mythische.v Symbol für die Hlitze sind aber Hanniier und 
Beil. Der Cuit der arfiivischen Hera scheint mit dem der grofscn Göttin von Phiya 
in Zusammenhang gestanden zu haben (Töpffer, Att. Genealogie S. 214}. Jener 
Hera nahte sich Zeus nach der Legende im Unwetter als Knkkuk. Die Schilderung 
der Ilias, wo Zeus die Hera züchtigt und mit Schlägen geifselt (II. 15, 17) wie die 
Erde mit Blit«en. hat gewifs einen mythischen Hintergrund. Die Vorstellung aber, 
die hier Überall zu Grunde liegt, ist die eines die Erde mit Unwetter bestürmenden 
und so die -Spröde erweichenden Himmcisgottes. Und dieselbe Idee m\ifs unseren 
Vasen zu Grunde liegen: durch mächtige Schläge wird die grofse Göttin nach 
winterhclier Erstarrung im I'rülijahr erweicht. Dann aitsendet sie den Eros, der 
»Imv ir' avDpaiir.i^c aropiia ^epnjv xaid -,r,z, und <las SchafTen und Zeugen beginnt. 

Sind wir über den allgemeinen Sinn der hämmernden Dämonen klar, so 
fehlen uns doch noch ihre Namen. Ihr Hegrifl' mufs eti,vas Schwankendes gehabt 
haben, da sie so verschieden auftreten; in den jüngeren Bildern wie Silcnc; dafs sie 
diesen aber nicht von Hause aus angehören, zeigen unwiderleglich tlie älteren Bil- 
der, wo sie rein menschlich erscheinen, doch einmal bärtig, einmal unbartig. Sicher 
ist zunächst nur, dafs es keine hohen Götter, sondern niedrigere Dämonen sein 
müssen — sonst könnten sie nicht in Silcnsgcstalt auftreten — und ferner dafe 
Schmieden unit Hämmern zu ihrem Wesen gehören mufe. Wir haben gelernt, die 
Deutung unserer Vasen im attisch - orphischen Kreise zu suchen. Hier bieten sich 
aber nur die KykEopcn als geeignet dar. Und diese passen vortrefflich. Als schaf- 
fende gestaltende Dämonen gehören sie nämlich offenbar, wie Eros, zu jenem alten 
Stamme orphischkosmogonischcr Vorstellungen , der schon der hesiodischen Theo- 
gonie vorgelegen haben mufs. Sie erscheinen sowol in der rhapsodischen Theogo- 
nic der Orphiker, wie in einer alten hiicrpolation der Thcogonie Hcsiods", unter 
den Geburten der Gc und des Uranos; ihre Namen (Brontcs Steropes Ai^es) deuten 
auf Blitz und Gewitter; sie sind <lic Sclmitcde welche Zeus die Blitze vcrTcrtigcn; sie 

^ Dttt* die bcireffrmtcD SicllcD einem Inrctpolalor (;eliOii;n, h«l Ailbut Meyrr, De compos. thcoe- Hc- 

siod., du». Bcrol. iSS^i p- 54 IT. gcicigt. 



«creinigcii bei llcsiari Kraft mit Geschicklichkeit (lO/tK t' rfik ßtij xi\ [»ViC^^^' ^i^^ ^"* 
iffdt) und «lic letztere war bei den Orphikcm naher ausgcfiihrl, wo sie die itf.mxii 
Tomvö/eifHc hctCncn, diu ersten Hilthier und Gestalter, die <lann Hephaistos und Athcna 
ihre GcÄchicklichkeit lehren (t)rph. Fry. 92. 93. 39 Abel). Diese hohe Gelluni; der 
Kykiffprn würde, wie die des Ems, sich erst recht erklären, wenn ihr der Mythus 
t-inc« L'ulle* wie de» zu IHilya xu Grunde liefen würde. Ich glaube, dafs unsere Vasen 
lU« IcUlcre in der TUat w.üirsc)ieinlich machen. Wir dürfen den Mythus wul an re- 
conatmlercn, Ani* ilie Kyklopen, die himnUisrhcn Schmiede, die Verfcrtigcr der Blitze, 
rioron Namen «elb^t llliti und Donner bctlculen. jedes Frühjahr die grofcc Krdgüttin 
durch ihr llrnutnern erweichen, *lnfy ^^ch neues Gestalten rege. Der Cult, den wir ver- 
mulen, liude hier eine allere Stufe der Kyklupenvor::lellung, die wir ohnedies voraus- 
■clM-n mlliiiicil, fe«l);ehalten, wo sie noch selbständige Damunen sind und selbst 
(Im Unwollur und die tiliuc ilarslellen *. die sie, in das System der Theogonic auf- 
KirriiinilMiMi, mitlirlidi nur noch Rir /eus schmieden. 

VViu diu ältcxle der Va^en (.1) durch die Säulen andeutet, mochte man sich 
Jenen Vnr^itiiti Im Inneren de* 'rcincnos der grofecn Göttin sclba denken". Sic 
nUilinl unter den Schlägen, n*gl und cihcbt sieh; die Hämmernden hallen ein und 
rrvudigi'H l'.rKiaiinen rrlnfKl nie über die neu belebte Göttin, welche den Eros ent- 
iciidut: diei Hchililcnt die spateren Vasen. 

Ulnv Ik-MAIiguiig unserer Deutung dürfen wir darin sehen, daf<t zu der von 
lini rucoKutniicrli'ii Lcgcmlc von Phtya eine i^cnoue Parallele unter den bekanntesten 



*) Wal lian Naihvii KixXwmt b«lrlfR, tn ilctn 
iMBii Kvmo kIwmi vi*a ihttm \Vr»«u ancctlcuici 
(Ami« , »u girln tlvBim lliMWiitun|{ ■ ■undauj-i); ■ 
«Im {Mlriiliilli wvnlit hvrrunlccttcntle. nlnliv 
iinw^viulli^lic t£l|;i'niit^)iAli an; iMt VerMnilun^; 
III wikli« iln* Alu-Kiim (mIi Uro. ifa. I45} Jen 
Ndiiici« ilur KylilitpffD iiili Ihrvr ICin«u|;ickeU 
lt«tt-li( Wl, Ul olTriiliAl cinv witlklUliclie uiiil 
lüUoliei it«r Niiue t«i|[l vieliuchi, lUb die Ei»> 
Au|ti|lkKil L'bvn nlclil Jlc Ei)[>:i>»ckari t»l, nach 
wcitlirr i<t'n«IU> (;*)wMhtt iM. Sn «chcini unn 
tlld Vrritiiiiunii Sihnninnn* (op. acad. 4, 3^) 
tclii WiilittcliuinlitU, lUr* ilrr Nautv ur>|>mnt;tu)t 
k'txXti| tt''~'i''"">> ')"'■*' *■■■<'' BcliitJct *ci Wie 
j«R« h<><:N«licrinri>lichvii N«nicn Jif'J4^ AAo<{>, 
'|-».i4, \UU^ M>^h•V1 Mtpm^, Wir wciilm aber 
nktll Hill Schomann woirT anncbmrn, dnft dio 
h'-ijUDMi TU» tli'ii krvi«l(>niiii;vii Bur^n welche 
•lu liitiHlt iK-nnBiit wuitlcn, ■unttcfti chei tlaf» 
<Jtv Kr«l«WI*l)vl '\v* .'^ttiniic* >lv<t ur*|'rüiisliclirn 
AdUfk 411 tl«m Nntaiuit ^nbcn. Wenn Schti- 
HMiiK Irin«! «tiiilmml, dnf* cnt null >tri Um- 
iIciilliHtf il«t hiaXtnit '» K<i«Wr:it dk Fabel 
tM\ \kui ttlniui|t|[bcil •niilanil, 10 Ut Ttcimcbt 

»cUl wühl gk'U 



Mar, dafi jcar UoKlcutNitB nur dann rtcht t>c- 
jfTciltich wird, wrnii die lunltugij;ieil in dei 
S.1ST brreit» gegeben war und man nun eine 
Beitebunc in ihr In drni Nuncn «nebte. 0»Jk 
die Eioaui^ekcit t-in aller Zu£ Ut, )^ht Indcf^ 
aucli au« dem Vcrglel^'h verwandte! %Ve*en ber- 
voi: K> sind die ro«utit:facn Rtc«en, die LjevchiD, 
die stell im Wirbelwind leiccD, häufig etnlngig 
(Monnbardt, Bauin^olru» S. 139), und »> find 
aich roancbc der im heutigen Vollngbuben der 
Neugncchen exulierenden Rieten einäugig (R. 
Schmidt. VolksL S. aoi.aoj). — Zum ruM*chcn 
einäugigen Ljcschi fUgt Mannbardi, Anlik« WnM- 
und Fcldkulie S. 105 aU nabc AnoloKie der 
Kyklopen da» einMgi^e Tiroler rKa^miandl*. 
— Ebenda S. tlo »ptichl Mannbatdt die sehr 
wnhtic heinliche symbolische Bealthnng der t^in- 
augigkeit luin Wirbelwinde an*. 
'*) I>ic Sccnc wird wol noch einer der GegenMtiDde 
gcwetcD !>cin, mit welchen Tbemumkle« da« 
TclL-«leri(>n der l.ykotniden xu llilya auuiuüen 
Hell (Plui. TheOL. l): ja vieUcvcht sieben di« 
beiden «chwarihgitrigcn Bilder in einer geiriwen 
BeJichuni: ru dietea GemJUden, mit denen »ie 
htuiilg »ein kcvnncn. 



Purl«rnD](Ict, Die Küpfr der griccliifchen Kob1«nbec1(en. 



119 



Sagen des Allcrtums existiert: es ist dies — worauf mich Lftschckä aufmerksam 
(;cmaclit hat — die von Ilephaistus, welcher die Fesseln der Hera lost. Ucnn 
gcwifs ist hier die gefesselte Hera ein Bild der winterlich erstarrten Krdc, die es 
gilt durch Schläge viin ihren Banden zu befreien, zu neuem Leben zu cnveckcn. 
Also hier wie dort derselbe Inhalt, und im Grunde auch dieselben Personen, denn 
die Kyldopcn sind, wie wir später noch deutlicher sehen wcnlen, ganü parallele 
Gestalten zu Hephaistos und ihm ur%'erwandt- Das Instrument, das Hcphaisios auf 
den Vasen «um Zwecke der ]^«.sunt; der Hera trü^;!, iidej^t dasselbe kii sein das 
unsere Kyklopcn schwingen, nämlich Her Schmiedehammer (vgl. z. B. Antike Dcnkm. 
Tat 36). Hierin Hcj4t noch die urfipriinj;lichc Anschauung, dafe die Losung; der 
grofscn Göttin durch Hammcrschlätjc erfolgen mufs, so wie sie unsere Kyklopen- 
vasen in voller Deutlichkeit darstellen. — Die Vonilellun};, dafs durch Schläge 
ftbcrhaiipt neues Leben erweckt wird, ist aber eine uralte und weit verbreitete. Wir 
verdanken Mannhardt " die Sammlung einer Külle von Gebräucheri, besonders aus 
deutschem aber auch aus griechischem und italischem Oilturkretsc, welche alle den- 
selben Sinn haben und durch Schlagen mit einer »Leben^rule« fri.sches Leben 
erwecken wollen; ihnen reiht sich als ein besonders aUcrttimlichcs Symbol der 
Hammerschlag an. welcher die Rrdenniutler erlöst. 

Die Parallele der Hcphaistossatic lafst sich jedoch noch weiter führen. Der 
Gott tritt, als er zur Hera kommt, auf wie ein Bakchant, und Bakchantcn sind seine 
Gesellen: auch unsere auf die Gaa hämmernden Männer erscheinen zum Teil als 
reine Bakchanten. Doch diesen Punkt müssen wir genauer erörtern. 

Die Gestalt der Dämonen ist auf den schwarzfigurii^cn Vasen die rein 
menschliche; doch indem sie einmal bärtig, einmal unbartig er.-^chcinen, zeigt sich 
schon ein Mangel fester Typik. Wir erinnern uns, dafs die ältere Kunst so manche 
riesenhaften Unholde in gewöhnlicher menschlicher Gestalt auftreten läfst. Doch 
auf den rotfigurigen Vasen erscheinen jene selben Dämonen im Typus der Silene. 
OfTenbar hatte man das Hedürfnifs em[)funden, ihnen eine bestimmter charakteri- 
sierte GcstaU zu verleihen. 

Die Thalsuche die wir hier constaliereii ist aber gerade diejenige die wir 
zu Anfang suchten: wir haben hier den Kyklopen in der Bedeutung gleiche Gestal- 
len mit Schmiedewerkzcugeu gefunden, die doch völlig bakchisch erscheinen, den 
Gesellen des Dionysos gleich. Durch diesen Nachweis verlieren jene bakchischen 
Elemente der K.ohlenbeckenküpfe, die wir als K,)'klopeü erklärten, ihr Auffallendes; 
sie sind nun durch altere Tradition begründet. 

Nun haben wir auch das Verständnifs filr eine andere längst bekannte 
Thatsache gewonnen: ein Relief im Louvre" (MitUer-Wieseler, D. a. K. 2, 18, 194) 
zeigt uns die .Schmiedegcsellen des Hcphaisios, welches doch eigentlich die Ky- 
klopcn sind, in der Gestalt jugendlicher Satyrn, während der Oberarbeiter silcn- 



U) Mannbatdl, Baumculc S. asiB*.; Mytholof. For- 
schungen (18S4). S. 114 IT. 
**) Uic Uchaupluog FrCbncrs (Notic« No. 109), äa« 



R«Uef ici GJne Arbeit in 16. Jatirbundcnsi «r- 
«chtc» -ui IT voT dem t>rigin*lc ftla cvrctfcllos 
iiTitlnilicb. 



hafte Fifiuf hal; er trügt einen Pilos aur dem Kopfe, das Abzeichen der ^hmtcdc, 
das «einem Hcrm iranst scIÜKt gegeben zu werden pflegt. Zu der letzteren Fii^r, 
wdebe auch auf cinom pom|>ejani sehen Wandgemälde in der Werkstatt des He- 
pbafaflo» wietlerkehn", bat Coiue bereit» früher mit Recht ilJc mit l'ilos versehenen 
K'*|»fc an den lieclten henkeln in Rezichung gesetzt. Die Vermischung von bakchi- 
«ehen Klenicnten mtt der Oiiiraklerislik ücr struppigen Schniieile des lie])haistus, 
welche wir an jenen Knpfen der Kohlengefafse fanden, ist also in der monumentalen 
Traditinn bc^rundcl". 

Aber erklärt ist die ganze merkwürdige Erscheinung damit noch nicht. 
W.*«! ifiinjiichit jene jUliitclitn rnlfl^iirigcn Vasen ansteht, sy ki'iinte man, aus)^ehend 
vnn dem Culte zu Flilya, mil welelietn wir dieselben in Beziehung gesetzt haben, 
daran erinnern, daf*« der männliche Gott, der neben Gc dort verehrt ward, L>ion>'soB 
Antliio« war, die hünmiemden Dämuncn also in seinem Dienste urbettctvd ;^'edacht 
wcrdrn knnntcn. Mieser Umstand reicht aber zur völligen Krklärung der beobach- 
teten Cuiiflindiening vntj Kyklopen utid Sileiieii nicht aus, wenn er ^ie auch erleich- 
tert hoben wird. Namentlich mag er die Entwicklung herbeigeführt haben, welche 
uns in ilcr Berliner VaKC, die wir tiben nannten (^, vorliegt, liier sind die Schmiede- 
hanimer aiifl den Händen der Djimonen ycnomnicn und sie erscheinen als reine Silenc 
im Geleile de» Dionyson, wclclicr die cnipurüleigitnde Göttin erwartet; mil Jubel 
und Staunen wird »ic von Urnen tmd von Pan begril&t, während Eros dazu Bötet. 
Es bat hier wahrscheinlich ein verwandter Tyjnis, der der Anwlos der Korc, 
nittgewtrkl, wie wir ihn durch die Va*e bei Noel des Vcrgere, lEtnirie pl. lo kennen; 
denn diene i«t i;ewifs mit Kccht von O.Jahn (Arch. Ztg. 1867, S. 68) auf jene Ano- 
do» ftedeutct'* und die InBchrifl über der emporkommenden Frau Perophatta gclc- 
Rcii worden; sie wird hier von hii]>fenden Tanen begriifst '*. 

Auch auf eine Va»e bei Tischbein (l, 50) ist aufmerksam zu machen, 

un welche Ich durch Maxim. Mayer erinnert werde". Dieselbe scheint namltch 

") Hellilje. W<M.ll.il.f« N<». lilSc; AUa. Tuf. 17. 

— Dw Wivtlvihvhr iliv*vt chnraklfrisliKUvn 



•Icir liiM. 1$S4, t>v. M (KnUrt a. u. O. & i«Ht> 
ht natUHicli nach jeiicT volld.-iniligcrcnivdfatcB. 
FltfOT auf ciacin rni Jahrbtimlvrtc luich ilrm '0 Ucnclbc thcilt mit rrtuntUkli» mit, Atb »u( 



Aiinrv'lvü tlv« I'aHkt Rvitoh wwccKntMritrn 

Ai'lMkrtt ili't l'^TlifKltiit^ jffic* SiticItV*. 

**i Itlltlwi'ikir will iliu dIiid ucimiintf Rrlicf Lonnivn 
Irklil ilitiii TvrtUhtvn, auvli i;<wolinhvhv Saljrni 
«llstn iit «Irr ll<M'likfti|{un|: ilct WafTcHMihmii-tlcas 
■larauntcllviii wie wli Mt* *t>ii vlncm tluKh rio 
KfilCtiMWMi WkMiilcn Kiinitwnk (vgL Sl«|ilMii)l, 
r'niii|i|c' iriiilit \9-tiJ, S. 17^) itntl lon vinrt 
QviHitic wlitfii (lt»|tti>nic MV Inü. VI. 10). 

») V||l. lUiivitvii MniU, Klvu». HtUltrkr. S. Vf. ~ 
Itff l'iUvMvkl <Ur wvtUlklt«« Vigtt U% {««rth 
•iMh rr|i<iH(l. \\a du üHiflnBl ilei Ykw tWli 
ImIIiiU»! i«i uiilwiattKl. 

**) Ittn ■li|[vklli«l« tWttMvUHHK ilu" Nkpd-* AiHutli 



feinen WunKh Ai< Vut in llcrpdccni: von 
Cccil Smith Biitcrouclil worden ist, woli« sich 
iri^tc, *Ufs die Ti»dibcin'»che Abbildung in 
■Ilcm Wctrnüichen lurirrllsiic i»l. — Mail. 
Maj-CT erinnert mich in (lic«em Zusanmcaluuie« 
«uck dn >l)c Vuc bei TKnoDta. Csb. l4«m]is 
pl. li von weichet er mit eine neue Bam« tu 
«L'hlvkon dl* Fmindlidikfil lune. leb habe 
dti-> Bilil. dft» ewea JOnglin^ ntil HarnntcT «01 
eiMcf au< der Ktil« »ich cthcl-enJen Kr»a i^gU 
ludcf* abiicblllch nic^l in Beincbt gaofgin, 
'woil e« nicht «tlisch tat. Die \'ttc ccbArt ni 
111 dei V11D mil im BcHinct CjiuIoc S. 833, 
No. ]9S7ff. uharKkteti^icrico «kikkl-BolMtuchaii 
iMtninc in «eichet lum TVtl iuhwbc Voi^ 



M«Uui(|teti fuui Aiwdfvvk koauncik 



Fuitw.1ni;lcr , Die Köpfe der griefiliKcfaen Kohlenbecken. 



121 



geradezu ein Gtijcnstilck zu dem Berliner Krater zu sein und enlstaiiimt jjcwifs 
derselben attischen Werkstatt wie dieser. In der Mitte steigt innerhalb einer 
Grotte, die gebildet ist wie dort, ein Jüiitjliiii; mit Scepter aus der Erde empor; 
auf ihn zu fliet^t eine Nike; aufscrhalb befindet sieh Dionj-sos und sein Gefolge, 
Süen und Nymphe, welclie jenen Gott au erwarten scheinen. Ich glaube kaum, 
dafs man diesen anders denn als lakchos benennen kann. Allerdings ist ein solches 
Aufsteigen für diesen nicht tlirekt überliefert; aber wir wissen ja, dafs wir zur Er« 
kläning dieser Vasen mit der literarischen Tradition nicht ausreichen. Indefs ist 
lakchos, der immer jugendlich gedachte chthonisclic Gott der Atliener, dessen 
PaJingcncsic zurfi attiscli-orphischen Glauben gehorte, in der That der einzige der 
auf jener attischen Vase mit dem Hilde den der Erde entsteigenden Jünglings mit 
Scepter gemeint sein kann. In jedem Tallc übrigens schliefst sich dies Rild den 
Gründen gegen die von Robert für das Berliner Gegenstück vorgeschlagene Deutung 
auf eine Quellnymphc an; denn in diesem Kreise ist seine Deutung sicher nicht zu 
suchen. 

Hier können wir aber eine erneute Besprechung der berühmten Petersburger 
Pelikc kaum vermeiden, deren eines Hild'* Stephanr auf die Anodos der Köre, 
welche den neugeborenen lakchos zugleich emporbringt, gedeutet hat, während 
Strube die rhirch zahlreiche Bildwerke bekannte Geburt des Erichthonios und Ro- 
bert den kleinen aus den Flammen geretteten Dionysos sehen wollte, der eben in 
der Dirke gebadet worden ist und nun in Zeus' Schenkel verborgen werden soll; 
die innerhalb einer Grotte aus der Erde sicli erhebende Krau ist für Robert die 
Dirke. In seiner zumeist treffenden Kritik von Stephani's umi Strvibe's Deutungen 
gelangte indefe Robert (a. a. O. S. 1S3) schon zu der, wie mir scheint, einzig richtigen, 
von ihm aber gleich wieder aufgegebenen Erklärung: Die aus der Erde emporkom- 
mende Frau ist. wie gewöhnlich, Gäa; das in ein RelifcU gewickelte Kindchen ist 
lakchos, den Persephonc in der Untenvclt geboren hat. Hermes übernimmt ihn 
zunächst. Er wird ein grofser Gott, zum Heile Atlikas werden; schon eilt drum Athcna 
zu seinem Schutze herbei — die bei Nonnos 48, 951 ff. gar ihm als Amme dient — 
und auch Nike schwebt von oben herab, die wir schon auf dem Tischbein'schcn 
Hilde ihm verbunden fanden. Zeus und Mcra sind selbst gegenwärtig, da es sich um 
die Geburt eines grofsen Gottes handelt. Dafs Tackeln leuchten und das Tjmipanon 
crtiint, ist bei lakchos, zu dessen Culi diese Dinge gehörten, ohne weiteres ver- 
ständlich. — Die Gegenseite dieses selben Gefafses führt einen grofsartigen Verein 
specicU eleusinischcr Gottheiten ohne Handlung in voller Ruhe vor (zu dessen 
Deutung vgl. in Koscher's I.cxicon I Sj). 2185, Z. 45fr.}. Dies Bild ist ein be- 
deutsamer — von Robert nicht beachteter — Fingerzeig, in welchem Kreise 
die Deutung jener .uiilercn Seite liegt. Durch eine von Stephani [a. a. O. S, 48) 
mit Recht beigezogenc Stelle des Hippolytos (rcf. hacr. V, 8 p. 162 Schneid.) 
wissen wir aber, dafs gerade in Elcusis bei den Mysterien vom Hierophanten die 

**) Complc Tcndti tS$9, p1. I = Gcrhsra, Ccs. ak. Al>li. Tnf. 76 •= Raben, Mürchen Taf. x; 

a. iSoff. Vgl. strube, Elcu«n. Biiacikr S. «ff. 



Ii6 



Furiwinsler , Die KOpfe dtx gricchiiclurn Kolileobeclcen. 



Diese attischen Bilder auf die Anodos ticr Korc zu deuten (Fröhncr). geht 
nicht an; denn den Typus, in dem diese Sat;e von der altischen Vasenmalerei 
d:irgestel!t ward, kennen wir; die Hauptsache der vorüej^enden Kildcr, das Hämmern, 
und dann auch die Eroten, sowie endlich der välliy;c; Mangel jeder für jenen Vorgani- 
eigentlich charakteristischen Figiir, wie Demeter oder Hermes, ■widersprechen jener 
Deutung aufs bLstiinmlesle. Auf richtigerem Wege befand sich Strube; aber seine 
Deutung aus den samolhralcischen M>-stericn (Geburl des Axicros aus der Gaia durch 
die Kabircu) i»t schon deshalb unhaltbar, weil wir auf diesen vom linde des 6. Jahrb. 
bis in den Anfang des 4. gehenden attischen Vasen nur attische, nicht samnthrakischc 
Vorstellungen erwarten dürfen. Dann ist aber auch das was Sttube reconslruirt liurchaus 
nichts Sanjothrakisclics; Axicros war der Name der grofscn weiblichen Gottin und 
hat mit Eros gar nichts zu thun (s. in Roscher's Lexikon I, Sp. 1341, Z.46iT.); und 
der Hammer pafstc zwar tu den Icmnisehcn Knbircn, aber nicht zu den snmothra- 
Icischeii. r.ndlich kann das 1 lervorkomnien der Eroten nicht der Hauptgegenstand 
dieser Hilder .■;ein, indem es auf allen älteren fehlt; es kann nur etwas Hiuzu- 
tretendcs Nebensächliches sein. 

Dennoch wollen wir zunächst bei diesem Punkte verweilen. Indem wir in 
der aus der Erde auftauchenden Göttin niemand anderes als Gaia in ihrem land- 
läufigen Typus erkennen können, müssen die Ertilen, welche von ihr ausfliegen, dem 
kosmogonischen Eros in der Bedeutung gleichkommen. Da wir nun nach spccicH 
attischen Vorstellungen suchen mdüsen, s« habe ich schfin früher (in Roscher's 
Lexiken I, Sp. 1342, Z. 33ff.)' zur Erklärung jenes Rüdes und der daraus abgekürz- 
ten oben erwähnten Schatcninnenbildcr auf den Eros hingewiesen der in den» Cultc 
der l^ykoniiden zu Phlya seine Stelle hatte und aufweichen die Lykomiden Hymnen 
besafscn, die sie dem Orpheus und I'am[>hos zusehrieben; in ihnen war also der 
oriihische kosniogonische Eros gefeiert. Eine Hauptgottheit von I'hlya aber war 
Ge, die als fisiaXi) U*rj; dort verehrt ward, und zwar zusammen mit Dionysos "Avltio; 
und Ismenischen Nymphen (Paus. I. 31, 4]. Ich glaube dafe wir hier die feste Basis 
zur Erklärung unserer Vasen haben. Die emporsteigende Gottin ist die (lE-ioXv; fts^c 
von l'hlya und Eros der hier in orphischen Hymnen gefeierte, der wellbildcndc. 
Die Vasen stellen Eros von Gaia weg- und emporfliegend, wie von ihr entsendet, 
nicht etwa von ihr geboren, dar. War dies die im Culle von Phlya herrschejide 
Vorstellung, so erkennen wir in ihr zugleich jenen Kern achter populärer Cult- 
anschauung den wir in der orphischen und hesiodischcu Verwendung des kosnm- 
gonischcn Eros immer voraussetzen mufsten. Der Eroscull von I'hlya wird aber 
mit dem von Thespia eng verbunden gewesen sein, wie ja auch die ismeuwchcn 
Nymphen von Phlya auf Böotien weisen. Auf diesen Cultcn nun basiert offenbar 
der Eros der hcsiodischcn und orphischen Kosmogonie. Die hesiodische Fassung, 
in welcher Eros einfach neben Ge am Anfang der Dinge steht, kommt wcscndich 
näher mit unseren Vasen überein als die Fcissung der rhapsodischen Theogonic der 



') Von frähncT hvcinflursl habe ich dort incUf t cn. 
«Ult meine eigene alle Ilcotung ror(iitr.i^cn' 



mich, KCDn «ucli iwelfctnd. fUr die Atio4oi der 
Kuru vrkLirt. 



PuTtwilngler , Die KApfe drr Eri«cbi(chen KoblcnlH'Clcen. 



117 



Orphikcr (über welche vgl. Kern, De Orph. F.pim. Phcrcc, theoyonüs, p. 2 ff.), sie ist 
gtnvife die hlterc. wenn auch sie ofTcnbar selbst bereits aus früheren theogonischen 
(orphischcn?) L")ichtunf;cn schöpft und nur ein halbvcrsiandencs I-jccerpt aus solchen 
zu sein scheint (vyl. in Koschcrs Lexikon I. Sp. i^-wf.). 

Doch unsere Vasen gestatten uns noch einen lieferen Blick in die Wiege 
der hcsiodisch-orphischcn Kosmogonie zu werfen. Von der ge^vonncnen Basis aus 
suchen wir <tie Hauptfiguren jener Vasen, die hämmernden Männer zu verstehen. 
Über den Sinn ihrer Handlung, ihr Hämmern auf dem Haupte der Gc, kann kaum 
ein Zweifel sein. Es ist natürlich symboUsch und mufK ein Erweichen und Bezwin- 
gen der spröden Ge bedetilen, ähnlich wie Anakrcnn (Frg. 48), die Bezwingung 
durch Eros zu bezeichnen, sich von dem Gotie wie einem Sclimicde mächtig ge- 
schlagen werden läfst. Mit det) Blitzen, welche Zeus auf die Krdc sendet, schlägt 
oder geifscit er sie nach der Ausdmckswcise der alten Poesie {II. 2, 782. Hcs. 
theog. S57). Ein uraltes mythisches Symbol fiir die Blitze sind aber Hammer und 
Beil, Der Cült der argivischcn Hera scheint mit dem der grofscn Gottin von Phlya 
in Zusammenhang gestanden zu haben (Töpffcr, Alt. Genealogie S. 214). jener 
Hera nahte sich Zeus nach der legende im Unwetter als Kukkuk. Die Schildenmg 
der llias, wo Zeus die Hera züchtigt und mit Schlägen geifseli (II. 15, 17) wie die 
Erde mit Blitzen, hat gcwifs einen mythischen Hintergrund, Die Vorstclhmg aber, 
die hier über:Ul zu Grunde liegt, ist ilic eines die Erde mit Unwetter bcstiinnenden 
und so die Spröde erweichenden Himmcisgottcs. Und dieselbe Idee mufs unseren 
Vasen zu Grunde liegen: durch mächltge Schläge wird die grofse Gottin nach 
winterlicher Erstarrung im Frühjahr erweicht. Dann cnU>eudet sie den Eros, der 
kToiv ic' äv&p*»i»u( VKsp^ ^spiwv xarä ^r^;, und das Schaffen und Zeugen beginnt. 

Sind wir über den allgemeitien Sinn der hanmK-rnden Dumunen klar, so 
fehlen uns doch noch ihre Namen. Ihr Begriff mufs etwas Schwankendes gehabt 
haben, da sie so verschieden auftreten; in den Jüngeren Bildern wie Sileue; dafs sie 
diesen aber nicht von Hause aus angehören, zeigen unwiderlegüch die älteren Bil- 
der, wo sie rein meu!}ctilich erscheinen, doch einmal battig, einmal unbärüg. Sicher 
ist zunächst nur, dafs es keine hohen Götter, sondern niedrigere Dämonen sein 
müssen — sonst könnten sie nicht in Silcnsgcstalt auftj-cten — und ferner dafs 
Schmieden und Hämmern zu ihrem Wesen gehören mufe. Wir haben gelernt, die 
Deutung unserer Vasen im attisch - orphischcn Kreise zu suchen. Hier bieten sich 
aber nur tlie Kyklo|H:n als geeignet dar. Und diese passen vortrefflich. Als schaf- 
fende gestaltende Dämonen gehören sie nämlich offenbar, wie Eros, zu jenem alten 
Stamme orphisch-kosmogonischer Vorstellungen, der schon der hesiodischen Tlieo- 
gonie vorgelegen haben mufs. Sic erscheinen sowol in der rhapsodisclicn Thcogo- 
nie der Oqihiker, wie in einer alten Interpolation der Theogonie Hesiods", unter 
den Geburten der Ge und des Uranos; ilirc Namen (Brontes Steropes Arges) deuten 
auf Blitz und Gewitter; sie sind die Schmiede welche Zeus die Blitze verfertigen; sie 

*) Uafi <Iie iKtreflcndcn Sicticn einem Intcrpolalor gthörro, liitt Aitlinr Mcyci, Dv compos. iheog. Hc- 

Hod., disf. Btrrol, 1887, p.54ff. ifvzcigt. 



i6 



Furlwänglei , ]>ie KApfe rier grircimchcn Kohleitbeclceo. 



Diese attischen Bilder auf die Anodos der Köre zu deuten (FrÖhner), ^elit 
nicht nn; denn den Typus, in dein diese Sagt: von der attischen Vasenmalerei 
dargestellt ward, kennen wir; die Hauptsache der vorliegenden Bdder, da-; Hämn)crn, 
und dann auch die Kröten, sowie cndlicli der vülü^c Mangel jeder für jenen Voi^ang 
eigentlich charakteristischen Figur, wie Demeter oder Hermes, widersprechen jener 
Deutung aufs bestimmteste. Auf richtigerem Wege befand sich Strubc; aber seine 
Deutung aus den samothrakischcn Mysterien (Geburt des Axieros aus der Gaia durch 
die Kabiren) i!>t schon deshalb unhaltbar, weil wir auf diesen vom Kndc des 6. Jahrb. 
bis in den Anfang des 4. gehenden attischen Vasen nur attische, nicht sanuttlirakischc 
Vorstellungen erwarten dürfen. Dann ist aber auch das was Slrubc reconstmirl durcliau.s 
nichts Samothrakisches; Axicros war der Name der grofscn weiblichen Gottin und 
hat mit Hros gar nichts »u liiuii (s. in Koscher 's l^xikon [, Sp. 1341, Z-^Off.); und 
der Hammer pafstc zwslT zu den Icmilischcn Kabiren, Aber nicht zu den samothra- 
kisehen. Kndlich kann das Hervorkommen der lirolcn nicht der Hauptgegcn>t;uid 
dieser Hildcr sein, indem es auf allen älteren fehlt; es kann nur etwas Hinzu* 
tretendes Nebensächliche« sein. 

Dennoch wollen wir zunächst bei diesem Punkte verweilen. Indem wir in 
der aus der Krde auftauciiendeii Göttin niemand anderes al^ Gaia m ihrem \iu\d- 
läufigen Typus erkennen können, müssen die Eroten, welche von ihr ausfliegen, dem 
kusniogonischcn Hros in der Keileutung gleichknnmien. Da wir nun nach speciell 
attischen Vorstellungen suchen müssen, so habe ich schon früher (in Roscher's 
Lexikon 1, Sp. 1342, Z. 33flr.)' zur Erklärung jenes Bildes und <ier daraus abgekürz- 
ten oben erwähnten Schalcninncnbildcr auf den Eros hingewiesen der in dem Cultc 
der Lykomiden zu l'hlya seine Stelle hatte und auf welchen die I.ykomiden Hymnen 
besafsen, die sie dem Orpheus und Tamphos zuschrieben; in ihnen war also der 
oqihische kosmogonische Kros gefeiert Kine Hauptgottheit von Fhlya aber war 
Gc, die als pr^aXi; Utrtz dort verehrt ward, und zwar zusammen mit Dionysos "AvUc/^ 
und [smenischen Nymphen (Pau^^. I, 31, 4]. Ich glaube dafs wir hier die feste Basis 
zur Krklänmg unserer Vasen haben. Die emporsteigende Gottin Ist die ii£~a>.rj Ih'i? 
von Phlya und Eros der hier in orphischen Hymnen gefeierte, der wcitbildcnde. 
Die Vasen stellen F-ros von Gaia weg- und emporfliegend, wie von ihr entsendet, 
nicht etwa von ihr geboren, dar. War dies diu im Culte von Phlya herrschende 
Vorstellung, so erkennen wir in ihr zugleich jenen Kern ächter populärer Cult- 
anschauung den wir in der orphischen und hcsiodischcn Verwendung des kosmo- 
gonischen lüos immer voraussetzen mufsien. Der Eroscult von Phlya wird aber 
mit dem von Thespiä eng verbunden gewesen sein, wie ja auch die ismenischen 
Nymphen von Pldya auf Böotien weisen. Auf diesen Cultcn nun basiert offenbar 
der Eros der hesiodischen und orphischen Kosmogonic. Die hcsiodischc Fassung, 
in welcher Eros einfach neben Ge am Anfang der Dinge steht, kommt wesentlich 
näher mit unseren Vasen Ciberein als die Fassung der rhapsodischen Thcogonic der 



>) Von FtSbrCT bMinBursI habe ich do» indruetit 
»tKtt mein« irisvne altt Dculnng miTiutragco* 



mich, ynan iuich (weifelml, fUr die AoodoE der 
Kora etUArt. 



Orphikcr (über welche vgl. Kern, De Orph. K.pim. Pherec. thcogoniis, p. 2fr,), sie ist 
gcwirs die altere, wenn auch sie offenbar selbst bereits aus früheren theogonischen 
(orphischen?) Dichtungen schupft und nur ein halbvcr^itäiidenes Hxcerpi aus solchen 
zu sein scheint (vjjl. in Röscher s Lexikon I, Sp. 1344 f.). 

Doch unsere Vasen gestatten uns noch einen tieferem lllick in die Wiege 
der hcsiodisch-orphischeii Kosnio(;onic zu werfen. Von der fjt^vonncncn Basis aus 
suchen wir die Hauptfi^juren jener Vasen, die hämmernden Männer zn vei-stchen. 
Über den Sinn ihrer H;indhing, ilir llämnicm auf dem Haupte der Ge, kann kaum 
ein Zweifel sein. Es ist natürlich symbolisch und mufs ein H^^^-eichcn und Beswin^ 
gen der sprmlen Ge bedeuten, alinMch wie Anakrcon (Krg. 48), die Bezwingung 
durch Eros m bezeichnen, sich von dem Gotte wie einem Schmiede mächtig ge- 
schlagen werden läfel. Mit den Hlilzen, welche Zeus auf die Erde sendet, schlägt 
oder geifselt er sie nach der Ausdrucksweisc der alten l'ocsic (II. 2, 782. Hes. 
theog. 857). Ein uraltes mythisches Symbol fiir die Hlitzc sind aber Miinimer und 
JJcil. Der Cult der argivischen Hera scheint mit dem der grcfsen G'Htln von l'hlya 
in Zusammenhang gestiinden zu haben (TöpfTer, Atl. Gcne;ilogie S. 214). Jener 
Hera nahte sich Zeus nach der Legende im Unwetter ali^ Kukkuk. Die Schilderung 
der lliiis, wo Zeus die Hera züchtigt und mit Schlägen gcifselt (11. 15, 17) wie die 
Erde mit Blitzen, hat gcwifs einen mythischen Hintergrund. ]3ie Vorstellung aber, 
die hier überall zu Grunde liegt, ist die eines die Erde mit Unwetter bestürmenden 
und ^o die spröde erweichenden Himmcisgoltcs. Und dieselbe Idee mufs unseren 
Vasen zu Grunde liegen: durch machtige Schlage wird die grofse Göttin nach 
winterlicher Erstarrung im Frühjahr erweicht. Dann entsendet sie den Eros, der 
ilaiv iE* avOpittimu; uiteptt« cpif-*ov x«t4 t|y^, und das Schaffen und Zeugen beginnt. 

Sind wir über den allgtrmeinen Sinn der hänunernden Dämonen klar, so 
fehlen uns doch noch ihre Namen. Ihr Begriff mufs cnvas Schwankendes gehabt 
haben, da sie so verschieden auftreten; in den Jüngeren Hilden) wie Silene; dafs sie 
diesen aber nicht von Hause aus angehören, zeigen unwiderleglich die älteren Bil- 
der, wo sie rein mcn.scliiieh erscheinen, doch einmal bärtig, einmal unbärlig. Sicher 
ist zunächst nur, dafs es kchie hohen Götter, sondern niedrigere Dämonen sein 
müssen — sonst konnten sie nicht in Silenägestalt auftreten — und ferner dafa 
Schmieden und Hämmern zu ihrem Wesen gehören mufs. Wir haben gelernt, die 
Deutung unserer Vasen im attisch • orphischcn Kreise zu suchen, Hier bieten sich 
aber nur «lie Kyklo])en als geeignet dar. Und diese passen vortrefnich. Als schaf- 
fende gestaltende Dämonen gehören sie nämlich offenbar, wie Eros, zu jenem alten 
Stamme orphisch-kosmogonischer Vorstellungen, der schon der hcsiodischen Thco- 
gonte vorgelegen haben mufs. Sie erscheinen sowol in der rhapsodischen Theogo- 
nic der Orphikcr, wie in einer alten InterpoLition der Theogonie Hcsiods", unter 
den Geburten der Gc und des Uranos; ihre Namen (Brontes Steropcs Arges] deuten 
auf Blitz und Gewitter; sie sind dtc Schmiede welche Zeus die Blitze verfertigen; sie 

^ Dar* die bctrcfTcnilen Stellen einen tntcrpoUtor tEcbÖnrn. Iial Aithui Mcycr, IX: coinptn. thcog. Hc- 

»iod., <lüs. Bl-ioI. tS$7, p. S4f^- Bctcitfi. 



126 Michatli!!, Rrtmischt SkiizenbUcher nordischer Künstler. 



Letzterer scheint auch leitend f^cwescn zu sein bei dem um <lic Wende des 
fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts entstandenen Skizzenbuch eines italienischen 
Künstlers, jetzt im Kscurial, dessen Intialtsangabc wir Justi verdanken'; ebenso bei 
den jjele^entlichcn Skizzen Baldassare Peruzzis, die seinen architektonischen P2nt- 
würfen in der Handsclirift zu Siena beigemischt sind*, ferner in dem Skizzenbuch 
des Bildhauers Pierre Jacques von Reims, das uns Geffroy neulich kennen gelehrt 
hat'; cndlicli auch in dem Berliner Bande mit Skizzen verschiedener italienischer 
Künstler, von denen sich nur Girolamo Ferrari nennt *. Diesen Italienern und dem 
Franzosen reihen sich einige nordische, meistens niederländisclie Künstler an, denen 
ebenfalls antiquarische Interessen mehr oder weniger fern lagen, die theils die 
Ruinen und die modernen Bauten Roms, theils die Garten und die Umgebungen 
der ewigen Stadt, theils solche antike Kunstwerke, besonders Statuen, abzeichneten, 
welche sich zum künstlerischen Studium und zu künstlerischer Ver\vendung zu eignen 
schienen. Wir be6nden uns hier also in einem wesentlich verschiedenen Interessen- 
kreis von dem des Pighius und seiner gelehrten Freunde. Die nachfolgenden Blätter 
sollen theils den besonders reichen und wichtigen Nachlafs Heemskercks, theils die 
Skizzenbücher in Basel und Cambridge und ein paar Blätter von Melchior Lorch 
der archäologischen Ver%verthung zugänglich machen, wobei auch die Kunst- 
geschichte der Renaissance nicht ganz leer ausgehen wird^ 

I. 

DIK ÜBKRRPISTE DER RÖMISCHEN SKIZZENBÜCHER 

MÄRTEN VAN HEEMSKERCKS 

Das Berliner Kupferstichcabinet besitzt zwei Bände mit Handzeichnungen 
Märten van Heemskercks, die seinem römischen Aufenthalt entstammen und 
wohl geeignet sind den Archäologen dankbar gegen diesen Mann zu stimmen, auf 
den die neueren Kunsthistoriker wegen seines verhängnisvollen Einflusses auf die 
niederländische Malerei, die er von ihren natürlichen Bahnen in eine italianisicrende 
Richtung ablenkte, gar übel' zu sprechen sind. Der eine Band {im Folgenden als 
Heemsk. I bezeichnet) ward schon 1879 mit anderen Stücken aus der Sammlung des 
Pariser Architekten Hipp. Destailleur erworben, ist aber bisher nur spärlich verwerthet 
wurden'"; den zweiten (Heemsk. II) hat das Cabinet erst ganz kürzlich im englischen 

^) Bei M«iit7, Aitfi^. d( la vilU de Romr S. lS7ff., S. loi. Robert, Sork.-Rel. 11 S. XI d, 5. 

vgl. denselben Rendie. d. Aeani, dti Lmtci I'asiphae - Sarkophag, 1890, -S. 8. Michaelis, 

1888, I, S. 71fr. Ficker, Rttm. Milth. 1888, Rom. Mitth, 1891 S. 21 u. ö. 

S. 3170". ") l*ie antiken Monumente oJer die für die Antiken 

') Mall, Göltinger Nachr. 1872 S. 51 ff. wichtigen Blätter sind durch Überschriften in 

'•) GeftVoy, Af^lari^^ts d' unhi,'!. el d' hhl. 1890 grünerer Schrift hervorgehoben; Zeichnungen 

S. i5off., vgl. Audolcnl ebenda 1888 S. i2off. aus dem Bereich der neueren Kunst oder des 

K.in vollst^indiges Invänt.ir wUrde noch immer modernen Lebens sind kurzer und in kleinerer 

sehr erwünscht «ein. Schrift beschrieben. 

~) Wir dürfen eine Inhaltsangabe dos wichtigen '") J. Springer im Jahrb. d. preufs, Kunsts. 1884 

Bandes von Th. Schreiber erwarten; einstweilen S. 327 ff. und in den Ges. Studien eur Kunsl- 

vgl. diesen in den Hislor. Aufs. fUr E. Curtius gescb. f. A. Springer S. 226 fr. yi^tiXt, Revue arch. 



Michaelis, Römische SkizicnlillL-hyr nonlischL-r Künstler. 127 



Anttquarhandel erstanden". Die dankenswcrthe Liberalität der Direction des Kiipfer- 
stichcabinets, der Generalverwaltiiiif^ der Konigl. Museen und des Kgl. prcufsischen 
Kultusministeriums hat mir die Benutzung beider Bände hier in Strafsburg während 
einiger Monate ermöglicht. 

Beide Foliobände zeigen sowohl im Aeufseren und in der Auswahl der 
Gegenstände wie hinsichtlicli ihrer Schicksale bedeutende Unterschiede. Band I, in 
modernem Pergamenteinband'*, mit Bleistiftbeziffcrung der Blätter von i^ — 78, zeigt 
die urspriingHchen Blätter so eingelassen, dafs man auch die vielfach mitbenutzten 
Rückseiten betrachten kann. Die meisten Blätter messen durchschnittlich 21X13'/, Cm. 
oder weniger (bis zu 192 Mm. und 126 Mm.), sind aber sämmtlich mehr oder 
weniger beschnitten; sie scheinen alle ursprünglich zu Einern Skizzenbuch gehört zu 
haben. Vier nach Gegenstand und Behandlungsweise verwandte Blätter (4. 5. 62. 66) 
sind gröfser, aber von unter sich verschiedenem Format. Auf Bl. 5 erscheint das 
Monogramm Hecmskcrcks Mk. Die Blätter 76 — 78, wiederum verschieden an Gröfse, 
la.ssen sich mit mehr oder weniger Sicherheit Heemskerck absprechen, während 
Bl. 2 wohl von seiner Hand ist, aber nicht zum römischen Skizzenbuch gehört; 

Bl. I ist ein Stich nach diesem Blatt. Die Blätter 2 — 70 zeigen in der unteren 

rechten Ecke eine ältere Bezifferung von 15 bis 83; bisweilen ist sie in Folge zu 
starken Beschneidens verschwunden, und dies mag auch für Bl. 71 — 75 gelten. Es 
ist klar, dafs die Sammlung seit jener Anordnung und Bezifferung zu Anfang 14 
Blätter, vielleicht auch einige zum Schlufs verloren hat. Hierfür haben wir noch 
eine weitere Spur darin, dafs etwa ein Jahrhundert nach Heemskercks Tod {1574) 
der talentvolle junge Amsterdamer Advocat Jan de Bisschop (Episcopius) in den 
1671 herausgegebenen Paradigmata graphices varionun artificum neben den Vorlagen 
Anderer {z. B. Salviatis und Poclenburgs) auch Zeichnungen Heemskercks fiir seine 
Stiche benutzte. Von den 13 von ihm copierten Figuren sind nur noch drei in dem 
Skizzenbuch nachweislich, die übrigen verloren". 

Aus den Niederlanden hat das Skizzenbuch, sei es vollständig, sei es bereits 
in verstümmelter Gestalt, seinen Weg nach Frankreich gefunden, wo es um die 
Mitte des vorigen Jahrhunderts im Besitz Mariettes erscheint. Dieser selbst be- 
nutzte es 1742 für die Bacchusstatue Michelangelos '\ Bottari 1760 für einige römische 
Kirchen in ihrer älteren Gestalt '\ Wiederum nach einem Jahrhundert befand sich 

1884, I, 296. A. GefTroy, MÜ. ä' ar,h. 1890 lauter vollständit^c Statuen. Sollte dies auch 

S. iS3f. Hülsen, ISiill. comun. 1888 .S. I53(f. schon für Heuniskerck« Zeichnungen gelten, so 

Michaelis, Atcli. Jahrb, 1890 S. öff. R«m. Mittii. könnte ilarin der Gnind de« Abhantlenkomineni 

1891 S, I nr, Zeitschr. f. d, bild. Kunst, N. K. gesucht werden (auch das Einzelblatt III, 3 ist 

II, i84ff. ungewöhnlich ausgeführt), doch rllhrcn die Er- 

") Eine Besprechung J. Springers im Jahrb. d. gänzungen vielleicht cr^t von Bisschop her. 

preufii. Kunsts. 1891 S. iiyff. habe ich durch "J Mariette in den 1742 geschriebenen (vgl. Reiset, 

die Gute des Verfassers schon vor dem Kr- Gaz. </. /-eiiux-tir/s W , 1877, S. 248J Anmer- 

scheinen benutzen können. kungen zu (Joris Ausgabe von Condivis l'iia di AI. 

■'■') Titel auf dein Rücken; Monumtut! nnti^uet. A. Buotiiirroli (1746) S. 69. Vgl. Ileeinsk. I, 72. 

Manuscrif </« ijtmr et ibime siede. '•') Bottari /u Vasari III (1760), 54. Vgl, Ilcemsk. 

") S. zu I, 33, a. 6. e. III, t. 2. Taf. 37 enthüll I, 8, 12'. 13. 15. 21. 71. 

10» 



das Buch in der ruiclicii Sammlung Destatllcur", wo H. von Geymüller es ßlr 
seine Forschungen über den Bau der Pctcrskirclic vcrwcrthctc ", bis es nunmehr in 
den festen Besitz einer öffentlichen S.imnilnnK (ibcrgeganficn ist. 

H.ind [I läfst sich nicht weiter zuriickvcrfolgcn als bis in dci\ letzten Tlieil 
des vorigen Jahrhunderts, in den auch der Hinband von rothem Maroquin zurück- 
weist'*. Das Buclizeichcn (Ag-ws ßerry hw. et del. I^miini //p?. Francis' l-fgai 
scHtf^) nennt als ncsitzcrin Anne Seyniour Dam er. Diese hochtiehihlete und auch nis 
Dildliaucrin geschätzte Dame. geb. 1748, war eine Tochter des Keldniarschalls Conway, 
heiratete 1767 John Damer, einen Sohn I^rd Miltons, und erbte 1797 vnn Horace Wal- 
pole, einem Vetter ihres Vaters, dessen I^mdsitz Strawberry Hill mit seinen reichen 
bOnstIcrischen und liltcrari.'ichen Schätzen '^ Vielleicht gehörte unser Band dazu. 
Mfü. Damer starb 1828, die Sammlung von Strawberrj' I iill waid 1842 versteigert**, 
und «o mag das Buch durch andre Hände" schlicfslich in den Antiquarhandel ge- 
kommen sein. — Ein grofser Theil der Blatter staiimit aus einem Skizzenbuch, das 
un^erälir 15x20 Cm. mafs, vielleicht ursprünijUch noch etwas mehr *'; bisweilen 
ersti'eckt sich die Zeichnun^^ über zwei Blätter". Dies Skizzeubuch war also dem- 
jenigen in Bd. I ähnlich. Kinc noch gröfscrc Zahl von Blättern zeigt dagegen ab- 
weichende, meist gnifsere und so verscliiedene Formate, dafs man mehr an Skizzen- 
blätter als an ein Skizzenbuch denken mufs. Höchstens liefsc sich noch an ein 
weiteres Buch denken von ungefähr 20X27 Cm.; diese Grrifse haben ziemlieh viele 
Blätter und aus solchen sind auch die grofscn Ansichten am Schlufs des Bandes 
zusammcngcsctxt. wahrscheinlich auch die beiden Blatter 36 und 5 1 , die 27 (bzw. 
25'/,) X407, messen. — An Mecniskercks Urheberschaft, die filr Bi. 36 und 91* durch 
das Monogramm festgestellt wird, kann etwa bei Kl. 57, das in Stil und Ausfühnnig 
seine Besonderheiten hat, und bei Bl. 70, das in abweichender Technik ausgeftihrt ist 
und die Jahreszahl 152g tragt, ein Zweifel aufkommen, J.Springer denkt hier an 
einen Schüler Marcuntons, mir scheint daa Blatt nach dem Norden zu weisen (ein von 
mir befragter Kenner fiihltc sich an Mabuse «der Bcmliard von Orley erinnert), und 
der Gedanke an Heemskerck in beiner heimischen Lehrzeit braucht nicht ohne 



if) GefiVor, SßL d'arth. 1S90, & ijoflT. 

"J UnpiUni-l. KnlwUifc vx St. I'cter Tnf. a^. $2 
unil S. jxyf. VeU HcuiiiIl I, 8. 13. 15. II, 5a. 

'*) Tilcl auf ilcm RDckcn: timeitu Jafrii lutHt^mf. 

**) Nnvli ctnct Milihciluii]; ntciiKs Fn-uiidL'« (t«(>(gc 
Scharf, f.. dcvscn l'iitiiJ<'p4t ef Ihe XtttU'Hai 
rortrait iiatUry, |83S, S, Ijgf. Auch Agn» 
Berty {^liOtlc lu Horace Walpolcs Kreis e- 
Jturuali ifW tarrttf. 1^ Miu Btriy ftl. fy L^y 
fftti-fia Ln^'it. I.nniltin 1865. IIa* Biirhtrichcn 
kommt nuch mit «leai lilof^ii Nauic» Anw 
ihimrr vor. 

>•) l.cMcf bl mit jctot der CatalogHt vf liu 
Oiutk CuHf/Htf ff Straa<^rry ■ tliil , 1S41, so 
wenig iQgtknglich, wie die in Wmlpole« U'orkt 



<f Mr, fi«r. Wai/^k. at Sfraa4fr>f-fr,U, \'gL 
meine Auf. MariiUi in Gr. Hritain S. 6Sf. 167. 

"j Von einem neueren fictilzer mö^ii die Blciitift- 
bciiicflctiiigcn bcTillliTcn, ilie unter Veikcnnuitg 
von Hcctnskvrcfa» Urheberschaft die Tsifeln j, 
6. S. II. 18. 33. 35. 73. 77. 88 »Tw/w» (Ro- 
mano). 30 '/1»ff>M« iiu«ch reiben. 

^ Die Mate von 43 Bldltcrn sebwimlicn tvischcn 
la'/i untl IS< tuvr. 177, uml 7oCtn.; BL 6 
niifM 16/31, BI.^J: i5< I», HI-A-i: <SX»3V« 
Cro. 

'^) In Bl. 64. 83. 84. 86. 88. 90 betrttgt die eine 
l>imenRkin I9 — 30, die andre XX14 U» a X'5 
Cm. 



Michaelis, Römische SkizzenbUchcr nordischer Künstler. 12Q 



Weiteres abgewiesen zu werden. Auf alle Fälle aber t^chört das Blatt nicht unter 
dessen römische Skizzen. 

Die Blätter in beiden Bänden sind yröfstenthcils Federzeichnungen, fast 
immer in sehr feinen Strichen, vielfach mehr oder weniger stark braun laviert. 
II, 57 (von Heemskcrck selbst?) bietet eine sorgfältige Ausführung mit Tusche, 
I, 70 mit Bleistift. Letzterer tritt selten allein, und dann in ausgeführten Zeich- 
nungen auf. Viel häufiger finden sich Rüthclzeichnungen , besonders bei Torsen 
und Aktstudien; die Durchführung pflegt sehr weich zu sein, für blofsc Umrisse wird 
der Rothstift nur ausnahmsweise gebraucht. 

Über Heemskercks römischen Aufenthalt läfst sich Folgendes er- 
mitteln •*. Märten Jacobsz, 1498 in Heemskcrck bei Alkmaar geboren, hatte ver- 
muthlich von seinem Lehrer Jan Schorcel, der unter dem niederländischen Papst 
Adrian VI. in Rom gelebt hatte und sogar Custode des Belvedere gewesen war **, 
den lebhaften Wunsch überkommen seine Studien in Rom fortzusetzen. Im Jahre 
1532 malte er noch daheim ein Bildnis seines Vaters, der am 26. Sept. jenes Jahres 
starb"*, und am 23. Mai vollendete er ein Gemälde des heil. Lukas wie er die 
Madonna malt, das er der Lukasgilde in Harlcm zum Andenken und mit dem Ersuchen 
um ihre Fürbitte widmete ". In diesem Geschenk und den Worten der Inschrift 
hat man wohl nicht ohne Grund eine Art von Abschied sgrufs an seine heimischen 
Fachgenossen erblickt. /:« is doe getrocken nae Roenn, erzählt Carel van Mander, 
ivaer naer hy lange grooien Inst hadde gehadt, om d'AntiJckcn en die groote Meesters 
i'an Italien dingen te sien. In der That mufs er, wie sich gleich zeigen wird, sehr bald 
aufgebrochen und ziemlich geradeswegs nach Rom gezogen sein, vermuthlich durch 
die Provence, da seine in Nimes und St. Remy genommenen Skizzen {II, 28) eine 
viel geringere Sicherheit als die römischen Blätter zeigen. Dies Merkmal fehlt 
anderen nichtrömischen Zeichnungen, der Ansicht eines festen Hafenplatzes (II, 78, 
etwa Genua oder Ancona), einer italienischen Marine (I, 24^), einer nordischen, 
vielleicht niederrheinischen Kirchenruine (I, 14); diese Blätter können ebenso gut 
später, vielleicht auf der Rückreise, entstanden sein. 

In Rom traf Heemskerck alsbald mit Vasari zusammen, wie dieser selbst 
bezeugt (VII, 582). Nachdem er seine Bekanntschaft mit Michel van Coxie in Rom 
im Jahre 1532 erwähnt hat, fährt er fort: studio poco dopo in Roma Martino Hcms- 
kerck ... il (juale conobbi in Roma, mcntre io serviva il cardinale Ipolito de' Medici. 
Diese Stellung Vasaris endete in eben jenem Jahr 1532, vor dem Aufbruch des 
prunkliebenden und kriegslustigen Cardinais zum Türkenkrieg in Ungarn; schon im 
September war Vasari wieder in Arezzo■^ Also mufs Heemskerck im Sommer 1532 

") Carel van Mander, Sckild<r - Boek Bl. 245V, S. i?. 

Michiels, Ilist. de la peuit. fiamandt V^ iSsff. -'*J Willigen S. 157. 173. 

Van der Willigen, l^s arthtts He Ihirltm ■'•) Michieh S. tSgfT. 

S. 157 ff. Vgl. J. Springer, Jahrb. f, d. preufs. -') Vasari VII, 1 1 (T. 653(1". und die Briefe VIII, 

Kunsis, 1884 S. 327ff. 233ff. (Febr. und Juni 1532 au« Rom, 4. Sept. 

'*) C, van Minder Bl. 235 f. .\rch. Jahrb. 1890 aus ArezzoJ. 



in Rom anj;ckommen sein. Infolge von KmiifehhinEcn fand er, wie van Mander 
bcridiLct, zunächst Unterkommen und Untcrliah bei einem Cardina!. Ks lictjt sehr 
nahe hierin seinen Landsmann, den vCardinalvon Utrechlt' Willem Knckenvocrt zu er- 
bUckcu, die einzige Crcatur Papst Adrians; er starb nm die Mitlc des Jahres 1534. 
Avis dem Jahre 1535 haben wir einen Beleg in einer Zeichnunj^ der Peterskirchc 
von Hecmskerck (t, t3), die ursprünjiüch jenes — jclzl abgeschnittene — Datum 
Irug". hl <Iic ersten Monate des Jahres 153a scheint sodann ein weiteres Zeugnis 
Vasaris (VI. 573} zu weisen, l'ür den Einzug Karls V. (5. April 1536) ward hei 
San Marco mit einem Aufwände von 3000 Ducaten ein prachtvoller, mit Statuen, 
Keliefs und acht Gemälden gcsclimückter Triumphbogen errichtet "". Nach Vosari 
rührten die besten jener Gemälde ihetls von Krancesco Salviaii her, thcils da un 
Martinv ed a!tri gii/vani feiüschi, che pur allora eratto venuü a Romaper httparare ". 
Iit diesem Marlin hat Mariettc " unscrn Heemskerck erkennen wollen. Allein die neuer- 
dnigs bekannt gewordenen Rechnungen über jenen Einzug melden nichts von Martin, 
sondern sie nennen statt dessen' einen anderen mir unbekannten maestro EriHmtno 
et comp. piUvri, die für cm grofses und zwei kleine Gemälde 90 Ducaten erhalten ". 
Da ein Irrthum der geprüften Rechnungen im Namen nicht wohl möglich ist und auch 
sonst durch diese ofdcicllen Urkunden manche Ungenauigkeiten von Vasariä Kcrichl 
sich herausstellen, so bietet sich eine dopi^cllc Möglichkeit: entweder setzte Vasari 
den Ahrtttw au die Stelle des wirklichen lirmanno, und Heemskerck war gar nicht 
an jenem Bogen betheiligt (wie denn auch van Mander nichts davon eru'ähnt, ja die 
unbestimmte Bezeichnung tut Mariino pafst wenig üu dem Vasari bekannten und 
von ilim gelobten Martino Hewikerck)\ oder Hecmskcrck ist an bescheidenerer 
Stelle unter Hermanns Gehilfen zu suchen. Wie dem auch sei, es scheint dafs sich 
eine Spur der Vorbcreitujigcn zu Karl» Einzug noch in Hcemskerck» Zeichnungen 
nachweisen läfst. Kekanntlicl» ward Tiir den Kaiser eine Triumphalsirafsc her- 
gerichtet und es wurden 2u diesem Behufc die Bogen Constanlins, des 'i'itus und 
des Scptimius Sevcrus weiter ausgeräumt, sowie die Slrafsc längs dem Korum frci- 



9*1 Sullic die Julirr^tAhl 1555 ntif dctii mit M. 
I lecmskeiclcs vullvtn Namen bc»tchiH-tcn KlfiUc 
111, 3 ureptaneltcb* 15JJ gelautet lubcn und 
beim Nachtii-bcu ttiil <luiiklcri-r Diitlr vtfituilcil 
wwiJcn i«int 

*•> Vgl. l'anccllierl, Sifria %ie' mUhhi f«isesii S. 
99(. ant) den li (.-Ich im den AuTiiau von H. 
P<»jGBlii, Carh V n Kemu nt/l' aNHf tjj6 
im ArrAifii' Alia let. n-M. Ji it'rin /^Urüi I, 
1878. J03K Die Sanuac von 3004.10 Duc. 
cticncla .S.3t5. Im Hcib«t de» Jalifvs 1536 
farxl FibhaKl fKrankf. Arvh. Ilt. 58) dm ar.tui 
aiifritiui noch ror, alict voh Wetter und Rcgra 
ntg niilgvnonuueni im Januar I$J7 wurden 4O 
Scudi Hii den Alibiucli dv» Botjen« beiAlili 
(Munti, /.ft anti^. tit A>a*/ S. I55). 



"J Nr toMtri äi i/ire n junb frafatilo, tA* ii JtHa 
Martino. U ^H-ir m«tla vaUt mitt <m* Ji ihUt' 
raeuro./Nf akune iait-tglu i^t* tantafiirnu t 
»t Itlk imfMiMni in tttti affr^ttti t fatH iftmuu 
fra Critthni t Ttinhi, tkt mi» ti fuo far »ugih. 
F. futl/ii fAf /» foin ttMr<it'igli^iii. /at tf <{*Uo 
Mitrhrh-. f iHfi U'^mimi fUf/ie ItU tnH taiflu Jd/Zt- 
ii/H)fifif r frftUta/, fmki faftra ftiiit finita a 
ttm/*', <ht noH li /trtKtiM« ihm dal /uvifr«; t 
ptnhi trafcrWe t^ro mmtütuamtnu Ja htri, t Ji 
fu^tt grtco, /ra I0 Jtarc i<w/-''e ttiriatAt t riifitf' 
Juli Jai furar dt! rin.' t !a j'ralitit Htt /arr, 
/ethat tMi ttuffiiUt. Zum Gc(;en*Mn<l vgl. etvra 
llcemtk. II, 19. 

^ AtttrJ«Hi> II. S. 348ff. 

*') Anktvh 1, S, 311. t>trwllieb waren aui:h am 



Bogen von S. Scba»liann thitig (ebda S. 309). 



Michuli«. K&inUctic SkiticnbUcb« nardÜMiber Klini.iler. 



u» 



gelegt. Die Ansichten ü. 12 und 50' zeigen uns nun den Severushogcn noch 
ziemlich tief vcrschüllei un<! verbaut, und daneben den viclst<>ckiiicn Tliurni der 
alten Kirche Sergio e ßacco huch aufragend. Letzleres gilt auch von den Klältern 
n, 56 und 79f., wo da((cjjcn der liogcn freier da lu liegen scheint. Dies ist vollends 
der l'*all auf t, 6, und besomler.« ileiitlich auf I, t>; in beiden Ansichten ist ferner der 
vcmiulhlicli baufällige Kirchthumi bis auf einen Stumpf abgetragen, und in der 
letzteren sind Männer geschäftig Bäume xu fällen uml die Sirafse, doch wohl für 
den kaiserlichen Einzu)(, zu ebnen. Sicher gehört auch in üfts Jahr 1536 laut der 
beigesetzten Jahreszahl das grofse Panorama IT, 9t • -4-92, dem vcrmtithÜch die 
ergänzenden Blätter II, 9: '+93 und 93* + 94 zur Seitu gehen, Arbeiten erstaunlichen 
Fleifses und pcinliclwlcr Genauigkeit, die uns wie Andenken an Hie ewige Stadt, 
zum Abschied gezeicluiet, gemahnen". Denn Über das Jahr 153Ö hinaus Ileems- 
kercks Aufcnth;dt auszudehnen, liegt kein Anlafs vor. Van Mander beschränkt die 
römische Xeit auf drei Jalire: nach den gegebenen Daten wenlen wir fast vier Jähre, 
Sommer 1532 bis l-'riihling 1536, als die engste Grenze annehmen miKsen, die wir 
aber auch nicht geneigt sein werden ohne Noth zu enveitern ". Im Jahre 1537 
finden wir eine leise Spur von Ilccmskcrcks Anwesenheit in Ilarlcm in dem Um- 
stände, liafs die Mutter »Meister Martijn des Malers«, unter Geläut aller Cilocken 
begraben wird ", eine ungewöhnliche Ehre, die wohl dem mittlerweile berühmt gc* 
wordenen Sohne galr, und am 25. Sept. 153S ward der Vcnr;ig über ein grofses 
Altarbild für Alkmaar abgeschlossen, dessen Bedingungen und Ausdrücke wiederum 
für das hohe Ansehen des nunmehr vierzigjährigen Meisters zeugen, der zwei Jahre 
Kpälcr aU Vorstand der Lukosgildc auftritt '^ 

über Hcemskcrcks Thätigkcit in Rom besitzen wir den naiven Ucrtcht 
van Manders: /lei/t oi'(k zynai tijtU niet verslafat noch X'ersHvmt by den XnUrhtuiers, 
mct suyp^H o/t amirrs, tnai-r hv<-l vce! Jinghat geconterfeyl , SMt iiac <t.\nlijck<'n. afs 
Mar Mi(/iiel Agno/t-n 'Mcrcken: oock ivei Ruxvynen. HJwercken, aiärrUy turäiduiU'H da' 
Antijckm, die in äisr Schihief'Academiscke SUidt oi'cn'loedteh U sien sijn. GemrenHjck 
alsi tnoy weder was, ging/i ky so conlerfeyUn. Dieses Lob fnidet in den erhaltenen 
Skizzen seine volle Hesiäiigung, nur ist Michelangelo d.Trin so spärlich vertreten, dafs 
man annehmen mochte, die auf ihn bezüglichen Blätter seien ausgesondert worden 
und so verloren gegangen. GrÖfsere und kleinere Ansichten Roms, seiner Hügel, 



**) A<ir<lcm grof*cn Panorama i««! «u» i!ciu HBuici- 
gtwimm*! J« Maisfi-Idci. in d«r Nahe dct Eiii;d«' 
brache ein gitifMit itindur Thi^rm in (wci Ab- 
ilMen betau» mti ijei unilcuUicbct) B«i»cliiifl 
», jHnf oder ebcr L^nat. Wenn die« etwa die 
larT€ Jtl (.'timf* im Rinne I'arinnc (Mattinclli, 
Hema ex rfAn- lutra S. SjJ unvrcit Monte Giui- 
dano Hellt sntlte. ki w.lre lU^ Dnttim der /xicbnung 
auf die eT*tL'n Monate des Jahre» iS3<i botimntl, 
denn dieser Ihurru ward acilaf^lich KarU Ein- 
ng fUr 100 Ducatcn «b^etrogen (^/IrtAäia 
I. S.314). 



*) Cbcf Hccmsii-ick» ra^cbrn Abgang von Koro 
infol|:c eines bei ihm rcifllitcn t>icb»i.nbl* «. die 
ÜTfühlunj: van Mandert. — CcymiUlct* -Xrgu- 
lUCBl rUr die Eiii-Hebun^ vott 1. 15 nacb 1558 
wird von Ihm wlbtt nur iwcifclnd vorj^cbracht. 
Den ISJS nach dem L'itpiln] vcncUlcn klare- 
nuiul kconi I lecimkert:)! I, 71 nock beim 
Lnlcrnn. 

•«•) Wilbfivn S. j6. 

") Wjl%en S. isStr. 16S. Hynniu cur Ctwr- 
seMung vnn Manderi, Pari« lS54, I. S. 367 
.\nm. 3. 



132 



Michneih, Römische SlcidcnbUchcr noidi»chcr KUntilet. 



seiner Kiiincn iidimcn cint-n grofscn Kaum ein, bald leicht skizRiert, bald so »org- 
faltig durchgcrulirt wie das schon gciiatinlc Tanuratna. Von antiken Gebäuden 
und Bau};nippen haben das Vorum, der Palatin, das damals noch leidlich erhaltene 
Ncrvaroruni , das Colosscum und das Sepür.ünium. das rantlieon u. !«. w. vielfache 
Nachbildungen gefunden; auch der RundtL-mpcl von Tivoli und einitje provencaüsche 
Hauten ^ind vertreten. Die Dedeutunt^ einiger Furunibtätter hat HüUen " in$ Licht 
geslelU. Sonst scheint mir diese Gruppe von Zeichnungen nicht so reiche neue 
ßclelirun^ 7m spenden, wie man wohl erwarten mochte; Kundigere mögen ihnen 
jedoch noch manche Atiflcläruiiy entnehmen können. Viel crhcbliehcr ist jedenfalls 
der iirtrag fiir die Kenntnis moderner Kauten und ihrer Geschichte. Im Vorder- 
^mndc dcH Interesses stehen die zahlreichen Blatter, die den Neubau der Fctcrs- 
kirchc in ihrem ;dUnählichcn Fortschreiten darstellen; H. von GeymUllcr und 
J. Sprinj;er haben ihre Venvcrtluins bereits begonnen ". Der alte Lateran *", das 
valicanische Bclvedere, das Capitol vor Michelangelo ", die alte Porta del Fopolo, 
oinc Anzahl Palä.ste lernen wir kennen, daxu eine Menge von Einzelheiten: Treppen* 
anlagen, nischcngeschmückte Wände, Decken, Thüreinfassungen, Kamine, Orna- 
mente u. s. w. Namenilich der rwclte Band ist reicli an Bialtem letzterer Art. 

Eine besonders interessante Abtheilung, die auch bei der Auswahl der Ab- 
bildungen för diesen- Aufsatz vorzugsweise berücksichtigt worden ist, bilden die 
Zeichnungen von Antikensammlungcn. Die Antiken tlca Giardino Cesi erblicken 
wir in einer älteren Anordnung als 1550 bei Aldrovandi un«i können selbst zu 
llcemskcrcks Zeit leichte Änderungen wahrnehmen (l, 25. II, 62); die capitolinischc-n 
Antiken zeigen noch den Zustand, der der Umformung durch Michelangelo vorher- 
ging '*; der etwas später in famcsischen Besitz übergangene Anlikcnbestand der ahen 
Casa Sassi erscheint noch an seinem ursprünglichen Orte (III. 3). Andere Itlälter 
zeigen einen grofeen Theil spater famesischcr Antiken noch in einer Halle des 
Palazzo Medici (seit 1540 Madama: I, 5. 66. II, 48), oder sie eröffnen anziehende 
lllicke in die Ilöfe der Häuser Maffci {I, 3'), Galli mit Michelangelos Bacchus (I, 
27. 72) ", della Valle (II, 20), in einen Raum der Casa Santacroce (I, 29'). in ein 
paar noch nicht ermittelte Anljkengäricn (I, 23. 24. 27). Alle diese Blätter sind von 
hohem Wcrth für die Museographie. Nicht minder bedeutend für die Geschichte 
der Wanderungen und Wamlchingcn der Antike sind die namentlich im ersten 
Bande sehr zahlreichen Zeichnungen nach antiken Bildwerken, die, mciätcns 
noch uncrgänzt, mit grofscr Treue und Genauigkeit wiedergegeben werden. Abgesehen 
von den (iUentlichcn Statuen (Montecavallo, Marcaurel, Marforio u. s. w.) sind die 
belvcderischcn *', die unter Paul 111. eo eifrig vermelutcn famcsischen, die ccsischen 



U) Bmii.ctmiH. tS8S S. 1530; 

**) RcymilU«» *. Anm. 17. J. äptiiiger, Jahrb. f. tt. 

l>ttiir». Koii*ls. 1S91 S. iiSfT. 
") ]• ■'tprin^cT, Gcx. Sntdicnt. KiinitgcKh. S. 336 IT. 
*■) MichaclU, Zcitschr. f. t1. liild. KiinM. N. F., 



II. 8.184'^' 
») Micliftcll«. Koni. Mitih. 1891 S. Jlf. 
*') Schon vom MaticUc (Anm. 14) bet>nrgchob«n, 

vgl. J. Sptin{*<n-| J«hit». \. cL pr«ii&. Kniifli. 

1684 S 339fr. 



") Mictuelit, Arch. Jalttb. 1690 S. S^- 



Heemskcrck I, Blatt i — 3*. laj 



besonders reichlich vertreten und ergeben manche neue Kunde, namentlich im Lichte 
der unschätzbaren Beschreibung Aldrovandis; Palazzo Medici-Madama und wie es 
scheint der Giardino Carpi reihen sich an; der Schleifer tritt hier zuerst auf. Ganz 
besonders haben weibliche Gewandstatuen, meistens Torsi, darunter auch manche 
verschollene oder nicht sicher nachweisbare Stücke, Heemskercks Interesse erregt; 
sie schienen ihm wohl ebenso wie zahlreiche männliche Torsi (die von Aktstudien 
nicht immer leicht zu unterscheiden sind) für künstlerische Wicderverwcrtliung 
besonders geeignet. Ebendahin wird die Vorliebe für allerlei Schuhwerk, für Ge- 
fafse, Geräthe, Ornamente zu rechnen sein. Aber auch an Köpfen, Hermen, Reliefs 
fehlt es nicht, ja es kommen sogar einzelne Wand- und Deckenmalereien vor. 

Schwächer ist die neuere bildende Kunst vertreten, doch finden sich 
Skizzen nach Papstgräbern Pollaiuolos, nach Gemälden Raffaels, Perino det Vagas 
u. s. w. Von einigem Interesse sind auch Nachbildungen gemalter Wanddecorationen 
(II, 10. 18. 63. 63'). Endlich sind allerlei Naturstudien vorhanden, besonders 
nach Thieren; aufser Pferden, Kühen, Ziegen haben auch ein Straufs und ein Leopar^ 
Heemskercks Aufmerksamkeit gefesselt. 

Hier mag diese kurze Übersicht genügen; genauere Verzeichnisse sollen 
a'm Schlufs der zweiten Abtheilung gegeben werden, auf deren Inhalt schon ge- 
legentlich durch die Worte »Basel«, »LorclK-, »Cambridge« hingewiesen wird. Alle 
für die Archäologie wichtigen Artikel sind durch gröfsere Schrift in den Über- 
schriften kenntlich gemacht. Wo über die Technik nichts bemerkt wird, handelt 
es sich um Federzeichnung, mit oder ohne I.aviurung. 

I. HEEMSKERCKS RÖMISCHE SKIZZEN, BAND I. 

1 Ti tolbia 1 1 /u «itn von l'liil. Galli; gu*itot;hcin:n !m'(utionc s Heemskcrck lanae , wieder- 
holt bei llyman?, Lt livre lUs päntrcs de Card van MitniUr I, 365. Kupferstich, nach Bl. 2 im Gegen- 
sinne gestochen. 

2 Vorlage zti Blatt i. Auf der Basis der Säule das Monogramm, unten die Jahreszahl 1565, 
Auf der Stufe; M. Heemskcrck \ htvcntor. Alle Übrigen Inschriften des Stiches fehlen. 

3(i6)Colosseum. Ausblick durch zwei Gewölbebogen in das Innere. 
3» Ansicht des Hofes der Casa Maffei (Fig. i). 

Die Identität ergibt sich aus den) Ikariosreüef d (s. u.) und der Beschreibung des bei der Ciambella 
belegenen Hauses der ursprünglich veronesischen Familie Maffei bei Aldrovandi S. 242f. (von Boissard 
1,74 'f 'I'*^ Nähe von S.Martina verlegt!); der Antikenbesitz dieser Kamilie reichte bis ins 15. Jahrh. 
zurück (Jahrb. 1890 .S. 19 Anm. 53). Weitere bestätigende Angaben bietet Boissard Bd. V, Die einzelnen 
auf der Abbildung erkennbaren Stücke sind die folgenden : 

a) Hoher Cippus mit Masken (vorn an der Säule). Boissard V, 15 ojmd Maphaeos. 

b) Korinthisches Säulchen (am Treppengeländer), blattUbersponnen und von einer Binde um- 
wunden, und darauf 

c') halbrundes Relief mit sitzendem Eros. Aldrovandi: sopra il colorullo deüa scala si vede 
u/t puttino ignudo com U ale, cht scra forse Amorc. 

d) Sog. Ikar iosrelief (an der Treppenwand), von Orsini bei Ciacconi de trUHitio (I59°) 
S. 119 in aedii/us Maffcioriim erwähnt, im Cod. Figh. n. 59 gezeichnet und bei Lafreri gestochen, dann 
mit anderen Stücken der Sammlung Maffei in die Villa Monlallo verbracht (S. Bartoli, Admir. '71 ='43)1 
jetzt im brit. Museum {A»c. Marbl. II, 4), kenntlich an dem Satyr auf der Mauer ohne die I'alme; 
E. Hauser, Neuatl. Rel. S. 190. Reiseh, Griech. Weihgesch. S. 31 Anm, 3. Aldrovandi: si vede murata 



134 



Michael)«, RAnvUchr Sliiu«nl>Uclier nordi^clicr Kumllcr. 



ri;;. i. li'Ji :n -Jvr Osa Malfti. 



mt mmro tti /« tva [etwa u^ii>\ m<m lm>i^h mtirmarea omaki Ji jNirk t Mh tiifiturt (vgl. S. 154)- BoiMaith 
Ar^w&i ifiuumttmtiHiH üt frklima <iim tyntheii.' rnttfitam aliH maiari forma til orKficia ex^uäüi^ri itriiilur 
(iimri Kclicfi)' — Unten an Hei Tn;pj>cnwanil: 

f) Sütilonbasis. 

/> Kleiner Ci|>pu>. 

S) Kleiner weihlichci Torso, bckictdcl. eudc ^IcHenH. 

k) Baamsumm mit Kjinkm. 

i) GraCkrte weibliche Stattic, nacici bii auT ein loirxc» Gewand, an/ cincoi Blocke aiUcnd; 
Kopr, Afmc. Fnrsr fckkn. AldrovandU tuta 4enita atih", ma jfma /mm /^ Aratti4. Bois^sAnl'. timml<uritm 
mulUrU ifdtHtit. 

k) Der tmltc Nioliidc Ji-r W llnclictivr R!*(>l"lbck n. I4I (Clarac IV, $»7, laj«}): r. Hanü 
felili. rntcrbcioc unsichtbar. Sollte <lin <Im vom l'io»|ietiiv(i Si. 19 bei den Maffti ctwahnie pajMiU^ 
ttu-lo vfwA ilal lofffrt «ci(i3 vgl. Jahrb. a a. 11. Die MünclicnCT blnlue «tnntmt aiu l'aL Bcvtlaciiu« In 
Vcrnnn, (woher auch die MalTvi »lamtnlcn); die Sammlung; llrvilncijna wntd vnt IJ40 in Knnt luuiiiiiiien. 
(^bracht [L'rltchs, Glypt. K, d . 

/) BUsie (Ub«r der Thllr:. Aldtovandi erwähnt viele BUsleit. — An Att fMlllcn Wnnd; 

m) Sa>koph>t'> ""'l d.-iiUbeT 

m) Relief; Fi|;UTcn unkcnnilidi. Aldrovandl; mua fila tiM/i^a eop/rta (NB!j aiiai M/n, Mt/ln 
jnait 3fin^ melit figart istolfitf, t fra hr» U diif i^ane . . tt un CupiJo ahi^. Eia anileres U-i Boi«ard: 
«*^w^ marmtrM, im fua Cirftu tufrestus tsl (Cod. l'tsh. n. 3X4 /" afJi^Hj MaffstiarHm. Cod. Cobarg. In 
den Köm. Millh. 1890 S. 153. I'anvini, lir lud. tircfut. S. It)). Nocb aixlere bei Fnbriciy«, /A^imt S 176: 
iUi'rtim JuiitHliu'H, Hf ^if^lmit lanentit tl Xar,:iiii üutiloMtit ifismit, im i/^mf AugMiHni .Itnfkari. 

f) Cippus mit einem Thiei iinicr der ln*eliriri. Boifsaid V, 17 a/in/ Ma/Aarfii. CIL. VI, 
10319. Dannr: 

/) Nacku-r niHanliehet Tur»o. ntl einst gehobunem I. Ann. 

f) Koe- Amymone. In Betracht kommet) ei«-a dit nxcmplari^ !■ Neapel (Bcrnoulli, Aphrodite 
5. 36; o. 4). in Madrid (n. 36. Clar. IV, 63: II, 132J \), m Itecjidcne (n. 35. Clamc IV, 599, 1313). 



r) Klein» Krat^inenf; Gcwanilbcrmc. 

*) Ci[ipus (in der Uiiie <ln lltifci.). Z'i n/a f v|>). Al<lrovnitiIi: fuii4r» tfitafAlj «HiitAi attai 
MU. BoiHaH V, 6~i6. 

4 (>7) Fragment eines Sarkophagrtlief»? 

Urvi Knjlicn bcwcf^cn »icU nuch link<» IVr cr^li-, mil Ungcm i^hawUttigcm G^wamlc, MhwftnVl mit 
d«tn I. Vak vorwüm und Icfit dvn r. Arm auf don Kopf. Dicsfn wvndci vt gci;cn den odchtun Cc- 
^hrtcn turUck, an den er sich lehnt und dc«scn Xackcn er mit dein I. Arm umschlinct. Dieser, nackt 
niid nocb TcsIct atiT den Kufsicn ^ll;bc^d, «tUUI ji-ncn inil seinem r. Arn) und lilÜl in der (•c»cnklco L. 
einen Krug. Ei blickt Kidi nach ilcni nackte» drillen Genouvn am, desMii lUliung der de» vnlen 
ahneil; der 1. Arm \\it\g} hciitli (IHand (eldl^. Die derlieit runden Gi;»ii:hter muthen niederlandiM'h an. 
- V|{l, die ähnlichen Dar«te1tungcn b«t !jic|ihnni, Au»r. Hcrsikles S. loi ff. Mati, Arcli. Zeit. 1873 S..16. 

■** Cippus, oben gebrochen. 

Vom teiclieo Ftuehi^ewlnde, an dem im unretcn Kelde eine Kicke mit gcmFeiMTti|^cn, aber nuh •rnm 
gvi>n|;eni.-n llrtmcrn iidgt. Kdief* di-i r. Nebcnwile nur leicht angedeutet. — Daneben grfifaere Wieder- 
hulant> dci Thierev. 

5 ('*) Ansicht cincrHallc im Hofe de« Palazso McdicJ (seil 1540 Pal. Madania 
genannt). Unten rechts das Monoj-ramm Mccin^kcrck«. 

Uic Halle i»l die };lcichc wie 11. 48, die Antitlil alict im Inneren auf^caununcn, \<nx der in jenem 3la(lc 
f- gclcitenen Seitenwaud an». Linkt, j^elil der Bück in den Hofiaum mil der f>r<>f>en Ijcliale, hinter der 
ein hurgartiger falast mit Zinnenkranz und bnhem AuwichtKihurm aufragt; im Hintergründe die niedrige 
Mauer wie in II, 4a und dahinter Gemäuer, anbcbcinend Ruinen (ctcr Ikrrmat AU\ttH-lrintu 'i v^l. Atdro- 
vandi S. l8"j>. Oregoruviu», Ge^ek. d. Sladt Rom VII*, 69J Awni. 1 beieugi. daf» der nlle l'j|a»t Medioi 
c'ioco Garten halte. Über die Identihcicrung der l.ocalitit und den nnbcren Kachweis der onr.eincn Statuen 
fc n Iti 4B; die dort gebrauchten Buchstaticn JUr die einwlnen StUcke »ind hier beibehalten. L« han* 
dclt skh um rarne&isebc Antiken, jetit in Neapel. 

Neben der Ci&lcn Saule h) Ari^Uigei tri n. 

An der «weilen SJUiIe ; } Aphrodite, bnlb verhüllt, und /j Erot (beide gror^r I, 66) mit 
Diony«D4. 

An der diKicn i^äule cj kauernde Aphrodite («gl. 1,6*). 

An der letzten äüule und der SchmalBeite ^) «iiccndcr Torso ond rj weiblicher Ccwand- 
IOi*0. Vor der Fcnttemische eine Stufe mil Gelander, an dem ein Mann knieti daneben /) nackter 
Mann, auf dem I. Knie ruhend, r. Sehenkcl vnrgciireckl (Unieibein fehlt), Oberkörper vorgebeugt (Arme 
fehlen), etwa in der Haltung cmcs knienden Aginetcn (schwcrliirh der jettt vaticanis>.-hc l'erjcr vom 
attaliK-bcn Wcihgescbcnk Man. intJ. f/. Imt. IX, st, 6j; m] ein grofM:« Biuclistdck, ans die inend mit 
einen) Cewaodiiiiek oder Fell darauf. In der Koke hinten i) männlicher Totmi (X^erwuudelcr !J, 
Dann die ThUr. 

JenM'its der medrigcti Malier \\n Mmtergnin'le unter ftüumvn einige fltichtig nngcdcurcie Sculp- 
luten, darunter h) ein minnlicher Tori>n: •>) eine undeutliche Gruppe, darunter nnschcincnd ein 
silicndcr Tono äbnliuh wie b\ p\ vielleicht tis« .Symplcgma des Salyr* und der Nymphe 
Ciarac IV, 667, 154$'^ (' "•'-''t m den VerieitlinisMinJ ; yj eine bekleidete kniende Krau mil ge- 
hobenem I. Knie; Kopf und Arme fehlen, d^hcr wnlil nicht identisch mit der Jontu* ilu sia ingmoiekiata: 
ha i t%if^/n luH^Mi <t ii t«^ Pfggi'it*' '*t It -><"* mancn maitranJ« meilisia bei Aldrovan<!l S. 18S (vgl. 
/Vf. infd. JI, J77 »Ha tifmta <kt titm U hra,eü matna itr/ra ii giltvttkia mam« /l fiimgr). 

*■ ('9) Ansicht des Forum tccgen das Capitoi hin. 

Fscsimilc; BuH atatun. 1S88 Taf. 8 (llliUcn). Zu beachten i«l, daft der Scvcru*bogcn bh unter die 
SialrnbaseD aufgedeckt ist, und dah tiatt de* viel «tack igen Tbumi» der Kirche dct b. Setgiut (II| ia> 
50*. 56. 79) nur noch ein plumper riercckiger UntcrWii <>ichlb>ir wird, der bi» tnr Atllca de* Scvcrus- 
bogCBs reicht. Lliv iCeichnnng ncheinl in« Jahr 1536 lu gehdieri (*. oben S. tjof.J. 

fl* Drei Zciclinungcn einer kauernden Aphrodite. 
t)fe farne»l«ehe Siatue von I, 5, f und II, 48, f, Neapel n. 307. Ciarac IV, 606 &, 1410. Armband 
am r. Handgelenk; Kopf und r. Hand Ichlen. Von L.| von «urn und von biitlcn. 



136 Michaelis, Riimischi; Ski^/.t'nbUchcr nordischer Künstler. 

■< (20) Thermen entweder Constantins oder Diocletians. Grofse Gewölbe. 

7' it) Ansicht des sog- '""ro torto. Rechts liie Stailtmauci bis zur Porta dtl Popolo, dahinter 
S. Marin <lel .I'opolo nebst Kloster, 

b) Ansicht der mittelalterlichen I'orln del I'oijolo von innen (sehr malerisch). Rechts die 
hochaufgetre|>ptc Kirche S. Marin del Topolo. 

8(21) ynick der neuen I'etersk irche. Kacsinüle: GeymUller, Urspr. Entwürfe für St. I'eter Taf. 52, 1. 

8* Zwei Torsi. Rötheizeichnung. 

") JUnglinystorso, sitiiend (auf ein Tuch gesetit). Körper etwas yegen seine r. .Seite geneigt ; 
T. ScUuller stark gesenkt, I, gehoben. Kopf, Anne bis auf die Ansätze, Reine von der Hälfte der Schen- 
kel an. Glied fehlen. Die farnesischen Torsi Afus. Horb. VI, Titel. XI, 60, 2. Ileemsk. II, 48, /' und 
Lorch 2, c. d scheinen alle verschieden. 

(>) Kindurkörp er, im Dreiviertclprofil nach r. R. Hand an den Schenkel gelegt. Über der 1. 
Schulter ein Gewand. Anscheinend Aktstudie, nur Körper und r. Arm ausgeführt. 

1) (22) Ansicht des Forum (Antoninstempel, SS. Cosma c Damiano). 

Faesimile: Hüll, comiiti. 1888 Taf. 7 (Hlllsen). 

!l ' Skixze eines begonnenen Baues mit Trcppenanlagi; im Inneren. 

l'J (23) Ansicht des Pantheon von vorn. 

Hinter der Giebelspitze ein romanisches GlockenthUrnichen (vgl. Duperae, l'fsli'xi dell' anl. ili /ii'fuii, 
'575. Tnf. 35). Das üufserste Interc<ilumniuni I. ist ganz zugemauert und Hauser schliefsen sich unmittel- 
bar an; die tibrigcn Intcrcolumnien sind unten durch eine niedrige Mauer geschlossen mit Ausnahme des 
mittelsten; in den drei mittleren Intcrcolumnien hangen oben Guirlanden. — Auf dem l'Iatzc vor der Kirche 
steht auf erhöhten Sockeln ein grofses längliches Gefäfs, jederseits auf einem Säulenstumpf einer der 
Lrtwen Nektanebos II, des letzten Pharaonen (Marucehi im Jlnll. comun. 1890 S. 307ff.), ganz r. ein run- 
des Gefäfs auf einem Saulenstumpf. I>ie unter Kugen IV (1431^ — 47) gefundenen Löwen erwähnt hier 
1497 HarfT (l'ilgerfahrt, herausg. von Groote, S. 30), Gefäfs und Löwen um 1500 der Prospettivo Mila- 
ncsc St. 47, die Löwen 1513 Andr. Fulvio, Antiquaria Bl. PIV», die drei Stücke derselbe 1527 Anti- 
quilaUs Bl. .Xt'IlII ■', alle vier 1536 Fichard, Frankf. Archiv III, 56f. und 1550 Aldrovandi S. 313, das 
mittlere Gefäfs 1550 Vasari I, 109 Mil, Die Angabe Flaminio Vaccas n. 35 al teiiij-o ,li CItmente itttimo 
[1523 — 34], rilrm'OHilosi ad esser maestro di strada OUaviano delln ValU, vokndo atcomodare In sIrada, stt>' 
ptrsc li di'lti Iconi e cottea, che im' ultra volla s' (ratio ricopert't; fect dai pUdi itlla tonea eon l<i 
sua inscrittioiif, (t i Ifoni H solln'o da terra sopra dut irom'ki di lOloiiM — diese Angabe ist also in ihrem 
ersten Thcile falsch und wohl nur im zweiten richtig; auch Fichard spricht von dem mittleren moimmentum 
porpkyrelieuin a Leone istuc restilulum. Die beiden Löwen versetzte Sixtus V, an seine Fnnlana Feiice 
(jetzt im ägyptischen Museum des Vat icans), das mittlere Gefäfs (vgl. noch Falda, Ä'uin-o Tcalrol, 1665J 
ward zum Sarge fUr Clemens Xll in der Cappella Corsini des Laterans verwandt. 

11 (24) Ansicht des capitolinischcn Obelisken undHlick hinab auf das Colosseum. 

Faesimile: Bull, eomun. 1888 Taf. 9 (Hülsen). Vgl. Korn. Mitth. 1888 S. 264. 1891 S. 4. 27. 31 45. 
Seil 1582 in Villa Matlei. Vgl. Heemsk. I, 61. II, 12. 16. 50*. 72. 92. 

11 ' Männliclier Rücken. Röthclzcichnuni;. 

Vom Kopf bis unter das (Jesäfs. R. Standliein, 1. gestreckt. Von den Armen nur die Ansätze erhalten, 
der 1. gesenkt, der r. etwa wagerecht. — Verwischte Skizze desselben Kückens. 
b) Stück einer Thüreinf assung mit Rundbogen. 

l"-! Compositakaj^i teile. 
Drei Zeichnungen, anscheinend nach verschiedenen Exemplaren. 

li* (25) Ansicht des alten Lateran mit Nachbarschaft, von der Nordseitc. Faesimile: Ges. Studien 
I. Kunstgeseh, für A. Springer, Tafel zu S. 228, oben (J. Springer). 

Li (2&) Vom Neubau der I'eterskirch e. Faesimile: Geyniüller, l'rsprUngl. Entwürfe Taf. 52, 2. 
Links im Hintergründe der dbelisk mit der Kugel neben S. Maria della Febbre. Eine treue Copie dice^ 
Blattes, ein-^l im Besitz von B. Fillon, weist in der unteren rechten Ecke die Jahreszahl 1535 auf, die auf 
dem (original nicht mehr zu sehen, vcrmuthlich abgeschnitten ist (Geymütler S. 328). 



Hecmskerck T, Blatt 7—20. i^y 



13« Zwei Portraitkopfe. 

a) Älterer bärtiger Kopf von energischem Ausdruck; das Haar über der breiten Stirn wird 
spärlich, der Bart ist besonders unter dem Kinn dicht. Unter dem Hals gebrochen. 

A') Kopf Hadrians mit einem Stück der Brust; Schwertriemen von der r, Schulter ausgehend, 
auf der I. Schulter Andeutung des Paludamenium mit Knopf. 

14 (27) Ansicht einer K irchenruine. Sicherlich nicht in Rom oder überhaupt In Italien; die Ruine 
von spätromanischem sog. Übergangssti! scheint eher nach dem Norden zu weisen. 

15 (iS) Vom Neubau der Peterskirclie. Kacsimilc: GeymUller, ürsprUngl. KntwUrfe Taf, 52 , 3. 
Links im Hintergrunde das vordere Stück der alten Basilika, durch eine Scheidemauer abgeschlossen 
(vgl. GeymUller S. 328). 

16 Blick auf die Engclsburg und Umgebung. 

i) Skizte eines Treppenhauses; die Treppe auf flachen Gewölben an den vier Wänden an- 
steigend; die Gewölbe ruhen in der Wand und auf vier Pfeilern. 

c) Adler nach I. schauend, innerhalb eines leicht angedeuteten Kranzes. 
Nach dem Relief in der Vorhalle von SS. Apostoli (Matz-Duhn n. 3539). 

16» Einer der Dioskuren von Monte Cavallo. 
Opus PAiJiae, vom Kopf bis zu den Schenkeln, vom Rücken gesehen, mit dem gehobenen r. Arm und 
dem gesenkten 1. Oberarm; Gewand nur angedeutet. — L. Skizze eines lauhlosen Baumes. 

17 (30) Stück von der Basis der Traianssäule. 

Cbereck gestellt. Oberstes Stück der Basis, vorn mit der Inschriflplatte, auf der rechten Nebenseite mit 
Andeutung der Waffen. Darüber das geschwungene Cbergangsglied mit Guirlanden, dann die Plinthe 
mit Adlern an den Ecken, und Andeutung der Spcira. Diese oberen Theile an der r. Nebenseite zerstört 
oder verbaut (undeutlich). 

17' o) Ochse, nach der Natur. Röthelieichnung. 

*) Leopard (»/wdoW«), nach der Natur. Vgl, Kichard, Frankf. Archiv IIl, 104, der 1536 in 
Florenz einen Leoparden bewunderte. 

c) Gesims von einem Kamin oder dgl., mit dem mediceischen Papslwappen. 

18 Blick auf Rom, vom Aventin aus. 

Eingerahmt vom Janiculum und dem Capitol; in der Mitte der Flufs mit dem Ponte rotto und dem Ponte 
qualtro Capi, darüber das Pantheon. Neben dem Ponte rotto sind r. der sog. Tempel der Fortuna 
Virilis und der dachlose sog. Vestatempel sichtbar. 

I8'(3i) Blick auf Rom, von Trastevere aus. 

Über den Flufs gegen den Aventin, die Cestiuspyramide, den Monte Testaccio und die aurelianische 
Mauer. Im Hintergrunde das Albanergebirge (viel zu hoch gezeichnet). 

19 Marforio und Relief. 

a) Marforio {iiMarfoelge'^') schräg vom Fufsende aus gesehen (Nase, Arme von der Mitte 
der Oberarme an, r. Fufs fehlen, 1. Fufs unsichtbar). Dahinter eine Säule, neben dieser ein grofses 
rundes Becken, aus einer Maske Wasser speiend (vgl. Rom. Mitth. 1888 S. 268, Flam. Vacca n. 70). 

b) Ringsum abgebrochener Block, auf dessen Vorderseite ein Relief: ein Panzer und daran 
gelehnt einige Speere und ein Schwert (?J. 

IS' (32)Etephantenbrunnen. Rötheizeichnung. 

a) Links ein viereckiger Block (daran ein Delphin als Relief), oben in einen grofsen Elcphanten 
köpf übergehend, der sich vornüber beugt und aus dessen gewundenem Rtlsscl das Wasser nach unten 
ausströmt. Vgl. zu I, 40, a. 

b) Rechts halb verlöscht ein Jtingling, von hinten gesehen; er scheint am Boden zu liegen 
und das linke Bein emporzuziehen, neben dem ein Schlangenkopf sich auf sein Gesicht zu bewegt. 
(Nicht etwa aus der Laokoonsgruppe.) 

20 (33) Ansicht des ruinenbedeckten Abhanges des Palatin gegen den Circus 
Maximus (vgl. Dup^rac, Vestigt, 1 575, Taf. 7). Vgl. I, 72 *'. 



Ä»* Greif, nach links sitzend, mit erhobener r. Vorderpfote; davor Andeutung 
von Ranitenwerk. Vom Fries des Tem|icls des Antoninus und der Faustina. 
i) Schdticl utiti enihv ntvundtae Hönivr uiner^ Zicecnbuckes, von vom gcMrlwn. 
SI(34)San Lorcnzo und Fries. 

aj An«lehi von SanLorenzo /« itfrc l'/ratii. L.. die »urclianisclic Sudlmaacr, toa iDocn 
gesellen, ntthc tienin|[erUckl (willktlrliclie Annidnun^). L'nlen >£. lumufTfrui, weiipT trchls mit Roihflifl 

tj ThciU eine» Kiiei-c», frllhe» in S. I.otcnitrt, jt-UI im capitol i ni «chcn Mii scuni, if. Jti fit*t. 
o. 99 — 107: Sicucrrutictt Cb?DJ&ko<:, Anker, Apblaslon, Tbymiatcrlon. Apblaiilon (sti weit /i/u/. C^ii IV, 
34, t. Rigbdti 11. 337, 3). AkrcMtolion mit Kopf im aber«n Rund, Lituu* (fehlen in den AkbiMuiigen). 
Vgl, untra [, ;j, 

il ' ArchitcktoniBchc Fragmente. Röthclzcichnung. 

a} Holbe» KApittll cinc^ knrinihi*chcn Pilii<ilcT«. 

i) I'rofit nnit f.>ni»iiii-nt<' einci tcichvcrjierlen atlitchcn U.i«i«. 

2S* Vom Tempel des Antoninus und der Faustina. 
Bruchatuckc vom Grcifcnfiics und vom KnuiigcsUTU, am Boden umherliegend. L. hinleo eine Ecke der 
Vorballe, Süiilen, Fric«, Kranzgesiin«. 

* Die alte Beiei^hnuii^' 35 feliti : abge^hniUeu \ 

'i'l'' Linker Arm. Ulelslirtecichnung, ttn»cbctni:nd nacb dem Leben. 

28(36) Apoll vom Bclvcderc und zwei Brunnen. 

R. an einer hrwachicncii Wand a) eine kaloualr bärtige Salyimaxkc mit bnhlen Augenilemcn un:l 
weit gcÜfTnetem Munde, ■»!•. dem ein dünner \Va.t(et«lraltI «icli in h) einen eiofachen Sitkophafc er- 
pefiL Dessen Vorderseite iftr in fünf Felder geihtHll, an jedem Ende ein Jüngling mit ChUmys (PiotkurlJ. 
in der Mitts eine geflOgelle Ge»t»ll {Kro«?), dntwiichcn ein ringerabmic* Feld mit gcwiindmcn Riefeln; 
auf der altein siebtbjren Keilendüche in ^ani Aacbeni Relief twei gekrcuiie Speere , von einem ninden 
Scbtld bedeckt. Der SarVnpliag rubt auf dt'iii Ri)i;km c) «weit*! ÜgfpliKchen Sphinxe mit Calanltca 
(Vorderbeine <1e* einen abgeUrocben). Muh kann nn Ficburd» BcvehreibUDg dei EnKvNbutg erinneru 
(Ü. 5IJ; inferint fT«fif ingratHm frintaruM f'i.^rtarmH adhitu'tinH haAft /un^itüiimiiH kartum .., im ta 
Sfkütgts U matcuhtt et fotmina forma iiflita uulp/i i-idemtur. — Im Hintergrund in der Mitte ■/) der bei* 
Tcdrriscbc Apoll auf niedriger Basis (L flanc! ergttnci, die rechte nibl nicht auf dem Stamin}, 
Link« /) eine Zutammcnslcllung ron Kragmentcn, darunter ein vom mit einer Rclicfmaskc versehener 
Block und darüber ein liegendes Thier. beide Wasser «peienti ; davor/j ein Cipput mit Kelief»>dea- 
iDng unter der ln<ichnft der Voidcrscilc und auf der einen Ncbcn-^citc. — Ucr Apollon spricht Ticlletcht 
für Brunnen im vaticiniKihen Garten, aber gewifi nicht im belvcdetiicbeii Hofe. 

23* Körper, Schenkel, Fuf>. BleiitiftKlcbnung. Ansclicfoend nacb dem Leben geaeichnel; 
bei dem bittenden Kärpet iU der linke Arm weggela««en wie l>ei einem terbrocbenen Tono, aber nhne 
Angabe einer llnicbßactic. 

24 (3?) Ansicht eines statuengeschmückten Gartens. 
Vom Iink>. eine nisehcnailige gewölbte IJolle mit Pilatterarchiicktur; in der Wand twei Nischen mit 
kleinen Statuen: a) kuTjbckleidclc Artcmi«^ it) weibliche Gewandtigur; in der Mitte der Halle auf 
profilierter »ierctkiiicr Basis *) eJn thronender Zeus mit Schemel unter den KHf*cn und verriertem 
Stuhlbein an dem al* Thron dienenden Ulock (nicht in Overbcck* Kunslmylliologic). UberkQrpei nackt. 
bJtrtiger Kopf mit auf die Schulter lierabfallender Maarbtnde vollslllndig erhallen, r. Arm, vom Körper 
weggettrccki , in der Htilftc de» Oberarmn gebrochen. L. Arm gesenkt und gebogen (Hand fehlt); 
der Mantel Oillt von Schuller und Arm herab, ein Zipfel ainkt /wischen den vom Mantel gant be« 
deckten Beinen abwans. Die untere HiÜde nelt«i Thron, Schemel, Bu^if cnttprichi vo genau einem 
Ncapicr Tun» (j1A«i. A»-^. IV, Titelk.), dar< man in diesem den Rest jener Statue erblicken würde, 
itaaiBile der Tnr^o nicht uu<i Ilerculanciim. — Von der Halle au« lUiift nach hinten eine Mauer mil drei 
groben gcwAlbten Nischen; in der ersten ist d) eine mlinnlirbc Koloisalslaiue thnlweise sichtbar, 
mir kuriem Cbiton und eigen thtimlieh ge^hUtflem Mantel; I. Hand gebrochen, r. Slartdbein. I. Knie 
gtbogcn, hoher Stiefel. -- Im Hinictgrunde eint' Mauer mit grofser ThOr, davgr «ul Baien iwet Stalueo 



Hccnskercb 1, tllalt 3o* — 25. 



139 



von kolowalvr GrOfH; links, von einem Baume mcHtens verdeckt, r) ein nacVtcr Mann in (lolykje- 
Ibchcr SebrittMctlung, t, Ann gesenkt, Kapl und I. Arm nicht «ichtbar; rechts/) Hcrftble«, mli 
vorgctcUtcin 1. Fufi roKh au>iclircitcn*l, i. Arm f^u-nkl und elirnt vorKMtceckl, Keule Utici der I. 
SckuJiet, KDi*r elwa« tfeKtn seine Rechte ([ewandi. — Ich vermag weder tlie Lnkaliut nAchiaweUen. 
noch eine der l^talnen mit Sicherlivit tu idcntifideTen. 

'lA* Drei Schiffe. Da« vurileTe ijilil ein aixchaulich«* Bili) eine» Kao&brers mit Iftteinitcher 
Takelage. Vcrwiicht. 

26(33) Der Garleu des Palastes Cesi im Borgo [Fig. 2). 



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^'iiC- >• Giardino Ceti. 



Die lokatttlt wird daieh einige Denkmäler, tiexondert ober durch die Be*clir«tbunc Aldrovandift S. t24fl'. 
«ichet gestellt, j*iloch reigl <le**en nhweichrnile Anordnung, daf* rwitcfaen Hccmskeick» und Aldro- 
vandia Znl eine thcilwei«e l'tnitellung »laitgefundcn hat. I)ie*c wird iheil» in neuen Kunden (*. Baxel 
7, a. i) tlicilf ctvM darin ihren Grund getiabl haben, dafs der Gründer Card, Paolo Emilio \yy) «tarb; 
»ein EiIjc war »ein nicht mindci kuotl^irmigci Btiidcr l-'cdcricü. Cardina] seil 1544. 

a, i) Zwei (fefanxenc Berbaren, noch ohne die KOpfe {Aldr. S. 128: iathrt), die sie vvr- 
nuitblich erhielten, aU sie tu hciden Seilen der thronenden Roma Über der »Daiia fuftit* Aufgestellt 
'Wurden. So tchon in einem Stich bei l.aftrii vun 1549, bei Aldrovandi und weiter: die gleiche Auf- 
steDing ward 1720 bei der Versettung in deit Conicrvalorenpalast beibehalico. Caeal. 1. II, aof, 
Vaccai. Clarac V, 851, 2161 1>. E. I>axwitchen 

e) rond« Ära mit Masken and Guirlandcn; darauf 

d) kleiner Toj;atas tnit Scrinium. 

r) Silen, jeUi in Villa Albani n. 934: ans. seinem Schlauch »IrlSml Wacter in 

/) ein M arm orbecken (Herakles \m hnkch^«chen Kreise, Zoega ll, 71 f.), später in V. Albani, 
jetil im Mu «rum Tdi lonia n. 279. tici drr Ncunrdnui'g eihicll Silen ■einen Plaii im Becken, f. Aldr. 
S. 124 und tahll(»sc Abbildungen vom Cod. Coburg, n. 96, Lafrcri (Stich von [581), Cambr. Bl. 52 an 
bis auf Sandrart. ylJmir. Taf. /V. Vgl. die Lilletaiur bei Schreiber, Arch. Zeil. 1S79 & 65 o. 374. 

/) Cippus. Auf der eiutig tictilbaten Seite gUahl man den (eilten Siicn tV sehen, von 
vorn, im Schürt, die L. gesenkt, itiii der R. den Korb auf dem Kopfe anfauead. 



■ 40 



MK')iiii.-li\, Kfiiiii->clii- SkimenbtlclMtr oordbcher K^DsIler. 



i) Satkophig. Vorn in (lex Mille und an den Ecken je ctnr l^igar; Nebcnä.: weidendes 
Thicr (Hinch^). LlatDb» an rief Mniiüi 

i) eine Schnecke, darlibci In einer Nische 

ä) ein DAclilct Knabe mil Knie '^ f^" '• Schuller (vgl. CUrac IV, 75$. 1844. Rielictti. 
Cmtfüt. n, 286). V^L Hccniik. n, 63 *. Caml>i. 6 und Aldr. S. 136: in »apo di ^metta thala Jtl gitir- 
JiM* » ffMMf Jrit/a fi ^ UH/fnff, ml ^nale ioJ^hc tt iuqitt tia hmd lifHo^a ilt marmo: e fMt t^fra qiHita 
huMäfü i mn pt»ttv o'» uita urna in t^i^ in attit lü vmare jw mifnu. 

I) Niedrige iimr.ihiiilc Basis mit Andeutung von Relief atn I. Kode; darauf 

m) liegende Fi),'ur, haJbheVliridcl, anscheinend weiblich. Njrmphe} Grabslaluei V|{l, jedovli 
Atdr. S. iiy- nn ßnmt tkt fi*"« «rtw ignutlo ic^jö mnu fili iiatit^, 

n) HnhcT Clppu»; darauf 

f>) KindeiHtitkuphag mil unVcnntticlicn Relief«: daililicr 
^) Platte oder Ufne mit leiclit angedeutetem Relief. 

25" Die ihre S.-ind.i!c* ordnende sog. Aphrodite. 
EieinplaT der vun Betnnulli, Aphrodiie S. 329X1 ticsjiTnchcncn Compoüition in xwci auKj^efuhrlen Zeich- 
nungen (VAM vorn und von hinten) und einem Uinrtf« (von der Seite). \ ul]>t:indi]; (I.Hand uicbl licbl- 
bai), aber iilTenbdi (. Tb. eri^ünit. Rand im leiclicii Hn^ie, Sf^nngen an beiden Ot»«(i)rnien ; I. Ann 
(TOodemi) gehoben »nd im r. Winkel pebogen. ron ihm f.lllt ein ihawlarttgo üewand herab; L Schenkel 
gegen einen (not angedeuteten) HfL-ilut gelehnt: r. Ifnnd vorn an dn« emporgeiogene I. Schienbein ge« 
legi. Es ichcini mir fraglich, üb mehr al" der Tvt^o antik wut. 

26 (39) Vier Statuen, vielleicht aus Gi^rdino Carpi auf Monte Cavallo. 

a) Herakles in riet Stellang de« faincsiMrbcn : Ann« fclden r.. gr. Th., Keule artd Feil anter 
dem 1. Ami nur leicht angetfeutci. Aldrovandi S. 396 mtl ftantin« M CmJ- di Ciir/i: an Htrcoli ignuda 
intitrt, fiegj(iafo (4>l ^acri* mancf tti ta tlgoa tu»; la fuatt vttmt da U f*Ue dtl it»nt tevertti, r ita ipfra 
WM irom»: t Hfrt^ft tirnr h »tut mona driäa 6 dittrv (an svhc inend intwiicltcn crgiLncI). Vgl. Cunbr, 
8. 9 •Cm'dimiU dt tarft*. 

6) Nackte ntünnlichc Slnine von vom, r, Stindhcin, 1. etw«* xiiillclige»tcllt: r. erhnTiener 
Arm nbi;eb(ot.'hen, nuf der I. Schulter und nm den l. t'nlcTarm [1. gr. 'th. fehlend) ein ihnwlailigc^ 
Mnnielchen. Der itoralich stark gvbnhcne Kopf (l'oflrnill) unbuitig, Pufic nlchl mit gcarichnet. 

c) Fcldhert in Panier und Maulel, von »einer r. ^cilc au» gesehen, L. Slandliein. r. ge- 
bogen: r- Ann am Leibe, am Handgelenk \um Manicbiprel umwunden. Vnbliniger Kopf, bekrünil, 
mit In den Nacken fallcndeni Diadem. Vcrmglbüch nicht ohne Erj^naungcn. IXcscIbe Sialnc im Cod. 
Bcnd, Bl. Ol von vorn, nUchli}( gcteichnel. 

<0 KvtaklethcTRie. von den HUficn aufwiitt in den Kürpcr flbercühend. Da» Mwenfell 
fitlll von t. Nchuller und Arm lief bernh; Kopf und r. Arm fehlen. Vgl, Aldtnvandi S, 297: tul giar- 
dimt Jtt Card. CW/i: t» f^/tavo /uogo i h» '/irmin^; et e nna Utrt»U (oJ /^rtv igmtdo, * (vn iw ififg/ia 
dit (tont tu ta tpalta mama; t tft fttdt dt Im ftndtnte: t Hein in wmnv affaggiaia at fiatna (inxwischeo 
crgübfl^. 
M* Verschiedene Aptiken. 

a) Rundeit Cinerar, cylindcrfOrinig. Eingerahmte IntchrirtpUile; daneben Relief; Amor nach 
links auf einem Delplini reitend mit zum Schlage i-iliobcncn r. Ann, I. goenkler .\rm i, gr. l'h. 
gebrochen. 

A} Sarkophag. !>. ^febensci1e: Liiwe nach r. «lebend (Leib init einer Binde umbundeo) 
packt mil der 1 Vordeitaue einen unter ihiri am Boden liegenden Eber, der den Kopf rtIckwUrt« «mpof- 
richtei. Der Kof)f des Ldwen oben an der Sarknphagccke iii so voll aii<igearheiiel, dafs er ufTenlMU als 
ApDtropKon wirken toll. Von der «tark vcrlillrxten Vurdencile erkennt man nur ein Portraiimedaillon 
nU MiiieUlUck und dnninier eine nach ]. gewandte Maske, endlich an der anderen Kcice die Andeulang 
des zweiten I.iiwenkflpfr'. 

r) Mnie im hnchgegllrtclen Chiton und mii cinctn Mantel Über RUcken, Schaller nnd I. Arm; 
im I. Arm ein« Kidur. L. Standbein, r. Knie leise gebogen. Kopf, r. Unterarm, Theile der Kithar 
fehlen (I, Arm verdeckt). Nur bi» unter die Knice gezeichnet. Sehr lihnitch CUrac III, 354. 1067 
(Borghesr, Louvre). 518, 1062 fStockholin). $30. 106; (Vaticon). 



IltcmskcTck I, Blalt sj*— 19 \ 



141 



J) Oa-plioU aus der bcktuinlcn Giuppc ron Psn und l>aphtui (OtjrmpM); IcichlcT Umrib, 
ohnt eine An<!vuiu[i); Oe» P>n. Wplit «Kliet die {ctit in FIoicok befindliche EinieUisur (Uff. n. 33z. 
Clarac IV, 726 b, i73l)K), die aus I'al. ilrtla Vnllf Mamml, -t. AMmvaniii S. 214 n» flirrt atsita 
t^ra nn trQmo, r sta in all« ,ii tamart. LÜe >.|iirke Nri^^uti); nach Iiiiitcn, thc Cicalall de> l-'i-Kblack«, 
i]ic Form iler Syrinx, «Ivt snccheincnd vollluimmrac Eilialtnni^iu&Uind »prvcfaen dxfUr. AnJ«Te Excni- 
plMc ». bei Jahn, Rildeiii-hTon. S. 4I Antn. 271. Schreiber. Villa I^idovi») n. 175. Hcydcmnnn, Pariter 
Aiilikcn S. 14 lu iS- 

■■) Skiiic Aun einem dccorfttiren Relief: Vase and Rnnlten. 

27 (40) Der obere Thcil des Hofes von Casa Galli, bei der Cancelleria. 

Dw Baeivbiiiioi: ergibt »ich nat tief Vet^leichuDK mit t, 73. v^itni Hnii^e vi>l. Fbiii. Vacca n. 30. 

li) \n der Mitu- »uf einem .Siuleitsiiimpr eine dicLv ubluitge l'Inite, danuf ein« sclilnfeiide 
Nymphe, iinteii bekleidet. Oben nitckt, tnil dem linken Arm AUf eine Urne geiüOltt , den r. Arm (mit 
Ainibund am ObeTuni) (|Uer llber die Bn)»i auf die L Sebidlcr gelegt. Kilbe und einige Finder der I. 
Hand ahgeb rochen. Im Motiv entiprieht w lieinlich die Figur Lansdowneli. 13 (Clamc IV, 7jo, i82qA). 

*) Liiil» daiicbcD am Boden der I'unic 1 t-incr Ktotscn l'»n/.cr«tiilnc (Kopf, Arme. Beine fehU-n); 
mrk vetkQrfl. Kein Faludiimentum. Hie langen •.chfiialen Schulterklappen sind mii kleinen Srhuppen 
tMdeckL Auf der Bruti ein GurjoneioD mit auij^ebreiielcn Flu^ln Über dem Kopf. Daruniercin kancle- 
labvrarti^i ntnanicnt, iintringt von iwci auf Runken stehenden ^ellD^ellen Greifen uiil lurUckgcwaiidleii 
gehörnten Küpfen. Vuii der Nsbelgiube abwUrK- eine Pjlinetle. Die rundlichen Schuppendecken des 
Gllrieh ttnd mil Marken, die breiten umrindeiten cT^pvyc: mit reichen ornvnenialen Relief» versehen- 
Vgl, Ciarac V, 8jy, 2103. aiu. 957, 2463. Ronner ^ihtdicii Taf. 2, 1 (v. Rohden). 

Auf der *ebr niedrigen L'mfumngtmnuer det Hofe«: 

Männlicher Torso mit ChUmys atn den Hals, mil Eloscliliifs der An&Kue der gefenklen 
Ande tind dci Beine. 

ff) Kleiner nackter Tor*o, wohl der Aphrodite. 

e} Ein paar kleinere undeutliche ÜIOclc. 

/) LOwenkopf mit Plailc dartlber. tod einem Trapeiopbor. 

S) Liegende Sphinx. Davor, vomc r., ein pnu abwärts nibrende Stufen {f^. f. 72). 

-** Kopf des valicanischeii »Tigris^ [Mits. üo Qcm. I, 37), angeblich von 
Michelangelo. Grols. Vgl. !, 63. 

28'C4i)Griofses ComposilaJcapilell, uingekehrt am Boden liegend; links hinten 
ein Theil des ColoK^eums. 

Ua« Kapitell ithneli mehr ileni des Scvenitbogens uls den d« Tltusbogeni. ist aber mit keinem vom 
beiden identisch. 

i!9 Ansicht aus dem Velabrum. 

Vom Blick auf eine Aiutjrabung lialbrerMrhtl Helen Gcmllucn (dabei eine« balbrunilen Baues), «roht am 
Abluuig« Je< Palatins; hinten der sog. Jan ss Qutidrifroni mit meinem nitlielalicrliähen Aubali. 
«retter recht« der iBogen der Gold »climiedca und die Kirche S. Giorgio in VeUbin. 

29»(42)Antikcn der Sammlung Santacrocc bei Piazjsa Giudea (IHg. 3). 

a) In der Mitte die Satytstatuc, jetn in der Villa Anlinori Malt-Dtihn 417 (Claiac 1%', 
726H, 1791D: oachctnandcr in der Villa Juliu. HI, i'al. Altemp*. vgl. Ann. 1883 S. Ijg Anm. aj. 

Jl} Recht« davon die Ainaiione die von ihrem geblleneu Pfeid »leigt. jetit in Pal. Patriri, 
Maii-Uuhn 948 (vgl. Dä£Hm. bud. IV, 446), in ilttren Zeichnungen (Cod. Cob. n. 13. Cod. Pigb. n. 32- 
Cambr. fiL 3$) nnd bei Cavall. III. Vi, 44 (im Gegensinne) im Hause Santacroce (vgl Robert. Sark.-Rel. 

n 3. 83). 

<) Kleinere DTaehsltUke. daranlcr twei Köpfe von BXrcn(f). 

1/) Nackte mUnnliche Statue mit Kopf; Beine anüchrinend am Knie gebrochen, SlUbte am 
r. Beta stcktbar, jVnoc fehlen. Gegen die Wand gelehnt, vom Rucken sichtbar. 

Grofsef oickteT mBnnlickci Toiso. aiuchciitend mit ein paar langen Locken aul dn 
Schultern. Vielleicht tdeniiich mit Cambr. 61. 38. 

Jkbtborti in u<liZt>lc.||ltfktn iMiMal» VI. I | 



142 



MkhAclif, Romiichc Ski«enbUchcr noidisclicr Kiimilcr. 



Fig. 3- In Casa Sutacroc*'. 



f) Kleiner Sudm^j bx|[, nur t. Tb. liclilliiir; vorne links eine Soni)eaufar(t), Citci itebcDde 
KnsbcD o<Ier JllUKlinKc rinxeD(l(.'), AiidcuiutiK einet weiiCTcn FiKur. 

£) Link« von q Mitlita» auf tltm Slicr knievml, aii dem vorne der Ildnd «teblbat wird, 

h) Kleine «irreckige lln»is mit ^^id<l^rL~rip^clI und Cuirlanden. 

i) Stuck cincü nvalca Sarliophnss tnil gmfKetD Ldweakopfi nnHchcincnd Stuck cinef eanzen 
l^wen (vgl. 1, 26*, i). 

>) Lowenkopf, nhnlich. 

{) Kleine auf dem r. Knie kniende Fl^ur, in Motiv und Gewandunf nicht unühnüch der 
AiiiMouc bei Cnvail. 111. IV, 43, ilocli »cheinl *ic nicht iiletiti«c)i (vgl. tu I, 47, a) und i*t viellcicltl 
vhci männlich. Von den attaliiclicn Weiheeschcnkent 

m) t'ndeutliclie Fragmente. 

Vgl. Aldmvandi S. ijA: Zu nui» ■// M. Vakri^ dalla Ctmi, frnto h piatux GüutM. Dtntr» it 
ttr/lg/h si tr«¥0 frima ttn torw iff iftr<ch ma^irrt Jtl nahtraU [/]. /W ttgtu nn <avalh Mlintm^. tki 
st* In «Mi iti tajfre . An in i-uf t/i itUa, una fftft -. n^ra /« fUaff ita h tattitla nmi Ji'rina ,-/m>u.-/it' ;-fsli/,i 
$f(pmU fHsamia lii jtul trmfv [A]. Si siggeii» ittfra wm'J tati {noch nicht in der Zeichnung] /n/i'r tlut MU 
lau Ji »rti [f]. Vi i anrkn N»a teiU •/> /feitf [il Jii\ t'i ti vedi J\tite idi& Ji f-aituri igimda, fuiri tlu 
Mi auolgr i^rn wioui /«-/^ tti uMimiik: tta PfjOpttte im ft frumr, ntl fvilt i itltM<ata ttni sampogna rff Wlih 
<4mnt [oj. Stg»e fei um t«r« ^^rtatt, t fvif/i h urra Ja tut« Imirmo, (hl H ttät apruio [;]. Sens t^fr€tt» 
iu» torti fiitti«ii antitki [/«rj- ti ftri utta f-iia sc«lpiia Jtiia cmria Ji Atrttagr« [/*'•]. 

SU (43) u) Hin lebhaft ))ewei{let und ein am Boden »iliendei Mann (nach Michelangelo^). — J} Ein 
Gv»iiii5[jrüfil und eine Hlngeplatte. — Ein Rind (nach der Natur}. 

W» Hermen und Architdilurfragmcntc. 

a, A) Zwei Hermen mit rolhlünüigeiii Oberkörper (Kopf und r. Arm fehlen), a mit dein 
Ltiwenlcll imi den t(vbugencn I. Ann (Iletakict), f mit einetn Mantel der den I. Arm ^aru verdeckt. 

e) Atchiteklurfrigmenic mit Zahnvcfanili, Stack korinthicchen Sünlen^cbartcs, grofte^ ütlkk 
KraniLgetim« mit Con»olcn. 



Heemskerck I, Blatt 30 — 34. 143 



31 (44) Herme. Stiefel. Kopf. 

a) Hermenschaft mit Glied und Schulterloch und bärtigem Portraitkop f. 

*) Reich verzierter Stiefel des «Genius« in Neapel (s. I, 58,0). Vgl. I, 65»'. Rölhel- 
zeichnung. 

f) Bärtiger Portraitkopf mit hoher Stirn, wohl griechisch. Ziemlich stark von unten gesehen. 
Röthelzeichnung. 

31 * Gefäfshehkel von dem Krater I, 36. 

Aufserdem drei leichte Skizzen von KUhen, stark verwischt. 

32 (45) ij) L. Fufs mit Riemenschuh. 

l>) Ansicht der sog. Porticus der Octavia. 

Einblick durch den Bogen in das anscheinend bedeckte Innere Her Halle, in deren Kckc ein grofser sar- 
kophagartiger Bau sichtbar wird. Aufsen auf dem Eckpilasler neben dem steilen Giebel unförmlicher 
Rest eines Akroterion. Die Inschrift nur angedeutet. 

32» a) Trapezophor mit zwei Greifen [chimere). 

Die Vordertheile der Greifen sind geflügelt; Löwenkopfe gehörnt. Zwischen den Greifenbeinen Ranken 
leicht angedeutet. Vgl. I, 74,1-. Vielleicht in S, Gregorio, Matz-Duhn 3708. 

b) Bein (nach der Natur). 

33 (46) Drei weibliche Statuen (aus Giardino Ccsi?). 

a) Bacchantin im langen Chiton mit Überschlag, mit dem 1. Bein leicht vortretend, ein 
flatterndes Mäntelchen hinter dem Rücken, um den I. Aim und den r. Unierami. In der r. Hand eine 
Traube. L. Hand und Kopf fehlen; reiche Haare im Nacken. Der 1. Fufs ist in der sehr verwischten 
Zeichnung nicht deutlich erkennbar, doch scheint er ein wenig gehoben und unter der Ferse der Rest 
eines Krupezion angedeutet zu sein. Die im Profil nach r. ge;;eichnete Figur steht hinten an einen vier- 
eckigen Pfeiler angelehnt. Heemskercks Zeichnung isl nicht ganz genau und im Gegensinne gestochen 
von Episcopius, Parnd. graph. Taf. 36, Fig. 4. Vielleicht identisch mit Cavall. I. II, 26 nSemelf ibidem«., 
A.h. in aedibusCaesiis; vielleicht r= Aldrov. S. 135 una Pomona vfstila in pit. Von dort kam die Statue 
anscheinend in dascapitolinische Museum (Clarac IV, 697, 1642), s. Rom. Mitth. 1891 S. 57 Anm. 196. 
b, f) Schiine Gewandslatue von vorn und im Profil nach r. Beide Zeichnungen im Gegen- 
sinne gestochen bei Episcopius a. a. O. Taf. 36, Fig. 6 und 7. Oberkörper leise vorgeneigt, 1. Fufs vor-, 
r. zurückgesetzt, beide Kniee etwas gebogen: lebendiges Motiv eines leisen Herantreten». Chiton sehr 
hoch gegürtet; der Mantel liegt auf 1. Schulter und Oberarm, hängt im Rücken breit und tief herab, 
bedeckt das r. Bein um das Knie herum mit reichen Falten, während die obere Hälfte des Schenkels 
frei bleibt, und zieht sich dann quer über den 1. Schenkel wieder empor. Das ganze ungewöhnliche 
Motiv erinnert an gewisse klein asiatische Statuen aus hellenistischer Zeit (vgl. Anc. niarbl. in Gr. Brit. 
S. 543. Clarac V, 978 D, 2524 I). Kopf, Unterarme, 1. Fufs fehlen. Etwa = Aldrovandi S. 125 (Giard. 
Cesi); Agrippina intiera (d. h. mit ergänztem Kopf?) in pit vestita i) Fantica ... £ bellissima statita, ma 
nen Jta braeciai 

d) Löwenköpfige ägyptische Göttin mit Uräus und Scheibe, stehend, im eng anschliefsen- 
den Gewand, an einen Pfeiler angeschlossen. Vgl. etwa Clarac V, 984 B, 2540. Arme und Unterbeine 
gebrochen. Das StUck wird von Aldrovandi nicht erwähnt, dagegen kennt er in der Sammlung Cesi 
andere ägyptische oder anscheinend ägyptische Skulpturen, due Sphingi dt pittra brunkäa (S. 138), un 
Leone di misehio rossetio (i S. 133)1 duo leoni di pietra rossieeia (S. 135)' 

33* Kinderkopf, von oben und von hinten, und r. Arm. Rötheizeichnung. Der Kopf erinnert 
an Salyrknaben, aber das Ohr ist menschlich gebildet. Wohl kaum nach einer Antike. 

34 (47) Zwei sitzende Musen. 

d) Typus der vaticanischcn sKalliope« (Clarac III, 536, 1113; zweimal in Madrid n. 54. 55. 
Clarac III, 529, iioo. 536, 1115). Kopf, r. Unterarm, drei Viertel des 1. Arms fehlen; der Mantel an 
der Ansatzstellc des 1. Arms zerbrochen; r. Fufs unsichtbar. 

h) Typus der vaticaniscben »Terpsichore« {Clar, III, 517, 1056; auch in Oxford n. 31. Cla- 
rac III, 519, 1063 A). Kopf, Arme z. gr. Th,, ein Hom der Lyra halb, das andere ganz, FUfse fehlen; 

II» 



I^ Michaelis, Rüniibchi; Skiizenbücher nordischer Künstler. 



Jer ]. hcheiiit, nach lU-r ylallcn Schnilinäclie ?.u urthcJlcn, aus einem besonderen Stück Marmor licstaii- 
(len zu haben. 

In beiden Figuren sind die Fallen, besonders In den herabhängenden Thcilen des Mantels am 
1. Bein, von sehr reicher Wirkung und zeigen keine erheblichen Verletzungen. Sie gehören wohl zu- 
sammen mit den Statuen auf Bl. 34 *. 

iJ-t» Vier weibliche Gewandstatuen. 

11) Sitzende Muse vom Typus der valicanischen uThaIciau (Clarac III, 509, 1025; auch in 
Dresden 11. 34, Clarac III, 522, 1071). Kopf (Hals ausgehöhlt), drei Viertel des r. Arms, 1. Arm vom 
Mnntel an, 1. Fufs und alle Attribute fehlen. Die Falten im Schofs viel reicher als im vaticanischen 
I''xemplar. 

/') Sitzende Muse vom Typus der vaticanischen »Kleio- (Clarac III, 500, 985; auch in Madrid 
n. 51. ('larac III, 526, 1089). Kopf fehlt (Hals ausgehöhlt). Von beiden Armen sind nur die Ansätze 
erhalten; diese, wie die etwas gehobene 1. Schulter und die Bewegung des Körpers gegen seine rechte 
Seite scheinen auf Spiel eines Saiteninstruments (vgl. die »Terpsichore«) tu führen; der 1, Arm mag auf 
dem Steg der Kithar geruht haben. Von einer Rolle keine Spur. FUfse nur leicht angedeutet, fehlten 
wohl. Reichere und lebendigere Falten als im vaticanischen Exemplar. 

'■) ■^*'C' Niobide, vermuthtich die farnesische Statue in Neapel n. 351 (ClaracIV, 590, 1276). 
Kopf, Arme fast ganz, anscheinend auch die FUfse fehlen. Der Theil des Mantels, der Über den 1. Ober- 
arm heralifallt, sliminl mit dem Neapler, nicht mit dem Berliner Exemplar (n. S^S- Arch. Zeit. 1844 
Taf. 19). 

(/) (kleiner) Bacchantin, anscheinend die früher mattcischc Statue in Marbury Hall n. 10 
(Clarac IV, 694B, 1623A), nur ist der 1. Arm schon am Ellbogen gebrochen. Kopf und r. Arm fehlen 
fast ganz, Füfsc nicht angedeutet; ebenso wenig ist in der kleinen Skizze von den Locken etwas sicht- 
bar. Ein anderes Exemplar der .Statue scheint nicht bekannt zu sein. 

35 (48) Raffaels Psyche. Gewandstatue. 

a) Leichte Skizze der von Putti gehobenen, das GefUfs emporhaltenden Psyche aus der 
Farnesina. 

/r) Gcw.-indstat ue ungefähr im Typus der capitolinischen »Immortalitas« (Clarac IV, 767, 1894. 
Cavall. I. II, 77i frUher im Vatican) und der vier Kolossalfiguren in der Loggia dei Lanzi (Cavall. I. II, 
81. 83, aus l'al. Valle), doch bedeckt der Mantel den ganzen r. Oberarm und hängt von dem vorge- 
streckten Unterarm beiderseits herab. Die Statue ist quer durch die Oberschenkel in zwei Stücke ge- 
brochen; Kopf und beide Hände fehlen. 

f) Unterstes StUck einer ahnlichen Statue mit r. Standliein. 

r/) Hintere H.ilfte einer Sphinx. 

!■) Reichverzierte Volute eines (Composita- i) KapitelU. 
35* Pferdestudie. Togatus. 

17) Hinterschenkel eines Pferdes, wahrscheinlich von der Erzslatue Marcaureis (vgl. I, 56, a. 

63*. "•*■ 75)- 

i) Togatus auf einer viereckigen Basis; Kopf, r. Arm fast ganz, 1, Iland fehlen. 

c) Einige leichte Umrisse, darunter ein Straufs, auf dem zwei nackte Knaben sitzen, von einer 
langbeklcideten Figur geführt (vgl. I, 50, i). 

3G (49) Vase. Rest des aurelianischen Sonnentempels. 

11) Grofser Krater mit steifen dUnncn Henkeln, oben in spiralartige Windungen auslaufend 
(vgl. 1, 31 *). Abg. I'iranesi, l'asl, CanJflnbri etc. Taf. 37 »/«/ corfile litl Monistero di S. Ceiilia i« 
Trailivere «. 

i) Ansicht des i.og. /rentisf'khtm Nerenis im Giardino Colonna (vgl. 1,9); am Fuf^e desselben 
ein verfallenes Gewölbe. 

3G '' Kopf des Apollon vom Uelvedere. 

Zwei Ansichten, von vorn und im Profil nach r. ; grofs und ziemlich ausgeführt. 
■17 (50) Isispricstcrin? Vase. 

(f) Oberkörper einer Isispricstcrin (?); der befranzte Mantel von der r, Schulter quer herab- 
gezogen und vor der Brust geknotet; 1, Brust vom Mantel nicht bedeckt, der von der Schulter am Arm 



Heemskerck 1, Blatt 34«— 41'. iac 



tiCTabfilllt. (Im All(;L'mcinen vgl. Clarai: V, 994, 2574 G.) Kopf mit Binde, ohne besondere Ab^eic^lcn, 
Quer Über den I.eib (jcbrocla-n. Das Fragment ist auf t-iner nitdrif^en Basis mit einem Cardinalswnppcn 
(schräg liegender Balken) befenligt. 

i) Krater, demjenigen auf 1, 36 ähnlich [vyl. Clarac II, 172, 129): unmittelbar unter dem Rande 
einige schwebende nackte Kinderfiguren. 

c) Im Hintergrund ein Cippus und einige I'igiircn. 
37' Studien nach nackten sitzenden Kindern (liesonders Beine). 5 Feder- und 2 Rölhel- 
icichnungen. 

38(50 Odysseuskopf. Löwenköpfc. Zief^eiibocksschädcl. 

a) Ausgeführter lebendiger Odysseuskopf mit Pilos, um den Hals Andeutung der Chtainys, 
Knopf auf r. Schulter. Anscheinend von einer Statue, vielleicht der pam fil ische n (Clarac V, 833 A, 
2087 A). 

i) Löwenkopf mit King im Maul (Thürklopferi), von vorn und von der Seite. 

f) Schiidel eines Ziegenbocks mit grofscn Hörnern, nach der Natur. (Vgl. I, 20'.) 

38 '■ Von den Dioskurcn von Monte CaviiUo. 

Vom 0/iM Fraxitelit: a) Stück des Rückens und r. Arm (vgl. I, 43*); vom Opus FiUiiu: fi) 1, Knie, 
c) r. Arm. 

3y(S2) Kopf des Laokoon. 

Grofsc ausgeführte Zeichnung. Kinzelne Locken an den Knden gebrochen. 

31»' Köpfe. 

rt) Römischer l'nrtrattkopf von strengem Ausdruck, mit kur/geschnrenem Bart (3. Jahrh. 
n. Chr.f). 

i) Langgelockter Kopf, leicht geneigt, an Barbaren typen erinnernd, andrerseits auch an den 
Kopf Bonner Studien Taf. 8. 

40 (53) Elepfaantenbrunnen. Landschaft. 

ij) Der El ephan lenkopf von I, 19*, von vorne gesehen, speit Wasser in einen Sarkophag 
(Knaben Fruchtgewindc tragend, darüber zwei Masken; nur I. Hälfte gezeichnet). Vom Klephantenkopf 
zieht sich ein Fruchtgehänge nach 1. herab. Oben Andeutung einer halbrunden Wölbung mit Nische. 
Offenbar nach einer wirklichen Anlage ge/eichiict. Bleistiftbemerkung (von Destailleur:) am Ränder 
/■'fntaiiK ■> V. A/iU/ii/tiii? Dies scheint besläligt zu werden durch Cambr. Bl. 54'. 

6) Leichte Ski?,ze eines Hügels, darauf ein Kastell, mit halbverfallenen Gewölben am Fufse. 
Bleistiftnotiz am Rande des Blattes: Quiriual giard. Cohiina?, schwerlich richtig. 

■lO" Fiifs. Skylla. Sarkophag. 

a) L. Kufs mit leichter Bekleidung (oben darauf ein Medusenkopf), die die Zehen frei läfst. 

b) Trapezophor in Neapel n. 208 {Mus. Borh.\, a^. Mon. itiai. d. Itist.WX, '^i, l). ursprüng- 
lich wohl in Casa Sassi (s. Heemsk. III, 3, g), dann in Villa Madama (Winckclmann, .1/'«. <«.■,/. 37 im 
Gegensinne). Die Zeichnung, in blofsen Umrissen, zeigt die Skylla (1. Arm fehlt), den Hund mit dem 
gepackten Menschen vor ihr, und in der Verkürzung an der Langscitc zu ihrer Rechten einen weiteren 
Hundekopf mit Unterschenkel im Rachen, die Schwanzwindungen mit dem menschlichen Unterkörper (r. 
Bein fehlt z. Th.); ganz hinten den Kentaur mit Fell (Vorderfüfsc scheinen zu fehlen). — Auch Cod. 
Cob. 34. Cod. I'igh. 50. 

c) Moderner Sarkophag mit liegender Frau darauf (klein). 

d) Ecke eines ähnlichen mit sphinxartigem Fufs, 

■H (54) Kopf Doppelherme. 

d) Bärtiger Kopf (eines griechischen Dichters!) mit schmaler Binde quer über die Stirn und 
leichtem Epheukranz; Augen hohl. Sehr ähnlich der Kopf bei Lafreri (Ach. Statius) Inlnstr. virar.vul- 
lus, 1568, Taf. 23 *apud li'iiiinem Antvnium ft Vincfnilum Romanos'. 

/•) Doppelhcrme eines bärtigen Bacchus und eines jugendlichen (eher als weiblich), beide 
mit Stephane. 

41' Kopf des vaticanischcn Herakles {»Com modus«). 

Grofse ausgeführte Zeichnung, von vorn und im I'rofil nach recht.=. 



Idß Michaelis, Romische Ski zfcnblj eher nordischer Künstler. 

42(55) Vier Figuren. 

") J^Jiglingi von vorn; 1. Standbein mit stark ausladender Hüfte; ein Mantel Hegt auf der 
rechten Schulter und f^llt über den r. Oberarm und breit hinter dem Rücken herab; r. Unterarm, im 
rechten Winkel gebogen, fehlt. D.is lockige Haupt ist mit traurigem Ausdruck nach r. (vom Beschauer) 
geneigt; dem entspricht die gesenkte Fackel in der L. Die Figur ist schwerlich antik. 

fi) Weibliche Gewandstatuc im blofsen Chiton, hochgegürtet, von vorn. R. Standbein, 
Hüfte stark au<^ladcnd; das 1. Bein stark gebogen, das Knie etwas einwärts. Kopf mit reichem Haar 
und schmaler Slirnbindc blickt vorwärts. Beide Arme fehlen, der r. war gesenkt, der 1. (Schulter geho- 
ben) etwa wagerecht gehalten, vcrmulhlich auf irgend etwas gestutzt. 

i~) Weibliche Ge wan dstatuc, im Prcfil nach rechts, Kopf und Arme fehlen. L. .Standbein, 
r. Fufs furUckgestellt. Üngegüttetes dorisches Gewand, r. offen, Steilfalten und Zickzackränder in freier 
Behandlung. 

(/) Alte Frau, nach r., ganz in den Mantel gehüllt, mit dem r. Fufs vortretend; r. Unterarm 
tritt etwas emporgestreckt aus dem Mantel hervor. Von einem Relief (Bcstattungsscenc!) entnommen? 

■*-*"' Ponte Quattro Capi. Gewandfigur. 

a) Ansicht des Ponte Quattro Capi (P. Fabricius), stromaufwärts, mit Durchblick auf den 
Ponte Sislo; vorne im Flufs eine MUhle. 

i) Gewandstatue, im Profil nach I., mit reichen Mantelfalten,' Kopf und I. Unterarm fehlen. 
e) Leichte Skizze eines Bauwerks mit Treppen aufsen an den Wänden. 

43(s6) Gewandstatue, Stieropfer. 

a) Frau im Chiton, ganz eingchtlllt in einen dicken z. Th. franzenbesetzten Mantel, der beide 
Arme (r. vor dem Leute, I. leicht gebogen) verhüllt. Ungewöhnlich. Kopf fehlt. Wohl sicher identisch 
mit der Statue in Pal. Doria Matz-Duhn n. 1467 (Clarac V, 888, 3274E nicht gut). 

d) Kandelaber (drei Löwcnfufse, dreiseitige Basis mit je einer Relieffigur, schlankes Balau- 
stium mit Masken, oben eckige Schale) und rechts daneben ein Stier, mit untergeschlagenen Beinen 
linkshin am Boden liegend (Schnauze abgebrochen); auf seinem Rücken kniet mit dem r. Knie ein Eros, 
packt das eine Hörn mit der L. und sticht das Opfermesser von oben in den Kopf des Stieres. Wohl 
die r. Seite des farnesischen Reliefs in Neapel n. 537 (Lajard , /ff^A. siir yimis Taf. 14A, 10); vgl. 
Cod. I'igh. n. 47. Vgl. auch Matz-Duhn n. 3469. 

■*y* Von denDioskuren von Monte Cavallo. Wandmalerei. 

11) Hinterschenke] eines Pferdes; b) Rücken und r. Arm des Dioskuren, Ofus iVtixitt/h; vgl. 
I, 38^. 64. Rätheizeichnung. 

<-) Einige leichte Federskizzen, darunter eine sehr schlanke Säulenarchiteklur, perspcctivisch, 
offenbar einer Wandmalerei »dritten Stils« entnommen. 

44(57) Stieropfernde Nike. 

Nike nach r. auf dem am Boden liegenden .Stier kniend, packt seinen Kopf (Maul gebrochen) mit der 
L. und zUckt mit der gesenkten R. das Messer. Vgl. die Statue im britischen Museum Clarac IV, 638, 
I448A. Ungefähres Gegenbild zu Clarac II, 224, 303. Im Felde davor leichte Skizpc eines Kandelabers 
mit Tänien. Vgl. Afus. Borfi. XII, Titelhl. (ebenfalls im Gegensinne). Einen berühmten Fries von stier- 
Dpfemdcn Niken und Thymiaterien im Hofe des Palastes della Valle nennt Zocga, Bassiril. II S. 41. 
Vgl. auch Matz-Duhn n. 3470ff. 

44" Drei Pfcrdeh inlerbeinc (anscheinend nach der Natur) und »wci Umrifsskizzen von 
nackten männlichen Körpern. 

45(58) Capitolinischc Skulpturen. 

Facsimile: Rom. Mitth. 1891 S. 5 (Michaelis). Vgl. I, 61. 11, 72. 

a) Der grofse Erzkopf, sog. Commodus, s. ebenda S. I4. 

h) Runde Basis mit Löwenktipfen; oben ein Loch. 

I-, </) Nil und Tigris (später zum Tiber umgeformt; Tigerkopf deutlich, keine Zwillinge), 
R. ebenda S. 25 f. agf. 33f. 

Im Hintergrund Engclsburg und Pantheon leicht angedeutet. 



Heemskerck I, Blalt 4a — 47. 147 



45» Torso. Aktstudien. 

") JUnglingstorso, nackt, mit AnsStzt-n des erhobenen y. und des gesenkten I.Arms; Kopf 
fehlt; die Zeichnung endigt un den Schenkeln. Rdthelzeicbnung. 

ö) Drei Nat UTstudien nach Beinen und i^'Ufsen. Blcisliftzcichnung. 

46(59) Herme. Viereckige Basis. Torso. 

a) An die Basis eines Pfeilers und einer Hnlbsaule gelehnt eine anscheinend weibliche Herme 
(nach der Form der BrustJ, der Oberkörper und die Arme ganz, in einen faltenreichen Mantel gehüllt 
(insofern vgl. Clarac IV, 591, 1286); r. Arm leicht eebogcn, die Hand zieht den Mnntel in der Nähe der 
Htjftc zusammen; 1. Arm vor der Brust. Hübsche Faltcnmotivc. Kopf fehlt. 

d) Kleine viereckige Basis, nach unten ausgeschweift und an den Ecken in Sphinxe aus- 
laufend. Im Relicffeld vorn r. Frau mit bogenförmig wallendem Mantel über Ranken nach r, stehend, 
links anscheinend auch eine bekleidete Frau. Oben Kymation mit Widderknpf an den vier Ecken. 
Oberfläche mit rundem Loch zur Aufnahme eine; Kandelabers oder dgl. Wohl identisch mit Cod. Pigh. 
n. 90. Cob. n. 64 (Sommer- und Herbsthore), das zur Zeit Piranesis (faii Taf. 89) in der Farnesina 
stand (nicht £>oc. ineJ. III, igaff.); in Neapel? 

c) Am Boden gtofsei männlicher Torso, in zwei .Slücke gebrochen; Unterkörper im Mantel 
mit I. Standbein (r. Fufs fehlt), Oberkörper nackt mit Rest des gesenkten r, Arms (Kopf und 1. Arm 
nicht sichtbar). 

46*' Knabe. Torso. Röthelzeichnung. 

ä) Knabe, nach r., mit dem 1. Bein vortretend, r. Arm vorstreckend, Kopf emporgerichtet, 
auf der 1. Schuller das Ende einer Guirlande. Offenbar von einem Sarkophag (vgl. I, 40, a). 

i) JUnglingstorso, vom Rücken geseken, sehr weich. Leicht nach r. gebogen. Knpf und 
fast die ganten (gesenkten) Arme gebrochen, ebenso quer durch das Gesäfs. 

47 (60) Platz mit Antiken, offenbar aus einem Garten. 

a) Ganz vorn kniende Amazone, sehr ähnlich der bei Cavall. 111. IV, 43 abgebildeten 
Aniatort In atdtbus lacobi PaluliJ Albertaniß, eines römischen Nobile, dessen Museum puUherriniis slatiiis, 
nummis, tibris re/er/um Cavalieri in der Vorrede rühmt (Aldrovandi noch nicht bekannt). Die Plinthe 
von unregelmäfsiger Form, ungegliedert. Darauf kniet die kurzbeklcidete Amazone mit dem t. Knie 
(Fufs mit Sandale), r. Knie scharf gebogen und etwas erhoben (Unterschenkel scheint zu fehlen). Der 
Clhiton läfst die kräftige 1. Brust und die Schuller frei und ist mit einem Zipfel durch den Gllrtel 
gesteckt. Oberkörper vorgebeugt. Kopf und Arme fehlen. Anscheinend nicht sehr grofs; könnte zu 
den attalischen Weihgeschenken gehören. Vgl. lag", /. 

6) Unklares Fragment, vielleicht von einer zugehörigen Figur. Plinthe wie oben. Darauf 
liegt oder kauert eine kurzbekleidete Figur, vorwiegend auf das eingeschlagene r. Bein gelehnt; ob 
männlich oder eine Amazone, läfst sich bei dem völlig abgesplitterten Oberkörper nicht sagen. Selt- 
samerweise steht neben dem rechten Schenkel der rechte Fufs einer stehenden männlichen Gestalt; 
diese kann wohl nur so ergänzt werden, dafs der 1. Fufs sich jenseits der liegenden Figur befand, diese 
also vor dem stehenden Manne hingesunken war. 

Diese l)eiden Stücke im Vordergrund; rings um den Platz ziehen sich von 1. nach r, folgende 
Stücke: 

(■) Cippus mit Schädeln an den Ecken, daran Guirlanden, innerhalb dieser auf der einen 
Nebenseite ein Krater mit zwei Vögeln auf dem Rande, r. davon auf einer Haupiscitc ein Gorgoneion. 

d) Puteal, um einen Baum gestellt, mit Reliefs; kenntlich sind 6—7 nackte oder kurzbeklei- 
dete Gestalten, die sich ziemlich lebhaft nach r. bewegen. 

e) Cippus, Nebenseite sichtbar. An den unteren Ecken nach hinten ein Adler, nach vorn 
eine sitzende Sphinx, an den oberen Widderschädel, eine Guirlande haltend, darin ein Krug (vgl. Clarac 
II, 253, 507). Auf dem Cippus: 

/) Doppelherme, bärtig und bartlos. 

g) Sarkophag. Vorne Portraitmedaillon, von schwebenden Eroten (nur der r. gezeichnet) 
gehalten; unter dem Medaillon gekreuzte Füllhörner. 
h) Hohe Herme mit spitzbärtigem Kopf. 



148 Michaelis, Reimische Skizienbücher nonÜseher Ktlnsller. 

/j Rundes Futeal oder Ära, ohne Reliefs. 

t) Grofser Cippiis, nur halbe Vorderseite sichtbat: an der Ecke unten DoppeUphinx, sitzend, 
oben so^. Amnionskopf, eine Guirlande haltend. Innerhalb dieser eine Inschrifttaful mit Andeutunj; 
von Buchstaben, darunter ein Adler; unter der Guirlande ein kleiner Vo(;el. 
47 * K ü n r r f e r d c kö p f e. Naturstudien. 
48(6i) Ziegen. Naturstudien. 

48* Drei antike Fufsbeklcidungen. Röthelzeicimung. 

4!)* Aktstudien. (Zwei Rücken und ein Knie.) Räthel- und Federzeichnungen. 
•) Die alte Bezeichnung 62 fehlt; weggeschnitten? 

50(63) Relief. Naturstudien. 

a) R. Ende eines decorativen Reliefs, eingerahmt. Ein Eros, vom Schenkel abwärts in sehr 
reiches Rankenwerk auslaufend, das hinter seinem RUcken den ganzen Reliefgrund bis oben dicht aus- 
füllt, hält auf der L. ein Kästchen und erhebt die (abgebrochene) R. gegen ein schlankes, vielgegliedcr- 
tcs Thymiaterion ; I. von diesem Rest eines Laubgehänges. Dann Bruch. Wohl zu den traianischen 
Reliefs gehörig (vgl. Benndorf und Schöne, Lateran zu n. 59). 

/') Ein Straufs nach der Natur. Bciscbrift ys/riis«. Vgl, I, 35', c. 

<■) R. Handgelenk, stark gebogen; Aktstudie. Rölhelzeichnung. 

50» Torso. Todesgenius. Rötheizeichnung. 

(T, />) Kraftiger männlicher Torso, im Profil nach r, und vom RUcken, etwas gegen die 
r. Seile gebogen. R. Arm war horizontal gestreckt, 1. gesenkt. Kopf, Arme bis auf die Ansätze, Beine 
vom Schenkel an fehlen. 

c) Eros als Todesgott, das 1. Bein libergeschlagen, legt das schlummernde Haupt auf die 
r. Hand, die auf der I. Schulter liegt; diese ist auf eine umgekehrte Fackel gestützt. Von einem 
Sarkophag. 

51 (64) Jüngling. Artemis. 

n) Vorw.irts eilender Jüngling, im Stile Michelangelos; der 1. Arm hängt herab, der r. 
liegt vor der Brust, R. Bein nur theilweisc angedeutet. 

i, t) Artemis, nach 1. und nach r. gewandt, auf niedriger runder I'linihc. Typus der Arte- 
mis Colonna (Berlin n. 59. Müller-VVieseler II, 16, 167); Kopf und beide Arme fehlen; oben am Köcher 
einige Linien, die möglicherweise zu flatterndem Haar gehört haben. 

51" Drei Torsi. Bein. Röthclzeichnung. 

a) Oberkörper wohl des farncsischcn Apollon von Basalt in Neapel n. 232 (Clarac 111, 
480, gzi B), der wegen seiner Locken für einen Hermaphroditen galt, vgl. Aldrov. S. IJS: uno Hertna- 
freditü di paragone, uiaggicn Jtl naInraU, e veitita dal mczzo in giii : ha capeUi di donna, e it (Une il öruiciä 
dritto sul capo: IIa uni> istrtimtnto musico npprtsso: t Jti rilrm'ati) in easa di M. J-'idiio Siisso (s, HI, 3,«). 
Cavall. I. 11, 37 und Vaccarius: Ilermaphroditus ex tndiie Inpide /Cr>miif in aedidus /•'ariiesiaHis. H.s Zeich- 
nung umfafst den Körper unten bis an die Grenze des Gewandes, den r. Oberarm; Kopf leise angedeutet, 
1. Schulter und Arm fehlen. 

6) Jugendlicher Torso mit Andeutung eines Mantels, der von der 1. Schulter neben dem 
Körper herabhängt. Kopf, 1. Arm, gesenkter r. Arm, r. Bein fast ganz, I. Bein von unter dem Knie 
fehlen, 

c) Kräftiger Torso eines Apollon(i) mit langen Locken, 1. Standbein, r. vorgcselzt; im 
Profil nach 1. gezeichnet. Kopf, Arme, Unterbeine fehlen. Vielleicht aus Pal. Earnesc, vgl, Aldrovandi 
S. 154' ^'w torso di llcrmitfriulito: mi>» ha testa, ma si tomprinde, che hm-esse (apdH du donun, nnd beson- 
ders S. 159: "" iorso di Hermdfrodilc ignudo: iion ha tisla, ne bratsia, m gamhe; ma si loniiict, rht egli 
havesie chieme Ituighe da donna, 

d) L. Bein von einer miinnlichen Statue, vielleicht von dem farnesischen »Gladialoi« 
aus den Caracallathermcn (Cavall. 1. II, 28. Vaccarius. Aldrovandi S. 151). 

5"i (65) Sitzende Frauen. Fufs. 

rt) Sitzende Frau, auf viereckigem polsterbedcckten Sitz, von vorn gesehen. Ungegürtctcr 
Chiton, Mantel über 1. Arm und Beinen (Mantelmotiv ähnlich wie bei Clarac III, 536, 11 14); beide 



Ileemskcrck I, Blatt 47 v _ 56. 14g 



Oberarme gesenkt, der 1. Arm im rechttn Winkel gebogen, als stützte er sich auf eine Lehne. Kopf, 
r. Unterarm, I, Hand, FUfse fehlen. Vgl. etwa Matz-Duhn n. 1400. 

b) Sitzende Frau, nach 1., auf viereckigem Sitz, im Chiton. L. Fufs vorgestellt, r. etwas 
zurückgezogen. Der ganze Oberkörper bis an die Schenkel ist mit einem franzcnbesuizten Mantel be- 
deckt, der auch den im Schofs liegenden r. Arm verhüllt. L. Arm liegt anscheinend auf einer Lehne 
und scheint einen undeutlichen Gegenstand (stehendes KimH?) zu umfassen. 

i) L. Fufs mit Fufsbekleidung, die die Zehen unbedeckt läfst. 

Ö2* Torsi. Gliedmafscn. Kuhkopf. Rothelzeichnuny. 

a) Männlicher Torso vom Hals bis unter das Ges.ifs, 

b) Kopf einer Kuh, nach dem Leben, 

c) L. Bein, wohl' nach dem Leben. 

d) Kräftiger männlicher Torso, nach 1., von der Brust bis zu den Knieen, I. Bein vor- 
gestellt. L. Arm fehlt. 

e) L. Arm mit greifender Hand, Aktstudie. 

5;j (66) Tlieile eines Frieses, früher in S. Lorenzo, jetzt im capitolinischen Museum. 

Vgl. I, 21. Anker mit .Strick, Akrostolion (Kopf im Rund) mit flatterndem Band und herabhangendem 
Pinienzapfen, l'rora nach I. (unten drei Schwerter, darüber Ebvrkopf, hinter den Schwertern Seepferd, 
darüber Auge und Kopf im quadraten Rahmen), Stierschädel mit flatternder Binde und hängender Vitta. 
In der unteren Keihe: Napf mit Löffel (verzeichnetes Simpulumt), Acerra mit Zweig hinler dem geöff- 
neten Deckel (,l/«j. Capil. IV, 34, 2. Righetii, Cumpid. H, 336, 2). Dann ganz klein und flüchtig 
Napf und Stierschädcl, darauf grofs l'rora nach r. (unten Triton mit Steuer und Muschellrnmpcle, drei , 
Schwerter, drüber Wolfskopf, Auge, oben behelmter Kopf). Letztere drei Stücke abgcb. Mus. Ca/'U. IV, 
34, l. Righetti H, 337, 2. 

53*' Capitolinische Antiken. 

Facsimile: Rom. Milth. 1891 S. 17 (Michaelis). 

o) Der eherne Herakles auf hoher Basis, s. ebenda S. isf. 

i) Kopf, zwei Füfse, Arm und zwei weitere Fragmente von einem Marmorkolofs, s. ebenda 
S. 18 f. 

c) Kleine runde Büchse mit Guirlanden und Tänicn geschmückt, der gewölbte Deckel von 
einer Schlange umwunden. 

54 (67) Der Nil vom Belvedcre. 

Vom Rücken gesehen, stark verkürzt. Der Knabe Im Füllhorn ohne Kopf, diejenigen auf der Schulter, 
vor dem Oberarm, hinter dem Ellbogen, hinter dem Unterschenkel alle vollständig. Vgl. Arcb. Jahrb. 
1890 S. 25 Anm. 70. 

54' Hcroenkopf. 

Schöner Kopf eines bärtigen Heros, in der Art dem Menelaos von der I'asquinngruppe verwandt; 
lebhaft, Mund etwas geöffnet. Hoher Helm mit Auge und Widderkopf vorn am Schirm, Sphinx als 
Trägerin des reichen Busches. Auf der r. Schuller Schwertriemen, auf der 1. ein paar Uewandfalten; 
Bruch angedeutet. 

55 Landschaft. Drache. 

n) Landschaft in ganz flüchtigen Andeutungen, mit ein paar Brücken, r. Ruinen in der Art 
des Palatin, 1. Säulen die z, Th, an das Forum erinnern, darüber Tor de' Conti und Torre delle Mi- 
lizic. Anscheinend frei componicrt. 

i>) Drache, geflügelt, mit einem Joch über dem Nacken, in grofsen Windungen rechtshin 

strebend. Wohl von einem Medeasarkophag, vermuthirch dem jetzt palatinischen (Matz-Dubn n. 3162. 

Robert, Sark.-Rcl. H n. zoi), der dann schon vor 1550 bekannt gewesen sein mUfste (s. Robert S.21S). 

55v Thcil der Fagade desPalazzo dell' Aquila im Borgo, von Raffael. Kothelzeichnung. Vgl. 

J.Springer, Jahrb. 1S84 S. 332. Geymüller, Riifmllo Sanzh ioiiu ar(kUtth S. 57 (nach Parmigianino). 

56 (69) Von der Statue Marcaureis. Büste. Sclcne? 

a) R. Vorderbein des Pferdes des Marcaurel. Rötbelieichnung, 

b) Weibliche Gewandbüste auf rundem (modernen?) Sockel; Haaroberhalb der Haarbindc 
koryni bösartig eropors lebend. Röthclzeichnung. 



IjO Mi;:haflis, RömiM-hi: Skizzenbücher nordischer Künstler. 



ij Consolcnarligcr Bankfufs, modern. 

d) Liingbcklc i d e t e Frau, nach r. , mit bogenformif; über dem Kopf wallenden Mantel, 
dessen i-inen Zipfi-I die vnrgeslrecktL- L. hSlt; der vorgestreckte r. Arm über dem Ellbogen gebrochen. 
FUfse nicht iiiilge/.eichnel. Wahr«chuinlich Selen c von einem Endyminnsarkophag (keine Mondsichel). 

.W V Pferd. Akanthos. Säulenbau. 

a) Brusl, Hals und Kopf eines I'ferdes, von vorn; der Kopf heftig nach I. (voiii BeschaucrJ 
gewendet, wnlirscheinlicli am Zügel gehalten von einem Arm, der vor der Brust leicht angedeulcl ist. 
Am Gurt vor der lirust ein Halbmond. Röthel/.eichnung. Vgl, Albertini Bl. 6ia: in Vrht XXII ptin- 
rifaks ftjiios vnirinori-os ftiisit ferlur, c quibus capttt cum eolh un'ms vidi fractum afuJ eccksiam S. Thomae 
Hon lon^^e n /'latfa /udaeorum. 

f>) Aknnthofl von einem korinthischen Kapitell. 

e) Leichte .Skizze eines säulengctragcncn Vorbaues, darin eine Treppe. 

■''7 (7°) Der Schleifer. Bundschuhe. 

a) Der Schleifer der Florentiner Tribuna, von vorn gesehen. Vom Kopf ist nur das Kinn 
gezeichnet. An der r. (land sind alle Finger, anscheinend mit Ausnahme des Daumens, an der 1. die 
ersten drei und vielleicht auch der kleinste abgebrochen. Der Schleifstein oder das Messer ist nur durch 
eine Linie angedeutet. Auf die Bedeutung der Zeichnung für die Geschichte der Statue (vgl. Arch. Zeit. 
1876 S. 149fr. 1S80 S. II f.) hat Wolters zu Friederichs-Wolters n. 1414 hingewiesen. 

/>, e) Bundschuhe, wahrscheinlich von den Barbarenstatuen im Giardino Cesi, jetzt im 
Conservalorenpalast (I, 25, t. i*). 

•''7 " Zeuskopf. Aktstudien. 

ti) Zeuskopf mit reichem, lang herabhangenden Lockenhaar, aufwärts blickend. Kopf und 
Hals völlig erhalten, von der Brust nichts gezeichnet. Dem Zeuskopf in Neapel (Overbeek, Kunstmyth. 
Taf, 2, 3, vgl. Bd. n, 82), dessen angebliche Herkunft aus dem Juppitcrtempcl in l'ompeji auf blofser 
Vermuthung beruht (s. Overbeek, l'ompeji S 91. 636), so ähnlich, dafs man trotz einiger kleinen Ver- 
schiedenheiten im Wurf der Locken Identität annehmen möchte, wiesen nicht ein paar Striche auf der 
1. Schuller auf einen Mantel hin und wäre nicht der Mund geschlossen. So scheint also ein verschollenes 
zweites Exemplar jenes scheinen Typus vorzuliegen. 

1^) Rechter Arm, nach der Natur. 

f) Rücken eines lebhaft schreitenden Mannes, wohl ebenfalls nach der Natur. 

')8(7i) l'arnesische Statuen, Landschaft. 

a) Der sog. Genius in Neapel n. 3 (Clarac IV, 770 A, 1905 A), vollständig bis auf die I. Hand 
und den r. Unterann. Der zweite Schild am Boden ist nicht angedeutet. 

(•) Sog. Kulcrpe iiiNeapel n. 277 (Clarac III, 498 (', 1019A), verschleiert; vollständig, nur 
sind der Fufs und die Falten der Stola unterhalb des Mantelrandes nicht ausgeführt. 

■ ) Landschaft. L. im Vordergrunde antike Gewölbe, r. hinten S. Stefano Rotondo. 

■'»**' Ansicht von Rom vom Vatican. Kapitell. Löwenkopf. 

11) Blick auf Rom vom Vatican aus: die Engelsburg, die Brücke und die Stadt, überragt von 
der Kuppel des Pantheon. Ganz verwischt. 

/•) Dbertiieil eines korinthischen Kapitells. 
1) I.öwenkopf mit aufgesperrtem Rachen. 

:>it(72) Herakles und Antäos. 

Faesimile: .\rch. Jahrb. 1S90 S.40. Früher im Belvedcre, jetzt in Florenz, <i. ebda .S. IJ- 39- Vgl. Lorch 2,a. 

•'►51" Kopf des belvederischcn Nil. 

Grofse ausgeführte Zeichnung. Der Kr.in^ oben z. Th. abgebrochen. Vgl. Arch. Jahrb. 1890 S. 25 .\nm. 70. 

W>(7Jl Sitzender To^jatus. Artemis. 

.0 Sitzender Togatus, ganz übereinstimmend mit der capitoliniscben Statue Clarac \', 
912 B, 2334. Kopf, 1. Hand, r. l'nterarm fehlen. 

/•) .Artenus kurzbekleidct, das Münlclchen shawlartig" umgegürtet, mit entblöfstcr r. Brust, 
eilt mit kräftig vurtrclcndem I. Bein (hoher Stiefel) vorwSrls; daneben ein laufender Hund. Kopf, 



Heemskerck I, Blatt 56'' — 63. 151 



Anne, r. Bein fehlen. Sehr von unten gesehen, als ob die Statue entweder sehr kolossal, oder schräg 
gegen eine Wand gelehnt wäre. Flüchtige Skizze. 

60» Torso. Aktstudien. Röthelzeichnung. 

d) Kräftiger männlicher Torso in ruhiger Stellung, r. Bein leicht vorgesetzt. Vom Hals 
bis zur Mitte der Schenkel. Kopf, I. Arm, r. bis auf den Ansatz fehlen. 

F) Männlicher Körper, halb vom RUckun gesehen, c) Beine, nach der Natur gezeichnet. 

61 (74) Blick auf den Capito Isplatz. 

Facsimile: Rom. Mitth. 1891 Taf 2 (Michaelis). 

Aus der Säulenhalle des alten Conservalorenpalasles, vor der die beiden t'lufsgötter (zu I, 45) 
gelagert sind, blickt man auf den alten Capi lols p alast mit derbreiten Treppe und der Lowen- 
gruppe; links der Obelisk und die i'almc (zu I, 11). Vgl. Rom. Mitth. 1891 S. 4fr. Zeilschr. f, d. 
bild. Kunst, N. F., n, S. l84f. 189. 

61' Jüngling. Bein. Röthelzeichnung. 

*) JUnglingskörper, bis zur Mitte der Schenkel, mit r. Standbein; das Gesicht von reichem 
Lockenschmuck umwallt. Uer 1. Arm war abwärts 'gestreckt, der r. etwa horizontal gehalten. 
b) Leicht gebogenes 1. Bein, wohl nach der Natur. 

62(57 so)Der vaticanische Tigris über seinem Brunnentrog. 

Facsimile: Arcb. Jahrb. 1890 S. zi (Michaelis), Zu dem darunter angedeuteten Amazonensarkophag 
(Robert, Sark.-Rel. U n. 76) und den Schildkröten darunter vgl. ebda S. 22. 67. 

B'i* Gewandstatuen, z. Th. der Sammlung Farnese. Sehr verwischt. 

fl) und d) die farncsischc sog, Flora in Neapel n. 200 (Clarac lli, 438 B, 79S D)- '■" 
Profil nach r. und nach 1., noch ohne die Ergänzungen Guglielmo della Porlas (Cavall. 1. 11, 32). Es 
fehlen der Kopf (Hals erhalten, aber verletzt), der ganze r. Arm und der emporgehobene Zipfel des 
Gewandes, der I, Arm von unterhalb des auf dem Oberann liegenden Gewandstücks , die nach aufsen 
Über den Unterarm herabhängende Guwandmasse. Auf a ist die Stütze angedeutet und das r. Bein 
unterhalb der Stola vollständig gezeichnet, auf i sieht man die Stütze und den i. J-'ufs, aber nichts vom 
r. Bein, das demnach gefehlt zu haben scheint ; die Stütze genügte wohl die Statue zu halten. 

fl) und i) die zweite farnesische sog, Flora in Neapel n- 2 (Clarac lII, 438F, 795^^- "'>" 
vorn und nach 1., ebenfalls noch unergän7,t (Cavall. l. 11, 33. Vaciarius zweimal). Es fehlen Kopf und 
Hals, der anscheinend stärker gebogene r. Arm von unterhalb des Ellbogens, die 1. Hand (in 6 ist 
ein Tbeil.der Blumen sichtbar) und ein grofser Thei! des von ihr herabhängenden Mantels, beide Flifse. 

Ohne Zweifel beziehen sich auf diese beiden Kolossalfiguren die Worte Aldrovandis S. 149; 
Piu a dentro net porlko, che st trmja ä man tnanea (d. ii. im grofson Hofe des Pal. Farneso), si veggono 
duc eolotselti dt donne, ma senza ttste, lu bratiia: sono vrstUe, et una ne t centa ben( alla (n. 2), tallra 
bin boisa (n. 200); et una dt loro (n. 2) ka U leiubo della veste da man manca pleno dt fiori e frutti. 

f) Frauenstatuc, nach r., in gleicher Gröfsc gezeichnet, ob auch aus l'al. Farnese? Sehr 
undeutlich geworden. Es scheint eine sehr stattliche matronale Figur zu sein, im Chiton mit Überschlag 
(anscheinend gegürtet, aber so dafs der Gürtel verdeckt ist), Mantel schräg über den Rücken gegen die 
r. Hüfte gezogen; der (verlorene) r. Arm scheint gesenkt gewesen zu sein und den Mantel ziemlich 
tief gefafst und nach vorn gezogen zu haben. Köpf fehlt, 1. Arm unsichibar; r. Fufs anscheinend durch 
eine niedrige Stütze verdeckt. 

/) Torso eines Dionysos, entsprechend dem in der Gruppe zu Deepdene n. 3 (Clarac IV, 
695- 'ß'4)i nur anscheinend etwas bewegter im Zuge der Falten. Das Gürtelband fällt über das Maul 
des Thierkopfes der Nebris herab. Kopf, Arme, Beine fehlen, ebenso jede Spur der Nebenfigur. 

g) Zwei weibliche Gewan dsfaluen, nach 1, gewandt, halb von hinten gesehen , an- 
scheinend zu einer Gruppe verbunden. Die dem Beschauer nächste (Kopf fehlt), mit r. Standbein, I. 
Knie leicht gebogen, trägt tlber dem Chiton einen Mantel, der über die 1. Schulter herUb ergeworfen ist 
und sich schräg gegen die r. Hüfte hinzieht. Der 1. Arm (Hand unsichtbar) hHngt lose herab, der r. 
liegt auf dem Nacken der Genossin, die in Chiton und Mantel gekleidet ist (Kopf fehlt), ohne dafs das 
Motiv im Einzelnen erkennbar wäre. 

63(76)Torso vom Belvedere, Hieroglyphen. 

Facsimile: Zeitschr. f. bild. Kunst XXIII, S. 77 (Löwy). — Vgl. I, 73. 



I C2 Mii-haelis, Römischtf Skiz^enbiichcr nordischer Kiinsller, 



a) Der Torso, auf dem Boilvn liegemi, von oben (jeseben. 
/•) VitrL'ckifji-r l'fi'iliT niil H iiT<i(jlyphi'n auf (Kt V'orderseilc, 

*'•''' I'fi-Tilcbuiiic. Weiblicher Torso. 

II, /') Ui'üliU'S rferilc vordcrbui n , j;i;lioben, von iwci Seiten gcEeicbnct: wahr>eheinlii;h von 
ilcr Stalue Mnrciuirels. 

i) Wei bl i üliur Torso, Kilckenansiclit ; vermuthlich von einer Aphrodite. L. Standbein. 
Vom Fl.ils W\y zur Mille der Schenkel; Arme als gesenkt angedeutet. Kuthelzeichnung. 

t'l (77J Voll einem der Dioskuren von Monte Cavallo. Maske. 

ii) K. KUekenhälfte und r. Arm des 0/us Praxi telis. Vgl. I, 38*. 43 '■. 
h) K. Hein derselben Figur. 

.) Maske von tragischem Ausdruek , das Haar von einem seltsamen gestreiften Geflecht be- 
deckt. Relief. 

'>^ ' Ilermc. Arm. Löwen köpf. 

<0 Ilermenschaft mit Kopf eines bärtigen Dichters mit Binde über der kahlen Stirn, an- 
scheinend Homer. Oeschleehtsabzcichcn, 

(*) K. Oberarm und Ellbogen. Muskelstudie. 

• ) L(iwe nkopf mit geschlossenen Augen und heraushängender Zunge; Unterkiefer fehlt. 
Vielleiihl vom Lowenfell einer Heraklesstatue. 
)i;> (7S) Ziegen. Nalur~tudien. 

'=■''" Stiefel. Röthelzeiciinuntj. 

K. Fufs des iGenius« in Neapel n. 3 mit seinem reichgeschmücklen Stiefel (vgl. I, 31, /•. 58, a). 
Sehr Aufgeführt. 

»•^^79) Farnesische Statuen im Palazzo Mcdici (Madania). 

ii) Aphrodite (Neape 1 n. 2S8.) von vorn gesehen, mit nacktem Oberkörper, Beine vom Ntanlel 
unihUltt. der unter dem I.eibe geknotet ist (im Ganzen das Motiv der »fUnfien Gruppe« bei Bcrnoulli, 
Aphrod. S. ii<i\ Locken fallen auf die I, Schulter herab. IHt r. Arm war etwas vorge-^ treckt, der 
I. gerenkt und im lUltiogen vorwärts gebogen (unterhalb des Kllbogens gebrochen); jedenfalls fafste 
keine der lländc das tiewand. Neben dem 1, Schenkel ein Ocrath in Form eines Balaustium, etwas 
»ach 3uf>en h.in^cnil. l'nniitlelb.tr link> neben Aphrodite steht 

.-> Kri's (Neapel n, <)ii, «."Lirae IV, ti^i, 1627I nach 1. gewandt, halb vom Kücken ge-seben, wo 
die An>at<rc>te von l'lügelu erhalten sind. I>as r. Standbein mit einem plumpen Stamm daneben ist 
erhalten, von dem gebogenen 1. nur der halbe Obcrschcnl-el, 

.) Im Hintergründe iwi«clien beiden Statuen ist der dazu gehörige Dionysos sichtbar. 

Alte drei Statuen liiiden sich in^gUichcr tiruppierutig 1, 5 und 11, 48,/" und ^ in einer Halle 
des l'alazzo Madama; «, zu II, 48. 

CT So) Beine nnd Ktleken, Studien nach der Natur. 

t>T ' .Vhnlichv Studien. 

(i;»(8i) Kc ke n zweier mediceischct l'alil^te. 

.1) Nieilrigcr Ku»ttcaunterbau mit VhUr um! Fenster : darüber hohe korinthi>che TiU-ter. o;icr- 
h.ilb des Fensters ein dreii'aclio Stockwerk umschliefsend (hohes oblonges, rundes, niedrigeres oblonges 
Fenster*, ol-ctliall» der Ihiir ein Hogeu niu grolsciu mcdiceischcn Papstwappcn, .\uf Jcm Fries i,v';«/i.:-. 
Fine Attiea i-ildel ilen Abscidul-. 

.■■ Höherer Kiisticauiitcrbaii. auf dem Sin» •^. ;>■!■:.:. , .\hnlicher Aul l'Uu wie be: ..■. m:i whlanken 
doti*cheii rteilern; uicdicei^chcs l'.ij'itwappcu. i'berej nicdri;;«* Stockwerk. 

IVc l',d.i-tc Mud ncht bekannt, *, _l. Springet Jahrb. f. die jirtuis. Kuii>t-. 1SS4 S. ^3;. 

'■^' V>bv.-rkör[>i.r cities b.utiyen I\in. 

l.;aT-ti^cr tii-c'K>ch.i;aktct, Ijngo hao^jendcs Ohr. Nui der Kopt au-gctuhrt. Pcr-cl;'» Kcil II, 57. 
Kt»a im rvi'ii> de- l'an aul lU-m capitidiiii-.cheu Saikoi>hag l-e; Kisihcm, C^-t.-.^. IL iio. 

t-^» ,!ij^ t.\>nst.uilii\sbo^on. 

l^ie de;:i i-'-k;!- Ma\'i!i;i- ••.i_,;e'-.clirte Se.te \'\ s'jrkci VerkUr.^ai^jL- D'^' Ve'-.'^'. :tun^ reich! b;s an ein 
l>e:r,(chil'chc- Stuck der Kelieft'a-icn der Säulen. Keeht* im llmtei^iunde ein Muck de* vVtoTScum-^. 



Hcemokcrck I, ßUll 6^'— 72. 



'53 



(S9' Colosscum. 

Stick ie% Erdec^choasM von ftuFien, (icmlich stark venchOitei. 
70(831 Colosscum. Fcderumrisse mil Bleistift ausgcftihrt. 

Blick in ilie iloppcllc Gcwöllicicihe iri f;atiii-i Hübe; ila» Eiilgcicluil« x. Tb. Itn >n ilie Kapitelle dei 
Bogen yvnchUttet. 

70* Aus Santo Stefano Rotoiido. 

ttf Klick in die Kirche S. McTnno Kntondo au> einer der ScilenahlhGilungcii. 

A) Saiilc, mit Kcljcfrankcn um^iionnen. 

t) Badcscssrl von Maniior, ichi ikbiilicb dc-m valicinUcbcn oder dem im Louvri- (Clatac II, 
260, 631), Dur in tter Form der Lehne abwcicbeml. VeraiulhHch da» EKenaplar in S. Stefano, dat nach 
MaH-Duhn n. ^707 bei Schitikel uud Bciitli, VdrltiMer Taf. 37.I (mir nicht xugSnglich) abgeMIdet iM. 

■*' • Der LalcranspliiU in seiner frülicrcn Gestalt 

FacfimUe; Ge«. Studien fUr A. Springer, Taf. atl S. 218 (J. Springer). R. die Slalne MarcauieU auf 
dec von Sixtufi IV errichteten Bati«; xwel prahkLnigc Stütien unter dem Kctix: und neben dem r. Vorder- 
beine dr» Ffcides <1e«H-n Knie daran l)(-f(-»tifi;T scheint. Davor auf nie«trigrn Spulen ttUinpfea die beiden 
Löwen, die Aldiovandi S. Jijf. vor der TliUr der Kircbr crwülint. 

* Die üllete BexiAerun); fehlt vi>ii biet an. 
71* Grabmal de» Paptlct SiklU5 iV , von Antonio Pollaiuolo. Rcthelteicbnung ; nur tum 
TbeU au^ijeftlUrt. Vgl. J. Springer, Jahrli. f. d. preuK Kun»u. S. 33a, 

72 Der untere Thetl des Hofes von Casa Galli. (FiK.4. Vgl. I, 27). 



:'r-?. 



4 



w. 






1 



Fig. Ji- Hof der Casa Galli. 



a) In der Mitte der Baccliue Michelangelos (vgl, Cantbr. B). 14); <rgL Xldrovandi S. 172. 
J. Springer, Jahib. S. 329IT. 

f) Links Statuette einer Ücgendeo Nymphe. Keine Urne. 

f) Sarkophag. VorderE.: drei Knaben, twci Guirlanden tragend, über dcueii je twei 



154 Michaelis, Römisthe Skiüzenbüchcr nordischer Künstler. 



Masken einandtr nnhlickcn; Nebens.: Guirlande mit TSnien. Vernmtlilii:li die bei Aldrovandi S. 172 in 
einer logf^rtta leiremi t-rwähnle pUa bella itivorata di sfollagi a la antka. 

(/) Männlicher Torso, von hinten gesehen (identisch mit Canibr. Bl. 32 f. in a genUl man! 
plas hi ibf palliis 0/ the earihfwl fara'tsT), an die Mauer des oberen Thciles des Hofes gelehnt, in dem 
die I, 27 dargestellten Stücke g (Sphinx), a (Nymphe),/ (Löwenkopf), t (kleine Stücke) und c (Tor^o) 
sichtbar werden. 

An der Mauer rechts stehen am Boden: 

e) Miinnliclier Torso, unterwärts vom Mantel bedeckt. 

/) Rcli tfplatte mit sitzender Sphinx. Unter der Bodenleistc ein Eierstab. 

i') Männlicher Torso, nackt, in ruhiger Haltung. 

//) Vorderseite eines I'ersephonesarkophags; später in Villa Borghcse, jetzt im Louvre 
n, 64Fr, (Clarac II, Z14, 366). Die Identitiit ergibt sich, wie Robert (bei Springer in den Ges. Studien 
H. 226 Anm. 1) bemerkt hat, aus der Zeichnung des Cod. i'igh. n. 181 (=^ Cod. Coburg, n. 169) mit der 
Beischrift nprezzo campo fiore in casa äot't [äov' ^J] // Baecho di Michel Anfiele. 

72» Hlick auf den Palatin vom Aventin aus. 

Der Vordergrund scheint frei behandelt zu sein. Im Mittelgrund der Abhang des l'alatin mit seinen 
Ruinen, darUber links die Schale des Colosseum, am Ende r. das Septiüonium, darüber in der Kerne das 
Grab der Citcilia Metella. Ganz hinten die wenig charakteristischen Linien des Albanergebirges. 

7;i Der belvcderische Torso. Rückenansicht. 

Facsimile: Zeitschr. f. d. bild. Kunst XXIII, S. 77 (Löwy). — Vgl. I, 63. 

74 Aktstudien. Trapezophor. 

a) Männlicher Rtlcken, b) linker Arm, beid« nach der Natur. 

c) Trapezophor von der schmiilen Vorderseite gesehen'. Löwenfufs, geflügelter Leib, Lüwen- 
kopf, Deckplatte. Ohne Zweifel dasselbe Stück wie I, 32 v, 

74*' Belvederischer Nil. Bein. 

li) Der Nil, vom Rücken gesehen, RUcken, I. Oberarm, r. Arm, r. HUfte ausgeführt, Kopf, 
Sphinx, Ucwand nur leicht angedeutet. Bleistiftzeichnung. Vgl. I, 54. 

h) \„ Hüfte und Oberschenkel, flüchtig gezeichnet. Aktatudief 

75 Pferdeil interbe ine. 

Fünf ausgeführte Zeichnungen von verschiedenen Gesichtspunkten. Wahrscheinlich nach der Statue Marc- 
aurels. Vgl. I, 35 », a. 

75" Torso. Rötlielzeichnung. 

Sehr lebendig bewegter Körper, mit dem 1. Arm ausfallend, von hinten gesehen. Nach der sehr aus- 
fuhrlichen Art der Wiedergabe im Einzelnen wahrscheinlich eine Aktstudie, obgleich die Grenzen an Hals, 
Armen, Beinen Brüchen einer Statue gleichen. 

7C Helm von einem Achilleussarkophag. 

Damals an der Treppe von Araceli, jetzt in Woburn Abbey n. 117 (Robert, Sark.-Rel. II n. 34). Am 
Helm lebhafte Kampfscenc (Krieger stürmen auf eine am Boden liegende nackte Gestalt ein, hinter der 
zwei Rosse sich bäumen); s. Robert S. 49 f. Am oberen Rande des Blattes von fremder (nicht Heems- 
kercks) Hand: rtxrt romeymt UtlmtL siet Ur syden. Die Zeichnung selbst rührt wahrscheinlich von 
Heemskerck her. 

76* Composition von Perino del Vagaf In der Mitte Bacchus, oben nackt, bekränzt, 
mit der erhobenen K. einen langen Stab fassend; von r. kommt auf ihn zu ein gebückter nackter Mann 
mit erhobenem r. Arm (von hinten gesehen); 1, Stück einer hcrculesähnlichen Gestalt. Oben im Felde, 
tPtrinom. Die sehr leicht hingeworfenen Linien sind schwerlich von Hcemskerck; vielleicht ein Original- 
entwurf l'erinos, der damals in Rom thätlg war? 

77 Eros und Lamm, Relief. 

Ein knabenhafter Eros, geflügelt, überdies mit einer Chlamys um Hals und RUcken, schreitet gebückt 
rechtshin und schiebt mit beiden gesenkten Händen ein slörriges Lamm (Kopf und Vorderbeine abge- 
brochen) vorwärts. Sehr saubere, etwas glatte Zeichnung, wohl nicht von Heemskorck. 



Heemskerck I, Blatt 72' — 78'*. 11, Blatt 1 — 6«. 155 

78 Bär. Nach der Natur. Schwerlich von Heemskerck. Unten links Rest einer Beischrifl Kv. 

Rechts mit Bleistift »N. Z2t. 

78* Schwan, auf dem r. Bein stehend, I. eingeschlagen. Unvollständig. 

IL HEEMSKERCKS RÖMISCHE SKIZZEN, BAND II. 

1 Vom Neubau der Peterskirche. Dns sUdÜcbc Querschiff von aufsen gesehen; r, S. Maria 
della fcbbrc mit dem Obelisken. S. J. Springer Jahrb. il. prcufs. Kunsts. 1891 S. 118. Vgl. 1, 8. 
13. 15- ". 54- 60. 

1' Zwei Putti aus Raffaels Gemälden in der Farnesina. Der schwimmende Amor 
aus der Galatea, und der Amor mit den Attributen Mercurs von einer Stichkappe des Haupisaales. 
RötheUeichnung. 

2 Die Vorhalle des Pantheon, 

Facsimile; Jahrb. d. preufs. Kunsts. 1891 S. 122 (J, Springer). Das Innere der Halle von der rechten (west- 
lichen) Schmalseite aus gesehen. Die gegenüberliegende Östliche Schmalseite ist ganz zugebaut. Von 
der (nördlichen) Vorderseite fuhrt eine ziemlich hohe Treppe in die Malle hinab, die seigt, dafs der Pan- 
theonsplalE damals bedeutend höher war als heutzutage (vgl. Fichard S. 26 u. ö.); die Inlercolumnicn der 
Vorderseite sind auch bis Über ein Drittel ihrer Höhe durch eine Mauer geschlossen (vgl. Dupcrac, 
Vestigi Taf. 35). Über den Hpiitylien der mittleren Säulenstellungcn erblickt man die entlastenden 
gemauerten Bogen, auf denen das Dach ruhte. Rechts die grofse Thilr und die beiden grofsen Nischen. 
Vgl. II, 39. J. Springer a. a. O. (über die von Urban VIII. eingeschmolzene Erzbekleidung der Balken). 

3(21} Ecke des Palazzo Costa im Borgo Nuovo, mit eingeschriebenen Mafsen. Letarouilly I, 44. 
Vgl. J. Springer a. a. O. S. 123. 

3* Stück einer Palastfagade mit beigefügten Details. 

4 Stück eines Deckengemäldes im Stil der Titusthermen , vermulhlich 
ebendaher entnommen. Leichte Farbenskizze. 

Unten weifse Vase auf röthlichem Sockel, links leichte Guirlande mit schaukelndem Vogel, DarUber phan- 
tastische Architektur mit kleinen figürlichen Zuihaten. Ornament streifen. Leicht und anmuthig. Farben: 
schwarz, braun, roth, grUn, blau. 

4* Ornamente. Amphora. Relief mit Schwein. 

a) Ornamente, anscheinend von marmornen Vasen oder Säulenbascn; eines mit Flechtwerk, 
darin Rosetten, von einer Niscbenwölbung! 

b') Halbe Amphora, sehr reich verziert; modern. 

c) Vorderlheil eines Schweins, rechtshin; von dem borghesischen Relief mit den Suove- 
taurilicn im Louvre (Clarac II, 219, 312). 

5 Arch itektur. Aphrodite (Galateia). Ornamente. 

17) Moderne Architektur, Einrahmung einer Nische mit Muscbelwölbung, darin die Andeu- 
tung einer Statue der sog. Galateia, d.h. einer sich im Wasser spiegelnden Apbro<lite (z.B. Clarac 
IV, 746, j8o2 A). 

^) Antike Ornamente. Mäander, Riemengewinde, Ranken usw. 

5' Ornamente. Decken. 

a) Ähnliche Ornamente. Mäander und andere Verschlingungen; meist antik, 
i) Skizze einer gemalten Deckencintheilung; modern! 
c) Einiheilung einer modernen Deckentäfelung. 
G Reiche Architektur aus einer modernen Villa, mit Durchblick durch eine Arcade in 

die freie Landschaft. Über einer ThUr r. der Anfang einer zweizeiligen Inschrift HER'GOl MA{, Ge- 
meint ist Ercole Gonzaga, seil 1520 Bischof von Mantua, 1527 Cardinal, 1562 erster Präsident des Con- 
eil* von Trient, gestorben 1563. Vgl, Springer a. a, O, S. 123, 

6' Architektonische Grundrisse. 

o) Theil der Cons tantinsbasilika? Ecke und Ansatz von iwei Apsiden; im Gegensinne 
gueichnet ? 



A) Ldrlitc Grundrifs^lciifv mit viiigc«chrieh«tu:n Mafsirii. Dabei: Ctilis*« Ji r«ma, immJt(*.). 
.,. la dt fUfiM n\'f>ri j6 unü : , . iff Jftr->r i'ia f-UJt t^hpifti- tjo. | *[:j 90-^00. 

c) Gmiiilrifi uiwi Aufrir» einet Apsit, ti^wällil und niJE Nischen vcnicli>cn, anscheinend von 
tinoT Kircbc. 

"^ Der vaticitnUchc Obelisk mit der Kugel. 
Unteu Andciilung (In Imchrift. Hinten S. Mari« della fcbhte, die Gewölbe Act neuen Fctenkircbe tuid 
einige Hamniauen). Vgl. j. Springer a. a. O. S. 119. 

8(a7)Theil einer dreiseitigen Basis. Vasen. 

d) Dicisciltfc Bflii«. Ähnlich iV. I^ Ct. Vit. 40, aber d« Amor Itttet ein langes gewun> 
tlenes FmiliQiM mit Frtieliten und Ahien, de»*et> tnttcfv» Eudc et tuii der ^e^eiiklen I.. anfiiht, da» dann 
auf dcT I. ^chuller ia\\\, and nach detseii ottcrem Knnde die gehobene K. greift. Vciiictcr dct .Sontnwrii 

t) SkiifcD verschiedener Vasen; nnochcinend modern. 

8' Ornament streifen. Ägyptischer l.öwc. 

«) 2wci llrnamentstrclfcn, vcTiniiihlich von einet reich vcnt leiten }>iiulenb«<>i« spUcn Stils. 
4) AgypÜKcher LüWc, im Ohr und )iui]{en Bail aliwcicliend «an denen von S. Stefano di 
Ckco, später an der Cm»iloUiteppe. Vgl. tu I, 33, rf. 

9 ArchitcWturstückc. Der valicanischc ObeUsIc. 

«I Kori nthi«chc< Kai>ileII. l^bei einem Kand«ia1i AkanthoihDitler, darüber in der Mitte 
eine iltxcnde, mil Chiton »ml Mantel l>i-ileidrle FlUgelfraii, «on vom, mU den Künden je eine Irumpele 
anfa&Mind, deren Mund^iikk iti ihrem SchofKe ruht (FAms:). Darüber ein laubumwickclter Tortit. Die 
Ecke wird von Akanthus gcbildei, auf dem der vordere Ibdl eines flttgelrusti;» ruht« als ätUlie der well 
vorspringe »den Ecke der geicbweifien I'linihe, die »oro Übet der Frau mit einer Rosette gcschnUcht ist- 
AW-M<i fraiam) m.s.tasilh (in der 1683 i-meuerten Ucineri Kirche bei Ftuca Baiberlnit). 

t-) Kricli urnatiicnlicrtc ioniiche Basis mit duppclletn Trochilot, 

<) SlUvk einer Ba»i« uder Scbiauke. An der I^eke eine liej^cnde i;eflUi{eIte Sphina, diiUber 
ein gcbOinlcr Thicrkopf; in dci Mitte twei Mn»kcn an einer senkrechten Arabetkc. Moderne Nachahmung 
aniiker Vorbilder. 

J) Der valicanischc Oticlisk mil der Kufcl. Vgl. II, 7. Datkel: Li gH^kia Ji Osari eXa 
»am fktrt i hmga lant , rj. inrga pulma , //. *■ linst ml»rin p. J3. vm. S. 

f) Stück einer reich OTnamenliertcD ionischen Basis mit doppclteia Trochilos; der obere 
Tonu dmch kleinere Glieder ertctit. 

/) Bast«, uiHcrcs und ohcres Knde einer gUltenSiiule i'ßnsis; l'liniiie, Uubuiii wickeller Torus, 
Anlauf; Kapitell: AnlaaT, A^tineal, |/lastischc9 KymationJ, d^mnf vloe runde Basis. Vcreinrachlei Scbema 
der Traiansalulef 

9* Profile und Ornamente von architektonischen Gebälken. 

a) Gebälk rom Caslnriempcl nm Forum mil Angabc der Omamefltv und eingeschriebenen 
Mafien. Dabei: e/ tornii de li trti iolenat irrt lorltki. Vgl. De^godcti S. \X% 

^) Profile Tora Tempel des Antunin und der Kaustiua, anausgefllhrt. Dabei: .. .ow- 
tüiM (vom attgetchnittcnj. 

€) Dctgteichcn, von der tog. I'ortit:!!« der Oclavia. DAbei: JefiithrU. 

•f} Drei weitere iTofilc uhnc Bcj^ichnung. 

10 (33) Gemalte Wanddecora tion. K. und I. ron <wci WandslUcken mil Niitchen (ftlr Sutucn 
and daraber BUstco) cingcralunt, stehen iwci gewundene, stark vcrjungle kohnihüicbe Sialcn, iwisehen 
tlci>en ein halbrunder Ballon in den llinlergrnnd vorspringt; an dem Gelilnder lehnt ein Mann. 
Darüber Aiubljck in eine l^ndschafl. Nach Jaiiiuclteks einlcuebt ender Bemerkung CopEc einer gemalten 
Wanddecoration, vgl. II, 18. 63. 6j >. 

10* äkiiien am einem Saale mit Säulen, Gcvrölbiwickeln und Slichkappen, bemalter Decke. 
— Ein Springbrunnen. — Zwei Lunctten nül Puiti, 

11 Ornamente. Itetonden Coiuolen, eine mit einer kauernden geflU^ellen Sphina unter dem 
rulriiius. Anscbeiiwnd Alle» modern. 

II* Allerlei. — Profile Ton Fotlancntcn. — Skiu« tiitn benullcn Gewölbes. — Coosolr. — Zw*i 
Vasen. — Alle« modern. 



12 Ansicht des Forum gegen das Capitol hin. 

Vom CiiwOlbeioU-, tlahinlcr die drei Sitücn de« CulortvmpcU. Im Mtltclt^n<1v Itnk* HllUhCr, UUct denen 
det Satnni- onH ilcr Vnpasiantcmprli die Kirche von S. Sergio und Baci:o (llUJ^on, /iuü. vornan. |S88 
5- iSSfT.) ntit ihr«in incliT»|Ocki£eo Thurin, «Icr dorn Anschein niult licnilicb rctbnulr und vmchBttctc 
Scvcnisbneen tin<] die PhokASsiule sichlbar werden; dartilrcr die üunic Muse des Ca|>iI»Up.ila«irs, UI>eT* 
iDgt vriru niincUllL-iliiHien Tliuim, tlcc l.ll>clisk, dii- Kiichc iirnl dn« Klovicr von AtaccU in litcitei MfttBe> 
l>ie rechte Hälfte 'ier Ansiclit ist vorn fast leci, im lliiiteri;nin<Ic det <'ar.:er MameTlinUR, dlo nllc Vor- 
halle von S. Martinn und die Kirche S. Adriana mit vicrMßckiecm Thunn. 

13 d) Hui Tic ciDesruiial», ([cwolbt, mit vcrxicrtcn RiuitcapilulcrD und dorisclwm Fries, 
/tf tMfita lian Hratt U au Hntf al {Ttro dtt arte. 

i) Zwei Omndri««« mit runden Millelr&omen (einer mil claetn Labyrlnlh), von Hallen urkd 
Sälen itnn|rcbcn. Vjjl, II, 23 ». 

13* a) Reichi;e«ckinUckic* Burgtbor odet dgl., auf hoher (^Mderl)ilschDne. Ober dem Giebd 
ein Doppeladler. 

t) Zwei Grandrif^c, atitehcinend vuti einem Fallit mit laulcr (cebiecldgeo R.1umeni und 
voD dner Kirch« mit gr6(fiercr MiRcl- und klcinctea Kcltkuppcln. 

14 Circus MaximuK und Septizonium. 

CiewAlbctubMttiitionen det elienwiliijen riilidliclten Sititeilicn im Circi« (»gl. Dliperae, l'rstigi Taf, 9. Il), 
dahinter die sHduillichen SubMnictioncn des PaUtin; rechn da* Septfionimn, von hinten und vm der 
Slld«cilc gCMfaen, g*nc hinten dai Culoueuin. 

16 Zwei Helme und iwei behelmte KopT«, in phonuiuifchcii RenaUiBnccfonncn. 
IS' Sech* Helme nml ein Doppelkopf mit Mn^kciihelm, ebcuOi 

1^ S. Maria in Araceli, vom Ca pitoli^ platz aus, 

F»c«imilc: Zeihchr. f. .1. biUi. Kunst. N. F., II S. 187 (Michaela), Rcebt» der Obelisk. Vel. «.0.0. 
S. 185. (!■ der dort Anm. 4 anccruhneii ätcllc ai» Urlich«, üi/. Af/x'j.'»'. S. 145 werden die Worte /«a 
* «/ Ueai* de ekt-Mo elwu «i le*cii »ein ; /vigti tt (,ille (uh iil urehio). 
lö» Athenatorso. Marmorkratcr. 

«] Atlicnntorso, von hinten und von r. Sehr schlank, im hochecgfliteten Chiton nii( Apo- 
pt/gma, dessen beide l tod de 1 beschwerte Zipfel bi» unter das Knie herabfalleiK Im NacJien schmale, 
»chlangeobc^cixte Agit. R. Standbein , I. Idne lUrUckgcslclll ; beide Oberarme (eseakl. Vgl. etwa 
Oarac Hl, 473. *99A. 

b) UnTinorkralcr, von tinfen gcxehen. In der Mille das Eiti«atilocb für den Fuf» ; dann 
.Melonenschniiie« mit je »wci bJirtJßen bakchischcn Masken an den HcnWcUkllcn; darUliet Andeutungen 
bewegter weiblicher Figuren in Relief, oben icrbrochen. Zur Form vgl. den borghesiochen Kraler 
CUrac n, 130, 143. 

17 Zwei Helinc und ein Prerdchcln im Rcnftissancegeichraack. — Ornamenl im Cu* 
macbenttU. 

18 (24) Gemalte Wanddecoration. Halle mit awei Paaren gewundener Sttulen nnd einem Spring- 
brunnca; rech» AlitchlnlV darch eine Wand swuchen £irei Heilem, vor der iwei rer«(mcn auf einer 
Bank vor einem oicdnccn tische siccen. — Vgl. tu BL iol 

18» Omarocnie und l'bn einer Cn&c tiendcckc mit stell Ubcrftchncidcnden und kreurcrvdcn Balken. 

ID GemKide Links Minerva, gepanKcrl, mit Schild und Speer, nelien ihr ein Buch und 

andere Attribute, in bewegtet KallunK, nach All einer Statue vor einer Nische. Rechts auf heUcm 
Grunde ein mil einer Art Keule rcchtchin *tllnnendcr Krieger mit Helni und Mantel, davor Andeutung 
eine* flichcndcD nackten Mannes, ^om RQcken gesehen. Vielleichl StUck einer allegoiitchv« Composilion, 
etwa von einer Decorationsmalerei. Vgl. oben S. ijo Ana. Jt. 

19* Liegende Kuh. 8lci!>llfucichnung. 

ao Hof in dem allen Palazzo della Valle (Fig. 5). 

Zu Aldrovatulis Zeit cata di M. i'alrrio dt ta i'atU (S, ai6); vgl, unten Kinleilum; n\ .\bth, II (H. Kock]. 
a) Flufsgotimask«, gehörnt; vgl. die ^m dtih vtrifa und Aldrovandi S. 133 (l'aL C<ii). 
Vielleicht aui den Thermen Agrippn«, wo der alle Cudituü Andre« della Valle AusgratMia^rcQ vor« 
Utstallet halte (Flam. Vacca 53)! 
JtfcilJacii d*i irtkl«larl*Tk*n latiUMa VI. 




^) Die beillhmun rnntiaiuen. nnü^Mich im PomptriuMtic^icr (Viafi» «t«-! SmH) {cfunilm. 
ili« sclion um 1500 iIct rro^petliv» MiUim»« Si. ij erwübni, ilic ISIJ «Icn vulkiclirn rimmpblio£pn (U 
Ehren l^o« X ncbinilcktcn (RanMctiroiiiV, N. F., I, S. 300}, <lkc RiM. rcnimi ircicbiiclc (Sicncric) Sktucn- 
bncb Bl. IIJ, ilw frimaliccio für Fraiti I in Eti sithen lief* (Baitiri rirjoiiy, K/m/fi w tft /»ntft Ju 
/VimiUkv S. 35 (T.), ilie %e\i 1734 lut Hofe des cafMtalini sehen Muttnou lu beulen Seiten d» Muforta 
lleh«n tClarac rV, 72J, 1738). UaiOher: 

() KWine Kundri-licr«, nui anecdeulci. Am Frine; 

J) Seen« am einem AmaionetiVampr (beiitlenc Atnunne von thxem Krieper vttMgi), utid 
T. in der Ecke ctn SlicrschndrL 

f> /• S) PTvi Karkopbiec. r (rmcfell mit Pormitmcdnillon; / cnli iwd fcbwebcoden 
Krolei); g voifK mit uHdrulUclu-i Ii};utenicic1>ti Computitlnn, auf ilei Ncl>«nwiic ([eflHgclie Sphini. 

Sil Sog. Vcatatcnipel in Tivoli. 
Oho« die Ticppc. Am Kpiklyl GCLLTOi da» danutlcr Wfiitdüvlic Intcrculinnnium iil vermnuett und 
dadiiKh die Tlillt «-crdcckti d«iUl>et hmati» *itid noeli L riBe halbe und eine gan» Säule ohne Uehullc 
vorhanden, die jeui fvhlen. Olc ('annclicfung \*\ nicht autgefUhrt. Wand und SBulcn »ind ihcilwciie 
von Püanien llhciwuclierl. 

WAs^erfnllr tt«i TivaII) CkücUellc S«hr Anchiisir Skiair. 

2:! Qrshmal de» Papaie» Innocena WH, *tm Aatonio I'otkinolo, nach der alten Auf- 

Blellimi;. mil dem 5tarkopIui| nbeit in der Niiclie; «larDUef in der Wolhnni; Andeutung der Gemälde 
(■iii«etiile Cttrita« und ichwelfcnder l'uito rcebltl. Vpl. Toal, CAift d'^uitr Tnf. tis. Burcklurdt. Ci- 
rernne* S, 3H0. — Unten >oo nltritliUmcIndcr (»'i^hl Heem«l:rrirk«j Mand- .y/^ultutir (?) im isrlMm, 
d. b. tiiffMH •Meifiiit;«. V|;l. J. .'^iirintiet, Jnbtb. I. d, (iieuU. Kunst». tS«}! S. i>J. 



Heemskerck II, Blatt 21—31 v. 159 



22' Der vaticanische Obelisk, im Hintergrunde S. Maria della Febbre. 
Grofse Zeichnung. 

23 n) Kleine Skizze aus einem Innenraum mit gewölbter Nische, in Tetchem Renaissance* 
geschmack. 

6) Skizzen von kllnstlichem Deckengebälk. 
'2'i " Grundrifs eines qu ad raten Gebäudes mit Hallen und Zimmern, einen labyrinlhartig an- 
geordneten Garten umgebend. Vgl. II, 13. 

24 Gemalte Rankenornamente. Hafen von Ostia. 

a) Rankengewinde mit eingelegter Guirlande. li /oliami foloritti. il fatone verde. Der 
Grund innerhalb der Ranken negro, aufserhalb aznre. 

t) Leichte Rankenverschlingungcn; der Grund llieils azuro, theils negre. 
e") Porto de ottia. Schematiscber Plan des i^echseckigen Hafens mit umgebender .Stadt und 
gewundener Aus&brt ins Meer, mit vorliegender Insel. 

24'>- Sphinx. Amphora. Masken. 

") Agjrplischer Sphinx, mit dem Klaft auf dem Haupte, von hinten gesehen; Hoden 
sichtbar. Vgl. II, 26*. 

b) Amphora, anscheinend von Metall. Wohl antik. 

c) Zwei Masken, eine bärtige grinsende mit gewundenen Hörnern, eine weibliche mit 
Kopftuch; wohl modern. 

25 Kamin. — Aufsteigende Arabeske mit figürlichen Zuthaten. 

25" Kamin. — Stück einer Kanne. — Runde Basis mit sitzenden weiblichen Figuren, dann 
sich verjüngend; darauf ein unten spitzer, nach oben sich verbreiternder Hermenschaft mit drei (oder 
viert) Köpfen. 

26 Stück einer reichen Wanddecoration, Renaissance. — Am Rande Skizzen dreier Gefäfse, 
eines Helmes, einer weiblichen Statue und eines Aphlaston, letztere beiden vielleicht antik. 

2ß' a) Ägyptischer Sphinx (61.11,24''), nach links gelagert; Kopf mit dem 
Kaft von vom, gröfser. 

b') Pilasterornament, Renaissance. 

27 Kamin. — Pansmaske. - — Kanne und Vase, vielleicht antik; jene anscheinend von Metall, 
diese von Marmor. 

27* Kamin mit Rusticamotiv. — Skinze eines Kamins mit Beleuchtungsvorrichtungcn, beson- 
ders am Mantel. — Leuchter. 

28 Ka^ade, dreistöckig, mit Rundbogenfenstern, im Erdgeschofs sehr grofse ThUröffnungen 
gleichen Stils. — ThUreinfassung mit toscanischer Säule und Triglyphenfries. 

28* Amphitheater von Nimes? Mausoleum von St. Remy. 

a) System der dreifachen Bogenstellung eines Amphitheaters. Dorische Halbsäulen, sehr 
einfache Simse und rusticaähnliche Behandlung an den Säulen. Das unterste Stockwerk nur in der 
oberen Hälfte gezeichnet. Auf dem Epislyl des untersten Stockwerks: al plat, an der Halbsäule des 
sehr gedrückten zweiten: lenger, neben denen des dritten: groUr. Vermuthlich Nimes. — Daneben 

Details. 

b) Halber Aufrifs des Mausoleums der Julier von St, Remy. In den Verhältnissen und im 
Einzelnen recht ungenau, Vgl. Ant. Denkm. I, 13. 

29 Stück Wand vom Saale eines Palastes; zwei Abtheilungen, ThUr und Nische. 

29' Reiches Ornament, Ranken und Figuren; Renaissance. — Stück vom Aufrifs einer ThUr 
mit Giebel darüber. — Stück Grundrifs (vgl. II, 13. 23'). 

30 Kamin. — Reiches Cartouchenwcrk mit Figuren (Frau, Pane, Knabe) und Fruchtgewinden. 
30' Kamin. — Verschiedene ThUrhekrönungen. ^- Neben einem Thorbogen in Rustica (Kw 

Porta [fie] i): ei eornii e le largrsse del moJeon bthort i>i:/i7(i) hrett ti si. 

31 Helm für ein Thicr (Pferdf), — Tafelleuchter mit gewundener Säule. — ThUrbckrfinung. 
— Cartouchenwcrk, 

31' Eintheilung einer Decke mit eckigen, kreisrunden und ovalen Feldern. In einem ovalen 
Felde: KENT V. SELVE; in einem anderen: padede vermach nieer dan 'öreeht dur <an. 

12* 



j6o 



MtchaelU, Rßinisc)ic SkUicnbücfai-r nordi&clicr Künstler. 



ä'2 firkbe» Car(oucbcnw«t k uml andere Omameiitc. ^ Niscbenumrahmting. 

32v Reiche« C'arlouchenwerk. 

33 Stuck einer Wanddccorntion: Frie!i, hnlbrtinde Ntschen, gewölbte Decke. Alles rvlcb vertiert. 
33* StUck cincT Occkcncinthcilung mit Stictibappcn. 

34 Rt'ichcr Ornamentfrics, in drei Reihen über einander; kann antik sein. 
34« a) Ägyptischer Sphinx mit Kaft, nach links gelagert, nicht identisch 

mit n, 26*. 

/>) Decke ncinihu-ilung. — nrnamente. — Va*c 

^5(l3)Rctv'bv Kaininciiifmttini; mit wcililicher Henne ali GebKlMiKecnn. — Otitainentv. 

36' Zwei Kamine. - Aiiftteigendc Afnhctken. — Kinrclne Ornnmcniinolivc. 

STi Grolse Ansicht den vaticanischen Hügels von Norden, vom Monte della 
Creta aus. 

Im Vordcfcmnd Aiv Valte 'MV Infeniu, in der MitU" »uT iler H(i!ie da» Belvcdcrc Inuocetii VIll, dK« 
■eine schönste Front hicihcr kehrt, (l'ber Rog c n« ubi i tu ci innen titc l.nggia u:openn. tlte {^ofaen Bogen- 
fenster der jetJdjccn Galleria dclle Statue mit den ht-iden Vot«)>tUnf;en der Stanica dci Butli |cin«t Ka* 
pcllej tind defGabinctiü dcllc MawUcie; tiicdrigci Üli<r«[oi:k und Zinnpiikrnnji.) R, ein Nebenl)au fjet«! 
Weitende der GalL d. Stxiuej, dann cm Cyprc««ng*Tten , von niedrigen HHuMm einge»chlot«en, bi» tu 
einen) lliurm, darauf ein lnnge> niedrigciefi Haucntllck mit (idiSudcn und ThUrnicn, hii tum tarriotu. 
Link« lieht «tlIj die iaiif^c Gallcrin di Bramante bts lum valicanisclien Itauptpalast hin. Kin breite? 
>Vcg fuhrt ati< der [%bcne hinanT cur Noidosicckc Ans Bclvvderr, neben der Treppe Bramante«. In der 
Ecke unicn icchti Ilcctnikcckt Monogianint. J. Springer a. o. iD. vergleicht einen llhnlichcn Stich von 
Baltli. Jeniclicn (Andiesen n. 379). 

3G * Andeatung einer dreistöckigen Architcklur. 

S" Nervaforuin. Putcal Albani. 

L. die Reste de* Tempel» der Minerva Cln»chrift am Pric^ in iwei unvülKlIindigen Zeilen: 
MINKKL'C-.MNKVA* 1 EKSMI'ÜECHOMO;;, noch wcilcr I. drei niedrigere, den Colonnaccc enl- 
«prccbcnde SKulra, r. dl« Colonnaccv mit dem Bogen der Unirastungsmaucr, Matciiell liemlich Obcreia- 
■limincnd mit dem Stich Dopmcs (Beschr. d St, Rom III. Taf. C), aber viel genauer in Wiedergabe tie« 
/.u«tandct der RuiiKn. Vgl. II, 50. 82 v. 

Vom rechts ein grofsc* Puceal, oben lerbroclien, so dafs man in da« Innere hineinsieht, mit 
drei Figuren; offenbar die «Ära« der Villa Albani Zoega 96 (Fig. 3—5 sichtbar). — Auf der Rück- 
seite in fluchtiger Schrift: Jatpta [t iwcifelhaft). 

.18 (10) CastOTicmpcl und palatinischc Substructioncn. 
Link«! die drei Suulen de« Ca^lortempeU. in der Mitle GvwOltic von der E<:kc de« PaUtin*. hinlet denen 
recht* die Kiindkirche S. Tcndont berrorblichl. Recht* vom eine Brlleke, im Hinlergrutid der Avcntin 
mit einer der Kirchen (S. Nabina F). .ähnlich der rechten llttl^e von Duperac, i'tttigi "XvA.T. 

38* San Tcodoro und palatinischc Substructioncn. 

Rechts die genannte Rundkirche. hinten Rainen de« l'nlattn. namentlich link« die Eckci ilatwben Aus- 
blick auf die drei faulen de* CasturlcitipeU und weiterhin auf Tor de' <'nnt>. 

39 (ja) Vorhalle des Pantheon. 

Einbück von aufserkalb der rcchleii (wciilicben) Nebciudiv au« <vgL li, a). An d«n Capilellen isr noch 
Mniichi:* erhallen wa» hcnle fehlt, (icivon «lark l)c*clüidigt. Zwttchcn der EcksBulc und der rülclulcn 
ist eini: Bude, /wtEcben den folgenden Situlen eine Mauer eingcllickt. davor Steinmetxcn. Zur Mauer 
Und den tief im Boden Meckcndcn Siiilcn vgl. lu II, 2. 

40 Stadtmauer und Thor. 

Recht» ein Tborliau, durch W allerlei In ng , dreifaches Inschrififrld nnd Thor mit RuUicaUaltxUulen und 
Cichel darüber an l'orta Maggiorc erinnernd; aber » isl nur eine TliorfiGTouni; da, die den ganzen 
Raum zwincben den lUlbsUuIcn einnimmt und gradlinig schliefst. Link* im Hintergrund Sllkke der 
Sindlinaucr mit vielen Bugen, aber auch bCber emporragenden Bauten (Thllrtncn!). leb kann dac Thor 
nicht nacbwciMn; die l'orta S. Lnrenxo kann es kaam »in. 

40* Skiiie einer liUgcligcn Landschaft mit Bergen im ElinlergrwMle. 



Hceinskcrc]! 11. Blati 32-48. 



161 



II Rcti^rfties. Link» Wappt-n (iprcnecnclei Kcitcr rfchi«hin), tin Delphin, Knabi-i» mit 

BchwUncf), PruchtKuirlan«k. 

42 Triionin mit phantaittfchen Flügeln; omtuncnta]. 

43 riliertlictl cini^r Kanne mir ligtlilichem Schmuck. 
43' FlUchlige Andeutungen. Feder und Bleistift. 

44 RanLcnornamcnt mit Drachvn. R», Scbl&ncc, Knaben; etwas ubwcr uml llbcrlftdcn. 

*■'> Sog. Boycn der GoLds<fhmtctlL>. 

VoD hinten g»chcn. Am Pfeiler r. liL-inn Relief mit Oprenlier, an der IntienKitC I. die beiden Relief«. 
l>urchhltck aur die Kckc der dachlo^vn Vadiitik' von S. Giorgio in W-Iabro (vgl. II, 93} und hohe 
Gcwntbeniincn vom l'nUttn: rechts weitere Ruinen vora P«latin. 

45* FIQchtijEC SkitK«. Wasicrfall und Boulicbkviten (Tivoli?). 

46 Brunncnbeekcn. Marmorscliitle. Pulcal Farnes c. Kanne 

<■) Brunnunbcckcn mit \Vappcn»cbtlil, einfAcb. 15. Jithrti. 

i) Flache Marmor« cholc inil liohc-TU Kuh, icrbrotlicn. Antik? 

t) Runde» Putea) Farneie in Ncnpel n. 257 (Mut. Bcrf>. 1, 49. Garjfiul«, fliui. I, A9\.). 
Sichtbai Zeut Knie, Ares, Apollon, Attklepiar. Pa» KjrmiUton oben und unten angedeutet Ucr moderne 
Fuf« fehlt. IIa* Monument befand >ic1i lu Aldrnvandi«, aUo wnM auch in Meemtkerck« Zeit im ttua Ji 
.V. Si^fAitMi' iltl Bufalf dütrv S, Ataria in via, i, Aldr. S. 28;. 

ii) Kanne mit Masken. Kcnai^ioncc. 
4' Stück des Colosscum; malerischer Gesichtspunkt, 

Unten recht* von neuerer Hand, halb abgecchnittcn: Af. tltfmktrtk. 

47' Palatintschc Substructioncn, Südeckc; vom Raum- und Buschwerk. 
Vgl. n. 87'. 
48 Halle im Hofe von Palazzo Mcriici (später Madama) (Fig. 6). 



Flg. 6. Hof im faluzo Medici (MadamaJ. 

Vsl. I, 5. — Vom L die icrofsc Schale: hinten auf der niedrigen Abscbluf^mauer Fobe (1. h.) und 
ander« BruchilUcke, auch ein klvinci TortO'. am Boden eine Console. An der Halle entlang von L; 



|62 



Mubaeli«. Römitcbc Skiuenbiicber noiiliKhci Kunsllcr. 



a) Kleiner To(«r>, nadcutlich. 

fi) hitiendcr Torso, dem bei rcderii dien ähnlich, aber reit etwas Gewand über beiden Obcr- 
«chenkclD und an dci nicdri^n Bafti«. Dai allein eihaltcncl'nlrr^tUckjcUt to NeapclfjUbi. iArr^. VI, Tilellt.). 

f) Frauvtutntue, vielleicht Tyclic (KUllhotn im 1. Arm!); im Motiv pinigetmarKn iri« Clane 
III, 4SS, 827. Vicildchl Neapel n. sSi (Clarac llt, 506A, t036A)t 

1/) Diony^iOft: Neapel n. 120 (l.'iarac IV. 67SK, I5K6>. AMtnvaniti S. 1K7: mw /iMttt igititüt 
/«r ph. t*£P<'f^ '"i ^rfud« mtimto mfira mm ftfiHto fitiw lii mti ma m»H ka ttitn, nt mami. Vgl. tll, 3, d. 

t) Kauernde Aphrodii«: Neapel n. 307 (Clane IV. 606A, 1410); vgl' 1,6*. Aldtovnndi 
S. tSS: MIM ytMtre igMMt/ii Oiiüa t tAinalu gut in eile, fAt/vre cke ii euc/ra Jimaßai <oh U mani. «m man Im 
mi U mtmi, tti *" */*». 

/) D)on)r«a* Und Ern!>: Neapel n. 96 (Clara« IV. 691. 1637). I><t Eto» rnii ik-n FlUgeln 
deullichoT I, 66, ^, Aldrovandi S. iSÜ- um attrn Hwt» f-urt i^rntttfn atwi f^/b, mi,t e Mtna ia Uila t tt ^lutia; 
vi i MM trvma (t>n irt. t cum um itfft taffUo: t uto tut oÜtm lUtua pm ^t»la igmida, stmta lala Mi traaiä, t 
tftoA una gam^it, Juf/i titmi Jt HU marmo slftt*. 

g) Aphrodite: Neapel a, zSÜ; vj;!. die älinlkbe Statue Clarac IV. 603, I3J3B. GtObvi I, 
66, a. AldTovandi !>. 18S : vm dfimt ignuJa Ja U teitit iu lii, ma stma Utla mf trattia. 

h) Arintogcilon: Neapel n. j6 (Claiac V, 870, 2tOjA), auf ictncr ovnlen Banit. Aldrnvandi 
S. 188: unc Miitiiina itatMo icfra ia tost itrl marm« isltn« tem tim affa ät j(am^ tfortilt': ma U •Homame U 
troicioelaUibu Kcmcrhcnswcitli ist, dal« der Mannodtoi. Steh nicht in der Nahe befindel. 

i) in der Halle: Mlnnlicbcr Torfto, vciniutblicli der Verwundete: Neapel n- 30 (Clarac 

V, S70, 3310}. 

k) Drei lattnnlichc Torsi (gant r.) nlcbl ^nau erkennbar. Aldrnvandi S. |S8: ui lor$i 
MMtifki, tlmqui IgmmJi (i i t), auvo togala (tj. 

V.i ist kini daC« es »ich um farnctiEcfac Antiken liandcll, die aogefllhrlcn StUckc fehlen aber 
in den VertcichnisMii de« Palar^o ramcKC (auch bei Atdrovandi), de^^cn tlalle llli^rdie« nicht gemeint 
»ein kann. Daceuen fubtt Alle» auf den damal» vnn Oitnvio Farntie und icincr Cemihlin Mari^atete 
von Österreich bL-wohiitvn I'iUiio Mcdici (»iidler Madaina). In Aldiorandi». BL-<clircibunK der ^«m Ji 
MaJama (S, iS7Ff.J »Itinmcn die oben fiegeW-ncn Bezeichnungen faM nucb in der Reihenlolgv mit der 
Abbildung (es foli;! dort die Bcschrdbung der atuUschen Zutuen, von denen hier nicliu lu sehen ist, 
die aUo m lleemikeick« Zeit andcrawo anfbcwahrt wurden). In dem Inventar AitSfCi l'ala\ii-> aas, der 
zweiten Hälfte de» 16. JaIitIi. (/>>v. intJ. U, J77, vgl. S. WIj etbctint man ebcnfnlU leicht in Hrn ersten 
Nummern die Staluen gh/tJti, alto ofTenbar noch immer in wesentlich der gleichen Rcihcnrolgc. 
Ubs Cambridger Shuienbuch (von etwa 1583) kennt die kauernde Aphrodite (^), den Arisiojjcitun (itj, 
einen Torso (i) im ptüai tii ifuit odet duck« oder duckr pclavia oder fallai Jt ämek dt oitavUi (Cambf, U. 
>4> 39- S9)t d. h. m ebendemselben Pab^t. Auch lu dem Kiofsen FuTs auf der Mauer lafst sich vergleichen 
Aldrov. S. 189; M*/A a/Iri /rugtuitti./ra i fma/i vi i un fUdt di cotat« di mariHf rtiitoMdn und Dtn. intd.: 
MM fiedi itMM ca(«f$a di fittra roua. 

48' Zehn Skiiien nach Madonnen und heiligen Familien, etwa im Stile Kaflacls, vielleicht 
thrilwcisc eigene Enlwlicrc. 

<9 Sog. Tropäcn dt:5 Marius in ihrer alten Aufstellung auf dem Esquüin. 
Vgl. Dup^rac, Vistigi Taf- 27. 

49* Ruine eines Kuppelgcbäudcs nach An der sog. Minerva Mcdica, ver- 
muthlicb in der Canipagna; mit Mauerresten und rechts einer Brtlcke. 

^ (*J Reste vom Minerventempel auf dem Forum Nervas (vgl. II, 37), von 
der vorderen r. Ecltc aus gesehen. 
Sichtbar sind folgende »icben Srtulcn und eine Ante (die achte Haulc I ist durch 6 vcidccki): 



\ 



Heemskerck II, Blatt 48 > — 56 '■, 163 



an den durch den Strich bezeichneten Stellen mit erhaltenem Gebülk (auf dem vorderen Epistyl: EOMCf); 
endlich im Hintergrunde eine kleinere Säule mit Gebälk (10), eine von den der dortigen UmfaMungs- 
mauer vorgesetzten Säulen, Die Süul«; 7 war zu Duperacs Zeit schon gefallen. Werthvollc ErgÜnzung 
von dessen Stich. Vgl. II, 37. 82 •■. 

50' Aussicht von Araccli auf das Forum. Capitolinischcr Congius, 

a) Aussicht auf das Forum, ähnlich wie I, 9. Die I'almc nur angedeutet. Der Tbumi 
von S. Sergio e Bacco (vgl. II, I2j ragt im Mittelgründe hoch hervor, daneben eine undeutliche Angabe, 
vielleicht der Apsis. 

i) Capitolinischcr Congius. Hoher Cylinder, oben von Löwenköpfen umringt, unten 

gegen eine Säulentrommel sich verbreiternd. Am Schaft: COC -UINt- Beschr. il, St. Rom HI, I, 
117. Forcella, /sir: 1, 7, Rrtni. Mitth. 1891 S. 10 Ann. 25. 

51 (3S) Der Neubau von St. l'eter, von SUden gesehen. Facsimile: Jrdirb. f. d. preufs. Kunsts. 1891 
S. 120 (J. Springer). Vor dem gewölbten Unterbau der Kuppel ist S. Maria della Febbre mit dem Obelisk 
sichtbar. Rest der C'onstanlinsbasilika, Vorhof mit Thiirm , Loggia delle Benedizioni (vgl. II, S3)- 
Sistina, Appartamento Borgia, Ecke des Flügels mit den Loggien, Cortile dl Bramante, Belvedere. 
Vgl. J. Springer a. a. O. .S. 119. 

,^1» Landschaftliche Skizzen. L. Berge; r. ein von Mauern und Thilraien umgebener Platz 
auf einem Berge. 

52 Das Innere der l'eterski r eh e w.ihiend des Baues. Nach einer Copie im Soane Museum, 
die 1. und oben etwas votUtan<iiger, unten siürker be^cliniltcn ii^t, ptibliciert von GeymUllcr, Entwürfe 
Taf. 24 (vgl. S. 324). 

53 Der Platz vor der Pe Iit ski rch v. Besonders interessant durch die breite Treppe I., 
neben der eine der Apostelstalucn von Mino steht, unil die von I'ius II begonnene, von Julius 11 be- 
endigte loggia ilcllc hened'r-ioni , eint einfache grofse dreistiickigc Halle von je vier Bogen (vgl, 
MUntz, Lfs arts II. Taf 2, Les antiq. S. 14. De Rossi, Bull, comiin. 1887 S. agöff.). Fagade der 
Constantlnsbasilika, Gloekenthiirm, Eingang zum Palast, Corlile di San Dama-^o. Das Blatt verdient 
publicicrt zu werden. Vgl. J, Springer a. a. (). S. 119. 

■■»S" a) Antike Gewölbe. Für mich nicht bestimmbar. 
h) Stück der Inncnansiclil eines gerundeten Baues. 
Die dicke Wand, conc.iv gerundet, zeigt acht Nischen in dreifacher Reihe Übereinander, unten thlirförmig, 
darüber lUnettenartig, oben ungefähr quadratisch. 

,54 Ansicht der Peterskirche im Bau. Das südliche (JuerscUiff von aufsen gesehen. Die 

Gewölbebogen für die Kuppel sichtbar. Rechts im Hintergründe S. Maria della febbre und der 
Obelisk. Vgl. II, 1.60. J. Springer a. a. O. S. 121. 

54 T Cestiuspyramide. 

d) Sehr /erstört, Inschrift angedeutet. Stadtmauer im Hintergrunde, von innen gesehen. 
b) Dieselbe, von aufsen gesehen. Rechts Blicke auf den weiteren Verlauf der Stadtmauer. 

55 Gewölbe von den palatinischen Kaiserpalästen. 

Von der SUdeckc. Darüber hinaus im Hintergründe der Conslantinsbogen und das Colosseum. Weiter 
hinten S. Pietro in Vincoli? 

56 Der Titusbogen von der Seite des Colosseum aus gesehen. 

Eingemauert in seine mittelalterliche L'mhilllung. Oben die Inschrift SE NATU S !/*'/«//« ^uf roinanus\ 
dmotiU) <iiaith'spasiiin^\ vespasiano auguslo. Im Bogen r. clas Triumphalrelief angedeutet. Durch den Bogen 
Blick auf das Forum (Tempel Castors S.aturns Vespnsians, Phokassäiile, Kirche von Scrgius und Bacchus 
mit Thurm, Severusbogen mit allen drei (Öffnungen in betrüehtlicher Tiefe freigelegt, vgl. 11, 79). Im 
Hintergrunde der Capitolspalast mit seinem Thurm, und I. darüber hervorragend ein hriheres Gebiiude 
mit einem Thurm und einem grofsen Tliorbogen (mir räthselhaft); r. Araceli und davor der Obelisk. 

56» Constantinsbogen. 

Mittlerer Durchgang mit Andeutung des Schlachtreliefs mit der Victoria {fntiilatori quielis); beiderseits 
Säulen mit Andeutung der Reliefs auf den Basen. L, Blick auf das Colosseum, r. Andeutung des 
Septizonium. 



IG4 



Mlchaelii. ROmlKbe Skinieiibacli«T narditcher Kuniilcr. 



ST Vier bekleidete Fraucngcstaltcii. FedtTzeichnung. sorgfältig mit Tusche 
Ausgerülirt. in etwas abweichend er Manier. 

An><:licini;n(l nicht Coftien ontibKi Stainca, suDdcrn itn anükcn GcKhmack nfuDdimer GctUllcn, von 
einer M4)vri,'l cnileiint; itllcnriU* fchr M»V likHücIc niilibc Toikj. Alle vier Figtirirn Iragcn Chilon und 
Mantel: >ij xicrlicli nacb r. hcvci;!, bebt über der t. Schulter den Manicitipfcl, na«h diin auch dkc L. 
gicifl; t) itül »cbT tctcbcD aln-r dnxliau* malcniclicn Kaltcnmotivco , «IHtat dk K. in die HUfte und 
r«fit raii ilet gesenkten I« einen Tktil de» MinieU: <) ruhiu tichcnd. mit r. Sundbein, den t. Atm £e- 
icnkl, dvn 1. im Mantel vor der Hrti^t; </) recblshin gewandt, aber lUrUckblickend, mit i)hnli>:licr Ann- 

Oben iwci Fcdcnktiiffn: f) ein Geiicbt, in der VerkUnani; von unten fcictcluict; /) «in 
rantkofir oacb linkt; «-(['■ '■ 68*. 

68 Vcr»chtedenc Skisicn. — RcicbEc&ehuiacktcT Bogen mit stuckvcniertcr Wand darüber. 

Durchblick auf balbverkchUttctc Mauern und BoKcntlcUun^en , wie vom Coloncum. — l'btn einer 
einfachen Villat, daneben at ghtAtei 3Sb{\). — Wandeintlieilung, darunter af^aU aO) '^"^^'' ' 
(Keft ab^cschnitlenj. — Verschiedene Ocfafitc, — Allerlei Schiff»ilicilc und Ähnliches, uniermi^cht 
mil ( lprcr),>t:Tilh, wrthl von einem Kriege nach Art des ca|iitoliniiicben I, 21. 53- 

J>8» Arcosolium. Kapitelle. 

d) Gin Arcosoliam, TiellcJcht nut einem Columbariuin. Mittclniiche, halbrund, mil K^^lUtC'Ucii 
und tcbwebeudcn Figuren an der Wund und der Wölbung, umrahmt von vcnterlen korinthischen rilaitcrn, 
rif^urenKCtchmaekleni Epiflyl und Giebel, ebenfalls mii Figuren. L. Über einander «wci Bogcnni*chcn 
mit viereoWeem GrundriK Andeutung weiterer Otnainenie, «. Th. Thivricichen, In cirvem Fri«« und 
auf der I. Nehcnwitc du An^nmoliuin. — Skifien Jugend lieber Figntcnt FlUgelknabe auf einem 
Thicie mtvnd; geflügelter Jniigling; JUngling mir rcilnm, 

>) Compositaknpilcll. - Kapitell mil Tropaton (tlarniicb, Helm, ächilde); an dei 
1!<:U vinc Nilcv mit galbichef Thiertrompctc (T&fiuv Rr,^i^«|M^f J : ■■Dt"' ^^'^ Reihe AkanthnsbUtlur. 

t) Verschiedene Vaten, Unlertitltic «.«.«■. hi reichem RcnaiMance«iiI. 
■V» Ruinen von Gcwolbubauteii. 

Vermulhllch von einer der Thermenanlagcn, oder vo«n l'nlalin. Kin paar l-'iguten al« Staflafe. 

.'»!»< Ruinen von grofscn Kogcn und Gewölben. 

Ebenso. VMin Thdl Andeutungen von Cutcllcn in den Gewrtllrfn. Rechts Bayme. 

bU Neubau von St. Tcter. KinblieV von Norden in den Kupiiclriutn, niil den halbrunden 

AbichlUMen des ljuer«hiffe»; Andeutung der alten Basilika, r. die Haupliribuna mit eincni Noihdaeh- 
Oben weiden Iciehie Anfange de< Tambour» »ichtbar. Vgl. II, i, 54. J. Springer a. a. t). .S. lar 

(iO* Desgleichen. Skii/c de« südlichen t^uenchilT», um ein ijiockwerk forigoch ritten eigen 
BL60: I. die beteila eingedeckte Ifauptlribuna. ilarObef der 'rnroboor im Beginn dc# Aa>baue». Rechts 
die HflKilikn nnd S, Maria delln Kebbrc k-ichi angedeutet. Vgl. J. Sjinngcr a. a. O. 

CA Zwei moderne Gemälde. — a) Ein König, thronend, *lrrckl die R. gegen einen 1. 

knienden Mann an«; hinter diesem vier, recht« Illnf bekleidete Gesiallen, «. Th. in lebhnflet Bewc- 
eung. — *) Ein Krieger »u Wagen wird von Kriegern za Wagen verfolgt, während Kneger mit 
BMatifchen Mltlaen seinen Koam» in die /Igel hllcn. Vom ein Gefallener. 

Cl * Nach moderne» GcuiHldcn. — ii) Madnitna. nach 1. litjcnd. den r. Kufe auf eine BaMf 
setiend, ein BiiLb in der R., blickt hinab auf Je-u* und Johanne», die nelKii ihr «(»H-Ien. Im -Sinne 
der Schule RafTac!', (Mit Tluthc ou-.gi-fMhil.J — *) Aufblickender Frauenkopf mit kunstlithcr Haar, 
iracht, von vrmi und nach linl«. — () Stehende Figur, Rellnna^ mit Widdciknpl und bl.-iitattigcr 
BedeciimK der BrUtte am Taiuet. 

lii Vier Grabmonumente aus Pal. Ccsi (alle ohne die Inschriften). 

a) Die Fortuna-eiic (Awrt/J vom Ciabslein «Ic» <J;. CSeiliu» Feron {L'od. l'igh. 135. Ct.t. 
VI, i 188), dniiials im l'al. (,:e*i (BoiMatdlll. 48), üpÄler in Villa Albani <?.oegB 15. Denkm. a. K. II, 
73t 94»)« l>«* PUasler r. ist rolUtlUidig gwciehnet, die Figur verstümmelt wie jeut 

*) Cipplis des L. Stttia» A«Iepladcs (Crutet 830, It, mit Ganymcde* der i!en Adler trankt 
auf den gemndcien ncckcl (Boiaiardlli, Sj in <f«m^ Caalana), jetit in Villa Albani (Anm. 1S66, C, s. 
Ovcrbeck, Kun-timyib. II. %Ai, (). 



Heemskerck 11, Blatt 65" — 81 167 



Ti Ein Theil des Colosseum. 

Durchblick durch ein verfallenes Gewölbe in die Arena und auf die gegenliberliegcnde Seite. 

72 Ansicht des Capitolsplatzes. 

F«csimile: Rom. Mittheil. 1891 S. 11. Zcitschr. f. bild. Kunst, N. F., II .S. 186 (MichaelipJ. Links vorn 
der Obelisk, dahinter der Scnatorcnpalast mit der zweistöckigen Loggia von 1300 und der breiten Treppe 
(vgl. n, 92*), auf deren Geländer die Löwengruppe angedeutet ist (vgl, I, 61). Rechts davon der Blick 
gegen den tarpcischen Felsen (mit Angabe des GalgensVJ, noch ohne TreppLnaufgang (vgl. Fichard, 
Frankf. Arch. 111, 30: /i>ii Pulalium hoc [Co»s<-rz-a/t>rni>i]- /■ e f hoytos rata Hur aJ rtipem Jhrpiiam prope 
foniuiutam ,- est auUm illa, ubi nunc quoque fatinorosi civis /ümii/ii puniuntui). In der Milte des Hinttr- 
grundes der Conservatorenpalast von 1450 in seiner alten Gestall. Vor der unteren Loggia die beiden 
Flufsgoltstatucn des Nil und des Tigris (vTiberis ), liier zuerst von Fulvius, AittiqitU.. 1527, f. XXI 
erwähnt; darüber die Wölfin nach Art eines Wirthshausschildes (vgl, Kijm. Millh. iSyl S. laff.J; indem 
letzteti Bogen links der grofsc Erzknpf 'Domilians (»Commodus- J. Vorn r. die Seitentrcppe, die vom 
Qtierschiff von Araceli zum Capitolsplatz hinabführt, mit einer Säule daneben; s. 11, lO. 

73 Skizze einer grofsen halbrunden Nische. — Halbrund aus einem Festsaal, mit fünf 
grofken Nischen (abwechselnd von halbrundem und oblongem Grundrifs) und cassettengeschmUckter 
Wölbung. Das Ganze sehr reich. Am Rande Einzelheilen, theils leichtes Kankenwerk, theils Gesims- 
pTofile A — E. 

73* Architektonische Skizzen. — Grundrifs eines Gebäudes, ~ Halbes Thor in los- 
caniscb - dorischem Stil, mit Thorbogen, doppellen Halbsitulen, Triglyphenfries, Allica. - Leichte 
Wanddecorationen mit phantastischer Architektur, gewölbten Laubgitlern u. s. w,, etwa im Geschmack 
der Titusthcnnen. 

74 Decorationsmotive. Ranken, I'hantasicthierc, l'utti, Kngetsköpfe u. s. w. Sehr fein. 

74' Nach einem Gemälde. Zwei Pfcrdi; an einem Streitwagen , lebhaft aus einander sprengend. 

75 Wanddecotation, Leichte Skizze, aus atciiitektoni sehen und figürlichen Elementen [Frauen, 
Knaben, Triton, Ziege, I'an) gemischt. 

76 Ubertheil einer Kanne, Renaissance. 

77 Leuchterfu fs, auf Adletkrallen ruhend. 

78 Skizze eines Seehafens. — L. auf der Spitze eines Molo ein niedriges K;islcll, von 
rundem Thurm überragt; weiter r. gegen das Land hin eine längere Rundbogenhalle, gegen das Meer 
durch eine niedrige Mauer abgeschlossen; dahinter und rechts eine auf steilem Felsenvorsprung hoch- 
gelegene Stadt mit hoher Mauer. Genuas Ancona! 

79. 80 Ansicht des Forum, vom Capitol aus. 

Vom in der Mitte die drei Säulen des Vcspasiantcmpels, und unmittelbar dahinter die Kirche der h. 
Sergio und Bacco mit ihrer Apsis und niedrigen Vorhalle (Hülsen, Bull, comun. 1888 S. 1 55 ff.J und ihrem 
mehrstöckigen Thurm (vgl. II, 12. 50 V. 56), L, davon der Severusbogen, bis auf die I'linthen der 
Säulenbasen aufgeräumt, mit einem Thürmchen und anderen Resten des mittelalterlichen Aufbaues; dann 
unansehnliche Häuser und ganz links der Marforio. Im Hinlergrunde werden theilweise sichtbar der 
Mioerventempcl und die Colonnacce des Nervaforum mit der Torre de' Conti, sodann S. Martina und 
S. Adriano, weiter ein Stück der Constantinsbasilika und zwischen den SSuIcn des Vespasiantempcls das 
Colosseum. Rechts von hier die l'hokassSule, darüber S, Maria Nuova und der Tttusbogen mit derTurris 
Cartularia, dann weiter vorn und rechts die <lrei .Säulen des Castortempels, ganz rechts der Salurntempel. 
Zwischen diesem und der I'hokassäule moderne Gebäude. 

Die weiteren, z. Th. sehr grofsen Blätter sind in cigcntlmmlicher Weise ein- 
geheftet, um Vorder- und Rückseite sichtbar zu lassen, dabei ist aber manchmal 
Zusammengehöriges zerrissen und Unzusammengehöriges verbunden. Daher liefs 
sich die Folge der Blätter nicht immer innehalten. 
83' + 81 Thermen. Sarkophag. Kleineres. 

a) Grofsc Baulichkeit mit vielen gewölbten Räumen, von mehreren Giebeln und Bogen überragt. 
Vielleicht von den Diocietiansthe rmen. 



löö Michaelis, Ri>mi$che Skizienbticher nordischer Künstler. 



/•) Sarkophagvorderseitt;. Zwei Knaben (der dritte links fehlt) tragen zwei l'"ruclil6chniife, 
darüber 1. ein Eros auf zwei Seelciwen nach r. reitend, r, eine Nereide, vom RUeken sichtbar, auf ein 
Seethier ausgestreckt, ebenfalls rechtshin sich bewegend. 

c) Trapczophor, aus Löwenkopf und -bein gebildet. 

ä') .Schale, Renaissance. 

81 »+8:J Ruinen im Giardino Colonna. 

a) Schräg von unten links nach oben rechts aufsteigende Mauer mit zwei Reihen von Bogen- 
öffnungen über einander, rLxhts oben überragt vom ^og. froHtispicium iVeronh, dem Rest des nurclia- 
nischen Sonnen te mpels. Dieselben Ruinen von der entgegengesetzten Seite bei Uuperac, Vesti^ 
Taf. 31, rechte Hälfte. 

ii) Stück einer Felderdccke? "pM F I" den Quadraten Masken, in den Streifen Ranken; dazu 
geschrieben; ii falUami verdi in campo verd scuro, und: el tampo negro li tfsU eolorite. 

82'' + 84 Das Nervaforum, 
Ahnlich wie II, 37, aber dem Stiche Duperacs ähnlicher, auch im Punkt der Aufnahme. L'ber den 
Colonnacce rechts steigt hoch die Torre de' Conti auf. Die Kirche mit Thurm im Hintergrund wird die 
jetzt verschwundene Kirche S. Ciriaco sein (s. Bufalinis Plan). 

83 rt) Platz, von alten Mauern und Gewölben umgeben. 

Vielleicht aus einer Thermenanlage. 

I>) Skizze einer reichen Giebelbekrönung; modern. 

84* Ecke der Constantinsbasilika. 

Darin ein Stück verkröpftcs Gebälk. Es ist die Ecke gegen die Vorhalle hin. 

87»H-85(45) Kaiserpaläste und Septizonium. 
Die linke Hillfte 187') mit der Überschrift ROMA QVANTA FVIT Il'SA RVINA DOCKT zeigt die noch 
heute erhaltenen mächtigen Substructioncn der Kaiscrpalästc von Süden gesehen, im Vordergrunde Busch- 
werk (vgl. II, 47 v). Auf der r, Hälfte das ■&//; zoniumt, dem Standpunkt nach ähnlich der Zeichnung 
Dosios bei Hülsen, Septizonium Taf. 2, dem ErUaltungszust.tnde nach noch etwas besser als ebenda Taf. 1. 
Zum Ganzen vgl. Uuperac, Vestigi Taf. 13, linke Hälfte. 

85* Arabeskenfries. Are hitek tonische Details, 

86 a) Der Sarkophag der heil. Constantia. 

Der l'orphyrsarkophag {Alm. P. CUm.\)A, ll), damals noch in der Kirche der h. Costania bei S. Agnese 
fuori le Mura, mit seinem Deckel, aber ohne dessen dachartigen Abschlufs; mit seinem damals üblichen 
Namen sepukro de btuco bezeichnet, vgl z, B, Boissard II Bogen J, 4. Franzini in der Roma ant. 1687 ,S. 237. 
b') Schale: eine Muschel auf einem Schlangcnknäuel ruhend. 
80*' Steiler Felsen, mit angebautem Hause; etwa in der Art des Mons saccr, jenseits S. Agnese. 
Wohl sicher aus der Campagna. 

90'-|-87 Gewölbe und Trümmer. 

Die linke Hälfte (90») zeigt eine Gruppe noch aufrecht stehender Bogen und Gewölbe, die rechte (87) 
einige höher gelegene Reste mit angebautem verfallenen ilnusc; vorn grofse herabgestürzte Gewölbstlicke. 
Etwa aus den Carac allalhermcnf ? 

88 Gefüfse. Leuchter. Kamin. Gesimse. 

88 >■ Sarg mit Masken und Schlangen. 

8ä' d) Blick auf das Septizonium. 

Etwa vom SUdwestahhang des I'alatin aus. Rechts Subslructionen des Palatin , links im Mittelgründe 
das Septizonium, hinten eine Andeutung des Aventin. 

l>) Kleine Kirche mit eigenthümlicher hoher Kuppel über der Vierung. 

S)0(48) Verschiedene Vasen, modern. 

90* Antikes Schiff (anscheinend Reconstruction). — Verschiedene Schalen, modern. 

91 (5) Schuhwerk. Colosseum. 

a) Sandalen und Riemensebuh e, anseheinend nach antiken Mustern. 

i) Stück eines gerundeten Bogenganges aus dem Colosseum; Gewölbe meistens eingestürzt. 



9l'+92 Grofses Panorama von Rom, vom carpeischen Felsen aus genommen. 
Auf einem Steinblock I. tlie Jahreszahl 1536. 

■ •ojSm (*o) Inne und 0,17511] hoch, mii anincbmcnder SorefnJl duicbiiefulitt. Hie iin<1 da «inil dicNninea 
d« Gebäude angv-gebcn. Zum Sundpunkc vgl. Fichard, Frankf. Arch. III. 70 rj Hin [/«/c Tarftia\ fttl- 
iäerrimui f>atit In uritm ^rptftettii ; j. üpTingm Acinalimc eine» idealen Stund punkte* ist nicht haltbar. 
Uer Tarpeischc FcU bot. damal» anbebaut, rine ficic Rtind(«hau. Du Bild uinlarii den tiauxcn Rundblick 
vom Abfall des Aventin mit S. Sabina bii lu S. Maria in CoMnedin und wied«nitn dem Aventin. Das Mittel- 
flUck, das Cnpilol. facsimilieil; Zbcbr. f. d. bild. Kumt, N. K., II, iS; (Micbneli*). Ua> iianxe Blait 
wird im nOchsicn HcTle der Ant. Denkiu. II im Facsimile mit einer Erlitulening de Ruitnii, «rüclicinen. 
VjL einstweilen J, Springer, Jabrb. f. A. prcuh. Kun\l>^. 1891 S. lajf, 

32'-i-9a Ansicht des Vclabrum und des Palati n, vom Aventin aus genommen. 

0,78m lang UD«I 0,10 H) liocb. Wohl als Eri;ilniiunK der vori^n Anticlil gMcicIinct. Vom Capitol bis 
lum Septitoniutn reichend, von .S. Maria in Co^medin au« aufgenommen. IntercsKant find die dciitlict)cn 
Reale der Untcrwhlbungcn für die Sit»lufcn de« Circii« Hniirnu« (vgl. II. 14J. Auch dic^c» Klait wird 
in den Ant. Drnhni. II crscheinun. 

93* -«-9i Der s (Id liehe The il der Kaiserpal äste, vom Circus aus gesehen. 

Wohl ebcnfnil« alt KTgtintung ilc-i t'anoramfis gcricbnct. L. Ulick in» Velahrtim bi* tarn (Icicbt ange- 
dfUlclen) *og. Ve^tatempcl, r. das Seplixoniiim. 

94* Stück des Colosseum, etwa von der Meta Sudans aus gesehen. 

rif. r.INZP.I.NR BRUaiSTÜCKK 
AUS HEEMSKKRCKS RÖMISCHEN SKJZZEN. 
In den Paradigmata graf>kiees varhrum Arufumn von Joh. Episcopius 
(Jan Bisschop), Haag 1671. die nach sehr verschiedenen Vorlagen gefertigte Stiche 
antiker und moderner Kuiistwcrkt; enthalten, tragen die Tafeln 36 und 37 die Be- 
Zeichnung licemskcrk ex marmure anttq. Sic umfassen folgende dreizehn Eigurcn, 
die sammtltch oder fast alle ohne Spiegel, also im Gegensinne gestochen sind; 
um die Ideniificiemng zu erleichtern, stellt die Beschreibung Ubei'aU das Ursprüng- 
liche wieder her (also links, was im Stiche rechts ist u. s. w.). 

1 Taf. 36, WeiblicJie Gewandfiguren. Zwei Reihen, die erste mit voll- 
ständigen Statuen, die zweite mit Torsen. 

I. rtj T3 nie rill! Sic Irin mit dem r. FuTs vor und trägt ein lebhaft bewegtes, am I. Bvin oOcneti 
lakoaiscliei Gewand, das nur auf der r. ücliultcr \}crviii£t> die I. Schulter und Biust frei lli&i. R. Ann 
mit einem GewandiipCet vor dem Leibe, 1. Ann gehoben, Knpf dorthin gewandt. \V(^hl »tark crgUnii, 
namentlich im Obetk^iper. 

b) Frau in Chilun und Mnnt«l. in einem >elit beliebten Mutiv (i. B. Claras- Ilt, 312, 2340). 
Em wohl dein ErglLnici nngeliflrigcr Mantehipfcl, der gegen die Übliche Anordnung; von der r. .'%chullcr 
brnbhftngl, macht die Identität mit der nur na* Montfaucon bekannten Statue Ciaiac III, 438 E, 793 J 
wabtsch ein licht xumal da auch die Ahrcn UbrreinstiinnieM: nur ii-t der Kopf nicht vcr»ckleiCTt und der 
I. Ami stärket emporecbogcn. 

f) Midchcn Im Motiv der »oe. Diana -vud Gabii, vemiutlilich die Replik im PaL Doria 
MabcDuhn 675, Clatac IV, S73, 1*27. deren Eclitlieit dutcb die Zeichnung gegenüber den Zweifeln von 
Mau dnigcrniafien beglaubigt wUrde. 

II. ■/) S. cu I, 33, a. Kopf und beide Hilnde fehlun. 

/) Ähnlich wie Lnrch t, f, *. unten. Kopf und Arme fehlen. 
/, g) S. I, 33. *. c und vgl. Lorch 1, d-f. 

3 Taf. 37. Sechs männliche nackte Statuen, säjnmtlich vollständig. 

I. «) Dionysos mit Panther. Wenn im Gegensinne gctmhnel, so enttpncht das Motiv 
vinigcrmaften dein in der Gruppe Clarac IV, 694, 1633, doch ist das I. Hein dun Standbein, die 1. Scbuller 



MAiker i;»i:nl;t, •S'ii L. inii einer Traube i^eeen einen ain Boden liucndcn Panther getvcittL Ut die 
Zciehrunc da^j^^n im rictiligcn Sinne vicilerf^cechcn, io lifüi «ich CUrnc IV, 68g. 1617 vergleichen, 
doch fehlt die Stutze, tU* I. Bein tHt utclil %a weil (uilK-k|[c*telIt, die I. Scliallcr viel «tärlteT gebubeu 
und die lUml auf deii cpbeubckiiLncleit, aber nicht lanKlockieeii Ko^f i^cleet. 

i) l>lony»ofl, tiemllch lel>hifi mit dem r. 8ein vnr«chretlend, neben detn ein gtrtht* Thlcr 
(Hand!) ftilcL R- Aini gctcnlil, der I. ge^en die HUfte gcba);eti und \em einem Ocwand odei Fetl um* 
gebra. dessen BeCettieuntt am Körper iikhi angegeben Ut fwobl »icbcr rrfcAozi). Der lockige Kopf gegen 
>ciRe I Seile geuei^jr. tht Ifigux «chcini mndem oder minderten« »ebr ttirk erginil tu Min. 

r) Per autruhcnde Saijrr («ig. reHboctoi), ohne Flbte oder Pedinn in der R. Da* Eiern« 
))Ur ItCtt «ich ichwerlitib beMimiueii. 

[L •/) DioTiy«o». WabrtchL-itüich der rKtnemcbe tn Neapel n. izo fClarac IV, 678 E. 
tj86), den Heeni->kerck 11,^8, </ ohne Krcümungeii gc/eicltnct bat. Die dop^ietle Sinrir s^iicht (vir 
IdKnllttti jeduch steht die Figur Meiler aiit dvtu r. Bein und dax I. steht dichter am wemum rankten 
SlNnim, die L. hilf nkhl«, in der cibobcnen R. iai eiit Imkct Stab angedeutet, da» HaapI inl ltuRlocki|;iM 
und oline Kran«. Handelt e« sich um eine r:ri;3nxun)2 r^ui daich den Jteichner oder den Stecher f Die^ 
Fruf^e erbebt sich bei mehreren Figuren unactc» Bluttut. 

r) Der grofüc tantcnde Salyi der VUI« Bnrgbcic, ttama dit Faun.; t-larm: IV, 717, 1714. 
Die EigUntURt; «cheini scbon die gleiche i«ic ht-uie, dnch iM dci Fichlenknnf nicht kenniiit.-h, dns t^cdnui 
etschetni wie ein grnf«cr Knochen oder Bauraatl, und die StUtie (ehii. I>ieStanu: lifil sich, «0 wiejetit 
etgSnxl, luent im l'at. Cevuli (Sacchetti in Via Giulia} nachureii^en [Praniini, !iom\ [i$89) b, ij. Cavall. 
ni. tV [.I594]>88). In der ersten Ausgabe ron Vn^cnriu« [1584] hat sie keine Vnicr9t:hrifi. in der neuen, 
durch den Zu).BtK fi^rtt bnd auf dein Tilfl kciinlltchen hdfsl r« lietcit» /■'•Mtnus i^>wJ CarJ. Bltrg^nmm 
<Sclp. I'affarclh-Borjjlie«* ward er»t iboj Card:njlJ. 

/) Hetriies? wnlu^cbeiiilich im riubli^en Sinne Kcicichncl. Rot-eh Vdrschiviiend, mit dem r 
Beiae VAnn. Üie rhUmy« i«t auf der r. Schulter lMfcMi;^t, iit>cr die I. lutitckge werfen und um den 
votgeattrckten I. Arm hl nllbetgeoc hingen {l»ei llcrraei beliebtem Motiv vgl, *. B. Clarac IV, 660, [^o. 
66611, ijt6). Der r. Arm im abwUrls getticckt. Der kbliafi Itcnegie. telcht blrtlge Kopf, vnn einem 
0»iclit«kelm n)il Buscli und FItIgebi bedeckt, t«l kicbci modern: '>b clwa auch die Beine und da» gante 
lebhafte BeweKungsmotiv} 

3 Ketlcrzeichniing, laviert, im Berliner Kupfcrstichcabinct n. 2783. Mil 
dem vollen Namen MUt-vm&kerck umJ darunter der Julircszatil 1355, die aber dunklere 
I-arbe zei^l und ohne Zweifel npäler hinzuj;eriint ist (vgl.S. 130 Anm. 29), viclleichl 
als CS sich um den Stich dicbcs HIaltes durch Uirlcs Vulkcrt>ucCoornhacrt (152.2 — 1590] 
handelte, der mehrere Blatter nach 1 leemskcrclc gestochen hat (Naglcr. Monogr. IT, 
544 n. 1428). Ucr im Gegensinn ausgeführte Stich hat die UnlerKchrift : i^telantur 
fiarc antiquilafis vtomimenta Romtu, in n^iiiitHs vutgit iUctis <it' Zassc, d. h. Sassi (Fig. 9). 

I>a« llauK der Familie Sa t«i im Kinne Paiinne (Nnlli, fi-inla n. 416}) hebt AII»rTlini, Ofittu. 
Jf mirat. nrth R-tmite, 1510, S. 61 ■ ue^en seiner Atiliken hervor: iu Ji'm^^&uta apuJ i'.trün/in (vgl. Mar- 
tinelli, AVmij f» tthnUa tacrü S. 83) itiat sliUttve pHltA/rrimM mtttau<reM tt pi-rf-hyr/tko lafiiJt stulptM, 
tmm ttfitt tt Hhtk (nicht im CiU, wohl modora) Afagnl J^rnfti. Vielleicht meinte er datselb« Hau* S. 83 *, 
vo CT die mit Kunstwerken gc^cbiauclctcn iAhhm/ dt l'a/U tl Sax»lii lusammenitclll : sie waren einander 
lietuckbart. Auch die ülteren In<ichri(l«ainndungvn kennen Bvncdcito und lppc»1it<i SumI (C/l.. VI, 9337. 
t3l1o(f;. 13068, 13786. 13845. 16098. 1674S. I7<>06. 21271. 324Q3. 33975; Nachweis von Hülsen). 
Uhne Zweifel i»t da«sellic Hnu* von Fichaid (1536) gemeint, wenn er nach DcftchrcibtUi); der l'alSsIe 
Valle und Cnpranko fuitOlhit: im ratiem ffatta, ttJ multa ittferiut til itomtii ^noftiam intutJam th-ii, in 
alrh ü^trhit et ifta fgrfgioJ mhtlOi AaifMt itatuat, Juat pranfrtim, alteram tx ^r/Arr» m uJJa itJentrm, 
aikr-iai fx IridiM litfiidt stafiteiH, utram^ut tlfgatttiitiman <t nitro hitmanam stuthram, mitJüirft. /hiJfm 
ft tgrfgJHi MmHriui fF'nitikf. Archiv tll, C<>f. Darauf folgt der nahebei liegende drille PüImI della 
Valle). Die« SchiMcning i*t am Heemikerck« Zeit. Ali Aldrovandi in Rom war. 1550. war üer Hof 
gerilumt und die Antiken waren ron Fabio Saaii dcnFaincie* überlaxicn (wie auch Vaiari I, 109 Mil. 
angibt)) in deren damnl» nniem Falul Aldiovandi ein« niici)<le >Roraa> von Porphyr (ä. 150). eine 



gricchiicIicT SaikophagrcUefE (Mali, Arcb. Kcit. 187a S. 16 Anm. jj}« *>'' ^*^ abgckantc DATsIellung da 
Rclicr» in ViUa >k-<l!ci. MiU-DuIik 3741 i V)tl. t. 4- 

f) Krüftigor mKnnlicbcr 1'nrso, von bintcn g«elien, 

i/) Silcvntlei Aprttlon, vollbekleidct: Neapel 2llA (von Porphyr), CUnic llt, 494A> 
9aäC. MtfTd, ftatci^tia 53 (KIcupnini}. Vgl. Fidiard (oben) und Aldrovandi S. ijo im VA. FaiMsv: 
VA btUhiiiUf timufarra Ji nmi A'irnht Irianfaittf atiua, e maggiorf ätl natttratt; tl h» .il 01^. i /miU, t U maiti 
ron NJW fiMo Jt!Ie tritttia Ji imn:^, ihr ha quasi foltfi äi aurithali«; If res^ fpi i tti f'rfiJ*. toit marm'iglhi^ 
arl^i«/alU. /*m ritrsriata in t'arrient in t-ua M \f. Faiitr Sana. Vasari I, I09; in taut Ji figiti« t dt h'tAio 
Sau« nt [von Bgypliichcm Grftnit] fiflfi-a tiirrt uhu figura a uJere iti traasa frt t mctsi: innJottii a ifi m'ilri. 
mt U rtita dttk aUrr UMm, Ih fota Famtit. Die jctsigen Etsäniunfcn von wcirsem Marmor iflhr» von 
Albaccini bcr. 

f) Sog. IkarlosreKef: Neapel 515. Ounir. ffin. dtt Grftt !. 784. Vgl. AHrovandi S, 154 
(m Pal. FoTDcsk' : n«o fav^ta marm^rea, dt»' i di Meaa eiUve un SiUno. r/u ivna ißauti: vi i un Prijfv. cen mta 
dantta r*i* A""*''* *"' ' *"" Cftl'mni{i) totto (aiidri;» Rtlicf! Inllium!) ran allrt Mle figtire, Ca altra a ^uisla 
limitf li vtdt »j» cwirt iM RrX'tTtitditi. Mvni. Miffti (I, 3 ', i/J. 1568 i» der Hhrrh <!*« Pal. Faniete [Um. 
itud, I, 7;). Vgl. ftauner. Ncuatl. Rel. S. toi i. 

/) Bärtige Bll<itc mit <jcwrundun([; .-im Picdota! eine InnchrifL Wohl Alliertiniii »Pompeiu»*. 
VicUcicki AMiovandi S. 154 in Pul. Kamotc: Mna tt$N fi>I fette vtstitß di Civcr m<tggifire dtt naturuU. 

g) (neb«n d) «in Relief, antchdnrod der Trapeinphor in Neapel xo8 (Hecm^k. I, 40*, i); 
man glaubt Hcn Kcntaun-n und t. ilcn Schwanii dci Skylla nu erkennen. 

4) Zwei kleine Grabcippen. 

1) Aphiodile, «og. Venu« Gcnelrix. Wolil Neapel 6. Clarac fV, 632]-*, 1449D. Nicht 
Ulentixch mit der von l'iciwrd gcDannlcn Slalur, Vicilrichl Aldrovandi S» 153 im Pal, Katncse: nna 
damita Saldna in taptUt e»n la Vfflf gillata in tello: A emvrta ttttto in fin» d fitdi, f»ari t/u /a uu/i dfl^fta 
tiniitro, <Ai f igmtda. 

/: — p) Hecht Torsi, inciitens mSnnllch, m anuheincnd weibücli. Diuin iwei tokcliiift- 
ai«Inr. 

f) Ein Gralii:! ppDi^; v)jl. C. I. I.. VI, 9123 urnnla ^uadrata variis umtftttirts ormitn ; u*f-ra grrii 
tafmt aiaiHin; ir^rä iHfra ^ttm tehimnula inttr dttot gryfAffrut; dtxtra et tintttra Uttert muh fiVM/ ntdifitH gtmu. 

r) Ein Torso. 

1) Herme« Farnoc, jctit im brit. Mnseurn, Gr. Anw. Smlff. 171. Braun, Kunslinylb. 91. 
Die pDrsflUccl der JGirigcn Ersanzung sind nicht ecicichnct; der (nniikc) .Stamm neben dein r. Bein iil 
uichl tiehcT etkcnnbar. Ohne Zweifel Ficliiirtl« egrtgittt ührturuti , aber (chwcrüeli tdctiiiocli niil 
AldrDvnnilis itutna di .1/ Anff/lp /mp. ; Ika fit iiia vtU* rnfolta tu ttt tpal/a t ia ttfreggia df/ lue jl^r« nttortata 
at eett» t ptmlttü* (NBIJ. Pt riirx^a in taut di M. Fath Satti (S. 151J, noch auch mit dcsstllicn Mrr- 
ruri» ifftuJt', ia pii-di; Aa /t alettr in ttilit m/ <^ftUi> (NB!) t nt pitdi, et An nella man tiaiitra il mt b^tttmelio, 
dtntt itn» dno Jtrfd «nfM (dies wUrde klimmen) ... Ifa quetfa itattta nna trnd-i tu tt tp^ttt. t dinami »I frtt» 
(^H\), ehe glitt M*/gr iteHfiutitf mannir: ia Mua teitae aii'derHa (S^A) (S. lS9f.). Da )cnrr aM. AareU auf 
unMrcm Blatte fehlt, su «clicint es daTi im Il.iutc noch mehr Antiken rurliandcD waren. 

Zum Schlufs die Rcmcrkittig, dafs die von Jahn, Sachs. Bcr. 1868 S. 172 
erwähnten Kupferstiche im Cod. Pigh. Bl. 213 — 230 nichts mit Hccmskcrcks 
römischen Skizzen zu Ihim haben. Sic bilden nach MitiheilunKcn J. Springers und 
Conzcs eine Reilie von Ileemskerck erfundener, von Phil, und Jan Galle gestoche- 
ner Phantasieansichten der octo mitndi miraciila (Pyramiden, Pharos, olympischer 
Zeus, Helioskolofs [spreizbeinig], Aitemision in Ephe^os, Mausoleion, Mauern Ba> 
bylons, das Colosseum mit phantastischen Zuthaten, Relief der Wölfin und einem 

Kolossalfufs mit Sandale). 

Ad. Michaelis. 
tScbluffl folgt.) 



DAS HOMERISCHE PEMPOBOLON 

In seinem .-> Homerischen Kpos«' S. 353 hat Heibig den Versuch gemacht, 
ein besonders in den italiänischen Museen zahlreich vorkommendes antikes Werk- 
zeug für das homerische Pcmpobolon zu erklären und hat zum Beweis dafür die 
Medeafigur einer Berliner Vase, welche den betreffenden Gegenstand in der Hand 
hält, abbilden lassen. Aber das fragliche Werkzeug läfst sich seiner antiken Be- 
nennung nach noch heute bestimmen, und es läfst sich erkennen, dafs seine Ver- 
wendung eine andere 'ist als für das homerische Pempobolon angenommen worden 
war. Es ist die antike xpEa^pa', auch Xüif);, äpTra-fTj und ISaujn^p genannt, deren man 
sich bediente, um aus einem Kessel in dem man Fleisch kochte, die einzelnen 
Stücke herauszuholen. Das lehren ganz deutlich die antiken Zeugnisse. Vgl. schol. 
Aristoph. eq. 772 sKo; £pY«>£tou y.i'(£ipixr){i xetpt Trapsotxo;, [lovjv l-/xsxoi}ijjilvov toü; 
SaxTuXou;* dvitiStaa ~i Cs3t«, oi4 t^ "ri? /sip«; jitj xat'iaOai. Es bedarf keines besonderen 
Hinweises, wie genau hier das in Frage kommende Instrument geschildert ist, und 
Stellen wie Aristoph. eq. 772 xat t^ xp2a",'pa t5v fipyiTiiatv IXxii'jitjV ei? Kspfltjistxöv 
finden ohne weiteres dadurch ihre Erklärung. Unter den Geräthen welche ein Koch 
mitbringen mufs, sind bei Athen, IV (169 B) aufgezählt Ztojir^pusiv tfipit;, ißsUoxou; 
Stüosxa, xpsa-j'pav, Öusiav, t'jpoxvTjSttv ita'.Six^v u. s. w.; bei Suid. s. v. xpsa'-ipa wird sie 
erklärt als [la/sipixiv spY^XsTov iv l7Ti7pa(i.{iOiTi* ojxoü xp;a','pa t'^ aitrß'iiaxiCh^; ferner 
heifst es in einem Epigramm (Anth. Pal. XI 203) von einer wahrscheinlich ziemlich 
langen und von vielen Vorsprüngen besetzten Nase ä^xiJTpov vauiai;, fy'^r/^ä-^oii xpsa'-'pa. 
Vgl. noch Aristoph. vesp. 11 55 xataöiu -,'2 {ievtoi xal xpsa-fpav, tv' ics^-ij; [is irpiv Siappor,- 
xs'vai »lege auch eine FIcischgabcl zurecht, damit du mich herausziehst, bevor ich 
zerkocht bin^;. Auch auf dem Medeabilde der Berliner Vase hat das Instrument 
keinen andern Zweck als den, als xpsa'Ypa zu dienen, vermöge deren Stücke des im 
Kessel gekochten Widders herausgeholt werden könnten. Ganz deutlich zeigt sich 
der Gebrauch der xpsa'Ypa auf einer Pränestincr Cista (in Paris), deren Bild in den 
M6Iangcs d'archdologie (1890 T.6) veröffentlicht worden ist und umstehend nach einem 
von der Weidmannschen Buchhandlung überlassenen Zinkstock wiederholt wird. Wir 
werden hier in eine Küche geführt, deren Insassen in verschiedenen auf die Zu- 
bereitung mannigfacher Speisen gerichteten Beschäftigungen dargestellt sind. Beson- 
ders wird unsere Aufmerksamkeit durch die rechts befindliche Gruppe zweier Männer 
in Anspruch genommen, von denen der eine mit einer Keule in einem auf dem 

') Schon Dennis, The citics and cemclerics of (Helbig, Epos' S. 354) xptiyfi'x, er glaubt jedoch 

Etrurjn P S. 411, nennt ilas regelnitifsig mit elicnso wie llelbig, dafs sie dazu gebraucht sei, 

Kuchenutensilien zusammen gefundene Gcräth um den Braten auf oder Über dem Küste tu- 

snmmenüu halten und davon ahzuhchcii. 
Jahrbuch dei trchiiilogiichrn Initiluli Vt. fl 



«74 



Kiii^elinann, Das homori>clie i'tmpnlioloii. 




Feuer stehciKlen Kessel rührt, wälircml der amlere 
mit dem Instrument, welches uns beschäftiget, der 
Xj>£ii7pa (mit 7 Zinken), Fleisch aus dem Kessel 
herausholt, um es auf seine Schüssel zu lcj;cii ■'. 

Während die einfache Form des in Fraj^e 
stehenden Instrumentes (von einem Kreise j^ehcn 
fünf bis sieben gebogene Zinken aus, vgl. das unter 
No. 2 abgebildete dem Werke von l-'urtwängler, 
Uronzen von Olympia unter n. 1197 entnommen ein 
Olympia gefundene Geräth) hierdurch in seinem 
Gebrauche genügend bestimmt sein dürfte, scheinen 
Weiterbildungen desselben, wo nahe dem Stielende 
noch ein Rintr oder zwei weitere krumme Zinken 





2 (etwa I : 6) 



3 (etwa I ; 6) 



angebracht sind (siehe beistehende Abbildung 3 
eines der im Berliner Museum befindlichen Instru- 
mente, No. 1680), der Erklärung zu widerstreben, 
da zum Herausholen der Speisen aus dem Kessel 
diese Zuthaten durchaus unnöthig und folglich über- 
flüssig erscheinen. Auch ist die Gröfse einzelner 
Exemplare eine derartige, dafs man kaum recht 
an eine Verwendung in der Küche denken kann 
(vgl. Mclbig, Epos* S. 354f.). Aber die ^oz'i-;r.'x 
hatte noch eine zweite Verwendung, sie diente 
zum Herausholen der in die Cisterne gefallenen 
xa'S'ii, vgl. Hcsych. s. v. hüm;- l Jp-as T(uv v.; -A 

9p£^Ta (tTS3ÖvT(Uv) xaOl'aiKUV. PoliuxXßl £[ 0£ /^i i/. 



") Die liistUririun ili's Üilitcs liiclen ninnchc Schwit- sind, so ilafs <iif Lesung sicher stein, ilürfif i- 

^ riKki-iti'n; solaiij^e «iii-st-llurn nicht nachgejjrllfl gcratjifn sein sicli eines niiliern l-'ini;elicns ibmut" 

zu enthalten. 



Kiigelmanti, lia<L honicrisolic l'viii)ic)l>oli>ii. |7C 



(ppeoTtov f, Xaxxtuv xh uowp äirovTXsic, Sioi Sv axsutuv ävT^T?,f,'i;. avi^.ia;, Eii'iviäc, iinivt'i;« 
XCÖ.OU, a/otvi'*!), xa^'(U, tpo);a?.ia;, ta'/a 3k xai xYjXiovsi'ju* \lipr^ 5i Tp'i/ciXi'a; t'jvi« -^riniii 
öSovia- T(Ü 51 rpojosi xai äp-a^T;; xi! xpEa*,'fia; xii Xüx'jo. 'jorm ■ap ix^'X'.uv T'i oxstl») 
f>tc fjü; ^xÄsa'jVTa; t5v xa'owv ix Ttüv ttpsatiov äv*3jrii»v Ztk -j-ap xai xp!a'*,'pav xaX'iüii Tf,w 
äpTta-'TjV, S()Xor Iv 'Kxx/.rjjiaCotlaat; 'ApiSTO^pavr,; Xr,(ov 

ti Sf,Ta xpsa-j'pa; X'iii xaooi; (üwoiiüir äv. 
Vgl. Hesych. s. v. äpra'-Tj- l;au3Tr]p' loTt tu* oxiuo; I/ov 'i','xivo'j;, i(> t'i'jc xa''j'j'j; äwa- 
QKÜotv etTTÖ tSv cspsanov. S xat Xiixo;* und dasselbe s. v. xpia'Ypa* sv (j afpsioi tä xpia* 
ap7rflf|rj xai X'ixri;, äv in Ta ix t5v 'ipsaTfuv ävsXx'/u3tv, M;in bciliciUt; sieb, um diw 
Wasser aus der Cisterne zu holen, eines kleinen Hronzcjiefafses, des xa'/j;, den man 
an einem Riemen in den lirunnen hinabliefs; den Kiemen wicUelle man unj eiiur 
Rolle (vgl. Jahrb. d. Inst. V S. 171, wo Tyro im lict^rifl" ist mit einem snli-lien 
Apparat das Wasser aus dem Hrunnen zu schöpfen); das an heraufnehiillu Wasser 
füllte man in das gröfserc Gcfäfs, in welchem man das Wasser nach Hause lrai;i*n 
wollte. Natürlich mochte oft der Riemen aus tler Hand gleiten und dadurch der 
xav-; in das Wasser fallen; war er noch nicht gefüllt, dann schwannn er oben, war 
er schon gefüllt, dann sank er zwar unter, aber die hölzerne Rolle, an welcher der 
Riemen befestigt war, schwamm auf der Oberrtäclte. Um diese oder den xa''/.; 
selbst heraufzuholen, bedurfte man eines Gerüthcs, mit welchem man in den Hrnnneii 
hinunter langen konnte und welches geeignet war, den xa'Vj; oder die Tp'j/aXta leielil 
zu fassen. Dafs das Instrument, welches schon als xpsavpa erwiesen ist, zu diesem 
Zweck ausgezeichnet geeignet war, leuchtet ein, es bedurfte nur eines längeren 
Stiels und mufste, wollte man nicht allzu lange unten im iJunkcln fischen, auch 
darauf eingerichtet sein dafs man Licht daran anbringen konnte, Heides, die Mög- 
lichkeit, einen längeren Stiel anzubringen, sowie die Möglichkeit, irgend t.iiien brenn- 
baren Stoff, z.H. Werg zum Leuchten daran zu befestigen, ist nun bei der Weiter- 
bildung der xpsaYpa, wie sie sich besonders zahlreich in den iialiünischen .Museen 
findet, vÖUig vorhanden. Man darf daran erinnern, dafs nach Alchsatidro (.aslellani's 
Mittheilung (Friederichs, Kleinere Kunst und Industrie .S, 35>{; fast genau das gleiche 
Werkzeug noch heute bei den neapolitanischen l''i-^ch<--ni im (gebrauch ist, sU: 
packen Werg in die von den Zinken gebildete Höhlung, zünden dies an und hallen 
das brennende Feuer an einem Stiel über das Wasser hinaus, um durcJi den Liclil- 
schein Fische anzulocken, die dann leicht ihre Heute werden. Itei den im Hiiinen- 
lande gefundenen Instrumenten (vgl, lielbig, 1-pos S. 354, 1 4; ist natürlich dieser Ge- 
brauch ausgeschlossen, nicht- aber liindert, anzunehmen rJaf^ dieselben zum Jlaus- 
rath jedes besser eingerichteten Hauses gehörten, welches eine Cisterne bcsafs, 'Jainil 
man in der Lage war die etwa in den Brunnen fallenden zaw. herau-zulioleu, l-,s 
scheint dafs besonders diese \S'eiterbiIdung der y.'^i-i\'/x mit dem Namen i.'//.',; 'xier 
ifiravi benannt wurde; daf- man aber im Nolhfalle sicji auch <l'.-r eigentlich nur für 
die Küche be-timrnten y.yivryx. b'-'lienle oder da- Jii-truni'.-rit a'!ge:neiti mit diesem 
Namen beiiannle, z'.-i;^l Ari-.lopli. i.kki. v. J004, wo von eiTi'.-r allen l'Vau, deren 

J3" 



170 Engelmann, Das hoinerisclie l'empoljolon. 



Knochen spitz herausragen, gesagt wird: ti Ir^zn xpsaYpa; t'ji? xaSoic uivotfistf 5v, ithv 
x7f)lvTa -,'paotov Tif/jTivl ex tiöv cppsaTtuv to'jc xaSou; SyXXwfißavsiv; * 

Aber könnte diese xpaa-'pa nicht trotzdem das homerische i:z\i.-ti>'^',Xnv sein? 
Ich glaube nicht, auH praktischen Gründen. So sehr das betreffende Werkzeug ge- 
eignet ist, die in der Fleischbrühe herumschwimmenden Fleischstücke zu fassen 
und herauszuholen, so wenig ist es dienlich, um Fleisch anzuspicfsen und über das 
Feuer zu halten. Man kann die gebogenen Zinken nicht in das F'Ieisch einhauen, 
ohne dies unnöthiger Weise ganz zu zerreifsen; wollte man aber ein Stück Fleisch 
zwischen die Zinken schieben und so über das Feuer halten, so wäre zu fürchten 
dafs das unter der Wirkung der Hitze zusammenschrumpfende Stück herausfiele. 
Auch lehren zahlreiche aus dem Altertlium erhaltene Abbildungen, dafs die Fleisch- 
masse, welche über das Altarfeucr gehalten wird, den Bratspiefs ganz und gar um- 
giebt, BD dafs man nur annehmen kann <Iafs der Hratspiefs hindurch gesteckt ist. 
Aber bei einem ^/^thU war die Handliabung des Fletschstücks schwer, da bei Locke- 
rung des Durchstichs das Fleisch über dem Feuer nicht drehbar war; es empfahl 
sich deshalb aus praktischen Gründen, mehrere (geradlinige) 'ipsUt zu einem Ganzen 
zu verbinden. Es kann demnach kaum eine Frage sein, dafs wir unter dem 7r£[i- 
TTtüpoX'.v grofsc mit 5 geradlinigen Stäben versehene Gabeln zu verstehen haben, an 
denen das Fleisch bequem befestigt und nach Belieben über dem Feuer gedreht 
und gewendet werden konnte. Und dazu stimmt ganz genau Apoll, lex. hom. 129, 
29 TTevTS 'jßEXiax'ii Tfitatvoäiosi; äx |ii5; Xa^r,;. Hesych. rsji^riußöX'i'Ji* T:ivxz ößiXt'axou; ix 
fiiä; Xrzßr,; auviyififvju; Tpwivoit^tü;. Denn dafs die xpsaYjia nicht mit einer Tfi^tv« 
verglichen werden kann, bedarf keiner besonderen Ausführung, Vgl. auch noch 
Eustath. II. I 463 p. 135, 40 (Heibig Flpos* S. 357, 2). 

R. Engclmann. 



'■) lloiile werdtn in den Gt'gcnden wo man (ins Herausholen der hineinfallenden (Jefäfte ver- 

Wasser aus Cisternen seliöjift, meist Harken zum wendet. 



LAOKOON-DENKMÄLER UND -INSCHRIFTEN 



Im Anschlufs an meine auf der Görlitzcr Philologenversammlung ^jemachten 
Ausrührungen* bringe ich im Folgenden erstens einige bisher noch gar nicht 
oder ungenügend bekannte Denkmäler, welche Laokoon wirklich oder vermeintlich 
darstellen, von den notwendigsten Erläuterungen begleitet, zweitens Faksimiles der 
auf die Künstler der Laokoongruppe bezüglichen Inschriften zur Kenntnis der 
Fachgenossen. 

I. 

DENKMÄLFR. 
I. 

Aufser der vatikanischen Gruppe, dem pompejanischcn Wand- und dem 
vatikanischen Miniatur-Bilde, bieten nur die Contorniaten sicher antike und un- 
zweifelhafte' Darstellungen des Laokoonmythus. Wie die Gemälde zum Teil, so 
sind diese Contorniatcn gänzlich von der vatikanischen Gruppe abhängig. Doch 
ist der Grad der Abhängigkeit verschieden, und darauf beruht die Unterscheidung 
zweier Typen. 

Der erste Typus wird vertreten: 

i) durch das Exemplar von Neapel {Morellianus 
Thesaurus T. III, Amstelodami 1752 t 54, 15 vergl. T. II 
p. 301; Haakh, Verhandl. der Philologenversanimlung in 
Stuttgart S. 167 links; Blümner, Eessings Laokoon Taf. II, 
4), welches auf der Rückseite den Kopf des Vespasian, 
zur Rechten desselben einen Lorbeerzweig und die Auf- 
schrift trägt: IMF. CAES. VESPASIAN AVG COS III. 

2} durch das Exemplar, welches, ehemals dem 
Grafen Rennessc-Hrcidbach, später dem belgischen Nu- 
mismatiker de Coster, jetzt Herrn J. P. Six in Amster- 
dam gehörig, auf der Rückseite den Kopf des Nero, links 
von demselben ebenfalls einen Lorbeerzweig und die Auf- 
schrift trägt: NERO CLAVDIVS CAESAR AVG GP:R- 
P. M. TR. P. IMF. P. P. Dasselbe wird hier zum ersten 
Male mit dem vorgenannten nach Abdrücken, welche ich 
der Liebenswürdigkeit Imhoof-Blumers verdanke, abge- 
bildet. 





') Verhandlungen di;r vierzigsten Versammlung -') Über die nicht mit völliger Sicherheit hieher lu 
deutscher l'hilologen in Görlitz, Leipzig 1890 ziehenden Teryakottafragmente von Tarsos vgl. 

S. 74 und 298ff. unten S. 188. 



178 



Pf>rM<;r, Laolcoon-DenkmlÜer und -Insclirirtca. 



0: 



.Ü 



irr; 



o 



TroU der Vcrbchictk-nhcil der Rückseiten kann kein Zweifel sein, daTs die 
l-aokoon klarste I hl njj beider Kxcmplarc auf dieselbe Vorlage zurückgeht. 

I'ür den nuL-ilen Typuh ist bislier nur ein* Vertre- 
ter bekannt, das ExcmpUir des K. K. Miiiizkabincts in 
Wica [Nuniisni. ciniel. Cacs. Reg. Viudub. !*. II, p. lo. 
Haalch a. a. O. rechts; Blümner a. a. O. II, 3; Sabaticr 
a. a. O. pl. XIV, i), welches auf der Kückseilc den Kopf 
des Nero, rechts von demselben einen Lorbccrzwcig und 
die Aufbchrifl Iräül: IMP NKKO CAESAR AVÜ P MAX. 
Dasselbe wird hier nacli einem der Frcimdlichkeit des 
Herrn Direktor Ur. v. Kenner verdankten Abdrucke ver- 
öffentlicht (3). Die bisherigen Abbildungen weichen sowol 
von einander als auch von der vorliegenden erheblich ab, wi>von die Ursache 
wenigstens zum Teil in der Hescliafreiiheil des KxeniiiUirs Hegt. 'Der KontorniaUi 
schreibt mir Herr Dr. v. Kenner, A'^l. darum so schwierig zu beschreiben und zu 
zeichnen, weil der Schlag beim I'rägen nicht gleichniäfsig geführt wurde, sondern 
den unleren und vom Kc-!chaucr aus rechten Teil des Schrötllings stärker traf, als 
den oberen und tien linken Kandteil. Im oberen Teile ist eine Schwingung und 
infolge davon eine I'rellung des Schrottlitigs zwisclicn dem ersten und zweiten 
Schlag eingetreten, daher der Contour des Kopfes des Laokoon zweimal erscheint 
Tn den übrigen Teilen des Gepräges i*t der Dojjpelschlag nicht waiirzunchmen.c 

Von besondrer Wiclitigkeit ist es über die Zahl der Schlangen ins Klare 
zu kommen. Sowol die Abbildung in den Nuniismata als auch die vom Zeichner des 
Miinzkabinets Schindler für I laakh gemachte, gcwis aber von der erstercn abhängige 
Abbildung geben 4 Schlangen, von denen i) mit iler r. Ptand des I.aokoon gehalten 
wird, 2) nach seinem I. KUbogen hinschiefst, 3) [len r. vom Hcschaucr befindlichen 
Sohn in den Schenkel, 4) den I. «befindlichen in die Glutäen beifst. Sabaliers Ab- 
bildung bietet nur zwei, nämlich 4) und eine den Laokoon in die I. Hüfte beifscnde. 
Letzteres ist sicher unrichtig. Ich selbst vernioclite an dem Abdrucke nur 2 Schlan- 
gen zu erkennen, und Herr v. Kenner hatte die Güte mir zu besiäligcn, dafs auch 
ihm sich nur 2 Schlangen sicher feststellen liefsen, nämlich: erstens eine zwischen 
Bnist und 1. Arm des Vaters, deren Kopf über dem L Kllbogcn zum Vorschein 
konunt; zweitens eine, welche mit ihrem Kopf am r. Schenkel des r. befimllichen 
Sohnes erscheint und zugleich den r. lüifs desselben umschlingt, liin dritter über dem 
Kopfe dieses Sohnes anscheinend sichtbarer Schlangenkopf hat sich bei wiederholter 
Untersuchung mit gröfsercr Wahrscheinlichkeit als eine Gcwandfahc herausgestellL 
Der erste Typus hat mehr von der vatikanischen Gruppe bewahrt sowol in 
der Haltung des Vaters, welche mehr die eines sitzenden als eines stehenden ist, 
als auch in dem fast vültigen Mangel an Bekleidung. 

Der zweite Typus aber setzt den ersten voraus; nur ist die Haltung dc9 



'} DaTs Satiatici, Ile4i:ripiioti utrieralK <lcs itiedaiU 
Ion* cvnlornialc» |i. 94 mit Unrecht ein Exem- 



plar d« Cabinct iiii|)rrial ilc Krance Tcnricbnci, 
habv ich a. a. O. ä. 304 txmerkt. 



Kurvlrr, LBnkooi)-l>cnt(miili:r ufiil -lii'SL'ltiiilcn. 



'79 



Vaters die eines stehenden gcivonJcn; <lie Arme nicht gestreckt, sondern gebogen; 
die Clilamys ist viel unifangliclicr geworden. Diese Abhäntji^kctt des zweiten Typius 
vom ersten, welcher nur 2 Schlangen aufweist, s[)richt auch fllr die Zweizahl der- 
selben ani zweiten Typus. 

Da sich sowul die Haltung der Amic des Laolcoon als auch die bauschende 
Chlaniys des xwcitcn Typus in der vatikanisclien Miniatur fntdct, i^t die MögUch- 
kcit fiir die Annahme, dafs der Miniator diesen Typus kannte, vorhanden. 



Der an <lic Spitze <lcs ersten Abschnittes gestellte Sata wäre umgestofsen, wenn 
iwei schon längere Zeit bekannte Keliefä unter die Zahl der antiken Laokoon-Dcnkmäler 
aufzunehmen wären: das Wittmerschc und das Madrider. Da der Zusanunenhang 
zwischen beiden unverkennbar ist, sollen sie auch hier zusammen behandelt werden. 

Das ersierc, etwa 40 cm breit, einst dem Maler Wittmer, jetzt Herrn Massi- 
milianu Häffner in Rom gehörig, kam erst 1862 zum Vorschein. Es sollte in einer 
Vigna vor Porta Maggiore, nach andrer Aussage jedoch innerhalb Koms bei tlem 
Palast Salviali an der Via I.ungara gefunden sein. Aber schon i» der Adunanz des 
römischen Instituts vom 28, Februar 1862, in welcher Wittmer es vorlegte, wurden be- 
50nder$ auf Grund der Ungleiclimäfsigkeit <!cr Arbeil Zweifel an der Echtheit laut (Bull. 
d. I. 1863, S. 50). Während Brunn dieselben (Bull. d. I. 1863, S. II) durch den Hin- 
weis auf die Vierzahl der Schlangen verstärkte (vgl. auch Deutsche Rundschau Bd. 29 
S. 210), erstanden dem Relief, welches in der Archäologischen Zeitung XXI Taf. 
CLXXVin, 1 nach der Thotugraphie eines Gipsabgusses ungenilgcnd abgebildet wurde, 
in Baumeister, llubner und Gerhard Verteidiger (ebenda Sp. 89ff.). Ihnen schlössen 
sich Triederichs (Bausteine N. 718) und Blümner (über antike RcpUkcn der Laükuon- 
gruppe, Anhang zu I-cssings Laokoon S. 3) an, wogegen Wolters in der Neubear- 
beitung von Friedcrichs' Bausteinen (Gipsabgtisse N. 1424), Urlichs (Das hölztniic 
Pferd S. 6], Schreiber und Bodc* sich wieder für Unechthcit ausgesprochen haben. 

Noch eigentümlicher ist es mit dem Madrider Relief gegangen. Von 
Winckclmann (Werke VI , i , 107) nur als vorhanden erwalmt, wurde es von 
Hübner , welcher es zuerst aus seiner Vergessenheit hervorzt^ , (lir modern 
erklärt (Die .intiken Bildwerke in Madrid, Berlin 18Ö2 S. 142): ^unzweifelhaft 
modern schien mir das kleine Basrelief mit der bekannten Gruppe des L., 
dessen Winckclmann erwähnt". Aber schon der Bericht über seinen in der archäo- 
logischen Gesellschaft am 3. Februar 1863 gehaltenen Vortrag Rlhrt edle nicht wohl 
zu bezweifelnde Achtheit'< des Reliefs an als «der bestrittenen Achlhcit des Wilt- 
mcrschen Reliefs zu Gute kommend (Arch. Anz. 1863 Sp. 4y), und Ölmlich der 
von ihm selbst eingesandte Bericht (ebenda Sp. 94): »Herr Zobel halt es für acht, 
und genauere l*>wägimg scheint diese Ansicht zu bestätigen. t Und mit steigender 
Sicherheit spricht er Nord und Süd 8 (1879), S. 35S; «an seinem antiken Ursprung zu 
zweifeln liegt noch weit weniger ein Grund vor, als bei dem Wittmerschen« und 

() V][l. Vcrk. d. Philoktienvcrk. in GOilili S.30> 






'-. Cn "Vi 



^ 



i^ 



ebenda 35 (1885). S. 399: »ich mufti Tortfahrcn beide (KcUcfs), wie ich früher :uis- 
führlich bcgriiiulct habe, trotz Her auf ihnen vorkommenden grofsercn Zahl von 
Schlangen für antik zu halten; aber es sind Werke ans der Zeit des Verfalls, et\\'a 
dem Kndc dvfl zweiten oder dem dritten Jalirhundcrl unserer Zeitrechnung angehö- 
rend«. In der Verteidigung der Dichtheit stellte sich der einzige, welcher auf die 
Krage einging, Blünmcr a. a. O., auf seine Seile. 

Hermann I'rcll hat fUr mich mit 
gröfstcr Liebenswürdigkeit, für welche ich 
ihm auch an dieser Stelle warmen Dank 
aus^|lrL*che , eine Zeichnung dc5 Madrider 
Reliefs, welche unsrcr Abbildung 4 zu Grün- 
ilc liegt, gemacht und nach einer Unterhnl* 
tung mit mir *!ciric Wahrnehmungen sclirift- 
'ich niedergelegt, welche ich mit seiner 
Einwilligung im folgenden wiedci^cbc: 

«Das Kclicf ist ungcf^ir 50 cm 
hoch und in ein kreisrundes Medaillon der 
Wand Verzierung eingelassen. Ob es ein 
Werk der späten antiken cv. der alcxan- 
drinischen Zeit, oder der Renaissance ist, 
wird schwer festzustellen sein. Gegen sei- 
nen antiken Ursprung scheinen mir zunächst 
die aufscrc l'orm des Reliefs und diu Marmortechnik desselben zu sprechen. Obwnl 
die Ränder abgebrochen sind, ist die Composition cntschic<lcn für eine runde Fläche 
berechnet gewesen, somit kaum fllr den Schmuck eines antiken Archilcktiirtlieücs 
gedacht; die Gruppe der Körper würde klein und uimöthig eng zusamnieiigetlrangt 
auf der Kläche sitzen, wenn man eine rechteckige Vorm des Grundes annehmen 
wollte — der sorgfältigen Raumfiillung antiker Reliefs sehr wiilcrsprcchend.« 

iDte Mnrmortcchnik an der l'igur des Laokoon selbst ist äufscrst subtil. 
Die Behanillung des Reliefs, die Ungleichheit der Höhen, die materische Art wie 
Figuren und Felsen sich überschneiden, erinnert auf den ersten Blick etwas an 
Ghibcrti's Reliefs; die l-'ig\ir des Laoknon mit sehr zierlich dctaiüirtcr Muskulatur 
und ct\sas manirirtcr Betonung der schwellenden Fleischtcüc, der schmalen Knie 
und Gelenke, endlich mit dem völlig von vom nach hinten verkürzten Kopf ist 
aufserordenüich ähnlich vielen Christusfiguren der Renaissance. Die Erinnerung 
wird noch verstärkt durch den sonderbaren weinenden Kros mit Flügeln und Köcher, 
mit der Stirnlocke der antiken Kröten, der die Schulter des Laokoon berührt. Seine 
Fig\ir ist viel zu grofa, und wie die F'iguren der Jünglinge, ziemlich oberflächlich ausge- 
arbeitet. Die Antike würde ihn wol nur angebracht haben, wenn er irgend eine Bezie- 
hung zum Vorgange hatte; hier syinbnlisirt er in sehr moderner Weise die Gefühle 
des Beschauers und erweckt den Kindruck, als habe der bekannten Composition ein 
neues lilemenl hinzugefiigt werden sollen, um sie noch ergreifender zu machen.« 



Icli selbst habe das Wittmcrsclic Relief 1869/70 in Rom gesehen, üii einer 
Zeil, wo ich mir ein mir sclbut gi!nüKcn{les Urteil über Kchtlieit oder Uiiechtheit 
nicht zuschreiben konnte; tlas Madrider Itabc ich nicht y^esehcn. Trotzdem will ich 
hJLT mit der dnrch dieäc Umstamlc gebotenen XiirückhalUiny auf GruiKl der Unter- 
suchung des Abgusses und der Originalphotograph ieu des Witimcrschcn RfÜcfs, 
nach welchen unsre Abbildung 5 gemacht ist, sowie der Hrellschen Zeichnung des 



Madrider Reliefs die Gründe erürterii, welche mich je länger, je mehr zur Annahme 
nicht-antilicn Ursprungs für beide bestimmen. 

Allerdings würde ein innerer Grund für die ICchtheit beider Reliefs aner- 
kannt werden müssen, wenn es richtig wäre, was behauptet wird (lliibner, Nord 
und Süd 35, S. 399), dafs in ihnen der r. vom Beschauer befindliche Sohn sich rette. 
Denn die Kenntnis dieser uns erst mit Proklos' Chrestomathie gebrachten Version* 
wäre einem Künstler neuerer Zeit nicht zuzutrauen. Aber es ist nicht richtig, dafs 
jener Iferr der Schlange geworden sei und sich rette. Schon im nächsten Augen- 
blicke kann er ihren tödtÜchen Bifs spüren, und da er in den Anbh'ck des Vaters 
und Bruders versunken ist, kann aucli sein Widereland gegen eine Umschlingung 
nicht voll und ganz sein. 

Nicht stärker ist ein zweiler fiir die lichtheit aufgestellter Grund. r^Sammt- 

liehe moderne LaokoonrepHken haben eines gemeinsam: sie sind, wenigstens 

*) Denn Tiot»« iti Lyc. 344 und 347 6'lo 5p*i&v. 713 Amnimv 5t [iiv« i',ufn täv Tukm ftWjmel 

kein Zcugah dafür. 



in der Absicht ilirt-r Verfertiger, völlig getreue Copiecn des Originales. Keinem 
derselben kam es in den Sinn, VerändtTungcn. wenn auch lier j'eritij^fii^itjstcn Art, 
dabei anzubringen, und keinem Käufer würde es gepafsl haben, etwas Anderes als 
die berühmte Gruppe zit cnverben, Ganz anders da» Wiltniersche Relief. Ks 
stellt deutlich einen Moment der schreckticlien Kalaätruphc dar, welcher auf den 
in der Kronen Gruppe wiedergcijebenen unmittelbar folgte. Noch einen Haupt- 
unterschied endlich zeigt das Relief vun der Gruppe; dort sind es, der dichlcrihchen 
Tradition enti4]irechend, zwei Schlangen, welche Vater und Sohne «erfieischcn; hier 
sind CS deren vier, von welchen je xwei ilen Vater, je eine jeden der Söhne an- 
fallt. Dafs etil Künstler de» sechszehnten Jahdinnderts oder noch späterer Zeit 
sich soweit von der Vortage entfernt hätte, wäre ohne Beispiel. Im Alleriliuni zog 
man der Reproduktion weitere Gräiuen.« (Nord und Süd 8, S. 357). 

Die kleine Lirunce, welche sich einst 
in der Sammlung van Smct's in Amster- 
dambefand (Oeuvres dKtienneFalconet,sta- 
<^J/tI luaire Lll I-ausannc 17S1 S.300; Lcironnc 

und Ünbois, Kev.arch. ser.l annee III S.437, 
woselbst pl. LVI die — hier wiederholte — 
Abbildung (6) einer in Privatbesitz zu I'aris 
befindlichen Copie gegeben ist*) wird doch 
.^',-,X . *^ auch Hübner für ein Werk des !^iebzehnten 

Jalirhuntlerts hallen, und zeigt sie nicht Ab- 
weichungen von der vatikanischen Gruppe 
gerade nach denselben Rtclitungen, wie die 
iS<! ' .' *" fr\^'" .-. * '^ beiden Reliefs, nämlich Lösung des Zusam- 

„.—^ -_ . _,, menhangs der drei Figuren, insbesondere 

\^J~iL -— -ii-^'-', Abtrennung des rechten Sohnes, sodann ein 

*'*^*' ■■< »'^»i»- *«.«*cur' überfallen des 1. Sohnes nach vom, ja 

sogar 4 Schlangen, wie das Wiltmerschc 
Relief? Und eine Plakette der Sammlung Itucquet in Paris (Molinicr, hci bronzes 
de la Renaissance. I.cs ptaqucttes, catal. raisonniS vol. II tom. I S. 19 n. 33. Vcn* 
turi I. I. S. 1 10) zeigt sie nicht gar drei statt der zwei Söhncr 

Anilrerseits wird die Echtheit beider Reliefs durch die vortreffliche Erhaltung 
gerade der skulpirten Teile venhichiig. Besonders mache ich in dieser Hinsicht auf 
das Jinkc Knie und die Schlange des rechten Soluics am Madrider Relief aufmerksam. 
Und dieser Verdacht wird durch die Umstände, unter tvelchen das Wiltmersche Rehef 
zum Vorschein gekommen ist, nicht geschwächt. Dasselbe konnte Jahrhunderte lang 



;/. 



k 



V 



*J Vgl Vcth. d. I'hilologcnTcn, S. joi n. 13. Ob 
idonlitch mit der heul in der Sumniaag Spiucr 
ni Paris befindlicbcn Broncc. wclcltc Vcniuri, 
Arcbivio tlorico dvll .irlv II, i lo crw^Iinr; Dk 
Bcsctirvlbung ein« Exemplars, wclcbn au« tliT 



Sammlung Cairand in das Mu«co Na/ionalc ki 
yiDTcitK Abcrscgntipon ist , bei (lemsclbm C«I«hr- 
tcn ■. ». U. S. 106 slimnil mit jener Abbildung 
bl« auf drn einen Tnitkl Hbercin, lUfs «u>.-[i dtc 
iccbtc Arm dcä r. Sobm-s als vgn der Schlange 



uiD»lrickt ADgvgrbcn wud. 



Förnivr, Ljickac>n>Pcnhm«let und -loiicbriden. 



•83 



ein verborgenes Dasein fristen, ehe es auf den Marltt gebracht wurde, ähnlich wie 
die Smetschc Gruppe und das Madrider Relief, welches sich vcrmuilich schon 
in der S.ininilun^ ikr Kuniyin Christine befand, ilanii von Wiiickclinann nur ermähnt 
^.wurdc, seitdem wieder versteckt blieb, bis es von Hübner her\orgczt)ycii wurde. 

Wenn wir endlich die Reliefs einzeln betrachten, so trägt das Madrider — 
wenigstens nach der Zeichnung zu schliefscn — die Zeichen des modernen L*rs|)nings 
noch deutlicher an sich als d;is Wittmersche. Zur Ergänzung tlcr oben mitgcteillcn 
Beobachtungen I'rells bemerke ich, dafs ich fitr eine Haltung und Verkürzung, wie 
äe der Kopf des Laokoon bietet, in der antiken I'lastik kein Beispiel kenne und 
dafs ich ebensowenig den Eros aus dem Geiste der Antike zu erklären vermag. 
Aus diesem konnte er nur so erkliin werden, dafs er an die schuldvcdle Liebe des 
Laokoon zu Antiopc erinnern »oll '. Aber dem widerspricht seine Haltung und 
sein Ausdruck. Kr kommt, um dem l^okoon Mitleid und Trost zu spunden. Er 
drückt, wie ilübner richtig sagt, nur das tiefe Mitleid au*, das die Schrcckensszenc 
ihm wie dem Beschauer crwecktv:. Un<I das ist nirgemls die Aufgabe iles antiken 
EroA. Wol aber erklärt er sich sofort als ReniiniscenK an die dem gekreuzigten 
Christus oder Märtyrern zur Tröstung herbeieilenden Kngcl, wie ja auch die fast 
wagrecht ausgestreckten Arme des I.aokoon an eine Kreuzigung erinnern. 

Aber schon wenn das Madrider Relief modern ist, fallt auch auf das Witt- 
mersche ein Schalten. Denn da dieses nicht das unmittelbare Vorbild des Madrider 
sein kann, müfsten wir zu der sonderbaren Annahme eines antiken Originals greifen, 
nach welchem im spaten Altertum das Wittmersche, in neuerer Zeil das Madrider 
gemacht wäre. Dagegen aber, dafs das Wittmersche Relief im 2. oder 3. Jahrhun- 
dert n. Chr. entstanden sei, spricht meines Krachtens die Arbeit, welche tcÜwcis 
für <licse Zeit zu gut ist. Gerade durch die Ungleicliheit der Arbeit aber wird 
mir noch mehr al.« durch das Misverhaltnis von Altar und Basis und durch die 
AbHachung des Altars nach unten der antike Ursprung des Reliefs verdächtig. 
Auch fUr die aus dem Leibe herausgebissenen Flcischteile wcifs ich in antiker 
Skulptur keine Analogie, wol aber erklären sie sich aus der Erinnerung an Vcrgils 
miseros morsu depascitur (trUts ebenso wie die Tänie im Haar des Laokaon und sein 
weit aufgeri^iscncr Mund an des Dichters vittae und chtmorts siuiui horrendos ad 
stdera toUit unmittelbaren Anhalt finden. 

Aber wie verhallen sicli die beiden Reliefs zu einander? Die Übereinstim- 
mung in gewissen bedeutungsvollen Abweichungen von der vatikanischen Gruppe 
macht die Ann.ihmc eines Zusammenhanges zwischen beiden zu einer notwendigen. 
Ich weise nur auf die Rundform, auf die Haltung der beiden Söhne und der beiden 
Schlangen, weiche sich gegen sie gewendet haben, hin. Diese Übereinstimmung 
ist im Einzelnen zu grofs, als dafs sie blos au» einem zwei Künstlern gleichzeitig 
etwa ftir einen Wetikampf erteilten Auftrage oder Programme erklärt werden könnte. 
Andrerseits scheint die Annahme eines Künstlers für beide Reliefs durch die 
grofse Verschiedenheit sowol des künstlerischen Vermögens als auch des Stiles 

') äo Rollen. Bild und Lied S, 5. 



anst^cschlusscn. Oder hÜnKt das eine Relief nur vom andern ab? Das Madrider 
vom Wittmcrschen? Aber das crstere zeiijl doch in einigen Punkten mehr Hertih- 
runj« mit der vatikanischen Gruppe aU das ^ im allgemeinen ihr naher stehende — 
letztere, nämlich i) in der Richtung des Kopfes, insbcsündcrc der Augen des Lao- 
koon, 2) in der stärkeren ]iiegung des 1. Schenkels des r. äohnes, 3] in der knap- 
pcrun und magerem Bildung der Leiber. Der Fall des 1. Sohnes ist in dem Madri- 
der Kelief besser mutivirt :üs in dem WiLlinerscheti. Ms ist mithin höchst unwahr- 
scheinlich, dafs der Verfertiger des Madrider Reliefs neben der vatikanischen Gnippe 
das ungeschickte Witlmcrschc zu Rate gezot^cn habe. Das Umgekehrte wäre nur 
in der Voraussetzung denkbar, daf« der Vcrfcrliger des Wittmcrschcn Reliefs zwar 
das Madrider benutzt, aber dessen starke Abweichungen von der vatikanischen 
Gruppe vcr^t'urfen und sich mehr an diese anzulehnen beabsichtigt habe. Aber 
wie diese Voraussetzung an sich wenig Rir sich lial, so würde auch gcwis der Ver- 
ferliger des Wittnierschen Reliefs, hatte er das Madrider gekannt, vielt-s besser 
geniaclit haben. Auch scheitil der 1. Sühn im Witlm ersehen Kelief mehr an das 
vorauszusetzende Vorbild zu erinnern als im Madrider, mag man nun als solches 
<Ien ausgestreckt liegenden Florentiner Niobiden oder, wofür noch mehr spricht, 
den herabstürzenden J'haethon der Sarkü|>hagreliefs* ansehen, 

Sü erübrigt sich Rir mich nur die eine Annahme, dafs beide Künstler eine 
gemeinsame Vorlage benutzten*. Diese aber mochte ich noch eher im Anfang de» 
17. als im 16. Jahrhundert suchen, eine Datirung, welcher die Annahme, dafs das 
Madrider Relief sich einst in der S^immlung der Ktinigin Christine m Rom befand, 
nicht entgegensieht. Der Künsdcr der gemeinsamen, bisher unentdecklen, Vorlage 
hatte sich, ähnlich wie der der Snictschen Hrunce, die Aufgabe gestellt die vatikani- 
sche Gruppe umzubilden — zu einer Medaiiloncomposition — vielleicht, wie Baumeister 
vermutete, für eine Gemme — und dabei gewisse vermeintliche Schwächen jener, wie 
die Kleinheit der Sohne, die Ähnlichkeit des Ausdrucks der Gesichter, die Gleichheit 
der Verse Idingung, zu verbessern. Sowie aber die Composilion in dieUreite gezogen 
wurde, wich auch, wil- in der Smetschcn Bronce, der wunderbare Zusammenschlufs u» 
der Gruppirung von Vater, Sühnen und Schlangen einer Isolirung der drei Figuren 
und einer Lösung der tnirahitfs urxus dmcottHM, und dies fUhrtc zuletzt zu einer 
Vermehrung der Zahl «ler Schlangen, deren da* VVitimerschc Relief, wie die Smctschc 
Hronce vier, das Madriiler Relief drei aufweist, wenn auch Prell nicht jeglichen Zweifel 
darüber ausgeschlossen sehen wollte, ob das vom r. Sohne gehaltene Stück der 
Schlange zu derselben gehört, welche den 1. Arm des Vaters umschltmgen bat. 

3. 

Der an die Spitze des ersten Abschnittes gestellte Salz wäre aber auch 

dann falsch, wenn eine Handzeichnung der UfTiiien zwar von Filippino Lippi 
gemacht, aber einem antiken Wandgemälde nachgebildet wäre. 



*) 1b dieser Beiiedung i*t «» vlcllviebt nkbl ([Icicli- 
»•ch Amwci* des Ktlicls Tnn U»tia (Ann. d. I. 



1S69 t. Y.) auch eine auf Pbaclbon lOnccIodr, 

wenn «ucb »den i^mciotc, SchljDtrr b*ben. 
■J So aach Hubner, Nord und Sud 8. S. 359. 



|S6 



Fitntvr, L-aiiknon-l lenkmäler und •Toschririvii. 



Auffimliing der Gnipjjc (14. Januar I506"^ jicmachl ist. Denn — über die lichtlieit 
der Zeiclinuiig k:iiin ril;;lich kein Zweifel sein — Kilippiiio I-ipiii ist bereits am 
18. April 1504 gestorben". Es kann sich mithin nur fragen, ob dieser IciÜ^lich 
von der .ScIiildcrutiH Vcr^jüs inspirirt ist oder nb er eine antike Coniiinsitiou, ain 
ehesten also ein Wandgemälde, wiedergegeben oder benützt hnbc. Dafs er eifrig 
Studien nach römischen Antiken machte, ist sicher. Der junge Itenvcnuio Cel- 
lini sah (1518) diese Studien mit Kntzüekcn bei seinem Freunde nnd Mhgesellen 
Kr-oncesc«, dem Sohne l*'ilii)pinfi"s, in Florenz, wie er in seiner Selbstbiographie 1,3 
bezeugt: prfsi pratka e amicisia heUissima con urt gfniU gkn'imeit4> tU mia riä, it 
quaU- atteor egH st(n>a aiV orefi(f. Avnm Home Francesco, figHuoh» dt Filip^o di fra 
h'ilip^o ecccUentisstmo piitarc. Sei praticarf titsieine, j^rnerö in not lanto amore, che 
mtii II? dt ni- Hotte sttivat/w I'utM sensit i'aitni- e per che ancora la cnsn stta cm piena 
di qne' Mit studii, (tu tnuTtt fatto il sho valrnle pmirt; i quali ermto parecchi libri 
disegnati dt stta mano, ritratd dalle belle antieaglie di Roma: h ifual cosa vcdemMi 
tn*intiamorofio assai. Uml seine Gemälde, besonders diu der CaralTa-Capcllc in 
S. Maria sopra Miner\'a zu Rom, mit welchen er im Mai 1489 beschäftigt war, nnd 
diu der Siruzzi-Capclle in S. Maria Novella zu Florenz, an welchen er von 1500 
bis 1503 arbeitete, (.'\ufcrweckung der Driisiana; Austreibung des Dämon durch den 
heiligen Fhili]>pus) lassen keinen Zweifel, dafs er nicht nur der Architektur, sondern 
auch, wie Morto da Fcitre, Pinturiccbio und viele andre Maler am Ende der Achtzi- 
ger und in den Neunziger Jahren des 15. Jahrhunderts, den Wandmalereien, ins- 
besondere <len Groltesken in und um Kum ein fruchtbares Studium gewidmet hat, 
wie es Vasari (III, S. 461 MilancsiJ bezeugt: Fu primo ancora a dar luce alle grottc sehe 
che stmtiglino l'antiche, c Ic mise in opcra di trrrctta e cohrite in ß-egi, ci/n piu di- 
s^no c grazia che gV itmaMsi a hti fatto non avex'ano. Ottde fit rnaravigliosa casa 
a vcdcre gli slrani capricci che cgli csprcsse ttclla pittitra. E, che e pin. non t<r%'orif 
inai opera alcuna. nclla quaU delle cose antiche di Roma coii gran studio noii si ser- 
visse in vasi, calzari, trofei, bandiere. cimicri, ornamenti di tempj, abbigUhtiienti di 
porlatttre tia capo, strmte fogge da dossn, armaturc, scimitarre, s/vtdc, toghe, mault, 
ed altre iante cose dii'crse e belle, che grandissimo e scitipiterao obbligo sc gli debbr, 
per aver cgli in questa parte accrescinta bellezza e ornamenti all' arte. Und so habe 
ich die Krfahrung gemacht, dafs die Zeichnung, mit der des pompejajiischen Lao- 
koonbildcs zusammcngehahen, wenigstens auf den ersten Rlick die Ansicht hcr\'or 
rief, dafs der Künstler die Cuniposiliun, wenn auch mit einigen Änderungen, einem 
römischen Waiulbildc entlehnt und mir die Architektur hinzugetan habe. Indessen 
erweist sich doch die Ähnlichkeit der Zeichnung Filippinos mit dem pompcjani- 
schen WandbiUIc al« eine scheinbare, unil die Verschiedenheiten sind viel gröfscr 
als die Übereinstimmungen imd vtm der Art, dafs wir sie viel eher dem Filippino 
als etwa einem vom ]>ompejanischcn Bilde in der Composilion etwas abweichenden 
antiken Wandgemälde zutrauen dürfen. 



<•} V|rt. MichftcÜN Jahrl>uch V, S. t6. 



*<> Vgl MiUiKSi, Lc opctc di CiotxKi Vnari llf, 



ä. 476 uihI S. 493. 



Pfirster, Laokatm.tlenkniälcT und •InKhrifim. 



i»7 



Im pompejanischen Bilde kämpft au&cr dem Vater auch noch einer der 
Sohne mit der Schlange; in der Zcichnun}^ sind beide S^ihne todt und die Schlan- 
gen gehen itaran ihr Werk am Vater zu tun. Dort hat der Vater in stürmender 
Kitc seine Zuflucht tu einem neben dem Altar bcfmdüchcn Heih|;ttini genommen 
und steht nun mit beiden weit auseinander gezogenen I'üfsen auf den Stufen des- 
sdbcn; hier ist nur der Altar der Zufluchtsort, uml der Vater setzt zwar den einen 
(l.) \-'ü(s auf die Stufe demselben, mit dem andern aber bertilut er nuch den iJoden. 
Dort stemmt er die Schlange mit dem I. Arm Ab, indem er ihn hebt; hier, indem 
er ihn senkt. Dort sucht die Schlange an der I. Seite mit ihrem Bisse den I Uls, 
hier züngelt sie am Obcr^schenkel in <lie llcih. Dort springt der Stier, durch die 
Katastrophe befreit, am Altar vorüber und hinweg; hier wird er mit Binden und 
Guirlande geschmückt zum Opfer nach der dem Altar gegenüber befindlichen Seite ge- 
filhrt Dafs die Architektur hier nicht, wie dort, die eines Teincnos sei, liegt zu Tage. 
Dafs sie ganz der Weise I"ilipi>ino<! entspricht, wird nicht bestritten werden kcinnen. 
Aber auch Laokoon zeigt in seinem Aufsern, wie in der Gewandung, besonders dem 
abcrgczogcncn Mantel und dem Wulst über der Stirn, cntschicdnc Bcrithrung mit 
GesLiIten filippineskcr Krfutdiing. wie mit dem Priester in der .Austreibung des Dämon, 
welcher auf den Stufen des ^Mtarc« de« Mars steht, oder mit dem Alten, welcher 
ebenda auf der 1. Seite dicht hinter Thilippus steht, oder auch mit dem Priester in 
der Auferwcckung der Drusiana, welcher eine Vase haltend am I. Hndc steht. 

Der Stier, das ist zuzugeben, ist von auffallender Plumpheit und wird wie 
der Altar in der von Vasari an der obigen Steile geschilderten Weise einer antiken 
Opferdarstcllung nachgebildet sein", obwol nicht zu übersehen ist, dafs gerade 
Vcrgils Vers soliannis taurutn ingeatetn mactabat ad aras den Anhalt für die 
Gestalt bot. Diesem ist meiner Meinung nach der Künstler in allem .indem gefnigt, 
nur dafs er aus composilioncUen (iründcn nicht wie »kr Dichter die beiden Schlangen 
erst die Snhnc, dann den Vater umscidingcn, sondern die eine Schlange den Söhnen, 
die andre dem Vater den Untergang bereiten liefs: eine Abweichung, deren künst- 
lerisches Verdienst durch die Verglciclumg mit der vatikanischen Miniatur und dem 
Stich von Marco Dente ins I.icht gcisctzl winl. Auch darin legte rilippino seinen 
Sinn für Mafshaltung an den Tag, dafs er sich zivar durch Vergils difftt^imns 
t'iiH ejcsanguis dazu leiten licfs. hinler dem Stier zwei in I-'urcht und l'Iucht be- 
grilTne ["igureii anzubringen, den Vater jedoch nicht als . ein furchtbares Geschrei 
zu den Sternen erhebend ^ si>ndem mit seh nier/.v ollem Htick <lie am Boden liegen- 
den Kinder suchend bildete. 

In iler weihliehen l-'igur hinter dem Altar Antiope, die Krau Laokuüiitt, zu 
sehen hiefsc dem Künstler Kenntnis der Kabeln des Hygin oder des §cr\'ius und 
damit wot zu grofsc Gelehrsamkeit zutrauen, dies um so mehr als man von ihm 
wol erwarten durfte, dafs er Tür die Mutter noch einen andern Ausdruck als den 
^s blofecn Kntsetzcns gefunden haben würde. 

■^ leb Ifge Ovrii-Iit Hnmur mich der /iii^limmung lu AXttit Anseht »llen« m»lnM verelirien Col* 

l<fgvn Sclimanow ra crfriurn. 



Wahrachf-'inlich, aber nicht i'üUig sicher ist, dafs ilicTerrakottafragmente 
voe Tarsott im I.ouvrc zii einer Laok(Kin(;ruppc ncliörcn. Dieselben werden 

den von Victor Lan^loi-s im Jahre 1S52 daselbst 
(•cmachtcn Ausgrabungen verdankt, wurden zuerst 
"j^jÄ von \.6an Hcuzey in der Gazette des beaux arts 
Ser. II T. XIV (1876) S. 401 {»ans reucoHfrons ju- 
slfuient pm-mi nos tiehrii lU terre cuite deux frag- 
innits df pttUrs figures qui rcprotiuisairnt k ceUbre 
j^roupe r/iodien dt hwcoon') cnvahnl, sodann nach 
einer bricllichi'n Mitieiliing desselben Gelehrten von 
Hühner (Nord und Süd 8, S. 364) beschrieben und wer- 
den hier zum ersten Male nach dem Stiche verüffent- 
S licht, welclicn Ilciizcy für ein in Vorbereitung bcfind- 

liclies Supittenieut aux Ki^urines de terrc cuite du 
Lftiivrc Itnl lirr«lcllen tapsen (8). Seiner grof^cn Liebenswürdigkeit verdanke ich die 
l'>l«ubn|6 <U*n Stich an diener Stelle repruducireii zw dürfen, wofür ich ihm auch 
hier tiiehicn hcndichcn Dank "«lic. 

Krimitdi Hind ein linkes und ein rechtes Jtein, von denen das erste dem Vater, 
da» letztere dem xtir Linken bclindlichcn Sohne Angehören dürfte. ErstercR (nach 
lleujce)'» |;efUIIIger Mitlellung mit der Signatur: Tan>e: 422) ist 60, letzteres (Tarse: 
^251 ft5 Millinu'ler hncli. tiegen die vun Ilühnei vorgetragene Antialuiie. daf& es 
mrh iini xwri vcmchiedcuL' ICxL-mpInrc von Hcinen des Vaters handle, s|)richt die 
Jugendllclic vcm der tlra andern Kchr verschiedene Muskulatur des r. Keines, sowie 
der Um«liin<l, ilnf» eine »n gerade Haltung von Ober- und Unterschenkel, wie sie 
dlcdc« llciti xelgt, filr den doch auch hier t>itKcnd zu denkenden Vater kaum 
ni6gljr]) wäre. 

Dan 1. Hein tlca Vaters ist nm Ober- und Unterschenkel von der einen 
Schlange umstrickt und im Knie nach innen gebogen; der Sohn wird von der 
lindem Schlange in den r. OtierKchenke] gebissen. In t>(^idcni Betracht weichen die 
l'Vagraente von der vaiikiiniftchen Gruppe ab. Aber auch, wenn man meinte, dafs 
üictc im Gegensinne wiedergegeben sei, würde sich keine genaue Cbereinstimmung 
herausstellen. Dagegen sehe ich kein Mimlernis sie fUr eine freie Replik der vati* 
kaniscUcn Gruppe anzusehen. Der Stil spricht nicht dagegen, wenn ich auch Heu* 
»cy darin Kecht gebe, dafs die Kleinheit und <ler Znstand der Krhaltung es unmt^* 
lieh machen die Zeit, in welcher die Terrakotta verfertigt wunle, sicher zu bcstimtnen. 
Troizdem aber die Terrakntiafabrtkatinn in Tarsos <<ich von der Zeit der Diadochcn 
bia jn^ i. Jahihundert n.ich C\\\. erstreckt hat, ^cheinl mir doch, dafs der Gedanke 
da* Werlt der drei rhodischen Künstler in Terrakotta in Tarsos nach- oder vielmehr 
nmzubildeii, leichter kommen konnte, wenn und &o lange sicli <las Werk in Rhodos 
befand, als wenn c« in Rom unter Titus geschaffen war. 



^''firslcr, Laoknon-Dcnkmiili'r und -In^ichrif^tn. l8g 



Hieran schlicfsc ich die Besprechung zweier Denkmäler, obwol ich die 
Beziehunj^ derselben auf die Laokoonsage nicht für richtig halte. Das erste der- 
selben ist 

5 
die >>Tcsta di Laocoontc« des Musco civico in Bologna, welche hier auf Taf. 3 zum 
ersten Male zur Veröffentlichung gelangt nach Photographien, welche ich mit einigen 
tatsächlichen Angaben der Güte meines verehrten hVeundes Albert Haenel verdanke. 

Der Marmorkopf {Guida dcl Musco civico di Bologna, B. 1887 p. 25) ist 
0,225 '11 hoch. Die Arbeit ist handwerksmäfsig. Der Bart ist mit dem Bohrer 
gemacht. Die Kopfhaare gleichen an den Seiten Strünken. Die linke Seite ist 
besser erhalten als die rechte, an welcher besonders das Auge und das Ohr 
verletzt sind, doch ist auch an der linken Seite die Epidermis zum Teil ver- 
wittert, zum Teil verstofsen. Die Nase und der linke Teil der Oberlijipe sind nach 
der freundlichen Mitteilung von Professor Brizio ergänzt. Der Kopf ist, wie mir 
derselbe Gelehrte schreibt, aus der Sammlung Marsigii, welche viele Stücke römi- 
scher Herkunft enthielt, ins Museum zu JJologna gelangt. Weiter zurück lafst sich 
die Herkunft desselben niciit verfolgen. Dafs er mit demjenigen, welchen Aldro- 
andi beim Cardinal Maffei in Rom sah, nicht identisch sein könne, weil weder das 
Fehlen des Halses noch gröfste Ähnlichkeit mit dem vatikanischen Kopfe, welche 
Aldroandi (Mauro, Le antichitä della citta di Roma, Venetia 1562 p. 241 77 <.'• nna 
testa di Laocoontc senza collo, souiigUantissima a queUa dclla sUiiiia di Bek'cdere) an 
jenem hervorhebt, auf ihn treffen, habe ich in den Verh. d. Philologenvers. S. 300 
bemerkt. 

Von dem vatikanischen Kopfe und dessen modernen Repliken (Aremberg, 
Leinata, Campana-Petersburg. Spada'^), welche den Schmerz jenes Kopfes teils ver- 
äufserlichcn, teils vcrsüfslichen, teils übertreiben, unterscheidet sich unser Kopf ganz 
wesentlich. Kr hat weder die, auch am pompejanischen, wie am filippincsken 
Gemälde vorhandene, cntscliiedenc Neigung nacli der 1. Seite, noch das von Fur- 
chen und Zusammenzichung der Muskeln zerrissene Gesicht. F> ist aufwärts ge- 
richtet und blickt mit beiden Augen aufwärts; Stirn und Wangen zeigen eine nur 
wenig getrübte Glätte. Der Ausdruck des Schmerzes ist ein leiser, das geistige 
Element überhaupt ein geringes. Wenn ich zugebe, dafs dies der Annahme antiken 
Ursprunges des Kopfes, für welche Hrizio eintritt und welche ich ohne Autojjsie 
nicht zu bestreiten wage, zu Gute kommt, so mufs ich doch andrerseits gestehen, 
dafs CS mir den Gedanken an Taokoon mehr als zweifelhaft macht und mich die 
Deutung auf anderem Gebiete, am liebsten dem der Gigantomachic suchen läfst. 

6. 
Das andre Denkmal ist eine schwarzfigurige Lckythos, deren Darstellung 
einem jungen I'reunde, welchem ich den ersten Hinweis auf sie verdanke, den 
Gedanken an den Laokoonmythus eingegeben hat. 



'"J Dii'str wird dt-m Htmini zugeschrieben (Besclir. A. Stadt Rom III, 3, 431J. 

Jtihrlmch des «rrhSDUigi^rhen Inslltulü VI. j^ 



Die Vase ist 0,21 m hoch. Sic befindet sich im Privatbesitz zu Athen. Der 
Itcäitzcr schrieb mir. allcrdinfjs fern von seiner Sammlung, dafs sie in Tanagra 
gefunden sei, aber ein an ihr befindlicher Zettel besagt, dafs sie aus Krctria stammt. 

liedenkt man, dafs es eine Version gibt, welche die Söhne de« Laokoon 
allein umkommen liefs", aus welcher Tzctzcs den Tod des Sohnes gemacht hat, 
üafs bei Quintus Smyrnäus XIT, ^Üo die zwei Schlangen, nachdem sie den Auftrag 
der Ailicna ausgerichtet, äua« ^(TrtütfrjSov uzu yji'ivi, so wird man ohne weitres %'er- 
Klchcn, wie der Gedanke die Darstellung des Vascnbildcs mit dem Laokoonmythus 
in Verbindung zu brinj^cn entstehen konnte. Selbst in der Kulc auf dem ySt^a 
halle nocli eine besondre Bexichunii auf Athcna gefunden werden können, und die 
Annahme, dafs der Erzählung des Quintus Smyrnäus oder der obigen Version eine 
alte Dichtung zu Grunde liege, hatte eine nicht verächtliche Stütze erhalten. 

Aber man wird den Gedanken doch nur einen Auj^enblick* festhalten können. 

Dafs nur ^in Jünj^ling erscheint, darauf soll nicht /.u viel Gewicht yelegt 
wer4]en, denn es könnte cntj^ugnet werden, dafs hier, wie oft, mir ein Ausschnitt 
aus einer grüfscren Composition vorliege, wol aber darauf dafs die Schlangen nicht, 
wie in allen Schilderungen, durch;; Meer, sondern hinter einem Grabhügel hcr\-or- 
kommen und noch mehr darauf dafs der Jüngling ihnen nicht unterliegt, sondern 
ihnen entgeht. 

Meiner Meinung nach ist die Deutimg im Gebiete des »Grabgcnrc< zu suchen. 
Doch libcrlassc ich gerne die weitere licsprechimg Herrn Dr. Alfred Bnicckncr 
indem ich ihm zugleich meinen herzlichen D.ink fiir die Vcrmitlhing und Revision 
der farbigen Zeichnung, nach welcher unsrc Abbildung (auf Tafel 4) gemacht ist. 
ausspreche, ebenso wie Herrn Maler SIcgcrt fiir die Herstellung der Zeichnung imd 
dem ]Jesitzer Ciit die Erlaubnis zur VeröfTentliehmig. 



") Schol. *. Lyc. 347 ll^f.xt; xal Xijf^fli« <f!?niiv; 

4 81 Xannitay 'M{ l^t "\>r/jv«>p(i; ■ T o ü i o 51 
T^l^vi «T),ut{«v TT,; 'Ii.i4-j äXfii^tint. ^'k'- 
Vcrh. •!. l'hU. K 4^6.) |.\|>ollo(lnr| bibl. i-pil. 
Valir. XXI, 16 S.68, aS Wagti« W-ihl««^ 'A 

ÄwyfjEi^MKfti Ali TfjC Ha>.9s;i); 1% züpt rXi^iv 

(Im (!rKlcx Sa1>l>aitkuf> fclilcn die» Wotlc: 
«. l'n|>.i(]i>pnulos Keraincu«, .^[>ollo<I. l»il>I. rra^m. 
Snbb. Rb. M. 46 B. 173). Da& kuicta /.eng- 
t»i» eine EnUtcIlung de* in det enicrvn Stelle 
ciitlinltcncii I(*rnchlL>» »t, lelirt dk Vcf^ilriL-hune 
ftcr 'lurch «Icn Dnick herrari^ hoben cit Woft«. 
K. \YagiiiM I. L S. 3jX bat wo) ciknnnl, ilar* 
IS fiicli Witt am vini: «Tot Hmipliju«]!« A)(IiUu<1<>t(, 
(IcT iUiipcTM«. frvmtlr Kiii«:l»liung handvll, 
«livulbc nlici fllsclilkli auf Kacchjliilc* ndcr 



.So[iholile* JUrütkKcfnUrf. Die Worte "Ar^Uwv 
a «'JTst: 3T,^^-a ir.i7:('i-it k(titni.-n nicht den 
InKnIt dpT bacchylitltiMrlien oder feopbokleitcben 
Fabirl wiedergeben. Walir^chvlnlieb koinint die 
iCntitlcIliing niif Rcchniitig ilrt l'rhcbcrs der vn- 
titanischen I-'xccrptc «dbni, al« wvlcben ieiil 
WagniT (Rh. Mus. 46 S. 40») den Txcucs MHbsl 
nnicbcn will. Die Wieder holuBß de* Vcr- 
Tucbcs das Ki;liolion des Serviu» i. Aen. II, 
30t *n teilen hetv. Aiif Euphnrinn und eine 
andre Quelle xiirUt:kfuruhieii, welche icli «oebcn 
liel Kchmpizow. de Quinti Sniym.Ki fnmfbu« 
oc mytho|inciii, Kili.ie 189t p. JI finde, beratil 
Mir der VefkcnnuDi; der Tauai;hei dafä \9npi% 
w-i« hüi^rM dtirehaua niehi immer eine Vicikeil 
TOii Birtichten vornu«»etrl, sondcni auch woo 
jedk-tn einicliivii mythoi^aiihi.achcn oder hbinri- 
scbcn Benclile i^etiagl wurden ist, wie ltci*pieb- 
wci» in den) *nn Kchmplrow «elbM an£ertlbtlen, 
über .ind<,-r« licurtetlten i^ iTv^pf« ra^ b^pfiovi 
i.i;linl. II. Ol, 6ä3. 



Formier, LaoktKin-Dcakinalcr und ^IiKclitirteD. 191 



INSCHRIFTEN. 

Mit Her WriilTfnlHchiinj; ilcr Faksimiles der auf die Künstler der I.aoktKitis- 
i;rup]>c bt» üblichen Inschriften komme ich dem in den Vcrhantl innren der 40. Hii- 
lolotjen versammhing S. 430 j^icgcbcncn Vcrspreclieii nach. 
Nachdem ich meine Ansicht Ober das Alter dieser In^chriflen 
cbendopt (S. 91 ff. uml 4_\o] auseinanderijcscizt habe, will ich 
hier nur noelmials hervorheben, wie sehr die Helrachtuny 
dieser Faksimiles zur Ückräftigung der durch Loewy'» .In- 
schriften griechischer Hildhauer' i^cwonnenun , übrigens von 
ihm (gerade auch an Inschriften rhodischer Künstler jS. 130) 
dargelej^ten Erkenntnis dient, dafs die Form der Buchstaben 
in den Inschriften derselben Künstler nicht blos von der 
Zeil, sondern auch von dem Orte abhangig ist, an welchem 
sie cingemeifselt worden sind. 

Für die Herstellung der Faksimiles ist der Weg me- 
chanischer Nachbildung, nämlich A utvlypie , gewätill worden. 
Gern bezeuge ich, dafs dadurch die Treue der gezeichneten 
Faksimiles, weiche Kekultf in seiner Schrift 'zur Üeuluiig und 
Zeitbestimmung des 1-aokoon' gegeben hat, im Wesentlichen 
bestätigt worden ist. Im übrigen füge ich den Faksimiles 
nur die wenigen foigi-mlen tatsächlichen Bemerkungen bei, 
welche auf Ergänzung der von Kekulö oder mir selbst 
bereits gemachten Ausführungen berechnet sind. 

J. 

An die Spitze stelle ich die Inschrift der Basis von 
marttio higio aus Anitum {Nettuno) in Villa Albani, welche 
süwul durch Grofee als Schönheit der Buchstaben am meisten 
den Ktndruck des Originals erweckt, sich auch der Inschrift 
von I-indos (unten N. 7) ähnlich er\veist=C. I. G. TU, 6133. 
Kekuk-, Zur Deutung des Laokoon S. iS. Eocwy N. 203. 
Kaibcl, Inscr. graec. Sicil et Ital. 1227. Vgl. G. HirschfeUI, 
Ztschr. f. östcrr. Gymn. 33, S. 172. Das Faksimile ist auf 
Grund eines Papicrabdrucks beinahe in Hälfte der Original- 
gröfsc hergestellt. Ich verdanke denselben der ]''rcundlicli- 
keit Hülsens. 

Dieser Inschrift steht in jeder Beziehung am nächsten, 
weist jedoch beträchtlich kleinere Buchstaben auf 

2 
Hie Inschrift von Capri = Guarini, Bull. d. I. 1832,8.155; 
Mangoni. Ricerche topogra6chc cd archcologichc sull isola 



VJl 



FoKlcr. Lnrikoon-Urnkinlllcr unil •InKbriflLti. 



()i Capri, NapoH 1834 p. 179; C. I. G. III, s^jo^; Loewy N. 520; Kaibcl 898; von 
mir nach (»iiis^^bKÜsscn bck;innl gt-mnclu uiul Kcjicn einen Zxvcifcl Frohners'* an 
der KchUicit geschützt in den Vcrii. d. Phllul. S. 42SH'. Dos in Originalgrüfse j^e- 
marhlc r.iksimiic hcmht auf den GipsabgiisHcn, welche der Lfehenswürdit^kuil des 
Herrn Dr. Ccrio auf Capri verdankt werden, ^ie fnidet sich an einer llasis von 
rMso ivttico. in welche eine Statuette eingelassen war. 
Nach I iintl 2 ii^t zu ergäiizen 



die Inschrift von Ostia = l^nciani, Notizic dc^ti scavi 1880 p. 47K; Kckiild 
S.23; l^ew>*N-48o; Kaibcl 1230. Unscrm in Orii;inali;r«>fsc gemachten Faksimile liegt 



einer von nvci durch Hülsens Vermittlnni^ von Lanciani besorgten Papicrabdrticken zu 
Gmnde. Die Inschrift ist 1S80 bei den Ausgrabungen tm Theater zu Ostia zu '\'x^c 
gekommen. Sie befindet sich an einer kleinen Basis von twrv antico, welche als 
Werkstück bei einer spätem KeHlaiiration des Theaters gedient hat. lanciani gibt 
in seiner Vcröflentliclitmg in Zeile 1 vor nPOI nicht nur ä, sondern auch vor die- 
sem noch den Kest von O. in Zeile 2 vor AIO£ ebenfall? noch den Kcst von O an. 
In Kckules Faksimile, welches auf einem ebenfalls I.anciani verdankten Abklatsch 
beruht, fehlen diese Kiichstabcnrcstc; daf^sell»; gih bezüglich der ersten Zeile von 
den mir vorliegenden Abdrücken, während der Rest dct* O in der zweiten Zeile 
erkennbar ist. Auch der Aufstrich des engten A in APHEAnüPOV ist im Faksimile 



<^ K«llicl& Noic DoHmavit PfMAiter, /»taut rtttt Ist vor aciner Vcrblfcnilichune KeMluicbcn. 



l-'(irstci, l.aoknaT»-LletihiutlIct uoil •Inwliririm. 



'93 



nicht so dcutttch wie im Abklatsch. Wenn Krölincr, Philologus, Suppl. V, S. 66 über 
Kckiiltis Faksimile sagt, dasselbe >brinf;c einen späten, fast cursivcn Text, dessen 
Buchstaben nictil neben einan<lcr Ikstami* haben, also sc? t-mwedcr die Zeichnung 
sehr niisr.illien, oder die Iiiscbrifl unecht' . s" kann ich keines von beiden fiir zu- 
treffend hallen. Kiii»clnc Uuchslabcn sind m jenem Faksimile ein wenig zu sehr 
nach links ^eneint und der obere yuerslrich iles Z in der ersten Zeile zu fchr 
aufwärts gerichtel. Die Buchstaben bieten keinerlei Aulats zur VerdächliKunt;. die 
Fundumstände schlicrsen eine l*aI->c!nMi}i aus. Ich halle für wahrschein'ich, wenn auch 
nicht fUr sicher, dafs auch dici» eine Originalinschrifl ist. Zweifellos hl mir dies bei 



r. 



der Inschrifl des Kr;^;Inents einer kleinen Kasis aus schwarzem Basalt '", welche 
sich einst im Besitz von Caylus, heut im Miinzkahinet der Bibliothiqiie nationale 
KU Parts befnulet -^^ Caylns, Recueil d'an* 
tiquittfs T pl. \.\'\ n. IV p. 153; Uaoul 
Koehclte, Lettre :i M. ScUoni, l'aris 1845 
p. 160 und 234; C". T. G. in. 6134; Kekulc 
S. 20; I-ocwy N. <146; Kaibel 122S. Un- 
ser ebenfalls in Originidi^röfsc n^''<'^'t'^"*-'* 
Faksimile ist nach einem schönen Gips- 
abgiif* gcmacbl, welchen ich der Liebens- 
würdigkeit von Iliiron de Villefosse ver- 
danke. Er xeiul von dem letzten O der 
ersten Zeile etwas weniger als das Faksi- 
mile bei KekuM, elivas mehr als das unsrisi^e, von den drei Strichen des dort fehlenden, 
von allen friihereii Herausgebern bezeugten N von EPOIHtEN die deutlichen Reste. 
Die Schrift steht der von N. 1 am nächsten ; die Aus^jabelunjider Knden iler senkrechten 
Striche zu f in I und H ist in unscrm Faksimile nicht genügend herausgekommen. 
Dagegen (gehört 

5 
die 1867 in Trastevcre in der via in Piscinula unter den Trümmern eines grofscn 

Gebäudes gefundene Inschrift, welche einst llelbig, jetzt Fröhncr gehört, zu einer 

in der Kaiserzeit gemachten Copie" eines Werkes des Vaters des Agesandros. = Bull. 

d. L 1S6; S. i4-(.; i8;3 S. 33; KekuMS. 21; LoewyN. 479; Kaibcl n. 1229. Unserm 

in OriginalgrÖfse hergestellten Faksimile liegt ein sehr schöner Abdruck, welchen 

Fröhner selbst für mich zu machen die Güte gehabt hat, zu Gnmdc. Von dem O 

vor £, welches im BulL d. L 1867 S. 144 fast ganz wietlcrgcgcben ist, bei Kekuld 



'*} Ilicfin fnl^c K'h Froclim-r ». a. O., nacbilcni 
»chon Ki-kulc S. 27 »ich für «lie Mhglfcblit-il 
miigciproclicn tiai, ilaf» ttik- IiiM:tiTifl niclil so- 
wohl von cincin Gcfüftt nl* von cinrr kleinen 
njndm Ka^is kcnührta, während Kalbet, «Ik-t* 



(linj;t »linc Aulop^Tv. in UriiiK '»r 1)05 MMctinl 
itca Irrtum vnn Kaoiil Koclirltc 1. 1. |>. 134 (vgl. 
|i. lOo) nivik-tlinli-ixl tnn Itaikiu ut ■t'üUtttr <fri- 

") Kut vin« Cfipic hat ücb scbon Ilclbig ItuU. if. I. 



1867, S. 144 (vgl, 1873. S. 34) nusenprochcn. 



194 



tör^tKT, Laolttinn-lJcnkQiiik-T tioil -In^eti ritten. 



:■/ Vflf 



unti danach bei I^cwy ganz, auf unserem Kak^imilc fast ganz fL-hlt, ist, w'k mir 
Fröhner sclirclbl, clwa ein Viertel erhallen. Der Kest des nach linti.s gehenden Aiif- 
slrichcs ist in unserm l'aksinitlc nicht sichtbar. Vor ETIOIHIE sind keinerlei Buchslabcn- 
reste sichtbar. Wenn Kaibel, Bull. d. I. 1873 S. 33 den Wegfall von POAIO£ vor 
ETTOIHZE annahm und sich dafür sowol auf die Analogie der Übrigen Inschriften 
wie auf den Raum berief, so ist erstcrc, wie N. 6 lehrt, nicht zwingend, letzteres 
seiner Vermutung eher ungünstig. Man würde, ila dann ein grüfserer Zwischen- 
raum zwischen beiden Worten anzunehmen wäre, erwarten, dxfs ETTOIHIE nicht 
nach links Über AfHCANAPOV hinausgesetzt wäre, üafs es gerade zwischen den bei- 
den Worten der ersten Zuile beginnt, scheint mir darauf hinzuweisen, da& nichts fehlt. 

Frcihner hat die Inscttrift für unecht erklärt auf Gründe liin, welche ich nicht 
nJrstichhaltif( ansehen kann. Die in I^cwys Werk gcj/ebencn Faksimiles von Künstler- 
infichriften lehren, dafs solche Aiifonlerun^en, wie sie Frohner erhebt, an Künstler- 
inschriften nicht gestellt werden dürfen. Überdies schtiergen auch hier die Umstände, 
imtcr welchen Heibig nach eigner Mitteilung an <ler Stelle der Ausgrabungen in 
den Besitz der Inschrift, gelangt isl, den Gedanken an eine Fälschung aus. 

Hieran schlicfsc ich 

6 
die Inschrift von I-oryma in Wien, welche zwar nicht den -Alhanüdoros als Rhodicr 







FOrstCTt I-Mokoon-DcnkmiUcT uDtl -lns>:l>firten. 



195 



benennt, jcdf>cli schon durch ihren l'undori — Rhodos gcKcnÜbcr — auf diesen^ 
hinweist = I.ucwy N. 302. Kckule S. 22, Benndarf. Reisen in Lykien und Karicni 
S. 22 Vi)^. 18". Für unser elwn in halber Orijjiiialgrofse gemachtes Faksimile 
hat ein I'apierabüruck gedient, welchen ich der l.iebcn-svvürdiiikeit des Herrn 
Dr. Robert v. Schneider verdanke. Die Inschrift steht unterhalb einer nischcn- 
funntgön Acdicula, in welche eine 'vcnnutÜch marmorne Sculplur', wol Statuette der] 
Artemi« Soicira, eingelassen war. 

7 
Endhch verdanke ich es der Güte Locwy's, welcher mir den von ihm 
Hclbst 1R82 i^eniachten Abklatsch zur Vcrfiigimij steUtc. dafs ich auch von der In- 
schrift von Lindos, welche Athanodnros alK Sohn des Agei^ndros, wenn anch 




nicht als Künstler nennt (= Rofs, Rh. M. IV (1845) S. icof. n. 21 = Arch. Aufs. 
II S.Giof.; Lnewy N. 546), die zwei ersten Zeilen in einem in etAva einem Kiinflel dcri 
Originalgrufse tjctnuchten Faksimile darbieten kann. Die Buchstaben des Ortginais] 
sind ct^va jswei Ccnlimetcr hoch. 



Schlicrslich scheint es mir angezeigt an dieser Stelle die Aufmerksamkeit' 
auf ein athcnodoreisches Werk zu lenken, welches den bisherigen KrÖrtcrungcn Über 
die Zeil der Künstler des Laokoon fremd geblieben ist; die Uis Athenodoria, 
welche das Curiosiim und die Nnliiia Rcgionum XIV als in der 12. Retjion befind- 
lich er^vähnen" {Rv^io X/i Jh'Ctna Palilka a»Ui»ft — isitUm AihcNoävriatu). Meiner 
Mehiung nach steht nichts im Wege dicac fiir ein Werk des Rhodischcn Künstlers ■ 
2u Iialten. eine Annahme in welcher mir. wie ich nachlräglich »ehe. bereits Nardtni, 
Roma antica III p. ajSsq. (ed. Roma 1S19) und R. I.anctani, Itull. dclia comm. 
arch. munic. I p. 33sq. vorangegangen sind*". 

Zwar hat Preller (Regionen der St. Rom S. J96 vgl. S. 124) nach dem Vor- 
gange anderer sie in die Zeit Caracailas gesetzt und, wenn ich seine Worte" rich-j 
tig verstehe, fiir die Stiftung eines .Atlicnodoro^ erklärt, aber es ist, wie schon, 
Lanciani hervorgehoben hat, durchaus unwaiirscheinlich, dafs ein solches nffcntlichcsJ 

■■} Die in*te VcTCXTcntlicIiung der Inschrift, welche "J Auch 0> (•ÜbCTt, Gesch. «. Topogr. d.St. Rd 
tlieter n. a. O. S. 30 A. 3 nnrilliri, llapvffSI^c HI S. 113 A. t (cliUcr*! «icTi ilictcr Ansklti »n. 

\tio S, S34, ist mir nicht lugilnglicli. "} AiK Alhenoilniia ohne Zweifel nai;Ii ihrem L'r- 

■*) JoTiUn, Tnpogr. d. Slftilr Rom II S. 560. hclicr, wie diu liiutn MctcUinum auf <fcm Cae- 

liu', uud au( Akt Zeil Hvt AolaK^n Caracallu«.« 



1^6 Kiirster, I.aakoon-Denldiiüler und -Inschrifltn. 



Moiiutnciit seinen Ucrnamen von einem völlig unbekannten Privatinanne j^riecliisclier 
Abkunft erhalten haben sollte. Dajfegen hat Isis Athcnodorin als Werk <les beriilimtcn '* 
rhodischen Meisters niclits befremdliches, verglichen mit / 'enus Praxitclia bei Plin. n. h. 
XXXVI, 22 und 26, PhidiacHS hippiier bei Prop. iV, 8 (9), 15 und — besonders in Anbe- 
tracht der Litteraturgattunfi — mit Phidiaca Nemesis bei Pompon. Mel. I[, 3, 46 (vyl. Phi- 
diacac signitm Dianae bei Solin 7, 26). Wahrscheinlich trug die Statue an der Basis den 
Namen iles Künstlers. Dafs sie in einem Tempel** stand, braucht nicht yeleu^'net zu 
werden. 

Dafs Athenodoros nur auf Rhodos tätig gewesen sei, ist nach Mafsgabe des oben 
(S. 191) über die Verschiedenheit der lluchstabcnform Gesagten nicht wahrseheiniich. 
Aber auch in Rhodos liat die Statue einer Isis um Mitte oder in der zweiten Hälfte 
des zweiten Jalirhunderts v. Ciir. nichts auffälliges nach allem, was wir über die 
Ausbreitung des Kultus dieser Göttin im alexandrin ischcn Zeitaller wissen ''\ Und der 
Bericht des Appian (b. Mithr. 27) über die durch Mithridates im Jahre 88 erfolgte Belage- 
rung der Stadt Rhodos bezeugt ausdrücklich ein Heiligtum der Göttin daselbst. 

Im Juni 1872 ist bei S. Ccsario an der via Appia, also in der Gegend der 
Isis Athenodoria, ein — heut im Museo Capitolino befindlicher — zu einer Ko- 
tossalstatue gehöriger marniorncr Fufs nebst Sandale, welche einen Zug von Tri- 
tonen und Kröten als Rcliefschmuck trägt, gefunden worden. Wenn die von Lan- 
ciani nach Möglichkeit begründete Vermutung, dafs dieser Fufs der Statue der Isis 
Athenodoria angehöre, zur Sicheriieit erhoben werden könnte, wäre für die pjit- 
stehungszeit dieser Statue, beziehungsweise des Laokoon ein entscheidendes Zeugnis 
gewonnen; denn ich mufs wenigstens nach der Abbildung (Bull. 1. I. t. I) jenem 
Gelehrten Recht geben, wenn er über den Stil dieses Reliefs urteilt (p. 37): in 
qitesti gentili rilici'i c veramentc di greco sapore In grazia e vcimsta dcUa coiiiposi- 
ziotie, hl puriia de! disegno, la morbidezza deW iniagUo. Aber er hat selbst nicht 
unausgesprochen gelassen, dafs es der Vermutung an einer siclieren Grundlage 
fehle. Möchte eine solche bald durch weitere Ausgrabungen gewonnen werden. 

Breslau. Richard Förster. 



*'■') <ll> er freilich mit iloni Alhenoilorus iilt-nlisch v. Rom S. 1522 u. in Iw. MUHer?; Ilaii(lliuu:!i <i. 

ist, welcliL-n ik-r Katalofj bei l'lin. 34, 86 aU klass. Altfrlhuniswiss. III S. 8S7. 

Moisk'T von fdiiiiiiie nohUfs nennt, liltiht un- ^') Vgl. die Litloratur lici Sauppc, Ilymn in \<.\m 
jjtwif-;. p. 8. Prcller, Bit. d. slichs. Gos, d, Wiss. 1854, 

") Vgl. O. KIchlL-r in Ilaumeislor^ DcnkniiUcrn s, S. i<)6. Drexler, Mythnl Beitrüge I, S. 4 fT. Mar- 

quardl, Rom. .Staal^verw. III S. 79, 



ZUR LF.KYTMOS TAFEL 4 

Dem Umstände, dafs ich vor einem Vierteljahre den Ausj^rabungen der 
griechischen Ephorie der Allerlhönier im äufHcrcn Kerameikos beiwohnen durfte, 
habe ich es zu danken, dafs die Rcdaction dieser Zeitschrift mich gebeten hat, die 
Veröffentlichung des archaischen Vasenbildes, auf welches Herr Professor Förster 
in diesem Hefte (S. iSgf.) aufmerksam macht, mit einigen weiteren Bemerkungen 
zu begleiten. 

Unter den Tausenden von erhaltenen Grabmälcrn und Grabm alertesten aus 
Attiica konnte bisher keins die cigenthünüichen bienenkorbartigen Denkmäler ver- 
anschaulichen, welche so überaus häufig auf den bemalten Vasen dargestellt sind, 
jio oft es sich nur um Voi^änge an Gräbern handeil. Solch ein wcifscs majinshohes 
Msl, mit einer grofscn Schlange im freien Felde daran, umflattert von dem noch 
gerüsteten Kidolon, bedeutet den Grabhügel des Patroklos im Bilde der Schleifung 
Hcktors'. Mit einer Lutroplioros bekrönt und ähnlich wie auf dem vorliegenden 
Vasenbilde mit einem Schri fistreifen umzogen, der auf flen Todten Bezug hat, wird 
CS bei einer zu Ehren des Verstorbenen veranstalteten Feier von wehklagenden 
Frauen umstanden". Es ist in den schwarzfigurigcn Vascnbildcm nie versäumt diese 
und ähnliche Grabmäler von viereckigem Umrifs gan* mit weifscr Farbe zu bedecken. 
Auf den weifsen Lekylhcn gab der Grund den Localton ohne weiteres her. Wird 
das Denkmal dort zur Bezeichnung eines Grabes neben die mit ihr zubanimcnge- 
hörige Stele gesetzt, so gemahnt das, wie O. Bcnndorf gesagt hat', an die epische 
Formel "rSii-^tj xs otyjXiq is, "ä •,-4p' T-f*'* -'^^ Oavli-Tüjv. Es ist eben die abgekürzte 
Form eines vj\i^;, eines grofsen HrdhUgcIs. Schon aus diesem Zusammenhange 
heraus wäre zu crschliefsen, dafs diese dargestellten Denkmäler aus lockerem Erdreich 
bestanden und vci^änglichcr Natur waren; und das wird negativ dadurch bestätigt, 
dafs ihren Umrifs kein Stein unter den erhaltenen Grabmälcrn wicdei^iebl. deren 
Zahl doch so grofs ist, dafs wir mit ziemlicher Vollständigkeit Über die Marmorwcrke 
auf attischen Friedhöfen unterrichtet zu sein glauben können. 

Seit es der Ephorie der Alterthilmer in Vur\'a gegltickt ist, ein aus Eehm- 
ziegehi aufgebautes, dann mit weifsem Stuck Ubcrsogencs Monument in Form eines 



*) Gcrbard AV. 198. 199 ^ FurtwäDglcr, Htilioci 
ViMiiMunmlunf 1867. 1902. 

*) Monuinenli Vllt ;, 1 h =^ CoUlgiion, Vascs 
d'AÜiiiics 200 bis. 

*) CHech. und steil. Vatcnbililct s. 31. L>ip j^eecn. 

ihriliffc Antichi, «Inr« die Oar^cülclllcn DcnkmüWr 

Kus Marmor bcntandtn hHttcn, wird von rotlicr 

in iciDcn l^niü» tut Ics IccjrUici blan» Mtii|uv4 

Jrtri)»«*) dM ■r«k>iilo|litb«n litiittau Vi. 



& 53f. vertreten. Sldrn mit balbtuidcn AI» 
•chlurs wie Bulletltito 1864 S. 48 Ictinticn nicht 
lutn Vcrgleiclic beranguagen werden : ibrc Form 
ist «reit Mrbinalcr and gciecktcr, und wenn 
>ie auf den trcifkcn Lekjilhcn dnrtteitellt wurden, 
mu&te auch dn.^ gemalle Umamcni dot Ab- 
Achluniic« angegeben wctdcn. Aber i-in brOneadc) 
PalmctiviKirnuncnt ßndcl tich au den tÜ}a^ Die 

»5 



198 



BracckMr, Zur Lckythos Tafvl 4. 



grofsen Kastens unversehrt aus der uni^cbciulcn Sclmttnia&sc l»erauszuschälen . ist 
man auf derartige im Altcrtlium und nicht am wcni^ten jet2t während der Aus- 
grabung leicht xcrstörbare Denkmäler in besonderem Mafsc aufmerksam geworden. 
So haben denn auch die Grabungen dieses Frühjahres an der ailicnisdien Piräus- 
sirafsc, auf dem Gruntlsiüclic des ] Icrrn Obersten Sapuntzäkis, die Reste eines Grab- 
mals ergeben, welches geci(^net ist, das auf der vnrliegemlen Tafel dargestellte zu 
veranschaulichen*. Man sticfs dort auf ein Rund von (iber zwei Meter Durchmesser, 
welches aus l.ehmziegeln hergerichtet, im innem mit Schutt hinterfulli und aufsen 
herum mit einem hellen Stuck überzogen war. Obwohl nur mehr bis zu einer Höhe 
von etwa 0,40 erhalten, bewies doch die ein wenig sich nach oben zuschrägende 
Stuckschicht, dafs das Monument allmalilich sich verjüngte, ganz in der Weise der 
fraglichen tjpß^t. Der TÜ;i.^'jc war in diesem Falle noch besonders anschaulich her- 
ausgehoben, indem er auf einer Terrasse aufgebaut war. Doch bleibt die Schilde- 
nmg der Einzelheiten der Anlage der ausführlichen Besprechung des Friedhofes, 
welche an anderem Orte geschehen soll, besser vorbehalten. Hier mag nur noch er- 
w.ihnt werden, dafs das zugehörige Grab in einer Tiefe von über 3 Metern unter der 
Sohle des tüjiß'j; und genau in dessen Mittelaxe sich befand, und dafs nach ihrer 
Schichthohe und nach den geringen Resten der Beigaben, welche aus der liefen 
A&chenscliicht des Grabes sich herausfordern licfscn, die Anlage dem vierten Jahr- 
hundert angehört. 

Der Stuckiiberzug des erhaltenen Grabmales erklärt, weshalb diese Tufi^x 
immer wcifs wiedergegeben werden. AHquattto post Syohnfm, heifst es bei Cicero 
in seinem Auszug aus des Demelrios von l'haleron Übersicht über die athenischen 
Grabmalgesetzc *, ist es einmal verboten worden, opus tectorium , Xsüxiuiia, an der- 
artigen Monivnenten zu verwenden. Indessen das Verbot, dessen Motive uns 
zunächst unbekannt sind, ist nach Ausweis des Dcnkmales nicht lange beobachtet 
worden. 

In unserem Vascnbildc erschweren die grofsen Lücken die Deutung der 
Darstellung. Gerade in wesentlichen Einzelheiten ist nicht über Vcrmuthungen hin- 
wegzukommen. In <(er Inschrift mufs man schwanken, ob die Buchstaben ähnliche 
Rundung über ^ wirklich ein Buchstabe oder nicht vielmehr der Ausläufer der 
Ranke ist, auf welcher die Kulc sitzt; zu Gunsten der zweiten Möglichkeit lafst sich 
anführen, dafs nach Botho Graf, dem ich eine Revision der Inschrift verdanke, die 
zweifellosen Buchstaben »etwas fester aufgetragen sind«. Ebenso wenig vermag 
ich zu einer Sicherheit in der Auflassung des unteren Schlangen kopfes zu kommen- 
Die halbkreisförmige T-inic, welche das erhaltene Auge abweichend vom oberen 
Kopfe umgiebt, liefs sieh als Rand des Kopfschildcs fassen; dann wäre der Schlangcn- 
kopf von oben zu sehen. Aber dabei würden die beiden kleinen Striche vor dem 
Auge stören, an deren Stelle man im Vergleich zu der andern Schlange senkrecht 
verlaufende Linien zur Angabc der sich um den Rachen herumziehenden Hautfatten 
erwarten müfstc. Vollends über die Attribute des davonlaufenden jUngUng», von 



*) VcL AiAtto« i^i%y%).ff{\-*.<n 1S91 S. jj. 



»j de hg»Mi II, »6. 



denen nur ganz rechta ein paar dicke Striche erhalten sind, welche sich scliwerlich 
mehr zur tiand ziehen lassen, bleiben wir ganz im Unklaren. Bei so unsicherem 
Fundamente mufs der Interpret sich bescheiden auf die etwa m'^lichen Deutungen 
hinzuweisen. 

Dafs die Darstellung mit der Laokoonaage zu thun habe, i^^t oben von Herrn 
Förster mit nicht zu widerlegenden Gründen zurückgewiesen worden. Er selbst sucht 
die Deutung im Gebtete des »Gmbgenrcst. Danach wäre der Jüngling irgend vnc 
einem von Dickicht umwachsenen Grabe zu nahe gekommen, hätte dessen Hctlii^kcit 
verletzt, die Hüterinnen desselben, ein Schlangenpaar gereift und suchte nun sein 
Heil in der Flucht. Gcwifs sind damit die Elemente des Bildes erklärt; wenn das 
Vergehen des Jünglings nicht deutlich wird , so kann das an der mangelhaften Er- 
haltung liegen. Die Eule als 'lodtenvogel aufgefafst, an sich wahrscheinlich, findet 
einen besonderen Beleg in dem attischen Vasenbilde aus Gnalhia Müller-Wiescler 
U' 59- 75'> wo ihrer zwei neben einem Grabmal hocken, welches das Bild einer 
Sirene trägt; auch an den ^ulio der Römer ist dabt-i zu erinnern, der sich auf den 
First des Hauses setzt, in welches der Tod einkehren will, und an die Sircncn- 
gcstaltcn der attischen Grabsteine, welche liäußg mit vollem Bezüge über dem First 
des architektonischen Rahmens erscheinen, eben weil sie in ilircm Wesen den Todten- 
vögcln vcr»"aiuit sintl *, Auch das paanvcise Auftauchen der Schlangen wird so oft 
erwähnt, dafs aus der Zwcizali! an sich kein Bedenken gegen die Gcnrehaftigkeit 
der Sccnc zu begründen wäre*. Eine ganze Reihe von Nachweisen dieser Art ver- 
danke ich Herrn För*ter. Ein Schlangenpaar nicht den Seher lamos auf bei Pindar 
Ol. VI 45 50'j oi YXauxwrs; aOtiv iSatu'ivmv ^yjÄciistv iKfiä-^yri 8;/M'.v3;. reinigt dem 
Scher Melampus die Ohren, damit er die Sprache der Tliiere versteht (Apollod. 
h 9r ilO> wi*^ vo'i Hera zum Lager des Kindes Herakles geschickt (ebenda il, 4, 
8) oder schiefst auf das Geheifs des Asklepios aus dem Tempel hcr\'or bei Arist. 
Flut. 733 (£5i[|EaTT,v vjv ?yo ÄpaV/iVT' sx w vj»'u ürsp-svs« tö fiifiik;). <iwci Schlangen be- 
hüten ein Qucllhaus auf <ler bekannten kyrenäischen Vase, ringeln sich um die zur 
Aufnahme der Spende bestimmte Vertiefung an dem Grabaltar des Heros Artstan' 
dros von Lcsbos*, und sind am Epistyl eines Grabmals in Rhamnus abgebildet". 

So betrachtet wäre die Darstellung in Zusanunenhang zu bringen mit dem Bilde 
einer weifHgrnndigcn Ixkythos, in welchem ein Jüngling vor einer einzelnen Schlange 
zurückweicht und wo man die Seene, eben weil sie auf eine weilsc Lekytlios gemalt 
ist, geneigt sein wird in die Nähe der Gräber zu verlegen"*. 



*) Vcieil [V 462C Orld IbU 223 TibuU I. 5. s>f- 

Hcn Konter laccbt anf Uidiir Orig. XII, 7, 
39 .-lufmerUtam: Imbo avi« rcralh in vcpulcris 
dt«! noctuque vcnditttr. Vgl. hirrra und lUt 
Siicnc O, Cmiiiu die E]ibi|ihanic der Sirene 
im l'liiloIoKU» Bd. SO ('S. F. IV) S. 100 f. Biucck- 
ncT. Ornamitni aml Form der Attischen Grab- 
stekn S. 32. 

in Tfieti, abgcb. Kunt, 11 Musco Cn-ico di 



n Vgl. A. Mnx, Grlcfh, Mtttcben von dankbuen 

Thirten S. 99r. 
•) Arch. Ztg. XXXIX, Tut XII, 3 ^ St«<Im«ka, 

Kyrcne .S. 33 und Conze, Rctie atiT der Intel 

Letibt» Taf. IV, 5. 
") Athen. Miuh. dc«^ loM. IV. S. 379- 
'") Anwricaa Journal ofardluieöl. II Taf. X.6=Taf. 

XII, 3. ü. 396f. Vgl. auch eine nuKkltige V»*e 
oDtichita di TrJcsIc. Tricvt 1879, Tat 3. 



Aber gerade dar Vergleich mit den eben herangezogenen VasenbilUem, auf 
welchen die Schlange klein d. i. im natürlichen Verhältnis xu dem Jüngling gebildet 
ist, macht es eindringlich, wie sehr diese beiden mächtigen Schlangen auf unserer 
Vase über die Natur und das Gcnrchaftc hinaus gesteigert auftreten. Um deswillen 
mochte ich die Möglichkeit einer ntytliologischen Deutung offen halten. In der 
ßrantcghcni'i^hcn Sammlung zu Brüssel befindet sich seit kurzem eine schöne 
Schale, deren Figuren der Besitzer auf den Mytlios des Polycidos und Glaukos 
gedeutet hat". Ich kenne sie nur aus einer Photographie beim Institut und entnehme 
daraus, dafs der Zauberer Polyeidos, der den Sohn des Minos von den Todten 
wieder erweckt, als JUngling dai^cstellt ist. Audi auf unserer Vase erinnert 
manches an diese Sage. Kine '(haCt hatte dem Polyeidos verrathen, wo <ler Leich- 
nam des Glaukos zu finden sei". Das Beispiel zweier Schlangen, von denen die 
eine ihre todtc Gefährtin mit einem Krautu* bedeckte und \vieder belebte, hatte ihm 
das Mittel angegeben, dem Körper des Königssohnes die Seele zurückzugeben". 
Es wäre möglich, d.ifs der vor den Schlangen entweichende Jüngling die Ranke. 
die rechts unten vor ihm erscheint, gehalten habe, und es würde der oft ausge- 
sprochenen Vermuthung, dafs die späte Version, wonach Glaukos in ein Honigfafs 
gefallen war, aus einem Misvcrständnifs der alten Sitte der Bestattung in Honig 
entstanden sei, nur entsprechen, wenn wir auf einer Vase des ausgehenden 6. Jahr- 
hunderts ein Grabmal des Glaukos dargestellt fänden. 

Indessen ich mag nicht diese Möglichkeit der Deutung positiv aufstellen, so 
lange die Lesung der Inschrift nicht geglückt ist. Botho Graf bemerkt zu dem 
Buchstaben über dem V, dafs es sicher ein Omikron, dafs der darüber folgende 
ein N oder S, und dafs beim nächsten am Ende der zweiten Hasta der weifse Grund 
abgesprungen sei. Vielleicht löst ein anderer das vorliegende Problem. 

Berlin. Alfred Brucckncr. 



") Vgl. FuitwIngVr , Arcb. An». iB^i S. 69. Zur 
Sage vgl. Gavdechci» In RoKher& MytboL Lexi- 
kon Sp, i686f. 

"J So in Etiripidi:»' ll»^^«d«^ Aelia» mpl (i^wvV,!. 

") Von der unteren äcblaofc Ist linkt voin Ko[>fe 
dkht am Ilruche noch der Conlur unter der 



Ranke erhallen, wir R. GrttC vor den OrfgiiMl 
atüdiflcklicb l>cj:cugt. Nach ihm ii^I auch an 
Aa Scharf autgcbrochencn Spitxc vor dem zwei- 
ten Schhng«nkdrper noch eine tEcringe in der 
7«tchntmg nichl wicdcrsegcbeac Spur von dem 
KArper jener Schlange vorbanden. 



TUSCI UND LAURENTINUM 
DES JÜNGEREN PLINIUS 

Wer aus Vitruvs Lclirbucli der Architektur sich eine Vorstellung zu bilden 
sucht von den I^indsitzcn vornehmer Römer, auf denen sie Hrliolung von den Ge- 
schäften und den Aufregungen des Stadticbcns suchten, wird erstaunt sein libcr das 
Mifsverhältnis, das besteht zwischen der Beliebtheit und Verbreitun^j solcher Villen 
schon um die Zeit des Aus^^an^js der Republik' und der Dürftigkeit der Angaben, 
welche Vitniv über llirc Anln[;c und Hinrichtung bietet. Ausführlich spricht er nur 
über die zu Wirtschaftszueekcn dienende Villa (VI, 9); die Villa als luxuriösen 
Herrensitz erwähnt er nur ganz kurz im Anschlufs an die Abänderungen, welchen 
der Typus des Stadthauses mit R>ick*ieht auf Stand und Beruf des Bewohners zu 
unterwerfen sei (VI, 8): eanttn autem rrrum non solum rruut in nrbe aedifieiomm 
rationes, s(d ctiam rnri, praeterquttm quod in urhe alrh proximn ianuis solent rsse, 
ritri nutcm psi-udoiirbanis statitn fierisiytUt, deinäe tunc atrin hahentin circuvt pvrticus 
Pm'ifMenlaftts sptclantrs <ui palaestras ff ambuiatümes. Derselbe Anschlufs des lantl- 
lichcn an den städtischen Bau wird auch VI, 9 vcriaugt: si quid delicatius itt tnilis 
faciundttm flieht, tx spnmetriis ifitac in itrbants snpra scriptae sunt consHtuta ita 
struantur uti sine inpi-ditioite rusticuf uttHiatis acdifieentur. ommaquc atdificia nt htm- 
nosiJ si/jt oportet curari, sed quan sunt ad villas faciliora videiiiuy esse ideo quod 
partes ntiiUtts vidni polest obstare. Für den städtischen Pabist des Vornehmen sind 
aber erforderlich (VI. 8): vestibtda re^alitx alta, airia et peristylia avtplissima, sihae 
ambuhtionesqtte laxiores ad decorem maicstatis perfectae, praeferea bibtiothecae ptna- 
cothfcae basüicae non dissimiti tuvdo quam publicorum operum magnificentia cmupara- 
tac, tjuod in dt»n/bits eonim saepius et publica consiUa et prrvata iudicia arbitrtaque 
Cüußtiuntur. Danach wäre das Herrenhau;» der Villa ein aufs Land verlegtes 
Stadthaus und wird vun Vitruv nur deshalb besonders erwähnt, weil das Verhältnis 
des Architekten zu seiner Aufgabe dank dem Wegfall der Rücksicht auf die Hauten 
des Nachbars hier ein etwas günstigeres ist als dort 

Eingehendere Nachrichten über die Beschaffenheit solcher Villen besitzen 
wir erst aus hundert Jahre späterer Zeit in den beiden bekannten Briefen des jün« 
geren PÜnius (tl, 17. V, 6), welche durch einzelne Angaben in anderen Briefen noch 
ergänzt werden, und ein günstigirr Zufall mufs es genannt werden, dafs ungefähr 
aus derselben Zeit die einzigen in ihrem ganzen Umfang leidlich erhaltenen Reste 
einer Villa stammen, diejenigen welche ein weitausgedehntes Gebiet am Fufs der 
Berge von Tivoli bedecken und der aus Spartian (v. Hadr. 26) bekannten Villa des 
Hadrian angehören. 



Jafeikoelt Ü4 



'> l-'rictlliüidcr, KincogcMhicIUc !• S. It>7- 
I arcUatsflKkni iuntlDI* VI. 



]6 



Jti> W iiiiu'U'lil, l'iiM'i niiil l.^uiu'iitiiitiiii ili-s jHiiycrtu l'Iinius. 



|)ri ri.m (K'i \'\\\a tli'j! U.uhian" zci^t diese aufgelöst in eine Mcnj^c von 
i;i..|l:i HM iiiiil I.Uiiieu-ii (.'oinitlexcn . tlie wie rei^eltos verstreut erscheinen. Niclit 
lim, iltli Miii eiiiei einlieilliel^en Pisposition iini.1 l.'^rientiorunii der einzelnen Hauten 
l.i Im l\i tir iil -.k-U»-.t in unmiltellMiei' N'erbimluni; mit einander stehende Gebaiiilk.- 

IrtI Iif Mi-ii liu'dk'usteii AMiehtunj^eii; so tiiuien sicli z. R in der ianu;en riucht. 

IM li In wt : tili •»■j.;. S.il.1 dei titosoti i^l*isiunAttc«.> Q'. N.it:itorio ^risi;inattC'.i 10~I4', 
hiMh-i. t .t !;ui.» ^ltlMu<^eeIK• i -''. HiWiotvva Lttin.i vBibliotcche Ci—12 und dem 
■ '.'llhli .•\\\i .iiiu'iliiiukii HaiiJ»e ^(.^spim'i 4_*. 44- -4,-^ besteht, nicht zwei B.iiiti.:i. 
(Villi)' ('K ii In \\iKliUiiit; hauen, luul nur zwischen i.len beiden si^j;. Hibiothei^en 
1.1 dilti It \i'il« |.;iin^ ^inei /,\\eim;it !;eb».^^enen Sauienha'Le ' der Versuch .,em.iciit 
„tili,-..!. II.. ili it Aii'iluiM v>.>n eUww SyiinnetTic hervonsurufen. Kbcnso entbehrt ■'[.- 
( ji...l.iluui.; ik t fc in/.elMen ^\>ni|>le\e jeder l<ej;eimärsiy.kcit. Die Crriiyi.iicru::^ i:^r 
(i.li'iiti. Hill liiiunludc, \\\\.- man .ds chuiaktc ristisch liir die Einrichf-uiLC des .mtil;,:- 
I |.iii .. . y.ii litli.ulU^ii |'lle[;l. ist t;ist j;etlissentiich vermieden; ^roise h.Llc:i'.:m^ebe!ii.- 
('lil<. .Hill 1-1 ni yiolk^-iei /.»hl vorh.uidcn, aber vieitacli sind sie ^ ;r :T:ci:t v. ■: 
I «' l..iiid< II iim\.;ilieii. die MX die eine Seite sti.»rsc!u!en Geniäciier <::Td \->:v. -'.ww.: 
-ili,,' l.i Hill l, lui;<.ii \\v>hl .mch .Uli" .uidercm Niveau inid stehen "i.iuin mit v.v.wv. :". 
\ ■ iIhihIiiiil; llei-.|Mele sin^l ..ler Hol' in dein von i'irmiesi i'üh'.O-'te'r.i ^L-n.u!:ic.:: 
h hl dii ll"l dei -.oi;. Ak.ideniic in seiner rreiinun^ vi'ii .ie'i -;Miich .iiistOiSciTde- 
I- Miiiti It, litt Hol hiiilei den iMbliotheken, .ui dcssi.!i SidscitJ ■Je'7Jmje :ei,e::. 
• I' II 11 I iil'ili.idk II um -',i./.Mn ^^^.Si^^^u^l j:_*^ und 4, i,^ m '."'spititj ;_; 'i"i;er st .ils .ivr 
(ti.ij. u .1. . Uiik'i'. .\uch uo euic Reihe vvi\ Iviumen sicii .tut" j-nen -mlciie!: r: ■' 
iihiK I. II tli» ■■ iinui l'ui.->t.CKien nur eine ricbv'UsaciT-iciic \ jrL'induni; '.v*e u; ier 
I I .| < [li dl . \k.id». iniehoN, wo ,i,[es an enier ..ier Laii^,s-.i.vj ies l->iiW 'oriii-ie!: 

\ ■ .iii,;i MidiK l iNl ^ Ac\Mv!emia ;,~. 15. *c>. j»;. ;j. ;^; .uu: w ^\\. lir :e:i ■.■rr: 
iiMiillii li .\\\\ !.;eiiv":i O.ulen , t . i ' mciic .üxr :ur Jen '.om '. ■.«■i-j \ irtne'.^ijk.-i j;:: 

iiilii ilii. tu - \t.»ii.e vlustei'.:. b'tw.is -uiliercr ^■.is.utnne'ii'..t.''.^ je>^.'i: -wlt :'*-so:;e-; 
.1.1 ... _ rt,i...i d k'ivv -iKJ Jv"ii ■iudlioi .utstoisenden vcnac '.l;*'. '.'■■..-.'^■i\: inrer.:',- 
ii i I V. tt.i I .iLivh die^C MMd :uoit 'Mcil Jeni r-ole ^e'-e-icet. -ii.';iv:e": ,".;:'-'H-!--'! 

I. It .m\.ui. t:ii> eüiei! ^loiscn x-n'i'csi»i.. '. .ier .'...cr'Jüi-.^s n .xt '. ^iv^s*ot.-- :^? 
Iliili . .,\i,vn -»leli -McW eio^cMi litt ,-MK! ^roiis^'i V.ir-c .'i:net. t^^;-:; Llclic ij-c-- 

. Hl .l-tlttli., \i'i> v>iVll siUj'.Mn^C'l laCK."'! "tiuis. 



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Wiancfcld, Ttitci und [^umilinum <!» ianKvrcu IMinius. 



203 



In allen Verhältnissen sehr viel bescheidener aber in den Grundzügen der 
Anlage nicht wesentlich von der Villa des Hadrian verschieden waren aucJi die 
beiden Landsitze des jtlnficrcn Plinius, die Tusci im oberen Tibcrthal bei Tifernum 
Tiberinum" und das Laurcntinum an der latinisclicn Meeresküste bei Laiircntum, 
welche er in Briefen an Domitius ApolJinaris (V, 6) und Gallus (11, 17) eingehend 
bcschreibtS und was man aus mehr gelegentlichen Andeutungen Über seine Villen 
am Comcr See erfahrt ", gibt zum mindesten keine Veranlassung zu der Annahme, 
dafs diese wesentlich an<iers angelegt gewesen seien. 

Di^ Gegend, in welcher die Tusci lagen, schildert I'linius mit folgenden 
Worten": »Stelle dir ein ungeheures Amphitheater vor, wie es allein die Natur zu 
bilden vermag: eine weit ausgedehnte Ebene wird von Bergen umgürtet, die Berge 
sind mit altem Hochwald bekrönt und haben einen reichen Wüdstand. An den 
Abliangen zieht sich Schlag^vald hinunter, dazwischen fette Erdhügel (denn Felsen 
sucht man hier überall vergebens), die dem ebensten Gefilde an iTUchtbarkeit nicht 
nachstehen und eine gesegnete Ernte, wenn auch etwas spätc-r zur Reife bringen. 
Unterhalb erstrecken sich Weinberge rings herum und gewahren weit und breit 
einen einheitlichen Anblick. Wo sie aufhören, folgen Obstpflanzungen und bilden 
gleichsam ihren Saum gegen die Ebene. Diese enthält Wiesen und Kornfelder... 
Die Wiesen prangen im Blumenflor, Klee und Gras sind zart und weich und gleich- 
sam ewig jung; denn alles wird von beständigen Bachen genährt. Aber trotz der 
WasscrftiUc ist kein Sumpf da, weil der geneigte Boden das empfangene Wasser, 
i\nR er nicht aufnehmen kann, an den Tiber abgibt. Dieser schiffbare Flufs strümt 
mitten durchs Gefilde.« Diese Beschreibung ist abgesehen davon, dafs sie ein an- 
schauliches Bild vom Charakter <lcr Umgebung gewährt, welche sich Plinius fiir 
seinen Sommcr.iiU wählte, von der gröfstcn unmittelbaren Wichtigkeil für die Rc- 
construction desselben', denn die Angaben über die Aussicht, welche man aus den 
Fenstern und Thüren der einzelnen Teile der Villa gcnofs, sind zusammen mit 
snlehen Über das Verhältnis derselben zum Sonnen.stand in verschiedenen Tages- 



«) Ep. IV. I. 4. 

'') Von rralieirn RccDni-Uuctioncii 4c» Gnin<lritfci' 
■)ie«irr VilU-n, tlic teilweise aiKh von AtifriB*cti 
und Uuicbichoilten besleilcl Kin^, «ind mir 
folgCBdc bckonoi geworden: äeamoiii. /.'Uta 
Jiir ortkiMtHra unn*erta/f. Vcnczift 161$, I, 
267««. (nur Lauttniinuni}, wiciJ« abtfcdtiicki 
Ui-i Fvlibien Ak* Avniix und im Anhang ätt 
il.ilicniM;li<;n Ausgalic vnnMaxois, t.e paltiii tir 
Seaamt. Mailand 1S25. Fcliliicn des Avnax, 
/m ftaas ei kr dtKripthm ... dt* ... maü&Hi 
df famf^iKTU dt Pftne tt (CfuHl. I.ondies 1707. 
R. Caitetl, Thf '.'iilM «/ Iht omitHl UimtraUd 
tiomlon 1728 (in dem mit nllcin (UgilneticLcn 
Kxvntplnr dci Kgl. Biblinthck in Berlin fehlen 
di« Tafeln). P. Harqucx. /V/Ar vUU di P/inh 

S, 



if giavatu. Rama 1796. Hirt, Geschichte der 
BflukunBl der Allen III (iSa?) S. 39s AT. Taf. 39. 
Cnnina, Arthilttitirn aHli<a, iet. III |MiTtc II 
p. 252»«. ta*. 340 (nur I^urentinum), wiederholt 
und um eine [>uT«pL-cti*ixche Aniicht rermchrt 
in £Jj/fy' di A'mnn antüa V p. 30S, VI Mv. 190. 
191. ächinkel im Architekloniiichcn Album, 
red. rnto Architcktcnrerein tu Berlin, lieft Vli 
VnUAiun 1841. W. SlicT, Architcktonitehc Eni' 
wllrfc bcraase. van H. älter. Berlin 1867. 

*) Ep. IX, 7: nur nu[ den dortigen Gnindbc«ltt, 
nicht .luf die Bnulichkcitcn und Anlagen belie- 
hen aich III, 19. IV, 30. VI. 14. Vir. 11. Vgl. 
aucli die AuTiiüblunf; der Teile der Villa de« 
Caiiiniu» Rufui am Comcr Scv I, 3. 

*J ClwraeUune nach Nissen, luL Landnkiindc I 
463t 

i6* 




•5'' at '"^<''- 



■PJ? 



^"^v^ 



'"^^'"-i^i/n; 



'Jini US. 



Wioncfcld, Tuwi und LAnrcnllniim des jUni^cren I'Iiniut. 



205 



zcitep die einzigen Hilfsmittel zur Bestimmung ihrer gegenseitigen I-age und somit 
der GcsanU(lls]ii>sitior der Villa, soweit sich diese bei der Lückcnhaftitikeit der 
Beschreibung Überhaupt noch erkennen lafst. 

Denn sehr unvollständig ist die Beschreibung trotz aller Ausruhrlichkeit: es 
fehlt jede linvühnunfi der Gemächer der Frau des Hausherrn, von SUlnven- und 
Wirtschaftsgebäuden ist mit keinem Worte die Rede; was sonst noch alles über- 
gangen sein mag, entzieht sich jeder Berechnung. Ks kam PÜnius eben nur darauf 
an die Räume zu schildern, die seinem persönlichen Gebrauche dienten, und deren 
Vorzüge hervorzuheben '\ Es ist höchst bezeichnend und für dx<i Verständnis lier 
Anlage sehr wichtig, dafs zu diesen Vorzügen das Vorliandcnscin besonderer dea 
Verhältnissen jeder einzelnen Jahres- und Tageszeit angcpafstcr Gemächer, schone 
Aussicht aus I-'enstem und Türen, auch wolil Spielereien der Innenausstattung ge- 
hören, nicht aber eine vollendete architektonische Ausgestaltung sei es des Aufscren, 
sei es gröfserer zusammenhängender Teile des Innern. Davon fehlt bei aller be- 
haglichen Breite in der Aufzählung der Herrlichkeiten der Villa auch die leiseste 
Andeutung; ct\vas derartiges darf also auch nicht vorausgesetzt und nicht zur 
Gnindlagc des Rccoiistniciionsversuchs gemacht werden, umso weniger als der 
Vergleich mit der Villa des Hadrian deutlich genug zeigt, wie unbegründet eine 
solche Voraussetzung wäre. 

Die Villa lag der Hauptsache nach an der Südseite eines Hügels, von dessen 
Fufä sie in sanfter Steigung sich am Abhang eniporzog, also wesentlich in der in 
der allgemeinen Ortsbeschreibung den Ühstjiflanzungcn zugewiesenen Zone, reichte 
aber auch noch bis in die Wcinbei^e hinein. Die V'agadc bildete eiue grofse 
Säulenhalle, welche von der Mittagsstunde an der vollen Sonne ausgesetzt, also 
nach Südwest geöffnet war. Vor derselben war ein in zwei Terrassen abgestufter 
Ziergarten, itbcr den hinweg der Blick auf die Wiesen und Acker in der Thalebene 
fiel (g 14 — 18)". Am einen Ende der Halle sprang ein sehr grofscs Zimmer vor mit 
Fenstern nach zwei Seiten, während an die dritte die diesem Zimmer und dem wei- 
terhin folgenden Bade gemeinsame Heizeinrichtung stiefs (§ 25}. Von den Fenstern 
gingen die einen auf den vor der Halle gelegenen Ziergarten, die andern auf die 
Wiese, nach der Thalseite; fliese waren also nach Südwest gerichtet, die andern 
aber müssen nach Südost gesehen haben, da das Zimmer als der Sonne in hervor- 
ragendem Mafse ausgesetzt sich besonders zum Gebrauch im Winter eignete {§ 23. 
24}. Daraus ergibt sich, dafs dieses Zimmer am Nordwestende der Halle belegen 
war. An deren entgegengesetztem Fndc ent<tprach ein in gleicher Weise vor- 
springendes Trtciiniuni, das nach zwei entgegengesetzten Seiten Fenster, nach der 
dritten eine Flügeltürc hatte. Durch diese blickte man über das Fnde des Zier- 
gartens hinweg auf die Wiesen und Acker des Thalgrundcs, also nach Südwest, 

>^ Div liier versuchte Skiue will — eben.to wie deuten »t. weil et tu willkOrlicb wkrc, verticlilcli 

<Mc fol]fcutlc din Ltiurcntinum — nuf dii; gc^cn- sie üTliebt aUo nicht den An«iinicb ein getreues 

Mittge Lo]^ der von Plinltu eiwa* t;enauer be- Bild der Villa lu geben. 

leichncten Raitme ond GtrhAude eTUutere: atif ") l>iv iHngettbiinnietlen Zahlen bctieticn sieb auf 

dcQ Vcniich das nur VarauiiuiL-ttcnde mmu- diu I'ankgniptictieialcilunif der BiKfe. 



2o6 



Winacfeld, Tu»ci und LiturcniinniB des )Ungcren riinius. 



durch die Fenster der einen Lungscite auf den Zier{>;artcn und den vorspringenden 
Teil der Villa, eben jenes Zimmer am andern Ende der Halle und was sich daran 
schlofs. also nach Nordwest, tlurcli die yei^cnüberlieyeiulcn auf die Bäume einer 
andern Gartcnanl.igc, welche- demnach nur Östlich der Hauptbauten der Villa gele- 
gen haben kann und nach ilirer Form den Nanicn Hippodrom nihrtc (§ 19). 

Dieser ^wc^^c Garten von einer im Verhältnis zur Breite recht bedeutenden 
Länge mufö gleich der Halle an der Fagade unyefälir wagrecht am Abhai:;; sich 
erstreckt haben; denn einer am Berge sich hinaufziehenden Anlage hatte der Name 
Hippodrom nicht wohl beigelegt wenicn können. Heslätigt wird diese Schinfs- 
folgerung durch die Angabc, dafs ein am Kopfende des Hippodrom gelegenes ein- 
zelnes Kuhezinmier Fenster nach der Herg- und nach der Thalscite gehabt habe, 
aufserdem Flügeltüren und eine Veranda ({^ 38); da letztere nur in der verlängerten 
Axc des Hippodrom angenommen wenlen können, mufs sich dieser am Abhang 
entlang hingezogen haben. Andererseits aber ist ausgeschlossen, dafs er ungefähr 
in der Verlängerung der Fagade und in gleicher Richünig wie diese gelegen habe. 
Man hatte nämlich aus einem Zimmer am oberen Ende- eines gedeckten Ganges, 
der von der Gegend des Westendes der Fa{;adc die Anhöhe emporstieg, also 
wesentlich siidnordlichc Richtung gehabt haben mufs, die Aussteht auf den Hippo- 
drom, und auch eine bauliclic Verbindung bestatui üwiüchen diesem und den Ge- 
machem am oberen Ende jenes Corridors (g 2S). Das ist nicht möglich, wenn Hip- 
podrom und Corridor rechtwinkelig auseinanderlaufen, somlern nur bei annähernd 
gleicher Richtung. Diese Kichtung — zur Fagade ungefähr rechtwinkelig — ist 
aber gleichzeitig mit horizontaler Lage des Hippodroms nur d;mn möglich, wenn 
die Villa nicht auf einer in gerader Linie verlaufenden Iterglehne, sondern auf einem 
Vorspnnige des Abhangs gelegen war, und zwar am Ausgange eines Seitenlhals. 
Diese nähere Bestimmung ergibt sich aus dem. was i'linius über die Lage eines 
anderen Tricliniums mitteilt: dieses lag an der Nordseitc des Baus, welcher den 
Hippodrom und den mehrfach genannten Corridor verband, und war der gesunden 
Bergluft aus den Thälem des Apennin ausgesetzt {§ 2y), also thalaufHväns gerichtet; 
dos Tiberthal kann aber hier nicht unter dem Thalc verstanden sein, ilurch das 
der Bergwind hcrabkommt, denn die allgemeine Ortsbeschreibung in Verbindung 
mit den Angaben über die Gesanillage der Villa beweist, dafs die Villa in einer 
Gegend lag, in welcher der Tiber ungefähr wcaiöstlich flicfst Ein Bück auf die 
Karte der Gegend von Citta dt Castello, das die Stelle des alten Tifcmum einnimmt, 
bestätigt in erwünschtester Wciäc da» Bild, das sich aus den einzelnen Angaben 
des Plinius erschlicfsen licfä: der Tiber flieEst von Nordwest nach Südost, dem 
Kamm der Apcnnincn parallel, so dafs er die Hochgebirgsluft gar nicht herbei- 
führen kann, der nach Südwest gelegene Abhang des Haviptgebirgszugs wird von 
einer Menge kurzer, von Nordost nach Südwest ziehender Seitenthälcr durchschnitten, 
welche unmittelbar und in ziendich gerader Kichtung vom Kamm des Gebirges 
hcrabkomnicn. Im Hauptthale, unmittelbar nordwestlich vom Ausgang eine» solchen 
Nebcntliales, mufs die Villa des Püniu» gelegen haben; in da.H Scitentlial hinein 



WinncfeM, Tnüct und I.«urrntit)um de» jüngeren l'l 



207 



erstreckte sich der Hippodrom mit den anstorscndcn Rauten. Dies Erjjebnis wird 
unbt^dcutcnd crsciKincn im Verhältnis zur Umständlichkeit des Weges, auf dem es 
gewonnen werden mufstc; aber es ist die uncrläfsltchc Vorbedingung, um ku einur 
ciniifermarscn lebendigen Vorstellung von der Anlage der Villa zu jiciangcn. und 
darauf kommt es eben uns heute an, während Apollinaris, dem der Gesamlcharakler 
solcher Villen wohl bekannt war, nur über einige besondere VoriüRC der Tusci 
unterrichtet werden sollte. 

Am nach Südwest gerichteten Nordrande des Tiberthaies also und am nach 
Sudost abfallenden Westrande des Ncbcnthaics breitete die Villa sich aus: i;cwifs 
mit Recht konnte Plinius von ihr sagen maffna sui parte mer'tditm spectat (§ 15), 
wenn er dabei auch zunächst wohl nur die dem Tiber zujjeivendete Front im Auge 
hatte. Hier war der Platz vor der Fa9ade von ausgedehnten Garlenanlagen ein- 
genommen: unmilleSbar vor der Halle der X>'stus mit Figuren aus zugestutztem 
Buchs, etwas tiefer, durch abschüssige Ueete mit Teppichgäitncrci von ihm getrennt, 
Hromenadewege zwischen Akanthusbeeten und Reihen von Buclisbäumen und son- 
stigen kleinen in künstlichen Formen gezogenen Zierbäumen, das Ganze von einer 
wiederum mit liucliswanden verkleideten Mauer umschlos^sen (g iö. 17). Südöstlich 
reichten diese Anlagen bis vor die Südwestwand des Tricliniums (§ 19), d. h. bis zum 
Ende der Villenfront, nordwestlich anscheinend nur bis zur SUdoslwand des dem 
Triciinium entsprechenden Zimmers, wo sich dann ein Teich anschlofs mit laufen- 
dem Wasser, dessen Rauschen zur Annchmliclikeit jenes Zimmers nicht wenig bei- 
ti^E [§ 33. 24). Die Villa erstreckte sich in derselben Richtung noch weiter, denn 
hier reihte sich das Bad an, aber vor diesem TcHe lag kein Ziergarten melir, er- 
klärlicher Weise, da die Baderäume ja nicht auf Aussicht berechnet waren. 

Aus dem Xystus trat man in die geräumige" Säulenhalle (§ 15), welche sich 
fast vor der ganzen Breite der Villa erstreckte. Zur Rechten liatte man hier das schon 
mehrfach erwähnte Haupltricünium mit Fenstern nach zwei und Flügeltüren nach der 
dritten Seite (§ 19), geradeaus hinter der Kückivand der Halle verschiedene nur äufscr- 
lich an einander gereihte Bauten: zunächst dem Triciinium ein Atrium mit den zu- 
gehörigen Räumlichkeiten [g 15), also ungefähr ein regelrechtes Haus'*, tifcitcrhin, 
etwa hinter der Mitte, einen kleinen I'lalanenhof (§ 20), endlich an diesen anslofsend 
und bis zum Nordwcslcnde der Halle reichend eine auf höherem Niveau liegende 
diaefa, also wieder ein selbständiges Bauwcric'*, von dem wir aber nichts weiter 



") U» die Lcurl von M promtMulaiif ^üotlkb uu- 
vereinbar ist mit der aus der gaoun BcschrcU 
bURg mit KicbvitKit hcfvof gehend CD Tbat^achc, 
dah ilie*c Halle tH-idci«vii» von wi-il voinprin- 
gEiidcD ZinuiMtn llankicn war (da« Tricliiiiuni 
ua cincD Bade txiurrit 19, da> Cul>iculiiiii 
am aiMlern Ende trufinio »UMrrit 33). folge 
icli der von Kell aaf Grund der «onstt^ cn Übet- 
liereiunf; mrl BcrUcluicIitigtiti); «od M vorgc- 
f«hlai;cnen Letung fr« modo villat hitffatH. 



") IM Mm 15 koiDn «ich nur auf die fortitm br> 
sieben i lu dem Gcbraucbe voa im t^. 19 in 
media [>cil. CTypto('ortk»i\ triciimtun cte. 

'*) l>i« Bedeutung vrni d\«ia bei Dinlm bl »cbvraD* 
kend: in die^m Drtefc beuicbnet «% an 
drei Stellen einen nu* rochieren i^iraraem bi^ 
siebenden CompleK: V, 6, so. 21; aS. 39; 31; 
at»o wird man auch für die vierte Stelle (37) 
dieselbe Be^Ieulong atuanehtncn haben. Ini 
gleichen Sinne gebraucht Pliniiu da« Wort auch 



erfahren als eben, dafe man aus demselben auf den Platancnhof sah und dafs es 
von einer Treppe in der Nahe des Bades her zugänglich war (§ 27). Den Abschlufs 
nach dieser Seite bildete dann das Zimmer über dem Teich, welches dem Tricli- 
nium gegenüber lag (g 23). 

In (hesem Teile der Villa mufs der Platanenhof ein Lieblings aufcnthali des 
Plinius gewesen sein: hier lag die cotidiana nmicoriwiqtu ccnatio und die Itc- 
schreiburj^ diese?! Hofes und der zugehörigen Gemächer ist einer der ausftlhrlichsien 
Abschnitte des Briefes (§ 20—33). Vier Platanen beMihatteten einen Marmorbrunnen, 
die eine Seite des Mofcs sticfs unmittelbar an die Säulenhalle, an der zweiten be- 
fand sicli die höher gelegene Diaeta (g 27), die beiden Übrigen wurden von den 
Räumen einer anderen Diacta eingenommen'*. Zu dieser gehörte das kleine Speise- 
zimmer für das Kssen in engerem Kreise, welches der Facadenhalle gegenüber lag, 

— man hatte von da «Icn Ausblick Über den Hof weg und durch die Halle'* hin- 
durch auf die llialebene — daran anstofsend ein Schlafzimmer und weiterhin in 
der Ecke des Hofs — weil nur von einer Platane beschattet— ein drittes Zimmer, 
das man sich in Anbetracht der Kleinheit des Hofes — (treola nennt ihn Plinius 

— wohl an dessen vierter Seite zu denken hat; in diesen» Zimmer befanden sieh 
nicht ganz einfache Wasserkünste und dementsprechend war auch die Ausstattung 
gewählt: über einem Marmorsoekcl zeigten die Wände Gartcnmalcrei in der Art, 
wie sie aus Pompei und besonders aus der Villa bei PrimaiK>rta allgemein bekannt ist. 

Ein an<!crcr Bestandteil der Villa, auf wciclien Plinius gleichfalls sehr grofsen 
Wert legte, ist das Bad. In diesem Briefe wie in dem andern, welcher das Lau- 
rentinum schildert, zäliU er einzeln die Käume desselben und seine Wannen und 
Bassins .luf, und einen Brief an seine Schwiegermutter (I, 4) beginnt er mit dem 
Ausrufe (piantum eopiariwi in OfriCHhao, in i\'arnifnsi. iii Carsiilitnv, tn Perusino 
fi/ol in Xartwnri vero i'limn bahumm. In den Tusci lag das Bad (g 25 — 26) an {las 
Nurdwestende der Fa^adc sich anreihend und ungefähr in deren Verlängerung; 
denn Tepidarium und Caldarium lagen der Sonne ausgesetzt, d. h. bei einem Bade, 
das nach der römischen Zeiteinteilung nur in den N;ichmittagsstunden benutzt 
wurde (\fftruv V, 10), gegen Südwest. Ks bestand aufscr der Heizeinrichtung aus 
einem grofsen Auskleidezimmer, über welchem sich ein Raum zum Ballspiel befand 
{§ 27). das <lcm Gebrauch des Bades voranging (III, i, 8. IX. "s^, 3), dem kalten Ba<l 
mit grofsem Bassin, dem heifscn Bad mit drei Wonnen, in deren zwei sogar die 
Sonne hereinschcineu konnte, und einer zivischcn diesen beiden Räumen gelegenen, 
gleich dem Caldarium der Sonne au^csetztcn cetla viedia, in der also das Tcpi- 



n, 17, se, wühredd mui 11, 17, is und 15 livbcr 

Ui Eiluulüinracr Oenkcu niAcblc, lllv ciiie wl« 
die ander« Ktklärung i«t iuLA«<ig Vit, j, 1. 
'*) Jiiufa . . . cin/fif %trtfl-tm *aj<t Pliutus: doch 
likibcB eben nur zwvi Seiten frei, nnr wvklii; 
ttutn diese Uiact« veneiten konnte. Noch we- 
niger knnn ein volle landigr 11 Urnfnaaen vctstan^ 



den wtTdc» II, 17, 15 (tHcümwn) tingitvr 
iHiuHi Jit^u» a ttrgf. 

>^ aliai» \i\ mit Keil in streichen, da der M» 
gcndc Sali tixdtmqut emnia ^Hot f^rtkus atfUit 
bcweiot, d.ifs nur die eine Italle ijcnicinl sein 
Vann, «leren Ausskhl voiher (i6flr.) Klion \X' 
»chiieWn iit; vj*l, die »hnltche Heschtcihting 



eine» lliircbMickfi It, 17, 5. 



(liiriiim zu erkennen sein wird {vgl. Vitruv V, lo). Ein Schwitzbad fehlte o^t-nbar, 
da Plinius seiner hier so wenig wie bei Ueschreibting des Bades im Kaurentiimm 
Erwälinting thut; dagegen war ein besonderer Vorzug des Bades in den Tiisci ein 
grofscs Schwimmbassin unter freiem Himmel, dessen Wasserwärme durch Verbin- 
dung mit einem Hninncn reguliert werden konnte (§ 25). 

Was sonst noch an dieser Seite der Villa lag, wird in der Hcsclireibung 
rechi kurz abgethan; es sin<l zwei Diactac und eine Cr>'pioporticus, ein geschlos- 
sener Gang, alles auf höherem Niveau als die Kagade und die mit dieser in un- 
mittelbarer Verbindung stehenden Baulichkeiten, denn man stieg auf einer in der 
Nähe des Rades befindlichen Treppe hierzu empor (S 2") wie zu der seillich an den 
l'Iatancnhof stofscndcn Diacta. Von den beiden hier ganz aufstcn gelegenen Diactac 
war die eine iler Wiese also dem Thalgrundc, die andere den Weinbergen, also 
der Bcrgscitc zugewendet. Der geschlossene Gang zog sich am Abhang empor 
und näherte sich dabei dem Nebenthalc; denn von dem einen der :in seinem obe- 
ren Ende gelegenen Zimmer hatte man den JJlick aulscr auf die Weinberge auch 
auf den Hippo<lrom und das Gebirge (§ 28), worunter doch nur der im Hintergrund 
des Scitenthalcs sichtbare Kamm der Apennincn verstanden sein kann. Dieser 
Corridor bildete also die Verbindung von dem im Tibcrthale gelegenen Teile der 
Villa zu dem andern, welcher sich in das Scitcntlial hincincrslreckte. 

Auch vor diesem Teile der Villa dehnte sich zunächst eine grofee Garten- 
anläge aus, weil langgestreckt und am einen Ende abgcninilct Hippodrom ge- 
nannt (g 32 — 4.0). im C'hamkter von jenem Garten im Tibcrthal wesentlich verschieden; 
freilich fehlen auch hier Spielereien mit Buchs und äiinlichcs nicht (§ 35), aber die 
Hauptsache waren doch stattliche schattcnspcndcndc Bäume, so dafs Flinius sogar 
von hippodromi nrmiis cotmisqtte reden konnte (g 19). Epheuuinrankte Platanen 
gaben dem Ganzen das Gepräge, daneben Lorbeer und Cypressen (§ 32. 33). Dem 
entsprach reichliche Verwendung von Wasser zur Belebung des Gartens (§ 40), Ruhe- 
sitze aus Marmor standen an den rauschenden Kachlcin ($ 40). Man gewinnt aus der 
Beschreibung den Eindruck, als ob Plinius hier einen ganz stattlichen Park besessen 
habe; (ur eine kleine Anlage wäre ja auch der Name recht unjiassend gewählt 
gewesen. Am Kopfende, also an der llialaufwärls gerichteten abgerundeten Seite 
des Hippodroms lag ein reich mit Marmor ausgestattetes Zimmer, das auf drei 
Seiten mit Flügeltüren und Fenstern sich ins Griine öffnete (g 37. 3S), während auf 
der vierten Seile eine Veranda sich anschlofs, ganz von Reben übcrsponnen, durch 
ein Ruhebett wohl so ziemlich ausgeftitlt (838,39 vgl. II, 17,21). Auch vor dem 
Zimmer, aber freistehend, befand sich eine Wcinlaubc, von vier kleinen Säulen aus 
Cipoüino getragen. Sie beschaltete einen Lagerplatz, dessen Einriclitung sich wohl 
mit den tollsten Erfindungen der Rococodccoration auf eine Stufe stellen läfsL 
Man ruhte auf einem aus weiisem Marmor aufgebauten Lager, dem wie durch das 
Gewicht des darauf Liegenden hcrvorgeprcfst .aus den Mündungen zahlreicher klei- 
ner Röhren Wasser entquoll, das in einem Marmorbecken aufgefangen wurde; ver- 
steckte Ventile bewirkten einen stets gleich hohen Stand des Wasserspiegels, der 



210 



WiRncbUl, Tuici hri) LauicntiDun] dca jUnficrcn riiniut. 



als Tisch diente: schwere Schüsseln wurden auf den Rand gestellt, nach Gewicht 
und Umfang kleiacrc Speisen schwammen auf Schüsseln umher, welche die Gestalt 
von Vögeln und kleinen Schiffen hatten. Die behagliche Ausführlichkeit, mit der 
Plinius bei der Bcschrcibunji dieses wunderlichen Dinyes verweilt, zeigt welch grofse 
Freude er daran hatte und auch, welches Interesse und Verständnis für solche 
Spielereien er bei seinen Zeitgenossen voraussetzen durfte. 

Dem Hippodrom mit der Front zugewendet lajj an der Bergseite eine fünfte 
Diacta (§ 28). Was für Kaume unmittelbar hinter ihrer Fa^adc lagen, sagt I'liniua 
nicht, wohl aber spricht er von einem Corridor mit anstofKcnden Gemachem an 
ihrer Noniscile (§ 29)". Der Wortlaut der Beschreibung würde zunächst vermuten 
lassen, dieser Gang habe nur eben vor der Nordseite der Oiaeta sich erstreckt, 
doch erweist sicli das als irrig. An der Mitte des Corridors nämlich lag, der Hcrg- 
hift aus den Apcnnincnthälcrn ausgesetzt, also nach Norden gewendet, ein Speisesaal, 
durch dessen Türe man durch den Corridor hindurch auf die Weinberge sah; also 
mufs schon die Miltc desselben und somit mehr als die HälAc nach Süden frei 
gelegen haben. Danach darf man als sicher annehmen, dafs dieser Corridor den 
Zweck erfüllte, welchen Plinius der ganzen Diacta zuschreibt, dafs er nämlich die 
Verbindung herstclUc zwischen dem Hippodrom und den Gemächern am Kndc des 
von Her Tiberseite her ansteigenden Ganges (§ 28). Nun mufs aber zwischen diesen 
Gemächern und dem Hippoilrom ein beileulender Niveauunterschied bestanden 
haben; andrerseits war der zur fünften Diaeta gehörige Corridor i/i cdtto positn 
also hochgelegen und unter tlemselben befand sich ein zweiter fast unterirdischer 
Gang (§ 30); man wird daraus wohl die Vermutung aufstellen dürfen, dafs der obere 
Corridor ungeföhr in der Höhe jener Gemacher wagrecht verlief und in seinem 
unteren Teile eben von dem andern, der ja nur subUrraneiu similts war, getra- 
gen wurtle. Damit stimmt überein, dafs neben dem Spei^^esaal, der am oberen 
Corridor tag, sich eine Nebentreppe befand, auf welcher die Speisen und Getränke 
heraufgebracht wurden (g 30); dxs Tridinium war eben gleichfalls hochgelegen, Küche 
und Keller befanden sich ein Stockwerk tiefer, wohl am unteren Corridor". Von 
diesen Gängen zweigte bei dem Tricliiüum eine Saulenlialte ab, welche von Süd 
nach Nord verlief und nach Ost geöffnet war, so dafs sie Vormittags Sonne, 
Nachmittags Schatten hatte (g 3t}. Sic ftihrtc zu den beiden letzten Diactae der 
Villa, welche, die eine vier die andere drei Zimmer enthaltend, schon ziemlich weit 
hinten im Nebenthaie gelegeii haben müssen (g 31). 

Mit dieser Villa war ein bedeutender Grundbesitz verbunden. In einem 
Briefe an den Grofsvater seiner Gattin {IV, 1) erwähnt Plinius das Patronatsverhält- 
nis, in welchem er zu den liinwoluiem von Tifemum stand und das voraussetzen 
läfst, dafs er mindestens einer der hervorragenderen Grofsgrundbesitzer der Gegend 



") Dab •li»c CiyiitnpDiiicua ad der Nordscitc der '*) Itlit dieser fOnftca UiacU Übt «icb in vid«n 
I>jiicu Ug, Tolvl Mit ihr« Hcxctcbnung alt ilcxichungcn der Bau an de? Oilseilc de* Sta- 

atttha. dium» in der hadrinniidicn Villa (l'iaacoUcK) 

vereleidicn. 



WinncffM. Tunci unJ I.nuri-nlinum den jiingcteii l'ltntai. 



2M 



gewesen sei. Und so spricht Plinius denn auch gelegentlich von seinen dortigen 
praedia (IV, i, IX, 15 \'gl. IV, p). Aber eine besondere I*'reudc scheint er an der 
Landwirtschaft nicht gehabt zu haben. In einem in den Tusci geschriebenen 
Briefe an l'alco (IX, 15} erzahll er, ilafs er zuweilen das Pferd besteige und insoweit 
den Gutsherrn spiele, dafs er durch einen Teil der Güter reite, aber nur um sich 
Ucwcgung zu machen. Nur in einem Briefe an Calvisius (VIII, 3) lä&l er .sich etwas 
näher auf eine Frage ein, welche mit der Bewirtschaftung seiner Güter zusammen- 
hängt; aber das Interesse, das er dabei zu Tage legt, ist weniger das des Land- 
wirts als das des citcln Advocatcn, der seine fein ausgeklügelte Humanität bewun- 
dert sehen möchte: er liattc den Ertr^ seiner Weinberge zu Preisen verkauft, die 
sich nachträglich gegenüber der allgemeinen Handcislagc als zu hoch erwiesen, 
und erliefs nun ilen Käufeni einen Pnjcentsatz lies Preises, wubei denen, die grüfscre 
Posten Übernommen hatten, noch besondere Vorteile eingeräumt ^vurdcn. Es handelte 
sich um ein nicht unbedeutendes Weinerlrät;nis, da mehrere Kaufer bei dem Ab- 
kommen mit Summen beteiligt waren, welche loocx) Scstcrzicn (2175 Mark) so weit 
Überschritten, dafs sich noch ein besontierer Nachlafr; ßir den Teil des Preises ver- 
lohnte, welcher über diesen Betrag hinausging". Da die Tusci mitten in Wein- 
bergen lagen, ist nicht unwahrscheinlich, dafs dieses Gut gemeint ist, umso mehr 
als nach den Eingangsworten des Briefs Plinius zur Ordnung dieses Nachlasses eine 
besondere Reise auf das Gut gemacht zu Itaben scheint, was er wenn es sich um 
das ICrträgnts der Güter am Corner See gehandelt hätte, doch schwerlich gethan 
haben würde. Dagegen mufs der Cerestempel, über dessen Wiederherstelhing ein 
Brief an Mustius (IX, 39J handelt, auf irgend einem andern Gute des Plinius gcstan* 
den haben, da die Angabe solum UvipH hinc ßmnine et abruptissimis ripis hinc via 
cingihit sich kaum mit dem vereinigen labt, was Über den landscliafllichen Cha* 
raklcr der Gegend der Ttisci gesagt ist, wo man l'*c!sen nicht leicht fmdcn würde 
(V, 6. 8). 

Ganx< anderer Art als die Tusci war das Laurentinum, siebzehn Meilen 
{35 km) von Rom entfernt an der Meeiesküstc gelegen, so dafs es noch Nachmittags 
nach Erledigung der Geschäfte in der Stadt üu Wagen oder zu Pferde erreichbar 
war (11, 17, 2}, nur durch eine dazwischen liegende andere Villa von dem Flecken 
Laurentum getrennt und in bequemer Verbindung mit Ostia, so dafs alles Nötige 
leicht bcigeschafft werden konnte (II, 17, 26). Gröfserer Grundbesitz war nicht da- 
mit verbunden i nur Haus, Garten und ein Stück San<llläche nannte l'linius hier sein 
eigen (IV, 6, 2). Es war ein suburbtumm im engeren Sinn des Wortes. Dem ent- 
sprach auch in der Anlage ein engerer Anschlufs an die Form des Stadthauses, 
nicht nur weil der Raum ein sehr viel beschränkterer war als in den Tusci, sondern 
auch weil die Ansprüche, welche die landschaftliche Umgebung an die Gliederung 
und Ausgestaltung der Villa stellte, sehr viel kleiner waren. Handelte es sich dort 
um zwei zusammcntrelTende Tliäler, deren Vorteile ausgenützt werden sollten, so 



") Ober R«mabilitüt der WciDbcrgc vbL. MatHiaardr, l'iivatlcbcn der Komcr 11* S. 1(4 J. 



212 



Wiiiin'fvlil, Tiisci iinit I.aurciiliiiuni ik'S jUngtrcn l'liniiis. 




XYSTVS 



N 



H0RTV3 



|ga^ 33 



2t 



Jid 



HORTVS 
RVSTICVS 




t. 


Atrium. 


2. 


Ana. 


3- 


Cavai-iliuili. 


4- 


TTiclmiiim. 


5- 


Cubicuhmi ,-iiii|r]inii. 


6. 


Culiiciiluin luliiii--. 


7- 


Culiik:iiii[m in !in|i-^t<In 




curvntum. 


8. 


TTansitiis. 


9- 


Dormitnriiiin iiifiiilinini. 


lO. 


CubiculuiD ixiliti'-^iiniiMi. 


1 1. 


Cubiculmii j,'rnnilf. 


12. 


Cubicuhim l-iiiii pri'incli'tK- 


13 


Colin fri^'i(l;iria. 


14. 


Unctoriuni. 


15- 


Uypocaii'iloTi. 


16. 


l'rO|(niyi;nii. 


17- 


Ccllai;. 


18. 


risctna. 


19. 


Spliiii'TisIcrium. 


20. 


Tiirris. 


2t. 


Dinctnc ilu». 


22. 


Tiirris, 


23- 


Aliolli(;i:.n. 


24. 


Tricliuiiim. 


25. 


Uiaotac 'liio. 


26. 


(.TyplnjiorlitLi-.. 


27- 


IL'Iioii.Tiiiiiiu-. 


28. 


Ciibiciiliirti. 


29. 


Zothfca. 


30- 


Ciibiuiihim micli?.. 


3'- 


Hyiiocau-ilou. 


32- 


l'rocoi.-lon tl ciihiLiiluiii. 



LauTcntinmn ilcs l'Hnius. 



war hier neben der Lage «ur Sonne das Verhältnis zum Meere das EinKige, worauf 
bei der Anlage der einzelnen Räume ku achten war; diese Küclfsicht beherrschte 
das Ganze. 

Den Kern der Villa bildete eine Folge von Räumen, welche sehr an die 
Kinrichtunji des Stadthauses erinnert: mit ncmcinsamcr I.än|^saxc lagen hinter ein- 
ander ein Atrium, ein kleiner halbrunder Platz, ein cmmedinm und ein Triciinium, 
von dessen Türe aus man durch die vorgenannten Räume hindurch den Ausblick 
auf das fcme Gebirt^e genofs. Das Atrium war einfach ohne dürftig zu sein (§4); 
bei seiner Beschreibung oder derjenigen der anstofsendcn Zimmer verweilt TUnius 
ebensowenig wie bei den entsprechenden Räumen der Tusct. GrÖfser ist sein In- 
teresse an dem darauf folgenden Hof; er war halbrund, die gerade Seite vom 
Atrium abHCwendtit'" und machte bei aller Kleinheit einen festlichen Eindruck; 
ringsum lief eine Halle, welclie durch ein weit vorragendes Dach geschützt, aufscr- 
dem mit Fensterscheiben vcrschliefsbar war, so daTs sie auch beim schlimmsten 
Wetter Zufluclit bot (§ 4.). Daran schlofs sich <ia£ cavacdium (§ 5) worunter hier 
wohl ein l'cristyl zu verstehen sein wird: das Attribut hilarc, welches ihm PÜnius 
erteilt, schliefst den Degriff des Geräumigen ein, die Art, wie bei dem sieh anrei* 
hendcn Speisesaal die A^vti Cavaedium zugewendete Flfigeltürc mit den Fenstern 
zusammen genannt wird, macht wahrscheinlich, dals auch diese Türe sich nach 
einem freien Platze öffnete; so wird es, da Vitruv VI, 4 einen Unterschied zwischen 
Cavttm ofdium und Atrium nicht kennt und auch VI, 8, 1 beide Worte als gleich- 
bedeutend beliandelt, gestattet sein, das was er VI, S, 3 Über die Atrien der Villen 
sagt, auf den Raum zu beziehen, den Hlinius Cavae<hiim nennt: airia habcniia 
circuM portkus pai4mcn(aUxs specttmUs ad pahcstras H ambulationes. Ob etwa zu 
Plinius' Zeit der Sprachgebrauch eine Unterscheidung zwischen Atrium und Cavae- 
dium in dieser Richtung eingeführt oder ob auch Plinius beide Worte ab glcicli- 
bcflcutcnd gebrauchte und nur aus stilistischen Gründen einen Wechsel des Aus- 
drucks vorzog, niufs unentschieden bleiben. Den Schlufs dieser Folge von Räumen 
bildete der stattliche Speisesaal (§ 5), seiner Lage und Axrichtung nacli noch zu 
dieser Gruppe gehörig, andrerseits aber mit gleichem Recht einer andern Gruppe 
zuzuzählen, einer Reilie von Gemächern, welche mit zahlreichen aus- und einü^prin- 
gcndcn Ecken am Meeresstraude sich erstreckte und in erster Linie mit Rücksicht 
darauf angelegt war, den Anblick und das Rauschen des Meeres geniefscn zu lassen, 
wälirend Atrium, halbrunder Hof und Cavaedium landeinwärts lagen, ohne jede 
IJczichung zur See. Der Speisesaal sprang weit Über die Flucht der beiderseits 
sich anreihenden Gemacher vor, so dafs er nicht nur an der Stirnseite sondern auch 
an den Langseiten Fenster haben konnte, welche den Flügeltüren an Gröfse nichts 
nacligaben. Durch sie sah man nach allen drei Seiten auf das Meer; das ist nur 
möglich, wenn die Längsaxc des Saals zur allgemeinen Richtung der Ufcrlinic 
ziemlich genau senkrecht stand; seine Längsaxe ist aber zugleich diejenige des 

*') Die« *ch1ie(«i: icli dnrau», daf» (1a& fol^cmlc 
Cavnetliatn Kontra mtiUu (ic. fvrtktn) Hictes 



Hofe« log, was dncli nui bedeuten knati: nn der 
Seile ili» DvrchoiesMt» dci tlalbVreitcv 



214 



Wiiiticfc-H, Tti*i;i un>l Lautcnimum Je* jimgcfcn l'liniu». 



ganzen bisher beschriebenen Teils der Villa, der demnach von Nordost nach Süd- 
west orientiert gewesen sein mufs. 

Fast der ganze Teil der Villa südlich dieses Mittelbaus diente den Frei- 
gelassenen und Sklaven, konnte jciloch teilweise auch riir Aufnahme von Gästen 
beiiQtzt werden (§9); nur die nach dem Meere zu gelegenen Zimmer dieser Seite 
waren fiir den Gebrauch des Herrn vorbehalten. Es waren dies ein grofses Zimmer, 
unmillelbai an das Triclinium anstorscnd aber weiter rückwärts gclc^jen, dann ein 
kleineres Zimmer, nach riiclfwärts freiliegend, da es nach Ost ein l'cnstcr hatte, 
nach der Seeseite vorspringend, da es mit dem Triclinium zusammen einen (fcgen 
jeden rauhen Wind Kcschiitzten Winke! umschlofs, su welchem blofs die Seeluft Zu- 
tritt halte (fj 7), doch immerhin weiter vom Meere zurfieklie^eiul als ilas Triclinium, 
denn während dieses bei Südweststurm noch vom Wasser bespült wurde (§ 5), sah 
man aus dem nach West gekelirten Fenster jenes Zimmers die See aus grrtfserer 
Entfernung und völlig gegen sie geschützt (§ 6). Daran reihte sich als südlicher 
AbschUifs der Seefront ein drittes Zimmer mit einer Apsis un<l Fenstern nach Ost, 
Süd und West (§ 8). welche z. T. wohl als in der Apsis befindlich zu denken sind; 
denn das nach Osten gewendete kann nicht wohl anders angebraelit gewesen sein, 
da an der Osiscitc ein Durchgangsraum mit Fufsbodenhcizimg sich befand, der zu 
einem Schlafgemach führte (§ 9}, das wie alle Sehlafräunie vom Meere abgewendet 
und thunlichst gegen <Iesscn l^rm geschützt angelegt war. In jenem Eckzimmer 
niufs IMinius sich mit V^orliebc aufgehalten haben i denn hier waren in einem Wand- 
schrank die am meisten benutzten lüicher untergebracht (S 8} und von seinen BUchcm 
trennte sich IMinius im Uaureminuni fast nie — wenn wir wenigstens seinen wohl 
etwas einseitigen Berichten Über seine dortige Lebensweise Glauben schenken^'. 

Ungefähr dieselbe Ausdehnung wie die Südhälfte der Scefront mag auch 
die Nortlhälfte gehabt haben, doch ist jede strengere Symmetrie ausgeschlossen. 
Zunächst lag nördlich des Triclinium ein reich ausgestattetes Zimmer (§ lo); da bei 
diesem ebensowenig wie bei dem zunächst südlich an das Triclinium anstofscnden 
von Fenstern nach dem Meere und Aui^sicht auf dasselbe die Rede ist, so liegt die 
Annahme nahe, dafs diese beiden dem Triclinium zunächst liegenden Zimmer gleich 
diesem ihren Zugang vom Cavaedium her gehabt und von derselben Seite auch 
ihr Licht empfangen hätten. Wunderbar bliebe freilich, dafs Plinius sich des sonst 
90 eifrig aufgesuchten Vorteils des Ausblicks auf das Meer hier ohne ersichtlichen 
Grund begeben hätte. An dieses Zimmer schlofs sich nördlich ein zweites sehr 
grofses, flas man auch als Speisesaal mäfsigen Umfangs bezeichnen konnte; es wird 
etwa dem südlichen Kckzinuncr zusammen mit dem nördlich davon liegenden 
kleinen Zimmer an Ausdehnung entsprochen haben; gleich diesen beiden war es 
auf Sonne und den Anblick des Meeres berechnet und bildete den nordlichen Ab- 
schlufs des am weitesten nach dem Meere vorspringenden Teils der Villa. Es 
folgen nämlich in der Beschreibung zwei Zimmer mit je einem Vorraum, von deren 



") Ep, I, ^ 4; 21. 11: \TI, 4, 3; IX, 40. 



WiniiefcliI, Tuict und Lnurcatiiiuni ilcii jUni^cicii l'ltniu^ 



Z\ 



erstem Plinius hervorhebt, dafs es gegen jeden Wind gcschiitzl gewesen sei, was 
wohl auch auf das zweite bcxogen werden darf, da sie Wand an Wand neben- 
einander lagen {§ lo); Aussicht, die man von dort gehabt hätte, wird nicht erwähnt. 
So ist CS zum mindesten wahrscheinlich, dafs diese beiden Gcniacher an der rkürd- 
liehen Langscite des Cavacdium lagen , das erste östlich an den Kcksaal sich an- 
reihend. Weiterhin lag das liad, vermutlich auch noch an die Nordseite des Ca- 
vaedium stoftend und nord%värts bedeutend Über die beiden eben besprochenen 
Zimmer hinausgreifend; denn aus «lern Warnnva sscrbassin hatte der Schwimmer die 
Aussicht aufs Meer und der benachbarte BallspicUaal war der vollen Abendsonne 
ausgesetzt (§ 12}, lag also cbenfalts nach Westen frei. Die Einrichtung des Bades 
war im Wcscntliehcn- dieselbe wie in den Tusci: geräumiges Kaltwasscrbad, Salb- 
Kimmer, Wamihiftzimnier, Heixcinrichlung, zwei geschniackvoU aber nicht pruiikhaft 
eingerichtete Einzelzellcn und ein Warniwasserschwimmbad, auf das Plinius sich 
etwas Besonderes zu Gute tluit (^ 11), dazu der Kaum zum Ballspiel, der bei keinem 
derartigen Bade fehlen durfte. Nahe bei <licscm erhob sich von zwei Zimmern 
flankiert ein Turm, der zwei weitere Zimmer und darüber einen Speisesaal enihiett, 
von dem aus der Blick weit hinaus über das Meer und nordwcstwärts über das mit 
Villen besäte Ufer schweifte (3 12); dieser Turm mufs also auch nach Norden frei 
gelegen haben: er bildete den Abschluf» des zweiten, gegen den ersten bedeutend 
rückwärts liegenden Teils der Seefront. 

Von diesem Turme springt die Beschreibung des Plinius sofort über zu 
einem zweiten (§ 13) Über dessen Lage und Verhältnis zu den bisher behandelten 
Teilen der Villa keinerlei Angabe gemacht wird. Ein unmittelbares Ncbencinander- 
liegen ist ausgeschlossen, da vom ersten Turm nur die Ostseite dem zweiten zu- 
gewendet sein könnte, dieser aber nach West Fenster hat. Wenn nun auch von 
vom herein wahrscheinlicli ist, dafs Plinius auch in der folgenden Schilderung von 
der bisher innegehaltenen Richtung von Süd auch Nord nicht wesentlich werde 
abgewichen sein, dafs also der zweite Turm, der von dem nun zu besprechenden 
Teil der Villa zuerst genannt wird, auch räumlich dem zuletzt erwähnten zunächst 
gelegen habe, so ist doch filr's Krste der noch übrige Teil der Villa als selbstän- 
diges Ganze zu betrachten und dann erst sein Vcrlialtnis zu den anderen zu prüfen. 
Den eigentlichen Kern dieses Teils der Anlage bildete ein geschlossener Corridor 
von grofsen Vcrliältnissen, wie sie fast einem ÖlTentlicIien Gebäude angemessen 
wären (§ 16), der ungefähr von Süd nach Nord sich erstreckt haben mufs; denn um 
Mittag stand die Sonne gerade über ihm ohne eine der Langseiten zu treffen (§ 19). 
Westlich vom Corridor, dem Meere zu, lag der Ziergarten (g 17), auf welchen sich 
eine gröfsere Anzahl von Fensteni öffnete, eine geringere Zahl war ostwärts gewen- 
det nach dem Baumgarten (g 16), der von einem aus Huchsbaum und Rosmarin ge- 
bildeten Gange umschlossen, Maulbecr- und Feigenbäume entliielt, die an jener 
Stelle besonders gut gediehen (g 14. 15). An das eine Plndc des Corridors schlofs 
sich ein Pavillon, dessen stille Abgelegcnheit Plinius ganz besonders liebte, und 
zwar bildete dieser Bau das Nordende der ganzen Villa; denn auf dem Ruhebett 



2l6 



WlnncfcU, Tusd un<1 LaBrcniinain ikt jungtren niniu». 



in der Veranda gelodert hnlte I'liniufl zu Füfsen das Meer**, zu Haupten die Wälder 
der Landseite und im Rücken die Villen, welche sich am Strande nach Nordwest 
hin an einander reihten (S 21 vgl. 27 und oben S. 215). Am ;iiidcni Knde der Cryp- 
toporticus lag ein Speisesaal, auf den Baiimgarten gerichtet, vom Afccrc völlig 
getrennt, so dafs kaum aus der I'enic dessen Rauschen h^irbar war (§ 13}, an der 
Rückseite des Speisesaals xwei Zimmer, von deren Fenstern man auf einen Küchen- 
garten und auf den i'jnt;an^ der Vüia sah ['^ 1 5]. Mit dem Speisesaal stand durch 
Ma^jazinraumc, die der allgemeinen Reihenfolge der Iteschrcibung nach wohl west- 
lich desselben gelegen haben, jener zweite Turm in Verbindung, dessen Krwälmung 
die üinleitung zur Beschreibung des Nordtcil» der Villa bildet; er enthielt im Ober- 
gcachofs einen Hauptraum mit Fenstern nach O^l und West "(8 13). 

Es ergibt sich danach für den nördlichen Teil der Villa folgendes Bild: 
nürdlich von den Räumen, welche sich um das Atrium und den halbrunden Hof 
gnippicrtcn, lag der Küchengarten; jensciti desselben ein im Wesentlichen von 
West nach Ost sich erstreckender Magazinbau, an dessen Westende ein Turm sich 
erhob, wahrem! das Ostende von einem Tricliniiini mit Nebeiiraiimcn eingenommen 
war. Von der Mitte dieses Baus ungefalir lief ein Corridor nach Norden, zwei 
weitere Gärten, den nach dem Meere gelegenen Zici^artcn und den auf der I-and* 
Seite befindlichen Baumgarten trennend; endlich lag am Nordentle des Curridors 
und der beiden Gartuii ein kleines Casino, von Plinius selbst angelegt, wie er ans- 
drflcklich versichert [^ 20) — man wird daraus -schlicfsen dUrfen, dafs er den Haupl- 
tcil der Villa in schon vollendetem Zustande erworben hatte. 

Dies Casino bestand aus nur vier Ilaupträumen: einem heiiocamhms, 
einem besonders zum Genu& der Sonne eingerichteten Räume, welcher sich an die 
Wcsteeitc des Corridors angelehnt haben muD> und Fenster nach äü<lcn auf den 
Ziergarten und nach Westen nach dem Meere hatte (§ 20), d.^nn folgte quer vor dem 
Nordende des Corridors sich er&trcckend und mit einer FlUgeltüre sieh nach dem- 
selben ftffnend ein Zimmer mit Fenster nach Westen und mit der schon oben bc* 
sprochencn Vcrandii, welche von der Nordwand vorsprang und, wenn die Seheiben 
und Vorhänge zurückgezogen waren, noch als Teil dieses Zimmers mitgezählt wer- 
den konnte (§2i). An die Ost^vand des Zimmers sclilofs sich ein Schlafgemach, 
dcttsen Südseite nach dem Baumgarten zu noch ein Gang vorgelegt war um so 
durch die doppelte Mauer jeden Lärm fernzuhalten, der etwa noch von den andern 
Teilen der Villa hierher dringen könnte (g 22). Fin ganz kleiner Heizraum gestattete 
jederzeit die Wärme des Schlafgcmaclis »u regeln (g 23). Den Abschlufs bildete ein 
Zimmer mit Vorraum, das Fenster nach Ost und Süd hatte (g 23), so dafs der kleine 
Bau, in welchem Plinius in vollendeter Zurtlckgezogenheit hausen konnte (§ 24), im 
Kleinen dieselben Vorz^üge genof$ wie die ganze Villa im Grofsen: die Möglichkeit 

'*) a ftiübui bezeichnet lii«r nui i\\e Kicbtunc Wib'ldcti mil den AutilTllckcn ü ter^v untl 

tikhl etwa, daf* <U« Meer bU unmiltclbat lu .» /.^V/, div voii Dingen ccbrnuclit «ind, die 

Fa&cn des CcUevttcn stell ervUcckl bnl>c; der in bclriicbltichcr Enlfernunf; von dnti Parlllofl 

Uccn, inncht dit-» unswcifclluri. 



die Sonne vom ersten bis ziun letzten Augenblick de» Tages zu genicfüen und eine 
aiisgiebijjc Aussicht auf das Meer sowohl wie auf die Gärten und die Kflsten- 
landschaft. 

Auflallig ist das Fehlen jeder Envahnung von Kunstu'crkcn auch bei der 
ßeschreibung von Räumlichkeiten, die wie dieses Casino mit der liebevollsten Aus- 
führlichkeit geschildert werden, während TrUmmcratättcn römischer Villen doch zu 
den ergiebigsten T'*undstellen antiker lüldwerkc zu gehören pflej^en. Plinius hat ftir 
solche sein- ueniu Sinn gehabt und in Tolijc dessen, wenn er überhaupt Derartiges 
zum Schmuck seiner Villen anbrachte, keine grofsen Summen darauf ver^vcndet 
und auf die dadurch erzielte Wirkung kein Gcivicht gelegt. In einem Briefe an 
Annius Scverus (lU, 6) licslclu er seine Unkenntnis auf diesem Gebiete mit einer 
RückhaltU'si^kcit ein, die bei dem so eitcln Manne überraschen mufs (^ i), und ver- 
sichert, dafs er selbst keinerlei Hildwcrk aus Erz besitze und die Erzstatuc eines 
nackten Greises", die er eben aus einer Erbschaftssmiimc gekauft habe, lieber zum 
Schmuck eines TcmiKils als seines eij^encn Hauses verwenden wolle (§ 4). Und einen 
anderen Brief, in welchem er demselben Gallus, an welchen <lie Hesclveibun^ ites 
Laurcntinum gerichtet ist. den vad inionischen See schildert (VIII, 20), schliefst Plinius 
mit den Worten nai/t ff ijumjuf ut me niftit atque ac Jiafm-at opera drh-ctaut. 
Dem entspricht, dafs ihm als Hauptsclinuick, der einer Villa zuteil werden k;mn, 
Wasserkünste aller Art erscheinen. In wie ausgedehntem Matsc er von solchen in 
den Tusci Gebrauch machte, ist oben in deren Beschreibung gelegentlich envähnt; 
dafe er im l.aurentiiium aus Manj^e! an laufendem Wa.sser darauf verzichten mufste, 
empfindet er als einen recht wesentlichen Mangel dieses sonst so vollkommenen 
Landsitzes (II, 17, 25}. Übrigens folgte er, wie es scheint, auch hierin nur dem Zeit- 
geschmack: in der Villa des Hadrian ist kaum ein Prunkraum, in welchem die 
Re:>tc von Wasscranlagen fehlen, und zahlreich sind sie durch Gärten und Hofe 
verstreut. 

Die Schlufsfrage. wie lUinius seine so bcschafTcnen Villen benutzte und die 
Tage seines Landaufenthaltes einteilte, bcant>vortct er selbst in zwei Briefen an 
Kuscus (IX, 36. 40) so klar und bUnüig, dafs ein einfacher Htnwei.<i auf diese Briefe 
hier genügt; nur mag bemerkt sein, dafs man aus den gelegentlichen Andeutimgen 
in andern auf den Landsitzen selbst gcticlu-i ebenen Briefen'* wulil zu dem Sclilussc 
kommen kann, dafs im Allgemeinen Spazierritte, Jagd, Schifffahrt und Fischfang 
doch eine etwas gröfsere und das Studium eine etwas kleinere Rolle in seinem 
I<andlcbcn gespielt haben mag, als er seinen Freund und die bewundernde Nach- 
welt in jenen beiden Briefen glauben machen mtichte. 

Berlin. H. Winnefeld. 



'^ Mnii «innen sich anwillkllilicb nn Werke wie liicrlKt £[). II, 8: V, iS; VI. 34; IX, 30, vnr 

•Ivn FiftclicT der Gallcria cici CanilclaWJ p^tii». nlletii aticli III, 1 iliv Ucsclirviliuiifj (fei LcbcnH- 

l'io-Ckni. lU, 32 CUrac S;g, 3344J. weise des Si>utmn.i, welche Minius IQ, l, 13 aU 

'*) Aufscr den Anm. 31 an^cfllfancn Stollen (fchiiien seinen eigenen WUnichcti im höchstco Mar^e 

cr)t«|>Tcelien<t beiticliiicU 

iWirbMk 4h utUaloitl«<lMB IMÜUI* ¥1. 1 7 



RÜMISCHK SKIZZKNBÜCIII'LR 

NORDISCHER KÜNSH-ER OES XVI. JAHRHUNDERTS 

II. 

EIN STICH VON HIKRONVMUS KOCK 

(DIK SAMMLUNGEN HELLA VALLE) 

Ein öfter genannter' aber bisher nicht genauer besprochener Stich mit der 
Beischrift Ctick exe: 1SS3 ""«^ J^-'f Unterschrift Haec visuntto' RouMf, in horto Chn/. 
a VaUr, eins bnuficto, ex atttiquitatis reHquiis ibidem comervata (S. 226) scheint sich 
den ähnHclicn Blättern Hccmskcrcks passend anzureihen; ja da Kock vielfach nach 
fremden Vorlagen, nicht seilen grade nach Hcemskcrck, gestochen hat oder für 
seinen Verlag hat stechen lassen (z. B. durch Coornhacrt) ', so ist die Möglichkeit 
nicht ausgeschlossen, dafs auch hier wie bei Coomhaerts Stich der Casa Sassi 
(Hcemsk. III, 3) eine Zeichnung Hccmskercks zu Grunde liegt Die Zeitgrenzen, 
die durch das Jahr 1527 (s. u. S, 223) und das obige Datum 1553 bezeichnet wer- 
den , umschüefsen Heeniskcrcks römischen Aufenthalt ( 1 532 — 36). Die Tuschrift 
scheint den Cardinal noch als lebend vorauszusetzen, was auf die Zeil vor r534 
fuhren würde, kennt jedenfalls noch nicht den .späteren Namen des Palastes. Ca- 
pranica- Der Zustand des Antiken schmuckes vcrräth sich deutlich als noch unfertig, 
währciHl die Ordnung zu Aldrovandis Zeit (1550) schon weiter gediclicn war. Die 
satibcrc deutliche Wiedergabe jeder Einzelheit entspricht ganz der Art Heemskercks*. 
Doch kann Kock die Vorlage auch selbst gefertigt haben, obschon sein römischer 
Aufenthalt mehr gegen die Mitte des Jahrhunderts zu fallen scheint. Die Wieder- 
gabe des Stiches und die sich daran an.^chliefsende Musterung der Valicscheu An- 
tiken wird es rechtfertigen, einlcitungswcise einen Blick auf die valleschcn Pa- 
täste und die Entstehung der valleschen Antikcnsammlungcn zu werfen. 
Für diese liegt in den uns noch erhaltenen, wenn auch sehr zerstreuten Quellen 
ein so ausnahmsweise reiches Material vor, dafs es gelingt sich ein cinigcrmalscn 
vollständiges Bild von dieser vielleicht reichsten Privatsammlung Roms im ersten 
Drittel des Cinquecento zu machen; damit ist zugleich ein Stück Voi^csehichtc der 
mediccischcn Antiken gegeben. 



■) Z. B. von V. Duhn, MUftll. Cafitvl., 1879, S. 11 

Adbu 3. /l»H,iH 18S1 S. 316, GcfTrojr, Afil. 

itarth. 1K90 S. 169 Anm. i. 
») V»s»ri IV, 436. ^^I. 582. AndrescB-Wesscly, 

Elondliuch I, aSSr. (aus <Icd JaliTcn 1554—60). 
*) E(nc »Oll V. Dulin {.4mm. a. O. MoW - DuKn n 

n. 3Sia) erwähnte Zdchnung dcx Cnrims von 



(lern l'ortuuivten Francisco d'Olanda im 
E»curial (Cod. 41* >■— * Dl. 53) isl mir nicht 
nUier Sekannt. Der Zeil uach (FnnciKO kclirti- 
um 1549 aus Rom noch rortusal snrilclt) kOnnic 
«ic Kocl» Vorltigc sein, Kodu WobntiU KaU 
wcrpco macht jcrloch eine niedeillinilbcli« Vor* 
Inßc wnhrechcinltchcr. 



Mt«baeli», Römiscbe SkiisoabSchet Donlischcr K(b>cil«r- 



319 



Aus dem Stanmbaam der Familie della Vullc*. 
Ldlii.« (Leliuä) 



1410 Lcihari-t Alexander« V 
1433 I^ibnril Mnnins V 

1411 Ctuctllif'f iti Ki^ma frrf. 

t 1440 

u Sabelb An S^bcDi«, f iw. 1411 und 1447 



Ccccha 
u I39< i-u)r-Scni 



NieoUui 
Canonicu», f 1456 



Jal■o^ms 
ArKi, f um 1469 



«wi Sohne olinc iiunnli>:ki« 
Nacl)k«miii<.-ii 



l'liTHlTK 
Juiitt, f './jV. i/i* R^bt 

1451 Cannn. v. S. 1'iclro 

1461 Bischof von Aiccili 

t '463 

LBLlUKuai 1489 



Canon, v. S. EunUchio 

t 1476 
w Btij^da itc CinciU Ruslicis 



Mnrci» l'iiiLiiTCa 

gtli. 1430. um I471 Prof, il. Med, 

476 LcibATKt Sijctus IV, 1492 Alcxandc» VI 

t «494 

u Hivtonyina de Maf)^ni» f 1502 



Jncotw* 



Nicoliiui) 
(CYZ. VI. 9398) Cclvhiicr 

: +J'"'B '473 

l'ctrus 

t vnr 1524 

u Sij;ism. dv Ntmilivii^ 

ji/iV Stciihnnii« 
|$I9 



UKBNAHblNIlN < 

fl4»9: tV/-. 2 

VI. 2306) ^ 

Testament 1503 g, 

Franciwrns U'liü*(l5l J)S 
t '535' 



Amike^h liAK'ntiiLDMArirH 
1463—1534 146S— 1536 
i49GBi!tc}i<)f 1518 Mitstre Ji 
lJl7CnTdinal ilrtula 

1 521 AbbrcvinloT 



Lnittcntiut 

TcniARicnt tji? 

\> Julia de Coftnreili*? 



BHtTUS 
filim ei 

Afrti 
tS4S 1550 



Anionina 
Lutrclia 

uud 
Teu-nlii 



C »L'luvirtiiu« F.ll STINA 

(Schit<tianus ':) u Oimillo 
(1523, 30. 33. 37) C.tVKAKICA 



t 1547' 

u Boplittn de 

Sinctom 



TcstUDeot 
1550- 5+ 



Valkkils Alexander 
(Val»iftnu«J 

•550 

M 1560 Clfüa IVnlaTia. 

Valttiu« und Alexjinilcr »or- 

Ken 15S6 fUr die Crabutcinc 

ihrer Ahnen. 






Vieioria 
UIS7I 

Antonius 
Ciiivtanii« 






» e 



'^CINTICBIPK 

KL"»rii.i» 

ßi^chor 1533 

t"5ö6 



g,g 



Bau hol 
CapranicD 



A5l)EI,L'» 

Caframca 



^ g g.B»chof 1549. + 71 tvon5S4 

l'iiulus Faunlina 

Dnmioieas 
Ocbivianu* 

CAruA^^^:A 

vetltiuifcn die Satomlane 
1584. 

Die Familie della Vallc, die sclion In der ersten Hälfte des vicrzelmten 
J.ihrluindcrtä zu den vornehmen Familien Roms zählte \ war mit den Colontia ver- 
bunden und gehörte zur kaiserlichen Partei. Sic war früher an der SaUta di Mar* 
forio ansässig gewesen, bis der päpstliche l^ibarzt Paolo della Valle um 1417 



*) FiJ» <(cn Stanunbaum und dii-Fniiit1ieD;[nclii<:btc 
v^L MarinI, .4r/hhtOi f^Ntißit I. laolT. 23617. 
und besonder« l>omca. JacaTUccii hand«cbnfi- 
lieber ReftrL'num Ji/ami^lU (ramamf) iui Vatican, 
Olu»t«>n. S54. Bd. VII, V- Z, da« Kiig, Pelcrfon 
die Gute gchnbl hat für mich autzniiehcn. Auch 
die I.emmala de-» CIL. ciittinltvn viele brauch- 
bar« Angaben, desgleichen die Gnibinscbfirtcn 
bei Farcella, Arr^. tttllt rlirif Bd. I. Da- 
noch liefi tkli dcT Stammbautn diese* Zweiges 
der Familie im U'e«enilichcn fest«tclk-n ; un- 
•khere Abstammungen «ind <lurch punktierte 
Linien angedcatcl. Freiticb können bei dct 
hXuligen Wiederkehr der gleichen Namen auch 



Nunsl noch manch« Zweifel entstehen. Die 
lilo&cn ZiUiI«n bedeuten Jaiirv, in dvncn die 
Personen tirkundhcb voricommcn. — Anfscrdeti) 
vgl. Rcumont lind Gregntoviti« (k die Hrgislcr) 
und Cor den CnrdinAl Andrea Ciacönius t'^i^"^ 
fiTHti/irum 111, 350!. Uchclti, Italh latra I,a30< 
958 r. IX, 386. 
■■; Ketumnt, Gesch. d. St. Kon 11, Sia. Im 14. 
Jabrh. finden wir einen l>cllo d. Vnlle, vennitlilt 
mil I'Oreaia di j\jidrea Koseio (+1336. Forcella 
1, 44SJ, einen Alcvtandro im Gefolge CoU di 
Kicnrii (Jacovacci i. Schi.), einen l'ielro (For- 
ccIIa [,460). einen Ccccbo und dessen Sahn 
Andrea (f vor 1406). 



220 



Miclwcli», Rnraifclie SkiiKenliflcfii^T nonlUchcr KClniill«r. 



von dem Cardinal-Viear Isolani einige der Curie ßcliorige Haiiscr im Rione di S. 
EusCachio zugewiesen erhielt, eine ' Schenkung, die Papst Martin 1418 bestätigte. 
Fort.in führte jene Gcycnd den Namen conlrmlo tU-Ua l it//e, der noch heute in 
riatz Slrafse Pahisl Kirche und Tliealer nachwirkt. I'aolo, dem Kaiser Sigismutid 
die Würde eines cemes patatimts vcrHch, bct;ründcte auch bereits den gelcluüen 
und h'tt erarischen Ruhm der Familie, deren Mitglie<ier in ungewöhnlich grofser Zahl 
den Posten von scritlori afosfoHii bekleideten. Ferner weist der Umstand, dafs 
Paolo 1440 in einem antiken Sarkophag bcigesetzl ward , auf ein damals tn Rom 
noch ungewöhnliches Interesse (lUr die Überbleibsel antiker Kunst hin. So finden 
wir denn auch twc\ merkwürdige Inschrifts leine, die sog. /asli VaHensts und das 
mctwlü^iuHt rusticum schon früh im ResitK der FamiHc; jenes bei dem 14Ö3 als 
liischnf verstorbenen Pictro, dem ältesten .Sohne Paolos, und um 1489 bei Lelio 
della Vallc, dieses um die letztere Zeit bei Hernardino. Dieser, ein Sohn vun 
l*aoIi»s zweitem Sohne T,cllo, war der Bruder des früh verstorbenen Niceolö, 
eines vielversprechenden Gelehrten, der die Gedichte llcsiods und Homers in 
lateinischen Versen übersetzte. 

Paolos dritter Sühn Filippo war gleich dem Vater ein bedeutender Arzt. 
Von seinen fiinf Kindern kommen in Betracht Bartolommco als der Stammhalter, 
deRsen Tochter l'^austina einen Caprantca heiratete; Gismonda, deren Sohn 
aus zweiter Ehe Quinxio de' Rustici war; vor allen aber der älteste Sohn An- 
ilrea (geb. 29. Nov. 1463). Als er zi Jahre alt war, gefährdete eine der blutigen 
Fehden zwischen seinem Hause und den Santacroce, die unter allgemeiner Theil« 
nähme *Ier Parteien Colonna und Orsini zu einem förmlichen Bürgerkrieg ausartete, 
den BcsitKfttand der Familie. Die Häuser, zuerst von Lcllo und Jacopo, dann auch 
von Filippo wurden niedergerissen. Sixtus IV begünstigte selbst diese Rachclhaten, 
während Hernardino della Vallc bei dem Neften des Papstes, dem Cardinal Giuliauo 
della Kovere, Schutz fand (Frühjahr 1484)'. Allein der bald darauf erfolgte Tod 
des Papstes und die Wicdcrcrsf^rkung der Colonna licfsen jenes Unheil bald wieder 
ver\vindcn. Filippo ward nicht lange darauf Leibarzt des Borgia, und sein S<ilin 
Andrea schritt in seiner geistlichen Laufbahn rasch vorwärts. 1496 ward er mit 
33 Jahren Bischof von Cotrone (Krolon), 1508 von Mileto in Calabrien; unter 
Julius !1 bekleidete er das Amt eines päpstlichen Gcheimschrcibcrs. 1517 verlieh 
I,co X ihm den Purpur, uml nach dem Tode des Me<l iceers (1521) war sogar stark 
von VaJles Wahl zum Papst die Rede*. Seine Stellung zu den Colonna liefs ihn 



•) Cuinilro, Memarif JtUn Cima i» Arateli S. 199! 
MW /lYi» iH marau' oinaf.' lii figur^ Ji giaJiitItiri. 
Die rauUknpcHc in S. Mnm in Aiaceli gchVlrlc 
ilvr Familiu <U-lla Vallc: dort sammcllcn 1586 
Vilcrio and Alct^andro die Grab »leine ihrer 
Abncit (t'oTccIU I, 753). 

^ ]nfe»iuni cd. Tnmmiutni S. 118. I32f. 129. iCa. 
vgl. S. 87. Der Nfilnr von NftnlipoMn bei XIu- 
ralori, Äri)>tf.!ll, 3, io1t3(r. tlic l>vi jenen t'nni- 
bca beiDoden übuk bcthciliflcn Brfldcr Fnui- 



cncv und l'iciro della V'altc, tovM ein i>iuit 
Verwandle Kamen» l'iiolo, scheinen anderen 
Zweigen det Pamilic angehJWl m haben. Virl- 
Icichi huxi^ mic jenei ücr»u)nuif: det Udos« 
eine papsllicbv Zahlung aus dem Jahre 1484 
/w sfioMtirt MH tfrraf'Utw ai'anti ü rait dfi P'aür 
itutAmraco(Bor(o1otti.Wf-Aüfi/N^/{^ÜMaA'ivA>TS.i t), 
*J Venex. Ge^iKilscliAri*l>crichl bei Albcfi - Q«r. 
Maüoiti lil, 6S: St iorJinai VaiU fu fr»t$im» 



Michaelis, Rdmischu SkiizcnbllclRT nordisclicr KUnslItr. 221 



1526 beim Überfall Roms durch die Colonnesen als geeigneten {wenn auch unwirU- 
samcn) Vermittler erscheinen, und 1527 verharrte er im Vertrauen auf seine Aiigc- 
höri^Ueit zur kaiserlichen Partei während der Plünderung der Stadt mutliig in sei- 
nem Palast. Beinahe vierhundert Flüchtigen gewährte er dort Obdach und kaufte 
sie von dem ncapoütanisclien Obersten Fabrizio Maramaldo mit einem Lösegeld 
von 28000 Ducaten los, woneben 7000 auf den Cardinal selbst entfielen. Das 
schützte den Palast freilich nicht vor der eine Woche später erfolgenden Plünderung 
durch die deutschen Lanzknechte, deren Beute auf mehr als 200000 Ducaten ge- 
schätzt ward; an den für sie unnützen antiken Marmorstatucn vergriffen sie sich 
jedoch hier so wenig wie im Belvedere oder anderswo®. Eher mag die schöne 
Münzsammlung ihre Habgier gereizt haben. Wenn der Kaiser bald nachher dem 
Cardinal allerlei besondere Einkünfte zuwies'", so darf man darin vielleicht eine 
Entschädigung für die erlittene Unbill erkennen. Mehrfach sehen wir Valle unter 
Clemens VII, der ihn schon 1523 zum Protector des Franciscanerordens gemacht 
hatte, trotz seiner ParteistcUung einflufsreiche Ämter bekleiden und Vertrauensposten 
einnehmen; noch 1533 ward er am gleichen Tage zum Bischof von Albano und 
von Palestrina ernannt. Er starb am 3. September 1534 in seinem einundsieb- 
zigsten Jahre". 

Seinen Hauptruhm genofs Andrea della Vallc als einsichtiger und thatiger 
Beschützer der antiquarischen Interessen. Der alte Andreas Fulvius, der Schüler 
von Pomponius Latus, preist ihn 1527, unmittelbar vor dem Sacco, als den Einzigen 
in Rom, der sich der Denkmäler des Alterthums eifrig annehme, und hebt seine 
marmornen Statuen wie seine reiche Münzsammlung hervor"; der Frankfurter Johann 
Ficliard stellt 1536 die Antiken des Palastes und des Gartens della Valle an Zahl, 
Trefflichkeit und guter Erhaltung allen anderen Sammlungen in Rom und draufsen 
(z. B. im Palast Noia zu Neapel) voran '\ Flaminio Vacca weifs nach Bezahlungen 
seines Vaters von Ausgrabungen zu berichten, die der Cardinal in den Thermen 
Agrippas veranstaltet habe'*. Jedoch rührten nicht alle vallcschcn Antikensamm- 
lungcn erst von Andrea her. Sie waren über vier Häuser zerstreut, die wohl alle 
erst nach dem Unglück von 1484 neu entstanden waren". Zwei derselben finden 
wir im Besitz der beiden ältesten Söhne Paolos und ihrer Familien. Die Ange- 

■') S. Buotiaprirli: bti MiUnt-si, Sicco Ji Romn '^J Vgl. Arch. Zeit. lS8o S. g3f. (unvollst.lnilig und 

S. 346(7, iinil Ijcsondi-T^ den Brief dts Cnrdi- ungenau), Auf Nidlis l'lan von Rom (1748J 

nals von Conio ebenda S. 475 ff. Vyl. Gregoro- liefjen an der Str<iJa ddhi V'iillc (779) die beiden 

viu«; VIII ', 533 f. 538. l'aliisle I und U (7S2 Palmzi Jd lUifalo) unil 

•") All'^-n-fiar III, 289. dahiolcr nn der Phz-J \delh V.Ulc (7S3J der 

") Forcell.T I, 6z6. I'itluzw Capttmicn \\\ (794)- Uns Haus IV kann 

'-) Antiquitiites S. 99: iinUiia fit nunc qui niiüoruin ich nicht bestimmt naeliweiscn. llufalinin l'lan 

vettni numiiiicnl't dilv^cnki' (ui'U. Iliui am näcii- von 1551 gibt A<;r\ Zustand des yuariiers vor 

sten slanil in jener Kiidi^eit wohl der Cardinal lirrichluiiy der Kirclie S. Andrea della Valle, 

Cesi und für Insehriflen Anyelo IJoloeei, weriy tjereielinei aber nicht die einzelnen l'aliisle; die 

s|);ilcr die F.^Inese^, Card. Ciir()i u. a. hi'.chrift C. Archutl Viilc ist nicht deutlich; sollte 

'^) Frankfurter Archiv III, 68 f. Sz. etwa ConlriiJ,i nrihüili\<rum WillcHsium gemeint 



'*) Vacca, Xatizic n, S3- sein! 



hörigen von Pictro bcivohntcn das Haus (1) an der Ecke der Via dcUa Valle und 
der Piazza dclla Valle, dessen Hof wir ans Hccmskcrclcs Zeichnung (11, 20 s. S. 158) 
kennen. Neben den schon genannten Fasten bildeten den pupularslcn Schmuck 
lies Hauses die beidun i^rofscn Panälatucii, deren Erwerbung noch in das filnfzelmtc 
Jahrhundert curuck^cht, da sie schon uni 1500 vom Prospcttivu erwaiuit wurden". 
Im übrigen beschränkten sich die Antiken dieses Hauses auf einige Reliefs, viele 
Masken und unticfähr 400 Köpfe". Ebenfalls in der Via dclla Valle, aber nicht 
unmittelbar benachbart, laji «las Haus (IV) von Haolofi zweitem Sohne l.ello, d;is 
aufticr dem Mcnologium noch einige Reliefs, viele Inscliriften und über der Eingangs- 
thür einen schönen Zeuskojif hesafs; ob auch Statuen, ist zweifelhaft". 

Paolos dritter Sohn Filippo wird wohl dicht neben dem Hause I K*^vohnt 
haben, doch war der dortige, durch seine Antiken benllimte l*aUzzo Valle (II) 
erst eine Schöpfung seines Sohnes, des Cardinais Andrea '\ Vcrmuüilich ent- 
stand er unter Julius II, da der Prospettivo (1500) ihn nicht nennt, Albertini daj^ej^cn 
(1509) ihn unter den neuen Palästen aufführt". Schon die Eingangshalle war mit 
ßU<^en und rra^rmenten angefüllt, das Prunkstück aber war ein im Renaissancc- 
geschmack fiir die Aufnalune von Statuen hergerichteter Hof. lik vrrtu (st omnis 
Romaiiae vetnstntis fhesaunis bemerkt Fichard"; na»i (ota supcrior acJUim pars intus 
in cirnufrim t/riiatissima csi ixt/iasifis vcUntrn tnartnvrdi statiiis. Der Hof bildete 
ein Rechteck. Auf den Langsctten standen oben je vier männliche Statuen; auf 
der einen Schmalseite die (mcdiccische) Venus und der (Florentiner) Ganymedcs, 
darüber oburhiUb eines Fensters eine Wölfin von Porphyr; auf der anderen zwei 
männliche Statuen, darüber ein Knabe auf chiem Delphin. Friese mit Greifen, mit 
Knaben und Thicren liefen an den Schmalseiten hin*'. Von diesen seinen Schätzen 
machte der damalige Bischof della Valle einen prunkhaAcn Gebrauch zur Auü- 



'») t^)Mp<!ll. Milan. Sl. ts- El etti in iura <l' -10 
iüHa y^iU 1*0 /mimi tht 1' an rtnto /n uhttia 
Im fei X um <i^r*»n t9H nwUf lalit. 

•») At'lroranili S. Xl6C. Hecm.ktrvV 11. K». Vyl. 
unten S, 337. Oeo dniuariscn HcUucr ilicsn 
Hniiw«, Vatirrio ilclln V.. niaclit ßnlAtirtl I, 43 
luin l-^i|{ctilbUii>in Jus l'alnilc^ II utul cthctil 
iha tarn Ordlnall - Der StaniraUauiti die*«» 
Tttclln der Kunilli: nt am wcn<ipicn g»t<ibrrt 

**) AMrovandt S. aai : taat M M. Bmb' dtlla VaiU. 
m i« rlritf'i Mim f^o/Zr. Fabridut Antifiif. 
pmmm, /JU. iy, 114: tioMUi ^'ailarttm fri.'ft di- 
(ttin /-iittnifimm. V^\, unten S. 237. UoHiaid 
I, 4j michl ilivscn Ktuto tarn VaUiUUt r/itfoiiu 
unJ >M der cinxtgf Znigc für die Statuen. Üctif 
»Ibca Hausc wtlnlc idbd die In«:iti(utc[pc 
,tfWii EfinafwH l'aUdtMiM bei UoiMard 111, 134 
hl« 146. l^tj. IV, 54 luwc-iicM, wtnti tiicbt die 
([<,tiaiKr«n Antfulivri Im C//.. VI Iwwiovn, tlofi 
kl« ^u ({roCscm Tlicd dtn lUlasicn II und lU 
anjft;)i«trien. In du.* Hau« IV gcbitrcii dnvim tdofü 



Cf/~ VI, 2170. sr?! (dicM t.tidt-n *[)itcr im 
fal. III). 11541. iii;6ol 15900. 2404J, 3U> tltnn 
Tiadirion «icli aueli der FmiKitcu» niid der 
l'TM» Ac* ütanunbaums cr]ccl>cn; dab bratu» 
Salin nnc* l.cliin war, beaciigt Jacovacd tma 
Jalirc 1S42. 
'') AldtovMHti S. SIS: f<ua «iV AfifMt. U TvicnM iti 
A^lUl, tJißrata ^^ Jit/ Cariiimdt dt la Valtt, tlu> 
xioi vgl. S, 316: iaia Ji Af. VaUrw Jt h Vatlt 
fr^tM ta Uttta iosa äi Hhtu. 4i JiU34üL Nach 
Bibaunng vqd Paliui Itl auch Jemut t'tttu n$r- 
JmalU ttt ta V. j;en.tniil iCU.. VI, 955J. Ui« 
UciiKroIce l'ldli(tpu«. Unrlhi)Ui»i:tu>, Andm», 
Capmmvii trj;el>cn CIL. VI, 999. a23i9- 
») Allirrttoi ä. 6s*. &&': J^tnui Ji Vaili ... mmiM 

fuat, vatiit /ikturh rt liatuu aJarttatttt, 
><> Ficbatd & 68. Den Palast Ul crwtüiol er ckkh 

darauf. 
") Al<lrüv.-indi S. 213C Vunil I, 1091. A(t;h. Zvtt. 
lft!k> S. tjf. LelflTouilly. ßJ^tt dt Üfim 1. 17. 
Vgl. unieti S. 3JJi 



Michaelis, Römische Skizienbücher nordischer Künstler. 223 



schmiickung eines Triumphbogens, den er vor seinem Palaste für den feierlichen 
Aufzug <lcs neuen Papstes Leo X vom Vatican nach dem Lateran (11. April 1513} 
errichten liefs. Die beiden Pane aus dem Nebenhause (!) zierten die Vorderseite 
der Pfeiler gegen die Enyelsbrückc hin; den übrigen Schmuck lieferte der neue 
Palast: im Inneren des mit Teppichen verhängten Durchganges standen unter an- 
deren Statuen die Venus und ihr gegenüber der Ganymcdes. Der sonst einfache 
Bogen erregte wegen seines ungewöhnlichen Antikenschmuckes Aufsehen'*. 

Die Baulust und die Sammellust des Prälaten — erstere hatte sich auch 
durch Errichtung eines bischöflichen Palastes in Mileto bewährt — führten ihn zu 
einer weiteren noch gröfseren Unternehmung. Er begann in einiger Entfernung 
hinter seinem Palast, an der heutigen Piazza della Valle, einen neuen Palast (III), 
den er mit dem älteren in Verbindung setzen wollte'*. Den Bau entwarf und leitete 
Lorenzo Lotti (Lorenzctto), Raffaels Schüler und Gehilfe und Giulio Romanos 
Schwager; wenn auf Vasari Verlafs ist, fallt die Ausführung zwischen 1520 und 
1527". Hier befand sich wohl das nach einem Entwurf Giulios von Raffaello dal 
Collc ausgeführte Fresco einer Madonna mit schlafendem Kinde zwischen den Hei- 
ligen Andreas und Nikolaus, ein damals berühmtes Bild". Das Erdgeschols 
schmückten acht Statuen, unergänzt'^; besonders berühmt aber war der »hängende 
Garten« {liortus petisilis) im oberen Stockwerk. Offene hohe Säulenhallen nalimen 
die Schmalseiten ein. Die Langseiten umfafsten in einer doppelten Reihe unten 
gröfserer, oben kleinerer Nischen erlesene Statuen, dazwischen Prachtreliefs {z. B. 
von der Ära Pacis), und aufserdem Friesreihen, aus einzelnen Sarkophagplatten 
und Bruchstücken zusammengesetzt. Das Ganze war ein Muster ähnlicher Anlagen 
des Cinquecento. Vasaris Bericht {s. u. S. 225) zeigt, wie Lorenzettos Bestreben die 
Antiken zu voller dccorativer Wirkung auszunutzen hier zuerst jene unglückliche 
Ergänzungssucht gezeitigt hat, die bald das Belvederc und ganz Rom ergriff und 
die wissenschaftliche Vcrwerthung der Antiken so arg geschädigt hat. Vasaris 
Beschreibung wird ergänzt durch P'ichards Mittheilung der acht Inschriften des Sta- 
tuengartens (s. u. S. 227); auch erwähnt dieser das etwas tiefer belegene Badezimmer, 
das der alte Cardinal nach Art des vaticanischcn, für Cardinal Bibbiena ausgemalten 
und des päpstlichen Badezimmers in der Engclsburg'* mit badenden Mädchen und 
ähnlichen Malereien hatte schmücken lassen*'. Der ganze stattliche Bau blieb aber 
unvollendet, vcrmuthlich infolge der Ereignisse von 1527 und der nächsten unruhigen 
Jahre, in denen, wie wir sahen (S. 221), der Kaiser dem greisen Kirchen fürsten 
mit neuen Pfründen zu Hilfe kommen mufste. Diesen Zustand gibt Kocks Stich 
wieder. 

-^) S. den gleichzeitigen Bericht von l'ennl bei '"^J Vasari IV, 579 f. 

Cnncellieri, Sloria thi /•osscssi S. 78f. Vyl. Kunsi- •') Vasari V, 534 (etwa unter Clemens VII). Die 
Chronik, N. K, 1,29? ff. (Michaelis). Stelle kann auch auf den .illuren I'aJnst II gehen. 

-') I'aliUiHin »ovHiii oiler posUriiis CIL. VI, 448. *') Aldrovnndt S. 217. Boissard I, 40f. Kichard 



1730. 1887. L'IGr. 5885. Boii^sard I, 40, der 111, 6S. 

S. 43 vom Pal.ist II sagt: quod cum nm-a fabrka '") Fichnrd III, 51. 

(eniunclurus erat. Lelarouilly I, 23. ^) Fichard III, 69. 



224 



Uiclincli», RöinUchv Hki»ciibUcb«T notUiichcr KllndUT. 



Als Andrea 1 534 starb, kamen seine beiden Paläste nicht an seinen Brudcrsolm 
Ottaviano, der ebenso wie seine Kinder filr die Geschichte der Antiken ohne Relang 
ist, sondcnt den älteren Palast (il) erbte Andreas Schwestersohn Quinzio de' 
Kustici, der schon seit 1523 sein Nachfoli^cr Im Risthum von Miteto gew-nrdcn 
war und dies noch bis 1566 innehatte, den unfertigen neueren (III) die Tochter 
seines Bruders, Faustina, die mit Camillo Capranica vermählt war'". Im Volks- 
mund bewahrten beide Paläste, namentlich der ältere, den Namen der vallcschcn, da- 
neben kam ober fiir den neuen bald der noch heute übliche Name -Palazzo Caprantca« 
auf. Diesen sah Aldrovandi zu Anfan« des Jahres 1550 noch immer unvollendet, 
aber im Bau begriffen"; vielleicht häni^t es mit seiner Vollendung zusammen, dafs 
die Antiken durch Testament vom 17. März 1550 und Codicitl vom 17. Dcccmbcr 
i$$4 den Söhnen Bartulommeo und Angclo Capranica als Fidcicommils ver- 
macht wurden, unverkäuflich, unthcilbar, ohne Iclztwilüges Verfüg unysre cht. Auch 
der Bischof Kustici scheint seinen Palast diesen seinen Neffen hinterlassen zu haben 
(1566]. Wenigstens finden wir, dafs nach An^elos Tode ilcssen drei Sohne Paolo, 
Dumenico und Ottaviano Capranica, um ihre Schwester Fauslina ausstallen 
zu können, am 15. Jiiü 15S4 die ])äpst!ichc Erlaubnis zum Verkauf erhielten und 
nunmehr die Antiken beider Paläste verkauften. Der Käufer war der bedeutendste 
Kunstliebhaber jener Zeit, der noch junge Cardina) Fcrdinando de' Medici, der 
Rlr die geringe Summe von 4000 Ducaten (der Schalzungsprcis bclicf sich auf 
15564 Ducaten) die ganze vereinigte Sammlung er^varb. Nur wenige Stücke, dar- 
unter elf Sarkophage, verblieben den Capranica. Die meisten Antiken wanderten 
sofort in die Villa Mcdici auf dem Pincio, die im Jahre zuvor durch die Niobiden- 
gruppe bereichert worden war und auch bereits den Schleifer besafs; einige StUckc 
wurden zunächst anderswo untergebracht, ein paar einst\veilcn noch im Palazzo Vallc 
belassen*". So war es mit der Herlichkeit <ler valleschen -Anti kensam ml ung vorbei. 
Die a^iit'S ValU'NSCS ITihrtcn noch ein bescheidenes Nachleben in den meistens schon 
froher gestochenen Tafeln Cavalicris und I.orenzo dclla Vaccarias (1584—94), aber 
schon Franzinis kones von 1589 kennen keine valleschen Statuen mehr, sondern diese 
erscheinen hier bereits unter denen der Villa Mcdici. Der Palazzo Valle (!t) gieng 
später in den Besitz der Familie dcl Bufalo über; an die Stelle des hängenden 
Gartens im Palast Capranica, <lesscn p;iar zurückgebliebene Sarkophage hierhin und 
tlorlliin zerstreut wurden, trat das den Capranica gehörige katro Hella Valle, das 
zu Anfang unseres Jahrhunderts von Valadicr vollständig umgebaut worden ist. 

Im Jahre 1550 waren die beiden älteren Häuser I und IV im Besitze von 
Valerio und Rruto dclla Valle. Von letzterem wird noch ein Nachfolger (Solmf) 



'"j Sclino eine Cousine Aoclnu, i>ATc)b dclla VbUc. 
war mit einem Milglk<}tr dicM-r lioctiait^ctcbrticlt, 
dcu VAlle bciinchbartvn lOmUchv» Knitiilic vvr- 
tufirnlcL 

") AIHmvnncli S- 217; rke kora si /af'riea. 

^ Das VerknufiiriTentir ht nadi einem ExemplaT 



im capitolinuelKii Archiv (£*■*) nbxifinickt i}«- 
CUM, inftf. IV, 377 IT.. nucb <Icu) im ÜArucn ifc- 
naDeti'n Kxt.tiipl.ir de» Horenlin«! Arclitv« (tV) 
mit Anifnbe <lcr ÜcKnunDSsitrct&v . b« Gollli 
<IaÜ. <{i l'irtme S. 361 ff. Im Üliitgrn »gl. 



Orso genannt (Anm. i8). Zwei Jahre nachdem die Gebrüder Capranica die vallc- 
achcn Antiken veraufeert hatten, waren Valerio und ein Alessandro della Valle" 
bemüht die Grabsteine ihre« Gfsch! echtes in der Kirche von Araceli vor dem 
Untergänge zu reiten (Anm. 6). Die Vamilie war dem Aussterben nahe. Eine 
grause That flthrt uns im Jahre i(5oo einen der letzten männlichen Abkommen vor: 
Girolamo della Valle, angeblich ein Neffe des Cardinais (r), ermordete einen Paluzzo 
Mattei und wurde aus Raclie von dessen Bruder Pier Girolamo Mattci ermordet". 
Die letzte uns bekannte weibliche Angehörige der Familie, Silvia della Valle, war 
dagegen mit einem Manne verheiratet, der die künstlerischen Neigungen üirer Fa- 
milie fortsetzte, mit AngcIo Paluzzo Albertoni". In dem alten Hause I blieben die 
beiden vallesclien Panstatuen noch fast anderthalb Jahrhunderte als höchst populäre 
Sehenswürdigkeit Roms stehen und erinnerten an den alten Ruhm des Hauses, bis 
sie Papst Clemens XII um 1734 zugleich mit dem berühmten Zeuskopf erwarb und 
zum Schmuck des Hofes im capilolinischcn Museum verwandte. Einige andere 
Überbleibsel waren schon früher an verschiedene licsitzer gelangt. Endlich hielten 
sich im Hofe des Palazzo Valle-Bufalo (II) diu von den Künstlern hoch bewunderten 
I-'riesc mit Greifen und stierop fern den Victoricn bis in den Anfang unseres Jahr- 
hunderts**, wo sie vom Car<Iinal Kesch gekauft wurden; von ihm erwarb das eine 
Stück das Museum des Euuvre", das andere die Münchener Glyplolliek ". — 



I. DER PALAST VALLE- CAPRANICA (IIl), 

In itk Gliintidi und an <len icliiuvailmen Ort d» vatlcschcn KunsUammlungi-n vcn^uUl uns d» 
Slieh Kockn. Zur ETkl4runE; der AnMcht illcnen l)V«fin(Icr« ««rci SU-tU-n, VaK^ri^ und FKlinnlx. 

Vm^H IV, 579 Bbtr Lorcrwctlor ttarehiUltura fttt U äUtgfto di mv/U ioit »///« fa/ie ta 

fitfdata lii dintro: t coü it dhtgn« dtlle italte ej U ginrÜH^ äi tofra. ftr AnJrtu tardtMoie d^tlu t'uMl 
dtnt attavt>Kfi Htt partimenta äi qutlV n/xfa {flannf, Ar/r t la/iiftx/i itniüii; t t^ir/i atktrMu. /fr dasit- 
mtHto di tttOn futW fi/fra, fiHi antichi /"ittti <ti iforif; t fiii altt> /ttt tetto urU mnAli^H im aStro fregi^ 
dl r^tlami äi tett amtieke, t tti tefra mtk Jtrit iikcAif f9U akutu ilatut für amtithi t di nutrmo, 
it fMaii tMtm mon rranir inttre ptr tiurt fual* jf»M tttta, qitait ttMsa in/ttin. tä atttam temta jctmtir. i.i 
int^mma etmeuna «'h fwiliht rwn mtnc, todamaJa >t«ndmino ienitiim», ai-enJtf futt« rifort a kucni ualUri 
tiM> qutUo che maneaca, la quält i^ia /u fiigtem tht oitrt ligmtri kann« /oi /aftc il metUtim^, i rüimrttta 
muile ipit aitliikt; t^mt U tariürtitit Ceiii, t'ttrara. J-'arnru, t, ftr dirlo in un« par^la, tatta Anovrf . . [ 5S0 1 
. . . ;Wt ttrnaifia al giariHmi/ ditto. /n ffiln lopra k nktkk ia /ri}po/ttra tAe vi ■»»* ifff tli i lorii atttithf 
di mtttt riiieva btUiuiau e rarittimt; ia qitaie ittPtntioM di t^rttuo gii gi{H>h im^mtsutt/ttt o. s. w. 



■") EMcicr cnchtriol iu Fianiini* Fulatia frpcerum 
ßtirmanae wr^V. 1589, Bl. da in der t'nicrtcbrifi 
/W. d. AUxaaäri dt Ia Vatlt. OcrMlbc \\a\t- 
Mrhntlt fintlci »icli in Jcr R^ma auf. t «n*«/. *on 
166J. S. 785 mit rtef gcdrocktcn Überschrift /'*- 
(asto di l'ittro drila Volle. Um i»t der Iclitc 
mir bvkanDtc 5pios»c dvr F&milic. 

") Jacovacci »uro J«hrc 1600. Auch hier bestun- 
den all* «crivanilli;:)iäfiliche Pviicliungcu: Ber- 
nudlnos SchwcMvr Giulta war mit BatlUta Mattci, 
AnilrcHs SchwcMct Gi»nion<la in erster Übe inil 
Ddiiienico Mallei verheiratet. 

*^ Jacovacci luin Jabrc löll, wo äüvia sclion todt 



war. t'licr Albcrtoni s. iH Hbcmsk. I| 47« d. 

"•J Zncea. iiaisir, II S. 41. 

^') Clarac II, 193, 54. Die Herkunft tdiu Canl. 
F«*ch Uveu^i Clarac U, 1 !>. 1S4 un.l Ihitr. 
du Mtutt roynl, iSjo, n. 754. l'rlichs, Clypt"- 
lliek S. 58 leitet «4 an» Pal. Valle ab, »erwci« 
aber (ukIcicU auf Ferrari, Frf^ frtKr. lut rS/a, 
Flnr. t^iit 'fa'- t< Jt wonach es vom Traians- 
Inrum >t»iiiiien »oll. Ute llithe {0,75 M.) stimmt 
mit der des MUiicticncr SlUckc« (0,78 M.) t\t\a- 
lieh Übereilt. 

*") Ulypl. n. 206, *gL L'rlich» a. O. Der wcitana 
t-rwfsic Tfaeil iit ciglUul. 



Fiebard Prankf. Arcbir 111, 68: £ rtgi^iu fast iJMai t/MiuiH [dem Palul Ifj Ai>rMt at otHiuiu 
aJ JtiMtm, Im tarn mgrtntu tantum tfatHarum vüdrj, mt crttfat im mm haim VHnm qttififuiit Hijuatn A'vmae 
fmril imtntum att (eugtatitm. taftrivi in curia ^furimu iaetnt »rsiftto, mptrini in fcrtitu tttrinftu in 
Ueu/it mit pesitiu juitl imiarfi ttatuiu iitarm«rf<te. Iftt'uiimae auUm in kurta peniiti frt>xiiH< aäiumbi, 
^ui elrgamOttime exitraclus ila iiutt/rr isfis manulHentL ornatut tst, ut itibil tit istit tatlftii marnttvit ftrt 
fttvJ »<Mf ex antiftiitatt rffifsiOim aJ^iffafumpie tit. Lkus eti qu^ralHt obtomgtu, 1 69 1 in lalittnUm utrtn- 
que fortitus, tatem i^HgituJinit Aatent itatuat In Ucu/ii tuit. Sttf/eriui inUrficjitat ^uiui btlutlae hiuf treri.t 
Jkafiemt. Sinittrum lolMt. All CDLLABC.NTIVU sTaTVAHVM iNKTa^oatriNE^u fK.NftlLI VMgvr. iioktokVM 
URS\«RSTVM. //. ftl*. Al> AMItyKVU IVCVXHUnTEM nMVW ADVK\AltVil(/VE 1>ELELT*TI'ISEM. ///. 
All». NUS All VI)l,VrTATEM WRI» All CEM-tVH IHIKTVSAnVUllVB VAVOKE«. ////. t>li. Al» »ELItriVM VITAK 
KLECAMTIARVll CRATtAKVtlQVE 6EC~CS6^1ll. Dtxtrut)» lalui. V. lad. SiBt CT flE.SiQ l'ofirKiCIs'J^ E 
l11t.AilITATt. r/. Al#. ANTII^VAllVU tlRRVU V1VAR1U PtCTURVU TOKT.VHVMQVR 8VB8IP10. VII. Ad». 
HoSEsn OTIt OBI.KCTAMEKTO IlOMZSTrCAEyVE CO«MOI>lTATl. V/II. Iaf>. MiltORVM «BMUBIAK SEpy. 
TVUijVE iMtTATioXi. Singnla (omHifmt'mrt. fMorttm itlat vidtHitt $tatwu qmtUtqut /Htrint. nimhtm f^tl, 
tt meminitu ex Im» putet. 

Aufier tiicJcn aligrmcincn Angaben unil Hcm Srirhc KocW l)c*ilicn wir noch riw ringchcnilv 
Bcecbrcibung Aldrovanilif vom J. 1550 (S. 3i;ffO ^^^ ^'■'■^ £cnAUc InvcDIar von tsS4 (9> <>• Anin. 33). 
Kinr wettere Quelle, BaJcsards hierher gehöriger AbscbniU (Ii^iff.), erweist »ich wie gewähnlich als 
•ehr trtiliL*. Uie nn«chcinund iii«»niiiienb9ngvnili.' Darstellung ist ein btintes Mosajk vm fulgemlcn Beilamt- 
theileu: I) Boi6Fai<I« cigcDc Reschreibung der Suiuen von der Faiptcle de* l'alafitcs; 3) die Mn^ya»- 
siatue nach AltlTovnndi mit Ih^richtcr gelehrter Zntlial; %) i-inc Übet cingciclmlicic Bereit rcibung <lef> 
PnUslec Volle I nach AMrovandi, ohne dnf« H. gewahr wurde, dafs e» «ich um eiiven jtann andcien I'aUfit 
handelt) 4) B.$ AufillOung der Siaiucn im Garten, linke Seite; 5) Aldrovandif^ Beschreibung der StntucD 
an der Palaslfanadi: (^ t); 6) demselben Aosabc di-r Antiken im Garten in abgekotcter Furm (t. Th. sich 
deckend mit 4, 7 und 9J; ?} B.s eigene Aufxählung der Siatucn Im Garten, rechte Seile; S) B.s Nennung 
cioilfcr wichtiger Reliefs; 9) B.$ Bcscbreibung dreier Statvcii in der hinteren Halle (schon In 6 enthalten), 
Nur wenige Einiclheitea dtciet G«ineng«el« tind von Werlhi wenn Doi»*.ird in einigen Benennungen, (li<! 
AlOrovundi nicht kennt, mit dem vpiUercu luventar obereinstimmi. so gcbco beide wobl die Ublickco 
NamvD Wioler. 

Von den drei xuver13»sigi:n Quellen tinwrer Kcnntni» bicicl Kockfr Stich (A'J unbeitrcillmr 
den allcf tcn Zuatand du. Sind auch die beiden Scitenwande in der Hauptsache* fertig. 90 sind doch 
noch mehrere Pljitie leer, e« fehlt der bauliche Almchluf» der beiden (fcdeckten Hallen, Und im minieren 
Raum stehen nni;h tnatichcrlci Statuen, iliier Verwendung barrend, bcrunt. Aucb lu AldrovAndU (.■/) 
Zeit ist der Bau noeh im Cnnge (Anm. 31J und die unteren Nischen der linken Seite scheinen noch 
nicht «lle ausgen^lll, aber manche L'tii Stellungen beben >taitgertiii<lcii und die Aufriluniung des freien 
Pbttie« scheint Poriscbrittu gemacht lu haben. Auch welb Bolurard {H), dc.tscn römischer Aureniball 
nicht viel später fHUt (1555—61). von den Citmncn- und Granatblumen und den Ccdera su beticbten, 
die dort gepflanzt waren (wohl in den auf dem Stiche angegebenen löchern). Una Inventar t^apta- 
nica von 1584 endlich (C; C/ du tluretitincr Evcmjilar bei Cotti, O dii.<- icmis^be in den I>0€. ineJ.) 
Idfsl wcitt-re Änderungen in der AuMellung rrhenncn; einige Stücke telilen gant: andere waren vielleicht 
in die untere» Nebenräume de* l'.-ila<ite> geschalTi, wo »chon Itoiim.ird viele geriefelte oder ri:licf- 
gescbmtlckie Sarkophage ungeordnet vorfand. Ks soll nun versucht werden mit dienen Hilbmttteln ein 
Verecichnis der Antiken de» l'tUastcs auftiistellen, mit Berticksicbtitjung der zeitlichen Veränderungen, 
ferner mit Angabe de» Verbleibs, so weit sich dieser feslstellen lüfi-l, und mit AnfUbninj; von einer oder 
ein paar Abbildungen. L'ntcr leUteren haben namentlich die rublicntionen und die Handickhnungcn 
t\e* 16. Jba. Bcacbinng gefunden; von jenen Lafrerl [nach dem Münchner Kxcmplar}., iraviüicri, Vacc** 
riuü, KoUfiard, von diesen Hecmakcrck, der Coburt;ensis und der l'ighianus (noch \la\t und Jahn), das 
bhimenbuch von llcrrc /aciiucs vo» 1570—77 (nach GcITioy), der sog. Ilctolincnsi« (nach Mmhc:lut^R 
Conus), ein Cambridger Skiueobuch von 15S3 (s. Arch. Jahrb. 1893, llefi 1}, endlich die etwa» spateren 
Siramlungcn dal ?oiios in Windsor nnd London (nach eigenen Auua|:cn). Oh ist die Ideotifieation 
der StAlucn erst durth dteie lliirMnitlcl mögbch geworden. Die im Inventar C anfgcftlhtlcn StUckc sind 
in medlceitcheni Besitz, also aunüch»! in Villa Meilici oder in Morcnj^ lu stieben. 

Diu in C7 angegebenen Schauung«prvi«e habe ich nicht mit aufgefubn. Fui die Kcnnloi» 



228 



HichMrlit, Ri'i 



r< Kllri-lLT. 



ilanwlrgcr Treisc mag a gcttü^a zu wissen, dafs die sechs kolofis&lcn Fraucnslitnicn der Lnggia dci 
l^inr.i cutaniiurn aii( aODO Pucalcn gnchlitKl tiud, ebenso iiocb die vier BarUarcn, <taviin tlici von ko^tN 
I.srctn I'orpliyr. Geringere ülaluvn i;el(cn iititcr lOO, bessere von etwa 150 bis 350 Diicalen; der MMsya^ 
ist naf 400, eile m«<Iiccische Venus nuf 350, der Gnnymc<! nncl der Paphnix auf 300 Ducaun gescbhtxi. 
l.cbLiis^rorsc BUsteii falten ao— 50, koIoHiale 100, Sarki>p)ia|;e clw» S^t Öai'koplMigvordcrscitcn 10, die 
I^sctilTclicI'js von der Ära Pacis 3—300 Ducatcii. Der wirklich getabllc l'reis beliUgt frcllicb im Durch- 
schnili nur etwa ein VicrU'l. 

An der Fagadr ilc« PalastcA. 

1 Untere Reihe; l'anivrstaiue, 13 {"(almcn), ohne Kopf und Arroe, Bein« n«u (jIC]. — 
Urriai 59> Giard. Boboli 88f 

2 Köniß [Barbar], bekletdcl, von Porphyr, tj P.; ohne Kopf HHnde Fllfw (M:). 

3 Taentai, 10 F., ohne Kopf und Amic (MC). — \'e\. l'ftiti 40. 51. Boboli 73. 75. 

4 FantciNtaluc, 15 odtr II P., ohne Kopf und Arme, Beine neu (-^O- — S. tu n. t. 

h Diese vier Staluen, von denen >:iui|te 0> 3, 40 '<^>-'h BoisE^rd unlcr den Namen des ilorien^iu*, 

Pito Frugi, Cclhe|;us gienj^cn. «landen auf holten Basen, drei mit lateinischen Inschriften (vermutlilicb 
B(ii«s. III, 13Ö. 138. i46 = tYJL VI, 1711. 1730. 1731}, einer mit einer griccliUobeo Inschrift {Boisa. ID. 
li9 = aGr. 5885). 

6 Obere Reibe: Weibliche Gewandstatu«. t2 P„ ohne ATme(AC). — Boboli 72! 

7 > Cnmniodtikf , nackt, Gewant) um den L Atm, 13 X'., ohne Arme (M^. 

8 Münnlicbe Slaiue, nackt, ohne Arme, Bettle neu (ytC). 

9 Weibliche Getrandstatuc, aKönigin«, ohne Atme (.AC). ~ Boboll 73I 

Im FalatL 

10 Herakles, 10 P., Arme und Beine neu (Q. — Vgl. PJIti 33. 35. 

An dir Treppe. 
It Demeter, t>rktL'tdet. 10 I*., Anne neu (C). — Boboli 71 i 

12 Kopf des Zeus, 5 l\, Bru»! neu (C). — Uffisi 172 (Uvctbcck Kunslmyth, Tf. 3. 5. 6}! 
Vdla Mcdtci, MatcDuhn 33? 

13 Kopf des Auifusiu», mit Biusi, 5 P. (C). 
H Kopf Cüsars, mit Brust, 5 V. (C). 

15 Kopf eine« Philotoplicn, mit Bru>l, 5 I'. (C). ~ Vgl. Uffiii 305. 334. 431. 

IC Wctblichc Gewanditaine. ohne Kopf und Arme (C), 

Oben im Statuengarleo, 

In und an der bedeckten Halle (i<?gsia, f. ec/nridi auf der EinKangsseite. 

Vi K. tieben dem Eingang: Mnrsja», hitngcnd. lO V., ohne KUfse (A'/4äK'J: nach B(>i»)>ard von 

ZcBjda, ex ComcriBod trmf^ tffotim (vgl. Plin. 35, 66)) Cambr. 13 (Ja utillt). Cnvall. I. 11, 85 ('« attblur 

Vatfmihij). Vaccarius (Jn aeäitin l'aiiaiulhiu. 1578). FtauinJ. /tentJ Bl. j 8 (iw vtrU. Cor. Mr4if.). 

J-crrier 18 (!n //.>rtif Mal.). Clarac UI, 541. J137. — Uffi»i isr. 

18 DnniDtcr: Sarkopbagvordcrscltu; Clupeus und iedeiscits drei Knaben (A'}. 

19. 2Ö An der Hauplwand: Zwei kolossale Gewandstatuen (>SiAuu-), 13 C, ohne Arnw {ABC); 
susaramcngehdrig mit n. 40—42 in der gegennbcT liegenden Halle. Es »nd die Statuen der L oggia de' 
l.anii. Kinc davon bat Enca Vico 1541 (1» tdh. Cur. dt t^atU, n. 43 Bartscb, aoch bei Lafreri), drei 
»pAter Cavalicri {in atditus Capraauiu) gestochen. U% DülGchkc« Angaben (III S. 254fr.J nicht gaiu 
genau utid Ubersichüich sind, so mag folgender Cbctblick willkommen «ein: 

n. 558. Cavall. I. 11, Sa. Auf K hinten 1. Ein wenig kleiner, vertchletert. 

n. SJQ en n. 563. Cavnll. I. II, 81. Das r. Bein wenig gebogen, Apoplygroa Aber dem Falle»* 

bausch, ciniachcTc Falten unter dem I. Arm. 
n. 561 ^ 563, nur dafs letilcre den Mantel Ulict den Kopf geiogen hat. Vico (r.usammcn 
mit der >TlitisneIda i n. 77). Cavall. I. II, 83. Da« r. Bein siarker larllckgestelll, 
kein Apoptyciua, reichere Zickzackfaltcn unter dem L Amt. 
Ob auf A' hinten r. n. 539, 5G1 »ilcr 562 gcmctnl «ei, \Xh\ sich nicht entscheiden; die Figur ebenda in 
der Ucilennwche 1, scheioi einen Helm lu tragen, mufs aber nach W auch eine vSaimt* sein. 



H T»r«o nner Hbnlichcn Pigur (»Sa^fmi-), to F. Vgl. etwa Hci.in«k. I, 3$, c. 

'it Dem Eingnng gcgrntlb«; l'o»fii]on mit tmct Ttiinnin ndK-n «ich, II i'., ohne Anne, Fafa« 

neu iKAC). CovaU. tll. IV, 37 (!» atitilms l'all.). Fiammi, hfiirt h\./9 (In A«rfli Cur. Attdk.). — 
VcTScfaollca. B. Arch. Z«il. 1885. 384f. (Michndii). l.'ntcr der StntDc: 

53 Baals der Ltirtt» AuifU&it {K AC). Botssard IV, 6S {in Jt<mfi OirJ. i'aihtt In ifiam^u/Mrii 
iM^rwrJj t/antut suA ttatua Nif'tuiü). PJgh. n. 84 (iw h^rle Card, de ta V'aiU), Ual FflaEO-fiankH. CtdI. 

ji FtrttKt IV, i4a(r. r/i, VI. 44». — Ufiixi zis. 

24 Kcchls rom l'o^cidon: Torso eines liHrtigcn Manne« (Giganr} Seewesen?). *Gran ktta 

di Cleve* {K Alf). Nicht in C, nXio ilaniiüs qdIwlsIct ergHnit, ndvr nicht mebr vorhandm. Daninier: 

ih DrcHeltise fiati« (A^- Kcrniilltch clnr mlnnllchr Gestalt. Schwerlich idciilrsch mil dvr 

Rttii<.-nbMlii l'igh. n. loo {Card, de U l'alU in Ivrie). L'flüit i6a. CaJl. dt h'ir. IV, 29r. Weder liei 
A noch in C. 

SO, '11 Aufttn an den ITellcm der ttnile: /wej Darbaren. hckleidct. von I'oipliyr, ii 1'., ohne 
HUndc, Köpfe von wcifwin Marmor {K AHC). Wegen der Technik hnchgeprircen von Vauii I, 109. 
EiiKr vielleicht bei Permr iC (/» hartis MtJUtii); v;;!. lu ii.46r. — BoboM 69. 70. Darunist: 

?}t. i^O Zwei Ba»en, eincrKcil<' ein Mnnn mit einem I'fctde, andrcrseilt Nike und TrojiSon (^. Land 
in der CelUr. d' af^iutati stitHtif. t Uli., XI (Flor. iSlo), M S. 65. — Boboli 67. 68. — Znr X«tt »on 
N diente «l.itt dicsci Üascn, oder aI< Vcikleidung derselben: 

3Ü Basis itcii Tl. JtüiiM Aug. I. Mncslcr, mit Wldderktipfen, Gnlrlande, Adler, (lühncn (A^, in 

xwei Theilc rcmägf. Botuuird III, 143 (rw falutia Ef-iittr^i S'aüäui, laxnm in Juat farUi dit^ltmn). CiL. 
VI. aoi39. — Bobol! Jl. 

:il Unter dem El.-irtinren »ir i..; Kelief, llciakle* mil dem LKwcti ringend, beide oline 

Beine {ABC). Pigh. 56 iC<ird. dr ta Va!U kerlo. danach Bcgcr /ätt. tlkit. Taf. 6J. BoiuaiO n Taf. M 
(beide uner^HnKt). Cambi. 41 {la imüt). Vaccariti« (w aediiiti l'uNfmi^m), De Rubcb {im virSdario 
mßgni limit Etrurtm). — Villa Medici, Maii-Duhn 3S6o. 

'A'i Unter dein Bnrbaren lur R,: DianysoK ^ittCnd, nat. Gr., ohne Arme, neben lieh eine» 
Hund (PanihcrO ohne Kopf {AP, lur Zeit von C in der Halle gctjcnuberj. Doch wohl nicht identisch 
mit dem Snrapi» L'nvall. UI. IV, 38 (fiuAi tum Cfiifr^. in ardikm ViUiirum)': Canilir. 45 giebl einen 
nitnnlichcn Torso, sittend, t. Ann erhoben, I. auf den Sit« geftUtil, im paüate la uaiU. 
In der flallc xülilt C allein noch weiter iiuf: 

33 Stuck Fries m Kelief, l'nlto und Hlällciwerk, 5 I'. Weder di« beiden Ftagmcnlc einet Pi. 

Ia.tlervefklviiltiiii; bei Lafrcri {in atdÜus Andrem fMondam Card, k VaSle. 1561) noch diejenigen in Villa 
Medici, MatZ'Duhn 3S09> k<}nnen gemeint »in, da »ic kdncn Knaben enthalten. 

54 Sarkophag mit »Kcntanrco und Ratyrn«i 9 P. lang; einige Glieder fichlen. Wohl iden* 
lisch mit dem »choncn Sarkophag mit vier klmprendcn Gruppen, vier Kentauren und acht Lapithen, Pigh. 
aoj. Cnmbr. 85 (a ta Hallt}. Jedenlnlh unrichtig von DUticbk« mit L'fiui 99 ideulificicrl, da diCMr 
Sarkoph.ig Kchon 1704 in Florenii war, 

ar» t'nnjter, 5 V. — Uffii;i 2*5. 

3C Relief mit drei bekleideten Frauen, iwct ohne KSpfe, 6 P. Vgl. n. 6r. 

87 Relief: Slicropfcr, Alnf Figuren, 5X5 P- Von einem AlTeniliehen Denkmal. Windior II, 

17. — Villa Medici, Mat*-IXibn 3527. 
3ä IlctaklesiorsO) nUt Beinen, halbem Arm und Fell, 8 P. 



In und an der bedeckten Halle gegenüber dem Eingang: 
39—41 Drei koloniale Gewandttatuen {^Saliat*). 5. cu n. 19. 20 {K .ißC). Nach Bol^Mid 
galten iwci davon ffir Sotiaa iJadriam und Carntlln CratiL 

K'l Vntcr der einen: RuIicC Leda? Eine der Jahresieilcn, gelagert! (A') 

43 Büste ran dunklem Stein {fara^m) {C-f, fehlt in £>). 

44 Sarkophag, volUtAn ilig : Raub der Lcukippiden {ifreta Jelle SaUnt*}. 10 P. (Q. Ffinchl, 
Zeichnung i» Turin. Winckelmann, M^n. iwJ. 61. — Uffiii 74. 

4j Zeu*, 10 P., ohne Artnc, mit einem Adler tu »einen FUfsen (C; ivr Zeil von AB an der Stelle 

Ton n. 53), 



230 



Michaeli», ROmi^ 



Slu. 



iiliiiftii.'! tui 1 ■■^■■'"'iL-i K(1ii>.r l^'i. 



46. 47 Aiirteo an den Pfcilmi: Zwei Barbaren, einer von Porphyr mit Kopf ren w«ibe«i Marmor, 
iIlt anilet« von Marmor {fi /tlH'). Vicllcicbl tici Ictticrc lici Pcfricr |6 fohnc Angnlic ilc* M.itcrialfi 
dciBJcnigun in A'rccbu «hr llinlicIO = Claiac V, 854 C'. ai6i //; vgl. i\\ n- if>(, — i>cr mannQtn«: 
PItti 7; Ubrr den Vcrlilcil> <\t* porphyrncn wcif*^ ich nichl<i anzitgcbcn. 

4ft L'Dtcr dem Barbaren tur R.: Svli reitender Mann mit Svhunt, Kviilc uK-r der I. Schulter, 

■«hwrrlich llcraklci (nnr in A'J. Ob etwA Br>i»ar(l5 Utreutet (nn der r. Seitenfacade)} 

In Atm offenen niltlcren Theil Hee Gartens (tof^ uafierta). 
Rechte Sc-ite. 
Die Anonlnung de« Scul]>turen>chtntii:kei wird im Canz«fi richtig wn Vuiri (oben S. 33$) 
angegeben und vollend« durch einen Blick auf A' klargctteilt. Danach tnctcn «ich die VcrteichDissc von 
A und C cinnrdncr- Während nhcr A' nur vier grof*c Nischen neben eirunder zu kennen icheint, ergeben 
JC di« FUnrcahl; wahrend A' nur eine denclhcn mit Sicherheil nmgefullt zeigt (n. 52), dogeKen eine 
Anzahl von Sutuen im Mitloirnum der Aiiftiellung haTri;n, tind l>ci ,i vier Nitchen — alle mit Ausnahme 
der miliebten — be*clal, in i' alle fUnf, aber i. Th. in ob weichender NVci>c. [>ii^ Besclireibuntf bej-inal 
von rechts. 

49 Untenic Reihe {i^Up gti J^rlktlli): 11 VoiderseSten von Sarkopbn];en (A'.>iC'): t. unten 
n. iiaflf. 

50 .Km r. Knde de« Beetcf: Bäriicvr Mann, üchlafend, am Boden liegend; Silcn! (A'). 
&| Runde Dniiis mil bekleideten Figuren (A'). 

.'tS Im Untcrgcschofs ; ApoUon (A: Pionyso« C), ohcnrarls nackt, die R aufa Haupt K<:l<X>t ^^ 

L. auf der Kithar, 12 P , Kopf Arme Kithar neu (A' AC\ /}-. A^lfi< I^axitr/is o^t). Vaccuriu« (/« wiVA 
daria Caräimdü Je MtJiett). — PoeEin Ini;>eria1e <io (Orerhcck Kunstinjrth. IV, 189, 4). 

r>3 AlUena, to P., ohne Atme (c'>- Vivllcicht die Athena n, 104 im Dintvr^indc an der Slule 

t. In K, oder die Statue n. 100 neben der .Siiiile vorne 1., beide in der Gewandung der Minerva Gin- 
fliniani de* Braccio Nuovo (Clarac III, 465, 875) verwandt Ein Stich Knca VicoB von t54l| n. 44 
Bartsch (auch bei Lafrcri), ncif^t eine Athena m tdib. Cor. l'atü mit 1. Standbein, r. Bein gchof^n, 
Manicl Über I. Schulter Rflcken UnlcrkOrper, i. Brust mit Agl» Mchlbnr, I. Arm im rechten Winkel 
(Hand fehlt], T. Arm im Stich unsichtbar; korinthischer Helm mit WicMcrkopf vorn atn Schirm. — V^K 
etwa Piiti jS. — Bei ^// steht der Zeus n. 45 an Stelle der Athena. 

.*)•( Daiunler: (Sorkopbng-i)Rclicf mil verschiedenen Sculpturen, darunter ein Kentaur (^AS), 

55 BGladiature, uat. Gr., ohne Arme, Beine neu (C). Boituirdt /frrcult'* Bei A ist der Platx 

noch leer. — Vgl Pitil 35. 

5C Darunter: Sarkophagvordcrsoit e mit dem »rolh dilU Sahimt* {A). Nicht Identisch mil 

dem vollständigen Sarkophag n. 44. 

57 »Prudcntiac, bekleidet, 10 P., ohne Arme (C), Vielleicht eine der beiden Figuren In K; 

s. SU n. 53 und vgl. auf demaclbcn Stich B. Vicos eine Statue der Demeter (vom Typu« Clarac 111, 
438 C, 776 A) ht td'A. dir. VtttU; vgl. tu n, 128. — An Stelle dJctcr Slatue Hand frllhet: 

&8 Poseidon, nackt, Mchend, mil rcrbtochcnen Armen [^Aß). Vielli;icht die Siatne, die 

in A' hinter der SSulc r. vun hinten tichtbar wird, niit Stamm neben dein 1. Bein. Wenn e« «ich hier 
wirklich nm einen Poseidon liandcli, so gehört die Statue wohl lum SchertchcUcr Typos (Ovcrb Kunai< 
mytb. Taf. 12,34. III, Taf. 3,5, Clarac IV, 744, 1796 A). 

r>9 Uaninicr: Sarkophagvordcricitc mit der kalydoitifchen Jagd {.AB). Cob. SI9. 

Pigli. 315 (danach Bcger, Aftitagr. S. it). Jacquen bei GefTroy Sw 174. Caoibr. 60 {ia uaUf). Win<UoT 
IV. 63. — Villa Mcdici, Mata-l>ubn 3239. 

ei) Satyr {»Fatifk»* Aß. -Pia faiu- C), nackt, mit einem Fell tungUrlct, 10 P., ohne Arm«, ein 

Brin oea {AHC). — Poggio Imperiale 91t 

€1 über den groften Kitchcn: Relief, ähnlich wie 11.65, om'^ ^^''t tftnscnden MXdchen (C^ 

rnigenau A*). wohl Boi»»ard? tfl'aiaduiu tAeri. ; vgl. n. 36. CoIk 33. Pigh. 49 (Curd. f'u//. Cratiaf llaraiü 
talltinftt). Wiocketmann, Man. inrJ. 147 (Villa MedtciJ. Aus drei SlDckvn itunratnengeieut, ». Kawser, 
NcitalL Reliefs S. 47 IT. — Uffiii 531. 

r>-i— R4 Orci K&pfe. nai. Gr. (^AC). 



Ci Rfflier rnil fllnf Knaben, 2X$ !*• (O >■> A' «tatt dcifcn ein Lttwcnko[rr). Von einem 

griechischen Barkoph«;;. He«ni^k. I, 4 (»üe drei Figuren recbls). — Villn Molici, Unl^-l>ulin 3309, 
CG Im Obcrgctclioh: Weibliche Gewnnd»t»iue. ii P., ohne Amte {Af j1/K'). 

67 Relief: Arteini* mit Hirschkuh und ApollOB. ICX7 ^- (O* '^'ß'^- S^ ivctnml (m 
*wA« Car<f. A fn yalk). Wlndsor VIll, 41. Perrier, Ifoaes et ttgm. 56 {Im hifrHs MMrü), ilnnach S. 
Bartoh AJmir. '49 = '33. — Villa Mcdici, Mnti-Dulin 3521. 

68 Panitrslalue (»Traian«), it P., ohne Arme, Heine ncD (A' ^IfiC). — Pitli 8? 

69 Kelicf: intüra pttut di sUria cttm Mßta PttHaJt et ^a ttfU (})* (Q. Vielleicht *la» ron Jnci^ucK 
gctckbnetc Rclier <l/^ •/'orc^ 1S90 TaC 3 (fd/fi-, vgL OenVor S. lySfH) tnil 4cr falsch eixünateii Athena 
swi«i;licn xwci Iterocn, von denen der nir K. gnnc modern isl; da> Dchte StOcW mit der [al«chcn Athvna 
ist aus Villa Borghcse in den Louvrc gelangt (Clnrac II, 202, 34), Wie da« Relief nach V. Bvr);he£e 
^kommen «i, bleibt freilich tinetkllirt (s. imlen hinrer n. 189J. 

71) llernei«, nai-kt, Gewand nm den I. Ann gcwickcll, II P.. ohne Arme, Baue neu (y4Ar). — 

Pilti 16fr 

71 Rciief: Drei KrnuBW, «<>r nna Oxritia {Cfi d! SciAia 0"] w« uaf agmU,>k. loX7 P- (C «m- 
kciintlicb A'). (!oh. 37 (voUttttadtg, die *i}ift'itia< mit FuIIhnm, und ein Eros darüber). Perrlcr Itotut 
it ttg"*' 49 ond danach S, Banoll Aiimir. '40^=13 (iinroll»t5ndiR, nur *wci Fi;;urcn, und ungenau). 
<Cwei Fra^cntc, willklltlii^h xti^Ainmcngeflickl (l>ühn III S. 38). - Villa Medici, Mali-Dahn 3520. 

7'2 Pnnaet«(atue («TTaian«), i] P., nhne Arme, Beine neu (K ABC}. — Boboli 88f 

'''73 Relief: Opferscenc mit 13 Figuren. 1« 6 (»0 tV, Cf. 7) P. hoch (C", A'uniiennilicb). 

Von der Ar«, Paci«. Cob. 28. Dal Poiio-Frank». JA«, iaed. d. ImI. XI, 34, 5. Tgl, v. Puhn Ann. 1S81 
S. 3l6ir. Vniere Hälfte organrl. — VHla Medici, Mntt.Duhn 3505. 

71 Weibliche Gewardsiatoc. 11 P.. ohne Arme {K ARC). 

Aldruvancli «^t ton dirn grofsen Reliefs n. 67. 69. 7I. 73 und den enlsprecWnden der I. Seite 
n. 90. 91. 94. 96 nur: taivU itntitAr mitrpmrtf ii-n »«fit ucltutt; l)oi*»nril: im arsat wftrioris dratint mmm^ 
erlifiei* uulftM taiuliu, in ^uitus triumfAi Jf. Aiirdii Anteaini mnt fx/rrui, fuaiti in ana Ct^Uctiita 
f^tufiibittlur, // lUitte, ia fuiiui nelnti sH»t ^'arii satrifid^ntm ritut ttvkHtiutrum ffrrmimiat. Als Statuen 
dieser Seile nennt er: Iffrmafkri.'ditNi rtuJut, luffiter. fianhui, iler<uJes, Af>'üo /i-i/site/it ofiu, Mtrt, 
CaMa Imp., Anü'ttiims Pim, i<y>titaMttiius AfagHMJ, it unsHlarKS ati^iiat itatM<te, tx juUlu utta trtdUmr t$it 
SafHitii, aittra Xfmmii [L iVfinmii]. 

75 Ganz oben: Ftlnf grofec Marken (vier davon in A^; s. unten ui n. 98. Dazwischen die 
Intchriftco V— VIU (s. o. S. 227). 

Linke Seite. 
Die Anordimng ist die gleiche wie auf der gcgcnflbcrllcgenden Seite. In A' tinil nur die bel- 
lten iüficrijlen Nischen des Untcrgcicb»»« l>e>ctxt, A Qbergchl diene gsiix, (^ lühlt nufiicr der •Snbinni 
n. 77 nur drei Statuen auf, daher et scheint da£i damals eine Niichc UDbesetxt war. 

7C Uiitcr«le Reihe (utte gii horticilii)'. it Vorderseiiea von Sarkophagen {/C AC); s. unti-n 

n. 113 ff. 

77 Im UnlergCMholic: Barbarin, sot:- Thusnelda (O. altro Sat-ina mi mieMie); ein Am fehlt 
(C/; falsch beide Arme C') (6'J. Stich Knea Vicon von 1541, n. 43 Bartsch, auch bei Lafrcrt {in ttii, 
Car. dt Valli), Cavall. I. II, So {in atdüiu O^rimitae). Fiaoun!, /tfima B\.£ 13 (sta. ffirfifi$ett in Imrt. 
Cur. Alatif.), Afon. iaed. J. Imt. UI, 38. — Loggia del Lanxi 560. 

78 »BacchBDiinii, nackt, toi'., ohne ArniL-, Beine neu (C). Die N.'Kktbeit läftt die Deutung 
nnwahrscheitilich cnchcincn und vcrbieict andrcr^its die Idcntificicrung mit der »Ariadnc« Uffiil 84. 
die an« Tn1Ie«<hcm Besilc siamml, s. den Stich Euen Vit»« von 154t, t\. 43 BailKh (in /Ktfü. Car. de l'a///, 
in einer Ni«chc, im üegcnsinnc). Cav.ill. I. Jl , 86 = Vaccarius {BittAae tigmim marmoreMf in 
atdUnu folUmÜHi). Sollte nicht der Zusati igniitda im Inventar au» Vervhen in dieser statt aar 
folgrndcD Stnluc gcralhcn sein' Aüerdingi werden die Bcioc der •Ariadne* ol« antik angegeben. Vgl. 
au n- 103. 

79 Aphrodite, 10 P., ohne Arme, Beine neu {C), 

8ft Herakles, 10 P., ohne ei» Bein und Arme (r"J. — I'ilti 33! 35? 

81 Athena, mit I. Standbein, die R. auf einen am Boden »lebenden &hitd gniUlit (nuc ia A*J. 



nie Kclief« onler den milllncR drei Nischm aof dl«» Seile sind nicilt brkinnt. d« die 
BocTirciWung in W feUt; eine Andeutuni; cnchcinl in £ 

82 <tbcfhalh der grohen Nixchcn: Kclicf: Zwei Nikcn und eine Kuh {Snr^ptt tot lora tt um' 

.itfra ßgurt), a X 4 ''■ {<">■ '"'fi'"- 4^ {'" ^ort" Cor./. .A- Ai I'.w7/). Jac(|tn;« BI. 43" (f la Volte) \n den 
Atii, r arth, t%^ Tai. i (rgl. Gcffroy S. I70ff0- Wicar, CaJ, tU l-'kr, II Lief. 44 (im r,ei;eiisinftc>. 
A^iatotirl, //ri/ tU tart IV, I. 33. — Ufrixi 521. (In K Ist tUlt dc»ca eine gai» UHlere Darkte!lun|[, 
mtl einem knienden Mnnnc in tahlrcichcr Untgcbtine, ee»ichncl). 

8;{ Kopf, n*t. Gr., mit bekleideter Bnisl {K C). 

81 Wctl.licUcr Kopf, «bei nat. Gr., mit Bm.istUck {C). 

Ki Koprd» Tiiu$, nai. Gr., luil bi-Ucidetet Bnist {CJ). I>ii;«er Kopf rdilt in O und auch 

Aldrovandi ipricht nui von /rc i^r/Ar iW/^ antieke nn dic«cr Stelle 

8fl KopT de» L. Septiiniu». mit bekleideiei Siu« (A* t"), 

87 Keller: Oprerdartiellune mit Nike un^l drei Frauen, 2 X 4 P. (C; in A'MUl dc«i«en 
ein [.ffwenkopf, vgl. n. 6j}. 

88 Im Oberi:e«c}ior* : Wctblicbe Ocwan<I»latuc, t2(!) P-, oline Anne {ABC, in A' uoecnnn, 
banig'. VcrtnuihÜch Hoi*infd* Snii/ia uxtr Itaäriani, abg. III. 147 {afnJ Cardinaltm V'<iUa(WH) mil der 
modernen Unlcrüchrift Sai-ina Ang. {L'II.. VI, J, 3l6o*), odet des«eHicn l.Hiilh /\im/€iti>ii , «hg. [II, 150 
mit der modentcn UnU'Tvctirifi /.ufi//a Aug. (CI/.. VI, 5, 3161"). 

9(1 Rclier: Ein Tempel und 6 Fieutcn, 10 X 10 !'• (A' Q. Von einem Ofrcnllichcn IX-nk- 

RiaL Cob. 38. A£m. intJ. d. Im*- V, 40 (im voll»! Und ig). — Villa Medici, Malx-Puhn 3511. 

Ol PtintcTitaiue fOilio AB, Ociaviuo C) mit einem knienden ccfangeneii Barbaren neben dcni 

I. Ftjfs. 10 P.. ein Arm feblt ik' AfiC). Jft«<iiie* (Gcffroy S. 174). CävoII. IJL IV, 92 (/«/. in korli» 
Magnl thirh Efr—riar). 

U2 Kelief: Stlernprcr mit S PiRUrcn, 6 X <> P- (O- Von der Ära Päd». Dal Pouo-Fftutks 

(mit n. 73 und 94 rcrbundcn}. M»h. ttUii. d. ttut XI, 36, 3 (nur du» echte SlOck), VgL v. Dubn, Amt. 
tSSl S.3l6r. — Villn Medici. Matx-Dulin 3507. 

\f^ IlerAkle», ntcki. mit di-m Ij^wenfcll Im Arme, 10 I'. nhnc Hände t^ÄBC). Vielleicht die 
Siniue bei Kraniini, It^nn DI./9 ^ H^ma metl., 16R7, S. 56 (/« firid. Cor. MiJ^. 

91 Relief: Sticropfvr mit 2 Figuren und einem Tempel, 6 X 6 P. (O- Vnn der Ar« 

l'aci«. WindfDT IV, 7tL VI, 23. [>■! Pouo-I'ninks (s. lu n.93). Perrier, I<»»tt rl ttgm. 45, danach 
S. Unjtoli, W./«.»V.' 44 = » ri. i«f». üud. J. l$uL XI, 36, 1. ~ Villa Medicl, MaU-Duhn 3506. 

1)5 Pan«c»stalue (lUdrlin /fA Marc Aurel C), 10 P., ohne Arme, Beine neu [ABC). 

9(i Relief: J Figuren und ein Tempel. 8X9 P- C**)- ^'on «nein onTenllichen DenkniaL 

.^««1. 1853 Taf. 5 (unvollfLlndig). — Villa Hedici, Mau-Duhn 3512. 

Il7 Atkena, bekleidet und bcwalTnct. 10 P., ohne Arme {.iBC, A' undeutlich). Vgl. ta n. 53. 

üiiei die grufücn KcHef» s. die PetiK'ikun^ hitilet n. 74. AK Slatuen dic*er Seite nennt Baisiuird 
diejenigen P^ladis (n. 97). Ci^tUt (n. 139), I^uitA^nti*. Vüttriat, Xtpitiiti (n. 33?). AfoÜrnii tx Baltih pel 
t-ytiia iafide, Ibrculis Ntmtatum tuffatamtii Utituni (n. 3t { 93 f), SabütM ttxurit /bdriani (n. 88 i), JuarMm 
Napatarum, unimt A'fuadit, Flerae, et uniut Mtttat ijuat ßstalam manu Ittttt. 

98 Gani üben: FUnf(!) grofte Ma»ken (vier davon in A' xichtbnr), vgl. n. 75. Aldrovandi 

erwähnt hmiL-T n. 24 ^nattri^ ^an ntauSurc aitthAi dt M>irM..>, ebemo lloUwird, der Au(*erdem am .Solituf» 
der e)iige«i:hoI>encn Schildciang dc> Pala>te» Vnlle I iMmerkt: aJ larvam liu--itt ingtaUt taf-hliat tontfi' 
(hintur, guafei imhS m ilia ftrüfyUa hormli falalii J^ntf^m (Belvedcrc, i, Arch. /ahrb. 1S90 S. II C) 
Walinchcinlicli geht die* nicht auf die vi^tU f«ru Ji matckerf in jenem liieren Pala»t (Aldrnvandi S.217), 
aondem wegen der Anfangs- und der Schlufswotic auf unteren Statuen gnricn. Alte Stiche. *ai eiiH-m 
KnpfcTWcrk nutge^chniiten und Ocni MUnehncr Exemplar de* Lafreri eingeheftet, geben unter anderen 
vier bliiltge Masken *m d^mv l'ulltHii: 

10. Billiger Salyi. 

11. Bltligvr Pan mit rwci HAmcheD Über der !>lim. 
13. Bärtiger Salyr. 

19. Bärtiger Kopf, Ohren nicht lichibar. 
Eine Weibliche tragiichc Maikc liefiodel Mb in Villa Medici, UalR-Dubn t6$3a. — Zwiichen 
den Ma»ke« die Iniehriftcn 1— IV (oben S. 337). 



In der Mitic Ats Stalucne«r)cnt 
idgt A' ein? Anuih) noch nicht eingeordnet« Sutucn nntl ein paar sniutige Andkcn. Auch noch 
Aldrorandi bemctM: ffr tum ii veggVMO i»&!fi altrl vwü fragmettH antkki, und Boittanl: in ana htvtuH 
(uhi mall MtJitat, i'uitknf tt Ctdri WiiK-jrut* tirfiart» fertgruiat (ttutrtat iUatJ taivlae lUnt marm^eae. im 
gtiUmt Ctrytamtum tttin tympanis tt tintinatHUt imeifui (n. Il6), Aaiai/nm fh»ri d MeUagri veHttüi (n. 59) 
iMtia fit, guat it ienr Ot^tavi freximt atteJHnt aJ mimemm jrragiMfa. Micninicr wrrdcti wolil dit 
33 Satkopbagplaitcn an den Scitcnbecien (n. 49 und 76) mitgeicchnct sein. In C wird nichts mehr aiu 
dlcfum Raum nufgcmilTl, der damalt aUo gnni geleert i;cwc«cn lu »ein scheint 
Kenntlich »Jnd in A' etwa folgende Stücke (yon linki n»ch rechts): 
Uli Knibsrc riilaiiie, klein. Sie «icht viel barbarcnmUfMgcr nus ab die beiden StattKn 46«. 47. 

100 Aihena. mit ilelm. «. lu n. 53. 

tOl /itnEÜng. klein, anfichcincnd mit 1. Standbeii), gegen »eine Linke DJedcTblicketid. Erinnert 
an den Idolino und seine Genossen. 

102 /Ungling, gmCii, mk Slaroni neben den r. Standbein, etwa in dur Art des bclreilerifclitn 
Henne* (»Anlinoo««); schwcilich idirnltNch mit n> 7^ 

UI3 Krau (nn der Süulc hinten !.)• In der gewundenen Bewegung der 10g. Ariadne (tu n. 78I 
Slinlich, aber ohne den (antiken) Bnumttamm, der auch in Vicnt Stich jener Stnlue fehlt. 

101 Aihenn (ebenda r.) mit Agi» tind Helm, vom gleichen Typu.« wie n. too; s. »1 n. 53. 

105 Jllnsling, um die Lenden eine An Rock gegürtet, da scitwiirts am ('gebogenen) r. Bein 
gcKfTnel i*t. Scltiam. 

106 Diuieben: ntltnnllcbcr Oberkörper. 

107 Unter n. 105: Kclicfplatte mit Andeutung tweier Figuren. 

]()8 Uahinter: Block [.Snrkophageckef) mit Keliefandculungen »ji der V«rder. und der Ncbencvtle. 

109. 10 Zwei weibliche Gewand sta tuen. Vgl. lu n. $7, 

11t Viereckiger Grahcippu*, anscheinend der de« C. f nodanius Flnniuns Botssard IV, 54, I. 
C/L. VI, 1S73I. -- Floiens, Pal. Rinuccini, Dutschkc II, 309. 

Von den r.nhlreichen Sarkophagen (vgl. 18. 34. 44. 49. 54^ 56. 59. 76. 108I tJ3. 133.) be- 
hielten die Cnpranic» elf nach Auswahl des Cardinais Mcdici rurllck (Av. iwtf- IV, 381). Van den 
in mcdtccischcn Bcsiix übergegangenen lofst sich nur einer mit .Sicherheit nachweisen: 

112 Musentarkophag. Cob. 1134. Pigfa. 174 (Ga-J. Je h ValW). — Villa Medici, Matz- 
Duhn 3373. 

Andre mtigen ebcndort oder in den Ufluien «ecken, ohne dafa ihre Herkunft bekannt wSre. Aach vnn 
ilcn in Palauo Capranica tnrOck gebliebenen «ind nur xwcr «icber bereugl: 

113 Marsjrasorkophag. Cob. 155. Winitsor X (XVlIlj, 98 (M Sif' Ooantt fa/ranfta). Yltf, 
179. Gerhard, Ant. BiMw, 85, 2 (unvolUllLndig). Vgl. Robert, Pasiphactarkophag S. 13. — l'al. Bai- 
berini, Mati-Duhn JIjS. 

in Todtenklage um ein verstorbenes Mädchen. S. Banoli,' JJmir.* 73 (rä afiObtu Otfraniffit.. 

atimiü ViilU). Sehr ähnlich, wenn oichl identisch, l.ouYtc4S9 (Clarac U, 153,333, nu* Villa Boighese). 

Minder sicher lassen sich hierher einige verschollene oder in verschiedenen Besiu Ubcigegangcoc 

Sarkophage rechnen, weit sie auch aus einem der anderen vallcschen Hftuser (s. hinter n. 189} snunmcn 

können. Nach der Keil ihccs Bckanntweidcak Kcurdnet sind e> folgende: 

\\^ Mcicagrossarkppbag. Cob. 99. Pigli. 3i8. Perrlcr 33 (in miM. DD. itt Valtt). S. Bar- 
loli AJmir.^ 77 ='69 (ebenso). Zoega 46. — Villa Albani 69a 

IIG lIcphliiD« Waffenschmiede und VVafTenU bergab« an Aclitllcui.. Cttb. 153. Pigfa. 160. 
Jacques BL 47 (Vallc, b, Ccffroy S. 174)- Wlndwr X (XVIII), 63. VllI, 75. Dal Powo-Frank*. Ro- 
bert. Sark.-Kcl. 11. 31, 43. — Capitolininche* Muieum, St. dcl Fnuno 30. (Ob am l'al. Vnlle I, wie 
die I'anstatucni) 

117 Bakchischer Sarkophag mit LUwcnktipfcn, Herakles, Ariodne. Cob. 141. Cambr. 33. 
Windvor X (XVlir), JO. VH. ti. Dal l'oHo-Fiaidi» 0. 248 (rf qui! dtüa i'alU). Vgl. etwa Doiward: 
Carytitiitum tum iymfanü tt HitiiMtAHÜt imtJmt, — BIcnbcim 3. 

118 Apnllon In bakchischer Umgebung (Maisyasf). Von I. nach r.: Mann mit Kell, KIfiu 
blOAcnd (Marvyasf); Apolloo int langen Gewände mit Kilhara; bekleidete Tünxertn; taiuender Katyr 

JahrbacU um ur<hlal»(lMh«B [anliDti VI. lg 



bekleidetes Weib: Sntjrr; bcklctdctcü W'cib. Bcrolta. 8 (ton* w^i> Ji iatia rltktf« Ih l«nu un filf Jt 
KMrmc miU (ou Jtllo nalU, vgl. ^^x\ folgenden Nummct). 

119 JagdsKrltophag. Zwei Hunde um einen gcilUriten Eber; xwei Reiter uod ein Elund jafen 
einen Tiger; eia vom i'fcrd abgesiicgcncr Greis wirn äteine goKen einen Tiger, der ein Pferd icneilat. 
Windsor X (XVIll, um 1615 enlslandeo, ». Roben pMlphaoork, S. loff.). 55 C"//'» ^'alW). Die U-utcre 
L'nter«chrif) weist ebcnm wie die von n. Il8 nicht unbedingt «tif V'.ill« aU Bcwticr, »ondcm Jtann «cb 
nuL-h auf ii^i-nd ein andere» Haus der Contnida dvllt Valle beliehen. ». n. igjCT. und becondcr« die 
BeiKchrifien vou n. 200. 

übet einige andere Rartiophage s. lom Schluß. Nur (HUchlich gilt fUr ein Sarkophagfragmenl 

130 Relief: ITerd, drei KticRer and Amaionc, gvwAbnlicIi nuf den AinnionenkAiiipf belogen, 
nach der Unicrsucbung A. H. de Vülcfoxi^c« bei Geffroy 8. 177 f. vlcbnebr «.in Pasticcio au« mcbrercn nicht 
KUHammciigcbOngCn Fragmenten. Jocf^tic« bei Gcflroj S. llitfi. {»f^tsf la t'atü}. Uunn in VilUi Borglieitei 
vgl. liintcT II. 189. Chrac II, 117, 330. Robert, Sark.-KcL tl, 33, 48. — Louvrc n. 509. 

An die Halle am Ende da Stalucngartcns scblohten »ich die Zimmer de* oberen Stockn an 
(». ßötuftrd I, 43]. 

Im SaaL 
ISI Relief mit eincf Fmu (>&Af«e*:) und cinvm Manne mil Speer, nat. Gf.| $ X 4 P« (O- — 
Villa Med) ei, Mali.Duhn 4082. 

In anderen Zimmern, 
V22 Zwei Kapfe, untcHcbcn»gTaCi, mit BrusislUck (O- 
13^ Weibliche Gewandstntue, nat. Gr., ohne Arme (C). 
\i4 Ähnliche Statue (CV, fehlt io tV). 

13.^ Aphrodite, nackt, nat. Gr., io der Miite gebrochen, ohne Arme, Beine neu (Q. 
13(1 Porlraitmedaillnn, von oricnlaliicheni Alaboiter; schwerlich antik (C). 

Hofe. 

Boi»ard: Mntt^u vldtnhtr fUct tapixUat striatu tl tenlpun pMUhtrrtma iirNfitia, jmüms meo fem- 
fort rnndum trM iMut adiipMtu». I>nft InvcnUr der beiden IIt>fe In C gewiüirl den Eindruck von 
Rumpelkammern i cb wird KenQcen die Haü|>t*achen liuri nisiininicnitu «teilen. 
127 Kleiner Zeus, ohne Ainic, Kopf neu. 

1^8 Frnii (l>GnicterJ mit Ähren in der Haad, nat. Gt, Etwa die bei Lafrcri geslochcne. t. m 
O, 57. — Vgl. Pn(;gio Imperiale 93. 95. 

123 Kybclc, atiend, kleiner Tor*P. VrI. BolssarJ liinttr n. 97. 
190 Weibliche Gewandtinluv, nat. Gr., ohne Anne. 

131 17 Tortt, darunter ein Glndialor, S bekleidet, % nackt. 

I^Ü Herme; vielleicht der Hcrnicn»chafi ubne Kopf luii der Inschrift E-Jpctnßi)« W-rt^ii^f.'*'* \Atli)- 
vato« Boisiard VI, 45 (-tfu,l CitiJiHuicM yalJatum). F. Urainu« /ma^na S. 23. C/iir. 6051. 

133 Ue^Blcichvn mil der InKchrifl 'H^fd^K äfow 'AoKfnt»; Boi*uud ebenso. Uninu» S. 37. 
aCr. 6058. 

13-1 3 iC: 5 a) grof« Masken, 4 I*- Vgl. lu n. 98. 

133 3 Sarkophage, S— 10 1'.. iwei voUftSndigc mit Relief«, einer geriefelt. 

13G 3 kleine Sarkophage, einer lo 1'., tom f^tü (CO. tot ftlto €•■) t/t mtuo rilüva. 

137 Fraginenle von Slntnen und Sarkophagen, *iw»» a rtatUart (C: // i*') altre <ett. 

138 .siUck Relief mit einem Kopf, nat. Gr. 
IStt VerKchiedene*: l'icdcitale, Archilckturfragmcute, Marmor&lOcke. 

I &[aske, 2 Sarkophage, ein Pledcvtol verblieben den Capranica (A>r. iW./. IV, 3S1). 
liier mUgen noch ein paar mit Relief» und Inschriften gcscbmUcktc Monumente aa» Pa- 
laizo Capranica genannt werden, deren Aaberc^ wir durch Doi«iard kennen; 

140 Basis der ur^at nnnumtmlarn für Antonlnus Pius. Boiuitril Ul, 135. C/L. VI, 999. — 
Capitoliu. Museum. 

Ml B-uis de» Fortonalu» Aug. I. Boissard UT, 146. CIL. VI, 1887. - Uffiil. 



149 InsehtifHt^n mit Aen Relii-fbUsien des L.. Antisllus Sareulo und der Antisria Hulia, nebtl 
In«c1iriri demelttL-n Ptfr^oneti. UoUnarJ III, 137. ('//. VI, siyof. An« Palul IV (ßrnto <I«lb V,) an 
die Caprinica gelangt. — Der Reliel«letD im BriL Muscuin. 

113 CincrAT tics P. Aelius Callinicu». BoiManI III. 136. C/L. VI, I0655. 

111 Run<1<r<' Cinrrar des Q. Minuciu« Felix. Boiti^Btd HI, 14$. fVA. VI, 2S$47. — Spllcr in 
Villa Olustiniani »nr Porta dcl I'opolo (V. Borghcie). 

II. DER PALAST VALLE-RUST[CI-BUKA!.0 (U). 

Dni Veneichnii beruht auf der BMchrdbung AldrornDdii. S. itzfT. (.-f) und dem InvenUr vom 
Jabre 1584 (O vo11stai)di>;er uU C/). Boitsard I, 4af. (^ |;it>i aucli hier lundchtl i^einc eigenen B«- 
ncnitun{;i:ii dtr /wrtir llauptstatucn, dann wiederholt er drei derselben, als ob e« andere wSrcn, nnler 
tiieilwei«e anderen BcKichnungcn, und daran ßlgt er, wiederum ohne Angabe dafs c« «ich um diesetbcn 
Statuen handelt. Aldrovandis Bcschnribnng des gsnien Palnslcfil 

über dem Hnuptihor. 

145 Zeutkopft inof« und >chAn, mit halbnacktem BrasicHIck (Aß f>). Enin-cder der Kopl fn 
den Vt(ii.i 273 {OTerbecIc. Kunaimyth. Tal*. 3, 5. 6) oder der »Giftv VaHrK, CApiinlin. Muücam, 
Gnlleric n 47 {Mut. CafttaL II, Tilctbl., \%\. OvcTbeck, Kiimtuijrtli. II. 77 n. 4. S. Itintec n. 174). 

In der Ein f(an|;sh alle tu ebener Erde. 

146 i&wci Kopfe {Aß), nai. Gr., mit BrasutOcken (^)'). 

147 Koln»?ftlkopf (^/J) de« Traian (f). 

Viele aniikc Fragmente {A), darunter vermuüiUch, aiifier vefic1iic<!encn SlQcken von kost- 
baren Marmorartcn (C): 

148 Stock ^n Pfordetorso (Q. 

II'J Relief eines Schafes (C--, SlUck davon in Giallo antico Cf). 
I5<) Zwei kleine weibliche Torsi, ohne Köpfe und Arme {C). 
151 Zwei weibltcbc Torsi, est. Gr., ebenso (C). 

HoC 

1R2 Recht* Wand; •Clodiotor«, nat. Gr., Arme und ein Bein fehlen (AffC). — PaL Pittl aal 
»S^ (Odcingiefser, Chiari Statut rf/ AiV. H, 7, l »). 

1J3 »Dionytot-, nacki, dir einer Hand cnil einer Wcintranbe auf dem Kopf, mit der anderen den 
fruehlt^nilllen Schun emporhebend ; daneben ein schnoer Hund (A: Tiger C); Kopf und Arme neu (C). 
Vielmehr ein Satyr mit raniher: Chiari 11, 4, 3. — Pal. Pltti 3a. 

IJI Heraklc«, auf einen Stamm (Blockf Keule! trema) Ee«tlltzt, mit einem Löwenhaapt (PelU) 
an der Seite (^0, nai. Gr.. 'ohne Arme (t). — Pal. Pitt! 33! 35 (Chiari II. 3. l. 4;? 

\b'i ■Dionysos«, nackt, mit Frllchten im Schurx, den er am llalie trägt {A), Mhnlich wie &. 15^, 
mit dem Tiifer, ein Ann neu {C). Wiederum ein Satyr: Chiari II, 4, a. — Pal. Pitt! 31. 

l&G Linke Wand: Orpheus mit der Leier in der Hand i,Aß)\ Apollo, nat Cr.» ein Arm fehlt 
(CS). - Pal, Pitt! 4t 

157 Dionyio«, nackt, itehend, mit einem Hund zur Seite (.f); kMn, 6 P., voIUtHndig, mit 
■einem Tiger (Cy, Vaccariua (B»c(Aiu 1 matviert in arm Mdium VaüetaiHm, ganc nacki, r. Standbein, 
r. Arm gegen den Panther geccnlct, in der halb erhobenen L. eine Schale). 

I^ Schnfer (Pan!) auf einem Felsen siucnd, wie im Begriff ku blasoo {A): jooser Faun, 
btfticnd> volhlHndig, nur der Knpf neu (C); Afii fSJilor IJtuHt st^tmt ei ü^Imu ßstul-im {ff}, Daphnis 
aas der bekannten Gnipp«'. Ilcemsh. I, 26*, ä. De Kubeis {ut viritiario MttgMt Dmü lütritriiu). Clnrac 
IV, 7366, 1736 F. Eine Schwicngkcit macht der Sdcb bei Vaccarius {in vMdarh CtrJiMaäs dt Afedklt) 



*) Im Abdruck von C'' i£t icblecht abgethcill. Es 
mufs S. 381 Z. 14fr. heifscn: // moi/n* . . . fuOa 
\n. 168]. Sottif h iöggia dti iltito (ortitt. m U 
dne p*rtt: dut ttttt ... [0. 146]. Ar t^ alta 
tfoia paaJt: gtiattrt Utte fn. I?!]; uua fignra 



tHgiHOiikMtit [n. 170J. In tala: trt M/t . . . [n. 
17z— 174}. So ist die Übereinstimmung mit 
A hergcslelll. Ebenso gehören, wie (-/ xeigl, 
S.37S Z.36die Worte La!tra fatrhia als Cbcr^ 
ichrifl twa\ Folgeoden. 

i8» 



236 Michaelis, Römische SkiiienbUclier nordi^icher Künstler. 



mit der Stecherbezeiehnung Cheruhitms al- Btrtus f(. /S77, A. h. also sieben Jahre vor dem Verkauf der 
Statue an Medici; vermuthlich wird die Hauptunterschrift mit der Ortsbezeichnung später hinzugefügt 
worden sein. — Uffiii 232. 

I.V >> Dionysos «, traubenbekr^nit, mit FrQchten in der Hand, mit einem Hund neben sich (--/); 
iihnlieh demjenii^en n. 153 um! n. 155 (Q, Ebenfalls ein Satyr; MalTei, Ruteolta 37 [negV Orti Altäkei). 
Clarac IV, 701, 1Ö5S (im Gegensinne). — l'ffiii 124*). 

ll'O Rechte Schnuilseite {^frotttispiiit')\ Aphrodite, "nackt wie sie aus dem Schaum des Meeres 
entsiirofs, neben sieh ein Delphin mit Schaum im Munde- (.-J), nai. Gr., vollständig ((."") ; hane alii volunt 
fsif 'n-thiH •.;■! ii.il,>/Mi-<im {B). Die »mediccische Venus« s, Arch, Zeit. 1880 S. I3(T, (Michaelis). — 
l'ffiii 54S. 

Ilil C!anymedes mit dem Adler, in der andern Hand einen Blitz, nat. Gr., vollständig, nur der 
Kopf neu (tV>'); "der Adler der G. raubt« (.J). Vaccarius (»'« virUario CarJiitalis de M^Jüts). Clarac HI, 
40S, 705. — Uffi/i 115. 

Uli (oberhalb dieser beiden Statuen, über einctn Fenster (Vasan 1, 109, Doc. infil.W, .S. V): 
Wölfin mit den Zwillingen, von Torphyr (./t,'''), von Aldrovandi und Vosari gepriesen. Cambr. 87. 
Cuvall. 1. 11. S4 (//» MdiZ-ui fttmiliiie <t J'allt). 

Itlli An den Gesimsen dieser Schmalseite; -^vielc schHne antike Sculpturcn mit vielen Greifens 
i^.tl*). Schwerlich die oben S. 225 Anm. 37 erwühnten Reliefs. 

Iii4 Linke Sehmalseite: Scipio Africanus {jÜf)- 

lll.') Statue, itv'n li sa (hi lin {.-iB). 
Anstatt dieser beiden Statuen ftihrl (', in theilweiscr Cbcreinstimmung mit Botssards eigener Aufzählung, 
auf: 

llUi Apollon, nat. Gr., vollständig, nur der Kopf neu (C)i vgl. n. 156. 

lliT Hermes mit Ker>-keion, ganz nntik, nat, Gr., eine Hand fehlt (c"); Mercurius (S). — Pal. 
l'ilti 9S ((.■l.iT.ie IV, 666 (', isi3A)i 

H^S P.itllber; l^elphin, auf dem ein Knabe reitet (,-(); «fiufr.» martMo {Cr B), Vielleicht die 
Gruppe in Vill.i Horgliese, s/iimui f^t^zuhn (Beschr. d. St. Rom III, 3, 253 n. 1, Nibby, .Von. scelti Ji 
V. B-'-gh. S, iiS)! Diese hm rafiglicherwcise auf den unter Raffaels Betrath von Lorenzetlo gearbeiteten 
Jonas der "."liigika pelle in S, Marin del l'opolo gewirkt (Springer, Raff, und Miehelang. II, I15); '»ei 
l.oren^eltos Stellung zum (.'ardinal della Volle scheint das der vorgeschlagenen Identiticierung günstig 
tu sein. 

It''!' An den Gesimsen dieser Schmalseite: ^Sculpturen mit Thieren und Knaben, die zu spielen 
seheinen« \AB'). 

Oberes Stockwerk, 

170 Jüngling -in ein Knie gesunken, emporbliokend, eine geballte Faust auf dem r. Schenkel, die 
andre Hand auf einen lUock gestemmt, auf dem das Gewand liegt; gilt filr einen Sohn Laokoons. 
^.(/>^'>. lUVenbar ein Ninbide, vermuthUch das eine Exemplar des in Florenz zweimal vorhandenen. 
Clarae IV, 5S5, 1^05. - Llfizi 26S. 

ITI 7 oder S Kitpfe, nat. Gr.. mit Bruststücken, t. Th. über den Thüreo aufgestellt {ABC, vgl. 

/\v. rM4,/, IV S, VI; darunter im Finrelnen gerunnt: 

IT',' riil>te de> .\ntoninus Tius i,. (/■">, — Vffiii I02? 

17;> HiUte eine» Con>uls ^.(i. B' uti :,■.'*«.' :ss; \^B\ 

ITl Tuiste der ^'''"S'"'^*^'"* K.itiscn.i. (.'•emahün Marc Aureis ,_.!.^i- — Tfliii 167: 

Die Nunmiem 145 147. ito. loS. 171 ■ 174 waren in den Verkauf mit einbegriffen, scheinen 
aber nieht >.'f.>il mit .ni-i;clietvH lu s^in v.'\\. ;"■».■..•■. IV S, V). Nur der Nvbide in. 170) ist mit zicm- 
lielui Sielieiluil \x\ meviieci-vhem Be-il: n.iehweislieh. die Woliin von Porj'hyr ^^. 162) dagegen ist ver- 
seholle» im^t lUr Kni'.-e aiil dem Deli^lv.ii ^n. loS^ vielleicht im l.jüfe der Zeil (sehwerlieh vor unserem 
J.ihtliiiii.'.erl >!,i er son-*! »ohl n.ub r.\ri- j;ekor,)men sein würde'' ;» borghesischen Besitx gelangt. Somit 
k.iiin .Uieli dei e,>i'i'''biii-ehe .\-usl.opt. •/.' .v.'.V'.- -Wa- JiTi.- iV C-l.r.; J.:\\: rj-'.V. JV.i^ SfJrj ^iJ s^i^rj 



•1 .\ul ibe 11. 15,1. tj5. 157. 15» bviie^en >:ch .'^. t«j- .n ..-".v ^•x;»Ji-s Jrre-'.'fs aus den valle- 

\Ulleiehi J.i.ipie'i /eiehnuntieii von /,'MSÜ-Hrf scheu Sacimlnngeo ^Gtfftoj S- 174). 



Die Sammlung; rfclla Valle, n. 159 — 189. 237 

la perltt del Palatzo di questa nobile estinta famigUa romana vieino la Ckiesa di S. Andrea detta pure della 
Valle, ove presentemente se ne vede ttno dt stuccoi (Katalog des Museo Capltolino, 1750, S. 45) unsert 
no. 145 sein; vgl. jedoch unten n. r86. 

III. DAS HAUS VALLE MIT DEN PANSTATUEN {I). 

Aldrovandi S. 2i6r. (ausgeschrieben und in die Beschreibung des Palastes Valk*-Capranica 
eingeschoben von Boissard I, 41 Z, 6— 18). Zeichnung des Hofes bei Heeraskerck 11, zo. Kurie Kr- 
wähnung bei Fichard S. 70. 

17,'» Im Hof: Die beiden Pane, bocksfüfsig, gehfirnt, mit gefUUten Kdrben auf den Köpfen (./). 
Die vielleieht älteste Zeichnung in einem Sammelbandc in Florenz (Laur. Ashburnham. n. 1174), der 
u. A. Vieles von CyriacuK, Bart, Fontis Brief über die römische Leiche vom J, 1485 u. s. w. enthält. Da- 
zu die Erwähnung seitens eines (toscanischcni) Reisenden im Skizzenbucfa Raphacls zu llolkhnm: in 
(kasa Messer Leih della Valle due Fauni S braecia l'uno, interi e saldi , fantaeciatissiini, haniio un 
eiestcne dt frutta per uno in ekapo (Passavant 'Lacroix, Raphail, 11, 521). Zeichnungen von Peruzzi 
(Siena) Bl. li. Heemsk. 11, 20. l'igh. 6 {Card, de la Valle). Cambr. 57 («n a gentel maus plus rigkl against 
la uale). Windsor IX, 33. Cavall, I. II, 87 (in aedibus familiae a Valle). Vaccarius {in aedibus Vallen- 
siius). Clarac IV, 725, 1738. Vgl, Fichard a. O., zu Heemsk. II, 20 und oben S. 222 Anm, 16. — Seit 
1734 im Hof des capitolin. Museums n. 5. 23. 

na Flufsgottmaskc, Rundreliefs, Amazonen fr ies, 3 Sarkophage, s. lu Heemsk. II, 20. 

177 Relief; stieropfernde Nike, von einem Friese. Heemsk, I, 44? Cambr. 87,* (riglil against 
la aal, s. zu n. 175). Vgl. oben S. 225 Anra. 36.38, — München Glypt. 206. 

178 Relief: Greif und Vase, von einem Friese. Cambr. 87, d, auf demselben Blntl wie n, 177, 
also wohl im selben Hause, doch s. n. 163. Vgl. oben S. 225 Anm. 37. — Louvre n, 754- 

In einem Zimmer: 8 Köpfe mit Gcvi'and- oder l'anzerbQslcn (A); darunter! 
ntl Julius Cäsar. 

180 »Milon von Kroton«. 

181 2 weibliche Portraitköpfe, ein Idealkopf. 

182 Geta. 

183 2 Knabenköpfe. 

184 Sonst im Hause: ungefähr 400 (über 40 B) kleine Köpfe von verschiedenen Stcinarten, 
datunter viele Herakles-, Silcn-, Pan-Köpfe und mancherlei Masken (J). 

18:1 Dic/aj/( Vallenscs CIL, I S. 320 =r VI, 2298. Später im Pal. Capranic.i, dann zerstreut; die 
obere Hälfte in Castelvetri bei Modena wieder aufgefunden, jetzt in Neapel, die untere verschollen. 

IV. DAS HAUS BRUTO DELLA VALLES (IV). 

Aldrovandi S. 221. Boissard I, 43 {Vallaeus Episcopus). Fabricius Antiq. uionuiii. S. 114. 

186 Aufsen über der ThUr: Schöner Kopf, angeblich des Zeus (.-/). Vgl. zu n. 145 und 
hinter n. 174. 

187 Im Hofe; Einige antike Fragmente, Kcon una liella tavola marmorea variamertte sadpita« 
(A), vermuthlich dem menalogium ruslicuni mit seiner Sonnenuhr und den Zeichen des Thierkreises 
(5J, das schon Albertini S. 63' apud demum Voll' erwähnt. Cob. 124, Jacques (GefTroy S. 169), 
Lafreri. Boissard HI, Moff. CIL. I S. 358 = VI, 2306. Verschollen. 

Unter den Übrigen Inschriflsteinen des Hauses (s. o. S. 222 Anm. 18) verdient nur hervor- 
gehoben zu werden: 

188 Cippus des Amemptus divae Aug. /., reich mit Fae kein. Kränzen u. s, w. verziert, unten an 
der Vorderseile zwei Kentauren mit Lyra und Flöten, auf deren Rücken Eroten sitzen. Kscurialensis 
Bl. 25 (/« Pisa [lies: casa^ la valle). Pigh. 127 {^Bruli de la Valle). Boissard III, I44. Clarac II, 185. 
186. CIL. VI, 11541. — Louvre 325 (Fröhner 373). 

18!) Cippus: Mann auf einem Bette, mit drei Nebenfiguren. Pigli. 146 {ßruii de la Valle). 

Das Auftauchen des schönen Cippus n, 188 im Louvre legt die Vcrmuthung nahe, dafs das zu 
n. 69 angeführte Pasliccio und das gleiche n. izo, so sehr sie auch an Lorcnzcttos Antikenfabrication 
gemahnen, aus unserem Hause stammen könnten; vgl. jedoch n. II4. Ferner werden die Sarkophage 



n. 115 und 117. deren Abbildungen noch im 17. Jb. damiiM de Fallt otltt ^Mfi •ie/la ValU crwDiDcn, 
vielleicht sncfa □. 119, eher auf unt^cTcm oder dem vnrigcn Hause »tammeu; ebenso aus den gleichen 
Grunde: 

l'JO Urunncnrclicf: weinendes MXdchcn, ^cr ron einer Wärlciin die FUf» gcwa^clicn 
wenlen. Windsoi X (XVKI), 66. II, 66. V, 31, Pcrrior, l(OMa tt ugm. 31, danaub S, Barioli, .IJmir. 
'73 »'59 (üt atäa. DD. de Vallt). AUa, MtM. III, 43.3. Zoega Sauir. 12. — Pal. Albani, Moli- 
Diihn 3579. 

Boissaids figna et ttatnae timlta vtttttMi it arli/!iio iaudandat bvruhca wob] uiT Verwecliscluni* 
■nscTcA Hauses mit Pal. n oder 111. 

Keinem der vier HUuscr vcmtaf' ic!i die folgenden Stücke mit Sicheihcil luxitweiien: 

hU - Sialue eine« Manne«, mit I. Stftndbein, in kuneni KcgUrieien Chiton und Cblamjr«, f. Arm 
Ecscnkl, im gebogenen I. eine Schwcnscheide (tanlikO: Kopf fehlt. l>ic j^nxe Sutue Ui recht unfic* 
wohnlich. Beroliti. Bl. 6* {mUo ualli). 

1113 Ucwcgtei Tnrso, Hhnlicli wie BhU. (Omtin. 1880, Taf. 9f. C«nibr. 43 (foUait Al ynllt). 

Iif3 Männlicher Torso, siUend. Camhr. 45 {faUate la ttalte). 

im Muse, r. Standbein, 1. i:uTUck|;citeltl, langbcklridct, Mantel nni Leib und 1. Ann; in dieM-ni 
der Rest anscheinend viim Hörn eitiej Riihina. Kopf und r. Ann fehlen. Zur Stellung nnd Gewandung 
Yergleicht Conxe CLirac IV, 554, irSo. V. 911, 3332. Bcrolin. Kl. 46', «igli-ich mit: 

I'l^ Mnic, «iixend, vom Mnnlel timhilllt, Kc«l der Kitliar.-i nuf dem I. Schenkel; ( )l>eil[ÖTpCT rchll. 
Vgl. etwa Clarac III, 517, 1057. Berolin. Hl. 46' (von beiden Seiten). Unterschrift in beiden Staluen: 
QmetU lom ntt e«rli{t dftia italU e fUttlä (n. 19$) t fatta im iluft tuJtitt gl. (00, een l'\) imirunuHti <kt rtsu. 

1% Kelicffragmcnl: l~ Ke»l eines nach I. m einem S»bcI xitiendcn Manne*; dahinter nach 1. 
siehende {'Vau im niiischvo Chiton mit Apogtygma nnd Mtinlel; gaiu z, Jttgcria (nach I. gewandt) in 
kuncm ge^UtlL'tcn Chiton und Chininys, hohen Teichge*chmllckten Stiefeln, mit Koclierhnnd, die R. gej^fl 
die Schultor (den K^Vrlicr?) crt)et>end. Deiolin. Bl. 73 {atU» nii[/^]). 

Von diesen SlUckcn konntn n. 191 und 196 vielleicht nur in die Contraria delln Valle, nicht 
10 einer der vallcschen .Sammlungen gehören (k. iu n. XI9}. Sicher gilt Letiteres «00 (olgendcn 
StUckeD: 

107 Silaendes kUdchen (»rVwetY alla sfiima»), Ufffxi 153. Skiizcnbncli KalTaels in llolkham 
Bl. 34; /■* ittiut, AHtithfi. Qti/tfa featiHa üla iiuhhiia im fuetU (kamtrt dirimfiftto m<(tn)T I.elta 
dttla Valtt. S. l'ASHavant-Lacroiz, Raphaäl \\, 521 n. kk. Conic Arch. Ans. 1867 S. 101* Ann. 3. 
Mal» Arch. Zeit. 1873 S. 35. Aho gegenüber dem lUu*c 1 [1. *ti n. IJ5). 

108 Bakchischer Snrkopbag, Villa I'nmfili, MatJ.-Dtihn t^Ai- l^al I'ojjio- Franks: im (tun 
JeUa Sig(iifir)a Fauttima Alierini all,i Valie, Bnfalinis Mao vcricichnct das Haus der jiHarimü In der 
Via della V'allc; ein anderer Palaxca Albcrini, von Qiulio Romano erbaut, lag in der NShe der EngcU« 
briickc. 

199 Jagdsnrkophae< Villa Danfili, 3A«U-Duhn 3897. Cob. 339. Windsor .X (XVIII), 50: 
off« ValU d' aiqua uiua. 

300 Amnionensarkophag, Capilol, PhI. del ConserTaiori. Cob. 107. FranchJ (Ttuin) 101, 
Wind»or X (XVIU), 77 (alla Volk da Mag* Uta). Sx (HhnllcU). 1)6 (a/Ai VaÜt). Robert .HatL-Rel. 
n, 4^> ■>■- 

Ad, Michaelis. 

(Schlufi folgt.) 



EIN DENKMAL DES SIEGES BEI MARATHON 



Es soll nicht länger gezögert werden, ein Denkmal wcnigstcuö vorläufig 
hekannt zu maclien, welches unter den neuen Funden der athenischen Akropo]i<) 
vielleicht das gröfatc geschichtliche Interesse bietet. 

In *Icr Masse polychromer Marmortrilmmer aus der Zeit vor dem Perser- 
brande, welche Anfangs 1886 wcstlicli vom Krechthcion gehoben wurde', fielen 
durch besonders reiche und woiilerhaltene Bemahing die zahlreichen Brachstücice 
einer etwas weniger als Icbcnsgrofscn Statue in knapp anliegendem gcnuisterlen 
Gewand auf, über deren Bedeutung in Athen allerhand Vermutungen auftauchten. 
Im Sommer des folgenden Jalurcs gelang es Gillidron und mir, die meisten Frag- 
mente, bis zum linken Fu&e herab, um ein Pfcrdcvordcrtcil zusammenzupassen, dem 
sich ein bereits veröffentlichter l'fcrdehals und -köpf aiv<chtofs*. Was wir damals 
zusammenltlgten, gibt der Zinkdruck auf S. 241 nach Gilli^ron's Zeichnung wieder. 
Vermehrt um weitere Bruchstücke, die damals noch lose blieben — wie der rechte 
Kufs, den Petersen der schönen Nike zugewiesen hatte* — oder im weiteren Ver- 
laufe der Ausgrabungen hinzukamen, erscheint der Torso auf der autotj-pischen 
Wiedergabe seiner rechten Seite (S. 240)*. Ergänzungen meiner Aufzeicluiungen vcr- 



*) Kft-r^adUs ^ßfi||i. J^. 1886 ».730. Anb Denkm. 
(I. In«t. I 1, 1887 S. 8 tu Taf. 19. 

*) Mucccii V. Atlicn 1[ Taf. |3, 'Ett^pu äp/. 1887 
T«r. 2 (SophulbJ. CbcT ilit Zu^amincnictiung 
habe tcli Wochn»cbr. f. U I'hil. 1 8S7 S. 966 kun 



berichtet, vgl. »ThcoKcnoui (Doublet), Cm. anh. 
1888 S. jSf. — Dofs <ii« Rc*le ciiwiii RcUcr 
({vMrirn, li.-itt«, wie ich nacbirtglicb «ifuUr, schon 
Wolters ecsrhcn. 
*} Ath. MiUh. XJ 1SS6 Tflf. tl C*. S. 3S3 r 



*) Er trilgt im AkropoUsmuKUin <1ic Nr. 6o6. 




danke ich Botho Graf. Nach ihm sind etwa ftinfundz wanzig Fragmente zusammen- 
gefügt zu der Höhe von loS und der Hreite von 70 cm. 

Der Stein ist 
ziemlich grobkörniger 
Inselmarmor'. Wie die 
meisten archaischen 
Sculpturcn war auch 
unser Reiter nicht aus 
einem Stücke gearbei- 
tet. Angeftigt war der 
I inke Unterschenkel 
^Hiiz, vom rechten 
etwas mehr als die 
iläirtc. Die Ansatz- 
Hächeu sieht man noch 
.m zwei losen Bruch- 
-tOckchen *, welche 
beiderseits der Fuge 
am rechten Ifein, in 
Wade und Schienbein 
statt der jetzigen^Gips- 
füUung eiuzurugen 
sind. Eines von dic- 
ken Fragmenten und 
der Kruch am Unken 
Knie zeigen nochRcste 
der zur Befestigung 
dienenden StifUöchcr, 
welche gcwifs, wie üb- 
lich, Marmurpfropfeii 
verschlossen'. An der 
linken Miifte waren die 
vuii GÜlitJron gezeich- 
neten drei gröfscren 
runden Zapfenlöcher 
zu erkennen, von denen 
jetzt nur das unterste von Her Ergänzung mit Gips vcrscliont geblieben ist {30 mm 
tief, 14 mm breit). Das oberste, im Bruche des Rumpfes, wird nach seiner Höhen- 
lage der Anstückung des linken Arm» gedient haben, soweit er frei ausgearbeitet 

») Lei>»iu8, M.n»or»tucli*ii S. 7J. 49- ^ Vgl b«. LKhai, Smü. t»rr. ktü. XIV 1890 

*) In rici Vitrine Zimmer IV S<ldecli«dcrO*twnid. S. 350ff. Anl. Dcnkm. d. Inil. t 3, 18X7 S. 9 

EU Taf. I9>. 



242 



Sütolakdu. Rdi IicBkiBkl dn Sieget bd Mtartcn. 



fidcen Holle schräg nebeneinander siUcnd, kotmcn föglicfa nur von der Befestigung 
eino Br6&CTcn Attributs bcrrührcn. Auch ohne den Vcr);lcich der gLcichartigeti 
Anscäcfcnng bei den aiginetisehen Bogenschützen* wäre nicht zu bezweifeln, dafs es 
6cr Köcher war. von dem sich das in der Zcidioung (4} bcigefü^e, beiderseits gc- 
brodicne Scfick, 23 an lang und 75 nun dick, erhalten hat; sein Muster gleicht, 
anficnomnica die Farbcnzu^anuncnstcUung, genau dem der Hosen. Mit der Bc- 
(estigui^ des Köchers könnte es zusammenhangen, wenn nach Graf der Kocksaum 
an ilieser Hüfte in flacherem RcÜcf absetzt ab an der anderen *. Doch beobachtete 
er dieselbe Ungleichheit auch an den FQ&cn: der linke zeigt eine kaum bemerk- 
bare Andeutung des Schnhtohlenrandes gegenüber deutlicher Modellierung des- 
selben am rechten, und die SohlenAäche des letzteren ist von feinerem Umri&: 
aoch die Maalsc der Unterschenkel unterscheiden sich merklich**. Einen tieferen 
Gruod wage ich aber für diese leichte Vernachlässigung der linken Seite kaum zu 
nicbcQ, zumal die Bemalung ganz glcichmaf^ig durchgeführt war. 

Diese reiche Bemaluag, welche fast alle der archaischen Mannorj^astik zu 
Gebote stehenden Farben'* vereinigt, deuten im Wesentlichen die von GilU^roa 
seiner Zeichnung betgegebenen Dctailskizzen des Rock- und Hosenmusters (2 mid 5) 
so wie die nach GraTs Angaben vervollständigte des Kochers (4) an. mittelst ver- 
schiedener Schrafficnmg, deren Farbenwerte die daruntergesetzte Scala angibt*'. 
Hinzuzufügen ist Folgendes. Der diagonale Mäander, welcher die Jacke am unteren 
Saum und umbiegend auch am Bnistschlitz cinfafetc, ist dunkelgrün, d. h., wie man 
gegenwärtig annimmt, ursprünglich blau" mit rotem Rand an den Zmckeldrei ecken. 
Rot sind ferner die Schulde und die Stutze der linken Hand, wie auch sonst Mar- 
mormassen von blofs technischer Bedeutung". Die rauh gearbeitete Leiste des 
Köchers ist grün. In der mittleren Rautcnzone desselben glaubte Graf mit ziem* 
Itchcr Bestimmtheit Spuren des Guldokers, mit dem die Haare einiger archaischer 
Bildwerke bemalt sind", jx:chts davon, wo GUIi^ron das Violett der linken Zone 
wiederholt, von blauer Farbe zu erkennen. Das Muster ist hier und am Gew*anile 



^ J. U. Wtcncr, Bnidit Ober üt mepa. BtUnetkc 
& St. hnatn, Cljfptothdc* S. 69. 

^ Rcckb I ' -„ links ntchi gaoi i nun. 

*^ V«« Knk bis tarn KoOckcl r. 34 cn L JT. h'n 
uu Sohle r. 41 L 43, tmgdicbn Fv&Usgv r. 
(«o die Fcne abcvtf^twn) cc a^ I. 20. Ich 
aiC« ctekb brt. <Ufi tueh Crif der Obeneben- 
kd 48 ca 1a«E< ^^ Raapf w> Gürtel iS br.. 
Sl ikf Ht. 

"j Sl darObec bc«^ Wollet», Aüt Ocokm. d. last. 
1 S 1B90 S. 48 lu T>f. Si und 1.cchai, BmH 
i0rr. kiU. XI V 1S9Q S, j6oS., gcgcs den unter 
Maramr, unter aaüerco, die EsiMcnf rit-r grüncii 
fubc enrtJ«!; fttrc dunkle Nnancc facilk-h »ckeint 
hier «Tic lo e/i uu ilankclhtm oiutnoden, wie 
ment GiUiemn 'l*?',;^. tf^. l&Sj 8. 95, 3 angv- 
BOlUKa haC I>ocli möchte jcj) ttk Kundigen 



nochmals tur Erwl£uii( der Wocluntekr. C Id. 
fhU. 1SS7 S. 765 |[cauIi«Ken Fnc« «affoKlefM. 
ob nicht dietct xneh ftti Waffen, Annblndev «od 
■nden MeaUfieffcnsOndc U|^waodte Cbcnsg 
aU Okjdfttioitsprodact eine« weMntlich «tu Ku|>ret 
beklebenden fnitchcn Blattgold* aurtn[a«sea 
ist. Ober dc«icn AafcnliiBae soQcn »ich lo 
bUhnitteUltcrltchen Konstbadieni AnwcisWKe« 
fnidcn, 

'^ Kine farbige Wiedergabe der Micll liict nseb 
vcibld dl enden Bernalong hofTr ich mit Cillt^oa'e 
bewUbitci llUie tpdtcr tu (^beo. 

■*) £0 die Statwn der rfetdeitatuettcn der Akro- 
palu WocfaenKhT. f. kl. Tbil. I887 S. 966 (Alh. 
M!nb. XH 18S7 5. 144. (7«; «uL 18SS & jSj. 

•*J KOm UUtb. III t8SS S.290.4S>- Lecbal. ßmtL 
tTT. ktO. \\\ 1890 S.56«(. 



?ilu4!nic/li>i, Ktn L>cnt.ii>Bl dv« Skgc» bei M«ia(t)<in. 



«43 



mit schwarzen Strichen vorgezcichnct. Die Pferdemähne ist an der Oberfläche 
dunkelgrün (blau), in den dreieckig vertieften Killen rot. Die Benialung des Pferde- 
augcs hat sich nur rechts erhalten. Der schmale innere Streif der Lider ist rot, 
der Augapfel zur Erhöhung der Schattenwirkung schwant umrissen, ebenso die rote 
Iris, während die I'iipillc jetzt wcifs ist". Sonst blieb das l'fcnl wcifs und verhalf 
selbst hier der Marmorfarbc zu Ubenviegcnder (icltung '*. 

Die Bemalimg wurde durch Bronzezusätze ergänzt, welche ursprünglich 
gewifs in heller Goldfarbe erglänzten. Den Vcrsclilufs der Halbsiiefel bezeichnen 
je drei Knöpfchen, deren formlose Ox>'dfiecken nicht filr weitere Bcmalimg zu halten 
sind. Auf einen auK Krnnze eingelegten Gürtet wurde mit Keclit daraus geschlossen, 
dafs sich in der rechts erhaltenen Furche die Muster des Rockes fortsetzen". Reste 
des Kopfriemens haften in dem runden Loche, welches hinter den Ohren den Ansatz 
der Mähne quer durchbohrt^ er war, wie es scheint, aus Drahtfäden jnsammengesetzt 
(geflochten?), deren einer früher, wie e» die Zeichnung festhält, weitaus dem Loche 
hervorstand. Ans einem runden Bohrloch auf dem Scheitel ragte senkrecht der 
jetzt abgebrochene und etwas verbogene Hronzestiel von quathatischem Durchschnilt 
empor. Es scheint mir klar, dafs er keinen der Wirklichkeit entsprechenden Pferde- 
schmuck '* oder Haarscliopf, dessen Befestigung oder ZiiKammenhang mit der 
(ihrigen Mähne deutlich gemacht wäre, sondern nur einen jir,vi'3xi; oder eine andere 
Vorrichtung zur »Vogelabwelir^^ getragen haben knnri". — Während die beiden 
besprochenen Mctallzusätzc unserem Pferde mit den zwei kleineren Marmorpferden 
der Burg'* gemein sind, besafs es einen besonderen ehernen Stinischii|if. Seine 
bürsienähn liehe Construction veranschaulicht die unserer Zeichnung beigefügte Skizze 
der Stirnflache der Malme von Graf (i), dem ich auch Vervollständigungen der Be- 
schreibung verdanke'*. Die obere Hälfte dieser Stirnfläche ist abgesplittert, wolü 
von den Schlägen, mit denen die Bronzeansätze der unteren entfcnit wurden. In 
den drei Reihen von Bolurlöchcrn safscn eilf Büschel zu fünf Blcchstreifen von 7 nim 
Breite und i mm Dicke, \vclchc sich gewifs zu einem vom überfallenden Schoj>fe ver- 
einigten, wie Um am älmlichsten ein uncdiertes Relief der Akropolts'" und streng 
rolfigurige Gefafse zeigen", nur dafs in den meisten Fällen die Mohne auch noch 
weiter hinten, durch den Kopfriemen, gespalten ist 



'^ Auch die BocUicibuDg de« Augti gebe ich cu- 

inmi nacb Gr^C 
"J Wie I.cch«t ßuU. orr. Aiii XIV 1890 S. 563' 

bcrarrkL 
") Vva Scbluts hat WlniMfeld, Ath. MittL XIV 

1889 S. 47 auffTUprochcn, tien (inintl mir Grilf 

mittle («tlt. 
'*) Vgl. [Ünublet] Ca. «vA 1SS8 S.83f., dn voa 

«lieien Dingen bisher am gcnnucMen gehAiidvIt 

baL 
**i Vtfl. rcurvcn. Atb. Miuh. XIV 1889 S. 333IT., 

Leebat, BuU. («rr. luU. XIV 1S90 S. jjyfT. 



'^) Fricdcricils- Wollen Nr. 98, Pbotofir. beim In- 
»litnr Arch. An». 1891 S. ;8, 167. Die mit 
geiufscrtc Vctamtuus, itcr l'fetdcknpf gcbOrc «1 
deuiullicn l>eiiVinal wie die Wngcnlictieigi-ndc, 
werde leb su eiwSgcn babcn, vrrnn ii^ den 
Nacbwci* vcnuche, d>fs dtew* und die sugchO- 
Tigcn Btucbtuii'ke xui Ba^ih ile« klcisibintbcfaco 
Viei^npuin« gebonm. 

") ^'&'- '■ ^ tcWin KiipliToniott , (leryn neu Meli nie, 
dun abtr bebender» den etwa» iijätcttn Pfeidc- 
lypus der DoViiuaMe^cbalc llerlin N'r. 2296 oder 
Ahn. (ir. A tasw. elc. lieft I4— 16 Tnf. 5.6. 



244 



■Siiidnicilka, Ein DctikmiU de» Siegn bei MnrAthon. 



Nach Betrachtung des Erhaltenen suchen wir uns das einstige Ganze tu 
vergegenwärtijjcn und xu erklären. Das gcdrun^jcnc kurzmähnigc Reitpferd, dessen 
Typus ganz mit den schrtncn Rossen aus <lcr Büite der strengen Vasenmalerei mit 
roten Figuren übereinstimmt und nichts mehr von der Geziertheit bewahrt, mit der 
die gleiche Ka^e etwa von Exckias und auf ihm nahe stehenden Grabstelcn be- 
handelt wird", geht, den linken Vor<!crhuf voransetzend, streng versammelt im 
Schritt Unter seinem Leibe hat aucli hier die übliche runde oder prismatische 
Stütze" gewifs niclu gefehlt. Darauf sitzt, xvcit nach vorne geschoben und mit 
spitz herabhängenden Filfsen, eine schlanke Reitcrgc3talt. Über die Beschäftigung 
ihrer Arme lafst sich vorerst nichts Bestimmtes sagen. Die Stütze links am Schoofsc 
würde sehr wohl zu der Annahme passen, dafs auch hier, wie gewöhnlich, <Iie 
linke Faust den Zügel führte. Der anderen Hand wäre dann, entsprechend dem 
Köcher an der Hüfte, der Bogen zu geben, welcher aber, seiner Handhabung gc- 
niäfs, besser in die Linke pafsL Das bunte Gewand — die vom offene und mit 
metallenem Gurt, der ein Seitengewehr getragen liaben kann, zusammengehaltene 
Jacke, schuppen form ig bemalte und mit dem qucrgestcUtcn Mäander, einem alt- 
orientalischen Motiv", umsäumt, die eng anliegende, rautenförmig gemusterte Hose 
und die schmiegsamen KnÖpfelstieflcHen aus feinem roten Leder — ist die ausführ- 
licliste Darstellimg des barbarischen Costums, welches die Vasenmatcr derselben 
Zeit an Amazonen und Troern, an persischen, äthiopischen, wohl auch «k>thischcn 
Schützen mit besonderer Vorliebe dan*tcllen, indem sie das vornehmlich ch-iraktc- 
risLtsche Rautenmustcr in ihrer Technik leichter zugängliche Zickzacklinien oder 
-binden auflösen"'. 

In diesem Kreise Ist die Bedeutung der Statue zu suchen. Mein erster Ge- 
danke war der an eine Amazone "', wie sie in einer Gruppe des Kydoniaten Aristokles 
gegen Herakles anritt'* um! wie sie sieh, nach einem bekauntcn Bildtypus des fiinften 
Jahrhunderts dem Thcscus gegenübergestellt*', sehr wohl als Weihgeschenk der Akro- 
polis aus der Zeit kurz vor Mikon denken Hefae. Aber abgesehen davon, dafs die 
völlig ruhige Hallung des Reiterbildcs in keine KampftiarsteUiing pafat, wurde diese 
Annahme aisbald beseitigt durch die zuerst von Wolters ausgesprochene Walir- 
nehmung, dafe der Künstler durch starke Erhebung der Schamgegend, welche auch 
die Abbildungen hervortreten lassen, das männliche Geschlecht des Reiters deutlicli 
ausgedrückt hat, wie es auch an der Statue eines reich bekleideten Mannes auf der 



") Wienct Voricgcbl. iSSS Tnf. 6. ja; Cob«, 
Orabjelicf» 1 Taf. 9. 8; »gl. lJ*5chcVff. Ath. 
MiuU. 1879 IV S. 390. 

'>) HOhlau, jahri>ucli III tSSS S. ^S. 

=') Üa» bcnitri<l Winncfcld, Ath. Midb. XIV 1S89 
S. 47. celciicntlicli ilci AUlwüHa mit Ncgndar- 
«tellnngen. uIi«t deren Aller Bcüic rbeada XV 
1890 S. 143^- *" vngkicbcn. — UtiMfc Mannor- 
H»lue bewcHl gleichfalls, tUik da* AuIItcUu d« 
Barbarcncn^ium.« auf slrcnc roirigunKtn Vaicn 



nicht Riil Bninn, Cctlo»« S. $4 als Kciiiucicbra 

«pHtca Urspnines «ninschcn itt; vgl. Wochcnsdir. 

r. kl. I*l<il. tSS? S.966. 
") WocbeiMchf. L kl, l'hit. 1887 S. 966: cbcrwo 

Lech« Äf//. fi-rr. Af/7. Xn' 18908.335; 563,4. 
=•) Paui. S. 3S. 11: Über (!ie Zeit d« WctVe* tu- 

teilt, bIitt nicht atnchlierttcnd , Sauer, Aaf. (1< 

stat. Gruppe. S. 55. 
") Einige Beispiele bei lIcnn<ItrTf, HcToon von 

Try»a S. IS5IT. 



Sltwliik'ckii. Ein Denkmal dn Sic^-* hei MArnihnn. 



245 



AkTOjMlis ZU bemerken ist". Auch die troischcn Bogenschützuti, welche in dieser 
Zeit das gleiche Gewand tragen — der aiginotische Paris" ist, vieUeichl bis auf das 
Schupp enmustcr des Rockes'", der nächste plastische Vem'andte unseres Reiters — 
sind ausgeschlossen, denn sie kämpfen nicht zu Pferde. Wir haben also einen 
barbarischen Hippotoxoten der Wirklichkeit vor uns. Aber ist es ein Skythe oder 
ein Perser? Die Trachten dieser stammvenvandtcn Völker hat nämlich die attische 
Kunst, vielleicht von der Kopfbedeckung abgesehen, nicht unterschieden ". Nun 
liicllcn zwar bekanntlich an Dipylongräbcm des vierten Jahrhundcrls kniccnde 
Marmorskythen Wache" und mau wird sich der Überzeugung nicht verschliefsen 
können, dafs lange vor der kinionischcn Zeit in AÜicn skytliische Truppen dienten**. 
Aber ist ein Anlafs denkbar, aus dem Athener der Perserzeit solch prächtiges 
Standbild eines dieser bewaffneten Sklaven der Jturggottin darbringen konnten? 
Nein, es ist ein Perser, genau der Beschreibung Herodots entsprechend, deren mifs- 
vcrstandcncn und angezweifelten Wortlaut die Bemalimg der Statue authentisch 
erklärt: r.zpl 5s tö a<w[i« x'ftfüvac ■/S'.pt^oiT'.ü; nitxtX'iU?, XsrfSdc 5t2»;p^ii)c ö'V.v tyßur,- 
ttSso;, Tipi a id axiXsa ^woS-jpiSa;"; ein Perser, wie ihn etliche zehn Jahre spater 
Duris auf der Schale Faina gemalt hat*^ ähnlich bis zu den gcknöpfeltcn lle^sixaf'* 
herab — die er nur noch genauer, bis zu den auf persischen Darstellungen wieder- 
kehrenden Schlitzen ", nachgebildet hat — , jedoch bereichert um einen Griechen- 
panzer, den auch einige von den erwälmten Negerdarstellungen *' dem Barbaren- 
costum beifügen. Und diese Statue, welche die Barbaren im Jahre 480 mit beson- 
derem Ingrimm, wie es scheint, so zertrümmerten, dafc die erhaltene Hälfte aus etwa 
dreifsig Stücken zusammengefiigt werden niufslc, was kann sie anderes gewesen sein, 
als eine Wcihcgabc fitr den ein Jahrzehnt vorher ermngenen glorreichen Sieg, in 



*) Erwahni von Miller. Wnwr, /.mrü. of artJi. (SS6 
S. 63, Ilclbig, Hom. Epos* S. 180. 

') Ein tiMEchcr Gcgiier der Aisliidcn bleibt diL-tc 
Figur, auch nachdem Furtv^nglcr, Lux. ä. Myih. 
I S. 3153, doicli die iwinKvniic Ablcbniing des 
Nuncn« Herakles für den Boitensclitltztin d« Ott- 
gicbel« der bislienscn Einfcldcuiung der AJgne- 
tcn den Boden cnUogcn hac 

"0 Hitturf. Jifv. ar(A. X} 1854 S. 357, uigcfOhM 
Too Brunn, Glyptothek* S< 73*; vgl. Frjede- 
ricfa« -Wolters S. 35. 

") Die Tracht der sliyihi*chcn ToliKi ist in dieser 
Zeit nur durch den tlerxklva de« ßjyno» (Wie- 
ner Vorle|;ebL VIII TcJ.6) und der Ciganttin- 
•chalc Berlin Nr. 2293 bekannt. Dagegen int 
der Hippotoxot der Dokiinuicfchale Berlin Ni. 
3396 tinch »ctiKr GcMChtübildiine und Kopf- 
bedeckung gcwif* kein ^pcuninier, wir K>1rtc und 
PurtwUniEier aonehinco, et Mcht vieluKkr der 
beitnUchen Reiterei der Aubenbilder ah Verlre- 
ler des Nationalfeind« gcgcnUbcr. Cber die 
spitzen Matien dcräkylbea vgl. l>Unimlcr, ROm. 



Mitlli. II 1867 S. 187 ; EJc erscheinen auch noch 
auf den DorslcIluHgeu aus der Krim, Amtiq. Jm 
Botfk, Clm Taf. 33 (Schreiber, BildvrBttu Taf- 
38, II). 

»O Sybel, Kat. Nr. aöj. 2G3, Hctmcs XX 1885 
S. 540. Die Zeitbeütimniung hat mir A. Brlkk- 
ner gegeben. 

i>) SoKutcUI Wemicke. Kermci. XXVI 1891 S.64fr. 
Wenn ihm 0. Hirschfcld, R«m. SlcheiheiUpoUitel, 
iMli.-Ber. d. Berl. Akad. 189t X.XXIX S.847,3, 
widerspricht, so Dbenivhl er doch wohl die 
Anm. 39 erwähnten HcrakletJaitlclIungcn. 

'*) Hetodot 7, 61, wo noch Stein den Scbuppcn- 
panacr wörtlich, nicht bÜdlicb nehmen will, 
wai ihn «ur Annahme einer LOcke führt. 

«) Jahrbuch III 18SS Tftf. -1 S. ligf-. »o l-«>»y 
die sonsligett PerscrdarsCcUunt^eo vergUchen hat. 

»•J Lechat. ßull. «irr. Aflf. XIV 1S90 S. 335 i»t 
an dieicr Benennung der Schuhe nnsercB Kcitet» 
dicht vorbei cckotninen. 

"J Z. D. I'eriot-CUipic» /äj/. de /'*■/ S. 545: «lo; 
Tal. la vor S. 819 u. a. w. 



dem Hie Athener r-pStm ^via/rivri iil^ra ts Mrj^ixY,« fifMvwf xal nt* av3(«c t^üttjV 
r,38r,!*£vv>; **? Man wende niclit ein, <lafs bei Maratlion die Reiterei nicht ins Treffen 
kam; Hipimtoxolcn waren doch die typischen Vertreter der furchtbaren liarbarcn- 
macht'* und ganz gefehlt haben Hcrittcne ycwife auch bei Marathon nicht, wcniR- 
stcns den Feldherren wird man den Fufskampf nicht zuniuicn. Einen solchen würden 
wir hier auch sons^t am ehesten vermuten, wie vor der Perserhallc 2U Sparta Mar- 
donios stand'", und ileni widerstreitet KßcJicr und Boi;en nicht, die ja selbst der 
Grofshcrr auf seinen Münzen fuhrt. Daneben wird er auch an getnem Bronzegurt 
den ««vaKT^; gcRihrt haben, das s^xitp^tov rap« ^Kv Zniihv |«rjf^v rapvuiipiS'Jiav'iv ix 



TT,: Ctttv?,;*'. 



Eine ungeahnt schöne Bestätigunj/ dieser meiner alten Folffcrungen hat ein 
neuer Fund gebracht, der Teller des Ashmolean-Museum in Oxford, welcher als 
Titelbild, nur leider unjjenüjjend wiedergcircbcn, Klein's Vasen mitl.icblingstnschriften 
zierl". Hier sehen wir, was die neue, nach Photographien, die wir den Herren Evaits 
und P. Gardner verdanken, hergestellte Abbildung; über diesem Aufsatz nachzuprüfen 
gestattet, nicht etwa einen alinlichcn, sondern in allem Wescndichen unseren Perser- 
reitcr dargestellt, soweit man von einem Vascnmalcr dieser Zeit genaue Wiedergabe 
eines plastischen Vorbilds envarten kann. Auch hier geht das Pferd im ruhigen 
Schritt einher, nur dafs es mit dem rechten Vorderhuf ausschreitet und den Kopf 
etwas höher hebt; es hat den abgesonderten Stirnsehopf, nur setzt es, nach Art der 
älteren rotfigurigen Vasen (S. 243) weiter hinten ab. Der Reitcr schiebt die Filfsc 
ebenso weit und spitz vor, nur sitzt er weiter zurück und ist etwas kleiner geraten. 
Die Linke fuhrt, wie wir schon vcrmuletcn, den Bogen, die Rechte den ZUgel. Der 
Oberkörper ist stilgemäfs aus der reinen Frofilstellung des Ruudwcrks herausgedreht. 
In der Tracht tnlÄprechen die rliombisehen Flämmclien der Jacke leidlieh den 
Schuppen, die Zickzacklinien am Heinkleid sehr gut dem Rautenmuster der Statue. 
Dafs die Hose hier, wie auch in anderen Vasenmalereien, nicht prall anliegt, ist 
wohl die Bcrichtigtmg eines KeliJers der überhaupt, im Hinblick auf die authentiijchen 
persischen Darstellungen, nicht allzu hoch anzuschlag enden Costumtreue des Mar- 
morwerks, eines Fehlers, welcher überdiefs bewufst und berechtigt erscheint, wenn 
man sich die breiten Rohren des Vasenbildes in fast lebensgrolsc Plastik übersetzt. 
Entscheidend für die Abhängigkeit des Tellers von dem Standbild scheint mir end- 
lich der Köcher: getragen nach Art des breiten barbarischen, auch den persischen 
Bildwerken geläufigen Gorytos hat er dennoch hier wie dort die schmal cylindrischc 
Form des griechischen Koclicrs. So dürfen wir das VasenbÜd getrost zur Ergän- 



»^ Hcrodot 6, 113. 

**) Dss hebt auch Klein, LitiilingsinscIirilVD S. 14 

Itcfvor. 
*^ PauEan. 3, 11. 3. 
") llcwidot 7, 61, vgl. Perrot - Chtpicx V K. 798f. 

843 u. %. w. 
'0 S- 47^' vnd I4(r.; eine bcsKTc Abbilduni; an 

Ganicn wird für V. Gftfdncr't KaUlug äc» Ash- 



moIcKD geplant KieJo luit nicht •rtniant, nur 
unxcicn Torso biniuwciKn und meine Dcolung 
dniwlbcn «1* bekannt vora«s([c*«ii. Dem Ver- 
suche Klein's, den Mihiadc-UclIcT etgen die F.t- 
gebni«sc der nuT die Funde ilek Penencbntt» gc- 
giOndelrn reformierten VasenchronoIoKie sunu- 
oUtien. Ecdenkc kh in der !>. Liit.'Zie. in ent- 
gegnen [1S9I S. 1576]. • 



fitudniczka, Ein Denkmal des Sii.'fjf'' l'i;i Mnratlion. 247 



zung des Torsos venvcnden, zunächst was die Beschäftij^unfj der Hände anlan[^. 
Die Kopfbedeckung, der weiche Tiaras, den Herodot als izXk'ii ä-a-.T,; erklärt, wäre 
auch sonst mit Sicherheit aus den gleichzeitigen Vasenbildern zu entnehmen**. Über- 
raschend aber ist zunächst das bartlose jugendliche Gesicht des mutmaafslichen Per- 
scrfcldhcrrn, jedoch nur, bevor man sich erinnert, dafs der eine von den Führern 
bei Marathon, Artaphernes, ein jugendlicher Neffe des Dareios war**. Seinen Namen 
wird, nach Art der anderen historischen Denkmäler jener Zeit, das Bathron ge- 
nannt haben. 

Und mit dem marathonischen Siege wird unser Denkmal urkundlich ver- 
knüpft durch die Umschrift seiner Nachbildung: MIUTIAA^S KAi-OS, welche den be- 
rühmten Mann natürlich nicht als schönen jungen Cavalicr, sondern als sieggekrönten 
Fcldherm feiert*'. Beide Bildwerke mit ihrer fast bewundernden Darstellung des 
prächtigen Feindes sind beredte Zeugen der siegesfrohen Stimmung gleich nach 
der leichterkämpften Befreiung, von der Plutarch im Themistokles 3 sagt: r/t [ikv -,'äp 
äW.ot KEpaj cp'>v'ro loü TroXsiinu ty,v §v Map«l)tüvi itüv ßapßa'ptuv f^trav elvoti, 02[itat'>xX^c 3i 
dp/TjV [jLsiCöviuv aytüvcuv, während die jüngeren Pcrserbilder des Duris, der im Fliehen 
schiefsende Reiter'* sowohl als auch besonders der kläglich niedergeworfene Stan- 
dartenträger** eine spöttische, ja höhnische Auffassung verraten, eine natürliche Folge 
der schwereren Kämpfe gegen Xerxes. 

Kunstgeschichtlich wertvoll ist somit unsere Perserstatuc als eines der am 
genauesten datierten griechischen Bildwerke. Um so tiefer ist ihre trümmerhafte 
Erhaltung zu beklagen, welche zu stilistischer Vergleichung wenig Gelegenheit läfst 
Auch das, was noch am ehesten in gröfserem Zusammenhange zu betrachten wäre, 
die Pferd ebildung, möchte ich nicht weiter erörtern, bevor ich die oben mehrfach 
herangezogenen Statuetten der Akropolis'^ und andere uncdierte Bildwerke zur 
Vergleichung daneben stellen kann. Die nahe Ver\vandtschaft des Werkes mit der 
gleichzeitigen attischen Vasenmalerei dürfte zur Genüge betont worden sein. Sie 
wird Vielen ausreichend erscheinen, um auf attische Herkunft des Künstlers zu 
schliefsen, welche schon die politischen Verhältnisse der Zeit nahe zu legen scheinen. 
Doch möchte ich die Möglichkeit nicht unerwogen lassen, ihn unter den Aigineten 
zu suchen, deren Kunst ja mit den gleichzeitigen attischen Vasen auch Berührungen 
genug hat*'. Dafs trotz der Totfeindschaft der beiden Staaten die Hauptmeistcr 
der Insel, Kalon und Onatas, vor dem Perserbrand in Athen arbeiteten, haben In- 
schriftfunde der Akropolis gelehrt. Die Aigineten waren in dieser Zeit die ge- 
suchtesten Meister der Pferdebild nerei und auch die Standspuren der Onatas-Basis 
sind am leichtesten auf ein kleines Bronzcreiterchcn mit der Schrittstellung unseres 



*■'') Luwr, Jahrbuch III 1888 S. 141 r., vgl. Anra. 29. Jahrbuch II 1887 S. 164. In der Abbildung 

") IlL'Todot 6, 94 mit don Erklärcrn. S. 239 ist die Im^chrift weggelassen. 

*'■") Ähnlich habe ich das Lob des I'.in.iitios auf "'J Wiener V'orlegehl. VII Taf. 3 richtig gedeutet 

Vasen aus der Rolle erklürt, die ein M.inn die- von Lüwy 0. O. 

ses N.imens in der Schlacht bei Salamis spielte, '') Vgl. Kricderichs -Wolters S. 44; 49. 



Ferserpferdes zu deuten*'. Dafs der Paris des aiginctischen WcstgiebeU, auf c!csscn 
Gestaltung sicherlich, wie O. Mdller annahm, die persischen Schüteeo einwirkten, in 
der Plastik der nächste Ven*'andte unseres Reiters ist, wurde schon bemerkt Das 
hegt nicht allein in den Aufserlich keitcn der Tracht, welche im Einzelnen vielfach 
abweichen, sondern noch mehr in der lebendigen Art, wie das Kleid den Körper 
zeichnet; man vergleiche nur die linken Oberschenkel beider Statuen. Das Wich- 
tii^ste aber scheint mir die, soweit sich messen läfst, vollendete Übereinstimmung 
der Gröfecnverhältnissc des Persers" mit den aiginetischen Wcstgicbclfigurcn*'. 

Hier ist noch die Frage zu erörtern, ob unser Reiter allein stand, wie ihn 
der Teller wicdertobt, oder aber einer Gruj)i>c angehörte. Das ersterc mag denkbar 
sein, zumal wenn die Statue ein privates Weihgeschenk, ctu'a des Miltiadcs selbst 
war; aber wahrscheinlich ist es nicht, dafs man ein Bild des Feindes in heilerer 
Pracht und Ruhe der Göttin dargebracht habe, ohne durch den Zusammenliaog 
nnzudeulen, dafs er den von ihr beschützten Landeskindern unterlegen ist. An die 
unmittelbare Zugehörigkeit zu c-'iner Handlungsgruppe läfst, wie gesagt, die völlige 
Jk-ziehungslosigkeit der Gestalt nicht denken, wohl aber könnte sie einem der auch 
noch in der nächstfolgenden Zeit üblichen »Statuen vereine« angehört oder einen 
untätigen Statisten einer Handlungsgruppe abgegeben haben. Ein Beispiel der 
ersteren Art ist noch der Perserzchntcn der Athener in Delphi, die Gruppe des 
Pheidias, welche Miltiadcs mit Athens und Apollon sowie mit den Phylencponymen 
und anderen attischen Heroen auf einem Bathron vereinigte*". Für die zweite Mög- 
lichkeit dürfte das delphische Weihgeschenk der Tarentiner von Onatas und einem 
Genossen zu vergleichen sein: Krieger zu Fufs und zu Pferd angeordnet um die 
alte Kampfgruppe, die auch den Mittelpunkt der aiginetischen Tempelgicbcl bildet**; 
wenigstens dünkt es mich walirschcinlich, dafs die Reiter in diesem Werke nicht 
kämpfend sondern ruhig stehend, wie das vorhin envahnte Reitcrfigürchcn desselben 
Meisters ", dargestellt waren. 

Weitere Überreste dieser vielleicht recht umfangreichen Gruppe wcifs ich 
leider nicht nachzuweisen, sie wird uns fiir immer verloren sein, wie so manches, 
was wir von den Tiefen des Perserschuttes erwarten mochten. Nur ein Meisterwerk 
des reifsten Archaismus mochte ich hier noch erwähnen, weil es sich diesem Zu- 
sammenhange gegenständlich und kunstgeschtchtlich aufs schönste einfügen würde. 
Ich meine die herrliche Nike, von der bisher nur eine bescheidene Skizze auf der 
Tafel zu Petersens ausgezeichneter Untersuchung veröffentlicht ist**. Für die Gleich- 
artigkeit dieser Statue mit dem Perserrcitcr in Gröfse. Arbeit und Uemalung ist es 
ein elassisches Zeugnifs, dafs ihr, wie erwähnt, der Herausgeber den linken Fufs 



«•O c /. A. IV 3 a. 89. 373»». "K^T,^ %. 1887 

S.t45.3. Jofatbuch U 1S87 !3.M3,32, llf S.271 
fBortmann). 
••} leb Kcbc hiermit <l[c Alh. Mitth. Xt 18&6 S. 197 
um] Jaltfliuc-h 11 1887 S. 142 von Andctrn über- 
ntmimcnc Voraiitscuung auf, die aiginetischen 



Grappcn icien wcMittlich Mttr ab sie Btuim 

nngcscUt h«L 
>") Vikm. 10, 10, 1, vgl. S«wr, Auf. d. sut. Gruppe 

S. iSff. 
*') Paus. 10, 13, 10, Sauer a. O. S. 54^ »-elfelt 

wulil mit L'nrcckt »n der Kamp^^ppe: 



"J Aili. UiUh. \1 1S86 Tftf. lies. 38oir. 



Studniczkn, Ein Denkmal des Sieges bei Marathon. 249 

des letzteren zuwies. Stilistisch steht sie auf einer Stufe mit den eilenden Ge- 
stalten der ausgebildeten Malerei mit roten Figuren und ist nur wenig! älter als 
die Artemis von Pompcü, welche ich als Nachbildung des Tempelbildes von 
Menaichmos und Soidas aus dem ersten Drittel des fünften Jahrhunderts erwiesen 
zu haben glaube *^ So weist Alles auf die Perserzeit, in der man eine Nike 
nicht leicht auf etwas Anderes, als den grofsen Sieg zu beziehen geneigt sein 
wird. Und anderseits wird man in dem Weihgeschenk, aus dem uns der Reitertorso 
übrig blieb, einen Ausdruck der göttlichen Hilfe ' voraussetzen, welche gleich 
Aischylos und Pheidias noch die PerservasQ fromm und dankbar voranstellt. Das 
Alles reicht, ich gestehe es, nicht aus, um meine Vermutung über den Rang einer 
vielleicht ansprechenden Möglichkeit zu erheben. Möchte das weiteren Forschungen 
gelingen. In diesem Falle wäre dann der Gedanke an aiginetischen Ursprung des 
ganzen Denkmale neu zu erwägen und ich verhehle mir nicht, dafs er sich für die 
Nike auf den ersten Blick gar nicht empfiehlt, vielleicht aber nur defshalb, weil 
unsere Vorstellung von aiginetischen Frauengestalten allzu einseitig von der »hiera- 
tischen« Athcna des Westgiebels und den traditionell »chiotischen« Koren der Akro- 
tcrien bceinflufst ist, der gegenüber die Überreste der Promachos aus dem Ost- 
gicbcl und die mit ihr nahe verwandte Bronzestatuette der Akropolis** eine weit 
freiere Bewegung auch auf diesem Gebiete bezeugen. 

Gerasdorf bei Wiener- Neustadt. August 1891. 

Franz Studniczka. 



:'=J Köm. Mitih. Ill 1S88 a. 279; zugestimmt hat ") 'K!pT,(x. eip/. 1887 Taf. 7 S. 14.2fr. Vgl. auch was 
J-'urtwänyler, Olympia IV S, 21. Lange, Comp. d. Aegin. S. 93, 74 «1 einem un- 

cdicrtcn Bruchstück aus Acgina bemerkt. 



Jabrliuch dc> uchlolngiscb«)! liiMiluU VI. ig 



ZWEI SCHALENBILDER DES EPIKTET. 



(HWtu Taft:I 5.) 

Da mu^lichcns'cise die Zeit noch fcni ist, wo eine vollständige Sammlung 
der Werke dieses vielgenannten und doch bisher durch Abbildungen unter ailcn 
Vasenmalern am wenigsten bekannten Meisters vorliegt, dürfte es angemessen sein, 
wenigstens einige Zcicluiungen von Gefafscn de* Meisters, welche ich für meine 
demnächst erscheinenden »Griechischen Meisterschnlcn « anfertigeii licfs, die dort 
aber nicht zur Abbildung gelangen können, der allgemeinen KemUniis nicht läni^cr 
vorzuenthalteji '. 

Das eine dieser Gefafse (Taf. 5, 2) ist die bei Klein, Mcistersign. S. 10$ nr. 13 
aurgcnilirte Schale des Museo Torlonia in Trastevere-Kom, einst bei Aug. Castetlani 
(A///. 186S, S. 75), das andere (Taf. 5, 1] ist die von mir in den Köm. Milth. U S. 1C7 
beschriebene Schale aus riiniischem Kunsliiandel, welclie sich jetzt im archäol. Mu- 
seum zu lialtimorc bcHndct 

Hinsichtlich ihrer Form sind die beiden Schalen wesentlich von einander 
verschieden. Die Schale Turlonia zeigt bei 0,192 Durclunesser und 0,085 Höhe 
einen kurzen, gedrungenen Bau und dick^vulstigc I'ufsplatie, die Schale in Baltimore, 
bei einem Durchmesser von 0,328 und einer Höbe von 0,135, ^'"c weite, verhält- 
nifsmäfsig dünnwandige Wölbung und breiten, hohlen Gloekenfufs. Heide Formen 
sind spccicil dem Kreise Epiktcts eigen. Die Zeit des Euphronios und seiner Ge- 
noitscn gestaltet das Becken der Schale flacher, den KuCb schlanker, die Fufspl.iitc 
dUnncr, dos VerhaltnÜs der Thcile zum Ganzen harmonii»chcr. * 

Beide Schalen haben nur ein von schmalem, thongrundigcm Streifen um- 
rahmtes cinfigurigcs Innenbild. Bei Schalen kleinen Umfangs, wie die Schale bei 
Torlonia — die Abbildung gibt das Bild kaum um '/, \'erltlcincrl wieder — , bleibt 
das auch in der Blütliczeit die Rege). Eine ganze Reihe derartiger Gefarse läfet 
sich dem IMiintias zuweisen', auch spätere, mit I'anaitios n7>Ai bezeichnete Gefafse 
des Euphronios, wie die Schale der Sammlung van Branteghcm {abg. Klein, Lieb- 



') t>t« EHaubDiTi, iIk- in Pui» bcfiadlJcIicn Werte 
d« Ei>ikirt icicbncn >u lu«en, viitdc mir im 
Fmhjahr 1890 d»tcU»t £renitdlieh$c gcn-ihrt. 
l^am Ulcich« eilt ran dra TeUcrn EpiktvU bn 
BriL Uiucum. Da Ich jedoch In tBciocm Werke 
eise Trennung der EpiktetbchcD Gefifve von 
•Ich Schalen dvt BiQlltcuit des sltcngen rolfi- 
gnitseti Stiles votnehroe« uarsle, vericliob ich 
*) Naberet in neiDco 



vorlilufig die AuTiuüune >In Gctibc, hofh jedoch 
dietdbe b&Id in ToUem Cnifange wicdei aufoeh- 
meu lat^m m Iwnncn. — PDr die llrfchafTunit 
der Zeichnung der Bi>ikict-Schale im Mo-ro Tor- 
lonta bin ich llcittig and Häuser n gmbttm 
Danke verpfliditet, die Ztichmkag der Settale lu 
BoltÜDore wnrde aul Veranlusung de* HAi». I». 
tttrnis im J^bic 18S7 «an EicHIer «Dceferttcl. 
Cricch. MvittcrMihalen. 



lingsinschr. S. $7) und die Sclmlc in Baltimore (abg. Klein, Euphr. S. 278) schüren 
dieser Gruppe an. Es liegt das ganz richtige Gefbh! zu Grunde dafs man diese 
kleinen Gefafsc weder mit Figuren, nocli mit Uccoratioii allzu schwer belaüten dürfe'. 

Anders verhält es «ich bei Schalen von so grofsem Umfange wie die zweite 
unserer Epiktctschalen, deren Bild etwa um Vi« verkleinert werden mufstc. Die breite, 
schwarze Flaclie in der inneren Wandung, welche das Icicinc Bild im Schalcngnmde 
umrahmt und die ganze schwarz gefimiistc Aufscnseite geben der Schale etwas 
Düsteres und Leeres. Die Zaghartit^kcit, die grofscn Flächen entsprechend zu CilUcn, 
vcrrath sich hier deutlich. Die HÜfsmiltcl, die man sonst zur Füllung der Schalen- 
wände in dieser Zeit herbeizog, die grofscn Augen und Palmclten, waren dem Meister 
cntleidct oder begannen überhaupt zu verschwinden. Diese Schalen bilden dalier 
auch, so viel Ich sehe, eine zeitlich ganz beschränkte Übcr^aiinsgrup|>e. Ich erinnere 
mich nicht, in irgend einer Sammlung Gefafse dieser Art gesehen zu haben, welche 
ein in anderem als in Epifctetischcm Stile gezeichnetes Innenbild trügen *. 

Die Darstellung der Schale Torlonia ist leider durch den VerUtöt des Kopfes 
der Figur stark beeinträchtigt. Was an der Zeichnung echt und alt ist, i^icbt die 
Publikation sorgfältig wieder. Ein nackter Kphcbe balaiicirt auf dem erhobenen 
linken Knie einen mächtigen Krater; eines der bekanntesten Motive dieses Kreises, 
welches dem Bestreben, das Schalenruiid zu filllcn, dadurch, dafe die Divergenz der 
Extremitäten durch die Situation bedingt wird, in so glücklicher Weise entgegen 
kommt und das demnach »nicht von ungefähr« die Meister dic.<!cr Epoche zu immer 
neuen Wiederholungen anlockte. Auf den uns erhaltenen, bezeichneten Werken des 
Epiktct kommt «las Motiv im Schalcninncm noch mehrfach wieder (Klein, nr. [ l- 
nr. 18), häufig bei seinen engeren Genossen (Chachr>*lion, Berlin 2267, Epilyltos, 
Louvre, Klein, nr. 3, inoirjaev-Schale, Klein, nr. 3, Berlin 2265 u. 9. w.), aber auch 
Euphronios pflegt das Motiv noch eine Zeit lang weiter, so auf der mit Athene- 
dotos xiköi bezeichneten Schale in Krakau (Klein , Lieblings in sehr. S. 49. 5) und in 
besonders interessanter Weise im Innern der mit KPATES KAVOs signirten Schale 
des Mus(!c royal zu Brüssel H i; (Klein, 5.49)'- In der Isoltrthcit des Schalen- 
rundes zum Typus ausgebildet, werden derartige Figuren weiter ab Theile gröfserer 
Composilionen auf den Aufsenflächen der Schale verwendet. Figuren, welche Ge- 
fafse balanciren, gehören bald zum stehenden Personale der iinjtm oder der Sym- 
posicndarsteilungcn. (Epiktet, London S28, Klein, nr. 9. Leagros-Hpidromos-Sclialc 
des Chachiylion, Klein S. 132 nr. 10, Leagros- Schale des Euphronios in der Samm* 



*) Via eine Betnalun); der j\ur«cnitc)tcn dl»er klei- 
nen Schal«) mit Fit;utL-n auftritt, ivic i. FL 
MOncb«t] 272 oder Berlin 3370, bciOe» Gcßirt« 
aU9 Ettpluonio»' WerluUtt, hil man sofoft dra 
Eindruck des »Zuviel*. I>ic Mciiler babcn nicli 
in lolclien Ülnj^ mit grortcm Tuet mMm cor- 
rigirt. Schalen, wie <li« gctiannien, sind Au», 
nftlunen. 

') Beispiele fut i» jeder gTKfwrcn SammluDK: 



Bcflin 3266 rumpliaip«, 3367 Chachrylion, Mün- 
chen 1^9. 1093. 1165. 1174. IJ03- 1^21, Cnt. 
oclo, Afi*j. munuif<tU 1601 Schale mit dein 
ticlilagw^rlu irMjflt-i, abgcb. Rtfin. Mltth. 1890, 
a. J40. ünulngnc ». M. (Coli. Panckcuclce) nr. 14 
u. s. w. Mil Vorliebe sind SUenc im tnoern iliv«« 
Schalen dargestellt. 
*) Dcidc Gefürsc ncrdcn io den Grioch. Mei*lei> 
tchflIcD rerOfTcnllichL 

19* 



252 Hartwiß, Zwoi SchabubiMcT des Epiklet. 

lunj; van Brantcghem, abg. Klein, Lieblin^sinschr. S. 40, 13. u. s. w.)''. Mit der 
Vorliebe, mit welcher die Kpiktctisclic Zeit das Motiv pflcf^te, hat die Blütliczcit 
des strengen rotfigurjgen Stiles es nicht mehr verwendet. Allmählicli überlebte 
CS sich. 

Die Zeichnung der Figur der Schale Torlonia zeigt die saubere, subtile 
Weise des Vortrags, in welcher E]>iktct von keinem seiner Zeitgenossen, Chelis 
nicht ausgenommen, übertroffen wird. Aber hierin liegen auch die Grenzen seines 
Könnens. Die .Veröffentlichung der Serie von Tellern des Epiktct (Klein nr. 14 — 23) 
wird diese bis zur Erstarrung der Formen getriebene Corrccthcit seiner Zeichnung 
am deutlichsten offenbaren. Man beachte, wie, bei sauberster Ausführung, die 
Hände unserer Figur unlebendig geblieben sind, das Gleiche gilt von der Hand des 
Silens auf der zweiten hier veröffentlichten Schale des Meisters. Dazu vergleiche 
man I lande, wie sie Euphronios schon auf seinen frühen Werken (Geryoneusschale, 
Antäoskratcr) zu zeichnen verstand. Von dem Eebensstromc, welchen dieser Meister 
in die Vasenmalerei am Anfange des 5. Jahrhunderts hincinleitete, mit einem neuen 
Hlick für die perspectivische Ansicht der Dinge im Räume und für das Lebendige 
in der Erscheinung begabt, ist Epiktet im Wesentlichen unberührt geblieben, wie- 
wohl er höchstwahrscheinlich noch thätig war, als Euphronios sein Werk begann. 
Nur ein Symptom dieser neuen Zeit deutet sich auf unserem Gefäfsc und sonst 
noch hier und da in den Werken Epiktcts schüchtern an: die Einzeichnung der 
Muskulatur des Körpers mit verdünnter Firnifsfarbc. Zum Princip erliobcn und ent- 
schieden durchgebildet wurde dieses Verfahren, wodurch die körperliche Erscheinung 
so bedeutend an Relief und Modellirung gewinnt, erst durch Euphronios und seine 
Genossen'. 

Die Darstellung der zweiten Schale des Epiktct, welche unsere Tafel (1} 
wicdergiebt, ist in meinem Bericht in den Rom. Mitth. II S. [Ö7 falsch aufgefafst 
worden. 

Der Silen hebt nicht stehend die Spitzamphora empor, sondern liegt viel- 
mehr auf einer durch eine gebrochene Linie in starker Abbreviatur angedeuteten 
Kline. Das Kissen ruht ihm im Rücken. Er erhebt mit beiden Armen das mäch- 
tige Gefafs und stützt es mit dem Knie, um hineinzuschauen nach seinem Inhalte, 
beziehentlich, um daraus zu trinken. Die Darstellung erhält erst so ihre Abrundung 

'') Ein wiiitcFL's Bui^piul dieser Entwicklung bietet Mus. Gregor. II, 80, I, neun weitere Beispiele 

die Figur im Innern der Kpiktetschnle des Louvre geben die Figur, clienf.iUs im Zusammen hange 

Klein, Meistersign. 6: ein Kpliebe, welcher in mit anderen Figuren, mehr oder weniger ali- 

einc Oinochoe pifst. Diese Figur wiederholt weichend, 

sich sdir li.tufig auf der Aufsenseitc von Schalen •) Wo in den Abbildungen die Innenzeichnung an 
in figurenreicher Composition, besonders nahe Figuren dieser Fpocbc fehlt, ist entweder die 
verwandt ist die Figur der drofT^aev-Schalc in schlechte F,rhaltung der Obcrtläclie des Gefäfses 
Kopenhagen, Klein nr. 6 (Zeichnung in meinem oder mangelhafte Beobachtung des Zeiclmers 
Besitze) und auf der Schale des Gregoriano, schuld. Die Linien sind oft nur durch Spiege- 
lung gegen das Licht zu finden. 



Hartwig, Zwei Schnlenbüder des Epiktet. 



253 




und gewinnt an komischer Wirkung. Ihre Pointe liegt natürlich darin dafs der 
Silcn niclit aus Becher oder Kelche, sondern gleich aus dem »Fasse« trinkt". 

Einmal auf dieses Motiv aufmerksam 
geworden, fand ich eine Reihe von Parallelen, 
meist auf Vasen aus der nächsten Umgebung 
unseres Meisters und keine entschieden älter 
als unsere Darstellung, so dafs es wahrschein- 
lich ist, in Epiktet den Erfinder dieses Ein- 
falls zu erkennen. Sicher scheint mir dafs das 
Motiv fiir das Schalenrund, in welches es so 
knapp hineingepafst ist, erfunden wurde. Wie 
auch sonst nicht selten, ist die Umrahmung 
des Schaleninnenbildes hier in eigenthümlicher 
Weise materiell gedacht. Man hat den Ein- 
druck dafs sich das Kissen im Rücken des 
Silens einerseits und die Füfse andererseits 
gegen das Rund anstemmen*. 

Die engste Parallele zu der Schale Epiktets bietet die beistehend in Zink- 
druck abgebildete Schale des British Museum E 82 (91 W. T.), ein kleines, minder 
sorgfältiges Werk des Epiktetischen Kreises. An Stelle des Silens ist ein Jüngling 
beim Symposion getreten. Mit den geringen Varianten, welche eine, wie ich glaube, 
nur von Auge zu Auge fortgepflanzte Tradition der Motive innerhalb der griechi- 
schen Vasenmalerei mit sich bringt, zeigt die Schale alle wesentlichen Züge des 
Epiktetischen Bildes, Das Kissen ist weggeblieben. 

Ein zweites Beispiel dieses Motivs bietet die ebenfalls der Epiktctischcn 
Epoche angehörige Schale der Berliner Vascnsammlung nr. 2265. Die Abbildung 
ist nach einer Bause im Gerhard- 
schen Apparat Mappe XVI, 26 
hergestellt. 

Die Figur, ebenfalls ein 
Jüngling, ist hier auf eine der 
Aufsenseiten der Schale zwischen 
die grofsen, jener Zeit eigen- 
thümlichen Palmetten, die sich 
von den Henkeln aus weit über 
die Schalenwandung erstrecken, 
als Einzelfigur versetzt. Der 




**) Die Stellung der Bilder wird, rein üufserlich, 
schon dadurch jjesichert, dafs die Achse der 
Henkel fast bei allen griech. Schalen die Ilnupt- 
achse der Darstellung in rechtem oiler schiefem 



Winkel schneidet. Gan?, vereinzelte Ausnahmen 
bestätigen nur die Kegel. 
■') s. die Sosiasschale, Üenkm. I Taf. lo. — die 
Durisschalen \V, Bl. VH 3. und Arch. Ztg. 1883 



Inf. 3. I>ie Schale bei Schöne, Afuseo Bouhi II Taf. i u. s. w. 



JUn^lin^ filhrt einen grofsen Krater (Amphora a colonctte) an die Lippen, das Kissen 
im Rücken tritt hier wieder auf. 

Der Zusammenhanti mit (]t;m Motiv aus dem Schaleninnern ist ganz detit- 
lich, aber die Figur erscheint, ihrer Umrahmuug beraubt, weniger prägnant und 
halüos'". 

Innerhalb einer mchrfigurigcn Composition findet sich unser Motiv auf der 
Aufeenseitc einer von Helbig (Bull. iSSi S. 268) bescliriebciien Schale aus Orvieto: 
MÄrt iioMHa igmtäa sifiU per terra, col äorso appoggiato ad un ctre e beve tin un 
mtifora puntaUi, cht- r^gge eon amheduc Ic mani. Zwei Jünglinge, zu beiden Seiten 
der zechenden Frau, geben durch lebhafte Gesten ihr Vergnügen an dem Thun 
derselben zu erkennen. Der Reflex der komischen Wirkung, ivelclie das Motiv an 
sich hervorzubringen beabsichtigt, ist also hier durch Ncbcnügurun zum Ausdruck 
gebricht worden: da* Motiv hat die Darstellung einer Situation hervorgerufen. 

Auch diese Schale scheint epiktetischer Zeil anzugehören. lis spricht da- 
für: das tiinfigurige Innenbild eines Leierspielers, welcher zu gleicher Zeit ein Ge- 
t^fs balancirt, die Dreizahl der I'iguren auf den Aufsensciten und in Verbindung 
hiermit auch das derb obscönc Motiv der ajideren der beiden Aufscnseiten. 

Als Ver^vandtc zweiten Grades des epiktelischen SÜens haben einige Dar- 
stellungen von Silenen zu gelten, welche stehend eine grofsc Spilzamphora aufheben, 
um hinein zu schauen oder sich ihres Inhalts zu bemächtigen. Es sind dies zwei 
Schalen Kpiktctischcn Charakters in München 1302 und in Würzburg 343 und ein 
Rhyton bei Stackclbcrg, Graber der Hellenen Taf. 35 ■=- Zeitschrift für bildende 
Kunst III S. 164. welches der Mitte des 5. Jahrhunderts angehären dürfte, aber 
mügliclier weise auf Typen des beginnenden 5. Jahrhimderts zurückgreift". 

Auch Ober den Kreis der Vasenmalerei hinaus läfst sich das Motiv verfolgen. 
Auf einem Eleklronstaler von Kyzikos in der Sammlung zu Atlicn (Num. Chron. 
Scr. 11! vol. VII pl. n. 21. Grccnwell, EIcctr. Coinage of Cyzicus) findet sich ein 
nacli I. knicender Süen, welcher eine Spitzainphora in Augenhöhe emporhebt, wie 
CS scheint, um hinein zu blicken. Die Vcnvandtschaft mit dem Motiv der F.piktel- 
sclialc ist deutlich erkennbar. Bei der grofsen Menge attischer Typen, die sich auf 
den Elcktronstatern von Kyzikos finden, ist es möglich dafs auch hier eine Remi- 
niscenz an ein attische.*^ Vorbild vorliegt. Vielleicht haben geradezu, wie Hauser 
vermuthet, die Innenbildcr von Schalen, die aus Attika importirt wurden, <len 
Stempcischncidcm von Kyzikob für ihre ähnliche Aufgabe, ein Rund entsprechend 
zu füllen, Anregungen und Vorbilder gegeben. Das Slatcr von Kyzikos gehört dem 



**) Ein» •]«! inlcrrtianiutcD fi«t*p)elc fUr dir 
Cbcmagung ron ScbalenlnnenliiMcm auf G«- 
[tir*cn anilcrcr Furm bict«l tlic AmpliOTa ün 
Piuiipliaioh tia Ltnivre Klein, Mei>ict'>lj;n. 37 
(Zciclinuiii* iiu KOui. Init.-A|>pariiic;. Man vci- 
utiilJI bei ilcn Dtlilvrn dicM» Gcrftf^i, tilinücli 
ivl« bei (Iciit obijfcn Iteispldv, );ci&*lczu dJc Uui- 
rahtniing de« Scttalcnmnil«. 



") Ein «u» etiwni SchUucb trinkender äilen; <WW, 
itr. 559 Im Innern einer r. X. Schale. V^l. ducb 
die beiden aUH einem Schlnnclif und einer Spit«- 
amphoin tun die VVctle trinkcadcn üilcnc hei 
MuUei-WioicIi-T II Taf. XI, 47S uach >ÜUin, 
ftittt. %U Vtuti II 65. Iloct) vA dcf Abl>ildun|[ 
i;c|jciiUUi;r Vorikbl gcl>oici). 



fünften Jahrhundert an, vielleicht, seinen etwas schweren Formen nach, eher der 
ersten als der zweiten Mälftc desselben. 

I*;twx<i anders behandeln Münzen von Tcrone in Makedonien unser Motiv 
(Cataloguc of the Grcek coins in the ]trit. Mus. S. 108.9. Imhoof- Blumer, Mon- 
naicü CrrcGqucs pL C. 23"). Ein Silcn, in halbkniccnder Stellung, blickt in eine 
absichtlich sehr grofs gcbiUk-tc Üinochoe hinein; U sUtHC sanbU ein- accourn pottr 
boire du conu-nu cu pour s 'assurer, s 'if y a cHCore du viu et quellt en est la qualili 
(Imhoof- Blumer a. a. O.). 

Die Verwandtschaft dieser kleinen Gruppe von Darstellungen beweist, dafs 
selbst ein an sich unbedeutendes Motiv in der auf Tradition beruhenden hellenischen 
Kunst nicht in einmaliger Darstellung erschöpft war, sondern dafs es zur Nachah- 
mung, zur Weiterbildung anregte, wenn man es nur cinigermaaCsen glücklich erfafst 
halle. Stilistisch ist der Silcn der Schale in üaltimorc eine der am meisten ent- 
wickelten I^tstungcn des Kpiktet. Im Gegensätze zu der Zierlichkeit und Magerkeit 
sicincr sonstigen Figuren (besonders aufTallig im Innenbilde der Schale London 82j; 
Jüngling und tanzende Krotalistria), zeichnet diese Figur eine gewisse relative Gröfee 
und Fülle aus. Das als ein Merkmal JÜpiktctischer Kunstweisc geltende Mifsver- 
liältnifs zwischen den übemiäfsig breiten Oberschenkeln und den dünnen Waden 
erscheint mehr ausgeglichen. Selbst die Factur des Striches ist derber und breiter, 
als sie auf Werken des Meisters sonst zu sein pflegL Eine Angabc der Muskulatur, 
wie wir sie in bescheidener Weise an der Figur der Schale bei Torlonia auftreten 
sahen, fehlt hier gänzlich, <loch bemerke ich ausdrücklich dafs die Obcrllächc des 
Gefäfses nicht mehr ganz unverletzt ist'*. Vorzeichnung mit einem sium])fcn Griffel 
ist an mehreren Stellen mit Sicherheit festzustellen. Die Masse der Haare ist 
durch die Kitzlinie von dem schwarzen Grunde losgelöst, eine technische Eigen- 
thümlichkcit, die zwar auf den frühesten rotfigurigcn Gefafscn überwiegend ist, die 
aber trotzdem nicht als ein ausschliefsliches Kennzeichen dieser Epoche zu gelten 
hat. Neben der Ritzlinic kommt auch im EpiktcUschcn Kreise die Umgrenzung 
des !-!aarconturs durch einen ausgesparten, thongnindigen Streifen in zahlreichen 
Fällen vor und andrerseits tritt der geritzte Haarcontur bisweilen an GcPafsen des 
völlig entwickelten strengen Stiles auf. Die personliche Gepflogenheit der einzelnen 
Meister kommt hierbei mit in Frage'*. 

Das übermächtig entwickehc, bis tief in den Rücken herabreichende Kopf- 
haar des Silcns, mit den wie küusthch gedrehten Lockenenden, legt den Gedanken 
nahe, dafs hier die Pcrriicke der als Silcne verkleideten Lustigmachcr bei den 
alten, attischen Dtonysosfcstspielen das Modell Rir die Frisur des Silcns geliefert 
habe. Die Haartracht der -Silcne in der griechischen Vasenmalerei hat auch ihre 
eigene Geschichte. Die mächtigen Schöpfe haben nur ihre beschränkte Dauer in 



'^ Im bvaclitcn ia|, wir d«T Silrn. ähnlich wie auf **} Die mciMcn der von mir untcniKliten TcUcr 
den VaienbiMeiD, mit <]cm Fubc sich eescn dce Epjlctel haben keine Innen lieichnung bei 

d» nuUvtiell gcdachle Maninind uD^tcmmi. wohlcrhalicm-r Kpidcrnils. 

■*) Nühcrvs in den GtJech. Mvi»ieitcbalcn. 



2^0 H«rtwig, Zwei Schalen liild« des Epiktet. 



iU:m Kreise l^piktctu und in den frühen Werken der folgenden Epoche, Die Glatze 
»Irr Siltrne iiuf den reifen Werken des Euphronios und seiner Genossen erscheint 
wie «'in',- Keaclion ^ej^en das «Zuvieh' der Perrücke. Dann werden die Haare aber 
auch im Niieken i^ekürzt, in einzelne Ix)cken aufgelöst oder in allen den modischen 
VariJinti-n aufgebunden und geflochten, wie sie die Athener des beginnenden 5. Jahr- 
hiindi-rlB helbiit zu tragen pflegten. Man vergleiche hierfür Vasenbilder wie den 
Sileiiphykter des JJuris in London {W. Bl. VI 4); weitere interessante Beispiele 
dieser Art zeigt ein Thiasos des Brygos im Cabinet des mcdailles zu Paris und das 
vini |'"utlwängler in <]er Arch. Zeitung i88l S. 342 beschriebene Schalcnfragment 
hei I.nrd Northampton in Castle Ashby, welche beide in den »Griechischen Mcister- 
Hchidenv veröffentlicht werden. 

Auch die Wiedergabe des Pferd eschweifcs an dem Silen der Schale des 
l'^piktct zeigt ilirc Kigenthümlichkeiten, Nur der Ansatz des Schwanzes ist thon- 
^rundig iiuügespart. Der Wedel ist mit roter Farbe sehr flüssig aufgemalt. Die 
I,ntid(tiier Schale des Meisters IC 65 {Klein, Meistersign. nr. 12), ein knieender Silen 
welcher i;ineri Schlauch gufafst halt, zeigt genau tlicselbe, auf einen ganz kurzen 
/eilriMirn lieHclirnnklc Kigenthümlichkcit. Es ist eine neue Nuance der von Klein 
(l'.uplir. S. 2H1) beobachteten Entwicklung der Zeichnung des Pferdeschweifes der 
Silriir in der Uehergangsperiodc von der schwarzfigurigen in die rotfigurige Tech- 
nik '*. Mim niufs die l,(i.4itng ICjJtktets im Gnmde lebendiger und glücklicher nennen, 
iiIh die ronipiiclen, mir an den Rändern ausgefranztcn Schweife der Silcne, wie sie 
v<in I'.itphntiiins iin die Regel in der rotfigurigcn Vasenmalerei werden. 

NU'lil recht xu helfen wufstc sich der Meister bei der Darstellung des von 
tWr kliiie herahhüiigetiden Schweifes des Silens. Hätte er eine nur einigermaafsen 
richlli.;e Wiedergabe desselben versuchen wollen, so war eine perspectivisclie 
Diuntelhing des sfhräg nach vonvärts gewendeten Schweifes nicht zu umgehen, 
uht'r ftlr diT.irtige Heobaehtungen fehlten dem Meister sowohl der Sinn als die 
KWirte. Aulsenteni war der Sehweif, so wie ihn Epiktet hier darstellte, zur Füllung 
di'i l.ei'iv unter tler KUne vortrelTlich geeignet. Bei ähnlichen gelagerten Figuren 
im Ituiern von Seliali'U, wie t B. auf iler Chachrylion-Schalc bei Schöne, Mus. Boc- 
chi II 4 KU'in, Ivuphr. S. 1 1_^, oiler auf der mit Chairias xaz-ö; bezeichneten Schale 
^des l'hin^t.l^^ Mus. Boeehi \*ll, .; -- Klein, Euphr. S. 30S, erfüllt ein herabhängender 
/ipfei des ^;e\^.\u^le^ denseltu'n Zweck wie der Schwanz des Silens auf der Schale 
lies l'"piktel. 

iVi Silen dkl Si'li.ile des l'"pikU'l in Baltimore drängt zu einem Vergleiche 
mit .xlmhilun tiesi.ilten tles l-'uphrimios hin, wie deren bei Klein, Euphr. S. ^78 — So 



'■• s .. H. >l>-n NiKii .it" ^>UlMl>lKI .uit tlitii i.itl<i);\-u IV J' iiii.i .»iir .ior Schalo i!e> Ch.u-lirylii'n in 

N.'il .1.- \,»f,,t-, -■ ..■ .. i'l, l\. wi'Kfn- kWiH ^.tHih ,1-.;; lU'i'.i l\rii-t :;u ,'..v;t,.' .r.v ,1-, ,;..■.■.'.'.■.-■ in 

t..ii \,'U,tu K>.M< .Ktii .\ti>l>>t.itli > •itwiiti, Aiil r.tU'k. KU':» 17. M'.'.I-.ct-GiTxuJ.cn Tard 56: rot 

,1,) >.ii*lv .Iv i*li.'> ... li.il.ii -i'.v) W r.! ;u!.,k.-.i";. 



Hartwig, Zwei Schalenbüder des Gpiktet. 



257 



zusammengestellt sind. Leider ist nur die Schale bei Bourguignon in Neapel mit 
dem Namen des Leagros und des Athcnodotos bisher genügend publizirt {Arch. 
Ztg. 1885 Taf. 10) '^ Aber gerade der Vergleich dieser beiden Vasenbilder ist im 
höchsten Maafse geeignet, den Abstand zweier Kunstweisen, wie er zwischen 
Epiktet und Euphronios besteht, in hellstem Lichte zu zeigen. Die innere Belebung 
des Kopfes, die fast übermächtig aus der Figur des Euphronios sich herausdrängt, 
und das fast in jeder Linie ausgedrückte Gefühl für eine plastische, perspectivische 
Ansicht der im Räume sich bewegenden körperlichen Erscheinung: das sind, im 
Gegensatze zu der sauber umrissenen, aber leblosen Silhouette der Epiktetischen 
Darstellung, Fortschritte, die für die innere Entwicklung der darstellenden Kunst 
einen tieferen Abschnitt bilden, als der rein äufserliche Wechsel der schwarzfiguri- 
gen und der rotfigurigen Technik, als deren Erfinder Epiktet, allem Anscheine nach 
zu gelten hat und in deren erster, formeller Ausbildung das Hauptverdienst dieses 
Meisters beruhen wird. 

Stuttgart. P. Hartwig. 



'*) Von (itr Schale aus Chiusi {Mus. Chius. I 4,8) 
gtben die Griechischen Meisterschalen eine neue 
Abbildung. Die Schale bei Klein S. 280 bleibt 



verschollen. Dagegen enibült das genannte Werk 
eine Reihe neuer Euphronischer Silendarstel- 
lungen. 



f^ 



EIN OPFERBETRUG DES HERMES 

Die Vorlage des liJcmcbcnfit^ enden ZinIcHrucks ist mit freundlicher Geneh- 
migung des Verfassers einem liuch entlehnt, Hessen nahe bevorstehendes Erscheinen 
besonders der Vasenforschimg willkommen sein wird, dem vom Custos Dr. Karl Masner 

abi^cfafstcn Kataloge der an- 
tiken Vasen und Terracotten 
im k. k. Österreichischen Mu- 
seum für Kunst und Industrie'. 
Neben dem j^ewisscnhaften 
Flcifs und dem besonnenen 
Urteile, mit dem die Gcgen- 
siändi: beschrieben und. im 
Anschlufs an <iic neuesten 
Untersuchungen , besonders 
natürlich an Kurtwänijlcr's 
Vasunkatal«^, classificicrt wer- 
den, tritt als ein noch ungc- 
wijhnliches Verdienst dieses 
Verzeichnisses der Reichtum 
an Abbildungen hervor, an 
Tcxtbildern sowohl als auch 
an Lichtdrucklafeh), welche 
die Gefafsbilder mit beson- 
derem Geschick von den störenden Reffexen frei hallen. Die so bekannt gemachte 
Vasensammlung ist trotz ihres bescheidenen Umfangs ungewölmlich vielseitig und 
reich an hervorragenden Sttickcn. Hinige davon, wie die herrlichen DurisSchalen 
oder die Kotyle mit Hektor's Lösung, sind längst genügend bekannt, die Mehrzahl 
aber sind Inedita oder wenigstens in ihrer wichtigen Gesammterschcinung hier zum 
ersten Male bekannt gemacht. Um nur Einiges hervorzuheben: Tafel 11 gibt die 
prächtige Busirisvasc und die andere, unpublicierte cärctancr Hydria des Museums 
mit der merkwürdigen Rückführung des Hcphaistos, Tafel III ein Ucispiel der kleinen 
chalkidischen Amphoren mit reichem Falmetten-Lolos-Gcwinde {219) und ein be- 
zeichnendes Stück der von DUmmler in den Römischen Mitteilungen II eingcnihrtcn 
Classc (218), Tafel V einen Dinos mit tanzenden Silencn, welcher der im Jahrbuch V 
S. t42f. vorläufig besprochenen, gleichfalls tonischen Gattimg angehört (215). Von 



*) Wribrend des Onictts erschienen; s. Ulbliogrnphic. 



den Tcxtbildem sei nur die dem rJikosÜienes nächststellende Amphora mit Dikc 
und Adikia erwähnt (S- 39, n. 319). 

Die hier, mit einigen Corrccturen in Verkleinerung auf */> wiederholte Zeich- 
nung stellt den einzigen Schmnck von Nr. 321 dar, einer in Caere gefundenen 
Kylix des Epiktetischeii Kreises*, deren Form hier- 
ncbcn wiedergegeben ist. Die Schale ist noch ziem- 
lich tief, der Kufs niedrig. Aus dem Firnifsüherzug 
ausgespart sind: die Innenseiten der Henkel und die 
Vierecke zwischen ihren Ansätzen, die Furchen, welche den kleinen Wulst unten 
am Stiel bcgränzcn, der Wulst und der den Boden berührende breite Rand der 
Fufsplatte, deren trichterfürmige Hahlung wieder gefimifsl ist und ein eingeritztes 
i zeigt. Das von einem gruiidfarbij^cn Reif umschlossene Innenbild hat den Iialben 
Durchmesser der Schale. Alledem entsprechend ist der Stil der Zeichnung der 
strenge aber völlig entwickelte der Vascnmaler kleisthenischcr Zeit. Uic Haar- 
grenzc ist sclion ausgespart, das Auge aber noch nicht in's Profil gestellt. Die 
Form des Hutes gemahnt noch an schwarze Fiyiircn. Wa* die Abbildung mii 
yrauem Ton wiedergibt ist mit verdünntem Firnifs gemalt, nur die HlutÜecken des 
Altars mit roter Farbe. Von Interesse ist die stumpf eingeritzte, noch unsicher 
tat;(endu Vorzeichnung. Sic zeigt, dafs der Maler vor dem ausgeftJlirten Bild ein 
anderes in diametral cntgegengeselKter Richtung ikhz'icrl hatte; links von der 
Hauptfigur erkennt man noch ein ausschreitendes schlankes Bein und in dem 
schwarzen "riere den Contur des zugehörigen Obcrkörj>crs. 

Der dargestellte Gegenstand ist nicht so einfach, wie ihn die einzige bisherige 
Beschreibung aunafste': Hermes der ein grofses schwarzes Schwein zum Opferaltar 
heranführt. Zwar die Benennung der männlichen Figur ist in dieser Zeit durch die 
Flügclschuhe gesichert*, und das rechts im Felde hängende Badegerät, Aryballos, 
Schwamm und Stiengis, mag, wenn es nicht ganz bedeutungsloses Fiillstück ist, an 
den Gott der Palästra erinnern, dessen ungcwühnliche Verhüllung mit dem Mantel, 
an den langen Chiton ähcrer Hcrmcsbildcr erinnernd, sich aus der priesteriiclien 
Function erklären wird. Wie die Herolde Homers erscheint Hermes auch sonst bei 
Opfeni beschäftigt *. Ubierend zeigt ihn die ungefähr gleichzeitige Schale des 
Hcrmaios" sowie eine nahe ver^vandte im Museo IJocchi', in einer wenig jüngeren 
Terracfttafigiir aus Thcspiac trägt er auf den Schultern einen Ziegenbock zum 
Altar*, und auf einem lucanischen Glockenkrater (lilirt er gar ein Schwein, doch 
wohl als Opfertier, dem Herakles zu*. In unserem Fall aber ist das Tier kein 



') VgL Ftutwinsicr'» Vtacnkaulos S. Si7fl'. (Scha- 

Icnforin la}, 
*) Btuan, ßuff. d. tmt. 1865 S. 219. 
') Scbcrcf in Ro*chcr\ Lcs. <l. MyÜi. I S. 3400; 

nir die »iiete Zeit v|{l. Jahib. V 1S90 jj. 144. 
*) Schvter o. U. 19.0403^. 



•) äiiktiram.m Taf. 73. v^. Klein, MciMer*it;n.> 

S. 115. 
^) Schöne Nr. 156, Taf. 11,4. 
"J Celt. Eug. Pi0t 1890 Nr. J49 (Flöhncr). 
*} Burliti Nr. 5187 Fw., Ccriiard, Ant. Bildw- Til. 

&6, I. S. 336. 



26o 



Mudniciin, F-^in t.»|>rur)>ctiug iUi> Mcrtncs. 



gewöhnlichem Schwein und gerade darin liegt* das besondere heitere Interesse des 
Bildchens. 

Wer sich der unfehlbaren Naturwahrheit erinnert, mit der die antike Kunst, 
von den ältesten Tierstreifen und Eberjagden an bis zu den römischen Suovctau- 
rilten, also natürlich auch in der meisterhaften Tierbildnerei des entwickelten Ar- 
chaismu-i, wie in den Werken der liuphronlos oder Dnris '", die bezeichnenden Eigen- 
tümlichkeiten des Borstenviehs, zumai die schlanken Hufe und das Ringelschwänzclien 
wiederzugeben wcifs, der wird bei etwas sctiärrcrem Zusehen erkennen, dafs dieses 
»Schwein« deutlich Klauen und Schwanz eines Hundes hat. Man vergleiche nur das 
bei Gerhard absjebildcle Schalenbild mit der Inschrift ' Kitt'Sp'iii'K xoi^-, wo ein Hund 
in ähnlicher Bewegung auf die Kreislinie gestellt ist". Dieses Formengemisch für 
ein Erzeugnifs der Pfuscherei seu halten verbietet die Güte der Zeichnung und die 
augenfällige Bemalung. Kein Zweifel, es ist ein als Schwein vermummter Hund, 
dessen Maske durch die dunkle Färbung des Rumpfes mit dem fransenartigen Saum 
und durch die schcmatischc Zeichnung des mit verdünntem Fimifs gemaUen Kopfes 
so deutlich als möglich von den Hundebeinen abgegrenzt Ist. Das Bedenken, es 
könnte in der Larve der Kopf eines so grofscn Hundes nicht Raum finden, wider- 
legt ein Blick auf den gewöhnlichen Hundetypus der rotfigurigcn und auch schon 
der früheren Vasenmalerei mit dem kleinen Kopf und der spitzen Scimauze. 

Es ist also ein lus-tigcr Betrug, den der Erzschelm unter den Göttern, unver- 
kennbar pfiffig dreinschauend, mit Hilfe des gelehrigsten Haustiers, das ihm auch 
sonst nahe steht, bei einem Opfer verübt. Welcher Gottheit es gilt verrät uns der 
Maler nicht. Aus dem erwälinten spat unten talischcn Vascnbildc Herakles dafür 
einzusetzen wird wohl Niemandem einfallen. Vielmehr lag es für den alten Athener 
am nächsten, bei einem Schweincopfer an den clcusinischcn Cultus zu denken, 
zumal da Hermes der Ahnherr des Mysterienherolds war, welcher wahrscheinlich, 
nach Art der homerischen Kciykcs, auch als [lo'isifo; fungierte ". Im Altgemeinen 
reiht sich der Gegenstand den Legenden von den Betrügereien an, welche Hermes 
an Göttern verübt. Auch der alte M>thos vom Opferbetrug des Prometheus enthält 
den Keim zu einer solchen Schnurre, welchen das Satyrspiel des Aischylos nicht 
ungenutzt gelassen haben wird. Die Bühne ist ja überhaupt der wahre Tummelplatz 
dieser Parodie und man wird kaum zAveifeln, dafs sie <las unmittelbare Vorbild 
unserer Schale darbot, sei es im Satyrdrama, dessen Einflufs auf die Vasfl^malcrci 
bekannte Meisterwerke verkünden, sei es in der ältesten Komödie. Aus der Blüte- 
zeit des crstcren sind hier vielleicht die Keiykes des Aischylos 2U erwähnen, wenn 



*") ^S'- ^^i Kuphionioi das Schildfcichen de« Gv 
rynncu« und den rryinanlliiachcn £b«f, Wieocr 
VoflegBbl. V Tat 3 und 7, Klein, Enphr.» 
S. 54. S9, bei Duiis ilic kroiiuikyoniichc Sau, 
GcTbanl A. V. m Taf. 334. VorlcKebl. VI Tat. 3 
In tltt Mannorplulik das Wvibrcllcf an Alhi-na 



't^^ijt^ ip-l- t886 T1C9, Brunn, Dtokm. gr., 
löni. Scul|)iur Lief. IV Ni. 17. 
•') Ccrhaid -V. V. IV Taf. 376, 5, Panofka. Eigra- 
n■ml^n mit %a).6t Tat 1,7. Zur kuo»lc»ckicbl- 
lieb«! SicUuiiK der Epi(boino»va*en v^L KleJo, 
l.lL'tilin^stnM:ltr. S. 45. 



'■} TöpHer, All. Gcucaloj;. S, 81 ff. 9I. 



Siutlnicuka. Ein OpfofSctnjg de* ilcmici. 



2ÖI 



ihr Titel, was mir wohl möglich scheint, das Priestci^cschlccht bezeichnet". Dafs 
die entwickelte Komödie auch den cleusinrschen Cultus in ihre Kreise 20g ist be- 
kannt, z.B. aus Aristophanc5]^J?röschen und den Mystcn des Phrynichos". Und 
»chon aus l£[>icharni, auf den Dümmlcr neulich [gleichzeitige attische Vasenbildcr 
zurtickzuRihrcn versucht hat'*, ist eine Situation überliefert, aus der sich eine der 
unserigen ähnliche leicht entwickeln konnte. Im 'U^'jsaib; airA^ttukm sprach atlem 
Anscheine nach ein Troer, etwa Antenor, folgende Verse": 

■mU *FJ^onvmi 'fjWciswv 3«i(»o>iw; ärw^effa 

■pii; ^Ayxmoi'* Tip'iöiöojistv i' wfivus p.; tov ^s).'f'3ni. 
Ein Jiuf rätselhafte Weise verschwundenes Mystcricnscliwein zu ersetzen könnte ein 
Schlaukopf der Hiihne sehr woht auf eine solche Maskerade verfallen. 

Und dafs Ticmiasken dem antiken Theater nicht fremd waren, daRir bietet 
Aristophancs ein dem unseriiien recht nahe kommendes Heispicl. In den Acharnem 
bringt der Megarer seine kleinen Mädchen mit Hufen, Rüssel und saxiw; verkleidet, 
als Mysterien ferkel auf den Markt des Dikaiopolis". Wenn er das gleich Anfanjjs 
als Mr,'!E()txä xt; \iiy7.vfi einfuhrt, so wird es, nach dem sonstigen Sprachgebrauchc 
der Komödie '*, schon ein alter Scherz gewesen sein. In einen ähnlichen Zusammen- 
hang könnte auch ein Vers aus den Ar^fiot des Pherekrates gehören; äx oi/t iriUTl 
püf/o; d^yySn iaO' ök. — Kndlich ist auch das Aufbrctcn von Hunden auf der 
Itühnc nicht unerhört. Wenigstens scheint es mir kaum zweifelhaft, dafs die beiden 
politischen Köter Küiov K'AithfVmti; und Aa'^/,; Ai£atv£-j;, deren Kcchtsstreit dem 
Philokieon die Langeweile seiner unfreiwilligen Gerichtsferien vertreiben hilft, dres- 
sierte Hunde waren; wären es, wie die Wespen und Vögel, maskierte Menschen, 
dann hätten sie sicher mehr zu sagen als aö, aS '*. 

Ich hoffe, dafs es den Kennern der Litteratur und der Denkmäler des 
Bühnenwesens gelingen werde, mehr zur Deutung des lehrreichen und heiteren 
Bildchens beizubringen. Dcfshalb wollte ich wirksamer darauf aufmerksam machen, 
als CS durch meine kurze Notiz, welche Masner seiner Beschreibung beigefügt hat, 
geschehen diirfte. 

Nachschrift: Die Drucke orrcctur bietet mir Gelegeulieit , auf eine mir 
durch O, Hense's Freundlichkeit nachträglich bekannt gewordene Stelle hinziiweiacu, 
die, wenn heil überliefert, unzweifelhaft auf einen, dem auf der Sehale dargestellten 



■>) NaucIc* S. 3& 

") Kock I S.3S0. 

■^ Bonn» Studien Ü.iiff. Ob sich Hi« ChroDol»- 
gic Ae* Uichtcr« mit Jer dci V:ucn vcTcinigcn 
\i(f\. wiril nucli zu uiitmuL-lii-n sein. 

■*) Alltcn. 9, 374«, [.on-nx, Eptcb. S. 147. Uhtr 
(Im StUckTg). Gompen, Mitlh. Papyr. Riüiicr V 
(Eia gr, KoinO<Iicnbmchslllck in dor. Mundaii) 



utui DiUninlcT *. O. LcUtcrcr hat mich auf die 

SicUr aubikeiluain gcmncbt. 

Ver* 738ff. BglL 

Z. B. Wcipcn 57 K, Eupolis Kock [ S. 333, 

244, vkI. V. Wilninowi», Itcrmc« IX S. 326 ff. 

Chrisi, Gr. Lit. in 1. von MoUcra Handbuch 

VII 8. 213. 

Aristoph. Wcipen 835 ff. DkV, 



'jlfyi 'f>iv/SMf,x)(*, VÄsi ( tyfcf'nKtiug de* Henne*, 



ht^hf ftiiuli'jK« y'try,iifiy, zurlicltjjchcn dürfte. Sie steht^ wo ich sie nicht suchte, bei 
/«■ii'/bi'rt uwi umU:r':t\ l';ir''imiojjnii)hcn": 'Avri xfix'.-!* xuvö; iv äratTsT;- §^. imv xi/.a 
^i»?' ^/ /v/Ay 'ir.V'.v/r/'.mv; Htatt (Ich letzteren Wortes hat Diogenian «vTaT7>v.5övT«iv, 
w»» «Mcn aM'l*;i'*^M, der Situation im Vasenbildc besser entsprechenden Wortlaut 
d<'» S)»MJrIi» vorJUiHZiiwt/xii «cheincn könnte. Aber der ganze Wert desselben fiir 
imni'ii'U 0''t;riitlfnul wird in l''r;ige (gestellt <lurch die kritischen Bedenken gegen 
a*'(i|('M Worthiii), nhcr die mich f). Crtisius gütig belehrt hat. »Der Spruch ist nicht 
ln'j /,rrii«lj|i(ti iHicrliflrrl, hondern utanimt vermutlich aus der anonymen Sammlung, 
dU' Itt'l MilliT UM letzter Slclle »teht, aber leider stark verstümmelt ist''. Die im 
l'dliniiiun lies Hum-naiinlen Zeiiobif)», der ganz heterogene Sammlungen umfafst, und 
In di'iii nur eine üelilcclite «Zcnobios« -Handschrift repräsentierenden Pseudo-Dio- 
Heiiluri (— (ire^juriiiH CypriuH) erhaltene Form des Spruches ist in älteren besseren 
nuellrii dIi'IiI ruit'liweiHliar. Ich liabe aus verschiedenen Gründen oiv für uv einge- 
netKl itrid fluni t\nn v<in NiUick vorweggenommen "^ Zu Grunde liegt der Spruch: 
t'( *'t*hv ttiivKi tili 'iiti^iftiv und jene andere Form ist wohl nur Corruptel durch 
ItiU'ipiUuii*", Ob an tliescin Urteile das Vasenbild etwas andern kann, mufs ich den 
Siu'hvi'r»l('ltidli{en luiheimgeben. 

tIeriiKdorf bei Wiener-Neustadt, 14. August 1891. 

Franz Studniczka. 



<*> fvM»<*v », isxv l>i.vtf»-n, 1, Sil \»\>\ .lic in tU-r »'> .V,-Mttj,vs Jt litt <Sr. lS6S S. 376 ff. 

tt>.>tlm);v-t Au^tjK' «nwu' vnn NaiioV (.\nni, a) »*} .IA7.m«a'*'^ O.v.ti'«*. V S. 346 (aus Äw//. </. Aiiiii. 
As^viiiSiIvtt Su-U,H, .(V .* t^irrth, XXX. 1SS6 S. 127 ff.). 



zu DEN VASEN AUS KAMEIROS 



Die jünyst in den Allienischcn Mittheilungcii XVI S. 107 — 118 von Sciivanov 
bekannt gemachten rhodischcn Inschriften fordern dazu auf, die Akten für die Ge- 
schichte des rhodischcn Alphabets einer erneuten Prüfung «u unterMerfeu, obwohl 
sie lediglich bestätigen, was schon aus den bisher bekannten Daten «ii erschliefsen 
war. Kine genauere Datieiunj^ dieser neuen Inschriften ist nicht möglich, doch 
lassen weder die Buchstabenformen noch die zu denselben Gräbern gehörigen 
Tcrracotten (S. (09) es räthtich erscheinen, sie unter das BCchKle Jahrhundert hcrab- 
surückcn, bei der frühen Culturcntivicklung der Insel brauchen sie nicht einmal den 
letzten Jahrzehnten dieses Jahrhundurls anzugehören. Die Schrift der Steine stimmt 
im wesentlichen überein mit den bisher bekannten Graffiti von Gefäfsen au!s der 
Nekropolc von Kamciros yaurnal of Helt. strid. VI S. 371 ff. I. G. A. 473', nur dafs 
diese bereits ct\vas jüngere Buchstaben formen zeigen (H statt B). und stimmt in den 
wesentlichen Punkten auch mit dem Alphabet von Gcta und Akragas überein; alle 
diese Denkmäler gehören zur westlichen Alphabetgruppc. Es ist mir danach durch- 
aus wahrecheiniich, dafs dies Alphabet in Rhodos von der Rcccptlon der Schrift 
überhaupt bis zur Annahme des ionischen A1i>habcts, welche im V. Jahrhundert 
erfolgt sein wird', geherrscht hat. Die Gründe, aus welchen Kirchhoff, Alphabet' 
S. 47ff., eine verwickeltere Geschichte des rhodischen Alphabets construicrt, scheinen 
mir nicht durchschlagend. Er folgert aus den Söldncrinschriflcn von Abu Simbcl, 
auf welchen auch lalysier erscheinen, dafs gc|;en Ol. 40 auf Rhodos bereits das 
ionische Alphabet in Gebrauch gewesen sei. Wenn dies richtig wäre, so würde 
schwer verstand Hell sein, warum die Rhodier später noch einmal ein unzweckniäfsi- 
gcrcs Alphabet sich angeeignet hätten. Aber es steht ja gar nicht fest, dafs jene 
Söldner die Schrill aus ihrer Heimat mitbrachten, dafs sie nicht erst beim Militär 
schreiben lernten, oder sich der bei dem internationalen Corps offieicll anerkannten 
Schrill bedienten. Für die Schreibweise auf Rhodos selbst folgt meines Erachtens 
aus jenen Inschriflen so wenig etwas, wie aus den dcUschcn und attischen Inschrif- 
ten des Arehennos für die Schreibweise von Chios. Diese erste Reception des 
tonischen Alphabets auf Rhodos würde also zu streichen sein. 

Vor dieser ersten ionischen Phase des rhodischen Alphabets soll auf der 
Insel das arglvischc Alphabet in Gebrauch gewesen sein. Das einzige Ai^ument, 



■) Sicher iit dies allerdings nur von ilcr Intckrifl 
II auf S. HO durch da* Wmi AECVA. — J»* 
I1tiii]{ent nicht ntJl dem llcrausgelier *h Ei(;cn- 
nunc tondero «Is Bocichnimg der Giabnische 
XU fasten itl — wodtitcli Avnn ftuch ctbcUl, 



E» bt aber kein Grund voihandcn, das Alphabet 
dci wcni}; Alleren Iniclirifl tU S. IIJ nndcr* 
tu t>curthcilffn und dtexe i;ar mit dem llcrau«- 
geber vor Atn Ende d« VIT. Jahrhunderts >u 
■ctKcn. 



dafs in nPAX€lOi^O !'> nicht fit geuielni JM. *) Vgl, luchi. I a. a. O. S. 107. 



2<'i\ 



DuemmlcT, Zu den V»sni auk Kaniciro«. 



welches sich hierfür geltend machen läfsi, sin<l die licischrlftcn des bckantiien 
Teilers aus Kamciros. auf Hxlcliem der Zwcikanijjf des Hektor und Meiietaos Ober 
der Leiche des Euphorbos dargestellt ist^ Das argivisclic Alphabet ist von dem 
unsrer rhodi&chcti Stciniitschriflcii nicht nur in der Verwendung der nicht phöniki- 
schcn Zeichen +* verschieden, sondern auch in so charaltlerisiischen Biichstaben- 
furmcn wie hH einerseits t i. andrerseits. Dats die um Ol. 2$ gegründete Colonic 
tjcia das Alphabet unserer Steininschrifien zeigt, vermag ich nicht so gering an- 
Kusclilagcn, wie Kirclihuff ä. 49 zu thuti nclicint, da im übrigen Griechenland die- 
jenigen Colonicn, welche nach der analphabctcn Zelt gegründet sind, sichere Rück- 
schlüsse auf das Alphabet der Mutlerstadt zu erlauben pflegen. Dafs in spätercr 
Zeit das rhodischc .Alphabet dem der Colonicn Gcla und Alcragas wcscntlicli gleich 
war, mufs KirctihuH' wegen der Grafliti aus Kamciros selbst zugeben. Kr liihrt den 
«Umschwung« im Schriflgcbrauch auf den EinBuffi der dorischen Ilcxapolis zuhletc, 
währenit er als Grund der > Modificationenc des Alphabets von Gela <Icn HiniluCs 
der Nachbarn in der neuen Heimat, ct^va der westlichen Chalkidicr, anzunehmen 
scheint '. Dieser Umschwung mufste aber nach den von Kirchhoff angeführten 
Graffiti spätestens im V. nach den neuen Stein Inschriften bereits im VI. Jahrhundert 
stattgefunden haben, die Rhodier nmfsten demnach im Laufe von knapp hundert 
Jahren in drei ganz verschiedenen Alphabeten geschrieben und jedesmal so gründ- 
lich umgelernt haben, dafs sich in keiner Huchstabenform ein Rückfall bemerklich 
macht. Dafs uns von der ältesten Stufe, dem argivisehcn Alphabet, gerade noch 
ein Denkmal mit drei Namen crliaUen ist, wäre ein merkwürdig glücklicher Zufall; 
denn den EuphorbostcUer lange vor Ol. 40 zu setzen wird man sich aus archäolo- 
gischen Gründen nicht cntschliefscn können '. Sein Verferttger müfste ziemlich der 
letzte Rhodtcr gewesen sein, der argivisch, und Telephos der lalysier der erste, 
der ionisch schrieb. Setzt man. was archäologisch wahrscheinlicher ist, den Euphor- 
bostcUer noch den Soldneriu^clltiftell, so erhält man eine noch coniplictertcrc Ge- 
schichte des rhodischen Alphabets als die von Kirchhoff constniicrtc. Zwischen 
die ionische und die hexapolitische Schrill, die ganz zufallig mit der von Gcla 
übereinstimmt, würde in der ersten Mälfte des VI. Jalirhundcrts ein kurzes Inter- 
regnum der argivischcn Schrift fallen, ein Rückschritt, der aus keiner Culturverbin- 
dung leicht zu erklären wäre. 



^ AbccbUdel V«l). An rhiIolO(CBven. in llanno- 
ATcr. L«i)>ug iS<5 (besprochen dftt.elbM von 
Conic S. J7fr.). S&tfmftna, Xtcrif,titAtCMHimi, 
T. 53 dnDKoh in BaumciUcT« Dcnhmttlcm S. 730 
und im Rhein. Mos. N. F. 43 S. 48i> Liti«i- 
tur bti Schneider, Der ttoiichc Sajjcnktcu 
[LHpi. i5S6}, & II ff. Auftcrvlrni Flnhluii, AkIi. 
Jkhtb. II S.63 Anm. «I. KcVuU, KIkIh. M. 
N.r. 43 ii.48iir- 

^) SfilivADOT a. a. (>. S. III nihn da« woigrlcchi- 
■che Alt)bit»cl ftiif Rhodoi Jin VI. J^lirbundeil 



auf dtn Binfla& der ucdi^>:hcD Coloniccn inrlick. 
l>cai]tKh hUltcn tich luerst die Gclocr von ileo 
wutlicfatn Chalkidktn lu cinevi nnprakti^cherei) 
Alphab«! TCtlciicn Uitcn, and die« dann in 
thrvT Uatictinscl auch nocb dBrcbfcscut und 
■war M fiQitdlicli, d»£i c5 auch anrdctt Uflnun 
Kiii)>«iij; faodi 
*) Sclivonov rraihch a. o. O. & iig kui das atci- 
tlKbc AIphal>cl auf Kltotln* und daniil doch 
auch <lai Guphorbo»t«ltcT r in du VIII. and 
ipltnCtw dn ABÜUig des VIL Jabihuidctts. 



Dummlcr, Zu den V&ttn aus EamcirDs. 



2Ö5 



Ich glaube, wir kommen aus diesen Schwierigkeiten nicht anders tit:raus, aU 
wenn wir nicht nur die Söldner Inschriften von Abu Sinibel als unmafsgeblich filr 
Rhodos sondern auch den Euphorbosteller als argivischcn Import preisgeben. Dann 
herrscht die zu postuücrendi: Continuitat zwischen dem Alphabet von Gela und 
allen archaischen Inschriften, die sicher auf Rhodos selbst geschrieben sind. Dann 
ist auf Kirchhoffs Übersichtskarte Rhmlos roth zu färben, und es liegt auf der 
Han4l wie dadurch auch die ItescIiafTerilieit des lykischen Alphabets an Verständ- 
lichkeit gewinnt. Bei der Rolle, welche die rhodischcn (vordorisch cd) HeUenen 
bereibi im Epos Sipiclen. mufs man em'artcn, riafs die Beit'ohner der gcgcnfibcr- 
liegenden Küste von ihnen schreiben und manches andere lernten, und nicht um- 
gekehrt. 

Die archäologischen Conscquenzcn dieser epigraphischen Forderungen sind 
ziemlich weittragend und können hier nur angedeutet werden. Dafc der Euphorbos- 
teller archäologisch nur ein Glied einer ganzen Gruppe von Kunstwerken ist, ist 
bekannt. Zunächst sind von ihm alle diejenigen ^^ rhodischcn < Teiler nicht zu 
trennen, die dasselbe Raunieintlicilungspnncip zeigen, nämlich das durch Flechtband 
oder Mäander abgetrennte kleinere Kreissegment, Has mit dem föcherförmigcn Stab- 
Ornament o<)er mit pnanzlichcn oder animalischen Motiven gerullt ist. Dafs z. ß. 
die Teller bei Longp<5-ricr Musi-c Xopoleo» III //. Ilt. XII" aus derselben oder einer 
benachbarten Fabrik stammen, wird Niemand bestreiten; aber auch dem Teller im 
yoHfual of fUn. shtdies 1885 Taf. 29 (wonach Studnicxka. Kyrcnc, S. 153 Fig. 30) 
wird Niemand wegen des nicht abgetrennten Kreissegments die gleiche Herkunft 
absprechen. Die sehr ausgeprägte Forme nsp räche der l'iillornamentc nothigt ferner, 
einer grofscn Aniahl von Amphoren und Oinochoen, welche mit horizontalen Streifen 
decoricrt sind, den gleichen Ursprung zuzuschreiben, so weit Thun und Technik mit 
jener enggeschlossencn TcUcrgruppc zusammenhängt, Ks ist, kein Zweifel, dafs jede 
Conlroverse über ilie Herkunft des Euphorbostcllcrs gerade die lebensvollsten und 
charakteristischsten Typen der gesammten rhodischcn Keramik in Mitleidenschaft 
zieht. Ein grofscr Thcil der tn der Nekropole von Kanieiros gefundenen Vasen, 
und darunter gerade die besten und ältesten, mufs eben dort gearbeitet sein, wo 
der Euphorbosteller entstanden ist. Aber so sicher als Jn der Vasenkuiide die In- 
sciu-iftcn för die Localisierung der Vascnclasscn den sichersten Anhalt geben, so 
sicher als nur der Weg, den Klrchhoff durch seine Behandlung der chalkidischen 
Vasen Inschriften zuerst gewiesen hat, ohne vcrhangnifsvoUe Irrgänge zum Ziele 
fährt, wird man nun diese Gruppe in Rhodos fSr importiert halten müssen aus Ar- 
gos selbst oder einer Colonie mit argivischem Alphabet, da in der Geschichte des 
rhodi.schen Alphabets Pilr eine argivischc Phase kein Raum ist. Natürlich spricht 
eine an Sicherheit glänzende Wahrscheinlichkeit für Argos selbst als FabricatJons- 
ccntrum, da die Ausbreitung argivischcr Bevölkerung über das Meer ausseht iclslich 
vor der Verbreitung der Scluift erfolgt zu sein scheint. Es gibt eben keine argivi* 



*■) Di« Corfcciur der ttruckfcldct )>d L. Ist «u Ituacblvii. 
Jslitliwb Am nndiXolDiiwJi» InalltuI» VI. 



2.0 



206 DuemmltT, Zu den Vasen aus Kaiiiciros. 



sehen Colonicn, welche sich zu Argos vcrliielten wie Gcla zu Rhodos oder liyzanz 
zu Me^ara. 

Kunstj^eschichtliche Gründe, welche dazu zwänt;cii, die Entstehung des 
Stiles auf Rhodos zu suchen, und sie Argos kategorisch abzusprechen, gibt es, so 
viel ich sehe, nicht. Wer die Existenz solcher Gründe behaupten wollte, müfete 
sich mit der epigraphischen Schwierigkeit so abfinden, dafs er annähme, der Ku- 
phorbosteller sei in Rhodos von einem kürzlich eingewanderten Argiver verfertigt 
worden. Dann würde man aber vor der abnormen Erscheinung stehn, dafs dieser 
Argiver sich zwar den fremden Stil schnell und vollkommen angeignet hätte, nicht 
aber das fremde Alphabet; während alle Analogien lehren, dafs Künstler in der 
Fremde leicht die Schreibweise ändern, nicht aber den einmal erlernten Stil. Den 
Ausweg, dafs auf Rhodos gleichzeitig verschiedene Alphabete geherrscht haben 
könnten, wird wol Niemand betreten wollen, zudem stammt der Euphorbosteller aus 
derselben Gegend, wie die neuen Inschriften. Aber gute Gründe die Entstehung 
dieses Stiles Argos abzusprechen gibt es auch so wenig, dafs vielmehr einige 
kunsüiistorischc Thatsachen sich unter diesem Gesichtspunkt besser erklären als 
vorher. 

Was zunächst die grofsc Verbreitung des Stiles im östlichen Mittel- 
mccrbecken im VII. und VI. Jahriiundert betrifft, so vermag diese auf keinen 
Fall dagegen zu sprechen, dafs der Ursprung des Stiles in Argos zu suchen sei. 
Sicherlich sind nicht sämmtliehe Vasen rhodischen Stiles an einem Orte fabriciert 
worden, sondern der Stil hat an verschiedenen Punkten des Östlichen Mittelmeer- 
bcckens Wurzel geschlagen und tocale Ableger hervorgetrieben. Ganz sicher ist 
localcr Urspriuig für die Decoration rhodischen Stiles bei den älteren klazomcni- 
schen Sarkophagen und, bei den rhodischen Vasen aus Naukratis'. Dafs man auch 
in Rhodos selbst in diesem Stile gearbeitet hat, und dafs für die weitere Verbrei- 
tung Rhodos eine Hauptstation war, ist recht wahrscheinlich, beweist aber nichts 
für den Ursprung des Stiles. Auch der »protokorintliische- Stil, der mit dem jün- 
geren rhodischen gleichzeitig ist, bietet dieselbe Erscheinung eines einheitlichen 
Ursprungs (schwerlich in KorinÜi) und einer weiten Verzweigung localer Nach- 
ahmungen, von welchen eine Art auf Rhodos selbst zu Hause ist. 

Auch der korinthische Import ist ja auf Rhodos selbst nachgeahmt worden 
/Arch. Jahrb. I S. 144 ff.)'. Es ist also kein Grund, der verbietet für argivischen 
Import denselben Vorgang anzunehmen. 



") ^'s'- Biililau, Areli. J.ihrb, II S. 214. Auch ilie .melier V.iM;n sind im britiscliL'n Mu-cum, sie üfigcn 

rliodi,-clii; Va>c aus i'hana^oria in der lircmitaye in Thi>n und Teehnik titriiij;!.' l'niL'r:?i:lufde, sind 

zu St, TetiTsliurL; al>t;i;b. comptf rtmhi 1S70 aber mit Siclierlicit lu iiuicrsclividcii durch die 

T. 4 und bei Kaytl et Colliijnon, Ilut,'ire Je .'i für die gleitlien Fiirmen in Kurinih ungewöhn- 

(iriiiiiique ^re~:qiii [i, 54 stellt oine loyale \'a- liehe üriifse, dureli consequente tonisehe Zeieh- 

riante des Stiles dar, da der l'.anliier den rlm- nung des Manner- [^und Tliier -J Aujjes. und 

di-elitn Va>en im enj;eren Sinne l'remd ist. durch unkorintUiselie Typen /, B. den Thier- 

") VoriielTliehe rliodische Nachall munjjen koriuihi- kanipr [_Liiwe und StierJ, der .alltrdin-^> eii,'ent- 

lieh nicht rlii^discli i>i. 



Ducmtnler, Zu iltn Vasen aus Kamciros. 207 

Für Östlichen Ursprun*^ der Vasenclasse könnten sodann einige »ionische« 
Kigcntümlichkciten angeführt werden, z. B. die apotropäischen Augen und die 
mandelförmige Zeichnung des Männerauges. Aber gerade letztere Eigentümlichkeit 
findet sich wieder auf den wenigen sicher argivischen figürlichen Darstellungen, die 
wir kennen, den olympischen IJronzen Olympia IV Tafel 39 No. 699a. 701a. 703. 
Auch das FIcchtband haben diese Bronzen mit den »rhodischen« Vasen gemein. 
Zu dem Dreifufsraub auf der Bronze No. 704 a, deren argivischer Ursprung aller- 
dings nicht paläographisch festsieht, aber sehr wahrscheinlich ist, bemerkt Furt- 
wängler richtig, dafs sich bereits hier das gezierte Schreiten auf den Fufsspitzen 
finde, das meist als charakteristiscli für archaistische Werke gelte. Dieselbe Eigen- 
tümlichkeit findet sich aber auch auf dem Euphorbosteller^. Dafs der Schild des 
Euphorbos nach Pausanias II 17, 3 im Heraion in Argos gezeigt wurde, will ich für 
meine Vcrmuthung nicht anführen, da dieses Zusammentreffen Zufall sein könnte'"- 
Wesentlicher dürfte schon sein, dafs der Greifentypus der rhodischen Vasen mit 
dem der olympischen Dreifufskratere übereinstimmt und letztere von Hcrodot IV 
152 als 'ApY'Atx'j; TfiÖTti; ausdrücklich bezeugt sind". 

Die stilistischen Zusammenhänge der »rhodischen« Vasen mit ver- 
schiedenen andern Kunstkreisen sind bekannt, und können für die Bestimmung des 
Ursprungs des Stils nur in zweiter Linie in Betracht kommen. 

Die zahlreichen mykenischen Reminiscenzcn im rhodischen Stil sind 
in Argos ebenso verständlich wie in Rhodos, ebenso der Einflufs, welchen die 
»rhodischen« Vasen ihrerseits auf die melischcn Vasen", die kyrenäischen 
Schalen und die Caeretaner Hydrien geübt haben. 

Mit den korinthischen Vasen haben die »rhodischen« die Bronzeform der 
Oinochoe gemein und abgesehen von dem Dccorationsprincip manche einzelne 
Thiertypcn, wie den Greif, weniger Füllmotive. Bedeutende Unterschiede sollen 
anerkannt werden, sprechen aber nicht gegen den argivischen Ursprung des rhodi- 
schen Stils. Räumlicher und cultureller Zusammenhang zwischen Argos und Ko- 

'■*) Allerdings auch auf attischen nianirierten Vasen diese Zudichtungtn, welche aus dem Ehrgeiz 

des ausgehenden Archaismus z. B. Gerhard A. V. einzelner Stämme, ihre Helden anzubringen, 

III 201. Andre Beispiele bei Hauser, Die neu- beruhen, iura Theil sehr all sein können, ist 

attischen Reliefs S. 165 fr., der diesen Stil wenig zuzugeben, aber der ursprüngliehen Ökonomie 

glücklich für Kaiamis in Anspruch nimmt — jener wohldurchilachten Partie der llias ist Eu- 

cin Weiter Weg bis zur Venus Genelrix. phorbos fremd. 
'"J Wenn man dnrauf Gewicht legen wollte, so ") Vgl. Böhlau, Arch. Jahrb. 11 S. 64 Anm. 26. 

dürfte Conzes Verwerthung unsres Tellers für Die Herodotcischen Argiver zu rliodisclien zu 

die Trojanische .Sage vor jener Kckules den machen, ist also unnothig. t'urtwänglers »grie- 

Vorzug verdienen, welche deshalb unwahrscliein- chi.-iclier« Greifentypus dürfte im Wesentlichen 

lieh ist, weil für den Tod des I'atroklos Hcktor der argolische sein. 

nh Protagonist unentbehrlich und Euphorbos '-) Vgl, Brthlau, Arcli. Jalirb. II S. 214. Die da- 

sieherlich spiiier in die Begebenlieit verllochlen selbst ciiierien Sclialen y<mrn. i'f Hell. stud. V 

is^t. Das Exemplar der llias, in welchem Eu- T. 40-- 43 sind auch nacli meiner Überzeugung 

pborbüs eine griifj^ere Kulle gespielt lirittc, von den »rhndisclien« Vasen nicht zu trennen, 

konnte dann nur ein noch weiter interpoliertes attisch können sie niclil sein, zeigen aber atii- 

als die uns erhaltene Dias gewesen sein. Dafs sehen Eintlufs. 



268 



Duemmlrr, Zu ck-o Vn^cii nu& Knmrirc». 



riath ist ja in jener Zeit nicht viel gräfscr, als zwischen Ar^os und Athen oder 
Kortnth unrj Athen. Korinth hat die Front nach Westen, während Argos die natür- 
liche VcmiitUunysHtelle ionischer Typen fUr den I'clwponnes bildet. Zum Theil 
sind die Unterschiede auch zeitlich begründet. 

Ich gUube daher, dafä wenigstens die Vasen, welche mit dem Kuphorbos- 
tcUcT technisch eng zusammenhängen, filr ai^ivisch zu ballen sind, so dafs die 
Stadt, welche Homer ihren grüfsten Ruhm verdankt, auch das erste homerische 
Kunstwerk geliefert haRc. 



Zu den vorstehenden Ausführungen* haben sich mir durch das Studium <!er 
rliodischen Funde im biilischen Museum noch einige Hestatigungt;n ergeben, deren 
hauptsächlichste ich hier zugänj^lich machen mächte, wenn auch nur, um zu zeigen, 
wie wünschcnswertli eine zusammenfassende Bearbeitung dieser interessanten l'unde 
sein würde, von welchen die häufig schwer erreichbaren Pitblicationen von Salzmann 
und Lungpi^rier ein cinseitjge-s und leider auch ungenaues ]3ild geben. Allerdings 
ist auch Ausdehnung und Bedeutung der geometrischen Cultiir von Kameiros erst 
durch die neueren Ausgrabungen Uiliottis klargelegt worden; weiter bekannt gcwor« 
den ist von diesen Kunden lediglich, was Kurtwängler im Erwerbungsbericht des 
Antiquariums Jahrbuch 1 iS8G S. I33f- gibt. 

Ich will von den rein geometrischen Vasen, von denen sich viele schi:iiic 
Exemplare in London befinden, hier nichts abbilden, da diese eingehendere Bear- 
beitung erfordern, nur das möchte ich betonen, dafs diese geometrische Cultur, 
welche unzweifelhaft in Kameiros selbst zu Hause ist, der Cultur der Dipylongräbcr 
näher steht, als irgend ein andrer Zweig der geometrischen Cultur, den b^otischcn 
nicht ausgenommen, und dafs sie allem Anschein nach von der mykcnischcn Cultur 
in lalysos ebenso streng geschieden ist, wie in Attika die Dipylongräbcr von den 
mykenischcn. Die gcümctrischen Vasen von Kameiros sind zwar von den Dipylon* 
vasen schon durch Thon und 1'irnifa und durch geivisse Verschiedenheiten der oma- 
mentalen Syntax bei grofaer Gleichheit der lilcrocnlc mit Sicherheit zu unterscheiden, 
weisen auch in den Formen Hcsonderheiten auf, stellen aber mit den Dlpylonvasen 
zusammen zum Beispiel den k>i>rischen und bocotischcn Vasen gegenüber einen zu 
gleich compticicrtcrcn und reiner geometrischen Stil dar. Die Auflösung des geome- 
trischen Stiles von Kameiros, welche etwa den frühattischen Vasen entspricht, wini 
repräsentiert durch die bei Salzmann pl. 39 unvollständig pnblicierte Kcntaurcnvase, 
zu der sich noch eine Oinochue im IJritisU Mu.seum A 34 stelh. mit Schachbrett- 



*) Leiiltff erTabn kh ertt n-Xhr<-ncl An [Iroeli«, 
daU hl«TT l'rofcuor KircbbufT jcut uUui illc 
Uetcbtctitc (k's rbotlisclicti Al|>l)ubci» ilic «or- 
K<:Inii;cne An«ic)ir tbcill, »cLii^ auch bcicit» 
18S8 In titr IkTlincr [iliilDlot;Ui:Ucii Wuvhcn- 
*tbt\tt vom 16. Juni No. Z4 i>p. 753(7. von P. 



C>ti«ri VL-MiL-icii wurilc. Die Nichlbf.icbniiid 
»einer AurfUi)iaii|;tD uotl liie \Viedt:rbßlnnt; ili-r 
[illhcrcD Kirchlniff,clicn Amichltn duich Herrn 
Sriivanov wiiit öii; Millbriliing meiner Uetlen- 
kcD enut; buliltifcii , welche icfa jcUt uitrb cluiib 
ArchAoloifitcbc CrUiMlc staUcD luina. F. O, 



Duemmlcr, Zu dea Vawn aus Kiunciror. 



269 



r^ 



muster und bärtigen Sirenen bemalt, der die von Winlcr 
publictcrte Vase aus Karicn mit der Hyäne (Arh. Millli. XII 
Tafel IV) recht nahe zu stellen scheint. IHoch schlügt die 
Auflösung tlcs geumetrischcn Slils in Fulye der Munntch- 
falti(;keic des Imports noch verschiedene Nebenwege ein. 

Eine ebenso feststellende Betgabe wie in Athen unil 
Theben ist in den geometrischen Gräbern von Kamt-iros 
die Fibel mit der viereckigen bronzenen I'latte. Sludnicr.ka 
konnte Athen. Mittheil. XII S. 15 nur die von Perrot-Chipica, 
Histoirc de l'art III S. S31 Fig. 594 bekannt gemachten 
Exemplare anführen. Von diesem Typus mit der Ente auf 
der Höhe des bügele und der iheitweise sehr schmalen hohen 
Platte sind etwa fünfzehn Exemplare im britischen Museum. Das 
einzige Exemplar, da« eine besondre, dem attischen und böoli- 
schen Typus näher stehende Form und Dccoralion anf\veist, 
bilde ich bier in Vj Originalgröfse ab. Das Reh und der 
Mäander, mit welchen die I'iattc verziert ist, ist rein geometrisch. 
Da& flalbkreisbogcnornainent an der Kante erinnert an MykenJschc5. Der rhodische 
Urspning dicker l*"ibida ist nicht sicher, der des gewöhnlichen, bitihcr nur von Ka- 
mciros bekannten Typus wenigstens walirschcinlich. Eine weitere statistische Über- 
einstimmung der geometrischen Gräber von Kameiros mit dem Dipylon ist das Vor- 
kommet) nackter weiblicher Idole mit gerade ausgestreckten Armen und Diailem. 
Einige Proben der Figuren von Kamciros gibt Perrol (UI S. 849f.), diesmal viel- 
leicht mit Kccht unter den ]>hiinizischcn Kunstwerken. Der Typus kehrt, wenn 
auch viel kunstvoller unter den Klfeiibeinsclinit«creicn aus Nimrud wieder, namcnt- 
lieh auch tlic Verkuppelung von zwei Figuren zu einem Idol, das zwei F'ronten hat. 
In Nimrud scheinen diese Figuren tektonisch verwendet gewesen zu sein, in Kameiros 
nicht, sondern sie waren hier wol als Etnzelfiguren apotropäisch dem Grabe beige- 
geben, wie die Itiäclidule, mit denen isie aber 
unmittelbar nichts zu thun haben. Wahr- 
scheinlich sind sie von demselben Centrum 
aus nach Attika und Kameiros importiert, 
immerhin beweisen sie die Verwandtschaft 
der An.schauungen und Lcbensbe<lingnngen. 

Der rein geometrische Stil wird in 
Kamciros bis gegen Ende des siebenten Jahr- 
hunderts gedauert haben. Noch während er 
bestand, begann von Argos her der Import 
von Tellern im Stil des Euphorbostellers, 
und dieser Import wurde in Kameiros von 
Töpfern, welche bisher rein geometrisch ge- 
malt hatten, sofort nucligcahutt. Ein wenig 






Z70 



Ducmrolvr. Zu dvn Vaiun aut Kamwou 



r= w^ij^f^a^if^^i^^i 



gdunv;cnt:r Versuch dieser Art wird S. 26g in '/i Oriyiaalgröfsc wiedergegeben. Raum- 
fintlieilung und AusroUiing des unteren Segments mil dem Fäclieromamcnl ist die 
bei den rliodii^clien Tellern übliche, an der Wiedergabe der meisten Füllornamentc 
im oberen Abschnitte ist der Maler verzweifelt; die Hühner, welche gemeinsam eine 
Schlange zu verzehren scheinen, sind noch rein geometrisch. Ebenso ist der Fimifs 
der einfache braune der geometrischen Vasen. Dafs die Vorlage mehrfarbig war, 
geilt daraus hervor, dafs jeder vierte Stab des Fächer Ornaments nicht ausgefüllt ist; 

er war in der Vorlage wciis. Neben die- 
sem unvollkommensten Versuche bilde 
ich eines der fortgeschrittensten Exem- 
plare ab (1 : 4}, das aber auch noch dcut- 
lieh local ist. Auf dem Teller mit dem 
Widder ist der Grund erst mit wcifsgel- 
ber Farbe Überzogen, neben dem dunkeln 
braun ist roth ver>^'cndct aber noch kein 
weife. Die meisten FuUoniamentc hat der 
Copist schon ganz gut verstanden, den 
schwierigen Widderkupf hat er zuerst auf 
der Rückseile des Tellers probiert; in der 
Zeichnung der Beine des Thiers hat er 
energisch mit der geometrischen Tratlition 
gebrochen, nicht so ganz in der Wieder- 
gabe der Wolle. Trotz aller Strebäam- 
kcit des Künstlers wird man aber unsern Widdertcller niemals mit dem von Salz- 
manu pl. 51 publicicrteii venvechseln; sie verhalten sich wie Original und Copic. 
Dafs man auch in Kamciros bald weit besser malen lernte, halle ich nicht Cur un- 
müglicli, aber dafs der Ursprung des rhodischcn Stiles nicht in Rhodos zu suchen 
sei, halte ich fiir crr^iesen. Jedenfalls würde man den Ursprung nicht in Kamciros 
suchen dürfen, sondern nur an einem Orte wo bisher die Funde nicht widersprechen, 
etwa in Lindos. Für diesen Ort müfstc man aber dann gegen ÖCX) v.Chr. ar^ivi- 
sclics Alphabet wahrscheinlich machen, was unmöglich ist 

Sind, wie ich nicht zweifle, die Anfange des Stils argivisch, so erhebt sicJi 
die interessante Frage nach seiner Genesis, die ich hier nur aufwerten will. f>a es 
jetzt wahrscheinlich ist, dafs mykcnischc Keramik in Argolis bis gegen 800 v. Chr. ge- 
herrscht hat, würde sich der rhodischc Stil dJrect aus dem mykenischen liabcn ent- 
wickeln können unter Mitwirkung verschiedenen fremdartigen Imports, ohne dafs in 
Argolis selbst ein geometrischer Stil zwischen dem mykenischen und rhwlischen be« 
standen hätte. Dafs attische Dijjylonvascn zahlreich in Ai^oUs importiert wurden, ist 
aus Scliliemanns Funden bekannt, ihr Einflufs in den Füllornamcnten der rhodischcn 
Vajcn deutlich. I""ür die Thierslreifen würde man wol ostliche Vorbilder annehmen 
müssen in der Art der Bronzeschalen von Ninevch oder der kretischen Schilde. 
Ein Thicrkampf kommt nur einmal vor auf der schauen Vase aua Thera im briti- 



"mm 



Winlcf, t'olypbem. 



sehen Muficum {Ji-ftfa. ä, /.\X Tafel V) mit dem plastischen Greifenkopf als Aiisgufs, 
Oic doch wol an die Spitze der «rhodisclicnc Vasen zu stellen ist, und die in llion 
und Tfchnik noch vollständig mykcnisch Ist. Man könnte ja versucht sein, für diesen 
Thicrkampf mykcnische Gemmen als Vorbild aiuunclimen. Stine geometrische 
Steifheit macht aber Mctallvorbilder in 3cr Art der Dipylonfibeln wahrscheinlielicr, 
auf welchen ja auch mykcnische, geometrische und oricntaüschc KIcmente gemischt 
sind. Für das Ornament des untern Streifens — zwei von einander abgekehrte 
Ranken welche sich berühren, bevor die Volute beginnt, und so ein ausgefülltes 
Dreieck einftchliefscn — wird man östliche Vorbilder annehmen müssen; es findet 
sich zum Kctspiel auf einer Metallschale mit aramäischer Inschrift bei Perrot III S. 792. 
Gleich auf dieser Vase tritt uns neben mykcnischcr Technik und starken 
geometrischen Klemeiiten der für die ganze Classe so charakteristische argivischc 
GreifentyjJus entgegen. 



Hasel Oktober 1891. 



Ferdinand Ducmmler. 



FOLVPIIK M 

(Hl»» Turvl 6.) 

In den auf das Polyphcmabenleuer bezüglichen Darstellungen, die zuletzt 
Jane E. Harrison im yoiintal of Hdknic studits 18R3 S. 248fr. ausfillultch besprochen 
hat, ftoden sich abhaugig von der homerischen Tocftic zwei Momente der Sage 
behandelt, die Blendung des Kyklopen und die Flucht des Odysseus und seiner 
Gelaluten. Die Bilder stanunen alle aus dem sechsten Jahrhundert und gehören 
nicht zu den hervorragenderen I^-istungen dieser Zeit. Nach feststehendem Schema 
ist namentlich die I-Iuchtszene immer in derselben Welse abgehandelt und selbst 
die einzige rotfigurige Vase, die diesen Gegenstand darstellt, eine dem cpiktetischen 
Kreis nahestehende Schale {7ourml of HtU. sfud, 1883 S. 252) zeichnet sich vor 
den übrigen nur durch etwas lebhaftere Darstellungsweise, nicht aber durch eine 
neue Auffassung aus. die frisches Leben in das abgebrauchte Motiv gebracht hätte. 
Qas alte Thema hatte sich ausgelebt und so verschwindet es denn dir die Blütezeit 
der rotfigurigen Malerei ganz aus dem Kreise der Darstellungen. 

In der Folge konnte den Malern aus der dramatischen Poesie neue Anre- 
gung erwachsen. Seitdem es sich herausgestellt hat, dafs die Tätigkeit der meisten 
uns bekannten Schalcnmalcr vor und um die Zeit der Perserkriege fallt, kann freilieh 
in ilereii Werken, wenn man von den jüngsten absieht, aus cluon« logischen Gründen 
ein Einflufs des Dramas nicht mehr gesucht werden. Wol aber werden die späteren 



272 Winter, Polyphcm. 



attischen Vasen und besonders die aus dem Ende des fünften Jahrhunderts schärfer 
auf ein Abhängigkeitsverhältnifs von der Bühnenpoesie zu prüfen sein. An dem 
Or}>heus-, dem PeUadcn- und dem Peiritlioosreücf hat kürzlicli Reisch (Griechisehc 
Weihgeschenk c S. I30ff.) die enge Beziehung zum Drama dargetan. Wenn nun die 
gleichzeitige Vasenmalerei in der Wah! der Motive, in der Ausführung, in der Form 
des künstlerischen Ausdrucks häufig eine jenen Reliefs sehr nalie verwandte Rich- 
tung zeigt, so wird man sich auch manche dieser geringeren und ja allerdings zu 
ganz anderem Zweck gefertigten Werke als von dem Einflufs des Dramas berührt 
zu denken haben, wie es denn gewifs richtiger ist bei einem Bilde wie z. B. dem 
der Kodrosschale nach dem Titel der Tragödie zu fragen', als sich mit der Er- 
klärung des 'heroisirten Genre' zu begnügen. 

Was nun den uns hier beschäftigenden Gegenstand, das Polyphemabenteuer, 
angeht, so hatte Euripides in seinem Kyklops die alte Sage neu behandelt. So- 
gleich wurde der Stoff vÄi einem der bedeutendsten Maler der Zeit, von Timanthcs, 
aufgegriffen. Denn nur aus Anregung durch das Satyrspiel kann, wie man Robert 
(Bild und Lied S. 35) beistimmen wird, dessen Gemälde von dem schlafenden K}'- 
klopen und den SatjTn, die mit dem Thyrsos die Gröfse seines Daumens messen, 
entstanden sein, da erst Euripides die Satyrn mit Polyphem zusammenbrachtet 
Auch in die Vasenmalerei fand jetzt der Stoff in seiner neuen Fassung wieder 
Eingang. Das zeigt ein rotfiguriges Gcfafs im Besitze des Sir Francis Cook in 
Richmond, das zwischen der Menge hervorragender Kunstwerke namentlich der 
Renaissancezeit zusammen mit wenigen anderen Vasen nur einen bescheidenen 
Platz in dieser reichen Sammlung einnimmt und daher unbekannt geblieben ist^ 
Mit freundlichster Zuvorkommenheit gestattete mir der Besitzer Zeichnungen der Vase 
anzufertigen, nach denen die auf Tafel 6 gegebene Abbildung der Vorderseite und 
die Vignette am Schlufs dieser Zeilen hcrgestelit sind. Aus letzterer sind die flüchtig 
hingeworfene Darstellung der Rückseite, zwei Paare jugendlicher 'Mantelfigurcn', 
sowie die Form des Gefäfses und die Ornamentation ersichtlich. Es ist ein Uelch- 
förmiger Krater von 0,46 m Höhe und 0,44 m oberem Durchmesser. Der ganze 
Fufs, die Henkel und der Rand an der Mündung sind schwarz gefirnifst und die 
Ornamente — schräg liegende Palmetten oben, Mäander mit Kreuzfeld und Blätter- 
kyma unten und Strichreihen an den Henkelansätzen — schwarz auf roten Thon- 
grund aufgemalt. Die Vase ist in viele Stücke zerbrochen. Da aber alle zugehö- 
rigen Scherben erhalten sind, so ist die Darstellung selbst von wesentlichen P^rgän- 
zungen frei geblieben. 

Der Vorgang, um den es sich auf dem Bilde der Vorderseite handelt, ist 
so anschaulicl\ und lebendig geschildert, dafs eine Beschreibung des Einzelnen fast 
unnötig ist. In der Mitte unten liegt auf ein F'ell hingestreckt der trunkene Poly- 

') ^B'- Jahn, Archäfolog, Aufsätze S. l86. stelle. Nicht mit Recht, wie mir scla'int, h.it ihm 

*) Klein (ArchJioI.-epigr. Mitteilungen XI S. 214) Reisch zugestimmt (WeihgestliL'nki: S. 12S A. 4). 

meint, dafs das Bild dem jüngeren Timanthes ^) Einige Vasen der Sammlung sind von Michaelis 

gehöre und dun l'olyphctn des Galateaidylls dar- Archäol. Ztg. VII 1874 S. 61 besclirielien. 



\v.:.- r-:. 



-V3 



P«em in der für die Darstclluii^ scIi'..iü-inKr l"i^iirv-n typi-iv-hv-n ll.iltuu^'. l):is 

Scitieine Gesicht ist ilcm Ik-scii.iikr voV .m.^iki.-liit u;ul !ii.r\ sU-lii .m ik-n 1kt;iI)- 

"^^^enden Wimpern. dalV ila.-; i;n'!Vi.- Aui,i' .lut" iKi Stuii. .I.is Jii- IhmiK-ii nionscli- 

"Chcn Augen zudeckt', gesell losscn ist. \'i'ii ik'ni iilKTinaNii;vMi WiMii^omirs, ;iiif 

»«n der grofse Trinkiiapf iiml ikr i.'ntii.\Tl v.»n oiiu-ni Slr.un'h luTiibhäii^umlc 

^blauch hindeuten, in tiefen Scliliit" viTlaü^n iiiv-rki »U-r l\\ld«'ji nicht, w;is rin^i-s 

**ni ihn her vorgeht: unter iler lA-ituiii; i.incs »luiv'ii \'\U^< iiiul tlil.uiiys aiisi^czcicli- 

^en Griechen, der trotz seiner L'nbarlii;ki.-ii »U-t-li mir .iK Odyssciis ;;e(Iaclit sein 

Vann, sind drei Jünglinge eifrig b(.-miiht, u'uwn i]'w\n.n U.uini aiiszuivifsen. 

'Ot^iv 5' ÜTTviisTf, Wnuyivj v'x«i'i;i.iV'»; 

äxf^SJlÄV i).v''Xi 33TIV SV fA'L'.'.T' T!,*, 

ei; ::'jp x^llTJjru- x«il'. 'Tt«v xixa'jjuviv 
tSwj viv. dio«; l}ifi;i.'jv :ü [i33T,v fJa/.«>v 

So schildert Odyssciis im Kyklt)ps (v. .i5.|--.;('»o) sein Vorhaben den Satyrn. 
Die Feuerbrände, mit denen der l'fiilil ^clirirtct ucnleii sitll, reichen zwei Gcnot^L-:: 
von links her und einen j^leichen hiilt f Jdj'sscus bereit. Rechts aber Springer. t:7. 
paar Satyrn herum, in auf^'ere^'tcr I-Vcndc, <liich f>hne selbst Mand an? \Vcr!< z- 
legen: sie spielen dieselbe kollc wie die fci^^c Gesellschaft in dur Dichf^r.^ .:l? 
Euripides. 

Dafs die Darstellung von «lieber inspirirl ist, kann am a!ler\v;:r.:^;:-"r .'.;■?■ 
wegen in Zweifel gezot;en werden, weil sie sicli nicht als Illustratio:'. eir.L'r r-?:*"— :, " 
Szene des Satyrspiels flieht. iJiTt sind die V(>rbercitiin_:^en zu li^r: .'vr>,-': :.-. ' ■.-■ 
die Uühne verlegt und während der Ryklojis noch zecht. Wc^i ?c".:;'. .*-■ V" ' 
Feuer. Der Vasennialer hinj^c^en läf-;l die Griechen die Zur-irr.:::^,:' -r>: r,\,- ■■- ■ 
nachdem Polyphem schon einL^eschlafen i-t. Hat er rieh :::-'■.: _;-;.. ■.." .". ■ 
Wortlaut des Dramas gerichtet, so i.-t sein l'.üd »loc:-. s ^.v.- : : r: .'.-'-■ -' . - - 
erftlih, dafs man es sich nicht ;inders als unmittj!bar .;:•.:.' .•.:" '■<::- ': ' : :■ 
der Dichtung entstanden denken ninchte. D^r K\"!-;'. ; ^ •■ .." -■.■:.-■ 

Werken des Euripides gerechnet und rund 415 .■::■..,Js^.".J:. ',:■.■.'. . — ,>. r,- .'- . 
ist aber, soweit wir nach dem .Stil urteikn lcu:;:-.c:-.. ^i c \'.i>, .■;>:;.■.■.■ ". " -" 
rakter der Zeichnung an die Hunner l,ed;i\-.iso c:/-/..:- ' .-,..• .\..< .'.. ■ -- > ^- 
Jahren des fünften Jahrhunderts stammt, -^icb'. s:l >-.:;•, ; .-..:- / : N;.: ■..-?- ^- 
keit der Zeichnung a!5 ein etv.a-« jü;:.,ere? \\\:!; ... ,: ., ■. - ',■-: ■;.:?:, -■-".■ 

logie findet sie vielleicht in ?'/.che!i a;:.::-. „-.,-:■.-■..-.-...-■. ■::--.■.■.■:.- -.-.-i^: ,- " 

wie dem Bilde der Au-irüstun^ z-.:m S.i:-,:\;r.i:-.-..-. N\.. . ;:— • .'.. . :, '. -■--"- "' 






274 



Winter, Polyphem. 



Taf. 31) und dem, welches die Fesselung des Amykos schildert (Gerhard, Auscrl. 
Vasenb. Taf. 153, 154), von denen jenes durch die Anspielung auf den Flötenspieler 
Pronomos, der um die neunziger Olympiaden berühmt war, einen bestimmten Anhalt 
fiir die Datirung bietet^ während dieses durch die ähnliche ebenfalls dem Satyr- 
drama ganz entsprechende Behandlung' eines verwandten Stoffes zu der i'olyphcm- 
vase in engerer Beziehung steht. 




Berlin. 



Franz Winter. 



*) Vgl. Jahn Einleitung lum MUnclicnL-r Vnsenka- ') Vgl. Jahn, Berichte der säclis. Gesellschaft der 
talog S. CXCIX. Griechische Dichter auf Vasen- Wissensch. 1 S. 297. 

bildcm S. 743. 



JAHaFucH ßca jügnror* mi 




r 



JAHRBUCH BES HTSTTTOl^Ml 





2Wn SCHALEN DES EPIKTET 



Archäologischer Anzeiger 

Beiblatt 
zum jahrbuch des archäologischen instituts 

l89l. I. 



DIK SAMMLUNG DER ABGÜSSE IM 
A1.BKRTINUM ZU DRESDEN. 

Am ig. /auuM d. /. sind die aue dem Zwinger 
in die iirticD Rhuiur des Alljertinum« Ubcrgc^icHcItcn 
llrenclcncr Abj^f'^tanimlungcn im Ileisirin S. M. (ic* 
Konips von Sachsen cröffnci und der ull£irmL'tm.'n 
Ilcnuliiinj{ wicdti Übcmcbcn woidtii. 

Die KcdiiciivD dinei Xeittclitirt bai 1ii«von 
Veranlutning gvn<)tnmirn den l'nicrieichneten xu 
einem Bericht Uhet die Ncuxurvtctlung aufuifcirdcin. 
(.'nd ich bin dkicr AufTonlcmnn um m> lieber yc- 
folgl, als «ic mir die wiUkou»ni:nL* (ji-lct-cnhcll 
bietet, die bei der Nctiordiiung der Cyjisc gemnch- 
tcn Erfahrungen den Fachecnosscn vonutcKcn und 
die gewnnnrnen Einsichten vicitcichl ftir die kOnf- 
It^ Kinriehtuni; von Ab^urMominluni^n »uiilini 
tu innchi:n. Uicucr pialti-dien Ab:tii.')il tjiiiin^ 
höbe ich im Nach sieb enden vint|;e siatifti'che Da- 
ten Über die Zahl der Ahctl^se und den lu ihrer 
AuhicIliiDg im Ganeen und ^nielnen gebrnucblen 
Kaum ceucben und hieran einige Beinvikuiijien llber 
Ocaiatlung; und Aiiiitallun); der Siin:>mtunj;-iTauiiK' 
gekiiBpff. Kndlitfi i»t eine Cbei*tcht libri die im 
Wesentlichen nach kuncigefchichtlichen fieMlchl«- 
punkten cilnljjtc Verteihing der AbgU%*e in "lic 
einzelnen Ssle und die Art ihrer Lrlttulcrung durch 
Abhildimgen i^gcUcn worden. Hie und da haben 
wir auch die für das Sludiiim «rictilii^cti Sllcicn 
Abgüsse der Sammlung hervnrgthotien. Eine vnll- 
»landtgc v\uf^.thli)nc die^ir Ictttercn 1aj> jedocli für 
dieiiiinl nicht in unserer Absicht'. 

Die Anregung iv jeocr tfcfeingreifenden Um- 
geitaltung iler MaacnninverhSltnis>e i»! von Seiner 
üxcellena dein Kenn Kulturminister ron Gerber 
in »einer t^igeiuclmfl als Generaldirektor der Kd- 



'^ Man findet eine Milche in Jnhann Cinttlnb 
KIntthay's Vetieiclinif» der im knnigl. iftcii^. Meng> 
si«chcn Muieum cnlliallenen antiken und modernen 
ftildwKfkc in Cyp*i Dresden und Leipzig, Amnldi- 
schc Buch handlang. 1851. I>ic nMNilcn dieser Ab- 
gUsie waten bercibi in den Jahren 1794 1S03 rou 



niglichcn Sammhingen «asgeipinKcn. Sie ergab sich 
aui> der Nolwerdigkcil, eincrseit* fUr die (>ffcnlliche 
Bibliothek im Krdi:e«<:h(>rs des Jnpnntschen l'alai» 
riBU ui «cbaffen, d» Mit 1785 die Antiken bcher- 
bcrgie; flnderer>cit'> bedurften auch die (femülde- 
gatlcrie. das 100 1 üjfi sc h>aiithtopo logische, dai inine- 
ra]ogisch-|>nIilontoIngiNche und pralii«toriscbe Mu- 
*cum dringend t.iundiche Kr Weiterungen. Kndlich 
mufsie auch dns HaupIilanisnrcUiv mit seinen 
SdiSItcn neu unlcigebrnchC werden. Die<c Abüichi 
»olli« nach dem urvprlttiglichen Plane der Kcgie- 
rung dadurch verwirklicht werden, dafs die nalur- 
wiocnibcli.afllichcii S.iminluiigcn aus dem Zwinger 
hinn 11 SV erlegt und mit dein Archiv iii»aiiimen in 
dem lu illesera iCweeke umgebauten alten /^ughaut 
uniCTge bracht «llrdcn. Stall deuen »ollten die 
Antiken EU den Abgisua in den Zwinger tlbcr- 
Lifdeln. .\u( diene Weite hitte l'Upclniaiins be* 
rtlhmtcr, von den rcichgenchmiickicn Pavillons Ubei- 
rajjtcr AtLadeiihtir vier der wichtigsten Kuust^anim- 
IttOgen Dresdens in »ich vereinigt: die CirmJddc- 
gallertc, da« Knpfcrsiiclik&bincl. da« Muaintm der 
OypsübgUsKe und die Antikensammlung. 

Gegen dic»c Vcneilung jedoch erhoben *ich, 
intbe^nndcre aus der Mitte des Landtaf^ herau«, 
allerlei Bedenken, und ci wurde vin hier aus der 
Kcgicruiig der Wunxch entgexmgebraeht, d.»s ganic 
alle Zeughaus tu einem groCsen Skulplurenmuseum 
uninuge^l.illm. l>.i nun alicr auch die t'nteibriu- 
gung des .\rchivs »ich nichi langer verschieben 
Itefs «> wurde unch weiteren Verhandlungen am 
6, Mürjc 1884 Ifcschlmsen, das umzubauende Zeug- 
haus Ewischen Skulpliirciujuninlimg und .\rcbiv au 
teilen und deiueutvp rechend uuuubauen. /it dieiem 
Zweck« vnudcn bewilligt: an Baukosten [cinscblicfs- 
lich 66,762 M. an Mnbilt-iritafwaitd fUr das Archiv) 
l>i>S>500 M., fUr Ausmalung der Sammlungtsale 

j ften KOnfilcm des BeckeT«:bcn Auguitenm» ge> 
teichnvt und In Kupfer gcsiw:liun worden. Das 
Werk ist jedoch, nie Kt- ichcmt. nicht rur Auigabe 
gelangt, /u einem bände vcrcinigie Abiugo der 
Vlaltcn befinden sich im ttcsiti der K. <^lVcnllichcn 
ÜiMiotlick und der Skulpiuren.saaiml<ing tu DrcMlcti. 

I 



Ticu, Die Samiüluag der AtigUsH; iin Albeninum lu Urci^dcn. 



30,000 M., zur Cbcr^iedclan^ und Neueinrichtung 
'!cr (jlaiilikcheii Sammlungen 148,300 M. , zum 
Üe^inii einer jjJai^tiHchen und malcrii^hen Au^ 
^chnibckun;; de (iebäud«s 27,000 M., zusammen 
l,S40.^foo M. Nicht cinliegriflcn sind in letzterer 
Summe die Knitcn fut dn^ Deckengemälde des 
Tri-pfft-nhau-c-, die Kirstgruppen für die vier Flügel 
'le" Gebäude'', endlich die Nischenhfi'ten und der 
Kclii-fschmuck für die Hauptseite, Über welchen ein 
endgültiger BeM:faluf> noch aussteht. 

iJas alte Zeughaus, welches wie so viele ältere 
Militärgeltäude Dresdens, durch die grofsen Kaser- 
nctibauten in der Neustadt ftlr andere Zwecke frei- 
gewordeti war, liegt an der BrUhlschen Terrasse 
hinter dem Belvedere. Es wurde hier 1559—1563 
unter Kurfürst Augutt durch den Oberzeugmeisler 
'laspar Voigt von Wierandt und den Ratsbau- 
nicistet Melchior Trost im reichen Renaissancestil 
errichtet, 1740--1747 jedoch fast vollständig zu 
einem nüchternen Nutzbau umgestaltet-. 

Der neue Umbau durch den Oberland bau meist er 
Cieheimen (ibcrbaurat Adolph Canzler begann 
int IlerbM 1884 und wurde für die Räume derSkulp- 
luren!>ainmlung im wesentlichen am 14. März 1889 
zu I''nde geführt, hat also 4'/'i Jahre in Anspruch 
Kenoniinen. Die Umgestaltung war eine sehr um- 
f;l^sende. Galt es doch nicht nur dem dunkeln 
alten <febäude durch den F^inbruch zahlreicher 
grrifser FensleriiflTnungen in die gewaltigen und 
festi.-n Wände genUgend Licht zuzuführen, sondern 
auch ein Mauerviereck von 107 X 57 "i "•'' einer 
neuen Sandsleinarchitcktur zu umkleiden und das 
ganze alte Dach durch eine Kisenkonstruktion mit 
fortlaufenden seillichen Oberlichtern von 5 m H<ihe 
zu LTsel/tn. In den 1650 qm grofsen Hof mufste 
ferner ein Oberlichtsanl eingebaut und für die An- 
legung eines Treppenhauses die ganze Mitte des 
einen ilaupttlUgels herausgebrochen werden. 

Und auch nach diesen umfassenden Verände- 
rungen verriit «ich noch die Knistehung aus einem 
illteren linu, namentlich in der Schiefwinkligkeit 
des auf S. 8 wiedt-rgegebenen Grundrisses. In der 
Wirklichkeit freilich machen sich diese schiefen 
Winkel ;im Aiifsum überhaupt kaum, im Innern 
verhiiltiiif-^mitf-iig wenig fühlb.ir, da die Cberleitung 
in eine reeliteckigc (iostnltung der Räume zumeist 



'-) Vergl. das Nähere in dem Aufsatz von 
Krmi-L-li lllier den Neul)au des K. Sachs. Haupt- 
staal-arcliivs zu Dresden (Löhers Archivalische 
/eilsclirifi .\III, 1888, S. 282(T.|, wo auch die allen 
AbliiUliingeii des Zeuglinuse-' in seiner früheren 
Gestillt iingeflllirl -iiid. 



durch kleinere, zum Teil zu Naizzwc.;kc:i icr»-zr,(i:e 
FZckziromer bewirkt wird. 

Über die Einrichtung de* Archivi •lai der 
noch nicht endgültig geordneten ,\nriki:niammlungen 
lu berichten, die zu-ammen da> Er<ige>i:iiof> und 
das I. Stockwerk füllen, liegt auf'-fihalb der Gren- 
zen unserer gegenwärtigen AufgaHe. Wir haben e- 
fllr jetzt lediglich mit der Abt^fsi^iDmlung zu thun. 
Diese ist einerseits im Lichthn' und andercr-cit- 
im II. Stockwerk unti-r^ebracht worvlen. Und zwjr 
befinden sich im Lichthof die AL.gü*>e nach 
neueren Bildwerken ein«ehliefslich der au' dem 
Falais des Grofsen Garten* hiehcr übergesicdclien 
Rietschelmode 11 e, im 11. .Stockwerk die .\bgüs>e 
nach Antiken , mittelalterlichen und Renni~>Jnce- 
werken. 

Eine zahlenmäfsigc rber>icht der .Xb^jüs'ie nach 
Grdfse, Art und historischer Gruppirung, sowie 
Zahlenangaben über den zur Auf>iclluny der .\b- 
glisse und Abbildungen verwandlcn Raum j^iiiil 
die nachstehende Tabelle: 






^ t: Z -rr Z_ ■— 



3 » i 






3: .t — ■- j- 



< c 



1) Ägyptisches und 

Assyrisches ... 35 14 — 262 117 219 

2) Griechisch-römi- 
sches 1240' 3081440 52524853381 

3) Mittelalter und 
Deutsche Renais- 
sance des XV. u. ; 

XVi. Jahrh. . ..i tu 286 — — 17^ 285 
4j Italienische Re- 
naissance .... 310 118 -- loi 289 510 

5) Neuere Bildwerke 557 187 - 23 715 1225 

6) NaturabgUsseund 
anatomische Mo- 
delle 78 — . — — , 21 54 

Gesammtzahl ,2331 9131440 91138065674 
Durch den Vergleich obiger Zahlen mit dem Be- 
stände der älteren Verzeichnisse gewinnen wir ein 
Bild von dem bedeutenden Zuwiich> an Abgii>sen. 
welchen die letzten Jahre gebracbl. Die iirspriin^'- 
liche Mengssche Sammlung zählte 833 Nummern, 
wozu im Jahre 1828 noch 17 Abgüsse nach <)rit;i- 
nalcn der K. Antikensaiiimlung kamen ; 1 leitner- 
Vcrzeichnifs vom Jahre 1881 führt nach Ausschei- 
dung von ein paar hundert geriiigweriigeii Abgü--eu 
der Mengssclien Sammlung und nach Neui;riiii<l[m[^ 

■') Unter dieser Bezeichnunf; ^iii^l StaliuiiiTi, 
Kleinbronzen, Terracntten, kleine BiMliaiier-ki//eii. 
Elfenbeinschnitzereien, l'latjueiieii, MeJaiikii iin.l 
kleinere Ueriite ^u vt-rstcUen. 



der Abt«Uune Dli die Plutik de» MitielftlurG und 
der Rcnaiünance d»^ 940 auf. Ucr gegen rtirt ige 
Botand umrnf<t 1331 f^ofücre und 913 kleinere, 
■il»o im Ganicn 3344 Ab(;;Us<ic, ausschlid'^licli der 
hier nicht niilgczähllcn 1440 BiiK-lmiflckc von den 1 
Aein?iei)ei«bcln, den Scliuiüliltuscni und dem X.cu«- ' 
tcmpcl Ell Oljrtnpia, «owie dem Patibenflii. 

Dicve an^chnliclie Vrrmeliiung um mehr alt 
du drvirncbp dci fmhcTcn BrüUndc» verdanken wir 
lunäclijkt der KinTcilcittuns iIm Kict$i:helmii«cunii 
und der in diesen Tagen durcli Enut Haliucl er- 
folgten SchenViing «einer siiinmtlii:hcn Modelle an 
die Sku][jluTeii8nmi»liini;, wedutcli ihr im Gamten 
etwa £00 neue Itildwcrke zugebracht wurden. Xum 
l^tAbejcti Teil il)h.-i enliilninnil dienet /uwacbn neuen 
Aiik-Iufen. Letitere wurden getiinelil t) ntu den 
Tegel mit Tm gen jtthtlichen Mitteln rier Sammlung (tn«- 
gc*nmjnC >8,ooo M, «eil dem Ab»cliliif« de* Hetiner- 
tchen V'cntvichnUsc«); 3) aus einer, gclegentlieb der 
CUcrsicdelunj^ geuritlirlen ciuiuali|;eu aufüeiuidcnl- 
lichen Dcwiltigung von 50,000 M. ftti die AnocfaafTunj; 
xuineiat crtfüCTcr AbgUne (dnninter 10,000 M. fbr 
die Anfcrtiftunj; und Aurotellung eine« Ahgui«» 
der Goldenen Pforte zu Krcibecg). 

Wie Weiler au» obiger Tabelle crsicblUch ist, 
umfnffl der lur AufMclIiing diencr AbglKne auf- 
gewandte Kaum in der Cmndtlliehe 3806 «^m, nn 
Wandflitehen 5674 «im. Will man hierau« ein prak- 
tisch brauchbares, ungetabres I>uri:b*e}iniilfimaaf6 
berechnen, um den zur Aufstellung einer Abgufs- 
Minmlung nötigen Raum wctiigi^ten» gan^ iin Un- 
gcfkbrcn vi-rans« hingen zu können, «o empfiehlt a. 
Eich die Abbildungen und dcrglciebcn Nebenwerk 
xunüchst unbcTtlcksiclKigt lu laB^en, von der Gc- 
«ammliahl der AbgUMc die kleineren Bildwerke und 
Biucbstücke abiuziehcn , vrek'he TerbältnifimäfKig 
wenig Raum beanspruchen, dofUr ober die Teile 
einer Gruppe aW hinzelgestaltcn besonders lu zith- 
len. Die» ergicbt fllr unsere Sammlung an gtoften 
und miltulgiofien Stucken die Zahl von rund 3300, 
mit weichet in rund 38oo<iiii GiundflScbc Und rund 
5700 qm Wantlflüche /u dividiren sein wiltde. Wir 
erbtellen mvthtn im Oiitch schnitt nind 1,65 qm 
Grundfläche und 2,50 qtn WandHAche auf den ein* 
t einen Abgaf«. 

Zur Aufiielliing der AltglUte n.idi antiken, 
niltelalteiUchen und Kcnai^janccbildwctkcn standen 
im fl. Stock la grAfscrc balc und 32 kleinere 
Zimmer nur Verfagung. Nut in dem schnilleten, 
kaion mehr als 1 1 m in der Tiefe inc&scndcn Notd- 
Sugel nebincn die SlUe die j^ancc Bicilc d» Gc> 
biiudc* ein. In den drei Qbrijten 17111 tiefen Flli- 
gelfl Ut der Kadm so gegliedert, dafs xu beidm 



Seiten der grö&eten und höheren MitlcUHle zwei 
Kcihcn kleiner /immer «lich hiiuichcn. f>tesc An- 
ordnung iM gew3thlt werden, einen^eils um einen 
grOfssren Umfang der Wandflache xu gewinnen unH 
andcrcrteit*. um den Blick dc% Ke^ehaijer» nicht 
durch eine »IlzuKrofic ATihttufung vnn Abgll»en 111 
grofsen salen tu verwirren und *u rctsircuen. Es 
wurde bicdutch i:ugleich vermieden, dafs die klei- 
neren Bildwerke von den grofsen eidracki und um 
ihre Wirkung gebrachl würden. Endlicb ist e« 
durch eine Verweisung der kleineren und der un- 
cThcblichercn Stfioke in die Seitenzimmer nuch 
mtiglich geworden, in den grrifmcren SHicn eine 
Auswahl des Bedeutendsten lu vereinigen, so daf> 
der durch *ie hinduicb sc breitende Beschauer sofort 
einen Oberblick Über die Ilau^tiachen gewinnt, 

Maar^'gehi^nEl für die Wahl einer derartigen 
Kanmglirilcninf; waren auch die HIlckMchien auf 
eiae niuglicbsi ausgiebige und iweckgeinnfKe Bv- 
leuchtung der Gegenstände. Dtc^e hat lioh bei 
einem Umbau bcgtci Dich erweis« nicht fllr alle 
Rtiurac gleich vollkommen «»eichen Iahten; aber 
für die MiiteliJile insbesondere ist sie so vortüg- 
Itcb aufgefallen, daft >ie unscret Erachteo« Nach- 
ahmung verdient. 

Fllr die grnfien SHle nüniticb wurde, wie aus 
dem umiiehcnden Querschnitt erhellt, weder reines 
Oberüehi mich eine »cillichc Doppelbeleuchtiing 
gcwBhll, »ondem einH-itige», zumei>t unKcftüir von 
Notdcn her, ^chrfig einfallcnilk-i (Ibcrlichl nach 
Art der sogenannten Alclierbeleuchlnng. Die»e 
Wcw* der LichtcinfUhning bietet die meisten Vor- 
teile de» Obctlichtes, ohne dc*sen Nachteile mil 
«ich zu bringen. Wie bei diesem wird die Kinbcil- 
licbkcit der l.ichtiiuelle gewahrt und eine Blendung 
de* ße«chaucn. durch einen zu niedti(;cn l.ii'htcin- 
fall vermieden. Anderer^eii» erscheinen auch die 
Augenhöhlen und geneigten KApfe der Statnen 
nicht so stark beschattet, wie bei lu »teil von nben 
einfallendem Lichte; ja es wird BbcThaupt fUr den 
]{anzcii Körper eine natürlichere und weichere Bc- 
leucblunK gewonnen. Endlich entgebt man hei 
der hier gcwtthlicn Konstruktion einer Vcrdnnhclung 
der Ktlume durch den zu Zeiten auf den wacrechte» 
ObcTlicbllen«u-m licgenb leibe mlen Schnee und 
Schmutz. l>rT ■leite Neigungswinkel unserer Sufse- 
ren LichtOlTnungeo bewirkt vielmehr eine laicfav 
und furiwhbrcndc Selbsireüiigung der GltUcr. 

Allerdings sieht all diesen Voiieilen auch ein 
Nachteil gegcnllbcr. Man erhalt nSiulich unUr der 
M-itlicben LichtAfTnung eine minder gut, besteitfall« 
nur durch ein steil» ätrcillichl beleuehleic Wand. 
Aber dieser L'bclmanil hat sich In unserer Sanm- 



Tira, Die Saiamlaag. der Abgüsr*« im Albertmam ■■ Ut««4cr. 



A 



■••\ 



-*#o»- 



8JT 



liing (Itiwegen weniger fubltiu gemuht, weil diese 
utigUniiltgcrc WaoiI iufvtrT (Ui mindci weit ige Ab- 
KUmc ii»bc»ond«ic für die erläuternden Alibi Idvneen 
Biik|^ulil werden konnlo. E* wurde auf die^e 
Weiae möglich die flitdlafeln von den Alijrflvwn 
jtu tFennen. *o d»& »ic weder die Rübe der Auf- 
»Cellung noch die Wirkung der Kumtwerke beein- 
iriehtiKeit, ond demmch den Bewliauer nu ver- 
Iflcichcndcr Delnclitun); 6iet* Ijcfiuem tuT Hand 
»ind. 

Cani vortUslich heleucblel tind in untere« 
Snminlung betondcr« die Querw.lnde der t^roTtcn 
SUIe. Um diekc in rnttgltehnt unuolcrbrotbcner 
Ausdehnung fUr die Auftienun;* .iu*nntxeti zu kön- 
nen, wurden die 'rhllrcii »owrit aU mnglich aul die 
Seite, in die Nahe der duiiktetcn WUndc vcrlegi, 
lo dnfs der Verkehr der Besucher sich ronugs- 
weiiv »n dieten entUiig xicht. liier »teilen micli iii 
der ftcgel die in reiehUclicr Anxahl ^Ubet 100} 
durt'h die ganze Sammlung verteilten Stühle, damit 
dvr Üetcbaucr bei Betrachlting der AbiiUtne dnt 
l.icbi im Ktlcken hibc. Übrigen* «ind lediglich 
lei;:Ittc ländliche Slllhic nun gebogenem Holt mit 
Sltieti und Lehnen But Ilolirpumier gewüMi wor- 
den. MununienlAlere Sitxe haben nur im Treppen- 
bau« Niid den beiden grorien Ki>u|it«:i]eii der An- 
tiken satuinlung Aiifiiellun^ gefunden. 



'Far die Ncbcnzitiuner kam iciU Oberlicht 
teil* Kiliicbc Pcnttcibclcue htunx tur VcrMrctKlunft. 
nie leuterv erwies lich tl* weniger cüwitig. E» 
Mtid daher die utiteren Scheiben meist tugeitrichen 
worilcn, um einen gesatn tu eiteren bt'beTcn Licfat- 
eicfall lu erzielen und die störenden Blendungen 
SU miitdeio. Es honntc tu jcncMi Mittel um so 
eher Zuflucht genommen werden, als sich die l'laue 
unter den fünftem wegen ubenoaf^igcr Htthc der 
Brüstungen doch nicht lar AufitcUung von Pullen 
30snu[ien h«(i«n. K» war die« eine Folge >U» 
Umbau». Bei dem Neubau eine« Museum» wurde 
die uiiKeOikie PulthAtic der KerntterbtOitungen einen 
der feiten Ausgangspunkte filr die Maaf»be>iim- 
tntuigen bilden matscn. M 

Aueh *onsl sind die Abmessungen der KiluiB|| 
durch die Rucksicht auf die gcf;eticncn MufM: des 
alteren Baues utcht gaux gtlnstig beeiiUlufat worden. 
So hnt ilic Breite der Sellcnxlmmcr nur mit rand 
4 m bemessen werden k&nnen. Sie bitten tontt, 
je nach ihrer iJüigc mindetlcns 3— 6 m breit wer- 
den mtlsscn. Ebento hl die Simshohe der Hau|)i- 
Säle niil 4,75 "> l^llr Kolo«*a)x intuen wol etwoA iii 
niedrig aurjcefnllen. Eine Wondbobe von etwa 
jVj tn htitte auch dieoen eine bequeme Aufslellni: 
gesichert. 

l>iigegva sind diu Breiten- und Lüngcavcrlil 



Treu, t>ic Sammlung der Abgti««e im Alhenlnum cu nresdn. 



nhu: 'Icr MiticIcSle mit ntnil 9111 ru t^-aom 
sehr ellneiig gcwälili. Vor allein aber gilt rtlrt 
von ilttcr bcdi-urL-iiüt-ii StlicilclMbc: 8nt. Ucnn 
dk-M tcmaiieiu cinerseiis uine Ixüiachiliclie Hntic 
di'T Licbioffnungen (3,50 in: auf^c-n *n^'nr 5 m). tind 
eTTnA|[lichtc es andHcneilo, auch die Zierformen 
der ÜecVe hoch iiber die Kvwohnliclit Augcnauf- 
>chb£»)iiihe ■!«* [icM:hniief* und die Kftpfi- <icr 
KtatuL-ti hiaaut /u Tcrltgcn. Auf dicw Weise 
konnte den Sllen durch eintn reicheren Dcclccn* 
•ehmuck «in« ifcwiMe kUnüileiiüche Wiriunx g«* 
«ichctl wcT(l«n, ohne doch den Buichaiicr durch 
c'iiK'ii solchen von der ttcttathtiing der Biifi^e^trlt* 
ten Kuintiverke nbxulenkcn. Auf eine ruiebcrc 
Au«*chinlickur>g der Decken ober haben hier ver- 
schiedene LrtHcbcn gefllhrt. Vor allem das Vor- 
hnDtlcnscin einer grorsen Aniafal von pluti>chen 
Schmu rkstUcken. BUstcii und V'o»on de» XVI. und 
XVII. Jahrh. du» wcif^em uwl bumeni >larinor uod 
anderen kosibarcD Stciniuten. l>n die er^tcrrn eu- 
mei«t Kopiccn naeh Antiken wnrCn tiitd in der 
Einiclnusmiirunc iiieisi >u ({ciintp^eiiTg er^chicnuDi 
um rine Auf^tetlun^ iwhcben den S^mmlunct- 
gegcn«t)lndtn xutuU'scn, «o muftlc versucht weidcti, 
sie wenigdcns in ihrem hohen dekorativen Weit 
rur Geltung lu bringen. Jene Verwendung aber 
war ledi|;licb in den Sftleti der Ahgurviiunmlung 
möglich, hei deren rfliimhcher Ausgebt altung det 
t'nihaa eine grftlWre yreihrit gctuattetc, als bti 
den im I. Stock gelegenen , lüDieisl niedrigeren 
AnlikensAlcn. Insbesondere boten die in den 
Cjueiwänden der AbguCssnmnilung luiu Zweck einer 
{■Icichr&arsi^'Cn Cirliubtion cier winnen I.uft ango 
biachttn Mnuer^lTn untren und die dane1>en befind- , 
liehen BDgenxwichel eine willkominene Gelegenheit f 
tur Aid>ringiing jener dekorativen Vnicn und BUsten I 
dar (m. vergl. den I>itri:hiiehnilt). Kndlich wai Iiei 1 
der Auitiuhmllc kling der grnfFicrcn Abgurccale der 1 
CedttnVc wirksitni. den vielen geringwertige reu An- ■ 
likcn Ecscnllbcr. welche unser Museum hesilil. die | 
AhgiifMammlimg als eine Auslese des Torillglichstcn, | 
wis die pluliiclie Kunst aller Zeilen {-escbJiflrcn, 1 
auch Inlscilich duteh reicheren künstlerischen 
Schmuck ousiuxcichncn und den Re«chaner dnduicb 
rum Knnjigenuff^ tu stimmen. L>ie Kilcksicht auf 
die GeringwcTligkeit des Malerials, aus dem die 
Abgüsse bcslclten, mochte demgegenüber weniger 
In Betracht kommen. 

Im GcccnHalz zu der reichen SchuiDckung der 
Decken *iod W.iiulflSchen und Sockel ijant einfnch 
behandelt. L'nd rwat i»t die Farhcnfolgc so ge- 
(irdnel, i)a& Dlicr schworeen Soclcel «nllgcrätMe 
Wunde und steinfnil>t|i^ Sitnse «ich erheben, die 



ihrerseits tu den lichten Decken überleiten. AiiT 
diew Weise findet von unten nach oben hin ein 
aUniÜliyeT L'bcrgang vom Dunklen lum >Icl!i.*n itatl. 
Der Färbung der Sockel fnlgeu naiorgeinarii ancli 
die Thtiren, deren >i:hwarH Umrahmungen in der 
Altgufskammlun); tunieiil mit lironxerarbigcn .Sniek- 
leiKlun gc'chraUckt *ind. 

AU Wandfatbe ist fllr die Millelstllr, in denen 
die grtirtcien Abgtissv eine kräftigere Hervorhebung 
ihrer Umrisse veitrvgen, sogen. p»m|iejanischcs 
Braimrot gcwXhIt ««rden; ftlr die kleineren Bild- 
welke der Seittfnximtocr ein In« grau spielende« 
01ivj;;rUn. In den wctiij^er gut beleuchteten I-jk. 
slilcü, wie dem 3i;yf '''"-"ben, assyrischen Kuhincl und 
den MausnIeuresAfl], mufslen Wunde rnr Ausglei- 
chung de» Helligkeit »grade» gelb ge*iricben werden. 
FUt einielnc bcMnders sucgeiel ebnete F^llc wie 
z. B. bd der Aphtctdiic von Mein« und den iysip- 
pi^chen St^iltien wunle cm lithtes in den L'nir.ib- 
roungeii mii <Ji>ld gehöhtes Silhetgrau angewandt, 
da!« hcKonderf fein (u den Halbtfiacn der beschäl- 
letcn 0)'psflHchen stimmt. 

Wcilcrgcrukrt wird die farbigu Au.sstaiiung der 
Slllc ferner durch SloffhiolcrgrUnde , welche «ur 
Hervorhebung besonders »chitncr und wichtiger 
Statuen verwandt wurden. Gewilhlt wurde hirtu 
meist ein giaugrtlnci, rootlCQsicherer I.einenplu>ch 
mit silbrigen Reflexen (sogen. Mikado). Au» die- 
sem wurden auch die ■rhUrvr>rhflnge hergentidlt, 
welch« daiu dienen, das aus den Neheniimtnem 
einfallende Sonnenlicht Ilir itie Mltlclsülc obcu- 
riingcn. 

Wie die Färbung der Sockel auf diejenige der 
l'ostamente eingewirkt hat, «o wurde umgekehrt 
ibro H4hc durch die DuTchschniiisgrUf» nntftrcr 
ätatticnpostnmcnte bestimmt. Ua leUicrc ewischcn 
0,85 und I tu buch >ind, »i wurde die SockclliSbc 
auf 0,85 fet'tge^te^l. Die BUsteiutitndcr, welche in 
der Höhe teils i,so, teils i.jRm mci«-n, konnten 
f:alllrlich ohne Schaden tibcr die (Jbcrkanie des 
äoekcU hinaus reichen. Znm AnitTicbc der Pasia- 
menle wurde nach viclfichen Versuchen statt der 
soni.1 Üblichen gelbgrauen und graugtHncn Farbe 
eine serpcn Unartige Bcmaliing gewählt. Ich halte 
diese Wahl fUi eine In-snnders glückliche. Denn 
es gelingt auf diese Weise den Abgufs ftjr di« Be- 
tmcbtung von «einem Postament tu isniiren, wih- 
rend bei hcUcn L'niersatien das Auge unwQikUrlicli 
Statuen und rostamenl in eins fafsi und eng auf 
einander beniclit. Vm dies iii vermeiden sind bei 
uns auch BUstcnfUfse und Cypskl4)iic. welche ur< 
sprllnglich nichl lUgchOrigc Küpfc und Bruclisillcke 
tr;^^n■ dunkelgraitgrüti gestrichen worden, um auch 



Ttcu, Dir Satiitniung der AbgUfsc hn AlbcTlinum tu Drculcn. 



litct nir (li'D Rlicb tnfATt Ht^ nntikcn Teile von 
dm inoitcTneD UntenStfen tu i-cliciclen. 

Etiinina wardcn stunnilliclic Koniolcn bioniiri, 
dunil lic lieh cincr*cil> voo Aen dAraiif ang«t)ni<:h- 
ten C«gcnsiHndcn hctscr ircnnfi) um! ntidtrcmeiHi 
mit <lrn braunmicn und ^lu^minen Whndcii Hhn- 
lich weich »iMmincn geben, wie die «cfpcnlinfnrlir- 
neu I'DMaroenlc mit Jeu sttwaMcn üovheliK 

Den rosinmcnteo und Konsolen cnts)iiecUmd i&t 
auch »nr Fnrbe der In.chtiftscliiklcr Galt! auf »cbwar- 
MtD Grunde gewühlt wntdcn. Und xwnr wurden 
diese Schilder nicht wie ^^cwAlmlicb nuf l'«pier ije* , 
druvkt. «ondcrii in i;rt.rieii iiiid »ortjf.iltii; cewithltcu 
rttmi.tclicn Intchnftbuchiüahcn üi lioMbrotiic auf 
KWnnUckiitv* Bleck, oder, was «cfa nach hcmcr 
iiiac)3l, auf matischwnrics Holz gcKbriuben. 

Auf die Inscliriftcn ist iiuch in iltrer KaHung 
besondere Sorgfalt verwandl wnrdErn. Sie »ollien 
(är den Duicb^ubniii der l)ei>ucbei das llstic« und 
HCl (rauben de Suchen und Blättern in den Katalogen 
nj<(|;licl»t enlbelirliuli nincben und durften daher 
nicht zu knnpp gehalten werden. Hnfrcnllfcb i*l 
c* un« unter Beihilfe ton Heim [tullc und E'nul 
HcrronnD gelungen, hier das Wesentliche i^'i iiieben, 
ohne lu weitHtuüg »i wetdcn. In xnhirefchen KJIl- 
len ernißgliehCc «ich eine knappere Fassung dadurch, 
dafs Utiiwdsc auf die in grofMT Anzahl innerhalb 
der Saniitilun;; Teiicillcn l^rg-iniung^tctth minien 
oder Pboiographieen verwandter Werke binrugefUi;' 
werden konnten. 

I^in eigentümlich er Vorauf; ontL-Tcr Abgtif*^ 
MinniluDi; liegt in ihrer Bcwe^licbkeit. Schon seit 
Hcllncr« Zeilen «leben •änimtliche Slatueopo»la^ 
nicnle, nalUrtich mit Auraahmc d« »cbwcren Fuf*- 
gettclte für die gr^fMcn Kr>1o^«»Ktnluen niif Rollen. 
Uiei gemattet, da Schwellen ilSetnll trcTiniedrn sind, 
niE:ht nur jcdcneil eine rasche L'tnordnung der 
Abgllne IWr Aufstellung»- und Vurlnungstwcclic, 
■ondem auch einen be<;ucineii Verkehr niil der 
J-'nrinerci, der Br£JIReong4Wcrk<ilatt und den Auf- 
nilf-i-ri. VoD dcu letzteren »teht der in der ^Vc^I- 
ecke belegene nitt dnetn iiUutr^aphiiebcii Aielivr 
in Verbindung. Dl't gtAUeie Anf/ug in der 
Nordecke de» Hofe« dagegen dient hauptfScb- 
lieh lur Aiifwindnng neuer AbgUssc, die in den 
Hnf hineingefahren und bei giiiem Wettei biet, bei 
schlechtem in den nahe gelegenen Packrfiumcn 
atltgcpackt «Verden kdnncn. Der .\uf«UK, «reicher 
Lasten von 40 Ccolner heben kann, liefiirdert die 
au*ccpRckten AbgUMc zugleich direkt in die Kor- 
merci) wo »ic iiuanunenge»elal und auagelmterl 
werden, und «ich dann geradcfwcc! in die Sumn- 
luogvratune hincinrollcn lassen. 



I 



l>ic FufshtKicn sind »1 mfigliebüteT Vcrmcidang 
von Staub au> Tcriarroplaiti^n gefertigt, die mei«l 
■u schachbretiFbimigea hell und dunkelttmueii Hn- 
»lern ruiammengvslcllt sind. Wie die Erfahrung 
geiieigt hnt, w?iie eine liehic Gleich färb ig keil des 
Bodenbelag» um der ruhiccren WirlHmg willen 
vielleicht voriiuiehen gewesen. 

IrtideT gefixtfeten gcwi:i>c rüumliclir VerhUlt* 
nisse des liieren Bnue^ auch nicht, die Dampf- 
rHhren der HL-ii;ung mir in den Fufsbodcn tu «er- 
legen. Sic inufstcn Tielmshr entweder an den 
Sockeln entlang geführt, oder an den Wanden un 
ofen Ulm liehen llcixkOrpein ge*aniiiiclt werden. Ea 
bringt dic5 nicht nur einen l'UtzrerluM an den ^ 
Wnnddbchcn mit «ich, sondern gefährdet auch dir fl 
Über den HeixrObren nufgehnngtcn Gyp^c durch 
den mit der cthitrirn Luft unmittelbar an ihnen 
cinpot*ieigenden Staub, 

Lrie Keiniirung der G^psc erfultctc, wo die Al>- 
gllxe nicht etwa schon in frOhcter Zeit UbtrNlriehen 
oder ■»tearinisirt' worden waren,, in der bekannten 
einfachen Weite durch StArIcekletMcr, und iwar mit 
durchgängig KhT gntcm Frfolg. Ihre weitere Kc- 
haiidluitg wurde nach dem am Berliner Mii'Vtim 
citigeflihrlcn von Dcchend'tchcn Verfabien durch- 
geführt. Leiiicies bat sieb ini Ganicn gut bewohn. 
Nur in gut» rcfcinxellcn Fallen, wo die Ldsuncen 
niciu in» richtigen Verhitllnif« odvr nicht mtch 
genug naeh einander aufgetragen worden waTKO, 
bildeten sich kleine KlceVcn. Auch entstanden hie 
und da, besonders bei cschirten Abi;Us»en. gelbt- 
Stellen auf der Gypsoberflüchc, die jedoch mit der 
?.ctl mctM von sclbii abbliehcn und vcmchwanden. 
Kin lltndernif» fUr die Ginftlhrung de» VeriähreiH 
wild ftir kleinere Muncen tmin der im Garnen 
Einstigen Hrfolge vicncivbl seine Kostspieligkeit 
bilden. Die Maschine allein kosicl gegen iSOoM, 
Für die Losungen, welche aus Berlin belogen 
werdeniQtifstvn, verausgabte uns«r Museum c, 3500 M.; 
ati Fracht gegen 300 M. Die Arbcitslrthne belni- 
gen c. laoo M. Freilich i»! dabei nicht au&er 
Atbi EU labseij , dafs die Luftpumpe mit ihren 
Schlauchen sich daucnid .lucli flli die Abst.'iubung 
der G<rpsabgUsiie verwenden l.lfft und für dieeeo 
Zweck gani vonllglich geeignet ist. 

Ich ftchliefse diese technischen ErOrtertingcn 
mit dem für die Ausführung in unserer Sammlung 
jcl/t leider tu verspälclen Vorschlag, die Wfinde, 
an denen Abgiltst aufgehüngt werdet) sollen, ebenso 
wie die» jelit ziiRKi»! tn den Gcmiüdcgatlcricen 
gcachieht, mil *tarketi llotiboblcn au verklcidni, 
Statt sie mit Stuck fu bewerfen. Ki ist die* iwar 
in der ersten Anlage (eurer, cmrtglicbt aber eine 



I 
1 
I 
I 




TkUi Die Sammlnng der AbgtiMc im Albcrlinum m Prctdcn. 



bequemere BcfvstieBnc der Gfptr, rcrmtiävt dk 
Mnrke Ficschadif^ng der Wunde , welcher dic'u: 
diucti da« widlerbollv Eindllbcln und Eiii|^|>acn 
Vi>n cUcmcit Ilakuii fotl und fort n\i>jiitteU.t >iti(l, 
lind cr«|>art dnmit ko^Mplellgi- Aii^ln^s^crungs- 
aibeiicn. 



Der llau[>tciiigang tu den [>U»liKheii ÜaBU»- 
Iuti;;i-n d« .UbeittiiuiD« üirj;! nn der Nordieile des 
GebSiude« »um Bt'lvert«* hin, Uctrtlt iiinn vrn likr, 
von dvT UfUliUcIivii Ti-rmvEC hci da« Ttepjicnbau», 
so bclinilvt man sieb im Nivenu dv> I. Stockwciks, 
der \ntiki;n>.3tvim]ung gcgL-nilbcr. /.wiicben de» 
▼on hier aus lum l-ichlhnf nbwürts und zur Ab- 
gtabMimnlung nMfwSrc führenden Treppen sind die 
GMrderobi'n nngcli'gi, Ili«i bclmdci «Ich aiic)i die 
CcnIrttU lulle fllr da^ TcIc[>honneIi aller drei Stock- 
-wcTke. Die Stufen sind UbTi|{CEia dutchgtüigig mit 
Liuolciini belebt wordeo. Auf allen Trcppvnab- 
Mlien «leben «chwere cicbenc Ruhebiinkc mit hohen 
Kllcklchncn und Seiteowani^en in (itcifealonn , vnii 
leklion cttcufiülä cicbcocu Butieiipo*liiiiien[cn uber- 

Der hau|]l<Hchlichtlv kUn«tlcri«e)ie Schmuck 
dien» Trcppenbaufcs, daii llennano Prell Über- 
tragene l>eekenj(cm.iltlc iitit dem Sieg der nlyni|>>- 
ftchen Cdlier Über die Uif^anteti fe)ilt nucb; ebento 
iwci K^f**^ Biunjiervbcrit mit den llildniasen Knni^ 
JoUannt- und de* regierenden K'iniK*. welche l*i« 
nodediien soll; endlich >wci MdjolikanicdaiUons 
mit tliii Köpfen »uii Mcnjj* und WinckcItBHun. Da 
nun ftii dai^ DeckenbilU bedeuieude Abme^KUiii^cn 
('3''3 '*' ^'") *>»<' eine kräftige Kürtiensrimmun); 
in Anstrich! [jonomiiien «ind, welche ihm eine bc- 
herTEcbcndc Wirkung fOr du gante Trcppeuhau* 
»ivlicrn »ulicn, Mi wird es nach «einer Anbringung 
vor^iusüicbilicb nucb ttbf die beicit« vorhandene 
nmamcnlnlc AufachmUckLinc der »tatiliclicn Halle 
xurllck wirken. Ihre AvJ»ttatlung Uaun daher (llr 
jclxl nur alt eine vorlbufice gelten. Iminefhin ut 
vcrtuchl worden, da* Ttvpitenhaus auch gcgcn- 
wirtig tchon einigvimafxen würdig cu schmücken. 
Aach hiciu dienten, auf^er den ßUiien Hetiiicr« 
und Bfitliclier* von HShnel und Kielvchvl, »nr/ug«- 
wci<r untere Vorrdie auH dem XVI. Jalirh. mit 
ihren Bntiki»iTendcn Statuen, lIcrnKU und Büßten 
aus buntem Marmor, nebtt einiKen Bruntvn und 
Vasen. Daraus erenb >ich leie von «elb&i die Ver- 
wendung de% Treppenhau*«« tu einer SamroeltlBtlc 
tut dekorative Plastik au<^ farbigen StoSTeii. Lud 
et war ein nahelicgeudcr (jcdankc. die l.Uckcn. die 
hier noch blieben, viirtünrig durch farbige Wieder- 
hcrstcllun|;tvrri»elH- an AbfplMrn mdi dur Antike 



Bu>iufUl1cn. Hieiu hat Ludwig Ollo in iUnk«n<- 
wertexlcr Wei«c «eine geUbte Hand geliehen, de- 
wühlt wurden die Meduoe nu« Kßln, unter« hetku- 
lani*che itl.ilrciie und der latcranis^hc Si>i>bokli;s 
Die McduM'untaski: leuchtet nun mit ilirvm cUen- 
bcinfarbenen KleiKch, den surren dunkelen Augen 
und dem i^oldcncn , ron <icbillemdcn Schlangen 
durchnoebti'iicn Haar sehr wirkuii^vvotl dem Ein- 
Ireienden aus tleni Halbdunkel einer Bogenwolbung 
entgegen. Snphnklc« und llcrkulanerin dagegen 
flehen an »ien oberen Wanden der Trct>penballe 
In vollem t.icbte einander gegenüber, beide in 
dunkelrotcn, goldge^liutnten GewHndcrn. tlici''ltfiflch- 
teile weifs tu lu^cn oder nur leicht ta tonen, cr- 
«chicn auch hier wieder, wenn einmal der Versuch 
raii voller und «atter l-'Hrbuii];- der CiewSndi-r, Haare 
und Augen genutcht werden lollic. wen;giten& fllr 
unsere ktin»tlcriicheo Gewohnheiten nnthunlich. E» 
inuftte daher gewagt werden dem Sopliokle« t. B. 
einen tiefbraunen Klci<chton nt geben. Dnft aue.h 
di«se Verbuche «ehr der Nach^ichl der KL)n«l)er 
und der FBchgenofHii] beüuifen, desten »ind sowol 
Otto wie ich »ich bcwufsl geblieben. Aber es 
schien uns dennoch nicht recht, eine so günstige 
Gelegenheit nur Anstellung und VorfUhniog poly- 
chromer Versuche TnrUber gehen nn ht»cn, obrte 
sie ru nutzen. L>ic nach uns komntcn. mögen C! 
richtiger und besser machen! — 

Betritt der BescluLUef den obersten Treppen- 
absatz, so «icht er sieb den hnhen BogcnAffnungcn 
der Vorballe gegenüber, »winebcr) denen die I'alla* 
von VclK'tri auf ihn hvrabblicki. Ring» an den 
Wunden poIyklcÜKChe JUngling>ge«ta!tvn und Ai»i>- 
loncn. 

So sehr » nflmlicta auch geboten war. die 
AbgUssc in geschichtlicher Folge tu. ordnen. *n 
schien es dncb w lins lobenswert, den Bcichaner nicht 
gleich beim Beginn seines Rundgangs den L'r- 
anfHiigvti der Kun^l gegenüber /u iitctleu, sondern 
ihn vielmehr mit Werken aus der Bluteiclt gric- 
chiieher Plastik lu empfangen. 

Diese ErwSgungen sowie KUcks lebten räum- 
lieber Xattir haben lu der Anordnung geführt, 
welche der Plan vcrannchaulichl. Die geichichl« 
liehe Keihcnfolgc hebt in der Wnlecke de« Gc- 
bUudes. wie billig mit Ägypten und Assyrien, an. 
Wer daher mit den Anfängen der Kun*t beginnen 
will, wendet sich von der Vorhalle 4us rechtt^ und 
•ehr eitel durch den Olympia- und AegincteosaAl 
ituin So.ilc de* t.Owenlltutt und tu den Zimmern 
f(ir altorienialiichc KimM. Wer dagegen lediglich 
kl)n*lU'n>che .Anregung incht, i{eht ron der Vm- 
liailc auK gleich link» in den l'ailhenoosaxl und 



Trua, nie Snmailitng ticr ^tj|>Uft» im .\lt>criinum » UT<«lrn. 



ALBERTINUM 

□. STOCK 

AftCU&S-SAMMLUNG 



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EVtil «tincn Weg Jutcli (li>r Sülc, wciclic nach der 
Kiren«: de< KcpUik&dut. nach I'raxiU-k-s, LyMpp und 
<!ciii Mjii*nl<rimi t;i-iinnii( sinii, »um CcTgnmoinnal 
und den Kcnois*ance*illen Wl. Iriicluififn Über dt-n 
TbUT«n sücnmilichcr Kfluttic und ioncrhiilb dt-r 'l'iiUr- 
ruTkleulunutii jiti^cbrnclilc kleine ijriintlrwAe der Ab- 
gur>MRiiTi1tui{;i in denen d«T bcireffcnde Sani tnll 
tcliliafici FArl(c Iiervornehwlien bl, iTleicblern dem 
B«»uchct Ut>era?l die < 'rie^llnlnIJ■ 
Wir laiüCT) nunmehr eine kurze CbcMicht des 
llnu|iltnhn]K der einzelnen Siuiiinluit^'itaume folgen 
und iKifinneii dabei nu< ileii oben anKerilhrien 
Gründen laii dem u-e«tllcbcn Kckcemnch i1n (wei- 
ten Sinckwcrk«, 



I. N«ttirnbgtl>»e und anaiomi^rhc Mrii 
delle. Eine deraiii|;c Sammlung wird, mi viel ui 
bclutnnt, in dicwm Znfiamaienliangc hier tan mit 
Male unlcfnumincn, *o Bucnlbclirlieh «ic auch fUi 
ktinmieriiche und wiMentcbaTllkhe Lebnwcchv 
Sic- i«t Ubrigen« auch hei vni noch nicht Über di 
ersten AnHliigt? hiaau* gediehen, so daf* das 7jt 
mer der allgemeinen Benutzung noch nicht bat 
übergeben inrcrdcn ktinncn. 

II. AegypiUchcr Saal (Gnmdällcfac 47; 
WandRäche 86 qm). 27 von Eber« mei»t aui 
dem Mntcum <-tm Gixeh (rmiier BulaL) };ewitblte Ab*f 
^««e, deren hornicn «ich im Beslu der Skulpturvn- 
'^anunlung bcBnden. Seit lleltncTh VencrchniCi^ 
nicht vertiKhrL Neu Regen So Abbildan^en voa 
Tempeln, eiiuclncn BAUgliedcm, Grabanla^en, 
Wandmalereien, Staiuen; aufscr nach Wcmencbcn 
A'iuaTiillcn mei« aus Prisse d'Avern«' Htitoirc de 
r»ii tijyplieTi und Pcrrol-lThipi«'» Hisloire de Tart 
dant l'nniiqulte entlehnt. 

III. Af<<>'ri5chcrSaal (Grundfl. so. Wandft, 
80 <im). 22 Abgllfise, «cit Helincr nicht vennchrt.H 
Neu K^C«" <*o Abbildungen mci« auf Place und' 
Thomas. Ninive et l'A^syric, und l'erTOl-t.lnptei. sur 
Vcran*chaulithun|i babylonischer . a*«_vri»i.^hcr und 
phonikiKhcT Landschaften, Uau- und Bildwerke. 

IV. Vordera«iatiiches Zimmer (Grundll. 
20, Wandfl. 50 qm). G&ntlich neue Zuwnnwn- 
Ktdlitng von 115 AbbUdungen (ur Verantcb 
lichung der per»i*«:hcn. phijni Vischen, nOT'Uyrise 
("hiltitischcn«) und klcina^ialiselien Kunsr 
|iieiil^rr>|'» l.'nri anlii^uc de la Pene; Perrol, 
Cuillaume und Delbct. Kxpluration de lii Galaiie; 
Pcrrot und Chipieii. SchlicmAnns trnianitche 
Krabungen in vcTgiÖ&erlcn Abbildungen au« ««ineo 
BUcheni. Die hrcli^chcn Weihe^childe aus der 
Ilnhle de« idSisi-hcn i^u« in den Tafeln MnIbhcT 
unil Onix; Karten von Vordcrnsicn. 

V. Saal dei Lüwcntor«. (GrundlL 94, 
Wandfl. 134. qm). 39 Kröfnere AbgDiJic und gejcn 
90 Abbildungen mct»t au^ frUhnrcHaiiclitr Zeit. 
rien Anfcbluf» nn den <l»icnl vcrmillcll jet^l eitWT»; 
sciis ein Abguf* dci LOHenjagd von SaktucHc-gÖ 
(Humann und l'iicli»iein, Keifen in Kletns.%ien ud 
NordHyrieu Tafel XLVI) und nudr^tsei» eine hat 
Saalwand voller Abbltdunj;en au« .Schliennmu 
Mykenc und Tiryn». Die rypcnreihe der stehen- 
den weiblichen Gevlallvii (»l dnich die nlympi«che 
■Kumunide«, die Nikandnr, da« »aini^clie Standbild, 
()bota|{Tiij)lii«ch« und furtiige .\bbtldmigcn der Akro- 
l)iil)««tatucii vcriTiehrt; die •Apollo«ieilM durch d< 

' Apolltin Strangford, den Akropolisep heben 

{ tnhlieiche Kleinbninirn , die au> laumlicfacn Klick: 



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Trcui Dk* Simmliinf; rtfi Abgü«»c ira AlbcrtinuiD nn llrc^t 



viohlcn in) nkchnlen Sul« haben atirgectcltt wenlcn 
nilUccn. Aiir«(.-rili.-m eine! lU-r (Tharr« , die Sphinx 
«rn Spnu, ilic dcti§L-lic Nike und Hie Archtnno»- 
in»chrifl hiniuttcboiamcn. Keiner luit dm) olj^ii* 
pischcn Ilerakopf and dem MccurviKicbcl die voll- 
atan<ltee Sammlung der Kalkstein- und Terruatra- 
fundc von den Schal« Kilu »cm tti Olymjjia. »owcit 
»iv geformt «nd (Utier 60 BnichntUckc); div iütcren 
ophcfiichcn SHiik-nrcli^f» und die x|>nrtani»chcn 
Grab«tdnr. Die Rdivfs von Assot vnirdcn durch 
Clarbrs, die Metopen von Selinunt durch Bcnndoifs 
Tafeln erllntert. 

VI. Aepinelen*ail (GrandA. 126, Wandfl. 
Ija 'ini). 80 gtiSrucne Abg11*»e: Ilarpyientniiniinieiit, 
da« [ha»i<cli« Nynipbenb'iH]i){tuin, arcliatTchc Weihe- 
und Grabreliefs (darunter ein Abgurs de? Aristion 
inil Wiedcrgniic cJerKarhrekti'! ; Acginelm, Tyrannen- 
initidcrenippc; cinigv arcbahctic Kopfe (danintct 
d«r •t:pcTa<tos>): (kber 50 Kldnlironicn, darunici 
«ielc olympische. ArrhaitiTivch« Bildwerke. — Von 
den AvKincieD i^t iler W<%T|;iebcl hoch im Giebcl- 
r«liDicn aufgcstclll; iücan>tlichc 75 Bmehtlttclce 
baben durcb BrunntVermlltelun}; in neuen Aias^sUsireD 
angescbaffl werden können. Am llnrmodio? i*t der 
Neapler Kupf dureli den dri I'hrrckyde« cn^rtit, 
am AriMv^ciion der rcekte Arm utnrc»tiiunrc wor- 
den, lind bcidtn »ind ^ricebiocbe Scbwrcitirr und 
Scheiden in die Hflude icei;eben. II Abbildungen 
erläutern die vcrMthiedenen KekonMrukt tonen der 
Ac)[ineten|{iebel, t\*n Aurritt und die farbige Aut- 
iiaiiun^ dw Tcmpck (naeh Kcngcr^. die ETgSiuunc 
der 'lyTanncnmordcrgrup[jc ii. dcrj-I. m. 

V 1 1 —V I U. Z)i ein ci Sammlung f U r G c - 
schichte der antrkcik htnlcrci bestimmt, gegen- 
würtig aber noch mit AutUcllung der nmrn Kt- 
wcrbUDgen fllr die AntikcnKammlutig bcnuLct. Auch 
einige ar cbilektaniiche Thnnmuik-Ileaiikdcn 
PlottendoTfer Werken bei AltvnbuTg willen l>Un(tighin 
bicr l'latx finden. Sic iceban Teile folgender Gcbiiude 
wicdci; je drei Hckxbulen vom J'()feidanleiii])i.'l lu 
l'nǤni]n, vnm I'artlienon, dem Toniitd dei Aihuiia 
Nike und der Nordhallc des Ercchthdon«; einen 
Teil von] LywkralcMtenkinal, drei £«ktJlulcn to»« 
kAnificher Ordnung nn«h V'ilruv. die dori«cbc SAulc 
in Alhano, eiiK Kcke de« TetnpeU der Kortuna 
Virilii, einint Teil de» MarcvIlutibeatCTS« die drei 
konnthi^hcn SKuI^n vom Cvtortcmp«] und dnen 
Teil de» Titu«l)ogrn». 

IX. Olympiataal (Gnindll. 417. Wandfl. 
4ljqmJ. Ilic bereite vnn fleltner angebe ha fTten 
AbgQur der Gichelgrupi>cn und Melnpeu »ind 1>ank 
dem EnlgtecnkoDimen der Berliner Mu»uin«ver«'al- 
tung durcb die Erwerbung sllmmilicbcr überbaupt 



gefnnnter Bnidinillekc fgcgcn toc» »agmcDte) 
vcrmehii worden, »1 ilafi Dioden )rlr.l neben Rvilin 
die V'ollstamligi.tc Ulympininnimlung ljv«iiit. Üic 
i^,usainmL-nltlj{iing»arbeik'n bähen hier jedoch be« 
irüchtlich weilet geruhtl werden können aU in den 
provisari*cbcn LoUalitaten des Campa Sanlo tu 
Berlin, da unserer Aufstellung alle» xu Gute ge- 
kommen ist. ira.i GriitTTier nnd icb während des 
Winleri 1S86 -1887 m Olympia an Bruchstücken 
neu angcrOgt oder luge teilt hatien, und was hier in 
Dresden noch in Kortfllhning jener Arbeiten von 
mir, Hecm Inspektor Kllhnert, den Kildhauetn 
Hartmonn, FoRscnti, Kuinhold a. A. als lu den 
ctnidncn Giebel- und Melopenfiguren zugdiArig 
eikanni wurde. Bedeutend i^t liier die Arbeit an 
denolympiichen Gi«bdn auch durch die Möglichkeit 
gefSrderl worden, die Abgllsie in mSriigi-r Hiihe 
innerhalb der Gicbdrabmen scll>»t nufiu»lcll«n und 
•ie «Dweil cu ergUntcn, ah der /a*amntenbsng der 
Bruchstücke >ichet an dir Mund gab und e« lur 
BoUTtlidlune der Raumwirkung jeder Gestalt nötig 
war. LcUterc Arlicil wurde nacheinander von den 
Bildhauern Panuner, Hnrtninnn nnd Huber durcb- 
geführt. Kür den Be«chiiiier sind die ergftnitcn 
Teile durch den An»tticti tn hell tbongrauer Farbe 
kenntlich gemacht. Ferner ist dafUr gesorgt, dafs 
dieAb^Uine innerhalb der Gicbcirahmcn ventcbicb* 
bar blieben. 10 dnfs auch jettt noch jede l,m*id- 
lung ohne m grof«e Sc k wie rigk eilen venuekt und 
vorgenommen werden kann. Vtit nie hian gefugten 
nnichstucke wurden in SchubkAxten untcrtanlb der 
Giebel untcr);d>Tnchl. »o cbf» »ie in übers ichtlio her 
Ordnung jeder Zeit bequem »ni Hand ^tnd. 

Ahnlich tst mit den Metopen verfahren wor- 
den, welche gegenwürtig auch nur hier in derjenigen 
VnlUtxndigkdl der ZusnmmenfUgung vorhanden 
sind, in welclie) nie filr d.i-i itmtliehe niympiawerk 
rur VetiifTeiiiticbMng kommen werden. 

Auch fUr eine WiederhcrsIcUunK der Tempel- 
arcbitektur i*t nach MiV);lichkeit durcli AbgU»c der 
KRpiieUpioßle, der Lliwenköpfe >on der Traufrinne, 
dem Auflian det Gicbcirahmcn in OriginalgrAfM: 
und deren Bemalung, endlich auch durch dn von 
(iniltncr hcTgeMcIlicü Modell der Tcmpclfa»snde m 
', 10 der »wirklichen llrrtfve ge«nrfji. t.iict>cl und 
Gcbltlk de» IcUteien sind bemalt, die Metopen mit 
den vergoldeten Mummiusschilden, das Giebelfeld 
mil einem von I)iei tierrUhrenden TaTbigcn Wicder- 
hcrslelluni; versuch der Ostgruppe geschmückt wor- 
den, lloneben crniti){ liehen mehrcie Kxeinpljre tler 
CiUtinei sehen Giebelmudelle die Vergleicbung der 
ver^kchiedcncn Anordnun^-ttvnncblage fUr die Out- 
und Wcstgruppc. Natürlich i*t auch da* Aus« 



10 



'J*rciir L'ic Sarnniltini; der AbgU>*c im Alhrrlitnim ta nrctdcn. 



i;Tabtini;''ri:ld durcli Kanen, I'lHnc. Inndtchiltliclie 
An&ichlcn iiml ilic Wic(lctbcrtitcllati|;svcituch« der 
Alli» von Thicnch uml Bohn vfiaiiKchaulicbt. 
KUnfiij>faiii soll dies jedoch noch mii rcichctcn 
Mitteln gc»rbe!>cti. Prof. Fricdttcti rrcIJcr d. J, 
hat n^mticb den Außrag, xwc) Bogcnfeldcrr dcH 
SsaIcs mit c«>fscn Landschnfttn tn Wachsfarbcn 
auBCUntalen, von dencii d«» eine cniwedoT die El;viie 
von Tio)a od« den Uurgbcrg von Mykcuc, dn.* 
nndcre aber Hie Alti« von Olytuitin in idealer 
NVtcdcitwnicIIung neigen soll. Aiif«i;Tdrm wird 
dic^trf Sani mit vier iiictergrurscn Kundrehed. aus 
glMiricui Tbon in Rohbiaweiw geiclimUckt werden. 
VFcIcfac dem Bildhauer Ilanf: Martmann llbcrtca(;cn 
worden lind. Sie unllcn in Wrif« und Cold auf 
blauem Ciund da« I'iußUjild IIumvT«, den eeflUgel* 
ten blitx im Kotino^kr^n« «1« Mumwap^en von 
KliH, endlicb den Ko^i nnil die t-ani« Getlalt d» 
ulymptficben Zvu» nach den bekannten Mllftxbildern 
ceigen. 

An olyni[iiichen AbgUhncn »ind m diesem Saale 
noch vinige I'toltle %'on Hi'raionknpitctlcn, da« cr- 
;;inite ^rnUv KirxUktiHcr de. Ilcratcmpek, Sicijer- 
lind Wcihinsebriftcn und diu Nike dc5 faionio« 
aiifge»tcllt worden. Neben letetcrer aiehl da» 
Grflltncrtchc Modell auf der neuen, natfc Jen let/len 
Mc&&ungcn bericlitigli-n Basis. 

Scliliefilicii Uabcii hier tincb cinL- Anijihl vnri 
Bildwerken i'latz gefunden, die den ZeustempeUknlp- 
hircn nach Zeit ticler ^>ti1 nnbcotehcn. So der im 
ailieni^cbcn Thcaler gefundene ApoUun, »eine 
Wiederholung im BriitiKchen Mn^ieiiti^, nebnt den 
verwandten AtiolloMko|)ftn itrciigeu Stil*, die I'elei«- 
bnr get arcliaisclie Eroisiaiue, die »ugeii. ettiuilinixche 
Aphrodite, die sogen. I'enclope mit dei Hcriiner 
Wiederholung de» Knjifc», die Vci.ia OiUKiiniani, 
die MndvUcitKtelc buk Venedig, dat Grabrelief 4U& 
I'elb in Konvtantinopel u dcrg). i». Den Cbei- 
gjuig zu den po1ykle(iM;ben 'l'ypen dci Vorhalle 
bildet die von Kckiilc als Zew gedeutete Nutuc der 
MunehL-Dcr (jljplolbek. 

X. Vorballe (Grundfl. 85, VVandä. 114.^111). 
Die l'.ilhs von Ve]lctri und 37 Sintuen, HllMen 
lind Reücf», Riebt oacb polykleli^cken VoibiMern. 
fiesondcro Erwihnung verdienen die niten Mcng- 
aiichcn Abgilne einer dem pidykletiitcbcn Kiei»c 
nahe^teliciidcn kunMgochitlitlieh wieliligen Herme»- 
• Inlue in Kloreni und des Holinn, mit dem die 
verwandten Statuen des Itrittifchcn Muncums und 
der Dresdner Antikensantnlung lu bequcinci Vet- 
gleicbung lutainmen gefiel It sind. Auch der im ArchU- 
olngi«chen Anicigei 1S89 S, 57 besprochene »thrtne 
polykletitcht: Arnkopf aus den Louvrc befindet 



sich hier. In den tum Treppenhau* bin gelcgenl 
BngcnnfTniinj..'en Metigi>it>cbe AbgUtae de« kninssali 
barghe^i^ehen Maruiorkrater% im I.ouvic und 
inediciluchcn Va<ie mit dem auf Iphigcnien» Upl 
lung gedeuteten Kelief. 

XI. Parthenonitaül (Grtindfl. 435, Wandfl, 
414 (|ni). l>ie Neuordnung der l'arthenooikulpturcn 
in gtiHNiigiktcr tteicuehtung itl hier daiu benutii 
worden, Giebel, Melo|>en und Fries die bisher nur 
lUckenhiifl vertreten waren, durch alte nur irgend 
erreichbaren AbglUse tu vervolLildndigen. In H^fl 
lUg auf die Uicbclslutucn bat dl» nicht gani g«a 
lingen wollen; die Friese aber tiud, soweit erhallen, 
volblSndig vorhanden und haben «o nnfgesicl 
werden können, dab der Fries {cder Tempclscit 
in ununlerbrue helle in Zu*airinienhang liber»chi 
werden kann. Km L'bcrblick der ganzen Fii> 
komposilinn ist durch /er»chnci>L'n und /.usnuimu 
kleben der MichRclit'^chen Tafeln xu einem for 
laufenden Streifen gegeben. Nalililich fehlen 
Erläuterung der Giebel .luch die Carrejiiclien Zeitli« 
nungen, die i'etcräburgeT l'osetdonva^c, da;> Madrider 
l'ulcal, Ai>»ichteu und Grundii»e der AkrnpnEi^ 
und ihrer Gebäude nicht Cs^geti 50 Abbildangenj^ 
£in aufser in Athen und im Britiincben Muxu 
wol nirgends In dienern Lnifang vtiihnndcue» Ütn^ 
dieiiinaieiial bilden die AbgUs&e von Bruch<iiUcken 
der Giebel, de» Friese* und der Metrjpeti, wekl: 
noch auü dem Marüneltiichen Nat;l]laf> in Atb< 
erworben werden konnten. 

Von sonstigen .VbgU*i>L-n enibill der Saal dÜ 
bL-ini Varvakion gefundene Aibena mil den Übrigen 
KrgIntungHmitteln ftir die t'arlhcnos. die Dres'lner, 
Ciu«elcr uitü die Giiislinianischc .\thena. sowie eine 
wertvolle ZutammenstcUung seitdem nicht wieder 
abgegossener und daher wenig bekannter Albeuq;_ 
btlstcn strengen Stils aus der Meng)i»clicn 
Lung. Ferner stehen hier die Peteriburgcr »ogc 
D^idophore, [edoeh ohne den nicht iiigchdrig« 
Kopf und die fackeltragenden Arme, der Dresdner 
A»kli.-pin> IIU-. der hchule dci> l'hidjas (Arcb. ^Viu. 
i8t)o S. 107) die jetzt wol mil Keiihi Alkanie 
augc»chri ebene Aphrodite, die Hera Barbcrini ncli 
dem cphesischen Tor^o aus Wien und unV 
HerakOpfen strengen .Stils, das KopfbruchilUck de^ 
Nenicsii des Agnrnkntos u. dergl. ui. t.ndlich, als 
Übergang luin tiavhf len äanle, eine der ErccklbeiQ 
Koren. 

Auch dietet Kaum >oll entsprechend 
Olympiasnal tail swei Landschaften l'rellen 
schmückt Werden: einer Austebt der aDwg 
Akropolib in ihrer iirtpnini^bL'lien Gt«lall m 
ebeniokhen du» burgber^^ vgn l'erga- 



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Treu, nie Sammlung der AbgUssc im Alliertinum zu Dresden. 



II 



Majolikamcdaillons werden hier ferner der Kopf der 
Parthenos (nach der Aspasiosgemme), der des I'eri- 
klcs, das MUnzbild von Athen und der Profilkopf 
Alexander des Grofsen vorgeführt werden. 

XII. Zimmer des Myron (Grundfl. 26, 
Wandfl. 73 qm). 23 Abgüsse und 7 Abbildungen, zum 
Teil zur Erläuterung myronischer Werke und des 
Domiiehers , zumeist jedoch Athleten typen des 5. 
Jahrhunderts. L'ntcr den JUnglingsköpfen einige 
seltene alte Abgüsse, z. B. des Diadumenos von 
myronischem Charakter im British Museum (Third 
gr.-rom. Saloon) und der Jünglings köpf mit der 
Siegerbinde aus Petworth. 

XIII. Saal der Eirene des Kephisodol 
(Grundfl. 9z, Wandfl. 130 qm). Rings um die Frie- 
densgöttin, welche mit dem Plutos aus dem Piraeus 
die Mitte des Raumes einnimmt, Tempelfriesc und 
Weihereliefs aus der zweiten Hälfte des 5. Jahr- 
hunderts, nebst der Nikebalustrade. Alles stark 
vermehrt. An selteneren AbgUssen die vollständige 
Metopenreihe vom Theseion (aus Martinellis Nach- 
lafsj und die schönen Metopenrcste aus Phigalia. 
Gegen 30 Abbildungen aus Stackeibergs Phigaha- 
tempel; Rofs, Schauberl und Hansen, Tempel der 
Athena-Nike; und Kekules Mikebalustrade. 

XIV. Zimmer der griechischen Grab- 
reliefs (Grundfl. 35, Wandfl. 69 qm). Gegen 30 
Abgüsse von Grablekythen, Sirenen, Stelen und 
deren Bekrönung; darunter ein alter Abgufs des 
Albanischen Reiterrclicfs. An Abbildungen einige 
Tafeln aus Stackeibergs Gräber der Hellenen zur 
Erläuterung der B es tattungs weise. Photographien 
der Gräberstrafse am Dipylon, die trauernden Frauen 
aus Furtwänglers .Sammlung Saburoff, Grabstelen 
u. dergl. m. 

XV. Praxitelessaal (Grundfl. 119, Wandfl. 
154 qm). Gegen 50 Abgtlsse praxi telischer und von 
seiner Kunst abhängiger späterer Typen. Der 
olympische Hermes zweimal, unergänzt und in der 
Schapcrschen Ergänzung auf einem Postament, das 
der Originalbasis im Heraion in Form und Grofse 
genau nachgebildet ist. Unter den Ergänzungs- 
mitteln zum Hermes ein interessanter farbiger 
Wicderherstellungsversuch Ludwig Ottos. Unter den 
Gypsen mehrere seltene Mengsische Abgüsse aus den 
Ufüzien, vor allem der schöne lehnende Apollon 
mit der Gans, Overbeck, Atlas der Kunstmythologie 
Taf. 23; der Ganymed (DUtschkc III, 115). Ferner 
der Torso der Knidierin aus der Keole des BeauK- 
Arts , mehrere Wiederholungen des Kopfes dieser 
Statue, der Neapler '>Narkissos« und das Urustbild 
des »Sardanapali im Vatikan. 

XVT. Zimmer des Lysipp (Grundfl. 35, 



Wandfl. 79 qm). 30 Abgüsse. Neben dem Schaber, 
der als Aussichtspunkt für die vom Parthenonsaal 
herkommenden aufgestellt ist, der ludovisische Ares, 
der »JasoU'i im Louvre, der betende Knabe und 
mehrere Athletenköpfe des 4. Jahrhunderts. Dar- 
unter wiederum einige seltene alte Abgüsse, z. B. 
der Kopf des Jünglings mit dem seitwärts ge- 
strichenen Stirnhaar, welcher in den Uffizicn auf 
ein Salbgefäfs herabblickend ergänzt ist (Gori, Mus. 
Flor. III, 75). Der bronzene Siegerkopf und die 
Pulydamasbasis aus Olympia; das Lysikratesdenkmal, 
und, als Vorbereitung auf die skopasischcn Typen 
des nächsten Saales der Berliner Meleager und der 
MUnchener Poseidonfries. 

XVn. Mausoleumsaal (Grundfl. 80, Wandfl. 
119 qm). 50 Abgüsse. Aufser dem Mausolos und 
der Artemisia die vollständige Sammlung der ge- 
formten Mausoleumsfriesc und der ephesische Ama- 
zonensarkophag. In der Mitte des Saales die ephe- 
sische Säulentrommel mit Kapitell. Ringsum die 
legeatischen Skopasfragmente , der weibliche Kopf 
von der Südseite der Akropolis und mehrere der 
von Graef dem skopasischen Kreise zugewiesenen 
Typen. Der Ganymed des Leochares und die 
Tyche von Antiochia zwischen den Brockhaus'schcn 
Kolossal köpfen. Rekonstruktionen und Photogra- 
phien vom Mausoleum. 

XVIII, Niobezimmer (Grundfl. 59, Wandfl. 
gx qm). 22 Abgüsse, darunter ein schöner und 
scharfer der florentinischen Statuen, neu aus der 
Vannischcn Auktion erworben. Unter den ver- 
wandten Denkmälern hebe ich nur den Caslellani- 
schcn Niobediskos aus London hervor. Die aus- 
gehängten Abbildungen versuchen, aufser einer Er- 
gänzung der florentiner Gruppe, eine Geschichte 
des Niobemythos in der antiken Kunst zu geben. 

XIX. Zimmer der griechischen Bild- 
nisse (Grundfl. 52, Wandfl. 78 qm). Gegen 50 
griechische Bildnisse in geschichtlicher Folge ge- 
ordnet, darunter mehrere wertvolle Abgüsse aus der 
Mengsischen Sammlung, u. A. die sogenannte Zeno- 
stalue aus dem Kapitol, die InschriftbUste des Eu- 
ripides aus Neapel' und die des I'oseidonios 
(Visconti, Iconogr. Gr. 24,1; Baumeister, Dkm. 11 
S. 1396), die kleine sitzende Piaton Statuette (Mon. 

') Ich benutze diese Gelegenheit zum Hinweis 
darauf, dafs die Braunschweiger BronzebUste des 
Euripides , welche Gustav Krüger In der Archäol, 
iCeitung vom Jahre 1870 Taf. 26 veröffenthcht hat, 
lediglich ein Renaissanceabgufs des Neapler Mar- 
morkopfcs zu sein scheint. [Das istbercits in dem Füh- 
rer durch das Herzogliche Museum in Braunschweig 
für alle vier Bronzebüsten ausgesprochen worden. 
Vgl. Bibliographie des Jahrbuchs III 1888 S. 156J. 



12 



Treu, Die Simmlunc der Abgtlisv im AlbcTliniun zu Dtodcn. 



<I«1]' rnsl. Itl. J: Bniitnci«tcr H S.1334), rfersn Kopr 
Übrigen«, wie meines Wissrn«^ iiicn>l \jait |*i:«vl)rn 
bat, niclit iu|{cli4itt, K» winl citi Diunys^i^kdpfcltcii 
sein, welcli«< hier, ütf aus <!« Ren nUsiiiioc teil 
«taninicrKlvn Ttadilion tfcniHfs, <lem l'latonKirptr 
aufgcsetxt wurde. — Gc(;ci) 3o P)ifilof(rapliii-n n*cli 
pluliicben Bil(lni>*un und Muiu^ilduni. 

XN. L.jrkiüchet Zininici (CininilB, 61, 
Wnnilfl. lOQ qm) 18 AligUsne, 40 Abbild Dn|;vo. 
KIctna^iaiTschc Crnbmallypen lum Vergleich mit 
«IcRi Mauiolcum. Aufiwahl von AbgUucn vom 
Xcrcidcnnionumcnt und GjAlbaschi, erlAutert durch 
die T;«feln von Michaeli« (Mon. cIl^II' ln>l. X, 1 1 fT.) 
und Benndoif-Nietnitin« Gjölba^tlii-Trys.i. üci 
bcmtiltc AmarnnL-marlcnphai; ati« Cornetn in den 
farljigen Tafeln de* Jnum. o( iicilcti. StnH. 1883, 
36— .{8 tur VeTanschaulictiung der BemaJungs weise. 

XXI. Zimmer dci kleineren Bildwerke 
(GrundR. 18, WandH. 45 qm). 113 Abcfltse, 18 Atj< 
bildBn([en. Plasiischc und oialcrlichi: Nncbbihlun' 
gen von Tann^fäiiclicn Ttiractihcn ; KlcinliTonien 
u. dergl. in. fleii>uluiij{!tvctiui:lii: an BUt'len, kli-inc- 
TCD Staiucn und Moiken. zum gitirttcn Teil be- 
sprochen in dem Vurlrag: Sollen wir unM.'TC Su- 
hlen bemalen: 

XXJI. Zimmer dci Aphrodilc von Me- 
ine und de!> Lnokdon iCiundlt. .rj, WundA. 
79 qm). It Al>{rtlvi.c. Aiif«cr den bi-idvn JlaupT- 
»talucn alle Mctigninche AbgUii^e vam Knpfc der 
sclionen kapitoliniicbcn KoloEsalataiuc aus Pnlaaio 
Cc« (togen. DetnelerJ und eine Iclcinc Kopie der 
gnmen Gestalt (Boiinri 111, 8; KiKheiii I. 5/. l>o* 
pcrgomcnischc Nikehnupl vind der ennprccbcndc 
cjrpriichc Kopl iiiil den einKt«ci»tcn Aujjen aui. 
dem Berliner &Iu«cum. Tafeln mil ET(;animng»n-r- 
lUcHrn zur Aphrodite von .Mdo^ hiich de» .Mnrco 
DrntB aut Tliode« Bucb über die Antiken in den 
Stichen Marcanions cic. cur Venn«chiiu1icLung des 
Zustandet der Laoltoongruiipc vor der KrgHjuunjj. 

XXIII. Gallivixiniuier (Grundfl. So, Waiidll. 
154 qra). 50 AbgUsu', teils nach den grofnen und 
ktriiien altalischen GaI)icr|;TU|'pen, tuiU nach Satyr* 
lypea der DiDdockenptriodc und der Mar>yts- 
^rupp«. Zur Iclflrrcn gchtfien u. A. xwei Menf[- 
sificbf AbgU^fC iJach den Marsya^slatuen in den L'ft'itj 
(Baumcioter, Dlim. II S. SfA) und der Villn Albani 
(Overbeck, All. «. Kunstinyiltol. Tat. a6, aj), 

XXIV. Pcrsnmonsaal (Grundri. 183, WandB. 
105 qm). 44 fast durehjjHn^^ neu nngctchaffle 
Ab^llMe. 1>ie ii*niv eine, 21 in tne»*ciide L*ng- 
wand und die .ingrenrcnden Teile der (^iier- 
wünde werdrn von I'Iniicn de» grofwo Allarfricic« 
ciDgcnDcnmeni die hier, von Sim« und Sockel ein- 



{[crabmli in snjjrnicsBcncr Hfihe attfgntslU Mud. 
In der Mille de^ Saales (wi»c1ien dem StDckholtnrr 
l'lndyininn tiiid ilci Madridc-t Aiiiidni: der Mcn({«iM:be 
Ahj^uN di< Meiiclaa« mit dem Ij^Ieboam des !'■- 
troklne, welcher nii« Abformun);cn der t)cidtfn tto- 
rcntinci Kopiecn lUUiinRiengcscUI ist. AtiCkcrdmi 
die vatikanischen Wiederholungen des Mcnelioa- 
kopfes und der Beine des Tatroklos. An der eine» 
Schnialwand (>. (Um LlurehschnitI) die Kchn-iienile 
Athens au* dem Kapitol und die Nike von Samn. 
Ihrake; nuf der anderen der ■lno{tut<i und der 
ApoUou vi>ui Belvcdcrc, vclcbcr so «afgHlellt in, 
dafx er den Uurcbblick von der ganren stldlicbcn 
Saalreihc her beherrscht. An der nfirdlicben Lani;- 
WA.nd die Reliefs aus Pricne und die GicbelfiUluen 
flU« Samolhiakc nebst i-ineni seltenen (Mcng«i> 
*chcn) Abguf* iler Nike aui der Gallrria dei 
Ca,ndcUbri , welche die Medusenmaske auf den 
.Scheitel curtickochicbt. 73 Abbildungen im Vcr* 
nnschnulichnni; der Bau- und Bildwerke in l'erifa- 
mon und auf Snmothrakc, lur Ergänzung des A[iollan 
vnm Bvivcdcre cic. Tafeln am Schieibets Kvlicf- 
bildcm. 

XXV. Zitnnicr der llcra Lmloviil 
Grundfl. 80, VVandfl. iSS qni). 70 AbgüFsc nacb 
Cnttenypen, Mii»cn*tntuen und Rclicfbildern der 
Diadochrn Periode, diuunler lablieiche Menk'si5che 
Ab^tfc noch sciihct nichl wiedci^efnnnien Slllckcn: 
die kolossale Saiapi>bll«lf au» dem V.-itikan iOvtrr- 
bcck, Atlas der Kunvlmythol. 1'af. 3, 6), vier Maaken 
von kolossal enKItifngnttcrknpfen nu* dem Vatikan und 
ik'iu KapiiDl, ilcT lu tteinem Ueuiel aufblickcadv 
Merkur aus den L'fliren, die »Floia- aus der Viltn 
Hatlri.-iiis im Kiipilol (Rijfhctli 1, 4), mehrere bald 
alt Ccre«, bald cils Musen und Venuln erglnitc 
Gcw.ind Statuen aus den UCfixien und »hlreicbc 
»Relicfhildcr« , die im Anwcbluf» an die grimani- 
schen BrunDentelief« hivr auf^httngl worden sind. 

Besonders untor diesen Uelicf iiildcrn befinden 
•ich mehrere wichtige nml seltene ätUcke. Vort 
neueren AbgU«»vn hellen wir tum ficblafs noch 
hervor den l'nnierlorso der Odyssee, Athen. Mitth. 
1889 Taf. 5. 

XXVl. Saal dev FarDCsiachcn Stivri 
(Gttindli. t88, WondR. 308 qm). 67 AbgUcsr. Um 
den neu ancM^chafDen Abgufs des harncsischen 
Stieren, den Farnoischen Herakles und die kolossale 
Mclpomcne aus dem Louvrc Idealbililungcn und 
Bildnisse aus r^lmischer Zeil. Damnler wieder eine 
ganic Anzahl «cllcnvi aller AbsUtte: ein Kuloiifa)- 
kopf der Roma unbck.innler Herkunft (llettncr* 
S. I40, n. 385), der ebcnfutU kolossale Kopf der 
•o^cn, Juno von «^Arskoje ^j^el^i, die Tbuinelüa 



Treu, Dir Sunmluae der AbgUsse im Altteicinum ru Dresden. 



13 



und dn gefangener DiücetfUrst (vom Eingang äct 
Ctnrcliuu Boboli) iiebsi einiEeii B «baren köpfen, 
<lic RronUithitiic dcA adnriTendcn EtTUSkers Uin 
l-'lDTCni, der Camtllu« vom Capitol. eine iittende 
wciblicbc Sialue im ächetna der kapiloUnUehvn 
Agrippina mit niodcmcm Kopf u. A. m. 

XXVII. Zimcnet tlcr Aphrodite von Me- 
■lici (GrundH. S2. WandA. 191 i)m.l. S5 AhgOs^c, 
■neiat mi« dem 9phrodi«i«chcn nnd baccbiichcn 
Kreide der itltischcn RcnitisfaDcc und de« rOntiichen 
KkleklicUmus. Ai> nlien AbglltM'n der Dianytou 
tono mit dem auffallertd wcibiiiclicii Formen in 
tlcr Salo dcUn Bign den Vatikan (Indicazionc iinti- 
ituarin, Mu». Pio-CIcm. ;i». 146 d. iio), der von Ben- 
vcnuto CclUni lü« Ganymcd ergiinxie Toryo au« den 
UfTi») (üori, Mu*. Flor. III, $}, der Narktii«o» mil 
den Über den Scheitel gckgicn Armen uaf dem 
lAiuvre, tytci «chlafendc Eroten aus y]otcat und 
Wien (flvItiieT S. 135, n. 350 u. 352), der als t'an% 
ergtinctc Aiti:» (Hcllncr S, 13g, n. SJT), die Lcdn 
aus den UHuJ (ebenda Tiif.3], eahlieiehe Aphrudite* 
lurven und iicU3lti»chc Relief« der vun irnu^er 
i;e<n mm eilen <^ailung. 

XXVIII. ZimmiT der rrt ini»ehcti HihJ- 
njsse (Cnindft. qj, Wiuidß. 191 qm), Geüvn 75 
iSniische I'otir Kl büßten, darunter eine grofoe Anmhl 
seltenvr MengFisuhcr AbttU*«!:! xuntuitt aut dem 
Knpitol. Rciiefproben von der Trajnnstitulc, Ab- 
^■IUec von Alleren , Mannorvnicn , Ksndcl-ibetn ; 
Nachbildung dvä ilildcsheimcr Silberfundes und der 
l-AiicrtfortcT l'balcruL'; Kricgergial>s(ci[ic aus Main«, 
ncbsi der vom M^iuxvc Ceniralmuieum 1ierausge> 
seltenen Sammlung rdmiicher Waffen, GeHte und 
Schmu ckulQckc (elw.i 70 SlllL-k]. Korknaclibitdung 
vinex pompcjanifctiL-n Hauf-c«. *>ugen So riii^togra' 
phiccn rAmificbci Üaun-etkc lut Koni und l'ompeji; 
fatbißc Nachbildungen pompejanintlicr VVanddirko* 
ratinnen nach Mou und anderen: reiche Auswahl 
•non Tafeln au* I-'röUner-Aro»a'* Werk über die 
TTaiaiikiittuIe. — Den Übergang tur cbristltchen 
Zeit bildet ein Abguf« de* Trierer Xoithsarkop)ui£& 
(Heltner S. 145 n- l) und l'liotO{{rsphieen alichiist- 
licticr Siatucn und SiiTkuplingc. — 

In den sicti hier anieihenden Stilen, welche der 
Plasiil: der cbrtttltcben Zeit gewidmet lind, 
hat ein üuf^rer Umstand eini.' Abweichung von der 
strengen Zcitfulge nrttig gemacht: lier Abguf» der 
Frcibctgci Goldenen Pfotlc in Siiol XXXJI konnte 
wegen seiner gewaltigen Schwere nur an einer 
»tSrkeren Brandiiiauei aufgc6te!ll werden. IC* hat 
daher die Entwickelung der italicnisclien Plaalik 
dem deutacbcn Millciilter voranctSlcUt werden 
nilUten. I>nhcr folgt ntminvhr in 



Zimmer XXIX die Kantt der Pi«ani und de« 

Qhiberii. An antiken Werken stehen hier noch 
dtc »jüilrömi.tcbco KnloMalbU«leii »in^ (.'apun (llctt- 
nee S. 1 54 p. 45 -47). 

XXX. Zinnier des Donaicllo nnd seiner 
/'Ci (genossen. 

XXXI. Michel Angelo-Snal. Innvrhulb 
einer dnrch neue .^nkAufe sehr verroU^tandigtcn, 
reichen Sammlung von AbgU«4en nach den Werken 
Michel Angelas «icht hier auch das Grabmal de« 
Kurdinfll« von Portugal au« ü. Miniaio von KomvI* 
liao und jener Mcng»i«che Abruft dcfi Kaphael iü> 
geschriebenen todtcn Knaben nuf dem Delphin, der 
im Jahre 1S71 jiu der Knideckuiig des OttginnU in 
der FeicnburgeT Eremitage führte (vergl. Gued^- 
now, Cbet eine dem Raphacl »uge«chri ebene Mar- 
morgruppe etc., Pctenburg 1873). 

XXXII. Saal der Goldenen Pforte zu 
Krcibcig mit (.■Jnem vDlUtaiiitigen, eigen» fOr die 
NeuauffiicUting im Albcrlinum gcfertiglcn Abgu^ite 
diews gewaltigsten romaninchen roTtalx. Die cf 
haltrncn Farhreste »ind ge1q[CDllich der Abfonnnng 
genau vencichnei wotilcn und n soll nuf Grand 
derselben eine farliigc WicdethcrvicHiing des 'ITior» 
im Kleinen vettucht werden. — Der goldenen Ffarie 
gcgenlther d}egrnf«cKTCtt^ifiUngS£nlppe aus Wcchwl- 
bürg, eine Reihe der Statuen vom Dom tu Bam- 
berg, Thanrelieft und Grabplatten «ui 1 Iililc»heini, 
die »ogen. Rciterdatuetti- Karls des Grofsen aus 
dem ^luieu Camavakr aus l'aris u. dergl, m. 

XXXIll Peter V"i*cbet-Zi mmcr, ^amm- 
lung von Abglluvn der rräi]ki«cbi;u und itchw.ibi> 
»eben Bildhaneruhulen des XV. und XVI. Jahr- 
butidcrts. 

XXXIV, Zimmer des Giovanni da Bo- 
Ingna. KntltHlt atir*er den AbgUtscn nach Werken 
dicNCK Mciitem die neiigefornilcn Uronxestatuen 
eine« slchai^chun Kurfurüenpaares , welche Cio- 
vanni5 Schüler, t'nrlo de' Cesate unter anderen ftlr 
die landeifur«itictie Begrübnifska pelle in Freiberg 
arbcilvtc; lahlrcichc I'orinilbiisten und Kclief« de» 
XVi. und XVll. Jihrh au» der Meiigsinchen Samm- 
'"tig. gatvanopla^iischv und Gyp«uachbitdun);en von 
iloliemtcheii und dcul>«:hen KcnairtancemEdaillcil 
und PlaqueUen. 

Kl folgen nunmehr die Abgllsse ncitetcr 
Bildwerke, welche teil« auf den lum I.ichihof 
herabfUhrendea Treppen, leÜs in dessen Vorlialle, 
endlich im I.ichlbof selbst aufgcsletlc sind. 

Die wenigen bei Mcitnei S. 167 n. 144—180 
aufgeilblteD Abgflase Thorwaldsen.s , Uanneckers, 
Rauchs, SchwAnthalcr«, HühncU, Schilling« und 
Andere' sind, wie wir bennu oben bervori^hobcn, 




14 



Erwvrbun^liencbU' der Dcuiscbcn UmvcreitdbMiiiniiungcn. 



■nkt bcCrSchtlkli venuchtL worden, dnenciu durcli 
den Hiitiiulrilt ücr voilElln(tit,'cn S.ttiimlun|>cn Rict- 
tcheld'hci und lltlhncUchcT Mrxtellc, nndcTcr<cii« 
•larch xahlmchc ncac Anititufc. ßci den iTiitcrrn 
wurde oaturgcmirs zunlctisi die Ürcadcncr Uild- 
Iiaucrsckuic lictUkl»ichl)Kl ( Hcnc» KurFtlritiii 
Anna; Koben PIce* GiUisudiirl', <c!nr Gntpp'C vnin 
Rraunscbwcij^r KrirgcTdi-nkmal, die knlo^Mik-n 
neuen llTunni-n);nip|>cn fllr t>T0«4lci) • Nriii^tndt ; Bell- 
tcn&' Sphinx; Karl SchlLiciN wcililickc Bildnisse 
u. dcTgt, m.). Sodann wutdv »bcr aucli weiter in 
die Vetca»i:*iilicit lunitkcccrifTcn (Andrea» Schlu- 
lers KncKenna«kcii wiiJ der Kn^r di> Grofseti Kur- 
fdrslrn. Scliailuwt leinen und wine Keuch vom 
^ictendenknuil : lUiudnn« Voliaire und Gluck). He- 
■ondeiea (icwichl wtuxlc endlich darauf i^ek'j;!, 
neuere deuKchc und auswSrliEe Bildhaiiej 
tn ihren Werken den hiesigen Kllni>llern vomufulifcn. 
IJir* i«t «orlHiiäK durch mchiorc Athnlcn von 
Kcinhüld BKgufi in Berlin, Victor Tilünei in Wien, 
tdgar tiuhui und Tlioinycrort in IvOtuldii. Paul 
Uuboi« und O. Roty in l'ari* j;e«t:heheii. 

Aber von diesen teut{;ennnnicn Beitrebunccn, 
in dvien VcrfoIi^unK ich ilic HaiiplaulK'ibe unvcrcr 
Saininhiii); «i-he, hii-r ausfulirlivlier xu reden, u'Urile 
von ileni /.wecke r.u weil nhfUlirvn, dem tinc Ver- 
AfTenlltehung in dieser Zvfrtvhrift lu divnen Um. 

Omden. Gentg Treu. 



ERWKRBUNGSIiliKICIITE 
DER DEUTSCHEN UNIVERSITÄTS- 
SAMMLUNGEN. 
BONN. 

IK-n wichlig^lcn /uwach« «eil t. April 1S89 
erhielt dir ^arotnlungdct Ihiginalc im i-Akad. Kun«t- 
iniifcuiiKi durch den Ankauf ron gegen 50 Thon- 
gcniften, dir in Sildtufsland in der Xekfopolc von 
Olliia gefunden woidt-n sind, Cber sie berichte 
ich tinien im Zu«imroenltane , da der wissen- 
«chaflllch« Wert der eintelnvu SlUcke in entei 
Lini« «if ibrcm gemcini^chaftUchen Fundort bcraht. 
Aufterdem wurden gelegentlich einige Vuucn und 
Bronien griccbiFcben Fun dun» erworben, G«- 
schenkt erhielt dns Museum 50 Antike Ulanpatten 
nach gc«clinittencu Steinen und eine kleine Samm- 
lung von MarmorfragDicnicn, Vasen und Teirn- 
coltcn, in der n^mcnllich die illlcren griechischen 
Vuenaoileii cbarnklerUliKb vertreten «Ind. Da ein 
IltuMrlrter Katalog der Bonner Sammlung vorbereitet 



,1 

I Kol- 
ordan 

ttio« 



wird, bebe ich nur diejenigen NuBunstn he 
eine vorluufi^ Noilning ru vetJfcneu schelneo.'] 

Fragment einer Brunnen-Figur in Ge«bdt 
SileuK, der einen durchbohrten Schlauch aaf < 
1. Scbulter irtlKt, den r- Arm erhohen h.tnc. ArS 
und Beine fehlen. GcMmmrhrthc 0.23: Torsolangj 
0,13. Fundort Rom. Bciprofhc« Bull, dell' 
t&78 S. 72 ;LoeschckeJ und lUitnilirlich bei Jor 
Msrsjras auf dem Forum in Kmn, wo Tat 11 
eine Abbildung. TMc s«hr lertiflrle und kdnMler 
nictii heivonagcnde Sintiielte gieht getreuer al» Mi 
bisher b«kani<ien Siiennliildcr den Typu» de* he- 
rllhmlen Mat»yas auf detn römischen Forum wiedec; 
Ilie «ich an diese« Bildwerk knüpfenden Frugen 
scheinen mir nuth durch Jordan noch nicht 
stHndig erledigt. Auf den Balutirndenrelie(t 
Kontra (Mon. drir Ui. IX 47. 4S) bildet die Marv^i 
atnluc cihL' eng verbundene Gruppe mit ciocin Kol- 
gcnlinmii roi dem ein »Altar- steht. Wenn Jordan 
und totjar Richter (Tupoj;rapUic S. 800) in i|| 
Fcigenbftum die ficiiit Kuminaiis sehen wolleni 
M die* unmöglich, Dicar »tand auf dem l^mtt 
der ManjTAK auf dem Fvruin und Jnrdnns An- 
nähme: der Klln^ller habe den Feigenbaum nufeinc 
Basi« gcutcllt. um dadurch aniudeucen. *ixiX* 
Baum von «einem natUibchen Standon wc| 
mcn und als ein «innbildhche». fa«! heraldikcll 
OmAment behandelte sei, seUt eine Symbolik voratu, 
die, ich niUcbti.' ^liLilicn in kcinei KunM der Welt, 
jedenfalls nicht in der cbssischeu Üblich und ver- 
stündlich isL Der Baum int natärlieb h intet dei 
k. ({. Bali), »lebend m denken. Dafi et lubeint 
auf ihr iieht, iil eine notwendige Folge der RcU 
technik. Wer «Ich hier auf den • ,\tigcn«chein ■ licl 
nifl, wie Jordan et .S. 33 tut, niufs auch annehmen, 
dafs z. B. .mf 6cm in AbgU^scn verbreiteten Relief 
Mtliiclieii üju cm lialbcr Knabe uuf, nicht ein Kanu 
hinter dem .Uiar stuhl oder atif dem Kithoruedt 
rclief Berlin 92 t die Platane auf der ^auer wKcl 
Wn« bedeutet aber die ■•Bnunic? Ihrer Form nsoh 
kann »-ie ein Allsr i^ein. und ein Altar, der Fei|feO' 
bäum und die SiU-nsiatue wUrdcn dann da« BiM 
eines laadlichen Heiligtum* bieten, crwa de* LI 
Paler. das »ich im Herten der Well»ladl erhall 
hatte. Aber «• ist wenig wnhT«chcinlieb, daf* mnn 
in diesem reichen Rcliersticl die Andeutung def 
f Jpfergaliin auf dem Altir unlerlansen haben *olUci 
ohne die da^ llciliginm doch wie verlassen encbeilili 
auch siud Baum und Altar «o ausBIbrIich Itchandl 
daf« man ibnen geni eine sei b>tit Endige Bedeuli 
in der Komposition zu;chieiben machte. 




'1 



WM 

am 



Bonn. 



»5 



Daher scheint » mir tler Erwüipiatc wert ob 
111411 nii-ht vivlnctir in itcr •nllarahnlichiri' Bn^i«* 
dis puWal Ubonis crkcnni-n imif«. Sicher «tnnd « 
nahe heim Manyu. da flu Tribuns] bald nwh 
diukctn, baW uach <Wm l*ut«il bcicichact «rird (vcrgl. 
/uleiti Richter :i. ilO. S. Soi). Ein l'uical unii ein 
Altar «ind in SiMtcnanslcbt nicht tu unlcrM;licidcn 
unri Hafi i-r<lcre» hohl w;ir, konnte im Rclivf nur 
tehwerdarKvi'U-Ul wcnlen. fV«ri;I. NUi'iuarilt-Wi&owii 
H. Slaal^Tcrwaliung III S.363 und (Im llilddcn Piitcal 
UboD» auf Municn bei Bcckci. llui(U>ueh d. r. 
Alicitbilincr I Tvf. V. 5.) Auch ilcr Feit;eii1>aum 
^eliiti! vielleicht lutprllnuHchei niii itcm l'ulenl »!■ 
mir dem M.nrvya* xui.immen. Tatsache i^t jcden- 
(a!L>, dnis heim pDlea] Nstvianuu) auf dem Cotiiitiuiri 
die (icn» Kuminalii Kland und licim bei* Curiiu«, 
der nitch Vnrro ja mich drt l'dWil war, gk-lcbrUls 
ein J-cigenhaum (l'tin. N. lt. XV 78). I>en Scbllbiel 
III dc[ dicimatigcn %'crl)indunE de* KeiKenhniinn 
mit dem BliU^rab würde ich, im Ausclilurs an die 
von A, Kuliii einwickelte» VurMelluiiijen übet die 
Herablcitnri dct Feuern und det UJiltcnninks, id der 
Vorwcndaeig verschiedener FktM «Arten <ur Feuer- 
en cugunf; t liehen und xwar ittii ftu lieber als 
nach rotnii^citcr Üagv bekonnilirh die Zviillinse 
an der ficu* Kuniinalis aufgitfunden wurden. AI» 
ilb'«tc» Itenkiunl der Gruppe hatte unter die^ti 
VomuHemungen du Polcal »u gehcni bei Uim 
hatu man den Feigenbaum {rcprinnd und dieser 
endlich dcB l'Uli dci SÜciutlatuc bcsliaimt, »o wie 
beim Tcnipvl de» Saturn cinti «in Bild des Silvanu» 
unter i-inein Feigenbaum ^land ( l'bn. a. a. O, ), 
Nimmt man an, dafn der Prülnr L. Scribonitu l.üiu 
205 V. Ch. (LiT. XXIX 11) da» ^uteal errichtet 
hai, sc (tdtt nii:hc notwendig die Knt*iehung de* 
Marsyas, ila vt ein ttcniectllck gewesrii •«in kann, 
wdI ab«r «eine Aufstellung in Knm erst nach die- 
ic(N Jahr. Fllr JordAioVeriHutung, dnft der Silcn ein*t 
alt BrunneDstatuc gedient habe und auf dem Markt- 
plnfx einer Crtccben»tadt gestanden, wUfsic tch Nichl* 
uiwumbreu; die Slnluc l>aiiii etK-n*u gut au» einem 
dii>n)r«i«cben Ileillgluni oder au" einem Privatlinin 
slanimen und wa» Augtutun veranlaf&t hatten mag, 
sie lum 'indicium libertalit« lUr eine Kcilie ron 
CoIonialMAdtcn tu machen, ist noch intncr nicht 
aurgckttrl. 

ß. l-aUH. 
a) AegX|>titchc Vasen, 

Scherben Hj[y|(iischer WeintO^fe mit In*ehrifteii 
lu« der /eil KA»i.«es III, gefunden in den /.ief^el- 
bauleii hinter dem Kaiiie«»cnin lu TbHwn. (Vergl. I 
Agypt. ?,«ttKlitiri iSHj Heft 1 Wiedei)uan.J Ot- i 
nchcnkt von Dr. A Wicdeiiutnn. ' 




ß) Griechische Vaken. 
I. Mjrkrniiicbe Uattung. 

1) Kinhcnkliger Becher' aus Megara. fl. o.ij. 
FtmiCnnnlcrci dritten Stils. Das Hauptomnmrnl 
*chcin[ abgcleitel von Nantilu* - DarstvUunt;en wie 
Furinafujlet und L. 
Myk. Va*en S. 80; 
die Fnngormc «ind 
abgerallrn, der K(it- 
[»cr allein übrig ge- 
blieben. Auf der in 
ilcr Abtiildung nicht 
stchlharen Seile wnr 
ilei Hechel ii;iio» im 
iUivrtum Kurgfttltlg 

mit Klammern reilaunri, genau in der Weiic wie 
L-» auch •.patcr in Griechenland fiblicb war. Vergl. 
U-rhard A. V. CXI.V. 

3) (lewftlinlicfiL' RUt'clkanne aw- C'rpeni oder 
Kliudus. Als ich bei der Reinigung 'ler Vase, die 
ich gemeinvcbuftlich mit Ur. A. Koerte vomabnif 
das durcli Erde und harten Sinter fe*t verfchlosvene 
Eingur<rährche)) nffhete. cniotrftmie der Va«e ein 
«u intensiver, nncb lange i^eil ben>rrkbarei Wnhl- 
gcruch. da& jede Thuschung unscrerseiu ausge- 
schlossen i>l. Uir »Myk. Vasen« S. Xlll auige- 
spruchenc VermuiiinE. <laf> die kleinen Bbgelkanncn 
rur Aufnahm«- vrnlitriechendec Ksxenreii licsliminl 
waren, kann hiernach als erwiesen gelten. 

II. All-fioeotischc Catiuntf. 
1) Vicrlicnkligc Üchalc. Uro. o,3(X Auf den 
weiften Uebenug de? niegclrak-n Thon» lind die 
Ornamente mit drei ecrschie denen Farbe« aufgemolt. 
Am hditfigstcD ist der gcwfihnlicbe, hier loige- 
bninntc Firaifs verwendet, die PlUlung der Strahlen 



und die dunkleren umlAuJenden Streifen aind braun- 
violell, der Strich nnlcr der /Jchchenrcihc ficib. 
Aufgcsvtilet' Gell) ennncre ich mich auch nn einer 
aliertOmlichen in Mykcnae gefundenen Scheritc i[e- 
«eben XU haben; an aicbaiKcheii 'reirocotten t»t e« 
nicht selten. 

*) Uh i!«ichnniigen ^nd von den Herrn E. GJcli- 
ler tind M. l.a!>ke berge^tcIlL 



i6 



Et wcrbangt berichte der OcuUchm IhiiversitKtManiiulangvn. 



3) Schale mil eingclMgcrcm Rand biu Thebn). 
Dm. 0,24. Tliofl und Viroirs dem der I>ipyIon> 
viuc» nahe »Ichcnd. Auf ilei Rück.-icilc stall de* 
Ziciuacks nur l'unkic. Vtitct dun HctiLeln jv ein 



X 



) litkrnkTcui. [nwcndig gi-riiiiifit t>ii auf viiwn llioii- 
gmndigcD SlTcif iliebt unter dcf Lippe Div^c 
»chOnc Schale bewcitt diircli ihre Fonn du Fort- 
leben ccontelTischeT DecDiationswcJic in Booticn 
\Ä% wcnigslcn> JOO v. Ch. 

III, Kand«l<lck einet fotthonlgen K«hefvaic ui» 
Ktruricn. 
Ilobc itci^ Bildttrcifcnü 0,04. Greif, KetlUi:etii;r 
I.f>vrt, der hier luiti ersten ^\a] auf die«» an ül- 



Inten Typen »o ificlicii Gaiiung erttchcint. Eber, 
Uutender K«flUgetlcr Mann. Ocr SlU in gricchi*cb, 
nicht ctrunktscli. 

IV. OclfiSschc lii^ .-IUI ».g. Ü^ypt. I'or/cllaii 
in Korm eini» Acheloos • Kupfs. Cef. in Acgioa, 
al>geb. Alb. Millbl. IV Taf. XIX 2. Dx» Kinn be- 



>taf«cn, dncb Rtcht durch Beinohing der \VnB| 
und besser erhi]lene KcpÜken im Bril. Museum 
B&Tltgkcit nir dic«c«. wie fiU dn^s nahe verwan dln 
E&en}|i|ar in KailhTiibc (Arcb. Jahrb. V Ant. S.^H 
itiX. Dab die Vasen dic&cr Galtung in NaukraiV 
bibricirt >ind, hat Culli}{non bei Knjrcl u. CoQi|;tKin, 
HIeI. de U L-erauiiqnc S. 3ÖS rrwjeucn. 

V. & g. pmiDkorintbische Gaitunc- 

1) Da gnttic Gefüfse dicter Galtung ichr 
«inil, *o mag biet ein Det;kcl au^ Acgina crwStint 
werden voo o,t3 DurchnwEsef. In Form und 
eoration cnif^tricbi er ciwti dem Iteckcl der BQe 
in ScUicmann's Be«ilc, Arcb. Zeil. iSSj S. 
wird aber wcKcn »einer GrlifM: wol lu einem üciiit» 
gehört haben wie Mu>. Greg. 11, \i^ 

2) Schlauchförmiges Alabattron 11 0,09 «us 
Aegina, Der obere breitere Thierfrin lei^ einen 
Vogel xwbchcn iwci Sphinxen, 

hinten weidender Hirsch : der uii- 
terv drei Hunde, die einen Ha'cii 
vcrfnlgen. Derber «hnrakterliti- 
sehcT Stil. Inncniciehnung und 
hliutig auch AufKncantur grafin. 
Wo der Fimift nicht obgc*|(fungen 
oder ilbernmll iüt, cr»cbeinl ci »0 
«chwati und gtlintend , dnft die 
Va*e eine im mittelbare Vorsturc »u »och wart figiiri> 
ger< Malerei vertritt. Die Vom: in lehrtcieh, 
iic besonder« dcutUcb »igt, dab die mit OOE 
lionellcni Namen a!» •proiokorinthigcbo bcieichB 
MalwciM.- nicht in die konulhisthe aa^lniifl. 
VI. Korinthi>ichv Ü.illun);. 
ij .Schale aut Kürinth, Fomi Furtw, lao. 
0,17. Ini Innern ge»chhif»cnc Rtiaetle, 



Bonn. 



17 



LMiKcntcilcT und niif «Itr antlewn Seile tM.i>tchend 
abg«biUletr KsrapfKcrnc. Eine inJivi()uelli-, du 
Schema durclibtcchcndc Ce«Ult und in Folg« d»Hn 
auch «üUsiiHch naiver tterciclinei, if^l Avt vom l'fcrd 
spHngrnile JUngling; wahrüclicinlich einet jeocr 
Knappen, i\ic *i> oft nuf konnlhi&chcn Va^cn hhltCT 
iliren Hcireii balten. Et scheint miivJit tletrn «inen 
neuen Schild bringen lu wollen, den er. um he- 
quenii't absteigen cu können, am rechlen ftatt am 
linken Atni träRi. 

3) Runde Dose ntis Korintli I! 0,08. L>ni. 
0,13. Die Dose »ellisi ivt viel flachet al« der holic 
UhetgTeifcnde Lieckd, iler wie bei un^ctcn Butier- 
dn«cn den InhatI M:bU> 
»cn aber nicht bcrUb> 
rcnüolltc. QlasserThon 
mil fein );e);lmtel«iii, 
warm gelbem Cberiug: 
dei Fitiiif« gelbbraun, 
der plastisch profiliric 
ubere Rand und einige 
Streifen rot. Nach Tech- 
nik und Decointitm ge- 
hört diese Uosc lu einer 
merkwürdigen im V. 
JahrhunJen in Rorinlh 
fabiicirienCaltting, de- 
ren Hauptverireict Bi-i- 
lin 1664 unii nament- 
lich eine im Brit. 
Museum hefindliche 
Amphnr.i sind. J.djLEcrc ycigt neben freien Pal- 
tnellen, K|>heuranken, Milandcr von Kreujicii uuiet- 
brochcti, also vallkommen •rottigurigei* d. h. in- 
iiiüchet Ornamentik, einen Thicnttcir, der in ci^en- 
artii-er stilUti»chct Vnwilderantc - man kann ah 
Analo^on an den Stil der CapuancT Uroiueumen 
vrinncm — %o altcrtUniltcbc Typen cnthnll wie 
langbeinig Waswrvßgcl, die vor einem Sttaucb 
»lehin, einnndei bedrohende LOwcn und Ebet ti.*.w. 

VII. Kyrenaeitche Gaitun|[. 
Obgleich diese in Corncio KcTuitdenc Scherbe 
chatitkteri«ti<fihcT Omoinenie eolbchrl, kann man 
sie narh Technik iiiid Stil doch licmlicli Alcher der 
kjrcnli sehen Cattung «nie den. 
inrii'n»eite ci-firnif»!, ychftric . 




mit Weiler Mündung [Krater oder iVino*). Hie 
von den Mtinnetn gvschwüngcnen Waffen scheinen 
kldnC Keulen tu sein, wie die Acthiopenknaben des 
fl. g. Amasi« sie fuhren (WieN>eT Vorlegebl. 1889 
Tar. in 3). An Schwerter tu denken verbietet du 
Fehlen von WchrgebSngc und ächcide. Jngducne.^ 

VIfl. Atti»che Vasen. 

Von attinchen V'aien nenne ich nur die Uuri»- 
schnlc mit dei »Mobilmacbungv, Klein. Meister- 
MgnatLircn S. IjSi 17. 

Die Sehale i«t schlecht erhalten, aber doch 
viel besser al» die nach einer alten j^clchntinj; her- 
gcilellte Alibildung in den Wiener Vnrkj;«'»!- Vll 
Taf. 5 etkenncii l^M. Auf beiden Seilen die In- 
schrift ö r.aU X9i.6i. 

IX. Spüle boenti^che Galtung. 
Krater H. 0,37. A. Eroa alu /anglinR gebildet 
rdlei auf einem I'niiibei. Eros weif«, ZUcd pur* 
purrot. H. Tarnende, fa»t gant vom Üewand cni- 
bli^fftte Mhnade. Die VaM; wird im Jahrbuch VCT^ 
offenclicht werden. 

X. Vuen aus Olbla. 
Unter den Vasen aus Olbla befindet steh kein 
eioiigcs StUck von *elb>ts tändige in Kunstwerl, aber 
sie bieten einen lehrreichen Überblick Uher die 
verschiedenen Gattungen, die vom sechsten Jahr- 
hundert V. Ch. bin in die bellen i>ti «che und tttrntschc 
Zeit in Olbia verwendet worden nind. 

a) Au* grauem gcglalleten 
1*hon {fiuccbcro-Tcchnikj. 

Ij tJrofüe Keldtlarcht mit 
iwet Henkeln, iiuT den Seilen- 
flächen der Flasche einge- 
druckte eontenirische Kreise 
H. 0,35. Die Form ähnlich 
den Mykcniichen Vasen Fiirtw. 
u. L. Tof. XLIV 73 und ciiuf- 
haiBncehcTOgerir>en Ber- 
< FBi1«r. 




|8 



Erwcrboncsbifuhtc der DeBUebca UBwaiirithMiwiiBlBimtu. 



3) Einh«nkll|;et Kiui; II. o.aa Abnlkb Ber* 
lin tl50 Furtw. llucrhrmgdifw an« ' >U>u l>«ttt>l 
mtch d» Berlinrr MuLcirm 1^48— 51X f'uniJnnliicn 
fchim, doch kann man an ilctn irchaiKbm Cha- 
raktcr il«rr Va*c» tiiclit iwcifcln. I>u In ilcr Ailcrca 
Zeit auch h^MItn min<1m»cnii;rt 'Umnifnchin oacli 
SOdrarfland Impettin wurde nml eine ii^end Ik- 
nirrkcmtvcrre ei|[rar l'trxtuction nicht befunden ta 
halten K'hcint, *o wird man viucti dtcac BuMltctn* 
Tawn fUt |;hcc)ittclicn iDipott aoscbcd niustcn. Am 
niclMtm liegt e« dann Lvflbo» Ar dm Fabriknrt 
KU balUn. da hier ucbvr im iKhtten Jahrbnndcrt 
eine eiimtittciide Bucchcfiifabril; «Kiiiirt«. 

Diese «ricktige, ab«r noch wenig K-knnnte Tal- 
*dcbc 1*1 durch die eTt);li*cbcti Au>;'rsbungen in 
Nanlirati* fc«lec»(rlk wonJen. Vergl, E. CanlncT, 
Naaknti« 11 S. 65. Dorr hnhen weh im Tnncno« 
der Aphrodite rahlreicbe Fragmcnic von Burcbcro- 
ecflftn gefunden, mei^i •'.(■. Dnnoi mit durch- 
bmcheaein t'nIciMti. Die cingraviitcn Wcihin- 
•chrifien rflhren wie die auiilHlckliL-hc Angitve Ulter 
die Heimat der Weihende» beweist ()i'r:0.ifniai, 
Makinö un*) dtrr Diolect fx^BVi^u} <ron Lcabtvni 
her tiiw) (war, »o viel «ich k-!bfellen Uftt. am tan 
■nichcn. Da nun Newton tx-Tcli* «nt jahrtehnim 
ein lluceherorr.igmenl an« lA'flins in'« briliKhe Mn- 
leun Etbrachi bat, *n iki die naiflrlichslc Annahme, 
dar» die in Nankrali» MCsbaft«» l^abier deshalb 
Baccherßi:cftir>« geweiht habm, weil der Ritu» dte*c 
heimischen Va<en von ihnen forderte. t>a l-eibicr 
und iMileuer in Naakmii^ jtii.immm wohnten, bImi 
ti'ute He^iebungen rwifehen beiden Staaten bestan- 
den, tvUfde t* «ich leicht erklarcui wenn le«biscbe 
Waatc auch in da» milcviiicbe OlbU irer«hifft wor- 
den wüte. 

Oclcßcnihth m»^ he merkt werden, daf« der im 
Tentcno* der Dionkurcn gefundene (icfäf^rand mit 
<lct tfravirlen Tn^Jirirt NCA&XOmEKA[tllf*,]u tq] 
II ^vtViif^xzi (Cardner 840) von den Ic^hisclicn 
CicfAfien hin «o weniger i^rcnnl werden kann, ola 
nicht nur die Technik dic«cll>e iM, sondern anch 
die Wcihcformcl xJjSlli]xtj wiederkehrt, («ardncrs 
Annalinu- bei eitici lL-iibi!ii;hcti Inicliriil mü%«e es 
heif»en TOW ist unrichtig. UerAitikel hat imncr 
die kurze Dalivform. Ich h«llc n a\*n dir üicher, 
daf» wir hier eine )e«bi>chG In^hnrt in cpichoTischem 
Alphabet vor an» haben. Damit ist aber für die 
ttekthichic de« gricchtM:hcn Alphabet» die Krnni)- 
IcKende Tatsache i:<-'*'^'>'>'''^> ''"''^ I-e«bo» m Kirvh- 
holTi. fliLtlicber Grii|>pe ^eboit. 

b) ii, g. thodtrehe Localvasc. 

Ainpjiora (H. 0,25) wie sie hHultg niif Rhudo« 
BoAindm wrnlcfi und lU doitigo l.ni.-il|»<idui-t 



Uclim fKanwaenstet. Jabtii-d. 

In<t. I S. 146^. Nachdem gani 

|rle>che VaMT» in licfcnnrli 

eonnatifl sindCKIiiMlrrK rctrie, 

T»nn. II Taf. 53,5) und die 

beiaicheml Bb)^liildctc in 01- 

Iiia , wird der fhodi«ehe Vi- 

*V*™ni; der Cnifpe fraglich. 

Thnn nnd Ftrntf-> «ind abniteh 

dcD im Bexirk dt> ndlc^i^cbcn 

Apollo in Nankrati» gefiinrie- 

nen Hchalrn, *o dafc innt:l*<'ber XVcik Mile« di 

Vaien^tttmi; fabricin und in seine Culunien 

pnihrl h;il. Intet dem Fat- Act Amphora ttilT 

toter Fnrbe );Tof< att(i{ciraill £■ 








e) Atljfcber Import 
Aus Aitika sind 1. El. cinfceflUirt kwc) Mhlnu«h- 
rvtnniKc Amphoren de> maleriMhen Stil* (K 
Finuei) vetddcetwlj . da» l>ei*li'hi'nd »bfjelnh 
KinderrStchen (KnaheimMün- 
(«Ichdt will eine Fnic »u* 
neincm Tripfchen trinken la*- 
«enj, kleine ijerinfjwertiKc Arj- 
bnlldi udl I'altnelicn diIct mit 
Velrornamcnl veiitierl , eine 
»chlauGhff>mii^'e *chwiir(j;cfir- 
nif<te geriefelte Amphore mir 

ur^pftlnglich rergnidctem 
Kran/ um den llaU, <«liwan- 
ccfitnirtte NitpFc und Schalen 
irnm Teil mit <lngrpTef*len l'almcnvn. die ni 
wie Brunn ( Aniigrabungrn der CcnoM S. 
glaubt, die Knl«tehuni; der Va«n im dritten Ja 
handerl veibuigen, «indem, wie die Auegi.thungen 
in Kameiio* ergeben h.-iben, schon in di'r crs 
Hdiric des fünften J.ihrbmidcrts vorkommen, 
die Wandung einer dieser Schalen «ind die Uui^h- 
«tab«n A''A etngeiiut. Die »ehr schtUge Lnge 
N «pricht auch hier ftlr Entstehung im fttnAi 
JahrbunderL 

d) Gefafic lot'Htrr l'roduclion oder noch nicht 
nnucr t>ekiinnl<;r Fabriken au» hellenistischer 
römi^het Zeit. 
1) Deckel eines Ihymia- 
tcriniu mit vtngr^ehnillcnen 

LuftKVL-hcrn. Der rötliche 
Tlion tini einen L'biTiug »on 
WciC<iein l'fcirenlhon. nuf lien 
mil Diaitem Koi einigr Sni- 
chc und Zacken aurg«ma]i 
f^ind. 



%) Grufsc Ainptiorn, iL o,i3. Der Bnde» mit 
ö illirillanitnrnt im Atirrtntn |(lump ri-siiuinn. Dil- 
Vtv '.1 aiiKwvnilig und inwcnJij; mil wrnig glim- 

icniltfoi «chvnmcm 
]''imi[s dliirttiigdi, 
dl« Sirktic linier ilciii 
llciikd tot ilct Ik- 
malmi); in ilcn ii<>cb 
weichen TlioQ ein* 
fjitliUckl. Drc Linie 
«ti)l1aUiuniicIi»i*lcr 
Mündung oml der 
jückiitck find gta- 
viil. I>ic lifinifeudcn 
ßtiuva auf der SibuU 
tcr bni dcrMnli-T ui( 
<!et Vo»dc(«riu* Ihnn- 
KTUndig auf|^|>an< dana ntil denelbcn Lchmfarlic 
lirniktt, titil der er die flnitinvvlii de« lla]<diAndc9 aui> 
fidtric. U« beiden Tiknien am liah und die 
Sekicifen nut du Kcbulwr »ind wrih atitpfinak. 
IVtC RllcL^cite einrnchci alfcr enl*|>rci:liri»d veniert, 
doch lind die (.leh^inite auf der St;lialler mtl Fir- 
nirtgtund gtnkall. 

i) Zn dcrfielben 
( tallunjf Kefaliren 
kleinv (Wcthvnkllchv 
Becher mii weif« auf- 
{■ctiiultcm Sttunucl.. 
Id du» LjeiMetii.-nil al» 
Ijcldldctc KKcnildnt 
Cll.o.ioi M |c| pt- 
»irt. 

Vtma kUk- lk-|;ei»dcn 
\Mddm. M. 0.18. 
t)>«ciiiiitt'niier,eiti- 
•ctiÜcMich der Rv 

ftli • mll *plteni 
•ebwBia;in Fimifit 
Bhctuiprn. Auf dem 
Koj^r t-ine i'iii£»r<b- 
liKiiinj;. 
5) Ticfi:, hst lvathkii|;lt{;r Mclinic. Ihtt. 0,15, 
tciU mit *«bw:ii(eui, lei!« iml ^rllinttein Kimifi 
Ul)cr7.D(;<-i*- Auf dum Gni^- -•> m lioliciii Relitf 

diik Hru*lltil<l eint.-* Sai_. i- ( -^1;^^, \an^e 

gcfnitifle niiwlc, Kpht-nliruit ) , dte in dct ^e*fiik< 
IC11 icchicn Ifond die Syrlni mit 7 i*Ieich lAiigen 
K'thtnt lUilt, Ulli ilcr linken eine l>rvnnen>le FacUl 
fttftiulten. 1^ ^hultet und Brutt aind vniu Chiton 
bedeckt. Imitnlinn cinci hellcniMHchen MelnJUibcii 
iln dritivn J>Iii1iud<U-i(>^ Die Schale wird Tum 



MikhhoercT im XC. Heft d« ■Jahrliilclier d. Allei- 

ihnmii freunde im Kbi-ttilnndii vcr^lTenlUchl wetdcn. 

Wii* AlltttBsee«hirr tu l'ninkBct« verhalte« 
■ich ra dieser Schjüe eine Reibe von Näpfen. Scht- 
IcK und TvUcm, die bei d&cbliKci Hrtrachiung den 
Kitidtnck von Icri4 «^({ilUin mnclicn. Die itvlbnite 
FarlMt Ml flltcr nicht die de» J'hcn*. imidcni rUhiL 
viin cincra ditnncn Kimif*ltbcnug her. l'ic Töpfer- 
arbeit ist siuesicichnet, mmclie Sitlcke dttnn und 
leiehl wie Pn|iier. Die «clinrf erbrochenen l'rofile, 
da* Motiv des uitit;«.' bogen eti KaIlde^l p)a*ii«che 
KiljifcWn aiif den flenkcln lieweiten die Abhingig- 
Vcti vtm Mi.-taIht"bildeTn. AK l'rObcn l;^nllen 
dienen : 

6) I lenke llnoci Nnpf 
f Um. i>, 11) mit sehein- 
1m t heriintcTgckrcmpIcm 
Blechran-I und 

7} N'a|<f init RelttrkOpfchen Auf den licnkeln 
(l)oi. 0,10^ Dit: l^uet«lrii'1ie und ZiL-kzacktinien 
Crafin, die BIdtIrt de« 
ZwciK'* mit Wof* Und (ftlli 
auf den rmen Fimpf»i;riiiiil 
gemall. K« i«l diin da> 
eintier hi^'r bifiwllich« 

Kaeiii|il«t mil klaler«i. X^^^^V ^'R 

Wie nirkhheit de* Tbnrt» ^m^T . ^iS 

■Ikd Fimif«c$ lievrri'en 
«taniiiien lut* dcr^elbrii 
WerkiMll einige l.ampvn 
der tfcnrohidiebkn ttttni- 
•eben Farm, von denen 

8) (iei*tebcnd abpr- 
Itildct wird, da dat^ Bclk'f 
ein 3latiiiiii^(:liei Moll* 

« teileDujfv ben *elirinl. 
V(K dem Brunnen unten 
cingvdriickt £. KIne ma- 
ilere *n dieser Catliini! ^^^i<?^'>~, 
ecbAti](c Lmm)|>c trflgl auf 
der l'ni erteile ■lenSleinjict 
6PM0 

rfeNOY 

9) Nobv »tebt dk'wir 
(>ru)i)ie i>bn« doch dir^^irl 
(«ntgelinicnda« hictabge* ft#\ 
bildete cinhcnkli);c TO|if- 
eben |ll.o,l8>. Au» dem 
wcicben Tbmi »ind ein- 
U'tnc lilliter oiief Schup- 
pen hctaus|;eatbei(cl. diif^ 
Kante (icfäfi mit bilnn- 
Ikbvm Fiinif* tlbc/iudv"- 



ao 



l'nv4tsBinmlun£cn. 



Ptiiiiitivcr Reiter mit KimibtTcifnt um! stirln-i»- 
ik'* Wol au> TanaKr». Aivbaiitclic rroioine cio« 
Frui. Wie ML-tu«r, Kif*. Av Icrre cuilc du Louvre 
f>Ll9,l Bu> Theben. Krwahnl 'f'.'f. j^/vnll. 1S90 
S. 139 (Rem}. KdfarchaiKchi-» Sittbild^hi-n der 
AjthTtkHic mit Apf«! uiiil Tuutir in den HHmlcti 
aiu Aitfinn. VVcililklie (.;c«.imlK(;"> »if DlbU. 

ih firvmtm. 
Atu Tjinn|;ra twd aI» (JefenniOckc (^-arlMiilct«,- 
KilMilJ dc> vun Siudnicik«, MirtliL A. nih. Ino. XII 
S. 14 und hunwacngltr, (iljrmp)« IV S, 53 bcfpro« 
ebenen Typm. Die CniTiningcii auf dcnPublilecbcn 
«vinen Pivchc und Vvgrl in eeomeiiifehcm Stil, ixsi 
idvntUrb mit dem Exemplar au« lUyiopi.-i n. a. n. 
Taf. XXII 365. AI« UeitchenV «ihlclt dn* Mti^cum 
diiB Fibula aus Vclr^no (l'heraej. 

U. LocKchcke. 



ANTIKEN IM I'RIVAIHKSITZ 
ZU DKKSUIiN. 

Uüni fnuitdikhen Ent^cginkoniKicn lii»tjj;vT 
Kuiitrilteundc wiiH rs vcrdnitkt, AaU ttn Naeh^lehcn- 
den eine Reihe kleiner AllenUnicr vciolTeii dicht 
werden Vann, die .it-h in ihre» Besiti beliiKlen. 
Si« baben »Ich dninil Anepmub auch nuf den Dnnk 
der Faubicenoiten erwortu;«, dcien Aurrni-rknamkcil 
■Icrck'ichci) nicht allgeroetD «iteibi)j; liehe Kumt, 
werke «onAi tcichi entgehen '. 

Seitdem der Anliketibe*iti de* verstixbeitcii 
Sliioiiiniini»ici» von Friesen durch Krb»chBft ih die 
K. AftlikentARiBiIunc Kclan^;! iil (». den Areh. An«. 
IIUU) S. 96J, iMltndet »ich hier am On nur noch 
eine einxigv UDkfan(;Teichere rnvai5aniiiiliu){> von 
(.'rreeliiKch-rautifclien AlterlUmvrn. K« im dir><raiKe 
den Herrn 

Ueh. MedUioalrais l>r. (^ L. A. Fiedlet, 
ilif» l^fbarrle* S. M. de* Koni«* Albert (SinlUlrnr« I). 
Au. die»cr icichhaltif^cn. f.iii auf alle Gebiete 
der nniiken Kleinkunst mit tCin«chliir!i der MUnxen 
jieti CTitrcckcndrn S^mniluni; heben wir vorläufig; 
nur die (olgcnden Smck« hervor: 



Matraoikopf mit phrygi^her MUlic an» 
J'elepboafries de» grofscn Siegv^iiltats iti t>er| 
iiionfAbb. I <n = B d.w.Or,!- tinnr, Siirn, UaTl tei(^ 

I ditt dnrt für m;iiin- 

' liehe KOpfe llbliehe 

Ku^nli »liehe Uil- 

dun^. An der phrv- 

(.•iwlien Mliif^- i«i dic 

' Spilu abgehmehen; 

I »le i>t jedncb durch 

I den Zipfel an der 

' linken Seile de« Hai- wV.t 

' »e» geiichert. - In 

[ Sniytna erworben. 

. Die Form im Besilic 

I der KOni^l- Mukeen 

<u Berlin; vcri;]. 

Arch./tg. 1SS4S.64. 



■; Llie ZdehnunKeti (u dem nach^leheitdon Bc- 
rieht ttihtcn «iti den llerrc» Ludwig Otti., l.miit. 
^it:llulJt und Mai Kubnert her. Bei der Be«chrci- 
bniii; itcT AlletlUmcr habe iebmich ilcr Wciuilliehcn 
llilfc det llcircn »lud. Heinz HuUc und l>r. l'aul 
Meinnann «u erfreuen {relmbi. 1.4'tiiereni wird 
iti>L<-ii>iideK* dei Nnehwei* »»rwandter lienkinlli-r 
iiti lierliiu-i Mumhiui tcidaiikt. 



A 



I 



Knn ciwühni (on Farnell, Journal nf Hell. «tud. 
1S90 S 193. Stark betiobcn. Crauweifsci M 
nior von utiltelKinfvcm Kom. II. 0^212; Br.O.tS; 
Rcliefcrhcbunn; o/>S3 m. 

Brunne« tatuett<ein«sDoryphAt(tt(A' 
Xa. b. Ci in '/j d. w. Vi.). t>af« der Jitngling 
der linken Ila&d in der That einen Speer nuttttlti 
l^hl Miurul aa» der Richtuii); uud Weile det a 




«t-iikeii Buhrliii:he« in ilcr linken lUnd, wie boD 
der» auch au« der eiieigi^cbeii luoeuvrendtuii; 
llandKelenka hervor, welch« auf ein kr«fli|;rs 
fa^^i-n und Auftifltxen hlnwel«t. Alle« die» nüf 



I>n»(I(!n, Samuiluni; Kictllcr. 



21 



hir apoUinKchcn Attribiilen, wie Lorb«.T>ub oder 
Boi^L-n, an welche matt sodsi atlt^nfalU (k-nkvn 
küniilc, wcuiicct f^t paMcn. Ufgcii cliicu Bogvii 
S|irkht uWnlie» «las Kehlen dm Kücbcr&. Die 
Kfchlc hüngi ld«tig lierah und hitlt niicli <Ien (fc- 
iliecVlcn Fingern m ur(L-i!cn kein Allribtil (vcri;!. 
die Ri)ck«t.-iiv). Du in ilcr Miete (jcscbcilclle. clait 
nm Schnrtcl nnlicgcnflc llaai i»t ring« um eine um 
''ichtlMTc äcbni» nti^rolll, Bbnlich wie bei dein 
EpIiL-bcn von der nilicnistbcn AkTi>poli% (TfTj^fr-l; 
ifCfvn't.'i'tnif 1888, Taf. j; , dem «iucri(1^i Mniuii? 
w* dem olyrnfii^ehiT) o-vtgu-hi.-l (Antgt, /.. (»1. II, 
Tiif. 93), itcr Ni-A|>k-r Mk-klra iitKl, wenn nitin vo» 
den Scliutu-rlockin ab»icbl, ilem ponipejnni sehen 
und mantuaner Apollon -. Per Si)>|tc der leUleren 
ond hnnndcr» dem «ogeniinTiten (liTi|ilinlot>-A|i<iUc>n 
steht unser FicUrehen ;iuch m dur Atnrd«ei^e nm 
nadisicii. Der Ivüidiueli der U-l/tercii wird bkr 
freilkh durüli eine Verbirguiii; 'lei Fllf»c mit! L"il- 
Icnchenkel becmtiichligl. Wir hc;llf*en in unserer 
Itroiuc also die freilich stemlieh robc und «piUe 
Xachbttdung vinc!^ vorpolyklctischeti Dor\phiimi. 
P!rworbcn wurde dn* KiitOrcbcn von iVni Uc*ilxi;r 
in McnConei es wir«! aUo wol italischen Ursiirungs 
■>cin< I \- 0.093 ™* Altgll$<e »ind von iler yormcrci 
der nre«dfKr Shulpturenfammlung dir <1en l'rci» 
rein 3 M. (u bi-cieticn. 

Von Krieehineben Tcriacaltcn befinden 
»jeh in der Soinuilun;; rollende bemeiicns werte 
Stücke : 

Kobea Vciltv])ferd> 

e ii e n nu» gelbem Thun 

oiit ätrclfen 111 gelljrot ge- 

brannitT J''imir'<fiirbo und 

einem Ansati auf dem Ru- 

uticii (Abb. 3 in V« <!■ *• 

Gr.)'. Schwreif abj^bio- 

q eben. Aas Orcboinvnos. 

II. 0,08, L. o,tl m. 

BI«tlfOrnlif:e^ Tboni(In) mii kalaibMÜlin- 

licliein K<v]if|tiit', an 1I1.-111 inrnL' die Ubliclie Schnecken- 

fllrmigc VcTticniOg |>Ia*ti*ch .nngefUyt »»t (Abb. 4 

in ■/• d* w. Gr.). Gelbbrauner Tlion. mit braun- 

ichwancra Firnif* nnd vi«leTrroter Deckfarbe bemnll. 




■") Vetgl. Über ditf*e llnnrirachi je(/-t nucli 
l'iinwiLngl«r im 50. WiiickelinaniH|>iOK(amm der 
Arch. Ge4. 'U Berlin S. I29. 

*) Vicilciebl war <U*f AnMXt urtptUnglicb jtu 
einer lliint^evoriichlun^ bcstiiumt, wie Ur. Herr- 
mann nntct Berufung nuf einen cyprischcD MulTlon 
au* Tertacdtia im Berliner Museum veirnulel, an 
dem «ieh an dieser Stelle ein King an». Tlion cr- 
balEcn hat. 



Al^cbroehen die ncliwSTie Locke 
auf der reebleti Seile. Um den 
IIaI« ein Uand, an dem ein gratuil- 
aprclahnbebcr äeboinvk )i!lngi. Aus 
Tanugta. Vergl. die Bemerkung 
ru dem ahnltchen Exemplar der 
Dresdner Antikenvaiiimluni;. Ar<:h. 
Aiu. 18S9 S. ijis II. 0,341 ; "'- 
0,10s lU. 

Thriiiimde» Weib, Terra- 
coila Mrengen Stil«. Sie tiitgi einen 
iinnello»cn duiisehcn Chiton mit 
tbeit-clilag und btth die Anne in 
«ymiucniMbcr Anordnung -«ncng ^ 

jin Seiten und St- henk ein ge- 
fchlnstcn: die Hunde ruhen »ur den Kniccn. Ctaut 
ähnlich die rhodi'chen ThonfigUrehen bei Mcuiey, 
Tene» cuile« du l.ouvie, Tar, 14, 2 und Be«lin, 
'IVrTaeoUei^inveiitar de^ Aniii|uarium!< nn. 79il| 
(S(iniinlungHiliölti'> ICio vierte^ elwa>({r(»f*ert-xKxem- 
l>lnr in der Dresdner Anlikvnsainmbinx (u- iSSW* 
|1ic Ficdler'iche Terrncotie 50II angehtieli auit Ta- 
nngra slAiiniieii. Von K;)rben i't mir dik Kot der 
Lippen crbnlien. H. 0,146 ni. 

Stehende Inngbe kleidete LtAtiin «irengen 
Siib, mit herabhängenden Armen und kalatho»äUn- 
liehem Kopfputt; ^clir Ühnlich der im Arch. Ann. 1SK9 
S. I ^S abgebildeten l>ic!>dcner 'l'erracntle aii> Ta- 
nagrA und gewif»- \on denelben llcrkunfl. Sie 
unterscheidet «ich von Jener nur durch ihre gcrin- 
gcrc GrOfu und (\as Kehlen jener c i gen lUinli« hell, 
nach hintcu gcTichteteii Spiuc des Ko[ifauf$aiiiei. 
Kuichlichc Kehle dt* hlSulteh - grauen Malgtuude*. 
UIc hohe, iechiet:kige, ursprünglich rot bemalte 
ba-ti« hinten oifcn ; in der Kilckiieile ein rechteeki- 
geo Brennlueh. II. o,iJ5 »1. 

Apli tudile(i) von eiueui Uoukgetpaim geso- 
gen <Abb. 5 in ■;« <<■ «• Gt.> '. Ute Küder de» 
Wagens sind offenbar nur der bcijitenierrn An»fUh- 
ning £U liebe wcggela»>cn und der Wagcnrluhl 
einfaeb den Rticken auf den Klicken gr«eiiolicn, 
Uie Coilin Ut mit einem langen lirmelloKn Chiton 



*) .Ipbmdite »chcinl «un^t nur nuf Bockcn 
reitend vnrsu kommen. Von verwandten Datilcl- 
longcn <ler (ioitin u-cif> Kh nur die >melii>ehen> 
Terracoitarelief* an/ufuhrefi, uekhe die <lticttn mit 
I'!tos auf einem Grcifcngei'pann fahrend jicigcn: 
da» von Weleker früher für dx.' byperburainche Ar* 
temiv efkläite Keliei »»•• Aegina, Mnnumenli dell' 
Imtitulo 1 Taf. iR, 1 ^ Wckker, Alte Dkm. [I, 
Taf. 3, 6 •■ HlUler.Wie»eler, Denkin. I. 14. 53, und 
eine verwandte Terracotle bikri^cben t'undort^i bei 
Kayet, Bull, de cotr. bell. 1879, Taf. 13. in wckhe 
mich Dr, Henmann efitweil. 



Hrivalsammliinjjcn. 




bt;kk-idL't und tragt auf dem 
Haupte einen Pclasos, der 
vielleicht ah Keisehut zu fassen 
ist. Die Hände hielten ur- 
sprünglichwoldicZügel. Farb- 
reste; Rotbraun am Petasos, 
Haaren , Augen , Gürtel , der 
Vorderseite des Wagens, den 
Ohren und den Hälsen der 
Hocke (Andfiituni; der Brust- 
riemen?); das Gesicht der 
Göttin tltr»c:lira.ibeTi, nn den 
Lippen ein leuchtendes Rot, 
Das Gewand scheint weifs ge- 
wesen zu sein; die Böcke waren anscheinend gelb. — 
Aus Athen. H. 0,15 m. 

Stehender Knabe mit Hasen und Chlamys 
im Typus der lokrischen Terracolte bei Martha, 
Catalogue des terres cuites, Taf. 7 ; ursprllnglich 
wie dieser auf der (jetzt !jeschiidigti.'n) Linken den 
Hasen vor die Brust haltend vcrniutlit li auch von 
derselben Herkunft. Liier dein Umiliirot gemalten 
Haar und dem L'lienrüll^ litniioiöteii dicken Kranr 
ein gelbes dreieckige? Lljadem. Am Fleisch hell- 
rote Farbreslt, lici (cucliltud roten Lippen und 
dunkler Augen /citlimin^-. Die .Ihulicii wie bei dem 
angeführten FigH rtlien geordnete Chlaniys seheint 
hellblau mit [^'.'Ibcn SSunn-n gewesen ku sein. Die 
hohe viereckige Uii^is gelli mit braunroten Quer- 
streifen. Hinten ausgeschnitten. H. 0,254 m. 

Aphrodite, Terracotla ans Tanagra (Abb. 
6 in Va d. w. Gr.). Die Göttin lehnt an einer kan- 
nelirten Süule mit allischer Basis und knlalhosli.liTl- 
lichi'iii (ügypli^iTetidem) Kapi- 
tell. Ue jMiintel, den sie mit 
lieiiii-n HSnileii llirtel, so dafs 
hr HbfrUiiirpcr in völliger 
Nacktheit erscheint, ist von 
beiden -"weiten her um die Beine 
geschlagen und wird zwischen 
den Schenkeln festgehalten. 
An Farbresten haben sich 
.lufser der Untermalung unil 
der Fleischfarbc von Gesicht 
unrl Körper noch erhalten: 
Braunrot im Haar, das über 
der Stirn in eine Flechte /.u- 
samuiengenniiinien erscheint 
und in langen Schultcrlnckcn 
heralifdllt ; am Oewand Rosa 
niit güldeucm oliercn Saum. 
Der Schaft der Siiule war 
braunrot ; ebenso der unlere 




Torus der Basis, der kleinere iibere hellblau. Nur 
die Vorderseite ist aus einer Form geprefst, die 
Rückseite roh ÄUgesthnitCen un'.[ mit einem yrofsen 
lün!^lti.h-vii;rickigen Brennloch verseben; die Basi> 
unten ofTen. H. 0,12501. 

Zwei Körper roher aus Thon gekneteter Glie- 
derpuppen, aus Kertsch, ähnlich wie bei Ste- 
phani, Compte rendu de la conim. archeol. de St, 
Peters bourg pour 1873, Taf. 2, 7 und 1874, Taf. i,S, 
Eine davon ithyphallisch. Auch eins der beweg- 
lich L'iiiil]|iiJ1ny;eiidt'ii Beine ist in der S.immlunir 
vorhanden, H. 0,12 und 0,10; das Bein 0,08 m, 

Oberkörper einer Skyihin(i) mit Schleier 
und torques um den Hals. Fbcndaher. FL 0,08 ni. 

Von i t a f i s c h e n T e r r a c o 1 1 e n heben wir 
folgende hervor; 

AICtirlLirnlicher weiblicher Kopf mit Ka- 
lathos aus Syr.ikus, aber völlig im Slil der agri- 
gentinischen Terrae ntt^n \>v\ Kekule, Terracotten 
von Sicilien, Taf, 2, i imd S, 17 ff, Fig. 21 unti 23 
—25. Ausgezeichnet durch seine verhält nifsinäfsige 
Gröfse; Höhe (mit Hals) 0,1 2 m. 

Vier Terracotten aus Pae s t u ni. Frworben 
t886. 

I. Ilerroes, mit Chlamys und grofsen Kufs- 
flUgeln, den Petasos im Nacken, die Rechte auf das 
Kerykeion gestUtit und die Linke auf das Haupt 
eines hinter ihm ste- 
henden Widders le- 
gend (Abb, 7 in Vi 
d. w. Gr.). So viel 

mir bekannt, ein 
neuer Typus des V. 
Jahrh. ; vergleichen 
läfst sich lediglich 
eine liöotisehe Tcr- 
racotte im Berliner 
AiiliijLi:irinin, u I dk' 
mich Dr. Herrmann 
aufmerksam macble. 
Sie ist bei Röscher, 
Lexikon der Mytho- 
logie, Sp. 2431, nacb 
einer leider ungenü- 
genden Zeichnung 
vcröfTentlicht (vergl. ' 

dazu .Schcrer a. a. 

O. Sp. 2394J. Farb^purcn haben ;.ich nicht erli.il- 
Ccfi, wie il IUI iiberh^mpt die ObcrÜächc durch 
stiirke Vtr-intiTiing und Waschungen gelitten hat. 
Die Kllckseitc hohl, -in dafs da-. Uan/c wie ein 
Hocilrelicf ersiliL'int. UeHirnter l'hon. H. 0,234; 
Br, 0,144 ■"' 




Dresden, Sunraluiig Kivilirr. 



23 



nk- ilbiigcn drei Figuren gehören ycwbholiclic» 
|)ae*taiiisclicii Typen clwn »om Anrnn); «V* IV. 
Jnhrh. an. Ki sind die fnl^.'vndcn: 

2. Slcbcndv L>i:n>cli-r mit Kalulho« «uf dem 
Haupic. uiil dvr Linken eine Cist» auf der äckullvr 
stUlEcnd, in di-r Kcchien ein Fiirkcl vor die Bnist 
bftltcnd. Wtgl. da« ähnliche, aber im Stil etwa» 
slren^rre KNcni|)l»r l}ci l'nnufka, Teriacoilen de* 
Kgl. Muscm]!!- 111 iU-rtJn, Inf. 57, r. (ieitaiter eiil- 
sprechend und vielleicht aas dcrevlbcti Koim bei- 
lUhrcnd naeh Dr. Ilcrmunn die Bcfüncr Eacmplorc 
Inv. flirr Tvrmc. 54* "wl 3061. Venjl, lucli 533 
und 168*. IJimkelToii;r llion. Zahlreiche Uraud- 
»puren; Kesle von Kot nn Kalathti«, lln;i( tind Ge- 
wand. KUv-kicile hohl. II 0,2(15 in. 

3. Stcheoder Jlingling mit langen Schidier- 
locken , ein Ferkel mit beiden I IJndcn vnf der 
Uruitt tragend. Uiu den l'ntcrkOrpcr lhI ein Mantel 
guticblttg^cn. WaLracliL-iTilitli nu« derselben Komi 
wie Gerhard, Am. Bildw. TaT. 99, 1 und Herlinet 
ADlii|iiarium, TcrrDCutlcn-Inv. 540 (ohne Kopfj. 
(iclbroter TIton. Kllekicite hiihl. H. 0,1461». 

4. Ähnliche Figur, jrdocb nlchl au» derselben 
Ponn. Gelbrotei Thon. Kuckscilc hohl. J{. 0,245 nu 

Voll V pferd mit runden Scheiben (^6ii.9fin) 
vor Bru»i und .Stim, garnt flhnlich dem Pfcrdchcn, 
auf dem der Kros bei l'.ingfka, TiTr.icotten dr« 
Kj;I. Museums tu Berlin, Taf. 60, l rcilct Reste 
der wciben Vntciinulung. II. 0,107 m. 

Wa««er«peicr in Form eine« Hundevordec- 
leili, au* Pompeji. .Xhnli<:li wu- Kohden, Tcit. 
von Pompeji, Taf. 6, a u. 7 und .S. 5. An dem 
Kiedlerschcn Escmplnr ir.igt der Hund tin mit 
Buckeln beictilei llxUband luil Glatkc. H.O.IJSin. 

V«»en. Tiefe xweihonklige Schale nacbliüK- 
M^vn »chwantügurigen Stiles, ungci^hr v»n der 
Form «ric Genick • Fiirtwü.ngler. Grii'4;li. Kerauiik, 
Taf. 17. 4 nur mit niedrigerem FuCi. IJci<ler>eit> 
zwischen ralniettcn llerakk« in f*'*l liegender Slel- 
luQK von links und olien her den ihm entgegen- 
kommenden ncmelschen Ltiwen wilrgrnd. DarUher 
Taumrullende '/.viviff:. Au^ Apultcii. ILo.oS; Lim. 
0,166 in. 

Roifigurigc Lekylbo* strengen Stil« am 
Athen. (Form = Genick- FiitlwÜnBler, Grievh. 
Keramik, Taf. 39, 3>. An der Vorderseite nich 
Rchu »chrcilcnde und tu rück blick ende Jlaccbaiiliti 
in Chiton und .Mantel, mit der Linken einen 
Thyrso» mit dickem Ephcubll^chet aurstuifcnd, in 



*) Über die lledculnng dieser Figuren urleill 

Overheck, Kunsrmythologie Hl, S. 4fu abweichend, 
indem et -iie chvi für Hpfernde aU fllt gt>|iliche 
Wewn hHll. 



der Reihten tinc K.nitii; h^illvnil. Da» «iemtich 
n3ch[.1*-^ig nii-uefulirle litld i»i unten und nhen 
durch Mü.inderk'isten eingefsfsi: auf der -Seliiillef 
de* Gefä&e» achwarxe falmetten ranken. 11.0,354 ni. 
Rotfiif urlitv Am- 



^ 



r 



|iharn ilrengen Stll^ 
au» .\llicn (Abb. 8 in 
V, d. w. Gr.). Bflc- 
ehantin dem Hermes 
ein^cbcakend, der einen 
brauniol gemalten Krane 
tiin dn* Itaupi trtigl. 
Auf der Kfi;k.>cilr tle- 
hcndcr ManleljUnglIng 
»a«:h links mit braun- 
roter Kopf binde , die 
Linke auf einen Krumm* 
Stab ge^iuut, mit der 
Reelilen eine ebcnfnlli' 
braunrote Friiehl dat- 
reichend, tl. 0.3s ui. 

Kolfigurige Lvkjlho» Mrcnj: »chrtnen Stil» 
aas Alben (Form =f Genick -Fuifwangler, Griech. 
Keramik, Taf. 39. 3). Auf der Vorderseite ein mil 
gekieiiiien Keinen und ctngesleinmier Kcchten in 
Vordcran--ichl dastehender jBngling. Der mit rot 
gemalter Schnui geschmückte Kopf blickt xur 
rechten .Schulter. An der linken Schulicr, Über die 
eine Clilninji». geworfen i»t, lehnt ein I.nnienxehnft. 
I>as Bild itt durch FiUV- und Kopflei<ie eingefaf^tr 
auf der Schulter «chwaru; ('alnicllenranken. II. 
0,298 in. 

Meherbc eincrapuli&chrn Aniphnra milder 
Uaifetellung dck rawnden Ljrkutgoi (Abb. 9 in 
Vi d- w. Gr,). Ihifft mit dem au» dem Falastthvrv 
hervorstnmcnden Manne in der Thai Lykurgns 
gcmeinl ^et, gehl au> den fueikt von KQhncrt er- 
kannten schwachen abci »tehereu Reiten dnei 
nnppel.ist in «einer Kcchlen hervor. Hie Linke 
sclicinl einen knorrigen Reixtamm zu h.ilten. Beide 
Atiribtiie waren urtpiUngÜcli in gelber oder wcifier 
Ueckfarbc gcuinll, die )«Ir.t verschwunden i»l. DtC^ 
Komposiiion unserer Gruppe scheint unprilnglich, 
dii du» Tboi diich die Mitte cirigcnoiRmeit haben 
iriuft, nut vier Get'tnlten lK-»lunden iv haben, und 
wii niU«ftcn daher auf der rechten Seile noch eine 
Figkir (etwa den Sohn de* Lykurgo» oder Ly**a.'J 
etgaiucn. Von den beiden fliehenden Frauen wird, 
da baecbi>chc Attribute fehlen, diejenige lur Rech- 
ten des Beschauers welche net>en Lykurgof vor 
dem t'alnslthorc «toiid, ah seine Gattin ju histeii 
Miin, dn» Ueib lur Linken al* eine Angehörige de> 
Hauwf. im Gaofcn liegt hiet alu> ein« iveuc, 



24 



(' ri vat &n ni ml u ngcn . 



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ofTenbat »uf ilic altivchc TtA^üdit r.uitlckgrhcnde 
Stene des Mythos vor, wclclu in dur UenkiuKlcr- 
rrihi: bei Michaeli», Annuli dcll' Init. aith. 1K73 
S. 2489*. noch nicht vcrttctt-n ist. — l*a«l(«e IJccli- 
forbe ist Buch iinfscr bei den Attributen des Ly- 
kur(ot !«uf urserrr Vatcntchccbc rcicblich vcrwcit- 
dei. Erballvn bat sich jcdgch nui das Brauitrot 
nn riner linki- oben vom Cc^imsc An I'alastes 
heinbliHngcndcii TUnic, iiiii trUiU'l de* LykurRO« 
nnd an den Miinida d« beiden Frauen. Mitl>eck- 
falben waren ffTni'T gcfnalt: Arme, Ueaicht und 
Gttrtel der Frauen, Mantel, Knini und die vuin 
Gürtel herabhängenden geknüpften Wollbiiideii de« 
Lykiiigoü und "lic Architel<nir des l'alnilthore*. 
Auf IctJten.-! (lai *ich mir die Vorwichminn der 
ionUcbcn Ante nnd de« Architrnv» in rcrdunnlcr 
Kirnirtfarbc erhallen. — Au* Pacatum. \\, 0,lB; 

6r. D,20 Dl, 

Alabaalion mit FitTs apuliacbcii StiU mit 
wcir«({cii]n]tcn Einzelheiten. l)ic Korin Hhnticli wie 
bti Genick - Kuriwünglcr. (iricch. Ker.iinlk. Tnf. 37, 
I, nur ohne die ite:tliclicn Ant.ilxc. Auf der Vor- 
dciseitc nach techi» »chreiKnder weibtKchvr Eiov 
mit Spiegel. Traube und Bru*ts<:hnUrcn. KUck^cilc: 
aufrcchiftelt'cnde l'aimcitc. H. 0,19 ni. 

Aus den GJascrn der Sammlung Fiedler ist 
besonder« eine licrliche. II cm. hohe Amphora 
aus brauneni Glase hcrvtinuHrben, die urtpiUnjj- 



Uch wul alä SulliHa.ichchcn 
diente. IVr cmc Henkel v>\ 
ergftnat (Abb. 10 in ■/; d. w. 
Gr.). Sie »oU aus dem Heniti 
dci Konigt vou Neapc] flam- 
men und gelangte an llenn 
Geheinuai Fiedler als Ge- 
schenk S. M. d(.-% K<lnif;& 
Albert , lutammen mit ivre> 
BinmckaDncn , einem Kande* 
laberfufb und einer Lampe auK 
demt^elbcn Material, welebe 
an«cheini-nd in ronipeji au» 
geKraben sind. 

Indem ich mir vorbeluillc, 
M11, den in der vorliegenden 
Aufiiihlung bei weitem nicht 
rrftchüpftcn SL-hÜtxen der Fiedler' neben Sammlung 
gcIcgGniltch NftchtrUge tu bringen, lühlc ich im 
Folgenden die hiesigen Beiiit«T einxclncr Antiken 
in nlpliabcti^chcr Keihcofolge auf: 

llofrat Dr. A. B. M«jer. 

Direktor de^ K. tonlogicchvn und ethsographbultdl 
Muscun», l.mdrngBMi* Mt, 
.Stehende« MAdchcn. \\ 
in '/» d. w. fir.J, Von dein ll 
heck aut Syrien mitgcbiaelit. ) 





Drctdi-n, äunmlungen Uvyer, Kobky, Schubart. 



3S 



Attischer Typ» ittTcng- 
■chdnniStil» vom Undc 
des V. Jahrh. I>cn vna 
lief cingnlniunicn I.Jiw 
kcn f««ie«h alte neu Man- 
icl JaTict <Us MaHchcn 
mit der Kcchlcn, ko itafn 
vt vinvn nihii>cn lltntcr- 
};tund fUr iliir cnlbKV&n* 
Schulter alisiclit , van 
welcher der fcin][crilllcU 
Ic Chiton lieTnl;ur|;litten 

ist. Im dinricn»^- 
»chnillcVtrn llnntc Kcttv* 
von Braunrot: im ubri- 
l^cn hat «ich nur der 
vreir^i- X[at;;runil eihal- 
Icn. Die für die Vorder- 
vfiit ijclirauchli; h'timi 
'chnviiU'i ^enRO inti dem 
Vtarih der Vor<lcr»cttc 
ab. In der roh mit der 
1 Und grafbeiieten RUck- 
m-iU* ein lange« rectil- 
eckit;es Brcnnlocli. Un- 
ten oflfcn- lIcllgelbcT 
Tbork IL 0,17 m. 



AppellaiionfigcrlchnprBsidcnl Nofiky. 
AlbcitpUu 2. 
Weiblicher Marniorkopf vnn/nTtcn »diliin- 
kan >'onncn, leicht xur Unken genetj;t (Abb. 12 in 





Vi d' w. Gf.>. An der rechten Seile die Rette da 
Über den Kopf ceAdguncn, hier nur aus dem O10- 
faen gctynencu Oewandcf.. An den glatt abge- 
«piblcn Sclicitcl und ntn unteren llabaniat« itir 
EiiifttUckiing in ein Reiter votgerkliiei. Hinten 
Knii;h. — ViHleichl v<^n einem firabrelicf au» der 
Zeit iiDi 300 vor Chr. Anf ilic»c E|>ocbc weisen 
die sLhIichiE llnarbelinndtung, die weichen Cber- 
güngc an den Auft<,-nlidern, wrctehe an den praxi- 
tdifichrn Apbrnilitekopr und das I>ioQy%osko|irchen 
deMielbcn Mciiten am 4>lj-fnpiu gcni.ihnen; endlich 
auch die vollen Korinen de?t MuUe» und die varl 
gegl^lttcte OhcrAachc der M.iut. He.'.onderc!> Inicr- 
c«^« vcileihi iiniKicin Kopf der J-'imdort, welcher 
ihn dem Kreiüc der ale:iandrinitchen Kitm-I «uweiii. 
Er wurde in den Ticniger Jahren untere« Jahrh. in 
Cixch iiust;efiiabcn i'elegenitich der Anlage eine« 
Gartcnpavilloni fUr den früheren preußischen f)e- 
Mindtcn r<in W:ignct, und von die*CTn der gcgcn- 
wnrligeu Bemiviin, >'r."iu l'rUMdcTit Nof»ky, geschenkt. 
il. 0.316; itr. 0.1341 Kcltercrhebung 0,8810. An- 
Khcinend paiischer Ihtannot. (AbgUs>c sind durch 
die Fonncici der DrenlcDer Skulpiaien^amnilunu 
für 2,50 M. ta be^iehcnj. 

Dr. Marlin Schubart. 

Die weriieen aber gewühlten Anlikvn L>r. Schu* 
bartzt «ind neiierding* mit dcflscn aosgcccicfanetet 
Gem))1dcsamntlting nach .MU neben Übergesiedelt- 
( über die letilcrc siehe W. von heidUli im Kun»l- 
wart 111 (tSH^J S. 4t und ,\. Brediu« in der /.cil- 
sehrift f. bild. Kun&t N. K. I. s: 139 »■ i8<>- 

Unter den Amiken «ind folgende di« beiuei- 
kenawertestcn : 

EpheubekrAncict Hoinerkopf (Abb.ijab 
in */« d. w. fif.). l>lc allen be<«rren Wicdeilin- 
lungen de« Typu» eigene AufwHrbitichtong d«> 
Haupte*' i«t auch 
hierdurch den HaU- 
bmck |je«icheTi- l'*Ur 
die Kphetibekrttii- 
lung veigl. tniin bc- 
«onder^ den von 
Brixio auf rhiletwt 
und Ton UUthcy auf 
Kallimachos gedeu- 
teten Matmorkopf 
des l'atalinj sehen 
MuKain«; Annali 
JeD' Um. 1S73 L. 

und Comparetti und K^-^r.^^ ♦ 

de Petn, ViQa Er- 
cobuete dei l'tsoni, 



■L^' 



15* 



26 



PrivKiBunmlungen. 




Tif. 4. >.»'• 1»»' 

EiovittA, «clclicn 
('iim|iiirctti A. IL IJ. 
S. 36 ev£va tJlc« 

I Iculunj; erhebt , 
•Ur» naiDÜch die 
K ] 1 1 KU I xrlvi & »Kling 
mir «Icm ilrutiuili- 
ichvii IJichk't i^u- 
komtnc, «inl durch 
die Schubnn'ictic 
l!i>ntrrl>UMc tOr den 
Kte'tf der cplkchrn 
Skfigcf widcrIcRl> 
tat dk Lyriker und 
BiikollkiT thun c% 
die \'tnK dl» Hora« (Canii. 1, 1, 39/ und VcrsÜ 
llC<:l<r|[. 7, 35). — Arbeil fAtnitclwr ^-it un u- 
iichcJneod ilalltclKtn Mnnnor. Aii^ |}rc**i;U Sniiim- 
liint;, der dvn Koj^f in Koiu crw«fbt-n hm. Er ist 
l,'C|!rnwi|rti|,' auf einen modctncn Mnttiinrlilnck auf- 
Kctclil WDfdei); im Ülitt{;vn Mae I^rj; Undingen. 
Kisif'c Kphcubtaticr at>gchrocbtn, L'ntcrlcbcniigritfs. 
11. 0,307; Bi. 0,176; T. 0,177 m. (Ab(,'Uf<ic in dci 
KofDMitei dtiT t)io«dcncr Sk«l|>liiTTnfAniRiIune tu 
M. 7.50)- 

Ltcbelndur Knalivitknpf (t^nmM mit be- 
MMider* kniiKtJich iiuf);i.'banli.-r l.nckcnfriKui (Abb, 
141h in '.„ d. w. Ct.;- Di« Bvliaiidbinj; der «orc- 
UUig gcfflaturcn Kteisc hlcilc «aK und kbcndtf*, 
die Übergßmgf an den Anscnlldctn wdch. Dl« 




UberNüche an den Ultchli)* Mni;«leglvn llanten rauh; 
die (tOckivilv *erBaGblU*i|{t. Gute Arbeit louiiecbcr 
y^it. Au« Ürct*cl* SammluAg, <kr den Ko])f in 
Kam erworben li«i. — l.chtn*KTf>f»: M, o.tstf; 



^ f)rr Koid de* Mowhion bvl Vl><i:niili, Ico- 
Doi*t. Rrecjue f, Tnf. 7 i*l, wie mir Hcii l>r. I*;itd 
Arndt U-ricIiiet, iitcht »ccliniig. 



h 



Dt. 0,31$ ni. (Abeti>Me in der Kormtrei dvr Drr^ 
dcncT SkulpiurFmanimluog Itar 7,50 M. k»iAick>. 

Mainiuiiicf KAndelBbcr^ciiAff, >rHi Wein- 
T^nkva um! Vo^olii in Kvliut umcvbLfi. aliulicli 
MiileUülch <tn Knndi-Ialicr» hei Itotidkin. Mkki 
nnt. III, Taf. 257 (Candvl. |tl. 3 no. 4)- Aovv 
icicbnei duiclt tebendigcK Natnr^efÜlil irarf fmdwj 
Ariicil. Aui der SunimluDg LIrvMel, der da* Sta 
in Koni L-rwurlien iial. II. 0,7;; l>ni- 0,175 ■**•! 
<Abjitlstt in di-r l-'omicrci der UreKWner Skul[>tt»c** 
MmmliinK tu 15 M.;. 

lJcmulcr(f>, Tcrracntle «ireiigsclKiiKn Ütilr!- 
etwa voBi Ende de* V. ndk-r Anfniig de» IV. Jahrk. 
(Abb. 15 in ■ , d. w.Gr.}. Auf iktn lUnpl -MThcim 
Über der Mcplianc ein 
cylindn»cbcr Knpfpiitr 
abgcbrochon. Vcimut- 
lidi *1io i»l Demelet 

(icnwini. Uciniianir* 
wHrc in dem erhobenen 
rechten Amj ein Sec|ilcr 
uder M'ol eher eine lanKC 

Kachel ru cri-Hnun. 
Auch die recblvrinVIig 
vnrgesircckie Linke wird 

ein Atlril^ul gehalten 
haben. Die Ohcrilllche 
stark vcninIcTi, »u daü 
*ich von Farben nur 
noch da» Knt der tUare 

erkennen Ilf^K Hie 
Kuclucitc »cbcmatitch 15 

ab{;cruii(Ict und mit 
vinvtn tundcit Breiinloeh veneben. L'nlen offufk 
II. 0,328 m. Ilerkunfi vermutlich Kletnasirn, «rte 
bei dem folgenden StUek. 

Knabicin ;,l£ro»i) auf eine ube^rabe. also 
ctttii den Muten entlehnte. Kithar ge^tlttrl und den 
ltc*eliiiuer Kctinlkhufi anblickend (Abb. t6 ili *U d- 
w, Or.J. l>te Hugel an der 
au« einer beaüiidctcn J-'orin 
geotbeiicien RUckacite fehlen 
m-Iieiilil mir xuralli);. Der 
rorslebendeRand inisctaen der 
Küini der Vorder- und ROek- 
icite i*t nur HUchtig beMrilint 
und llfsl sich m liati gan^ieo 
Umtif« de« Figllrclien« noch 
dciitlK U verfnlf^n. Die Basis 
i»! hohl, dagegen •chrini die 
Figur voll gearbeitet in Kin. 
V'nn Knrbc btxl Mulgnind 
keine Re^le mcht. II. 0,070 ni. 



i(> 



l;tL-<i<Jcn, Saminlungtn Schubart tiiul Wocrnisnn. — L«lptig. äAmnlunj; HeKunb. 



V 



Herkunft iinl)«ksiniiL Jedon-h bL-finilvi »icli nndi 
einer Mitii-ilung Dr. Herrmann'« ein ganf vnt4|itr- 
ühcn-lct |-!][ci»|)Ut im Berliner Anliquariiiin (Vcir.- 
tnv. No. 7617B). wdches ■» Kleinnsicn etunnf. 

Prof. l>r. Karl Wocrtninn, 
Direktor ifcr K. r.cinä)<Ie[;«Icriv, Ilübnentinfsc 5. 
VotlrL'flTlich etliallcnc l'yxio il«* l)ijiylon>>tilc« 
mit lUBcbdriKviu Drckcl (Abb. 1711.IJ. in ';, <l. w. 



17* 



■-''VVW'/VXv'.VV^/WVV^'/.. 



Gr.J. 8raun«chwiirecr l'irnlfs auf Tolgclltcni Grund. 
Au« Athen. 11. (mit Dcickcl) 0,135; '^i"- 9ii^3 n- 

jtwci feine ailischc Grohlrkytbcn. Hie in 
bunten Kaiben auf wL-ifsein Tliunt^iuuil die ScbtnUk> 
konc <^c' Grnbvivle *]ur<Jli xvrei ron ven-cbicJciwa 
Seiten herbei kommen itc l-raucn il.-ir<iiclli'i). Au» 
Athen. 11.0,3 und o,j m. 

Zierliches alli<>cbc» Kannchvn mit klrehlttt- 
(Drmigcni Au>Kuft. Auf der Vonlerieile in nacfa- 
lüssig freiem roifignilgem Stil rin nacktes Knlblcio, 
wekkca von hnk« her ituf ein am Bndi-ii sIcIicimIc^ 
Künnchi,-!! loavchietiet uml licidc llilndv nach di«- 
icm nusütrvckt. Au« AthL-n. H. (ia>7 m. 

Lla» vordehenile Vcrieichnifi uiachl nicht An> 
«ptuch .-iiif VulUtiindii;kcil, *<»k\\ nbtcnvhcii von 
der Fiedicr'ichcn Sammlung, welche, wi« JMreit* 
bcrmrcchobcn, nur iMm klcinikni feile liemrbric* 



bell werden konnte. Schon während der Abf^sstini; 
ilicnct R«nc))ti'% erhalte i«'h von weiteren Antiken 
in liieiig^etn riivnlbc»iu Kunde, deren VetKiehnilDi; 
ge legen iliuli nacfa^-clioli wcrilcn miII. 

UteMlcn. Gceri; Tre«. 



SAMMLUNG HKRKURTH 
IN LKIPZIG. 

Im ße<it< lies Hi;irn I'aul Hcttuilh in Leipri^ 
liefinden »ich folftcnde, au» der Nrcropolr vou 
Myrina «lummend« Tlinnßt;tir«n: 

1 J Auf c 1 1> L' m Fe Inen 1 i 1 1 e n d c Frau 

(MuseO- "■ o<3<' ^><>' i^l bekleidet Jnit dem 
Htiiiation, das zweimal um den Körper geschlungen 
»t, einmal eng um den Leib, 4o daf» dir 1. Bni&t 
bedeckt ist, wahrend die r. Bruil und beide Schul- 
tern frei bifibeii, ein* xweile mal lutkei über den 
Klicken, den r. Ann, in den Schnof* tfi^leKt. Au 
dem erbaltcneii 1. Fufs eine Snndnle. Auf dem r. 
Oberschenkel iwei dicht beieinander cIchcDdc Etolir- 



^>' 



lOcher tur UcfcaliKUns einet- jel/l fehlenden, eiovt 
von der vorgesirecklcn 1.. gebnllencn (ierlthe», 
etwa einer l.cicT. Auf dem Haupte eine Stirn kröne, 
C'ic Ausloduni: dcf Fcl^m iiiatcr dein RUcken der 
Figur scheint al* in Form einer I'lattc legelmilfsig 
behaue» ifcdacht ru wn. FcUcn und Kigui lind 
besonder* ancefertif:t and nnchimelich insammcn- 
goftil, wolici iWr Figur eine tw starke Neigunt^ 



nach TBcInvHrls f;i.^ebra vrovdcn bl. [Graaa Über* 
cinMimtticnile WieilerholutiKvn schciucn nnch freiunl- 
lichur MiiU'iIuii^ K Winttr*. tUm auch ilk- folgen- 
den AncalH-ii n«» riecn Api>anil d« Tcrntcottcn- 
Corpue veidaiikt wentcn, nicht vAThan<lci) tu sein.} 

a) Notklc iitgcnilhüh iiilnnliche FiRur 
n. o,34j. In •cliWL-tK-ndci nnlninc, wie 3USM:lir(.-i> 
lenJ mit vnr^r>iir>:clitci» 1. Bein, rfoch mii gc»ciik. 
K'n Kii(ti[>iUcn. rtcn BoJin nitht bctllbicnd. Der 
frchlcoflc) r. Ann war v-ncrgiscb iinch oben tjcrich* 
tct, I. Scliulter und Ot>crjrni goenii, det Votdcr- 
aim im /cchlcn Winkvl vorcwlttirkt, die Ilnnd 
gcAfTm:). ohne etwa* £u halltn. Itci ilcin liemlii:)! 
«Icutlicli anilrngyncn C'harakivt ili-i K(kr[>rn> kunnlc 
aiicli der lu^cscMtc, in Kritur und Oimc hl;. formen 
weibliolic Kojjf lugchilrijj »ein. Die Kigiir war 
Vertu II ihliuli ein>t im KOckcn iiB«nd wie bcL-stlgt 
mil Hlliri: xwelvr sor{-fttltig aus di-ni Thon au» 
):v-9cliiirlIcni.T kreis rund üf l.üchrr, ciue» klcinL-KDt 
vwiH-hcn den unteren Rflndem der Scliulicrblntu-r, 
tind tinc* (doppelt «o (jroficn t-twa« nbcrlialb der 
ItuTtcn. Auch div Kuck»cilc der Kigur h\ gut 
duTCbniodtfllirr. besonder» fleif<>i): die Kiiixd heilen 
nn Zehen um! S^indalen. An Ict^ieien ^ind Mjiuien 
von VcTKoHiing «nd einer hcltröthlichen Karbc er- 
halten. Die Solilen und das Glied wartn an(ji.-«cljt. 
lAhnltuh Kekulc, Tcrrak. aus Sicilien S, 33 n. 75 
und andere Kxemplare mit geringen Abweichunjfen 
aui Mjrrina bei Rcinai.-h, Nctr. de Myrilia und in 
Sammlung Miithos.] 

$i Sitcri auf einen ^atyrge^liUm. II, mit 
Sockel 0,145, ^«' Jongbilrtigc, <>lumpfnasii;e Silcn, 
wiEi^her 5uf rlcin IlaU[>te einen lurbaua.r(iKi-ii Kii|ir> 
l'Utz lr3|;t und über den Schtiltcni ein leichlce Cic- 
w«nd inigl, erbcbl mit der R. einen doiipcUicnUi. 
);cM Krug um! «lUUI sich mit dum I. Arm auf div 



Schultern eine« mit fauiicni Schürt und von dirr U 

Scbuller hera1>hilni>t-ndemGevrnnd bekleideten Satyrs. 

4; Nackte wcihliclie J-'igur. »iliend. 

' H. 0,14. Jugendlich ■chUnkc Knrmcn, Dos <■- 
Ttluk)*Cf^ tri ebene Haar in einen Knsuf «nsainnicn- 

I gcfaMi eine Binrlc scheint diiieli iwci cii)|tctlrflchiL- 

I Linien angedeutet. Die I. Ifand deckt die L Bnttt, 

'. der r. Arm ist An den Kotpur aiii,'e<lrni:kt, die Hand 
»cillicb an den Obet»cbenkel »nKclegt, die Heine 
CDC ancinandtr ev^^}ll^M^n, an deu Furien Sa»- 
dnicn Reichliche Kette eine« hcUen Ubcrntc* im 
N'aclden und von gelblicher Karhc iq Hjiar. Ohde 
Bn.'nnlncb im Ktiekcn. An den mifbilEcndon lliri* 
Im Spuren rier llelcstigiing auf einem nicht erhal- 
tenen Gebens mild. 

5J Kiinbe mit antpriugenJem llboJ- 
chen, _Ue*'-))nmib<ihe 0,175. Au( kict*ninder, nur 
halb ausifefllhrtcr Riui« lult An- und .Ablauf sieht 
ein Knabe iin lUlb:innclt<it'k und Mantel, in den 
der linke einen Zipfel liiUlendc Arm c in ^^c^irh lagen 
ist. I>ic gcfienkte K. ksli ein Spieixtug, anwbei* 
ncnd eine J-'igur. Da» an den Schlafen Itcral» 
gcfetrtebcnc Haar ist über den Ohren mrk geladit. 
Auf dem bcbeiiel «cbeinl eine rli<:ktie|;cnde Flechte 
I :ingcdcmel. L. Standbein. Kin Ilundeben (mit 
I Halsband;) am r. IU:tn empor^pringend. Auf der 
KtIcktcKc der B.-isU in den TUcn cin(;i.'n('l div In-, 
whrifl lePLJNOC. 

6) Vctkchleier te J-'r.iu auf einen ITeiler^ 
gCbtUtsl. Gcsanimthnlie 0.315. Auf citR-r vier- 
£Cttii;en Basis eine KCehende Frau Uu Cliilon und 
Mantel, der den r. in 
die Hüfte gefüllten Arm 
verdeckt und über da» 
Hinterhaupt gvingcn ist, 
wnhTcnd die auf dem 
Pfeiler füllende 1,. einen 

Zipfel de&ielben jtu hnlien 

»chcinl. Anf dem l'feilcr 

ein «Ivticndet, langbcklei- 

dctes, anBi:hi'incnd weibli* 

elic3(3öilert>il(!niit.S<:hki- 

er und Polov. Die K. 

an die IJru«! gedrilekt, 

die (;e»cnl;te L. einen 

CeViandxipfel erhebend. 

[Ähnlich, aber nicbivüllig 

gleich, dici-'igiit üuh \le- 

gara, Gazetie arcb. iS;6 

pt. 15, die im Cai. Ca- 

Ucllani pl.MI n.649 au* 

Tanagra und eine au« 

Ilalikarnafs im BriL Mui.] 



I-cif'Si SaiainUiag Hnfuitli. — Kamnilim^' l^n^^rrv 



29 



7)Ste)ien(le«Mild- 
chvti. tl. inii Sockel 
o,]i. Auf ovaltrr Ba&i«. 
Ltnkm Standlicin, da» r. 
etKüs xurUoki^stcIlL Lan- 
ger, sehr hoch grgltrlcttr 
uiitl Ubi-r diT Bru«t ttcf 
cin][c«chnitrcni!r t.'tiiron. 
Itn Kücken ein MlnlH* 
chcn, in ««-dchts Wide 
Arm«, ilei in die Seit« 
^staute linke und der 
bcinlilttlDgendc rrclite vin* 
ICCichlAi^L'n «ind. AuT der 
r, Stlmllc» tm gioNt-r nm« 
itvr Knüpf. Im iinji eine 
Sicfihanc oilcr eint rund- 
liclio Bindf, dtrvn Itand- 
i'nden hi»tcr den Ohren 
lO am N:icken herabiuhilnKen 

scheinen. Aufdcin Schci- 
Icl ein Kopfscliniiii:!. fllaarllechteJJ. 

S] Kakc hr-L:lic Herme. II. 0,125, I*CT 
iinvL'rjilni;ti; llL-tinen4c>j»rt üiihi nuf einer kid^nin- 
den lljMi, die atii vorderen Knnd eiTii^e ^idchlc 
Irtgl, xwci Apfel, eine Weintraube, und eio Wcin- 
blnll. An der Vordeiseite ile* l'fcüer» der auf. 
EL-richleU- Phnllo», oheii beiderseits die ytlftt. Der 
Kn\>{ ie'%r den lant^tiillrtieen , leieht archai»ircndeii 
TypH», lU)L-i der Slim Kcibrn von BuckcllrtcKciieii. 
iwei fie'iiii Lücken auf die Hrust hcinbhltnfend, Aiif 
dviTi lidiii|>t dc( Modiut. |A\'ieilcrhiilLin^en: 1. Kc- 
kule, 'rertjfc. »u* Sicilieii S. 35 «. 7S [nu«. Kenlo- 
ripa): 3. Samnlun^ Miitbot (.m« Kleinitfien}: 
3. Alhen, I>u1)'leelii>. 1644.J 

9) 'runxvndo Mtidehen. If. u,2l, An- 
murhige, »ehr iicnegtc Haltung. Die r. Schulter 
eeienki und «tark nuttlckgcbcust, dem cnuprechcnd 
der Knpf nich r. hcnb|:enciet, der r. itu Gewand 
vcdiorgcnc Arm itlckwiirl* eiiiKetlenniit. Da» r. 
Bctii weit vor dsis I., vom Gewand verdeckte goclzt, 
diu Kleid lanj^ nnchM:hlc|)|>L-nd. I>as libcrgewimd 
bl eng um den Körper Keskli lagen, M' dafs die 
IKaltct) dr« Untergcwnndc« kenntlich werden, und 
um den Kopf gewunden, itur da* Gecidit fidla4»end. 
I>cr I. VofdcTann horuonial vorgcftirccki mit nach 
Bntcn geöffneter I UmltlDehc. Die KTi|>lvcrhilUung 
erinnen ni) die vun lleydetnatm im vierten Halle* 
Beben Winckelmannsprogramtn 1879 publicirtc 
Bronicfigur tles> Tunner Mu»cuin.->, «leren lilulivc im 
Chiigcn wcscnllit-'Ii ntiwuiehen. Nllticr verwjindl 
die Oicadertur Tcrrneniii', Arch. Aniei^r 1889 
S. 1601 (Zwei U'te<!i'r!:ii!uti. - inijint)n<i|iel 



SHE Klciniaicn, zwei andere, die aus der Cytcnaica 
unrt am Capua ■tammeii, im BritiHchen Museum i 
nicht pul}licirl.j 

toj Weibliche Gewsadfigur. tl.tnitBa»« 
OiXlj. Ovale Basis. I>a( Ohcrgewnnd «ehr tcJLdn 
drspirti die Falten des Chitone durchsehcinvnd. 
Am r. Iltierarni ein Annrin;;. Auf dem Kopf ein 
Über der Stirn lUtaniiiwiiifeknuprie« Kopftuch, auf 
d?m Sehcilcl eine Haa(flechie[i}. 

Tb. Üchreiltcr. 



SAMMLUNG ROGERS. 

IJ« ini Arcli.'iobij'Kcheri Aniciger 1KS9 S. iiof. 
über einen Teil der cln*ii^cn Sammlung Kogen 
lietichu-t Würden iit, gUubcu Mir auch die fulgendi; 
Miiieihing Ul>er eini|;e Gcfbrne dieser Sammlung 
r.um Abdruck bringen tu «otteni die wir glelehfalU 
der Freund liclikrit des Herrn Talfonrd Kly ver- 
danken. 

I. Mist Emily Shnrpe »f Highbory Place 
ha« Cwenly Greek Viasvs (mcMlIy fnund in llaly} whieh 
wcrc given In her laie faihtr Samuel Sliarpc (the 
t^mrplahigiilj by Samuel Bugen tlie poel. 

A. Klackfigured: t. Kylix — Inftidc, a liirtl 
vrilh long biti and long leg*, i. Small ampbora — 
carclessly painted. <>» both sides comltni» ofwar- 
riors. 3. I.ekytho* - tlhariotracc wilh pri« vase, 
4. I.ekyttiiis — l.'hariat. 5. I.ekytho» — Chaiiiri. 
6. LuUytho« — Hvrnklet and Triton. 7. SmaU Icky- 
tliov 8. Uonnehoe wilh Ircfoii mouth — Male 
fignrc lo rißht, 9. l.ekythu« — n-ith four patmclCi.«. 
10. Lckyihas — wiib aeaied hgure^i. 11. I.ekyihns 
— Aehillc*. Troilo>, I'olyxcna, and draped tigure. 
(Jn «houldei äireii and bco^ls. 

B. Kedfigured: I. Kylix — diaped fi^urc« 
wllb kylix and double fluic. 3. SmaU Ilydda — dm- 
pcd feuialc with lyre and gnoie. 3. Amphor». {uj 
gnddeti (: .Allicna) with acgi» but nu helmvt — 
youth (: Theseu*) wiih iwo »peivr» and pclnsos. Ura- 
wing good — Ky« ahm»! fiilL (bj rvter^- — 
"MoiiieljiuiglioK"- 4- Lckylho» — Kemalc »eated — 
execuiion ha«y. 5. I.ekylhos — Fcnialc wilh thyr- 
H» ~- esceution not g«od, 

C. Blackware: 1. Knniharov (Agurcd in 
llamilion« Vnse^i. 2, Small cup with yellow and 
purple ornamenl. j. Va« likc lekyihos withoui 
bandle — Traces of m-tiiroik |>nltt.rn. 4, Small 
black gWcd jux wilh round mouth .iimI high bandle 
fkuid Im I« fruni Sola). 

II. The Mi«f Kield» (daughler> nf the latr 
Kdwiii Fii'ld/ of Si]Hlre*« MonnI, I Innip« iciut, have 



BJnc grrrli vaM*. Tktec of tkoc cctträriy AI 

■IUI lirliiox >" S«iBti«l Koecn. OT tlw remaiitmc 
*ix (otir dM beloag in hin, bat it t% inpoMlile 
tu tvll whicli foitt. 

A. ]llicliri(>Brcd: i. Ampben (■) D i oa p oi. 
Atlicua, lUriiio, Nymph AriadncJ. (b| Oicmpot 
linldini; Vanlhnros Ariailne, ^Tyr«- 3. Amfilton 
— pi»in, cscq>t omxiurni« (t*tR>etle de. Brillkani 
lilack kI*^- j- Ampfaora /aj f'nnate >cued lijr 
wftrrion. (b; Wairiot, jroMth* aml fcmale. Unt- 
liuit ht»ck glaic 4. Kyli« — Inoiile, Saiyi ran- 
ninc and IooUds tNkck. 

B. Kc<]ri|;utcd. I. Ampbon (a)Tri|>Ddon 
Mv!e — Voutii Unit Kctnnlir. (Ii) Tirn youfht in 
iiiantlr«. Ksrcutwn luuiy «nd poor. X. Jii|; witk 
lii^b iwikird handlL-. Man punuitu; bAf wba hold* 
lt(H>p nnil Ltick. finv ftj\t. 



SITZUNGSBKRIQITE 

DKR ARCHAOLOG. GKSKl-LSCIIAFT 

ZU BERLIN. 

1S90. 

DECEMBER. 
KUnfiif'i'tro WinckcbaannKfcM 
Am Cicbomiftgr WinckeliDAnn*, drn 9. Dcccm- 
)M:r , iH-giD}; die arcbiologiüch« Uc«clbi:hnft im 
gror«^n Sntvlc ile* Arcbiicktcnliaii»^ zum funfitiestcn 
Male tilc Kcitr ihrn \Vinekc)n>nnmf«<ii««, Der 
Sial war duich dii; lorbcrrtimlcrlnfte Bdutc Winckcl« 
mann«, duicb diei Ab^tfc de« bctvndeii Kn.ibcn 
sowie den Abgu(> dei I*'i)>U( «in» belcndcn Mll'l- 
chcitt van Rnucli (s. AnncifiCT ($90 S.i64f.}, durch 
iw-ei NathbilitLins«" (im Mßfjslab 1 : io)t\et Nike 
de» l'tioniol iiiil ['oütainent, von dcni-n die cii« die 
(ruhet ant[cnoiiiitiL-nv. diu ontlctc die Jl1<>u»t vtwicueiK 
IfCMaltung de-* Iclfleuit rcran^L-hauIichu-. durch eine 
Keihc ton (lip^abifUfgen aniikcr Bildwerkv, in denen 
Sebopfungen des Krcsilas vcnnutel vrerdcn, end- 
lich (luich pTäeliiiKc l'lint»)ti'flpbiecn blatiischef 
OfiltcUkcilcn von Cotihvil in KoniK^betj; uiid durch 
Prtilietareirt iiu> dem gU-lcbreitig mit diesem tU-flc 
dcf Jahrhiiclif i;n<:beinen[k'D Hefie der aAntiken 
UcnkniiUct« ge«chiDUck(. Vor Ue^^iim der J-'ctlvoi- 
lrS|[e Überreichte Sc. Excellrnc der KultuMiiini»tet 
von Cof»1cT dem Vfüen Vorsilxenden. Herrn 
Ciirliu», die von Sr. Mnjeiitäl vetlivbcne grof^c 
([ol'lenc Meduillf Uu Wi".>tnschiirt, und ilciii Aichi- 
vnr, Herrn I rundelv-nhiirg, d.u I'alcnl ab 1'td- 
fcHOf. Darauf en1fTii«lc Herr CurtiDi di« Rdl» 
der VnrlrttKe iiiil Wycnder Amprache: 



Bb der Feier w amc« Vi 11 im . Ac n fcmtr 

l«£«lwB, tritt um nmUAst da» MM «ete» GfttBden 
vor Attf««, iau «fr Almn ia pmllMTiitWr Läcfec 
mkaacca, alle Fac^geMOMc« alic* ta ilinllnwp 
Vnrkranc. «b1 »k ia Miwm t'n&tapCo »Milih 
Viw AaliAf aa eü Uabb, der i*dae Tct^o« fitr 
die Wt*»ewcliaft ctuctttc and. dardi betae Sckwfe- 
tickclt e«timti|:i . Iiobcs 2idat Meb>n*>at, lal 
Fduardtierhard /«mt. nach Xohakefb uad Gnti- 
(ned HcTiBan» Vorcaacc <ik Vcnkf »t ilcrn 
dniücber rortca «forx:ht aad d*wi bb» des tJtt- 
tMgrr Hiblmthcti Ar BOcIcb* Vindu Aas. ^XenntU 
•Itcr Scbolini aw WT^lbUn Bsodachnftcn kennt- 
([CüMchL Bei dtcsei jHlUi»cJj|^ AiHcit ftlhli« et 
tun lettoe ^icbkraTl crnianLii und ncrvcnkr^uik 
inuf«IC er Italien auftucbeu, um neue JugndfriMJic 
tu gewinnen. Wunderbar bewahrte *u.-h ««n »cbono 
WaUfprucb: Dcf dich venmodctc, wird dich *aeb 
tacilcu': denn aU er ivci Jahre »pller nach Iraliea 
(uiUckkchne. «ai t% nichi auni Autnihen, »oadcrn 
um «inen hent aauimunt der sctocm l^bcn einen 
neuen Inhall gab. l>enn «tatt der einsamen Bichcf- 
•inbe w»rm e« die Kuni««h»» Kon», an denea 
«r fleh aufrichtete und den Entschlufs Tabtr, ihr 
nicthndt%k'bcn Verwcming «eine Kjddc tu widmt 

L)ic Zeit konnte oichl |,'Un:'tif;er fcltu Es war 
eine Epoche in der Wiettcrvntileckan^ des AllCf- 
tum*, die ihre lieschichtc hat, !0 gui wie die EM' 
dcckung der neuen Well, und an einem Tage wie 
dcni faeuii|:cn liemi c^ wohl, au den ];rof)>en '/.u- 
sammcnhani; tu erinnern, in welchem dai, wa» wir 
heute treiben, mit verganj>cncn /eilen >.tcht. 

Nachdem ein^t in blutigen Volkcrkriegcn der 
Vcrtuch i;ritMchl war. den Uiienl wieder an du 
Abendland «1 binden, kam die &ii fiiedlichvr Ei' 
nbcning. Ein dunklet Gerald tauchte auf, dari. 
eine volle Gcisiobildutig ohne Kenntnu und Ver- 
«Uiiidni» de> In weite cri't reuten lU-nkmäkm bcicuctcn 
.Mirrtniit» unnif^glich mtI: nirgend» aber konnte diei 
(ivfilhl «ich früher geltend nwchen al# an der vom 
jonisehcn Me«rc bc«pultcn Kusle Italien«, m den 
doitigeii i'nanislädtei) der alten flcUentnt, und m> 
»eben wir schon t435 von Aiikoiin da» Schiff ab- 
gcbirn, dn> Cynncii» nach Urievhenlaiid. Kreta und 
Kicitini'ien führte. Mit UtdciifcchafUicher Fnrtch«t> 
lusl durchbog er die IdasMschcn Länder, und daf« 
er «eine AuFgaW nicht wi« eine gelehrte Liehhabctä 
hutricb. sondern aU eitic Welinngelcgenheil, erhclli 
«chnu [Inraut, dnf« er die beiden lliUi{ttcr der 
Chrivtenheil. Kaiser Sigiiuiund und Kiigen IV. da- 
fUr tu gewinnen suchte, die iJcnkmiÜer de« Alter- 
tum« in Öffentliche (Ibhut xu itehmcn. lUne Rieb* 
ttms tiing mit dem /u;;e dci ItalletwichcnllumaniKmiMa 




ArchaologlKlM GesetUchaft 1890, Ducembvr. 



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ciig lutaniitien, xbci c« bcKtcin »ich, <i»tf^ man bei 
dem «cbwaimcriiclicii Kuitu« <Ie$ Alieriuni», fVr 
jcUt Mfld« wurde, nn Ann ritummcn Dcnkmillcrn 
vreni);« äcrricdigung (»nd nU an <lcn Sclinfcnillcn, 
nitt denen Platon«' (tdsr den 7.cvtgcnftM«n wii; eine 
neue Sonne nuAtucblctc. 

DaruTn wurden die halicner, welche Kitnärh*( 
den [leruf tintccn, riie Antike wieder on da« Licht 
fu jcielie», ton den Kraiuo*cn nberßU|;ell. dl« v«n 
ilen KreuxiO(;«!u bur mit den (.irieni in Vcritittdung 
uraren. .Sie wktcd die Sehutrmacht der dortigen 
l'liriMen; Marseille wurde der Itnrcn der L«vanlc. 
In Krnitliicifh hnt man « nier^'l nl« eine Auftiilie 
tk't Wi»«vn*cliafi i-rknnni, die MitlelnicertlKtcn aii 
ein Gftozes auEtufasscn Dnd die Kunstdcnkmiilcr 
ab eine wcseollickc Quelle lum Vcnlllmlni« ■]«■ 
Altertums ^H verwerten. Mit welchem Km«tc die»« 
Aufgabe erfaf*t wurile, heieiiEcn liic 11 n»t erbliche» 
Siinii-i) Monifaiicnii, ll'AnTille iincl' Ilnrllii-Ieiny. 

Die Komanen ieiietc ein at>Keborncr Trieb, in 
Kttnischung de* AUerhinw den terri»«cnen /<»»»• 
menhnn); einer nntionnlen (Je^cliiclile wieder hcrtii- 
»tellcn. Bei den Völkern des Korden^ war et ein 
Trieb nach Krkcnnlnit, der dlle« MentcbUcbe um- 
rnji^en wollte, ein G«i*t der Foncliung, der ivi 
Zeit der Kcformation auf allen Gebieten de« fjeiMe»- 
lcben& in die Tii'fc Orau^ und auf die Quellen ge- 
«chtchtbcher Kunde /uniekKing. Wie e« in l^rank- 
reieh die llu)>enciltcn waren, die xu dem jjloriciclicn 
Aufschwünge der Alle rlunuti tu dien den Weg bahnlen, 
«o war 1-» in IVuUehland die l'iL'lchrtenktube eine« 
ScbUler« Melanchihrtnf^, Martin Kraut in Tübingen, 
der tuerst dos Bedürfnis empfand, von dem Volke 
der Hellenen die erhaltenen Spuren in Spiaclie, 
Sitte und DenVmiLicTn .iufiu>()ilti:n. Derselbe C>ei$( 
unvcr<lroii!>en«T (^iiellrnror^czhnn^* wurde in l-jii>land 
lebendig, wo nllein die Mittel und der Slul vor- 
banden waren, die Sehncuchl nacli der vcrsebollenen 
Heimal unterer Gei^le^bildjng lliarkiAhig la be- 
rriedijfen. Nachdem James .Stuart jahrelang iwtNcben 
den rftmiichen Ruinen t;ewandclt war und *icb end- 
lieh klar grmncht hatte, dar» tfic^e Bftntcn .ille nur 
mangelhnric Nachbilder einer Ubei&cei«eben Kuiiüt- 
welt teien, scbifTle er «ich t7Bl in Venedig cm, und 
seine [..ondong an den KUsIcn von Altika war d«r 
AnfanK der WicdcTcnideckttnt; Griechenlands. 

Uen Ueulscheo war c* nicht Tergonni, *o »elb- 
«ihndjg vnnu(;ehen: >ic blieben im <jeri<lge der 
Knmanen, die fUr alle«, wa« den bildbi-licn Denk- 
mUlcm anjtehttrt, den VurjiuL' anuhaulicber Kennt- 
nis uikd persönlicber Vertrautheil hatten. Winckel- 
mann brachte den Oeii^l deulwhcr WikwnacIniR 
nach Rom und cntxUndctc ein Feuer der BcrckIc- 



TUnK, M) daft Goethe ein Jahrhundert mcn ach lieber 
Kiilitir nach ihm benennen konnte, aber er «"urde 
doch in dem (irade Kfimer, dnh er die am inciMen 
über den nlminchen Stiindpankt hin ausgehenden 
Forschungen Stuart' nicht voll wiirdigic. In seine 
Ku(tt.i|il'cn Irai /oega. Kr crj^ün^tc ihn; er war 
ein mehr philoiiophischcr Kopf von umfa« senilerer 
<jelchr!dmkcit und iircngerem Kor^chetgeiHt. Aber 
er knnofe ticli noch weniger vnn rflmaniiclicni Itin» 
Auf* frei halten. Sclbot rnn itnlicninchcr Abttsm- 
niung. hatte er dicMcit» <lcr Alpen ein lehrende^ 
Ileiinweb, und sein ruhelosem Leben war ein Iciden- 
«cbaftliclies Streben, vom NeliJ de< Norden!» Mch 
[ici ri» machen, d«K von Ilau»e au* \'ei»agte, dn> 
nach Raum und Zeit tVm^lv *icli gani und voll 
anzueignen. Wie die Ilunianiilen Italiens hatte er 
da* Gefühl, nichi in der rechte» Zeit geboren tu 
icin. Auch er wurde Krtmc» und Trtmi«chcr Christ, 
weil ek tu den Ordnungen <le« Lanilc« geh'''re, in 
dem allein er leben tu kounen glaubte. 

So war deuischc Fo»chting in Rom eingc- 
bürgert, al* eine Reihe neuer Thaltacbrn «inirai 
und dem beginnenden Jahrhundcn «eine wlMen- 
«cliaftlichc Aufijabi- klar machte. V.* war ein ron 
■iUcn Zundli^kcilen unatilitingiüer Zui; der Zeit, der 
»ich in den edeUlen Geistern oller Nniionen kund 
gab. Man wnllie die nlic KunM nicht rueliT blofs 
in )klu]>c«n anficbaucn. wn ihre Werke wie «nr 1*0- 
rade reihenweise aufge<iel1l «ind, «ondcrn im Lande 
iclbsl, aU einen Teil der Laml«^- und der Volk»- 
gcichichlc. 

Au« den Kavalierrflhrien vornehmer Briten. 
welche nach den «icbcn Ciemeinden Kleinuiena 
pilgerten, wurden ctu»Ic Korachungateitien. Martin 
l.eakc, DoiÜwcU, Sir William Gell begrtlndeien ^Ukh- 
«citij; eine wiksen«chnft liehe Ortiknnilc der kla'»<i' 
■eben L.indcr; die GetL-lUcbaft der Oilcttanti flber- 
nahm es al» eine Khrcnptlichl die L>cnkmillcr alter 
Knntl und Schiift an du» Licht lu (lehen. Uutch 
die Elgin marblcik wurde das Zeilalter des l'bidio» 
wieder nnfclinulich, iSii die Kunvt der Agineien, 
und dan Jahr djiauf M-blii); Ottn von Slackcllicrg 
im aikadiMihcQ Hochlamlc icine Zelte auf, um den 
»1» de« Apidl()lcni[teli> au« dem Schotte lU (ichen. 

Kncb Wilhdro von Humbnidt, nl» dc*(«o Haus- 
nachbar Zncgn «o lange Jahre an der Gregoriana 
gewohnt hatte, machte Niebuhr die hi«inn''cbc 
>'0Tdchung in Rom einheimisch, und seine Arbeiten 
nahm